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Lesungen 08.05.2016


1. Lesung vom 7. Sonntag der Osterzeit, Lesejahr C:
Apg 7,55-60

Lesung aus der Apostelgeschichte:

In jenen Tagen blickte Stephanus,
erfüllt vom Heiligen Geist, zum Himmel empor,
sah die Herrlichkeit Gottes und Jesus zur Rechten Gottes stehen
und rief:
Ich sehe den Himmel offen
und den Menschensohn zur Rechten Gottes stehen.
Da erhoben sie ein lautes Geschrei, hielten sich die Ohren zu,
stürmten gemeinsam auf ihn los,
trieben ihn zur Stadt hinaus und steinigten ihn.
Die Zeugen legten ihre Kleider zu Füßen eines jungen Mannes nieder,
der Saulus hieß.
So steinigten sie Stephanus;
er aber betete und rief:
Herr Jesus, nimm meinen Geist auf!
Dann sank er in die Knie und schrie laut:
Herr, rechne ihnen diese Sünde nicht an!
Nach diesen Worten starb er.



Die Lesung aus der Apostelgeschichte gehört zum Erzählkreis um Stephanus, dem ersten Martyrer. Dabei entdecken wir christologische Motive aus der Leidensgeschichte Jesu: Der Blick in den Himmel, der Vorwurf der Gotteslästerung, das Gebet für die "Feinde". Hieß es bei Jesus "Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun", hören wir Stephanus sagen: "Herr, rechne ihnen diese Sünde nicht an". Lukas stellt in seinem Doppelwerk - Evangelium und Apostelgeschichte - besonders das Wirken des Geistes heraus: Stephanus sieht die Herrlichkeit Gottes und Jesus zu seiner Rechten in der Kraft des Geistes. Wir werden als Leser und Hörer Zeugen einer trinitarischen Offenbarung. Der Geist öffnet den Himmel. Was die alttestamentlichen Geschichten andeuten - etwa in den Mose-Überlieferungen - wird hier durchsichtig gemacht: Stephanus sieht die Herrlichkeit Gottes - sie zieht nicht nur an ihm vorbei. Besonders gewichtig ist jedoch, dass Jesus zur Rechten Gottes steht. Lukas, der am Ende seines Evangelium kurz von der Himmelfahrt Jesu erzählt, ausführlicher dann am Anfang seiner Apostelgeschichte, lässt uns in der Stephanusgeschichte sehen, was er bisher nur angedeutet hat: dass Jesus zum Vater geht. Die Wolke verdeckte, was Stephanus (nicht die Jünger!) als erster sehen durfte. Die Stephanusüberlieferung, die nach Apg. 6 wesentlich die "diakonische Seele" der Kirche begründet und beschreibt, ist eng mit dem ersten Martyrium als Christuszeugnis verbunden: Seitdem wird Martyrium als geistgewirkt verstanden und auch ikonografisch als Schau der Herrlichkeit Gottes und Jesu zu seiner Rechten verbildlicht.


Der lukanische Bericht von der Steinigung des Stephanus schwankt zwischen dem Vollzug eines Gerichtsurteils und Lynchjustiz. An sich mußte ein Todesurteilvom Hohen Rat verhängt und vom römischen Statthalter gebilligt werden. Üblicherweise fanden Steinigungen außerhalb der Ortschaften statt, wobei ein Zeuge den Verurteilten in einen Graben stieß und ein zweiter Zeuge einen schweren Stein auf sein Herz warf. Mit diesen Handlungen übernahmen die Zeugen gleichsam die "Verantwortung" für die Exekution. Saulus (= Paulus) wird zwar in der Erzählung erwähnt. Ob er aber als Vertreter des Hohen Rates anwesend war, "zufällig" vor Ort war oder eine andere Funktion ausübte, erwähnte Lukas nicht. Während Stephanus stirbt, betet er das Sterbegebet der Juden und bittet Gott um Vergebung für die Sünden seiner Mörder - analog zur Vergebungsbitte Jesu am Kreuz (vgl. Lk 23,34).


Die Einleitung der Apg nimmt Bezug auf das Evangelium des Lukas. Sie markiert den Einschnitt zwischen der Zeit der Jünger mit Jesus (Lk-Evangelium) und dem neuen Abschnitt, der Zeit der Kirche. Zuvor war Jesus unmittelbar erfahrbar, nun ist er es durch den Geist. Zuvor gab er den Jüngern Aufträge, nun wird geschildert, wie sie diesen Aufträgen nachkommen. Die Himmelfahrt markiert so den Einschnitt zwischen diesen beiden Zeiten. Die 40 Tage der Erscheinungen Jesu sind symbolisch zu verstehen und kommen im Zusammenhang mit dem besonderen Handeln Gottes vor (Noach, Gen 8,6; Elija, 1Kön 19,8; Zeit der Vorbereitung: Mose am Sinai Ex 24,18; Jesu Fasten Lk 4,1). Die 40 Tage widersprechen ansonsten der Darstellung von Lk 24, wo die Himmelfahrt unmittelbar an die Rückkehr der Jünger aus Emmaus anschließt, also wenige Stunden nach der Auferstehung stattfindet.. In der Darstellung greift Lukas zurück auf Entrückungserzählungen des AT mit den Bildern der Wolke (= Hinweis auf das Eingreifen Gottes) und den Deuteengeln, die den Zeugen die Augen öffnen. Es geht nicht um eine historische Erzählung; sie wird auch nur von Lk gebracht (und wurde dann in den Markus-Schluß übernommen) - alle anderen kommen ohne den Bericht der Himmelfahrt aus. Es geht um eine Veranschaulichung des neuen Zustandes Jesu, der "Erhöhung zum Vater". Lk macht diese Erhöhung fest am "Himmel": Dieser Himmel ist der Ort des Vaters, auch der Ort, von dem aus der Auferstandene seine Herrschaft ausübt und von wo er einst wiederkommen wird. Die Himmelfahrtserzählung setzt einen endgültigen Schlußpunkt unter die Christuserscheinungen.


Antwortpsalm am 7. Sonntag der Osterzeit (C)
Ps 97,1-2. 6-7. 9. 12

R Der Herr ist König,
er ist der Höchste über der ganzen Erde. – R
                                                                   
Oder:
Halleluja. – R

Der Herr ist König. Die Erde frohlocke!

Freuen sollen sich die vielen Inseln.
Rings um ihn her sind Wolken und Dunkel,
Gerechtigkeit und Recht sind die Stützen seines Throns. - (R)

Seine Gerechtigkeit verkünden die Himmel,
seine Herrlichkeit schauen alle Völker.
Alle, die Bildern dienen, werden zuschanden,
alle, die sich der Götzen rühmen.
Vor ihm werfen sich alle Götter nieder: - (R)

Denn du, Herr, bist der Höchste über der ganzen Erde,
hoch erhaben über alle Götter.
Ihr Gerechten, freut euch am Herrn
und lobt seinen heiligen Namen! R


2. Lesung vom 7. Sonntag der Osterzeit, Lesejahr C:
Offb 22,12-14. 16-17. 20

Lesung aus der Offenbarung nach Johannes:

Ich, Johannes, hörte eine Stimme, die zu mir sprach:
Siehe, ich komme bald, und mit mir bringe ich den Lohn,
und ich werde jedem geben, was seinem Werk entspricht.
Ich bin das Alpha und das Omega,
der Erste und der Letzte,
der Anfang und das Ende.
Selig, wer sein Gewand wäscht:
Er hat Anteil am Baum des Lebens,
und er wird durch die Tore in die Stadt eintreten können.
Ich, Jesus, habe meinen Engel gesandt als Zeugen für das,
was die Gemeinden betrifft.
Ich bin die Wurzel und der Stamm Davids,
der strahlende Morgenstern.
Der Geist und die Braut aber sagen: Komm!
Wer hört, der rufe: Komm!
Wer durstig ist, der komme.
Wer will, empfange umsonst das Wasser des Lebens.
Er, der dies bezeugt, spricht:
Ja, ich komme bald.
Amen.
Komm, Herr Jesus!



Obwohl die Lesung gestückelt ist - glücklich ist dieses Verfahren nie, vgl. ungekürzte Fassung -, gewährt sie uns einen Blick in die Offenbarung - gemeint ist nicht nur das (letzte) Buch im neutestamentlichen Kanon, sondern der Blick in den geöffneten Himmel. Der Seher, der auf der Insel Patmos interniert ist, tröstet mit dieser Vision die bedrängten Gemeinden in Kleinasien (vgl. Offenbarung 2 + 3: 7 Sendschreiben). Sprachlich fällt dabei auf, dass wir eine Christusrede mit - verbalem - Siegel am Schluss vor uns haben: Ich komme bald... Ich bin das Alpha und das Omega, der Erste und der Letzte, der Anfang und das Ende (der also alles umfasst und alles bestimmt)... Ich habe meinen Engel gesandt als Zeugen für das, was den Gemeinden anvertraut ist: Christus als Wurzel und Stamm Davids, der strahlende Morgenstern (der also die Geschichte Gottes mit den Menschen erfüllt) Eng verbunden ist mit den "Ich bin"-Worten Jesu (vgl. die "Ich bin"-Worte Jesu im Johannes-Evangelium) die Verheißung, Anteil zu bekommen am Baum des Lebens. Mitzuhören ist, dass in Gen. 3 der Baum des Lebens verboten und mit dem Tod geschützt ist. Die Offenbarung erzählt, indem sie auf Motive der Genesis verweist, eine "Schöpfungsgeschichte" - hier: die Vollendung der Schöpfung. Die Antwort wird vom "Geist" und der "Braut" gegeben: Komm! Die Gemeinden, die "hören", sollen in den (himmlischen) Ruf einstimmen: Komm! Das Maranatha ist eng mit der urchristlichen Mahlfeier verbunden. In der Eucharistie wird nicht nur die Gegenwart Christi gefeiert, sondern sein Kommen erbeten. Offenbarung 22 hat liturgischen Charakter. Die Urform des Gottesdienstes wird im Himmel erblickt: jede Gemeinde hört die Zusage und nimmt die Bitte auf. Obwohl auf Erden, geht im Gottesdienst der Himmel auf. War schon der Rückgriff auf Genesis 3 unübersehbar, so zeigt sich besonders auch ein Rekurs auf Jes. 55,1-3: "Wohlan, alle, die ihr durstig seid, kommt her zum Wasser! Und die ihr kein Geld habt, kommt her, kauft und esst! Kommt her und kauft ohne Geld und umsonst Wein und Milch! Warum zählt ihr Geld dar für das, was kein Brot ist, und sauren Verdienst für das, was nicht satt macht? Hört doch auf mich, so werdet ihr Gutes essen und euch am Köstlichen laben. Neigt eure Ohren her und kommt her zu mir! Höret, so werdet ihr leben! Ich will mit euch einen ewigen Bund schließen, euch die beständigen Gnaden Davids zu geben." Mit dem Satz "Er, der dies bezeugt, spricht: Ja, ich komme bald" wird die Christuszusage "besiegelt". Noch einmal aufgenommen in der Bitte, der Kyrios, der Herr Jesus, möge kommen. Die Offenbarung des Joahnnes, die gelegentlich auch als "Buch mit sieben Siegeln" bezeichnet wird, erweist sich als Auslegung der Verheißungen und als Schlüssel der Geschichte Gottes. Offenbarung 22 schließt ab, was in Offenbarung 1,4-8 am Anfang steht: "Johannes an die sieben Gemeinden in der Provinz Asien: Gnade sei mit euch und Friede von dem, der da ist und der da war und der da kommt, und von den sieben Geistern, die vor seinem Thron sind, und von Jesus Christus, welcher ist der treue Zeuge, der Erstgeborene von den Toten und Herr über die Könige auf Erden! Ihm, der uns liebt und uns erlöst hat von unsern Sünden mit seinem Blut und uns zu Königen und Priestern gemacht hat vor Gott, seinem Vater, ihm sei Ehre und Gewalt von Ewigkeit zu Ewigkeit! Amen. Siehe, er kommt mit den Wolken, und es werden ihn sehen alle Augen und alle, die ihn durchbohrt haben, und es werden wehklagen um seinetwillen alle Geschlechter der Erde. Ja, Amen. Ich bin das A und das O, spricht Gott der Herr, der da ist und der da war und der da kommt, der Allmächtige."


In diesem Abschnitt der Apokalypse faßt Christus selbst den Inhalt des Buches zusammen und offenbart sich gleichzeitig als Richter. In der siebenten und gleichzeitig letzten Seligpreisung wird verheißen, daß die "Gereinigten", die ihre Kleider gewaschen haben (Metapher für das Taufkleid), in die heilige Stadt eintreten. Christus unterstreicht nochmals die Wahrhaftigkeit des Zeugnisses, das in der Offenbarung festgehalten wird. Weiters verspricht er sein baldiges Kommen. In der antwortenden Bitte "Amen. Komm Herr Jesus!" spiegelt sich die Situation des Gottesdienstes wider.


Der Beginn des Briefes (1,3-14) ist ein Hymnus, in dem das Wirken Gottes durch die Zeiten hindurch gepriesen wird. Darauf geht Paulus auf den Glauben an die Auferstehung ein: diesen Glauben erhalten sie durch "den Geist der Weisheit und Offenbarung" (Vers 17). Es ist der Glaube an Auferstehung und Erhöhung Christi (Vers 20f). Er ist das Haupt über alles, auch über die Gemeinde der Gläubigen, die Kirche (Vers 22). Die Kirche selbst ist "sein Leib", von ihm erfüllt. (Vers 23). Diese Erkenntnis aber ist Geschenk des Geistes, der "die Augen des Herzens erleuchtet". Es wird hier eine universale Christologie (Christus - das Haupt der ganzen Schöpfung) verbunden mit dem zentralen Anliegen des Epheserbriefes: der Bildung der Kirche. Die Kirche ist hier nicht mehr eine verängstigte kleine Schar, sondern die Weltkirche. Sie steht im Dienst Christi in seinem "Herrschen über das All".


Ungekürzte Fassung der
2. Lesung vom 7. Sonntag der Osterzeit, Lesejahr C:
Offb 22,12-20

Lesung aus der Offenbarung des Johannes:

Ich, Johannes, hörte eine Stimme, die zu mir sprach:
Siehe, ich komme bald, und mit mir bringe ich den Lohn,
und ich werde jedem geben, was seinem Werk entspricht.
Ich bin das Alpha und das Omega,
der Erste und der Letzte,
der Anfang und das Ende.
Selig, wer sein Gewand wäscht:
Er hat Anteil am Baum des Lebens,
und er wird durch die Tore in die Stadt eintreten können.
Draußen bleiben die «Hunde» und die Zauberer,
die Unzüchtigen und die Mörder,
die Götzendiener und jeder, der die Lüge liebt und tut.
Ich, Jesus, habe meinen Engel gesandt als Zeugen für das,
was die Gemeinden betrifft.
Ich bin die Wurzel und der Stamm Davids,
der strahlende Morgenstern.
Der Geist und die Braut aber sagen: Komm!
Wer hört, der rufe: Komm!
Wer durstig ist, der komme.
Wer will, empfange umsonst das Wasser des Lebens.
Ich bezeuge jedem,
der die prophetischen Worte dieses Buches hört:
Wer etwas hinzufügt, dem wird Gott die Plagen zufügen,
von denen in diesem Buch geschrieben steht.
Und wer etwas wegnimmt von den prophetischen Worten dieses Buches,
dem wird Gott seinen Anteil am Baum des Lebens
und an der heiligen Stadt wegnehmen,
von denen in diesem Buch geschrieben steht.
Er, der dies bezeugt, spricht:
Ja, ich komme bald.
Amen. Komm, Herr Jesus!


Ruf vor dem Evangelium am 7. Sonntag der Osterzeit (C)
Joh 14,18; 16,22b

Halleluja. Halleluja.

(So spricht der Herr:)
Ich lasse euch nicht als Waisen zurück.
Ich komme wieder zu euch. Dann wird euer Herz sich freuen.

Halleluja.


Evangelium vom 7. Sonntag der Osterzeit, Lesejahr C:
Joh 17,20-26

Aus dem heiligen Evangelium nach Johannes:

In jener Zeit erhob Jesus seine Augen zum Himmel und betete:
Heiliger Vater,
ich bitte nicht nur für diese hier,
sondern auch für alle, die durch ihr Wort an mich glauben.
Alle sollen eins sein:
Wie du, Vater, in mir bist und ich in dir bin,
sollen auch sie in uns sein,
damit die Welt glaubt, daß du mich gesandt hast.
Und ich habe ihnen die Herrlichkeit gegeben,
die du mir gegeben hast;
denn sie sollen eins sein, wie wir eins sind,
ich in ihnen und du in mir.
So sollen sie vollendet sein in der Einheit,
damit die Welt erkennt,
daß du mich gesandt hast
und die Meinen ebenso geliebt hast wie mich.
Vater, ich will, daß alle, die du mir gegeben hast,
dort bei mir sind, wo ich bin.
Sie sollen meine Herrlichkeit sehen, die du mir gegeben hast,
weil du mich schon geliebt hast vor der Erschaffung der Welt.
Gerechter Vater, die Welt hat dich nicht erkannt,
ich aber habe dich erkannt,
und sie haben erkannt,
daß du mich gesandt hast.
Ich habe ihnen deinen Namen bekannt gemacht
und werde ihn bekannt machen,
damit die Liebe, mit der du mich geliebt hast, in ihnen ist
und damit ich in ihnen bin.



Im Evangelium wird Jesus als Betender vorgestellt. Überlieferten die synoptischen Evangelien das Ringen Jesu im Garten Gethsemane, so finden wir bei Johannes ein großes Gebet am Ende der Abschiedsreden (Joh 13ff.) Dabei fällt auf, dass jeweils auf einen "Bericht" eine "Bitte" folgt. Insofern haben wir hier die Urform eines "diakonischen Gebetes" vor uns: Jesus bittet für alle, die durch das Wort der Jünger an ihn glauben. Für sie beschreibt und erbittet er Einheit, Erkenntnis und Herrlichkeit. Als "hohepriesterliches Gebet" bringt es die Einheit Jesu mit seinem Vater nicht nur zum Ausdruck, sondern liest sich wie ein Testament, eine "letzte" Verfügung: damit die Liebe, mit der du mich geliebt hast, in ihnen ist und damit ich in ihnen bin (zu lesen: damit ich in ihnen bleibe). Die beiden Satzkonstruktionen von Joh 17,20-21 und 22-23 haben finale Schlussteile, die einen Vergleich nahe legen: 17,21: "damit die Welt glaubt, dass du mich gesandt hast" 17,23: "damit die Welt erkennt, dass du mich gesandt hat..." Der Parallelismus deutet an, dass zwischen "glauben" und "erkennen" ein innerer Zusammenhang besteht, verstärkt dadurch, dass Jünger/Jüngerinnen von Gott "geliebt" sind wie Jesus. Eine Differenzierung oder Hierarchisierung der "Liebe" ist nicht möglich. In Jesus sind die Glaubenden gleichsam "vor der Erschaffung der Welt" geliebt. Der Begriff "Welt" hat im Johannesevangelium eine besondere Rolle. Nach Joh 1,10 und 17,25 (Verbindung von Prolog und Abschiedsrede!) hat die "Welt" den Logos und den Vater "nicht erkannt". Die Vorstellung, dass nicht nur das Wort, sondern auch die Lebenspraxis der Jünger ("eins" sein) missionarisch wirken, knüpft an Joh 13,34-35 an: "Ein neues Gebot gebe ich euch, dass ihr einander liebt, wie ich euch geliebt habe, dass auch ihr einander liebt. Darin werden alle erkennen (!), dass ihr meine Jünger seid, wenn ihr Liebe untereinander habt." Auch im "hohepriesterlichen Gebet" fällt auf - wie im ganzen Evangelium -, dass Einheit, Liebe, Erkenntnis und Herrlichkeit ineinander fließen, sich gegenseitig auslegen und nicht mehr isoliert betrachtet werden können. Es ist eine Gesamtschau, die aus dem Innersten Gottes selbst kommt. Wenn Jesus in Joh 17,26 - also am Schluss des Gebetes - berichtet, dass er den "Namen" (das Innerste) Gottes kundgetan hat, so leuchtet Joh 1,18 auf: Jesus bringt Kunde von dem Gott, den "niemand jemals gesehen" hat. Wer mehr entdecken möchte, wird fündig unter: http://www.perikopen.de/Lesejahr_C/07_Ost_C_Joh17_20-26_hasitschka.pdf http://www.catena-aurea.de/ljcpas7.html


Pfingsten - die Vollendung von Ostern - ist nahe. Christus "sitzt zur Rechten des Vaters" und tritt ohne Unterlaß für uns ein (vgl. Hebr 7,25ff; 5,1ff). Nun lernt die Kirche das Beten "durch Christus unseren Herrn". Das 17. Kapitel des Johannesevangeliums ist Abschluß und Höhepunkt der Abschiedsreden Jesu und gleichsam eine Art Urform des Eucharistischen Hochgebets. Am Sonntag vor Pfingsten spricht die Osterbotschaft von der vollen Entfaltung der Taufgnade, von der Vollendung durch die Firmung und von der Erfüllung mit Heiligem Geist. Christen werden umgewandelt, werden in Einheit den lebendigen, erlösenden und anwesenden Gott bezeugen.


Diese Perikope stellt den Abschluß des Lukasevangeliums dar. Sie steht im Kontext von 24,36-53. Lukas erzählt dort nur die Begegnung am leeren Grab (24,1-12) und die Begegnung mit den Emmausjüngern (24,13-35). Auf die letzte Erscheinung im Kreis der versammelten Jünger (24,36-49) erfolgt unmittelbar die Erzählung von seiner Erhöhung in den Himmel. Hier setzt die Apostelgeschichte ein. Der erste Teil der Begegnung (36-43) ist nicht Teil der liturgischen Perikope: Jesus überzeugt darin die Jünger von der Echtheit der Erscheinung, indem er die Wundmale zeigt und mit ihnen ißt. Der zweite Teil (44-49) stellt eine Abschiedsrede Jesu dar, in der er zusammenfassend sein Leben, seinen Tod und seine Auferstehung deutet; Leiden und Erhöhung sind Erfüllung der Schrift. Die Jünger werden als Zeugen gesandt - der Geist wird ihnen dabei Kraft geben. Das Wirken des Geistes wird die neue Gegenwart Jesu bei seinen Jüngern sein. Der dritte Teil (50-53) erzählt in Kürze die Himmelfahrt: den Weg hinaus nach Betanien, den Segen Jesu, seine Erhöhung, die Rückkehr der Jünger "in großer Freude" nach Jerusalem. Die Erhöhung meint das Übergehen Jesu in eine höhere Sphäre. Die Freude der Jünger ist ein Zeichen ihres Glaubens, wodurch sie nun zu Verkündern des Glaubens werden. - Diese Verkündigung der Apostel wird in der Apg erzählt.