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Lesungen 10.04.2016


1. Lesung vom 3. Sonntag der Osterzeit, Lesejahr C:
Apg 5,27b-32. 40b-41

Lesung aus der Apostelgeschichte:

In jenen Tagen verhörte der Hohepriester die Apostel und sagte:
Wir haben euch streng verboten, in diesem Namen zu lehren;
ihr aber habt Jerusalem mit eurer Lehre erfüllt;
ihr wollt das Blut dieses Menschen über uns bringen.
Petrus und die Apostel antworteten:
Man muß Gott mehr gehorchen als den Menschen.
Der Gott unserer Väter hat Jesus auferweckt,
den ihr ans Holz gehängt und ermordet habt.
Ihn hat Gott als Herrscher und Retter an seine rechte Seite erhoben,
um Israel die Umkehr und Vergebung der Sünden zu schenken.
Zeugen dieser Ereignisse sind wir und der Heilige Geist,
den Gott allen verliehen hat, die ihm gehorchen.
Dann verboten sie ihnen, im Namen Jesu zu predigen,
und ließen sie frei.
Sie aber gingen weg vom Hohen Rat und freuten sich,
daß sie gewürdigt worden waren,
für seinen Namen Schmach zu erleiden.



Die Jünger sind angeklagt, im Namen Jesu zu lehren. Im zweiten Teil des lukanischen Doppelwerkes wird so die "Passionsgeschichte Jesu" einerseits in den Jüngerkreis getragen, andererseits durch die Auferstehungserfahrung nachdrücklich zu einer Aufbruch- und Widerstandsgeschichte. "Man muss Gott mehr gehorchen als den Menschen." Die Anklage offenbart die Angst der Behörde, dass der hingerichtete Jesus nicht tot ist. Drastisch ist davon die Rede, dass "das Blut dieses Menschen" - Jesu - über das Volk kommt und Unheil bringt. Petrus, vom Jüngerkreis getragen, verkündet vor Gericht jedoch die Auferweckung Jesu. "Ihn hat Gott als Herrscher und Retter an seine rechte Seite erhoben, um Israel die Umkehr und Vergebung der Sünden zu schenken." Das Verhör endet - anders als in der Passionsgeschichte Jesu - mit Redeverbot und Freilassung. Jedoch erzählt Lukas, dass die Jünger sich freuen, gewürdigt worden zu sein, an der Schmach Christi teilzuhaben. Dass die Jünger sich nicht an das Schweigegebot halten, erzählt Lukas in der Apostelgeschichte. Sie ist die Fortsetzung des Evangeliums von der Auferweckung Jesu Christi. Die Kirche ist "creatura verbi" - Geschöpf und Dienerin dieser Verkündigung.


Machtlosigkeit beherrscht den Hohen Rat. Er hat den Aposteln früher schon verboten zu predigen, aber diese haben sich nicht daran gehalten. Im Gegenteil, ganz Jerusalem ist erfüllt von der "Lehre". Die Aussage des Hohepriesters bestätigt die Apostel, bestärkt sie und baut auf. Eigentlich hätten sie befragt werden müssen, warum sie das Verbot nicht einhalten!? Petrus spricht für alle Apostel und ganz direkt, daß sie Gott eben mehr gehorchen als Menschen. Lukas, der Verfasser der Apostelgeschichte, zeigt somit den Lesern, wie ein Leben aussieht, das auf den verheißenen Beistand vertraut. Ganz dicht wird das Kerygma gebracht: Tötung Jesu - Auferweckung - Erhöhung - Angebot von Umkehr u. Vergebung - Zeugnis geben. Im Schlußteil verurteilt bzw. maßregelt das Synedrium die Apostel, indem es eine Minimalforderung über sie verhängt, um selbst das Gesicht nicht zu verlieren.


Ungekürzte Fassung der
1. Lesung vom 3. Sonntag der Osterzeit, Lesejahr C:
Apg 5,27b-41

Lesung aus der Apostelgeschichte:

In jenen Tagen verhörte der Hohepriester die Apostel und sagte:
Wir haben euch streng verboten, in diesem Namen zu lehren;
ihr aber habt Jerusalem mit eurer Lehre erfüllt;
ihr wollt das Blut dieses Menschen über uns bringen.
Petrus und die Apostel antworteten:
Man muß Gott mehr gehorchen als den Menschen.
Der Gott unserer Väter hat Jesus auferweckt,
den ihr ans Holz gehängt und ermordet habt.
Ihn hat Gott als Herrscher und Retter an seine rechte Seite erhoben,
um Israel die Umkehr und Vergebung der Sünden zu schenken.
Zeugen dieser Ereignisse sind wir und der Heilige Geist,
den Gott allen verliehen hat, die ihm gehorchen.

Als sie das hörten, gerieten sie in Zorn
und beschlossen, sie zu töten.
Da erhob sich im Hohen Rat ein Pharisäer namens Gamaliël,
ein beim ganzen Volk angesehener Gesetzeslehrer;
er ließ die Apostel für kurze Zeit hinausführen.
Dann sagte er:
Israeliten, überlegt euch gut, was ihr mit diesen Leuten tun wollt.
Vor einiger Zeit nämlich trat Theudas auf
und behauptete, er sei etwas Besonderes.
Ihm schlossen sich etwa vierhundert Männer an.
Aber er wurde getötet,
und sein ganzer Anhang wurde zerstreut und aufgerieben.
Nach ihm trat in den Tagen der Volkszählung Judas, der Galiläer, auf;
er brachte viel Volk hinter sich und verleitete es zum Aufruhr.
Auch er kam um, und alle seine Anhänger wurden zerstreut.
Darum rate ich euch jetzt:
Laßt von diesen Männern ab, und gebt sie frei;
denn wenn dieses Vorhaben oder dieses Werk von Menschen stammt,
wird es zerstört werden;
stammt es aber von Gott,
so könnt ihr sie nicht vernichten;
sonst werdet ihr noch als Kämpfer gegen Gott dastehen.
Sie stimmten ihm zu,
riefen die Apostel herein und ließen sie auspeitschen;

Dann verboten sie ihnen, im Namen Jesu zu predigen,
und ließen sie frei.
Sie aber gingen weg vom Hohen Rat und freuten sich,
daß sie gewürdigt worden waren,
für seinen Namen Schmach zu erleiden.


Antwortpsalm am 3. Sonntag der Osterzeit
Ps 30,2. 4.5-6. 12a. 13b

R Herr, du zogst mich empor aus der Tiefe;
ich will dich rühmen in Ewigkeit. – R

Oder: Halleluja. - R


Ich will dich rühmen, Herr,
denn du hast mich aus der Tiefe gezogen
und lässt meine Feinde nicht über mich triumphieren.
Herr, du hast mich herausgeholt aus dem Reich des Todes,
aus der Schar der Todgeweihten mich zum Leben gerufen. - (R)

5Singt und spielt dem Herrn, ihr seine Frommen,
preist seinen heiligen Namen!
Denn sein Zorn dauert nur einen Augenblick,
doch seine Güte ein Leben lang. - (R)

Wenn man am Abend auch weint,
am Morgen herrscht wieder Jubel.
Du hast mein Klagen in Tanzen gewandelt,
Herr, mein Gott, ich will dir danken in Ewigkeit. - R


2. Lesung vom 3. Sonntag der Osterzeit, Lesejahr C:
Offb 5,11-14

Lesung aus der Offenbarung des Johannes:

Ich, Johannes, sah und hörte
die Stimme von vielen Engeln rings um den Thron
und um die Lebewesen und die Ältesten;
die Zahl der Engel war zehntausendmal zehntausend
und tausendmal tausend.
Sie riefen mit lauter Stimme:
Würdig ist das Lamm, das geschlachtet wurde,
Macht zu empfangen,
Reichtum und Weisheit,
Kraft und Ehre,
Herrlichkeit und Lob.
Und alle Geschöpfe im Himmel und auf der Erde,
unter der Erde und auf dem Meer,
alles, was in der Welt ist, hörte ich sprechen:
Ihm, der auf dem Thron sitzt, und dem Lamm
gebühren Lob und Ehre und Herrlichkeit und Kraft in alle Ewigkeit.
Und die vier Lebewesen sprachen: Amen.
Und die vierundzwanzig Ältesten fielen nieder und beteten an.



Die Offenbarung richtet die Sinne ("ich sah", und ich "hörte") auf eine himmlische Szene. Zu sehen und zu hören: die Anbetung des Lammes, hier: Bild für den auferweckten Christus. Er ist - als Gekreuzigter - würdig, Macht zu empfangen, Reichtum und Weisheit, Kraft und Ehre, Herrlichkeit und Lob. Die drei Wortpaare - Reichtum und Weisheit, Kraft und Ehre, Herrlichkeit und Lob - umkreisen, was mit "Macht" gemeint ist. Aber alle Attribute aneinander gereiht, ergeben eine Siebener-Reihe - Symbol der Vollendung und des nicht mehr Überbietbaren. Offenbarung 5,11-14 kann verstanden werden als apokalyptische Version des Christus-Hymnus in Phil. 2. Die Kuppel der Pfalzkapelle Karls des Großen in Aachen zeigt die Szene aus der Offenbarung: die 24 Ältesten nehmen ihre Kronen ab und huldigen den Auferstandenen. Die Architektur des Oktogons richtet alle Sinne in die Höhe - und stellt dem weltlichen Herrscher, der im Hochmünster auf dem Thron sitzt, Christus vor Augen, dem allein alle Macht zukommt...


Die unzähligen Engel um den Thron stimmen ein in den Lobpreis und zählen sieben Eigenschaften auf, welche dem Lamm zukommen bzw. welche das Lamm empfangen hat. Die ganze Schöpfung stimmt mit ein in den Lobpreis. Vorhin waren dies Bereiche (in Vers 3): Himmel, Erde, unter der Erde. Jetzt kommt auch das Meer hinzu. Gott ist nicht nur Schöpfer sondern auch Erlöser, der über das All herrscht. Mit Spannung wird erwartet, was passiert, wenn das Lamm die Siegel öffnen wird und die Endereignisse hereinbrechen.


Ruf vor dem Evangelium am 3. Sonntag der Osterzeit

Halleluja. Halleluja.

Christus ist auferstanden.
Er, der Schöpfer des Alls, hat sich aller Menschen erbarmt.

Halleluja.


Evangelium vom 3. Sonntag der Osterzeit, Lesejahr C:
Joh 21,1-19

Aus dem heiligen Evangelium nach Johannes:

In jener Zeit offenbarte sich Jesus den Jüngern noch einmal.
Es war am See von Tiberias,
und er offenbarte sich in folgender Weise.
Simon Petrus, Thomas, genannt Didymus (Zwilling),
Natanaël aus Kana in Galiläa, die Söhne des Zebedäus
und zwei andere von seinen Jüngern waren zusammen.
Simon Petrus sagte zu ihnen:
Ich gehe fischen.
Sie sagten zu ihm:
Wir kommen auch mit.
Sie gingen hinaus und stiegen in das Boot.
Aber in dieser Nacht fingen sie nichts.
Als es schon Morgen wurde, stand Jesus am Ufer.
Doch die Jünger wußten nicht, daß es Jesus war.
Jesus sagte zu ihnen:
Meine Kinder, habt ihr nicht etwas zu essen?
Sie antworteten ihm: Nein.
Er aber sagte zu ihnen:
Werft das Netz auf der rechten Seite des Bootes aus,
und ihr werdet etwas fangen.
Sie warfen das Netz aus und konnten es nicht wieder einholen,
so voller Fische war es.
Da sagte der Jünger, den Jesus liebte, zu Petrus:
Es ist der Herr!
Als Simon Petrus hörte, daß es der Herr sei,
gürtete er sich das Obergewand um, weil er nackt war,
und sprang in den See.
Dann kamen die anderen Jünger mit dem Boot -
sie waren nämlich nicht weit vom Land entfernt,
nur etwa zweihundert Ellen -
und zogen das Netz mit den Fischen hinter sich her.
Als sie an Land gingen, sahen sie am Boden ein Kohlenfeuer
und darauf Fisch und Brot.
Jesus sagte zu ihnen:
Bringt von den Fischen, die ihr gerade gefangen habt.
Da ging Simon Petrus und zog das Netz an Land.
Es war mit hundertdreiundfünfzig großen Fischen gefüllt,
und obwohl es so viele waren, zerriß das Netz nicht.
Jesus sagte zu ihnen:
Kommt her und eßt!
Keiner von den Jüngern wagte ihn zu fragen: Wer bist du?
Denn sie wußten, daß es der Herr war.
Jesus trat heran, nahm das Brot und gab es ihnen, ebenso den Fisch.
Dies war schon das dritte Mal, daß Jesus sich den Jüngern offenbarte,
seit er von den Toten auferstanden war.

Als sie gegessen hatten, sagte Jesus zu Simon Petrus:
Simon, Sohn des Johannes, liebst du mich mehr als diese?
Er antwortete ihm:
Ja, Herr, du weißt, daß ich dich liebe.
Jesus sagte zu ihm:
Weide meine Lämmer!
Zum zweitenmal fragte er ihn:
Simon, Sohn des Johannes, liebst du mich?
Er antwortete ihm:
Ja, Herr, du weißt, daß ich dich liebe.
Jesus sagte zu ihm:
Weide meine Schafe!
Zum drittenmal fragte er ihn:
Simon, Sohn des Johannes, liebst du mich?
Da wurde Petrus traurig,
weil Jesus ihn zum drittenmal gefragt hatte:
Hast du mich lieb?
Er gab ihm zu Antwort:
Herr, du weißt alles; du weißt, daß ich dich liebhabe.
Jesus sagte zu ihm:
Weide meine Schafe!
Amen, amen, das sage ich dir:
Als du noch jung warst, hast du dich selbst gegürtet
und konntest gehen, wohin du wolltest.
Wenn du aber alt geworden bist,
wirst du deine Hände ausstrecken,
und ein anderer wird dich gürten
und dich führen, wohin du nicht willst.
Das sagte Jesus, um anzudeuten,
durch welchen Tod er Gott verherrlichen würde.
Nach diesen Worten sagte er zu ihm:
Folge mir nach!



Der sog. unechte Schluss des Johannes-Evangeliums ist echt-kanonisch, variiert die Ostergeschichte und verleiht ihr einen besonderen Nachdruck. Gegen alle Vergeistigung oder Spirtualisierung - alte Gefährdungen der Auslegung (vgl. Doketismus, Gnosis u.a.) - fällt auf, dass der Auferstandene zu seinen Jüngern kommt, um mit ihnen zu essen: Geister essen nicht! Aufbau und Gliederung der Geschichte sind kunstvoll: Die Verse 1-14 erzählen - analog - dem "dritten Tag" - die dritte Begegnung des Auferstandenen mit seinen Jüngern. Besonders hervorgehoben ist, was Petrus sagt und tut. Erzählt wird die Begegnung des Auferstandenen in der Form der synoptisch überlieferten Berufungsgeschichte (vgl. die Motive Fischfang - erfolglose Nacht - Geheiß Jesu, die Netze auszuwerfen - großer Fischzug) mit der Pointe, zu "kommen" und zu "essen". Unverkennbar ist auch der eucharistische Sprachgebrauch: Nehmet und esset... Die Langfassung des Evangeliums fügt in den Versen 15-19 die Begegnung des Auferstandenen mit Petrus an. Er, der dreimal verleugnete, Jesus zu kennen, wird dreifach von ihm beauftragt, seine Herde zu weiden. In einem Ausblick wird auch auf das Geschick des Petrus ("Simon, Sohn des Johannes") verwiesen. Über diesen beiden Schlussszenen steht, dass Jesus sich "danach" (nach Ostern) - vgl. Vers 1 - seinen Jüngern offenbart. Vers 14 schließt den ersten Teil ab: Dies war schon das dritte Mal, dass Jesus sich den Jüngern offenbarte. Am Ende des zweiten Teils - vgl. Vers 19 - wird die Offenbarung auf die Verherrlichung bezogen. In Vers 19 wird allerdings auch deutlich, dass - in den beiden Teilen - Petrus mit der Autorität des Auferstandenen rehabilitiert wird. Das Christus-Bekenntnis Simons und das Petrus-Wort Jesu (Mt. 16) werden von dem Auferstandenen mit neuem Leben versehen. Wir sehen hier die ekklesiologische Seite von Ostern. Wer mehr bedenken möchte, wird fündig unter: http://www.perikopen.de/Lesejahr_C/03_Ost_C_Joh21_1-19_Weidemann.pdf http://www.catena-aurea.de/ljcpas3.html


In aller Form hat der Evangelist das Evangelium mit Kapitel 20 abgeschlossen. Kapitel 21 dürfte später hinzugefügt worden sein und auf kirchliche Redaktion zurückgehen, wobei diese kirchliche Redaktion auch sonst im Johannesevangelium ständig durchkommt. Johannes berichtet nur von den Auferstehungsereignissen in Jerusalem. Hier in dieser Stelle halten sich die Jünger in Galiläa auf. Im Kapitel zuvor wird gesagt, der Auferstandene wird nicht mehr erscheinen. Hier erscheint er dennoch wieder. Ebenfalls wurden die Jünger bereits zuvor in ihr missionarisches Amt eingesetzt. Hier werden sie wiederum als Fischer vorgeführt. Der Jüngerkreis ist eigenartig zusammengestellt. Und noch eine Besonderheit: In diesem Kapitel erfahren wir, daß Natanaël aus Kana stamme. Fischfang und Erscheinung des Auferstandenen werden erzählt, wie wenn es zuvor nichts gegeben hätte, also keine Geistbegabung. Der überwältigende Fischfang ist ein Wunder. Und der Lieblingsjünger begreift auch hier zuerst: Es ist der Herr. Das zweite Wunder erwartet die Jünger, mit dem reichen Fang eben wieder an Land, nämlich die bereitet Mahlzeit. Viele Deutungen hat später das nicht zerreißende Netz bei dieser Fischmenge erfahren: Die große Menge der Gläubigen, oder die bleibende Einheit der Kirche ... Petrus zieht es alleine ans Land ... er ist der Leiter dieser Kirche ... Jedenfalls, die Beziehung zwischen den Jüngern und dem Auferstandenen ist distanzierter geworden. Der kirchlichen Redaktion gelingt es nicht, die Beziehung zwischen Jüngern und Herrn zu intensivieren. Die dreimalige Frage an Petrus durch Jesus: Liebst du mich, erinnert an die Verleugnung Jesu durch Petrus.


Evangelium vom 3. Sonntag der Osterzeit:
Joh 21,1-14

Aus dem heiligen Evangelium nach Johannes:

In jener Zeit offenbarte sich Jesus den Jüngern noch einmal.
Es war am See von Tiberias,
und er offenbarte sich in folgender Weise.
Simon Petrus, Thomas, genannt Didymus (Zwilling),
Natanaël aus Kana in Galiläa, die Söhne des Zebedäus
und zwei andere von seinen Jüngern waren zusammen.
Simon Petrus sagte zu ihnen:
Ich gehe fischen.
Sie sagten zu ihm:
Wir kommen auch mit.
Sie gingen hinaus und stiegen in das Boot.
Aber in dieser Nacht fingen sie nichts.
Als es schon Morgen wurde, stand Jesus am Ufer.
Doch die Jünger wußten nicht, daß es Jesus war.
Jesus sagte zu ihnen:
Meine Kinder, habt ihr nicht etwas zu essen?
Sie antworteten ihm:
Nein.
Er aber sagte zu ihnen:
Werft das Netz auf der rechten Seite des Bootes aus,
und ihr werdet etwas fangen.
Sie warfen das Netz aus und konnten es nicht wieder einholen,
so voller Fische war es.
Da sagte der Jünger, den Jesus liebte, zu Petrus:
Es ist der Herr!
Als Simon Petrus hörte, daß es der Herr sei,
gürtete er sich das Obergewand um, weil er nackt war,
und sprang in den See.
Dann kamen die anderen Jünger mit dem Boot -
sie waren nämlich nicht weit vom Land entfernt,
nur etwa zweihundert Ellen -
und zogen das Netz mit den Fischen hinter sich her.
Als sie an Land gingen,
sahen sie am Boden ein Kohlenfeuer
und darauf Fisch und Brot.
Jesus sagte zu ihnen:
Bringt von den Fischen, die ihr gerade gefangen habt.
Da ging Simon Petrus und zog das Netz an Land.
Es war mit hundertdreiundfünfzig großen Fischen gefüllt,
und obwohl es so viele waren, zerriß das Netz nicht.
Jesus sagte zu ihnen:
Kommt her und eßt!
Keiner von den Jüngern wagte ihn zu fragen:
Wer bist du?
Denn sie wußten, daß es der Herr war.
Jesus trat heran,
nahm das Brot und gab es ihnen, ebenso den Fisch.
Dies war schon das dritte Mal,
daß Jesus sich den Jüngern offenbarte,
seit er von den Toten auferstanden war.



Bei diesem Evangelium handelt es sich um ein Nachtragskapitel, das im Rahmen der Endredaktion durch die johanneische Schule angefügt wurde. Die Schilderung enthält mehrere Widersprüche (Auftrag zum Fischfang in Vers 6 und bereitstehendes Mahl in Vers 9) und Doppelungen (Ziehen des Netzes in Verse 8. 11, Erkennen Jesu in Verse 7. 12). Das lässt darauf schließen, dass hier zwei Überlieferungen miteinander verwoben wurden. Verbunden mit dem Vorausgehenden wird die Geschichte durch die Verse 1 und 14. Diese sogenannte dritte Erscheinung des Auferstandenen unterscheidet sich von den beiden zuvor beschriebenen: Bei der ersten Begegnung (Joh 20,11-18) kam er zu Menschen, die angesichts des Todes Jesu fassungslos und verängstigt waren, und bei der zweiten Erscheinung (Joh 20,24-29) zu einem zutiefst Zweifelnden. Beides waren menschliche Ausnahmesituationen, in denen die Jünger durch eine außergewöhnliche Erfahrung wieder Lebensmut, Gottvertrauen und Perspektive gewannen und darin Jesus erkannten. Genauso kann es gläubigen Menschen auch heute bei Ausnahmesituationen wie Sternstunden ihres Lebens und überwundenen Krisen relativ leicht fallen, im Nachhinein darin Gottes Nähe zu erkennen. Im dritten Bericht ist die Situation dagegen eine andere: Die Jünger sind zurück in ihrem Alltagsgeschäft und mit dessen Fragen und Problemen so sehr beschäftigt, dass sie Jesus zunächst nicht erkennen (Vers 4). Ähnlich geht es Christen auch heute oft in ihrem Alltag: Sie rechnen hier nicht mit Gottesbegegnung. Manche leben den Glauben auch eher zusätzlich zu Beruf, Familie und Ehrenamt. Gottesdienstbesuch und verlässliche kirchliche Gemeinschaft sind dann zwar als eigenständiger Bereich wichtig, aber Gottesbeziehung und Alltagsleben werden kaum durch persönliche Auseinandersetzung aufeinander bezogen. Hierauf wirft das Evangelium nun ein neues Licht: Jesus, der Mensch gewordene und menschlich erfahrbare Gott, lässt sich mitten im Alltag finden. So betrachtet vermag eine auf den ersten Blick unspektakuläre Erfahrung auch in Eintönigkeit und vergeblichem Mühen neuen Lebensmut und Sinn zu schenken. Das zu erkennen dauert – wie bei den Jüngern – etwas länger als bei besonderen Erlebnissen. Hilfreich kann es sein, jeden Abend mit einem entsprechenden Tagesrückblick den Blick zu schärfen für solch Gottesbegegnungen im Alltag. So können Leben und Glauben immer mehr ein einziger Vollzug werden. Befreiend und herausfordernd zugleich ist die Passivität der erforderlichen Haltung: Man muss nichts Besonderes „machen“ (wie z. B. beten, zum Gottesdienst gehen) oder angestrengt nach Gott suchen, sondern gerade im Loslassen von festen Vorstellungen kann man ihn wie von selbst mitten im Alltag finden und sich von ihm finden lassen. Claudia Simonis-Hippel, in: Bernhard Krautter/Franz-Josef Ortkemper (Hg.), Gottes Volk Lesejahr A 4/2011. Verlag Katholisches Bibelwerk, Stuttgart 2011, S.93-104.


Die vorliegende Perikope findet sich im letzten Kapitel des Johannesevangeliums, das einen Anhang darstellt, dessen Form und Art sehr viele Fragen aufwirft, die hier nicht alle dargelegt werden können. So finden sich in diesem Kapitel drei in einander verwobene Geschichten, die in einem äußeren Zusammenhang gehalten werden: eine Geschichte vom Fischfang, ein Erscheinungsbericht und eine Mahlerzählung. Sie verbindet die Einheitlichkeit der handelnden Personen und des gleichen Ortes. Ganz losgelöst kann man dieses Kapitel indes nicht lesen, es ist Teil eines größeren Zusammenhangs, in den nach Vers 14 noch zwei weitere Erscheinungen gehören. Von den sieben Personen, die Jesus begegnen, sind die ersten fünf solche, die in einer besonderen Beziehung zu Jesus standen: Petrus als der Wortführer der Apostel, Thomas als der, der sehen und begreifen durfte, Natanael, der Jesus schon einmal begegnet war (Joh 1,47) und die Söhne des Zebedäus. Wer die zwei anderen sind und woher sie kommen, bleibt unklar. Diese sieben bezeichnen die Fülle der Nachfolger Jesu, denen er begegnen will. Die Erzählung vom Fischfang geht auf ein ähnliches Vorbild bei Lukas (5,1-11) zurück, das der Autor der vorliegenden Geschichte gekannt haben muss. Die Erscheinung Jesu entspricht in ihrer Form der Begegnung mit den Emmausjüngern oder vom Zeitpunkt her der Begegnung mit Maria Magdalena. Die Mahlszene entspricht atmosphärisch - und das ist die einzige Gemeinsamkeit - der lukanischen Szene, als die Jünger in Emmaus dem Auferstandenen in aller Unauffälligkeit und Schmucklosigkeit begegnen (Lk 24,13-35). Diese Geschichten sind nun zu einem Missionsbericht zusammenkomponiert: Petrus holt das Netz der Kirche ein, in dem alle Völker (153 Fische als Symbole aller bekannten Fischarten = alle bekannten Völker) vorhanden sind. Sie werden dem Auferstandenen zu Füssen gelegt.


Der Evangelientext stammt aus dem zweiten Schluss des Johannesevangeliums. Am Ende des Evangeliums vom 2. Ostersonntag stand die Zusammenfassung des Evangeliums: Hilfen geben zur Erfahrung, dass Jesus der Messias ist und ein Leben in seinem Geist anbietet. Nun macht der angehängte Schlussteil deutlich: Dieses Leben im Geist Jesu fiel selbst denen schwer, die ihn erlebt hatten. Aber am Ende tun sie es.