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Lesungen 03.04.2016


1. Lesung vom 2. Sonntag der Osterzeit, Lesejahr C:
Apg 5,12-16

Lesung aus der Apostelgeschichte:

Durch die Hände der Apostel
geschahen viele Zeichen und Wunder im Volk.
Alle kamen einmütig in der Halle Salomos zusammen.
Von den übrigen wagte niemand, sich ihnen anzuschließen;
aber das Volk schätzte sie hoch.
Immer mehr wurden im Glauben zum Herrn geführt,
Scharen von Männern und Frauen.
Selbst die Kranken trug man auf die Straßen hinaus
und legte sie auf Betten und Bahren,
damit, wenn Petrus vorüberkam,
wenigstens sein Schatten auf einen von ihnen fiel.
Auch aus den Nachbarstädten Jerusalems
strömten die Leute zusammen und brachten Kranke
und von unreinen Geistern Geplagte mit.
Und alle wurden geheilt.



Die ersten Lesungen der Ostersonntage stammen in allen drei Lesejahren aus der Apostelgeschichte des Lukas. Sie erzählt von der Ausbreitung des christlichen Glaubens in der ganzen Welt unter Führung des Heiligen Geistes. Die erste Etappe sind Jerusalem und Judäa, wo die Apostel das Evangelium verkündigen. Wie bei Jesus selbst geschehen auch jetzt Krankenheilungen. Aber der Text betont: Nicht die Apostel wirken Wunder, sondern die Kranken werden durch ihre Hände geheilt. Gott selbst also ist es, der dies bewirkt.


Die erste Lesung ist der Apostelgeschichte entnommen. In der Osterzeit richtet sich der Blick auf den Gemeindeaufbau der Urkirche - daher nimmt die Lesung die Stelle der alttestamentlichen Lesung im Gottesdienst ein. Im Kontext von Einzelereignisses in der Urgemeinde (5,1-11: Betrug des Hananias und der Saphira; 5,17-21: Verhaftung der Apostel; 5,22-42: Die Apostel vor dem Hohen Rat) stellt dieser Abschnitt 5,12-16 einen sogenannten Sammelbericht dar. Dieser will einen Gesamteindruck vom Leben der ersten Christengemeinde vermitteln will: die davor und danach erzählten Einzelfälle sind als Beispiele für das Leben der Gemeinde insgesamt zu lesen. Durch die Betonung der Wunderhandlungen der Apostel wird aufgewiesen, daß in allen Geschehnissen der jungen Gemeinde Gott am Werke ist; die Wunder bekräftigen die Verkündigung der Apostel. Die Folge der Predigt und der Wunder ist eine zahlenmäßige Zunahme der Gemeinde: Die Christen erobern die Öffentlichkeit - und zwar Männer und Frauen (Vers 14)! Das Kennzeichen der Gemeinde ist ihre Einmütigkeit, die ihren Grund im Glauben an den einen Herrn hat. Der gemeinsame Glaube an ihn reißt die Schranken von Geschlecht (5,14), Herkunft (1,5-11) und Religion (11,1-8) nieder.


In diesem Sammelbericht beschreibt Lukas ein abschließendes Gesamtbild der Jerusalemer Urgemeinde. Im Vordergrund steht die Wundertätigkeit der Apostel und die dadurch hervorgerufene Furcht bei Außenstehenden, aber auch das Vertrauen und Hochachtung des glaubenden Volkes. Es erkennt, dass Gott durch die Gemeinde Großes tut. Der Eindruck der Gemeinde ist so gewaltig, dass man von ihrem Leiter Petrus unbegrenzte Fähigkeiten des Helfens und Heilens erwartet. Es bedarf nicht einmal, wie bei anderen Wundertätern, der unmittelbaren Berührung bzw. des direkten heilkräftigen Wortes; bereits sein Schatten vermag die von ihm ausgehenden heilenden Kräfte zu übertragen. Die Wirkung der Wunder strahlt über die Grenzen Jerusalems hinaus, sogar aus den umliegenden Ortschaften werden Heilungssuchende herangebracht.


Antwortpsalm am 2. Sonntag der Osterzeit
Ps 118,2. 4. 22-24. 26-27a

R Danket dem Herrn, denn er ist gütig,
denn seine Huld währt ewig. - R

Oder: Halleluja. – R


So soll Israel sagen:
Denn seine Huld währt ewig.
So sollen alle sagen, die den Herrn fürchten und ehren:
Denn seine Huld währt ewig. - (R)

Der Stein, den die Bauleute verwarfen,
er ist zum Eckstein geworden.
Das hat der Herr vollbracht,
vor unseren Augen geschah dieses Wunder. - (R)

Dies ist der Tag, den der Herr gemacht hat,
wir wollen jubeln und uns an ihm freuen!
Gesegnet sei er, der kommt im Namen des Herrn!
Wir segnen euch, vom Haus des Herrn her.
Gott, der Herr, erleuchte uns. - R


2. Lesung vom 2. Sonntag in der Osterzeit, Lesejahr C:
Offb 1,9-11a. 12-13. 17-19

Lesung aus der Offenbarung des Johannes:

Ich, euer Bruder Johannes, der wie ihr bedrängt ist,
der mit euch an der Königsherrschaft teilhat
und mit euch in Jesus standhaft ausharrt,
ich war auf der Insel Patmos um des Wortes Gottes willen
und des Zeugnisses für Jesus.
Am Tag des Herrn wurde ich vom Geist ergriffen
und hörte hinter mir eine Stimme, laut wie eine Posaune.
Sie sprach: Schreib das, was du siehst, in ein Buch,
und schick es an die sieben Gemeinden in Kleinasien.
Da wandte ich mich um, weil ich sehen wollte, wer zu mir sprach.
Als ich mich umwandte,
sah ich sieben goldene Leuchter
und mitten unter den Leuchtern einen, der wie ein Mensch aussah;
er war bekleidet mit einem Gewand, das bis auf die Füße reichte,
und um die Brust trug er einen Gürtel aus Gold.
Als ich ihn sah, fiel ich wie tot vor seinen Füßen nieder.
Er aber legte seine rechte Hand auf mich und sagte:
Fürchte dich nicht!
Ich bin der Erste und der Letzte und der Lebendige.
Ich war tot, doch nun lebe ich in alle Ewigkeit,
und ich habe die Schlüssel zum Tod und zur Unterwelt.
Schreib auf, was du gesehen hast:
was ist und was danach geschehen wird.



Bevor Johannes seine Vision schildert, stellt er sich und seine Situation dar. Auch wenn er sich nur Bruder nennt, ist er sich seiner herausragenden Autorität bewusst. Man nimmt an, dass er wegen seiner Stellungnahme gegen den Götter- und Kaiserkult verbannt worden ist, schon in der Antike war die Insel Patmos als Verbannungsort bekannt. Dort schreibt er sein Buch. Die Vision beginnt am Tag des Herr, denn gerade da weiß er sich mit den Christen in der Ferne, die sich zum Gottesdienst versammeln, verbunden. Der Schreibbefehl erinnert an die alttestamentlichen Aufträge Jahwes an seine Propheten, die empfangene Offenbarung dem Volk mitzuteilen. Die sieben Leuchter sind die sieben Gemeinden, mitten unter ihnen der Menschensohn. Das fußlange Gewand kann als hohepriesterlicher Ornat, der goldene Gürtel als königliche Würde gedeutet werden. Der Menschensohn identifiziert sich in Vers 17 ausdrücklich mit dem erhöhten Christus, dabei benutzt er eine Qualifikationsformel aus der orientalischen Sakralsprache. Die Selbstprädikation Christi als Ersten und Letzten findet sich im AT nur für Gott. Als der Erste und Letzte ist Christus Ursprung und Ziel der Christen. In Vers 19 erhält Johannes den Auftrag, die bereits erfahrene Vision und ihre Deutung, aber auch alle noch folgenden Visionen aufzuzeichnen.


Die Lesung bringt den Beginn der Offenbarung des Johannes. Die Perikope legitimiert den Seher Johannes, indem sie von einer Vision erzählt, in welcher er den Auftrag zur Niederschrift des Buches erhält (Vers 19). Um den gesamten Sinnzusammenhang zu erhalten, müßte man 1,9-20 durchgehend lesen. Die Beauftragungsvision erfolgt nach dem Schema Situationsangabe (Vers 9), Audition und Vision (Verse 10-16), Reaktion des Sehers (Vers 17a), Zuspruch (Verse 17b-18), Wiederholung des Auftrags (Vers 19), Ausdeutung der Vision (Vers 20). Christus offenbart sich darin dem Johannes als der Lebendige (Vers 17f) - um alle Ängste vor dem Tod zu nehmen. Diese Todesängste waren zur Abfassungszeit durch Christenverfolgungen (Domitian, Ende des 1. Jh.) begründet. Das Christsein lag damals in der Spannung zwischen Bedrängnis, Herrschaftsanspruch und Ausdauer (Vers 9). Diese Spannung gilt es im Blick auf den Lebendigen auszuhalten.


Ungekürzte Fassung der
2. Lesung vom 2. Sonntag in der Osterzeit, Lesejahr C:
Offb 1,9-20

Lesung aus der Offenbarung des Johannes:

Ich, euer Bruder Johannes, der wie ihr bedrängt ist,
der mit euch an der Königsherrschaft teilhat
und mit euch in Jesus standhaft ausharrt,
ich war auf der Insel Patmos um des Wortes Gottes willen
und des Zeugnisses für Jesus.
Am Tag des Herrn wurde ich vom Geist ergriffen
und hörte hinter mir eine Stimme, laut wie eine Posaune.
Sie sprach: Schreib das, was du siehst, in ein Buch,
und schick es an die sieben Gemeinden:
nach Ephesus, nach Smyrna, nach Pergamon, nach Thyatira,
nach Sardes, nach Philadelphia und nach Laodizea.
Da wandte ich mich um, weil ich sehen wollte, wer zu mir sprach.
Als ich mich umwandte, sah ich sieben goldene Leuchter
und mitten unter den Leuchtern einen, der wie ein Mensch aussah;
er war bekleidet mit einem Gewand, das bis auf die Füße reichte,
und um die Brust trug er einen Gürtel aus Gold.

Sein Haupt und seine Haare waren weiß wie weiße Wolle,
leuchtend weiß wie Schnee,
und seine Augen wie Feuerflammen;
seine Beine glänzten wie Golderz, das im Schmelzofen glüht,
und seine Stimme war wie das Rauschen von Wassermassen.
In seiner Rechten hielt er sieben Sterne,
und aus seinem Mund kam ein scharfes, zweischneidiges Schwert,
und sein Gesicht leuchtete wie die machtvoll strahlende Sonne.

Als ich ihn sah, fiel ich wie tot vor seinen Füßen nieder.
Er aber legte seine rechte Hand auf mich und sagte:
Fürchte dich nicht! Ich bin der Erste und der Letzte und der Lebendige.
Ich war tot, doch nun lebe ich in alle Ewigkeit,
und ich habe die Schlüssel zum Tod und zur Unterwelt.
Schreib auf, was du gesehen hast:
was ist und was danach geschehen wird.


Ruf vor dem Evangelium am 2. Sonntag der Osterzeit
Joh 20,29

Halleluja. Halleluja.

(So spricht der Herr:)
Weil du mich gesehen hast, Thomas, glaubst du.
Selig sind, die nicht sehen und doch glauben!

Halleluja.  


Evangelium vom 2. Sonntag in der Osterzeit (A/B/C):
Joh 20,19-31

Aus dem heiligen Evangelium nach Johannes:

Am Abend des ersten Tages der Woche,
als die Jünger aus Furcht vor den Juden
die Türen verschlossen hatten,
kam Jesus, trat in ihre Mitte und sagte zu ihnen:
Friede sei mit euch!
Nach diesen Worten zeigte er ihnen seine Hände und seine Seite.
Da freuten sich die Jünger, daß sie den Herrn sahen.
Jesus sagte noch einmal zu ihnen:
Friede sei mit euch!
Wie mich der Vater gesandt hat, so sende ich euch.
Nachdem er das gesagt hatte,
hauchte er sie an und sprach zu ihnen:
Empfangt den Heiligen Geist!
Wem ihr die Sünden vergebt, dem sind sie vergeben;
wem ihr die Vergebung verweigert, dem ist sie verweigert.
Thomas, genannt Didymus (Zwilling), einer der Zwölf,
war nicht bei ihnen, als Jesus kam.
Die anderen Jünger sagten zu ihm:
Wir haben den Herrn gesehen.
Er entgegnete ihnen:
Wenn ich nicht die Male der Nägel an seinen Händen sehe
und wenn ich meinen Finger nicht in die Male der Nägel
und meine Hand nicht in seine Seite lege,
glaube ich nicht.
Acht Tage darauf waren seine Jünger wieder versammelt,
und Thomas war dabei.
Die Türen waren verschlossen.
Da kam Jesus, trat in ihre Mitte und sagte:
Friede sei mit euch!
Dann sagte er zu Thomas:
Streck deinen Finger aus - hier sind meine Hände!
Streck deine Hand aus und leg sie in meine Seite,
und sei nicht ungläubig, sondern gläubig!
Thomas antwortete ihm: Mein Herr und mein Gott!
Jesus sagte zu ihm:
Weil du mich gesehen hast, glaubst du.
Selig sind, die nicht sehen und doch glauben.
Noch viele andere Zeichen,
die in diesem Buch nicht aufgeschrieben sind,
hat Jesus vor den Augen seiner Jünger getan.
Diese aber sind aufgeschrieben, damit ihr glaubt,
daß Jesus der Messias ist, der Sohn Gottes,
und damit ihr durch den Glauben das Leben habt in seinem Namen.



Der Evangelientext gliedert sich formal in drei Teile: a) Verse 19-23: Jesu Erscheinung vor den Jüngern und Sendung des Heiligen Geistes b) Verse 24-29: Bericht über die Erscheinung vor den Jüngern, eigentliche "Thomas-Szene" c) Verse 30-31: Abschluss Den Mittelpunkt bildet die Aussage, dass der Gekreuzigte und der Auferstandenen ident sind und gleichsam Kontinuität in der Handlung besteht. Durch das Gottesbekenntnis "Mein Herr und mein Gott!" durch Thomas in Vers 28 wird diese Kontinuität bestätigt. Diese Evangelienstelle und die vorangegangenen stellen den Anfang des Glaubens an den Auferstandenen, den Osterglauben dar - die Texte haben die Funktion, "damit ihr glaubt, dass Jesus der Messias ist, der Sohn Gottes, und damit ihr durch den Glauben das Leben habt in seinem Namen.".


Der vorliegende Text kann in drei abgeschlossene Einheiten geteilt werden: die Begegnung Jesu mit den Jüngern, die Begegnung Jesu mit Thomas und die Schlusserklärung. Anders als sonst (Joh 18:20) finden die Ereignisse hinter verschlossenen Türen statt. Jesus tritt in die Mitte seiner Jünger und begrüßt sie mit dem jüdischen Friedensgruß -dieser wird nun zum Zeichen des Heiles und der Auferstehung. Nach einer Legitimationsgeste beauftragt und ermächtigt Jesus die Jünger (und Jüngerinnen?) zur Sündenvergebung. Wie das aber genau aussehen soll (Taufe etc.), bleibt unklar. Die Beauftragung findet sich versinnbildlicht in der Weitergabe des Lebensatems (vgl. Gen 2,7; Ex 37,9). Die Thomas-Begegnung hat den Charakter einer Ermahnung an die nachösterlichen Gemeinden. Sie müssen sich anders als die Apostel damit begnügen, dass sie glauben sollen ohne zu sehen - in diesem Glauben aber sollen sie standhaft sein. Die Aussage, dass sich die Jüngerschar jeweils am ersten Tag der Woche (der Ausdruck “achter Tag” beinhaltet Ausgangs- und Endtag der Zählung) versammelte, ist ein Hinweis auf den Herrentag, zu dem die Gemeinde zusammenkommt, das Mahl feiert und an Jesu Gegenwart in den Gestalten von Brot und Wein glaubt, ohne ihn leiblich zu sehen. Die Bedeutung der Thomas-Geschichte im Auferstehungsgeschehen selbst ist zweitrangig. Das zeigt sich an dem Umstand, dass - anders als bei der ersten Begegnung Jesu mit der Jüngerschar - recht ungenau formuliert wird. So bleibt etwa die Frage, warum Thomas nicht bei der Schar ist ungeklärt. Auch wird nicht beschrieben, ob Thomas Jesus berührt hat. Die Abschlusserklärung (Vv. 30f) unterstreicht die Ermahnung.


Es ist eine paradoxe Situation, die Johannes beschreibt: Die Jünger wissen durch Maria Magdalena, bereits, dass Jesus lebt, dieses Wissen bleibt aber ohne Folgen. Sie tun nichts, denn ohne Jesus sind sie noch unfähig, etwas zu tun. Sie fühlen sich alleingelassen und sind voll Furcht hinter verschlossenen Türen. Da erscheint plötzlich Jesus, mitten unter den Jüngern macht er sich sichtbar. Er entbietet ihnen seinen Frieden, als Zeichen, dass er die gottfeindliche Welt besiegt hat, und er zeigt sich ihnen als der verherrlichte Gekreuzigte. Nun können sich die Jünger auch darüber freuen, dass Jesu zum Vater zurückgegangen ist. Der zweite Friedensgruß soll die Jünger befähigen, sich der Welt als Gesandt Jesu zuzuwenden. Von nun an wird der Heilige Geist, der von Gott und von Jesus stammt, in den Jüngern weiterwirken. Thomas kann dem Wort der Übrigen nicht trauen. Das Kommen Jesu acht Tage später gilt Thomas. Jesus tadelt zwar sein Begehren, weist es aber nicht zurück. Thomas spricht sein Bekenntnis, ohne sein Begehren, die Wunden zu berühren, auszuführen. Johannes schreibt diese Szene für die skeptischen Menschen. Im Zweifel des Thomas kommt auch ihr Zweifel zum Ausdruck. Sie sollen ebenfalls zum Bekenntnis für Jesus gelangen, auch wenn sie keine Chance mehr haben, ihren Zweifel durch die Möglichkeit einer eigenen Untersuchung ausräumen zu können.