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Lesungen 20.01.2019


1. Lesung vom 2. Sonntag im Jahreskreis (C):
Jes 62,1-5

Lesung aus dem Buch Jesaja.

Um Zions willen werde ich nicht schweigen,
um Jerusalems willen nicht still sein,
bis hervorbricht wie ein helles Licht seine Gerechtigkeit
   und sein Heil wie eine brennende Fackel.
Dann sehen die Nationen deine Gerechtigkeit
   und alle Könige deine Herrlichkeit.
Man ruft dich mit einem neuen Namen,
   den der Mund des HERRN für dich bestimmt.
Du wirst zu einer prächtigen Krone in der Hand des HERRN,
   zu einem königlichen Kopfschmuck in der Hand deines Gottes.
Nicht länger nennt man dich "Verlassene"
   und dein Land nicht mehr "Verwüstung",
sondern du wirst heißen: "Ich habe Gefallen an dir"
und dein Land wird Vermählte genannt.
Denn der HERR hat an dir Gefallen
   und dein Land wird vermählt.
Wie der junge Mann die Jungfrau in Besitz nimmt,
   so nehmen deine Söhne dich in Besitz.
Wie der Bräutigam sich freut über die Braut,
   so freut sich dein Gott über dich.



Der Text entstammt dem 3. Teil des Jesaja-Buches. Das babylonische Exil ist vorbei, aber Jerusalem ist besetzt und Teil des persischen Reiches. Dennoch besteht eine große Freiheit für das jüdische Volk - wie übrigens auch schon zur Zeit des Exils selbst. Die Autoren des dritten Jesaja-Buchteils blicken voll Hoffnung und Zuversicht in eine gute Zukunft: Fremde Herrscher sind zwar da, lassen aber viel Gnade walten.


Recht und Gerechtigkeit prägen diesen Abschnitt aus "Tritojesaja", dem dritten Teil des Jesajabuches. Der Prophet spricht mit jener Leidenschaft, die den Propheten des Herrn zueigen ist. Angelpunkt, um den es sich in der Lesungsperikope dreht, ist die Gottesstadt, Jerusalem mit dem Berg des Herrn, dem Zion. An ihr wird die Gerechtigkeit Gottes der Welt offenbar. Der Begriff der Gerechtigkeit ist im Ersten Testament vielschichtig. Gerecht ist einerseits der, der so handelt, dass das Wohl einer Gemeinschaft gesichert ist. Die göttliche Gerechtigkeit ist im Alten Orient oft mit dem Tun des Menschen verbunden. Der Mensch, der gerecht lebt, darf sich der Gerechtigkeit und der Nähe Gottes sicher sein. Letztlich aber geht die Gerechtigkeit von Gott aus. Von ihm kommt die Fähigkeit, sich der Gemeinschaft gegenüber treu und loyal zu verhalten. Gottes Gerechtigkeit ist Quelle von Recht und Ordnung und damit von erfülltem Leben in Israel. Diese Sicht von Gerechtigkeit wird auch in unserem Abschnitt deutlich gemacht. Als Grund dafür, dass in Jerusalem das Licht der Gerechtigkeit erstrahlt, wird genannt: Gott ist mit dieser Stadt. Jerusalem wird Ort der Gegenwart Gottes. Das Verhältnis zwischen dem Herrn und seiner Stadt wird in wunderbaren Worten mit der Beziehung zwischen Bräutigam und Braut verglichen.


Die aus dem babylonischen Exil heimgekehrten Judäer befanden sich in einer schwierigen Situation. Die Menschen hatten den Glauben an Gott und das Vertrauen auf das versprochene Heil verloren. Die Sammlung des Tritojesaja ("Dritter Jesaja") versucht, anhand verschiedenartiger Texte dem Volk Hoffnung zu geben. In den Kapiteln 60 - 62 wird das leuchtende Bild der Gottesstadt Jerusalem aufgezeigt. In der Form der Volksklage, die den Hörern bekannt war, versucht der Prophet aufzuzeigen, daß Gott sein Volk liebt und nur daraus sich Glück und Heil erwarten lassen.


Antwortpsalm am 2. Sonntag im Jahreskreis (C)
Ps 96,1-4. 6-7. 10

Kv: Kündet den Völkern die Herrlichkeit des Herrn! - Kv
(oder GL 54,1)

Singt dem HERRN ein neues Lied,
singt dem HERRN, alle Lande,
singt dem HERRN, preist seinen Namen!
Verkündet sein Heil von Tag zu Tag! - Kv

Erzählt bei den Nationen von seiner Herrlichkeit,
bei allen Völkern von seinen Wundern! 
Denn groß ist der HERR und hoch zu loben,
mehr zu fürchten als alle Götter. - Kv

Hoheit und Pracht sind vor seinem Angesicht,
Macht und Glanz in seinem Heiligtum.
Bringt dar dem HERRN, ihr Stämme der Völker,
bringt dar dem HERRN Ehre und Macht, - Kv

Verkündet bei den Nationen:
Der HERR ist König!
Fest ist der Erdkreis gegründet, er wird nicht wanken.
Er richtet die Völker so, wie es recht ist.- Kv


2. Lesung am 2. Sonntag im Jahreskreis, Lesejahr C:
1 Kor 12,4-11

Lesung aus dem ersten Brief des Apostels Paulus
   an die Gemeinde in Korinth.

Schwestern und Brüder!
Es gibt verschiedene Gnadengaben,
   aber nur den einen Geist.
Es gibt verschiedene Dienste,
   aber nur den einen Herrn.
Es gibt verschiedene Kräfte, die wirken,
   aber nur den einen Gott:
Er bewirkt alles in allen.
Jedem aber wird die Offenbarung des Geistes geschenkt,
   damit sie anderen nützt.
Dem einen wird vom Geist die Gabe geschenkt,
   Weisheit mitzuteilen,
dem anderen durch denselben Geist
   die Gabe, Erkenntnis zu vermitteln,
einem anderen in demselben Geist Glaubenskraft,
einem anderen - immer in dem einen Geist -
   die Gabe, Krankheiten zu heilen,
einem anderen Kräfte, Machttaten zu wirken,
einem anderen prophetisches Reden,
einem anderen die Fähigkeit, die Geister zu unterscheiden,
wieder einem anderen verschiedene Arten von Zungenrede,
einem anderen schließlich die Gabe, sie zu übersetzen.
Das alles bewirkt ein und derselbe Geist;
einem jeden teilt er seine besondere Gabe zu,
   wie er will.



Die Gemeinde von Korinth war neu gegründet und schon drohten Zwietracht und Spaltung. Der Brief des Paulus an seine Gemeinde versucht, die Konflikte zu benennen, und ist um einen sorgsamen Umgang der Menschen miteinander besorgt. Dazu zeichnet Paulus kein Bild einer Gemeinde, das von scheinbarer Harmonie geprägt ist, sondern er sieht in den Konflikten auch ein Potential. In den Spannungen offenbart sich eine menschliche Realität. Paulus will sie nutzen zum Aufbau des Reiches Gottes mitten in der Welt.


Die Kapitel 1 Kor 12 - 14 bilden die große Einheit der Charismenlehre. Zunächst werden in 1 Kor 12 die Charismen vorgestellt, um in 1 Kor 14 die praktische Anwendung zu klären. Sie soll geprägt sein von der Liebe, die in 1 Kor 13 genau in der Mitte steht. Die Charismen werden als verschiedene vorgestellt, die in der Summe aber alle Belange des Lebens und der Gemeinde erfassen. Sie sollen zugleich immer wieder auf den einen Gott verweisen, der die Charismen gibt und durch die in die Gegenwart der Menschen eingreift. Der Glaubende soll nicht sein Charisma mit dem der anderen vergleichen, sondern das eigene entdecken und leben.


Die christliche Gemeinde von Korinth ist Anfang der fünfziger Jahre n. Chr. während eines Aufenthaltes von Paulus entstanden. An sie ist der Brief gerichtet. Wie die Stadt Korinth selbst, ist auch die Gemeinde vielfältig. Durch den Handel kamen viele Fremde in die Stadt. Anlass für Paulus, den Brief zu schreiben, haben ihm die Leute der Chloe gegeben (1,11). Auf diesem Hintergrund wird wohl auch der Abschnitt unserer Lesung zu verstehen sein. Verschiedenheit in der Einheit können wir als Leitmotiv betrachten: es gibt verschiedene Gnadengaben, aber nur den einen Herrn. Damit bringt Paulus sein Gnadenverständnis zum Ausdruck: unverschuldet, unverdient und unerwartbar bekommt der Mensch Gottes Gnade in den verschiedenen Gaben zu spüren. Gaben, die zugleich auch Aufgaben sind: sie nämlich zum Wohl und in den Dienst der christlichen Gemeinde einzusetzen. Ursprung aller Gnadengaben ist der eine Herr. Von diesen Gnadengaben ist keiner ausgeschlossen, der "im Geist" ist (Vers 11). Diese Konzeption findet im Anschluss seine Fortsetzung - der Geist ist es, der die Menschen verbindet und eint. In diesem Geist sind wir Kirche (Vers 28ff).


Ruf vor dem Evangelium am 2. Sonntag im Jahreskreis (C)
vgl. 2 Thess 2,14


Halleluja. Halleluja.
Durch das Evangelium hat Gott uns berufen
zur Herrlichkeit Jesu Christi, unseres Herrn.
Halleluja.


Evangelium am 2. Sonntag im Jahreskreis, Lesejahr C:
Joh 2,1-11

Aus dem hl. Evangelium nach Johannes.

In jener Zeit
   fand in Kana in Galiläa eine Hochzeit statt
und die Mutter Jesu war dabei.
Auch Jesus und seine Jünger waren zur Hochzeit eingeladen.
Als der Wein ausging,
   sagte die Mutter Jesu zu ihm: Sie haben keinen Wein mehr.
Jesus erwiderte ihr: Was willst du von mir, Frau?
Meine Stunde ist noch nicht gekommen.
Seine Mutter sagte zu den Dienern:
   Was er euch sagt, das tut!
Es standen dort sechs steinerne Wasserkrüge,
   wie es der Reinigungssitte der Juden entsprach;
jeder fasste ungefähr hundert Liter.
Jesus sagte zu den Dienern: Füllt die Krüge mit Wasser!
Und sie füllten sie bis zum Rand.
Er sagte zu ihnen: Schöpft jetzt
und bringt es dem, der für das Festmahl verantwortlich ist!
Sie brachten es ihm.
Dieser kostete das Wasser,
   das zu Wein geworden war.
Er wusste nicht, woher der Wein kam;
die Diener aber, die das Wasser geschöpft hatten, wussten es.
Da ließ er den Bräutigam rufen
und sagte zu ihm: Jeder setzt zuerst den guten Wein vor
und erst, wenn die Gäste zu viel getrunken haben,
   den weniger guten.
Du jedoch
   hast den guten Wein bis jetzt aufbewahrt.
So tat Jesus sein erstes Zeichen,
in Kana in Galiläa,
und offenbarte seine Herrlichkeit
und seine Jünger glaubten an ihn.



Die Geschichte vom Weinwunder bei der Hochzeit zu Kana gehört zu den johanneischen Zeichen-(und nicht Wunder-)Geschichten. Während das Wunder für sich steht, ist die Zeichengeschichte im johanneischen Sinn hinweisgebend: Sie verweist auf die Wirkmächtigkeit und Autorität des Gottessohnes (Schnackenburg). Das Medium, um das sich die Geschichte rankt, der Wein, hat bereits seit alttestamentlicher Zeit (Am 9,13; Jer 31,5) metaphorischen Charakter und deutet hin auf göttliche Lebensfülle. Eine Verbindung zwischen dem Element des Wassers und dem Sakrament der Taufe wäre allzu gesucht, so verweist Schnackenburg. Eine besondere Erklärung zu der Zeichen-Geschichte findet sich im abschließenden Vers12: Das Erscheinen des Gottessohnes geht nun in Aktivität über. Noch am Jordan (Joh 1) wurde er offenbart, nun aber setzt der Gottessohn selbst das Zeichen. Zudem geschieht dies in einer konkreten Zeit und an einem definierten Ort. Wenn Gott also in seine Schöpfung tritt, dann nicht losgelöst von Raum und Zeit, sondern konkret und erfahrbar.


Johannes der Täufer und die ersten Jünger hatten als Suchende ein Gespür für Jesus und seine Berufung (Joh 1). Im heutigen Tagesevangelium geht es um die Gemeinde. Das Volk soll wissen, wer Jesus ist. So heißt es in Joh 2,11: So tat Jesus sein erstes Zeichen, in Kana in Galiläa, und offenbarte seine Herrlichkeit, und seine Jünger glaubten an ihn. Die Notsituation, dass der Festwein einer Hochzeit aufgebraucht war, bemerkt Maria als erste. Aber sie kann nicht handeln. Das ist Sache Gottes. So kann sie nur die Vorbereitung schaffen an ihren Sohn ("Sie haben keinen Wein mehr") und an die Helfer ("Was er euch sagt, das tut").


Im ersten Hauptteil des Johannesevangeliums (Kap. 2-12) wird das Offenbarwerden der Herrlichkeit Jesu vor der Welt vorgestellt. Im Johannesevangelium erweist sich die Doxa (göttlicher Glanz) Jesu in seinem Tun. Die Herrlichkeit Gottes wird im Leben und Wirken Jesu Stück für Stück durch seine Zeichen und Wunder entfaltet und gipfelt in der Stunde des Todes Jesu. Die Erhöhung am Kreuz ist die Erhöhung in die Herrlichkeit. In unserem Abschnitt setzt Jesu sein erstes Zeichen (Vers 11) Die Stunde des Herrn ist noch nicht gekommen (Vers 4). Gott selbst bestimmt den Kairos, die gefüllte Zeit, in der die Herrlichkeit offenbar werden wird. So verpackt der Evangelist bereits in diesem ersten Zeichen die Theologie des ganzen Evangeliums. Letztlich geht es nicht um das Wunder, dass Wasser in Wein verwandelt worden ist, sondern um den ersten Erweis der Herrlichkeit Jesu.