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Lesungen 20.03.2016

20. Mär. 2016
Palmsonntag (C)


Evangelium des Palmsonntags zur Palmweihe, Lesejahr C:
Lk 19,28-40

Aus dem heiligen Evangelium nach Lukas:

Jesus ging nach Jerusalem hinauf.
Als er in die Nähe von Betfage und Betanien kam,
an den Berg, der Ölberg heißt,
schickte er zwei seiner Jünger voraus und sagte:
Geht in das Dorf, das vor uns liegt.
Wenn ihr hineinkommt,
werdet ihr dort einen jungen Esel angebunden finden,
auf dem noch nie ein Mensch gesessen hat.
Bindet ihn los, und bringt ihn her!
Und wenn euch jemand fragt: Warum bindet ihr ihn los?,
dann antwortet: Der Herr braucht ihn.
Die beiden machten sich auf den Weg und fanden alles so,
wie er es ihnen gesagt hatte.
Als sie den jungen Esel losbanden,
sagten die Leute, denen er gehörte:
Warum bindet ihr den Esel los?
Sie antworteten: Der Herr braucht ihn.
Dann führten sie ihn zu Jesus,
legten ihre Kleider auf das Tier und halfen Jesus hinauf.
Während er dahinritt,
breiteten die Jünger ihre Kleider auf der Straße aus.
Als er an die Stelle kam, wo der Weg vom Ölberg hinabführt,
begannen alle Jünger freudig und mit lauter Stimme Gott zu loben
wegen all der Wundertaten, die sie erlebt hatten.
Sie riefen: Gesegnet sei der König,
der kommt im Namen des Herrn.
Im Himmel Friede und Herrlichkeit in der Höhe!
Da riefen ihm einige Pharisäer aus der Menge zu:
Meister, bring deine Jünger zum Schweigen!
Er erwiderte: Ich sage euch:
Wenn sie schweigen, werden die Steine schreien.



Der Schilderung des Einzuges Jesu in Jerusalem geht bei Lukas das Gleichnis vom anvertrauten Geld unmittelbar voraus. Dieses endet mit dem Ausblick, dass nicht alle Menschen wollen (das Evangelium spricht in diesem Zusammenhang von Feinden), dass der genannte König ihr König werde. Der letzte Vers des in der Leseordnung vorgesehenen Evangeliums (Vers 40) ist inhaltlich mit den folgenden Versen 41 - 44 verbunden. Aus diesem Grunde empfiehlt sich eine Lektüre des Einzugs Jesu in Jerusalem in diesem Kontext. Für meinen Predigtvorschlag habe ich die Erweiterung um die Verse 41 - 44 mit berücksichtigt. Empfohlene Erweiterung: Als er näher kam und die Stadt sah, weinte er über sie und sagte: Wenn doch auch du an diesem Tag erkannt hättest, was dir Frieden bringt. Jetzt aber bleibt es vor deinen Augen verborgen. Es wird eine Zeit für dich kommen, in der deine Feinde rings um dich einen Wall aufwerfen, dich einschließen und von allen Seiten bedrängen. Sie werden dich und deine Kinder zerschmettern und keinen Stein auf dem andern lassen; denn du hast die Zeit der Gnade nicht erkannt.


Die lukanische Version der "Einzugsgeschichte" - sie ist in allen vier Evangelien sehr akzentuiert erzählt - fällt schon durch ihre sprachliche Schönheit auf. Lukas, auch sonst ein Meister konzentrierter und ansprechender Erzählkunst, hat eine "Jünger"-Geschichte geformt, die in seinem sog. Reisebericht einen Faden aufnimmt, der in 9,51 ff. "stracks" nach Jerusalem führt. Zwei Jünger werden in das vor ihnen liegende Dorf geschickt, einen jungen Esel zu holen. Was Jesus den beiden als Wegweisung mitgibt, erweist ihn als Propheten: Die Jünger finden alles so vor, wie es ihnen Jesus sagt, und auch die Frage, auf die er sie vorbereitet, wird dann so gestellt. "Der Herr braucht ihn". Warum? Für was? Im Hintergrund steht die prophetische Verheißung, die bei Sacharja formuliert ist (Sach. 9,9f.): Nicht nur, dass "dein König kommt" (angesprochen ist die Tochter Zion = Jerusalem) auf einem jungen Esel, sondern auch, dass Streitwagen, Rosse und Waffen vernichtet werden. "Er verkündet für die Völker den Frieden; seine Herrschaft reicht von Meer zu Meer und vom Eufrat bis an die Enden der Erde."(Vers 10b). Dass diese Verheißung in Erfüllung geht, hat der Evangelist in Szene - 2 Jünger in einem Dorf vor Jerusalem - gesetzt, ohne auch nur ein Wort zuviel zu sagen. Es sind die Jünger, die ihre Kleider auf den Esel legen und wie einen Roten Teppich auf den Weg vor ausbreiten. Die Menge hat Lukas ausgeblendet, ebenso die Palmzweige. Ihm lag an der Kleiderszene, die diesen Einzug von vielen anderen herrschaftlichen Empfängen abhebt und noch einmal unterstreicht, wer denn hier kommt. Dieser König kommt ohne Eskorte und ohne gepanzerten Begleitschutz (Statussymbol bis heute), sondern vor ihn legen Menschen ab, ziehen sich aus - und haben Anteil an seiner Wehrlosigkeit. Das Sacharjawort meint ursprünglich auch, dass ein König kommt, dem geholfen wird (passiv) bzw. dem geholfen werden muss. Als der Abstieg (!) beginnt, begannen alle Jünger freudig und mit lauter Stimme Gott zu loben, wegen all der Wundertaten, die sie erlebt haben (nachdrücklich: alle Jünger - alle Wundertaten!). Ihr Lobpreis knüpft an den Psalm 118 an: "Ach, Herr, bring doch Hilfe - ach, Herr, gib doch Gelingen. - Gesegnet sei er, der kommt im Namen des Herrn" (Vers 25 f.). Lukas lässt eine Nähe erahnen zwischen der Akklamation der Jünger und dem Lobgesang der Engel aus Kap. 2,14: während die Engel auf die Menschen blicken ("Friede auf Erden"), wenden die Jünger ihre Blicke zum Himmel ("Friede im Himmel"). Anspielungen und Zuspitzungen liebt Lukas besonders. Überhaupt klingt in den Cantica Lukas 1 - Benedictus und Magnificat - an, wie Gott sein Volk besucht. Den roten Faden hat Lukas fein verwoben. Der Lobpreis der Jünger nimmt das Heil aus Gottes Hand. Jetzt. Die kunstvolle Komposition von Lukas, in der der Einzug Jesu von langer Hand vorbereitet erscheint, aber nur in kurzen Schlüsselszenen aufleuchtet, erinnert gegen Ende an den Konflikt zwischen Jesus und den Pharisäern. Für sie ist die Akklamation ein Affront. Aber wenn der Lobpreis verstummt, wird der Tod das Wort an sich ziehen. Ohne vorwegzunehmen, was er dann weiter erzählt, bereitet Lukas das Ende vor. Das Bild von den "schreienden Steinen" stellt das Unheil dar, in das Jesus zieht. Umso nachdrücklicher hat Lukas "seine" Geschichte vom Einzug geformt.


Die Botschaft des Lukas hat Ähnlichkeiten mit Markus, aber starke eigenständige Akzente. Jerusalem hat eine heilsgeschichtliche Schlüsselstellung. Dort hat die Verkündigung des Evangeliums begonnen (Lk 1,8-22) und in Jerusalem wird sie auch enden (Lk 24,52 ff.). Von dort wird auch das Evangelium zu allen Volkern und in alle Länder getragen werden (Lk 24,46-49 und Apg 1,4-8). Der Einzug in Jerusalem schließt den sogenannten "lukanischen Reisebericht" (Lk 9,51-19,27) ab. Jesus nimmt Jerusalem gleichsam in Besitz. Seine Verkündigung erreicht in der Stadt und im Tempel den Höhepunkt und führt zur letzten Entscheidung. Der Einzug in die Stadt Jerusalem bedeutet das gleichsam "alles entscheidende" Heilsangebot an Israel. Der Jubel der Engel bei der Geburt in Betlehem (Lk 2,14) wird zum Jubel der Jünger vor Jerusalem. Die Huldigung geschieht auf dem Ölberg. Nur die Jünger, nicht die Volksmassen, proklamieren Jesus als als König Israels und rufen das politisch unverdächtige religiöse Reich Jesu aus. Lukas verkündet hier eine Stunde der Entscheidung. Der Entscheidung zwischen der "Fülle des Lebens" und dem "ewigen Tod" in der Gottesferne.


1. Lesung vom Palmsonntag: Jes 50,4-7 

Lesung aus dem Buch Jesaja:

Gott, der Herr, gab mir die Zunge eines Jüngers,
damit ich verstehe,
die Müden zu stärken durch ein aufmunterndes Wort.
Jeden Morgen weckt er mein Ohr,
damit ich auf ihn höre wie ein Jünger.
Gott, der Herr, hat mir das Ohr geöffnet.
Ich aber wehrte mich nicht und wich nicht zurück.
Ich hielt meinen Rücken denen hin, die mich schlugen,
und denen, die mir den Bart ausrissen, meine Wangen.
Mein Gesicht verbarg ich nicht vor Schmähungen und Speichel.
Doch Gott, der Herr, wird mir helfen;
darum werde ich nicht in Schande enden.
Deshalb mache ich mein Gesicht hart wie einen Kiesel;
ich weiß, daß ich nicht in Schande gerate.



Es ist das Lied eines Knechtes Gottes. Gleichzeitig ist es ein Lied über den Knecht Gottes. Wer er war? Ein Einzelner? Womöglich Israel selbst? Die Gesichtszüge haben sich nie rekonstruieren lassen. Aber das Lied legt Spuren: Der Knecht Gottes hat die Zunge eines Jüngers und stärkt die Müden mit einem Wort, das aufrichtet - und ihm wird jeden Morgen das Ohr geöffnet, um von Gott das Wort zu bekommen, das ihn hält. Auch, als er geschlagen, geschmäht und bespuckt wird. Dem Lied gelingt, in einem Satz zu sagen, was der Knecht Gottes tut und was mit ihm geschieht. Er wird von der Zusage Gottes gehalten und richtet mit seinem Wort andere, hier: Müde, auf. Im Lied bekommt sein Vertrauen Worte, die seitdem vielen Menschen helfen, Tiefpunkte, Erniedrigungen und Verletzungen auszuhalten, aber auch den Kampf mit der Resignation zu gewinnen. Als drittes Gottesknechtlied wurde dieser Text mit den anderen - insgesamt 4 - in das Buch Jesaja eingefügt. Es ist nicht sicher, wann das geschah, aber was gelegentlich wie ein Fremdkörper wirkt, entpuppt sich als Pfeiler: Die Trost-Botschaft, die Deuterojesaja den Menschen im babylonischen Exil - einer der größten Tragödien überhaupt, die Israel erlebte - gibt, ruht wie eine Brücke auf diesen Pfeilern und wird von ihnen gehalten. Natürlich war damals von Jesus noch nicht die Rede und das später entwickelte Schema "Verheißung - "Erfüllung" noch nicht formuliert, aber der Gottesknecht hat in diesem Lied vertraute Züge, die uns im Evangelium wieder begegnen: dass eine Zunge Kraft hat, Menschen ohne Hoffnungen aufzurichten - und dass das Ohr Leben empfängt. Dieses Lied vom Knecht Gottes ist eine Hommage auf die Sinne - und das sehr sinnliche Wort Gottes. Das Knecht-Gottes-Lied hat in Röm 8,31-39 von Paulus eine bemerkenswerte Auslegung erhalten: In dem Verfahren, in dem die Auserwählten Gottes angeklagt werden, können sie von der Liebe Christi nicht geschieden werden. Das Urteil ist ein Frei-Spruch, ein Lebens-Urteil.


Wie auch am Karfreitag begegnet uns heute eines der vier Gottesknechtslieder, die sich im Deuterojesaja befinden und zum Teil als eigene literarische Schicht gegolten haben (so z. B. bei B. Duhm). Individuell gedeutet kann der Ebed JHWH’s als königliche oder prophetische Gestalt. Andererseits in der kollektiven Deutung als Israel/Jakob, als das Volk Gottes. Das stellvertretende Leiden jenes einen Knechtes bringt Recht für die Völker und die Vergebung der Sünden (vgl. Jes 42,1-4; 49,1-6; 50,4-9; 52,13-53,12). Es ist eine reine christliche Deutung, in diesem Gottesknecht Jesus Christus sehen zu wollen, in die Texte des Ersten Testamente nach dem Schema Verheissung – Erfüllung die Christologie hineinzulegen, wenngleich es vielfach in unsere katholische Tradition Einzug gehalten hat und diese alttestamentlichen Lesungen aus dem Buch des Propheten Jesaja deshalb aus der Karwochenliturgie nicht mehr wegzudenken sind. Eine Einladung erneut an uns, Obacht zu geben und Wert darauf zu legen, dass das Erste Testament in seinem Eigenwert zu lesen ist. Nach der Gottesrede in Jes 50,1-3 hat Gott den Mund eines anderen geöffnet, dessen Rede in diesem Abschnitt mit der zweimaligen Aufforderung zum bewussten Wahrnehmen der Grösse und Hilfe Gottes endet (Vers 9), bevor der Sprecher mit Mahnungen und Aufforderungen erneut einsetzt. JHWH hat seinem Knecht die Sinne geöffnet (Zunge und Ohr), gleichsam als Voraussetzung dafür, alles als Gottesknecht erdulden zu können. Auf ihn hin ist er ausgerichtet. Das und das Vertrauen allein geben ihm Kraft. Die ihm Gewalt antun, hat das Gericht des Herrn bereits getroffen.


Die Leseordnung der Kirche hat für diesen Sonntag eines der Gottesknechtlieder aus dem Buch Deuterojesaja ausgewählt. Der Schüler des Propheten spricht in diesem Text von seiner Beauftragung. Er soll mit der Zunge eines Jüngers den entmutigten Menschen im babylonischen Exil neue Hoffnung machen. Um diesen Dienst aber auch erfüllen zu können, bedarf es eines offenen Ohrs. Gott öffnet dem Jünger das Ohr, damit er wie ein guter Schüler den Menschen zuhören kann. Dieses "Ohrenöffnungsritual" wiederholt sich gleichsam jeden Tag, denn Gott weiß, wie leicht die Menschen unter "verstopften Ohren" leiden können und nur mehr hören, was sie hören wollen. Ein offenes Ohr ist aber die Voraussetzung für gutes und erfolgreiches pastorales Arbeiten und eine aufrichtige Verkündigung. Bevor der Jünger von Gott spricht, gilt es den Menschen gut zuzuhören.


Antwortpsalm am Palmsonntag
Ps 22,8-9. 17-20. 23-24


R Mein Gott, mein Gott,

warum hast du mich verlassen? – R

Alle, die mich sehen, verlachen mich,
verziehen die Lippen, schütteln den Kopf:
„Er wälze die Last auf den Herrn,
der soll ihn befreien!
Der reiße ihn heraus, wenn er an ihm solch Gefallen hat!“ - (R)

Viele Hunde umlagern mich,
eine Rotte von Bösen umkreist mich.
Sie durchbohren mir Hände und Füße.
Man kann all meine Knochen zählen;
sie gaffen und weiden sich an mir. - (R)

Sie verteilen unter sich meine Kleider
und werfen das Los um mein Gewand.
Du aber, Herr. halte dich nicht fern!
Du, meine Stärke, eile mir zu Hilfe! - (R)

Ich will deinen Namen meinen Brüdern verkünden,
inmitten der Gemeinde dich preisen.
Die ihr den Herrn fürchtet, preist ihn,
ihr alle vom Stamme Jakobs, rühmt ihn;
erschauert alle vor ihm, ihr Nachkommen Israels! - R


2. Lesung vom Palmsonntag: Phil 2,6-11

Lesung aus dem Brief des Apostels Paulus an die Philipper:

Christus Jesus war Gott gleich,
hielt aber nicht daran fest, wie Gott zu sein,
sondern er entäußerte sich
und wurde wie ein Sklave und den Menschen gleich.
Sein Leben war das eines Menschen;
er erniedrigte sich und war gehorsam bis zum Tod,
bis zum Tod am Kreuz.
Darum hat ihn Gott über alle erhöht
und ihm den Namen verliehen,
der größer ist als alle Namen,
damit alle im Himmel, auf der Erde und unter der Erde
ihre Knie beugen vor dem Namen Jesu
und jeder Mund bekennt:
"Jesus Christus ist der Herr" -
zur Ehre Gottes, des Vaters.



Paulus zitiert einen Hymnus, der in der frühen Kirche unbefangen das Geheimnis Christi mit dem –alten und in der Mythologie verbreiteten – Schema Abstieg / Aufstieg besingt. Der Entäußerung, die bis in den Tod reicht, wird der "verliehene Name" gegenübergestellt, der im Christus-Bekenntnis "Herr ist Jesus" mündet. Wir begegnen hier dem ursprünglichen Glaubensbekenntnis, das noch ohne streitbehaftete (und auslegungsbedürftige) Sätze zusammenfasst, was christliches Leben ausmacht: dass er das letzte Wort hat, über alles – und für alle. Paulus, ein Meister, der das Evangelium in Briefen zu den Menschen bringt, entwindet den Hymnus mythologischen Denkmustern und verbindet das Leben Jesu mit dem seiner Jüngerinnen und Jünger: Seid untereinander auch so gesinnt… In einem Leben, das dem "Leben in Christus Jesus entspricht", erweist sich das Bekenntnis zu ihm als tragfähig und wirklich. Bedenken, zumal die vielen Bedenken, die von Gottesdienst zu Gottesdienst heute variiert werden, werden von Paulus nicht geteilt. Er hat das Zutrauen, das ein Leben gelingt, in dem Jesus als der "Kyrios" bekannt und angerufen wird. Dass der Ort Philippi keine Insel der Seligen ist, weiß Paulus, hindert ihn aber nicht, den Lebenslauf Christi als Verheißung und Vorbild hinzustellen. Als Paulus den Hymnus aufgreift und ihn zitiert, gibt es die schriftlich ausformulierten Evangelien noch nicht. Heute gelesen, mutet er wie eine Kurzfassung des Evangeliums an, das vierfach überliefert wird und auch die Briefe im NT prägt. Nicht zuletzt geht es darum, Jesu Namen zu tragen (Taufe), sich mit ihm zu schmücken und zu segnen. Im übrigen: der Christus-Hymnus, aus alter Zeit von Paulus gerettet, steht auch dafür, dass, wie der Theologe Edmund Schlink sagte, das Dogma Lobpreis und Lebenshilfe ist (und nicht das Gerüst, um Wahrheiten festzulegen).


Paulus schreibt in seiner Gefangenschaft einen Brief an die erste christliche Gemeinde auf europäischem Boden, an Philippi. Mit ihr weiss er sich sehr verbunden, ist besorgt um sie. Von daher sind auch die Grundanliegen des Briefes zu verstehen, die sich auch in dieser Lesung widerspiegeln: Inmitten eines heidnischen Umfeldes bedarf die junge Christengemeinde der Festigung und Belehrung im Glauben. Die paulinische Paraklese meint darin mehr als Ermahnung "Dies und jenes sollt ihr tun", sondern vielmehr ein Besorgtsein, ein Sichkümmern, ein Inverantwortunggenommensein über die Distanz hinweg. Paulus wird von Unstimmigkeiten, von Streitereien und Prahlerei gehört haben, worauf er nun reagiert. Die Ermahnung hat dort ihren Platz, wo die Gemeinschaft im Geist und das Wohlwollen des Herzens wohnen. Grund und Motivation für diese geschwisterliche Zurechtweisung, die auch Eingang in unsere katholische Tradition gefunden hat, ist das Gemeinwohl vor allem Eigenwohl. In Phil 2,6-11 schiebt Paulus einen Christus-Hymnus ein. Die feierliche, gehobene Sprache der Mahnrede in den Versen 1-4 deutet bereits an, dass dieser Teil in einem engen Zusammenhang steht mit dem Christuslied, das schon vor Paulus in den Gemeinden gesungen wurde. Vers 5 leitet über: Als getaufte Christen sollen sich die Glieder der Gemeinde in einem neuen, besonderen Verhältnis zu Jesus Christus begreifen: Nicht nur nach dem Vorbild Jesu Christi zu leben, sondern das ganze Dasein als In-Christus-Sein zu verstehen. Durch die feierliche „Ermahnung in Christus“ wird der darauffolgende Hymnus einerseits vorbereitet, andererseits wird die Mahnung des Apostels durch das Lied christologisch begründet. Wenn die Gemeinde eines Sinnes ist, in Liebe verbunden, einmütig und einträchtig, dann deutet schon etwas auf von der großen Freude, die Gott am Ende der Zeiten schenkt ( ... macht meine Freude dadurch vollkommen, ...). Das Christuslied selbst läßt zwei Teile erkennen: Die Erniedrigungsaussagen (Verse 6-8), in denen Christus der Handelnde ist, und die Erhöhungsaussagen (Verse 9-11); hier ist Gott der Handelnde. Der ganze Hymnus ist geprägt vom Stilmittel des Parallelismus. Die Verse 6 und 7 stehen einander gegenüber als These und Antithese: Er, der sich in der Daseinsweise Gottes befand, nahm Sklavendasein an; der nicht mit aller Macht daran festhielt, Gott gleich zu sein, entäußerte sich. Das gleiche gilt für die Verse 8 und 9: Er, der sich selbst erniedrigt hat, wird von Gott erhöht – und die Verse 7cd und 10: Der den Menschen völlig gleich gewordene wird vom ganzen Kosmos geehrt. Der Hymnus endet mit der Proklamation: Jesus Christus ist der Herr! Der Name Jesus, der noch einmal an sein Menschsein erinnert, ist zugleich der Hoheitstitel. Aus dem ganzen Abschnitt wird klar: Kultische Verehrung, Bekenntnis des Glaubens und Leben aus seiner Gesinnung gehören zusammen. Durch alle Lebensvollzüge der Gemeinde wird Christus bekannt und geehrt, und durch ihn Gott der Vater. De Hymnus ist geprägt von der Dynamik der Kenosis, der Entäusserung Christi. Gott geht für uns bis ins Letzte hinunter. Am Kreuz aber ist der Wendepunkt - der Aufstieg Jesu Christi nimmt dort seinen Anfang bis zum Lobpreis und dem Bekenntnis aller Geschöpflichkeit.


Der Text des Apostels Paulus steht im Rahmen eines großen Zuspruchs an die Gemeinde (Phil 1,27 - 2,18). In diesen Brief läßt Paulus einen Hymnus (die heutige Lesung) einfließen, der wohl bereits den Urchristen bekannt war und auch liturgisch verwendet wurde. Der Text (oder das Lied) hat zwei Strophen, die mit schöner Linienführung den "Weg des Christus" zeichnen. Im Mittelpunkt steht die Botschaft vom Kreuz. Sie gibt dem Leben des Christen Mitte und Ziel; für die Christen bedeutet das Kreuz Hoffnung und Heil. Am Beginn versucht er das Unsagliche auszusprechen. Im 2. Teil tritt Gott selbst auf den Plan. Gott selbst ist jetzt der Handelnde. Der Schluß des Liedes endet mit dem Ruhme Gott-Vaters. Mit der Erwähnung des Vatergottes wird der Gemeinde im Hymnus gegenwärtig, daß sie zu Gott Vater, Abba (vgl. Röm 8,15) sprechen dürfen.


Ruf vor der Passion am Palmsonntag
Phil 2,8b-9

Christus Sieger, Christus König, Christus Herr in Ewigkeit! – R

Christus wurde für uns gehorsam bis zum Tod,
bis zum Tod am Kreuz.
Darum hat ihn Gott über alle erhöht
und ihm den Namen gegeben, der größer ist als alle Namen.

Christus Sieger, Christus König, Christus Herr in Ewigkeit!


Evangelium vom Palmsonntag - Passion nach Lukas, Lesejahr C,
Lk 22,14 - 23,56


Das Leiden unseres Herrn jesus Christus nach Lukas:

Das Mahl

Als die Stunde gekommen war, begab er sich mit den Aposteln zu Tisch. Und er sagte zu ihnen: Ich habe mich sehr danach gesehnt, vor meinem Leiden dieses Paschamahl mit euch zu essen. Denn ich sage euch: Ich werde es nicht mehr essen, bis das Mahl seine Erfüllung findet im Reich Gottes. Und er nahm den Kelch, sprach das Dankgebet und sagte: Nehmt den Wein, und verteilt ihn untereinander! Denn ich sage euch: Von nun an werde ich nicht mehr von der Frucht des Weinstocks trinken, bis das Reich Gottes kommt. Und er nahm Brot, sprach das Dankgebet, brach das Brot und reichte es ihnen mit den Worten: Das ist mein Leib, der für euch hingegeben wird. Tut dies zu meinem Gedächtnis!
Ebenso nahm er nach dem Mahl den Kelch und sagte: Dieser Kelch ist der Neue Bund in meinem Blut, das für euch vergossen wird.
Doch seht, der Mann, der mich verrät und ausliefert, sitzt mit mir am Tisch. Der Menschensohn muß zwar den Weg gehen, der ihm bestimmt ist. Aber weh dem Menschen, durch den er verraten wird.
Da fragte einer den andern, wer von ihnen das wohl sei, der so etwas tun werde.

Vom Herrschen und vom Dienen

Es entstand unter ihnen ein Streit darüber, wer von ihnen wohl der Größte sei.
Da sagte Jesus: Die Könige herrschen über ihre Völker, und die Mächtigen lassen sich Wohltäter nennen.
Bei euch aber soll es nicht so sein, sondern der Größte unter euch soll werden wie der Kleinste, und der Führende soll werden wie der Dienende.
Welcher von beiden ist größer: wer bei Tisch sitzt oder wer bedient? Natürlich der, der bei Tisch sitzt. Ich aber bin unter euch wie der, der bedient.

In allen meinen Prüfungen habt ihr bei mir ausgeharrt. Darum vermache ich euch das Reich, wie es mein Vater mir vermacht hat: Ihr sollt in meinem Reich mit mir an meinem Tisch essen und trinken, und ihr sollt auf Thronen sitzen und die zwölf Stämme Israels richten.

Simon, Simon, der Satan hat verlangt, daß er euch wie Weizen sieben darf. Ich aber habe für dich gebetet, daß dein Glaube nicht erlischt. Und wenn du dich wieder bekehrt hast, dann stärke deine Brüder. Darauf sagte Petrus zu ihm: Herr, ich bin bereit, mit dir sogar ins Gefängnis und in den Tod zu gehen.
Jesus erwiderte: Ich sage dir, Petrus, ehe heute der Hahn kräht, wirst du dreimal leugnen, mich zu kennen.

Die Stunde der Entscheidung

Dann sagte Jesus zu ihnen: Als ich euch ohne Geldbeutel aussandte, ohne Vorratstasche und ohne Schuhe, habt ihr da etwa Not gelitten? Sie antworteten: Nein.
Da sagte er: Jetzt aber soll der, der einen Geldbeutel hat, ihn mitnehmen, und ebenso die Tasche. Wer aber kein Geld hat, soll seinen Mantel verkaufen und sich dafür ein Schwert kaufen.
Ich sage euch: An mir muß sich das Schriftwort erfüllen: Er wurde zu den Verbrechern gerechnet. Denn alles, was über mich gesagt ist, geht in Erfüllung. Da sagten sie: Herr, hier sind zwei Schwerter. Er erwiderte: Genug davon!

Das Gebet am Ölberg

Dann verließ Jesus die Stadt und ging, wie er es gewohnt war, zum Ölberg; seine Jünger folgten ihm. Als er dort war, sagte er zu ihnen: Betet darum, daß ihr nicht in Versuchung geratet!
Dann entfernte er sich von ihnen ungefähr einen Steinwurf weit, kniete nieder und betete:
Vater, wenn du willst, nimm diesen Kelch von mir! Aber nicht mein, sondern dein Wille soll geschehen. Da erschien ihm ein Engel vom Himmel und gab ihm (neue) Kraft. Und er betete in seiner Angst noch inständiger, und sein Schweiß war wie Blut, das auf die Erde tropfte.
Nach dem Gebet stand er auf, ging zu den Jüngern zurück und fand sie schlafend; denn sie waren vor Kummer erschöpft. Da sagte er zu ihnen: Wie könnt ihr schlafen? Steht auf und betet, damit ihr nicht in Versuchung geratet.

Die Gefangennahme

Während er noch redete, kam eine Schar Männer; Judas, einer der Zwölf, ging ihnen voran. Er näherte sich Jesus, um ihn zu küssen.
Jesus aber sagte zu ihm: Judas, mit einem Kuß verrätst du den Menschensohn?
Als seine Begleiter merkten, was (ihm) drohte, fragten sie: Herr, sollen wir mit dem Schwert dreinschlagen? Und einer von ihnen schlug auf den Diener des Hohenpriesters ein und hieb ihm das rechte Ohr ab. Jesus aber sagte: Hört auf damit! Und er berührte das Ohr und heilte den Mann.
Zu den Hohenpriestern aber, den Hauptleuten der Tempelwache und den Ältesten, die vor ihm standen, sagte Jesus: Wie gegen einen Räuber seid ihr mit Schwertern und Knüppeln ausgezogen. Tag für Tag war ich bei euch im Tempel, und ihr habt nicht gewagt, gegen mich vorzugehen. Aber das ist eure Stunde, jetzt hat die Finsternis die Macht.

Die Verleugnung durch Petrus

Darauf nahmen sie ihn fest, führten ihn ab und brachten ihn in das Haus des Hohenpriesters. Petrus folgte von weitem.
Mitten im Hof hatte man ein Feuer angezündet, und Petrus setzte sich zu den Leuten, die dort beieinandersaßen. Eine Magd sah ihn am Feuer sitzen, schaute ihn genau an und sagte: Der war auch mit ihm zusammen. Petrus aber leugnete es und sagte: Frau, ich kenne ihn nicht. Kurz danach sah ihn ein anderer und bemerkte: Du gehörst auch zu ihnen. Petrus aber sagte: Nein, Mensch, ich nicht! Etwa eine Stunde später behauptete wieder einer: Wahrhaftig, der war auch mit ihm zusammen; er ist doch auch ein Galiläer.
Petrus aber erwiderte: Mensch, ich weiß nicht, wovon du sprichst. Im gleichen Augenblick, noch während er redete, krähte ein Hahn.
Da wandte sich der Herr um und blickte Petrus an. Und Petrus erinnerte sich an das, was der Herr zu ihm gesagt hatte: Ehe heute der Hahn kräht, wirst du mich dreimal verleugnen.
Und er ging hinaus und weinte bitterlich.

Die Verspottung durch die Wächter

Die Wächter trieben ihren Spott mit Jesus. Sie schlugen ihn, verhüllten ihm das Gesicht und fragten ihn: Du bist doch ein Prophet! Sag uns: Wer hat dich geschlagen?
Und noch mit vielen anderen Lästerungen verhöhnten sie ihn.

Das Verhör vor dem Hohen Rat

Als es Tag wurde, versammelten sich die Ältesten des Volkes, die Hohenpriester und die Schriftgelehrten, also der Hohe Rat, und sie ließen Jesus vorführen. Sie sagten zu ihm: Wenn du der Messias bist, dann sag es uns! Er antwortete ihnen: Auch wenn ich es euch sage - ihr glaubt mir ja doch nicht; und wenn ich euch etwas frage, antwortet ihr nicht. Von nun an wird der Menschensohn zur Rechten des allmächtigen Gottes sitzen.
Da sagten alle: Du bist also der Sohn Gottes. Er antwortete ihnen: Ihr sagt es - ich bin es. Da riefen sie: Was brauchen wir noch Zeugenaussagen? Wir haben es selbst aus seinem eigenen Mund gehört.

Die Auslieferung an Pilatus

Die Ältesten des Volkes, die Hohenpriester und die Schriftgelehrten erhoben sich, und man führte Jesus zu Pilatus. Dort brachten sie ihre Anklage gegen ihn vor; sie sagten: Wir haben festgestellt, daß dieser Mensch unser Volk verführt, es davon abhält, dem Kaiser Steuer zu zahlen, und behauptet, er sei der Messias und König.
Pilatus fragte ihn: Bist du der König der Juden? Er antwortete ihm: Du sagst es. Da sagte Pilatus zu den Hohenpriestern und zum Volk: Ich finde nicht, daß dieser Mensch eines Verbrechens schuldig ist. Sie aber blieben hartnäckig und sagten: Er wiegelt das Volk auf und verbreitet seine Lehre im ganzen jüdischen Land von Galiläa bis hierher.

Die Verspottung durch Herodes

Als Pilatus das hörte, fragte er, ob der Mann ein Galiläer sei. Und als er erfuhr, daß Jesus aus dem Gebiet des Herodes komme, ließ er ihn zu Herodes bringen, der in jenen Tagen ebenfalls in Jerusalem war.
Herodes freute sich sehr, als er Jesus sah; schon lange hatte er sich gewünscht, mit ihm zusammenzutreffen, denn er hatte von ihm gehört. Nun hoffte er, ein Wunder von ihm zu sehen.
Er stellte ihm viele Fragen, doch Jesus gab ihm keine Antwort. Die Hohenpriester und die Schriftgelehrten, die dabeistanden, erhoben schwere Beschuldigungen gegen ihn. Herodes und seine Soldaten zeigten ihm offen ihre Verachtung. Er trieb seinen Spott mit Jesus, ließ ihm ein Prunkgewand umhängen und schickte ihn so zu Pilatus zurück.
An diesem Tag wurden Herodes und Pilatus Freunde; vorher waren sie Feinde gewesen.

Die Verhandlung vor Pilatus

Pilatus rief die Hohenpriester und die anderen führenden Männer und das Volk zusammen und sagte zu ihnen: Ihr habt mir diesen Menschen hergebracht und behauptet, er wiegle das Volk auf. Ich selbst habe ihn in eurer Gegenwart verhört und habe keine der Anklagen, die ihr gegen diesen Menschen vorgebracht habt, bestätigt gefunden, auch Herodes nicht, denn er hat ihn zu uns zurückgeschickt. Ihr seht also: Er hat nichts getan, worauf die Todesstrafe steht. Daher will ich ihn nur auspeitschen lassen, und dann werde ich ihn freilassen.
Zum Fest aber mußte er ihnen einen Gefangenen freilassen. Da schrien sie alle miteinander: Weg mit ihm; laß den Barabbas frei! Dieser Mann war wegen eines Aufruhrs in der Stadt und wegen Mordes ins Gefängnis geworfen worden. Pilatus aber redete wieder auf sie ein, denn er wollte Jesus freilassen. Doch sie schrien: Kreuzige ihn, kreuzige ihn!
Zum drittenmal sagte er zu ihnen: Was für ein Verbrechen hat er denn begangen? Ich habe nichts feststellen können, wofür er den Tod verdient. Daher will ich ihn auspeitschen lassen, und dann werde ich ihn freilassen. Sie aber schrien und forderten immer lauter, er solle Jesus kreuzigen lassen, und mit ihrem Geschrei setzten sie sich durch:
Pilatus entschied, daß ihre Forderung erfüllt werden solle. Er ließ den Mann frei, der wegen Aufruhr und Mord im Gefängnis saß und den sie gefordert hatten. Jesus aber lieferte er ihnen aus, wie sie es verlangten.

Die Kreuzigung

Als sie Jesus hinausführten, ergriffen sie einen Mann aus Zyrene namens Simon, der gerade vom Feld kam. Ihm luden sie das Kreuz auf, damit er es hinter Jesus hertrage.
Es folgte eine große Menschenmenge, darunter auch Frauen, die um ihn klagten und weinten. Jesus wandte sich zu ihnen um und sagte: Ihr Frauen von Jerusalem, weint nicht über mich; weint über euch und eure Kinder!
Denn es kommen Tage, da wird man sagen: Wohl den Frauen, die unfruchtbar sind, die nicht geboren und nicht gestillt haben. Dann wird man zu den Bergen sagen: Fallt auf uns!, und zu den Hügeln: Deckt uns zu! Denn wenn das mit dem grünen Holz geschieht, was wird dann erst mit dem dürren werden?
Zusammen mit Jesus wurden auch zwei Verbrecher zur Hinrichtung geführt.
Sie kamen zur Schädelhöhe; dort kreuzigten sie ihn und die Verbrecher, den einen rechts von ihm, den andern links.
Jesus aber betete: Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun. Dann warfen sie das Los und verteilten seine Kleider unter sich.
Die Leute standen dabei und schauten zu; auch die führenden Männer des Volkes verlachten ihn und sagten: Anderen hat er geholfen, nun soll er sich selbst helfen, wenn er der erwählte Messias Gottes ist. Auch die Soldaten verspotteten ihn; sie traten vor ihn hin, reichten ihm Essig und sagten: Wenn du der König der Juden bist, dann hilf dir selbst!
Über ihm war eine Tafel angebracht; auf ihr stand: Das ist der König der Juden.
Einer der Verbrecher, die neben ihm hingen, verhöhnte ihn: Bist du denn nicht der Messias? Dann hilf dir selbst und auch uns! Der andere aber wies ihn zurecht und sagte: Nicht einmal du fürchtest Gott? Dich hat doch das gleiche Urteil getroffen. Uns geschieht recht, wir erhalten den Lohn für unsere Taten; dieser aber hat nichts Unrechtes getan. Dann sagte er: Jesus, denk an mich, wenn du in dein Reich kommst.
Jesus antwortete ihm: Amen, ich sage dir: Heute noch wirst du mit mir im Paradies sein.

Der Tod Jesu

Es war etwa um die sechste Stunde, als eine Finsternis über das ganze Land hereinbrach. Sie dauerte bis zur neunten Stunde. Die Sonne verdunkelte sich. Der Vorhang im Tempel riß mitten entzwei, und Jesus rief laut: Vater, in deine Hände lege ich meinen Geist. Nach diesen Worten hauchte er den Geist aus.
Als der Hauptmann sah, was geschehen war, pries er Gott und sagte: Das war wirklich ein gerechter Mensch.
Und alle, die zu diesem Schauspiel herbeigeströmt waren und sahen, was sich ereignet hatte, schlugen sich an die Brust und gingen betroffen weg.
Alle seine Bekannten aber standen in einiger Entfernung (vom Kreuz), auch die Frauen, die ihm seit der Zeit in Galiläa nachgefolgt waren und die alles mit ansahen.

Das Begräbnis Jesu

Damals gehörte zu den Mitgliedern des Hohen Rates ein Mann namens Josef, der aus der jüdischen Stadt Arimathäa stammte. Er wartete auf das Reich Gottes und hatte dem, was die anderen beschlossen und taten, nicht zugestimmt, weil er gut und gerecht war.
Er ging zu Pilatus und bat um den Leichnam Jesu. Und er nahm ihn vom Kreuz, hüllte ihn in ein Leinentuch und legte ihn in ein Felsengrab, in dem noch niemand bestattet worden war.
Das war am Rüsttag, kurz bevor der Sabbat anbrach.
Die Frauen, die mit Jesus aus Galiläa gekommen waren, gaben ihm das Geleit und sahen zu, wie der Leichnam in das Grab gelegt wurde. Dann kehrten sie heim und bereiteten wohlriechende Öle und Salben zu. Am Sabbat aber hielten sie die vom Gesetz vorgeschriebene Ruhe ein.


Kurzfassung des Evangelium vom Palmsonntag - Passionsgeschichte, Lesejahr C:
Lk 23,1-49

Das leiden unseres Herrn Jesus Christus nach Lukas:

Die Auslieferung an Pilatus

Daraufhin erhob sich die ganze Versammlung, und man führte Jesus zu Pilatus. Dort brachten sie ihre Anklage gegen ihn vor; sie sagten: Wir haben festgestellt, daß dieser Mensch unser Volk verführt, es davon abhält, dem Kaiser Steuer zu zahlen, und behauptet, er sei der Messias und König.
Pilatus fragte ihn: Bist du der König der Juden? Er antwortete ihm: Du sagst es. Da sagte Pilatus zu den Hohenpriestern und zum Volk: Ich finde nicht, daß dieser Mensch eines Verbrechens schuldig ist. Sie aber blieben hartnäckig und sagten: Er wiegelt das Volk auf und verbreitet seine Lehre im ganzen jüdischen Land von Galiläa bis hierher.

Die Verspottung durch Herodes

Als Pilatus das hörte, fragte er, ob der Mann ein Galiläer sei. Und als er erfuhr, daß Jesus aus dem Gebiet des Herodes komme, ließ er ihn zu Herodes bringen, der in jenen Tagen ebenfalls in Jerusalem war.
Herodes freute sich sehr, als er Jesus sah; schon lange hatte er sich gewünscht, mit ihm zusammenzutreffen, denn er hatte von ihm gehört. Nun hoffte er, ein Wunder von ihm zu sehen.
Er stellte ihm viele Fragen, doch Jesus gab ihm keine Antwort. Die Hohenpriester und die Schriftgelehrten, die dabeistanden, erhoben schwere Beschuldigungen gegen ihn. Herodes und seine Soldaten zeigten ihm offen ihre Verachtung. Er trieb seinen Spott mit Jesus, ließ ihm ein Prunkgewand umhängen und schickte ihn so zu Pilatus zurück.
An diesem Tag wurden Herodes und Pilatus Freunde; vorher waren sie Feinde gewesen.

Die Verhandlung vor Pilatus

Pilatus rief die Hohenpriester und die anderen führenden Männer und das Volk zusammen und sagte zu ihnen: Ihr habt mir diesen Menschen hergebracht und behauptet, er wiegle das Volk auf. Ich selbst habe ihn in eurer Gegenwart verhört und habe keine der Anklagen, die ihr gegen diesen Menschen vorgebracht habt, bestätigt gefunden, auch Herodes nicht, denn er hat ihn zu uns zurückgeschickt. Ihr seht also: Er hat nichts getan, worauf die Todesstrafe steht. Daher will ich ihn nur auspeitschen lassen, und dann werde ich ihn freilassen.
Zum Fest aber mußte er ihnen einen Gefangenen freilassen. Da schrien sie alle miteinander: Weg mit ihm; laß den Barabbas frei! Dieser Mann war wegen eines Aufruhrs in der Stadt und wegen Mordes ins Gefängnis geworfen worden. Pilatus aber redete wieder auf sie ein, denn er wollte Jesus freilassen. Doch sie schrien: Kreuzige ihn, kreuzige ihn!
Zum drittenmal sagte er zu ihnen: Was für ein Verbrechen hat er denn begangen? Ich habe nichts feststellen können, wofür er den Tod verdient. Daher will ich ihn auspeitschen lassen, und dann werde ich ihn freilassen. Sie aber schrien und forderten immer lauter, er solle Jesus kreuzigen lassen, und mit ihrem Geschrei setzten sie sich durch:
Pilatus entschied, daß ihre Forderung erfüllt werden solle. Er ließ den Mann frei, der wegen Aufruhr und Mord im Gefängnis saß und den sie gefordert hatten. Jesus aber lieferte er ihnen aus, wie sie es verlangten.

Die Kreuzigung

Als sie Jesus hinausführten, ergriffen sie einen Mann aus Zyrene namens Simon, der gerade vom Feld kam. Ihm luden sie das Kreuz auf, damit er es hinter Jesus hertrage.
Es folgte eine große Menschenmenge, darunter auch Frauen, die um ihn klagten und weinten. Jesus wandte sich zu ihnen um und sagte: Ihr Frauen von Jerusalem, weint nicht über mich; weint über euch und eure Kinder!
Denn es kommen Tage, da wird man sagen: Wohl den Frauen, die unfruchtbar sind, die nicht geboren und nicht gestillt haben. Dann wird man zu den Bergen sagen: Fallt auf uns!, und zu den Hügeln: Deckt uns zu! Denn wenn das mit dem grünen Holz geschieht, was wird dann erst mit dem dürren werden?
Zusammen mit Jesus wurden auch zwei Verbrecher zur Hinrichtung geführt.
Sie kamen zur Schädelhöhe; dort kreuzigten sie ihn und die Verbrecher, den einen rechts von ihm, den andern links.
Jesus aber betete: Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun. Dann warfen sie das Los und verteilten seine Kleider unter sich.
Die Leute standen dabei und schauten zu; auch die führenden Männer des Volkes verlachten ihn und sagten: Anderen hat er geholfen, nun soll er sich selbst helfen, wenn er der erwählte Messias Gottes ist. Auch die Soldaten verspotteten ihn; sie traten vor ihn hin, reichten ihm Essig und sagten: Wenn du der König der Juden bist, dann hilf dir selbst!
Über ihm war eine Tafel angebracht; auf ihr stand: Das ist der König der Juden.
Einer der Verbrecher, die neben ihm hingen, verhöhnte ihn: Bist du denn nicht der Messias? Dann hilf dir selbst und auch uns! Der andere aber wies ihn zurecht und sagte: Nicht einmal du fürchtest Gott? Dich hat doch das gleiche Urteil getroffen. Uns geschieht recht, wir erhalten den Lohn für unsere Taten; dieser aber hat nichts Unrechtes getan. Dann sagte er: Jesus, denk an mich, wenn du in dein Reich kommst.
Jesus antwortete ihm: Amen, ich sage dir: Heute noch wirst du mit mir im Paradies sein.

Der Tod Jesu

Es war etwa um die sechste Stunde, als eine Finsternis über das ganze Land hereinbrach. Sie dauerte bis zur neunten Stunde. Die Sonne verdunkelte sich. Der Vorhang im Tempel riß mitten entzwei, und Jesus rief laut: Vater, in deine Hände lege ich meinen Geist. Nach diesen Worten hauchte er den Geist aus.
Als der Hauptmann sah, was geschehen war, pries er Gott und sagte: Das war wirklich ein gerechter Mensch.
Und alle, die zu diesem Schauspiel herbeigeströmt waren und sahen, was sich ereignet hatte, schlugen sich an die Brust und gingen betroffen weg.
Alle seine Bekannten aber standen in einiger Entfernung (vom Kreuz), auch die Frauen, die ihm seit der Zeit in Galiläa nachgefolgt waren und die alles mit ansahen.