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Lesungen 01.05.2016


1. Lesung vom 6. Sonntag der Osterzeit, Lesejahr C:
Apg 15:1-2.22-29


Lesung aus der Apostelgeschichte:

In jenen Tagen kamen einige Leute von Judäa herab
und lehrten die Brüder:
Wenn ihr euch nicht nach dem Brauch des Mose beschneiden laßt,
könnt ihr nicht gerettet werden.
Nach großer Aufregung und heftigen Auseinandersetzungen
zwischen ihnen und Paulus und Barnabas beschloß man,
Paulus und Barnabas und einige andere von ihnen
sollten wegen dieser Streitfrage
zu den Aposteln und den Ältesten nach Jerusalem hinaufgehen.
Da beschlossen die Apostel und die Ältesten
zusammen mit der ganzen Gemeinde,
Männer aus ihrer Mitte auszuwählen
und sie zusammen mit Paulus und Barnabas nach Antiochia zu senden,
nämlich Judas, genannt Barsabbas, und Silas,
führende Männer unter den Brüdern.
Sie gaben ihnen folgendes Schreiben mit:
Die Apostel und die Ältesten, eure Brüder,
grüßen die Brüder aus dem Heidentum in Antiochia, in Syrien und Zilizien.
Wir haben gehört, daß einige von uns,
denen wir keinen Auftrag erteilt haben,
euch mit ihren Reden beunruhigt
und eure Gemüter erregt haben.
Deshalb haben wir uns geeinigt
und beschlossen, Männer auszuwählen
und zusammen mit unseren lieben Brüdern Barnabas und Paulus
zu euch zu schicken,
die beide für den Namen Jesu Christi, unseres Herrn,
ihr Leben eingesetzt haben.
Wir haben Judas und Silas abgesandt,
die euch das Gleiche auch mündlich mitteilen sollen.
Denn der Heilige Geist und wir haben beschlossen,
euch keine weitere Last aufzuerlegen
als diese notwendigen Dinge:
Götzenopferfleisch, Blut, Ersticktes und Unzucht zu meiden.
Wenn ihr euch davor hütet, handelt ihr richtig. Lebt wohl!



Konflikte gehören wohl zum Leben der Kirche wie die Eucharistie. Die erste Lesung aus der Apostelgeschichte berichtet von dem ersten grundlegenden Streitfall der jungen Urkirche. Das Problem: Muss jeder, der Christ werden will, sich dem Gesetz - der Torah - unterwerfen oder reicht auch (nur) die Taufe? Die Diskussion führte schließlich zum Apostelkonzil (44/49 n. Chr.). Nach diesem Konzil erging der Beschluss, dass, wer Christ werden wollte, nicht beschnitten werden musste. Bzgl. der Einhaltung der Kultvorschriften existieren Divergenzen zwischen der lukanischen (Apg) und der paulinischen Darstellung (Gal) der Ergebnisse des Konzils.


Die Lesungsperikope kann aus dem Fragehorizont gedeutet werden: Wie kann das kirchliche Amt handeln und entscheiden? Die Leitung der Urgemeinde war durch die Bekehrung des Kornelius und vor allem durch die Gründung von heidenchristlichen Gemeinden vor eine veränderte Situation gestellt worden, über die es zu befinden galt. Die Judenchristen hielten sich noch an das jüdische Gesetz; sollte man auch die Heidenchristen dazu verpflichten? Das kirchliche Amt könnte vor diesem Hintergrund mit einem Alleinanspruch auftreten, es mag sich im Alleinbesitz des Heiligen Geistes fühlen, es kann aber auch im gemeinsamen Hören mit allen Christen und Christinnen den Willen Gottes suchen. Die zweite Form war in der Urkirche üblich. Der Beschluss des Apostelkonzils erweist sich als Kompromiss. Grundsätzlich war klar, dass nicht das Gesetz rettet, sondern die Gnade Christi. In der Praxis versuchte man zu einer mittleren Linie zu kommen. Geschwisterliche Rücksichtnahme bei aller grundsätzlichen Klarheit stellt sich als echt christliche Lösung einer offenen Frage dar. Wo diese Form der Auseinandersetzung praktiziert wird, blüht kirchliches Leben auf.


Die Lesungsperikope setzt die Erzählreihe der letzten Sonntage über das Wachsen der jungen Kirche fort. Aus der Tatsache, daß das Evangelium bei den Nichtjuden so großen Anklang findet, erwächst ein handfestes Problem. Die Frage, ob sich die sog. Heidenchristen der Beschneidung und dem mosaischen Gesetz zu unterwerfen haben, ist nicht nur eine Frage der unterschiedlichen Bräuche und Lebensgewohnheiten oder des praktischen Zusammenlebens in den Gmeinden, sondern beinhaltet eine grundsätzliche theologische Meinungsverschiedenheit. Durch die Taufe des Kornelius (Apg 10) war zwar schon geklärt worden, daß Heiden ohne Beschneidung zum Heil gelangen können. Strittig blieb aber die Frage, wie weit die Einhaltung des mosaischen Gesetzes auch als angemessene Form der christlichen Lebenshaltung zu betrachten sei. Aus Antiochia, wo diese Streitfrage offenbar am drängendsten erlebt wurde, schickt die Gemeinde eine Gesandtschaft nach Jerusalem, um von dort eine Entscheidung einzuholen. Jerusalem ist für Lukas, den Verfasser der Apostelgeschichte, ein theologischer Ort. Von dort ging das Heil in die ganze Welt hinaus, von dort her hat sich die neue Praxis der heidenchristlichen Gemeinde zu legitimieren. Die Erzählung von der Lösung dieses ersten großen und grundlegenden Konflikts der jungen Kirche hat exemplarischen Charakter. Der Konflikt wird beschrieben, die große Aufregung und die heftige Auseinandersetzung nicht verschwiegen. Die Gemeinde (!) schickt eine Gesandtschaft zu den Aposteln und Ältesten nach Jerusalem; man erzählt, freut sich, der Konflikt bricht an Ort und Stelle von neuem auf; man prüft, Petrus und Jakobus nehmen Stellung. Die Apostel und die Ältesten mit der ganzen Gemeinde wählen eine Gesandtschaft aus und übersenden das Schreiben mit ihrer Entscheidung. Diese beinhaltet überraschend geringe Auflagen für die Heidenchristen.


Ungeküzte Fassung der
1. Lesung vom 6. Sonntag der Osterzeit, Lesejahr C:
Apg 15,1-29

Lesung aus der Apostelgeschichte:

In jenen Tagen kamen einige Leute von Judäa herab
und lehrten die Brüder:
Wenn ihr euch nicht nach dem Brauch des Mose beschneiden laßt,
könnt ihr nicht gerettet werden.
Nach großer Aufregung und heftigen Auseinandersetzungen
zwischen ihnen und Paulus und Barnabas beschloß man,
Paulus und Barnabas und einige andere von ihnen
sollten wegen dieser Streitfrage
zu den Aposteln und den Ältesten nach Jerusalem hinaufgehen.
Sie wurden von der Gemeinde feierlich verabschiedet
und zogen durch Phönizien und Samarien;
dabei berichteten sie den Brüdern von der Bekehrung der Heiden
und bereiteten damit allen große Freude.
Bei ihrer Ankunft in Jerusalem wurden sie von der Gemeinde
und von den Aposteln und den Ältesten empfangen.
Sie erzählten alles, was Gott mit ihnen zusammen getan hatte.
Da erhoben sich einige aus dem Kreis der Pharisäer,
die gläubig geworden waren, und sagten:
Man muß sie beschneiden
und von ihnen fordern, am Gesetz des Mose festzuhalten.
Die Apostel und die Ältesten traten zusammen,
um die Frage zu prüfen.
Als ein heftiger Streit entstand,
erhob sich Petrus und sagte zu ihnen:
Brüder, wie ihr wißt,
hat Gott schon längst hier bei euch die Entscheidung getroffen,
daß die Heiden durch meinen Mund
das Wort des Evangeliums hören
und zum Glauben gelangen sollen.
Und Gott, der die Herzen kennt, bestätigte dies,
indem er ihnen ebenso wie uns den Heiligen Geist gab.
Er machte keinerlei Unterschied zwischen uns und ihnen;
denn er hat ihre Herzen durch den Glauben gereinigt.
Warum stellt ihr also jetzt Gott auf die Probe
und legt den Jüngern ein Joch auf den Nacken,
das weder unsere Väter noch wir tragen konnten?
Wir glauben im Gegenteil,
durch die Gnade Jesu, des Herrn, gerettet zu werden,
auf die gleiche Weise wie jene.
Da schwieg die ganze Versammlung.
Und sie hörten Barnabas und Paulus zu,
wie sie erzählten, welch große Zeichen und Wunder
Gott durch sie unter den Heiden getan hatte.
Als sie geendet hatten, nahm Jakobus das Wort und sagte:
Brüder, hört mich an!
Simon hat berichtet, daß Gott selbst zuerst eingegriffen hat,
um aus den Heiden ein Volk für seinen Namen zu gewinnen.
Damit stimmen die Worte der Propheten überein,
die geschrieben haben:
Danach werde ich mich umwenden
und die zerfallene Hütte Davids wieder aufrichten;
ich werde sie aus ihren Trümmern wieder aufrichten
und werde sie wiederherstellen,
damit die übrigen Menschen den Herrn suchen,
auch alle Völker, über denen mein Name ausgerufen ist
- spricht der Herr, der das ausführt,
was ihm seit Ewigkeit bekannt ist.
Darum halte ich es für richtig,
den Heiden, die sich zu Gott bekehren,
keine Lasten aufzubürden;
man weise sie nur an,
Verunreinigung durch Götzen(opferfleisch)
und Unzucht zu meiden
und weder Ersticktes noch Blut zu essen.
Denn Mose hat seit ältesten Zeiten in jeder Stadt seine Verkündiger,
da er in den Synagogen an jedem Sabbat verlesen wird.
Da beschlossen die Apostel und die Ältesten
zusammen mit der ganzen Gemeinde,
Männer aus ihrer Mitte auszuwählen
und sie zusammen mit Paulus und Barnabas nach Antiochia zu senden,
nämlich Judas, genannt Barsabbas, und Silas,
führende Männer unter den Brüdern.
Sie gaben ihnen folgendes Schreiben mit:
Die Apostel und die Ältesten, eure Brüder,
grüßen die Brüder aus dem Heidentum in Antiochia, in Syrien und Zilizien.
Wir haben gehört, daß einige von uns,
denen wir keinen Auftrag erteilt haben,
euch mit ihren Reden beunruhigt und eure Gemüter erregt haben.
Deshalb haben wir uns geeinigt und beschlossen,
Männer auszuwählen
und zusammen mit unseren lieben Brüdern Barnabas und Paulus
zu euch zu schicken,
die beide für den Namen Jesu Christi, unseres Herrn,
ihr Leben eingesetzt haben.
Wir haben Judas und Silas abgesandt,
die euch das Gleiche auch mündlich mitteilen sollen.
Denn der Heilige Geist und wir haben beschlossen,
euch keine weitere Last aufzuerlegen
als diese notwendigen Dinge:
Götzenopferfleisch, Blut, Ersticktes und Unzucht zu meiden.
Wenn ihr euch davor hütet, handelt ihr richtig.
Lebt wohl!


Antwortpsalm am 6. Sonntag der Osterzeit (C)
Ps
67,2-3. 5-6. 8

R: Die Völker sollen dir danken, o Gott,
danken sollen dir die Völker alle. - R


Oder: Halleluja. – R

Gott sei uns gnädig und segne uns.     
Er lasse über uns sein Angesicht leuchten,
damit auf Erden sein Weg erkannt wird
und unter allen Völkern sein Heil. - (R)

Die Nationen sollen sich freuen und jubeln.
Denn du richtest den Erdkreis gerecht.
Du richtest die Völker nach Recht
und regierst die Nationen auf Erden. - (R)

Die Völker sollen dir danken, o Gott,
danken sollen dir die Völker alle.
Es segne uns Gott.
Alle Welt fürchte und ehre ihn. - R


2. Lesung am 6. Sonntag der Osterzeit, Lesejahr C:
Offb 21,10-14. 22-23

Lesung aus der Offenbarung nach Johannes:

Ein Engel entrückte mich in der Verzückung auf einen großen, hohen Berg
und zeigte mir die heilige Stadt Jerusalem,
wie sie von Gott her aus dem Himmel herabkam,
erfüllt von der Herrlichkeit Gottes.
Sie glänzte wie ein kostbarer Edelstein,
wie ein kristallklarer Jaspis.
Die Stadt hat eine große und hohe Mauer
mit zwölf Toren und zwölf Engeln darauf.
Auf die Tore sind Namen geschrieben:
die Namen der zwölf Stämme der Söhne Israels.
Im Osten hat die Stadt drei Tore und im Norden drei Tore
und im Süden drei Tore und im Westen drei Tore.
Die Mauer der Stadt hat zwölf Grundsteine;
auf ihnen stehen die zwölf Namen der zwölf Apostel des Lammes.
Einen Tempel sah ich nicht in der Stadt.
Denn der Herr, ihr Gott,
der Herrscher über die ganze Schöpfung,
ist ihr Tempel, er und das Lamm.
Die Stadt braucht weder Sonne noch Mond, die ihr leuchten.
Denn die Herrlichkeit Gottes erleuchtet sie,
und ihre Leuchte ist das Lamm.



Diese Perikope aus dem Buch der Offenbarung schließt an den vergangenen Sonntag mit seiner Erzählung von einem neuen Himmel und einer neuen Erde an: Konkreter Ort dieses Geschehens ist Jerusalem und der Tempel. Nebst einer Vision ist wohl auch die wehmütige Erinnerung Grundlage dieses Textes: Die Offenbarung ist ca. 80 n. Chr. entstanden und somit nach der Entweihung und Zerstörung des Tempels durch die Römer (70 n. Chr.).


Wie wird es sein, wenn Gott sein Werk vollendet? Man kann darüber nur in Bildern sprechen. In der Lesungsperikope erscheint die Gemeinschaft der Erlösten als die leuchtende Stadt Gottes, mit hohen Mauern und zwölf Toren, die für alle Völker der Erde geöffnet sind. Allen bieten sie Frieden, Sicherheit, ewiges Glück. Der Seher der Offenbarung setzt sich dabei bewusst und ausdrücklich von einer Tradition der jüdischen Apokalyptik ab, die im Anschluss an Ezechiel den Tempel als den Mittelpunkt des neuen Jerusalems sieht und ausführlich beschreibt. Die Menschen werden keinen Tempel mehr brauchen, die ganze Stadt wird erfüllt sein von der Gegenwart Gottes und erleuchtet vom Licht Christi. Das Motiv, dass die eschatologische Gottesstadt durch Gott selbst erleuchtet wird, ist zwar Gemeingut der jüdischen Apokalyptik. Es bekommt aber hier eine neue Bedeutung: Die leuchtende Gegenwart Gottes erfüllt die ganze Stadt mit ihrem strahlenden Glanz. Da wird der Tempel als besonderes Sinnbild und als ausgegrenzter Ort der göttlichen Gegenwart überflüssig. Die Vision des Sehers Johannes weist über die Geschichte hinein in die Zukunft; aber sie deutet auch die Gegenwart und gibt ihr eine Richtung.


Die Lesungsperikope ist an den Sonntagen nach Ostern jeweils der Offenbarung des Johannes entnommen. Die Vision des himmlischen Jerusalem in Kapitel 21 ist alttestamentlichen Vorlagen nachgebildet (vgl. vor allem Ez 40-48), der Verfasser hat jedoch neue Akzente gesetzt. Der erste Teil der Vision (Verse 10-14) beschreibt die Stadt mit vielen symbolträchtigen Bildern: die Stadt ist vom Lichtglanz der Herlichkeit Gottes erfüllt, die hohe Mauer stellt den von der Stadt gebotenen Schutz und die Geborgenheit dar. Die zwölf Tore und die zwölf Grundsteine repräsentieren und verbinden das alte und das neue Israel. Die Stadt steht nicht im Himmel, sondern sie steigt auf unsere Erde herab. Der zweite Teil, die Vermessung und weitere Beschreibung der Stadt, wird in der liturgischen Perikope ausgelassen. Die Verse 22 und 23 - der dritte Teil der Vision - betonen, daß das neue Jerusalem keinen Tempel mehr braucht, für Juden ist das eine fast unerträgliche Vorstellung. Der Herr und das Lamm sind der Tempel dieser Stadt, d.h. Gott ist in ihr direkt - nicht durch einen Tempel vermittelt - anwensend. Ebenso kann diese Stadt auf das natürliche Licht der Sonne und des Mondes verzichten, da die Herrlichkeit Gottes das Licht dieser Stadt ist.


Ungekürzte Fassung der
2. Lesung vom 6. Sonntag der Osterzeit, Lesejahr C:
Offb 21,10-23

Lesung aus der Offenbarung nach Johannes:

Ein Engel entrückte mich mich in der Verzückung
auf einen großen, hohen Berg
und zeigte mir die heilige Stadt Jerusalem,
wie sie von Gott her aus dem Himmel herabkam,
erfüllt von der Herrlichkeit Gottes.
Sie glänzte wie ein kostbarer Edelstein,
wie ein kristallklarer Jaspis.
Die Stadt hat eine große und hohe Mauer
mit zwölf Toren und zwölf Engeln darauf.
Auf die Tore sind Namen geschrieben:
die Namen der zwölf Stämme der Söhne Israels.
Im Osten hat die Stadt drei Tore und im Norden drei Tore
und im Süden drei Tore und im Westen drei Tore.
Die Mauer der Stadt hat zwölf Grundsteine;
auf ihnen stehen die zwölf Namen der zwölf Apostel des Lammes.
Und der Engel, der zu mir sprach, hatte einen goldenen Meßstab,
mit dem die Stadt, ihre Tore und ihre Mauer gemessen wurden.
Die Stadt war viereckig angelegt und ebenso lang wie breit.
Er maß die Stadt mit dem Meßstab;
ihre Länge, Breite und Höhe sind gleich: zwölftausend Stadien.
Und er maß ihre Mauer; sie ist hundertvierundvierzig Ellen hoch
nach Menschenmaß, das der Engel benutzt hatte.
Ihre Mauer ist aus Jaspis gebaut,
und die Stadt ist aus reinem Gold, wie aus reinem Glas.
Die Grundsteine der Stadtmauer
sind mit edlen Steinen aller Art geschmückt;
der erste Grundstein ist ein Jaspis, der zweite ein Saphir,
der dritte ein Chalzedon, der vierte ein Smaragd,
der fünfte ein Sardonyx, der sechste ein Sardion,
der siebte ein Chrysolith, der achte ein Beryll,
der neunte ein Topas, der zehnte ein Chrysopras,
der elfte ein Hyazinth, der zwölfte ein Amethyst.
Die zwölf Tore sind zwölf Perlen;
jedes der Tore besteht aus einer einzigen Perle.
Die Straße der Stadt ist aus reinem Gold, wie aus klarem Glas.
Einen Tempel sah ich nicht in der Stadt.
Denn der Herr, ihr Gott,
der Herrscher über die ganze Schöpfung,
ist ihr Tempel, er und das Lamm.
Die Stadt braucht weder Sonne noch Mond, die ihr leuchten.
Denn die Herrlichkeit Gottes erleuchtet sie,
und ihre Leuchte ist das Lamm.


Ruf vor dem Evangelium am 6. Sonntag der Osterzeit (B):
(vgl. Joh 14,23)


Halleluja. Halleluja.
(So spricht der Herr:)
Wer mich liebt, hält fest an meinem Wort.
Mein Vater wird ihn lieben, und wir werden bei ihm wohnen.
Halleluja.


Evangelium vom 6. Sonntag der Osterzeit, Lesejahr C :
Joh 14,23-29

Aus dem heiligen Evangelium nach Johannes:

In jener Zeit sprach Jesus zu den Jüngern:
Wenn jemand mich liebt,
wird er an meinem Wort festhalten;
mein Vater wird ihn lieben,
und wir werden zu ihm kommen und bei ihm wohnen.
Wer mich nicht liebt, hält an meinen Worten nicht fest.
Und das Wort, das ihr hört, stammt nicht von mir,
sondern vom Vater, der mich gesandt hat.
Das habe ich zu euch gesagt,
während ich noch bei euch bin.
Der Beistand aber, der Heilige Geist,
den der Vater in meinem Namen senden wird,
der wird euch alles lehren und euch an alles erinnern,
was ich euch gesagt habe.
Frieden hinterlasse ich euch,
meinen Frieden gebe ich euch;
nicht einen Frieden, wie die Welt ihn gibt, gebe ich euch.
Euer Herz beunruhige sich nicht und verzage nicht.
Ihr habt gehört, daß ich zu euch sagte:
Ich gehe fort und komme wieder zu euch zurück.
Wenn ihr mich lieb hättet,
würdet ihr euch freuen, daß ich zum Vater gehe;
denn der Vater ist größer als ich.
Jetzt schon habe ich es euch gesagt, bevor es geschieht,
damit ihr, wenn es geschieht, zum Glauben kommt.



Das Evangelium beginnt mit der - nicht gerade themengerichteten - Antwort (Verse 23-24) auf die Frage eines Judas (nicht Iskariot), warum sich Jesus nicht der Welt sondern vorzugsweise dem Jüngerkreis offenbaren will. Interessant an diesem Judas: Auch wenn nicht ganz klar ist, wer das ist - er ist schon einmal erwähnt: im Lukasevangelium (6,16) - ein sicheres Zeichen also, dass Johannes diese Quelle sehr wohl kannte. Jesus referiert als Antwort also über die Liebe, wie sie ihm und dem Vater geschuldet ist. Dann folgen die abschließenden Abschiedsworte, die die Brücke zur nachösterlichen Zeit schlagen: Der Heilige Geist wird die Menschen befähigen, Jesu Werk weiterzutragen, in seinem Sinne zu wirken. Grundlage für das Gelingen ist der Friede, den Jesus den Menschen als Erbe hinterlässt - Friede mit Gott, untereinander und mit sich selbst. Die jüdische Grußformel 'Shalom' ist hier nicht gemeint - wenn Jesus Friede wünscht, formuliert er weit über Formeln hinaus eine Basis christlichen Lebens. Diese Skizze eines christlichen Fundamentes ist auch gemeint, wenn er nach seiner Auferstehung in Begegnungen mit Menschen immer wieder den Frieden wünscht.


Wir befinden uns bei diesem Abschnitt mitten in den Abschiedsreden Jesu. Angesichts der Ankündigung des Fortgangs Jesu, der menschlich gesehen ihr Alleinsein in der Welt zur Folge haben wird, ergreift Verwirrung, Angst und Verzagtheit die Herzen der Jünger. Was soll nun aus ihnen werden, wenn der Herr nicht mehr bei ihnen ist? Was ihnen helfen kann, ist allein der Glaube. Worin sich der Glaube bewährt, ist die Liebe zu einander, die Liebe zum Bruder und zur Schwester. In ihr bewährt sich auch die Gottesliebe der einzelnen Christen. An dem Wort festhalten hat die Bedeutung, das zu tun, was Jesus aufgetragen hat. Immer wieder fordert er in den Abschiedsreden auf: "Liebt einander." Wer Jesus liebt, der hält an seinem Worte fest. Der kann auch das Einssein mit dem Vater erleben und erfahren. Das Einssein mit dem Vater und das Einwohnen bei den Gläubigen sind nur für den erfahrbar und erkennbar, der sich dafür öffnet. So ist nicht das Heimgeholtwerden der Glaubenden in die himmlischen Wohnungen das entscheidende Heilsereignis, sondern das Wohnungnehmen des Vaters und des Sohnes bei den Glaubenden. Es handelt sich bei diesem In-Sein um eine gegenseitige Beziehung. Wenn der Vater und der Sohn kommen, um bei den Glaubenden Wohnung zu nehmen, sind auch die Glaubenden dort, wo Jesus ist. Die menschliche Sprache kommt hier an ihre Grenze, besonders dann, wenn sie sich auf die räumliche Vorstellung bezieht wie es bei Johannes oft der Fall ist. Es geht nicht um ein Kommen und Gehen, sondern um eine geheimnisvolle Gegenwart Gottes im Menschen. Jesus verheißt den Beistand den Heiligen Geist, der die Menschen an alles erinnern wird und sie alles lehren wird. Bislang war Jesus der Lehrer und der Offenbarer gewesen. Mit Lehren ist nicht nur ein theoretischen Lehren gemeint, ebenso wenig ist unter Erinnern eine Gedächtnisauffrischung zu verstehen. Es ist Verkündigung, die den ganzen Menschen ansprechen will. Gottes Willen kann nur erkannt werden, wer bereit ist, Gottes Willen zu tun und die Liebe zu leben. Das Lehren des Geistes ist eine inneres Belehren. Mit dem Erinnern ist eine Vertiefung und Aktualisierung der Botschaft Jesu zu verstehen, die auf neue konkrete Erkenntnis zielt und zu neuen geistgewirkten Einsichten führen soll. Es geht um ein neues, besseres Verstehen eines Wortes Jesu oder eines Ereignisses. Der Wunsch nach Frieden kann als Abschiedsgruß wie auch als Begrüßung verstanden werden. Friede ist die Gabe, die sich alle anderen in sich schließt. Friede ist hier zu verstehen als Ganzsein, als Heilsein, als die endgültige Vollendung des einzelnen und der Gemeinschaft. Die Welt versucht Friede mit Waffen, Gewalt und Unterdrückung herzustellen. Nach Gal. 5,22 sind Friede und Freude eine Frucht des Heiligen Geistes. Angesichts dieser Gedanken soll bei den Jüngern wie bei uns die Freude über Jesus und das feste Vertrauen auf seine Wiederkunft, auf seinen Beistand überwiegen und die Trauer gering werden. Denn Jesu Fortgang hat uns den Zugang zum Vater eröffnet.


Das Evangelium ist den johanneischen Abschiedsreden entnommen und somit auf das bevorstehende Fest Christi Himmelfahrt ausgerichtet. Das Genus der Abschiedsrede war im griechisch-römischen und im jüdischen Raum sehr beliebt, um Taten, Aussprüche und Anliegen bedeutsamer Persönlichkeiten in gesammelter Form zu überliefern. Oft wurde diese Gelegenheit auch genützt, um ethische Weisungen, theologische Weltdeutungen oder apokalyptische Enthüllungen zu veröffentlichen. Auch in unserem Abschnitt geht es um letzte Weisungen, Verheißungen und um Trost für die zurückbleibenden Jünger. Jesus fordert von den Zurückbleibenden, daß sie an seinem Wort festhalten. Das Motiv dafür bildet ihre Liebe zu ihrem Herrn sowie die Verheißung der Liebe des Vaters. Diese Verheißung gipfelt in der Aussage, daß beide, der Vater und Jesus selbst, kommen und bei dem Jünger wohnen werden. Dabei klingt das Wohnen Gottes bei seinem Volk im kultischen (vgl. Ex 25,8; 29,45) und im eschatologischen (vgl. Ez 37,26 f.; Sach 2,14) Sinne an. Für die Zeit nach dem Weggang Jesu verheißt Jesus die Sendung des Heiligen Geistes. Damit beginnt ein neuer Zeitabschnitt. Die Zeit der direkten Unterweisung hat ein Ende. Von nun an lehrt sie der Heilige Geist. Als Abschiedsagabe hinterläßt er den Frieden, der sich vom Frieden, wie ihn die Welt geben kann (eine Anspielung auf die "Pax Romana"?), dadurch unterscheidet, daß er viel umfassender ist. Er beinhaltet das Heil des ganzen Menschn. Schließlich folgt noch ein Wort des Trostes. Die Trauer des Abschieds soll von der Freude der liebenden Begegnung mit dem Vater und dem Wachsen der Beziehung zu Jesus überboten werden.