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Lesungen 26.05.2016

26. Mai. 2016
Fronleichnam (C)


1. Lesung zum Hochfest Fronleichnam, Lesejahr C:
Gen 14,18-20


Lesung aus dem Buch Genesis:

In jenen Tagen brachte Melchisedek, der König von Salem,
Brot und Wein heraus.
Er war Priester des Höchsten Gottes.
Er segnete Abram und sagte:
Gesegnet sei Abram vom Höchsten Gott,
dem Schöpfer des Himmels und der Erde,
und gepriesen sei der Höchste Gott,
der deine Feinde an dich ausgeliefert hat.
Darauf gab ihm Abram den Zehnten von allem.



Melchisédek wird im Alten Testament 2x erwähnt: An der Stelle der heutigen Lesung und im Psalm 110, wo es im Vers 4 heißt: „Du bist Priester auf ewig nach der Ordnung Melchisédeks“. Hier bekommt er dein doppeltes Gewicht als König und als Priester. Er ist es, der aus Opfergaben an Abraham weitergibt. Und er ist es, der segnet. Darin setzte Melchisédek ein Zeichen der Anerkennung in einer Phase, in der Abraham um seine Aufgabe und Bedeutung ringen musste.


Melchisedek ist nach Gen 14 Priester des höchsten Gottes. Er wird auch als König von Salem genannt, was identisch ist mit Jerusalem. Der Name Melchisedek (König der Gerechtigkeit) ist altkanaanäisch. Die Verbindung des königlichen mit dem priesterlichen Amt war im Orient häufig. Der "Höchste Gott", der Himmel und Erde erschaffen hat, ist mit Jahwe identisch. Eine so positive Beurteilung eines außerisraelitischen, kanaanäischen Kultes findet sich im ganzen AT nur hier. Melchisedek ehrt den siegreich heimkehrenden Abraham mit einem Friedopfer und spricht über ihn den Segen, weil es für ihn selbstverständlich war, dass Gott ihm den Sieg verliehen hat. In der Abgabe des Zehnten anerkennt Abraham die Vorrangstellung des Melchisedek.


Die Lesung erzählt, wie Abraham, der nach einer Schlacht, in der er seinen Verwandten Lot aus der Gefangenschaft befreite und sein Hab und Gut sowie das der Könige von Sodom und Gomorra zurückholte, von Melchisedek, dem Priesterkönig von Salem (=Jerusalem) empfangen wird. Er feiert mit Abraham ein Fest und segnet Abraham. Dieser Textabschnitt dürfte erst nachträglich in die Geschichte vom Feldzug Abrahams eingefügt worden sein, um die Anerkennung Abrahams als von Gott Beschützten und Erwählten auszudrücken. Diese Anerkennung geschieht wechselseitig: Abraham stattet Melchisedek den Zehent ab. Ob Melchisedek eine historische Gestalt ist, läßt sich nicht mit Bestimmtheit sagen. Von vielen wird er als zeitloser Priesterkönig angesehen. Auf diese Gestalt greifen viele theologische Aussagen zurück. Er ist als Urbild des Hohenpriesters gesehen worden. Das Bringen von Brot und Wein ist schon in sehr früher christlicher Zeit als Hinweis und Vorwegnahme der Eucharistie gedeutet worden. Dadurch hat der Name Melchisedek auch Eingang in das römische Hochgebet der Eucharistiefeier gefunden.


Ungekürzte Fassung der
1. Lesung vom Hochfest Fronleichnam, Lesejahr C:
Gen 14,11-20

Lesung aus dem Buch Genesis:

Die Feinde nahmen die ganze Habe von Sodom und Gomorra
sowie alle ihre Vorräte mit und zogen ab.
Als sie abzogen, nahmen sie auch Lot, den Neffen Abrams, und seine Habe mit;
Lot wohnte damals in Sodom.
Ein Flüchtling kam und berichtete es dem Hebräer Abram;
Abram wohnte bei den Eichen des Amoriters Mamre,
des Bruders Eschkols und Aners,
die seine Bundesgenossen waren.
Als Abram hörte, sein Bruder sei gefangen,
musterte er seine ausgebildete Mannschaft,
dreihundertachtzehn Mann,
die alle in seinem Haus geboren waren,
und nahm die Verfolgung auf bis nach Dan.
In der Nacht verteilten sie sich, er und seine Knechte,
um sie zu überfallen.
Er schlug sie und verfolgte sie bis Hoba, nördlich von Damaskus.
Er brachte die ganze Habe zurück,
auch seinen Bruder Lot und dessen Besitz
sowie die Frauen und die übrigen Leute.
Als er nach dem Sieg über Kedor-Laomer
und die mit ihm verbündeten Könige zurückkam,
zog ihm der König von Sodom ins Schawetal entgegen,
das jetzt Königstal heißt.

Melchisedek, der König von Salem, brachte Brot und Wein heraus.
Er war Priester des Höchsten Gottes.
Er segnete Abram und sagte:
Gesegnet sei Abram vom Höchsten Gott,
dem Schöpfer des Himmels und der Erde,
und gepriesen sei der Höchste Gott,
der deine Feinde an dich ausgeliefert hat.
Darauf gab ihm Abram den Zehnten von allem.



Melchisedek ist nach Gen 14 Priester des höchsten Gottes. Er wird auch als König von Salem genannt, was identisch ist mit Jerusalem. Der Name Melchisedek (König der Gerechtigkeit) ist altkanaanäisch. Die Verbindung des königlichen mit dem priesterlichen Amt war im Orient häufig. Der "Höchste Gott", der Himmel und Erde erschaffen hat, ist mit Jahwe identisch. Eine so positive Beurteilung eines außerisraelitischen, kanaanäischen Kultes findet sich im ganzen AT nur hier. Melchisedek ehrt den siegreich heimkehrenden Abraham mit einem Friedopfer und spricht über ihn den Segen, weil es für ihn selbstverständlich war, dass Gott ihm den Sieg verliehen hat. In der Abgabe des Zehnten anerkennt Abraham die Vorrangstellung des Melchisedek.


Die Lesung erzählt, wie Abraham, der nach einer Schlacht, in der er seinen Verwandten Lot aus der Gefangenschaft befreite und sein Hab und Gut sowie das der Könige von Sodom und Gomorra zurückholte, von Melchisedek, dem Priesterkönig von Salem (=Jerusalem) empfangen wird. Er feiert mit Abraham ein Fest und segnet Abraham. Dieser Textabschnitt dürfte erst nachträglich in die Geschichte vom Feldzug Abrahams eingefügt worden sein, um die Anerkennung Abrahams als von Gott Beschützten und Erwählten auszudrücken. Diese Anerkennung geschieht wechselseitig: Abraham stattet Melchisedek den Zehent ab. Ob Melchisedek eine historische Gestalt ist, läßt sich nicht mit Bestimmtheit sagen. Von vielen wird er als zeitloser Priesterkönig angesehen. Auf diese Gestalt greifen viele theologische Aussagen zurück. Er ist als Urbild des Hohenpriesters gesehen worden. Das Bringen von Brot und Wein ist schon in sehr früher christlicher Zeit als Hinweis und Vorwegnahme der Eucharistie gedeutet worden. Dadurch hat der Name Melchisedek auch Eingang in das römische Hochgebet der Eucharistiefeier gefunden.


Antwortpsalm am Fronleichnamsfest (C)
Ps 110,1-5

R: Du bist Priester auf ewig
nach der Ordnung Melchisedeks. – R

So spricht der Herr zu meinem Herrn:
Setze dich mir zur Rechten,
und ich lege die deine Feinde als Schemel unter die Füße.
Vom Zion strecke der Herr das Zepter deiner Macht aus:
Herrsche inmitten deiner Feinde! - (R)

Dein ist die Herrschaft am Tag deiner Macht
wenn du erscheinst in heiligem Schmuck;
ich habe dich gezeugt noch vor dem Morgenstern,
wie den Tau in der Frühe. - (R)

Der Herr hat geschworen, und nie wird’s ihn reuen:
„Du bist Priester auf ewig nach der Ordnung Melchisedeks.“
Der Herr steht dir zur Seite,
er zerschmettert Könige am Tage seines Zorns. - R


2. Lesung zum Hochfest Fronleichnam:
1 Kor 11,23-26

Lesung aus dem ersten Brief des Apostels Paulus an die Korinther:

Ich habe vom Herrn empfangen,
was ich euch dann überliefert habe:
Jesus, der Herr, nahm in der Nacht,
in der er ausgeliefert wurde, Brot,
sprach das Dankgebet,
brach das Brot und sagte:
Das ist mein Leib für euch.
Tut dies zu meinem Gedächtnis!
Ebenso nahm er nach dem Mahl den Kelch
und sprach:
Dieser Kelch ist der Neue Bund in meinem Blut.
Tut dies, sooft ihr daraus trinkt, zu meinem Gedächtnis!
Denn sooft ihr von diesem Brot eßt
und aus dem Kelch trinkt,
verkündet ihr den Tod des Herrn, bis er kommt.



Überlieferung ist ein wichtiges Wort für diese Lesung. Paulus spricht davon, dass er der Gemeinde die Grundlage der Liturgie überliefert hat. Aber wahrscheinlich geht es noch tiefer: Paulus greift eine Liturgie auf, die er schon vorgefunden hat. Die ersten Gemeinden hatten sich als Gemeinschaft gefunden, die das Brot miteinander teilten in einer Form, die allen vertraut war. Im 11. Kapitel des 1. Korintherbriefs ist die Lesung eingebettet in die Frage nach der rechten Weise, Abendmahl zu feiern. Paulus prangert Fehlformen an und fordert die Gemeinde auf, die wahre Weise wieder zu begehen. Die von ihm beschworene Feier ist es, die Einheit untereinander und mit den anderen Gemeinden stiftet.


Sehr früh schon gab es Mißstände bei den Zusammenkünften der Christen. Paulus wendet sich dagegen (1 Kor 11) und verweist auf den Kern der Abendmahlsfeier. Dazu zitiert er den Einsetzungsbericht, den er selber überliefert bekommen hat; Urheber ist "der Herr". Dieser Bericht begründet die Feier und gibt auch ihren Ablauf vor. Indem der Leib "für euch" gegeben wird, werden die Mitfeiernden einbezogen in das Heilsgeschehen. Durch diese Handlung wird der "neue Bund" besiegelt; der Verweis auf das Blut deutet die alttestamentliche Bundes- und Opfervorstellungen auf ihre Erneuerung bzw. Erfüllung in Jesus. Wichtig ist Paulus die Gedächtnisfeier: Gleich zweimal wird die Mahnung, die Feier "zum Gedächtnis" zu feiern, ausgesprochen. Paulus fügt noch in Vers 26 die Deutung auf Tod und Wiederkunft des Herrn an: es geht nicht nur um die Feier im Jetzt, sondern es ist Vergegenwärtigung des Kreuzesgeschehens und Verkündigung der Wiederkunft.


Der Gemeinde in Korinth dürfte es am rechten Verständnis des eucharistischen Geschehens gemangelt haben. Deswegen schärft ihnen Paulus dieses aus seiner Sicht ein, wobei er einen Einsetzungsbericht zitiert, den er selbst wahrscheinlich in den vierziger Jahren in Antiochien kennengelernt hat. Die Tradition der Eucharistiefeier geht für Paulus auf den "Herrn" zurück und deshalb darf sie auch nicht verändert werden; deshalb kann Paulus auch nur weitergeben, was er selbst empfangen hat. Ein jüdisches Mahl begann mit einem Segensgebet, sowie mit dem Brechen und Austeilen des Brotes. Am Ende des Mahles wird beim dritten Becher Wein ein Dankgebet gesprochen. Diese beiden Gesten werden später für die Handlungen Christi prägend. Den Wiederholungsauftrag "Tut dies zu meinem Gedächtnis" spricht Jesus bei Paulus zweimal. Bei Lukas nur einmal, bei den anderen beiden Evangelisten wird er nicht erwähnt. Wahrscheinlich ist er erst in einer späteren Traditionsstufe zum Einsetzungsbericht hinzugekommen. Er ist jedoch vom alttestamentlichen "Gedenken" der Taten Gottes beeinflußt: Gottes Tat in der Vergangenheit wird durch das "Gedenken" gegenwärtig und ist dadurch genauso wirksam wie in der Vergangenheit. Die Identifizierung des Kelchinhaltes mit dem Blut erfolgt bei Paulus und Lukas nicht so unmittelbar wie bei Markus und Matthäus.


Ruf vor dem Evangelium am Fronleichnamsfest
Joh 6,51-52

Halleluja. Halleluja.

(So spricht der Herr:)
Ich bin das lebendige Brot,
das vom Himmel gekommen ist.
Wer dieses Brot isst, wird in Ewigkeit leben.

Halleluja.


Evangelium vom Fest Fronleichnam, Lesejahr C:
Lk 9,11b-17

Aus dem heiligen Evangelium nach Lukas:

In jener Zeit redete Jesus zum Volk vom Reich Gottes
und heilte alle, die seine Hilfe brauchten.
Als der Tag zur Neige ging,
kamen die Zwölf zu ihm und sagten:
Schick die Menschen weg,
damit sie in die umliegenden Dörfer und Gehöfte gehen,
dort Unterkunft finden und etwas zu essen bekommen;
denn wir sind hier an einem abgelegenen Ort.
Er antwortete:
Gebt ihr ihnen zu essen!
Sie sagten:
Wir haben nicht mehr als fünf Brote und zwei Fische;
wir müßten erst weggehen
und für all diese Leute Essen kaufen.
Es waren etwa fünftausend Männer.
Er erwiderte seinen Jüngern:
Sagt ihnen,
sie sollen sich in Gruppen zu ungefähr fünfzig zusammensetzen.
Die Jünger taten, was er ihnen sagte,
und veranlaßten, daß sich alle setzten.
Jesus aber nahm die fünf Brote und die zwei Fische,
blickte zum Himmel auf, segnete sie und brach sie;
dann gab er sie den Jüngern,
damit sie diese an die Leute austeilten.
Und alle aßen und wurden satt.
Als man die übriggebliebenen Brotstücke einsammelte,
waren es zwölf Körbe voll.



In der Aufteilung der Einheitsübersetzung beginnt der Evangelienabschnitt schon mit Vers 10. Die ausgesandten Jünger kommen zurück und wollen mit Jesus über ihre Erfahrungen sprechen. Dazu kommt es nicht wegen der Menge, die hören und Zeichen erleben will. Mit diesem Vers bekommt der Impuls der Jünger, die Menge wegzuschicken (Lk 9,12), eine andere Bedeutung. Es ist das Anmelden eigener Wünsche und die untergründige Frage, wer mehr zählt: Die Menge oder sie. Die Vermehrung von Brot und Fisch ist nach der Heilung und Zuwendung den Tag über das letzte Zeichen, das Jesus an dem Tag setzt.


Jesus hat die Fünftausend gespeist, weil sie Hunger hatten, wie einst in der Wüste Gott das Volk Israel mit Manna gespeist hat. Jesus wird auch das Gottesvolk des Neuen Bundes nicht ohne das notwendige Brot lassen. Die Art, wie der Evangelist von der Brotvermehrung erzählt, zeigt, dass er sie im Zusammenhang mit der Eucharistie gesehen hat. Das Volk überlässt sich ganz dem Predigen und Heilungswirken Jesus. Im Gegensatz zu dieser Haltung steht der Mangel an Vertrauen seitens der Jünger. Bemerkenswert ist die Anspielung des Lukas, dass der Tag zur Neige ging. Derselbe Evangelist berichtet, dass die zwei Jünger auf dem Weg nach Emmaus den Herrn beim Brotbrechen erkannten, da der Tag sich schon geneigt hatte (Lk 24,29) Die Zahlenangabe von fünftausend Männernsoll nicht Tatsächliches berichten. Hier wird die Vermehrung als Hinweis gesehen, dass Jesus als Sohn Gottes die menschlichen Grenzen überspringen kann. Im Einvernehmen mit dem Vater (Aufblicken zum Himmel) wirkt Jesus durch den Segen die Wundertat. Für die Intention des Lukas bezeichnend ist, dass er in stereotyper Formelhaftigkeit die vier Akte hervorhebt, die Jesus an den Anfang setzt. Seine Gedanken sind beim Herrenmahl. Was erzählt wird, ist die Glaubenserfahrung der Urgemeinde, die in solcher Feier ihrem Herrn begegnet ist. "Sie aßen und ließen noch übrig": Das Mahl ist kein karges Sättigungsmahl, sondern ein überreiches Festmahl. Die Jünger erfahren, dass sie auch in eine ungewisse Zukunft hinein etwas und sehr viel "übrig" haben, für andere, von dem Jesus ihnen gab. Die Erzählung verläuft im Schweigen. Die Wundertat aber ist eine weitere wortlose Antwort auf jene Frage, die immer lauter wird: "Wer ist dieser?" (vgl. Lk 9,9)


Lukas erzählt in Anlehnung an die Vorlage Mk 6,30-44, setzt aber eigene Akzente. Die Brotvermehrung ist das neutestamentliche Motiv, das am häufigsten und in verschiedenen Varianten erzählt wird. Lukas erzählt seine Geschichte jedoch nicht in der Art einer Wundererzählung. Daraus kann man schließen, daß die Überlieferung der Erzählung von der Praxis der Eucharistiefeier in den Gemeinden starkt geformt worden ist. Bemerkenswert ist, daß Lukus in der Einleitung betont, daß Jesus zu den Leuten vom Reich Gottes geredet und geheilt hat; zwei Handlungen, die sein Wirken als Messias hervorheben. Die Eucharistie ist Gabe des Messias. Die Überleitung "als der Tag zur Neige ging" erinnert an die Emmausgeschichte, ebenso die Ratlosigkeit der Jünger. Die Art und Weise, wie Jesus mit dem Brot verfährt, ist so stark von der Eucharistiefeier in der Gemeinde geprägt, daß offen bleibt, wie er mit den Fischen umgegangen ist. Ein besonderer Akzent liegt auf dem Geben Jesu und dem Verteilen durch die Jünger. Die Gemeinde teilt aus, was der Messias ihr gegeben hat. Aus der Wundergeschichte ist eine eucharistische Erzählung geworden.