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Lesungen 26.06.2016


1. Lesung vom 13. Sonntag im Jahreskreis, Lesejahr C:
1 Kön 19,16b. 19-21


Lesung aus dem ersten Buch der Könige:

In jenen Tagen sprach der Herr zu Elija:
Salbe Elischa, den Sohn Schafats aus Abel-Mehola,
zum Propheten an deiner Stelle.
Elija ging vom Gottesberg weg
und traf er Elischa, den Sohn Schafats.
Er war gerade mit zwölf Gespannen am Pflügen,
und er selbst pflügte mit dem zwölften.
Im Vorbeigehen warf Elija seinen Mantel über ihn.
Sogleich verließ Elischa die Rinder,
eilte Elija nach und bat ihn:
Laß mich noch meinem Vater und meiner Mutter
den Abschiedskuß geben;
dann werde ich dir folgen.
Elija antwortete:
Geh, aber komm dann zurück!
Bedenke, was ich an dir getan habe.
Elischa ging von ihm weg,
nahm seine zwei Rinder und schlachtete sie.
Mit dem Joch der Rinder kochte er das Fleisch
und setzte es den Leuten zum Essen vor.
Dann stand er auf,
folgte Elija und trat in seinen Dienst.



Die Lesung, gestückelt zwar, aber verständlich, erzählt, wie Elija im Auftrag Jahwes Elischa zum "Propheten" an seiner Stelle salbt und ihm seinen Mantel überwirft. Nicht nur der Mantel wird übergeben - übergeben wird ein Auftrag, ein Amt. Elischa darf noch Abschied von zu Hause nehmen und trennt sich auch von seinem alltäglichen Leben, hier angedeutet mit den beiden Rindern, die eben noch den Pflug gezogen haben. Nach einem gemeinsamen Essen folgt Elischa Elija und tritt in seinen Dienst. Das Evangelium nach Lukas überliefert, dass Jesus diesen Abschied des Elischa überbietet: In Lk. 9,57b-62 wird in den Nachfolge-Worten die Brücke nach "hinten" abgebrochen. Das Reich Gottes duldet keinen Aufschub. Mehr noch: "Wer seine Hand an den Pflug legt und zurücksieht, ist nicht geschickt zum Reiche Gottes".


Die Berufung Elischas zum Diener Elijas wird zur Ehre Elischas erzählt. Elischa (= "Gott hat geholfen") stammt aus einer wohlhabenden Bauernfamilie. Die zwölf Gespanne deuten darauf hin. Dennoch zögert er nicht, Heimat und Sicherheit aufzugeben, um in den Dienst Elijas zu treten. Der Mantel, den Elischa übergeworfen bekommt, ist erfüllt von der Macht seines Trägers, und durch den Gestus dieses Überwerfens macht Elija ihn gewissermaßen zu seinem Eigentum, er zwingt ihn in seinen Dienst. Für Elischa ist es ein doppelter Bruch: mit seiner Familie und mit seinem Beruf. Er vollzieht bewusst seinen Abschied von der Familie. Die Entschlossenheit zur Nachfolge zeigt sich auch im Zerstören seiner Arbeitsmittel und im Schlachten der Rinder zum Abschiedsmahl mit den Menschen, die bisher mit ihm zusammen waren.


Elija ("Gott ist Jahwe") war Prohet aus Tischbe im ostjordanischen Gilead und wirkte im Nordreich Israels. Die Erzählungen in 1 Kön 17 bis 2 Kön 2 wollen durch zahlreiche Wunderberichte seine Größe zeigen. Er gilt als gewaltiger Kämpfer für die reine Jahwe-Religion. Die heutige Perikope schildert, wie er im Auftrag Gottes sein Prophetenamt an Elischa ("Gott hat geholfen") weitergibt. Die Übertragung des Prophetenamtes geschieht durch Auflegung des Mantels. Das Wort "salben" ist also nicht im wörtlichen Sinn gemeint. Die Salbung von Propheten ist im AT nicht bezeugt. Das Kleid galt als Teil der Persönlichkeit. Elija überträgt durch diese Handlung etwas von seinem Wesen auf Elischa, und dieser fühlt nun in sich den Antrieb, Elija zu folgen. Er läßt sich vom Geist Gottes in den Dienst nehmen. Sein Abschied von der Familie ist radikal und steht nur scheinbar im Widerspruch zu dem, was Jesus von seinen Jüngern fordern wird.


Ungekürzte Fassung der
1. Lesung vom 13. Sonntag im Jahreskreis, Lesejahr C:
1 Kön 19,1-21


Lesung aus dem ersten Buch der Könige:

Ahab erzählte Isebel alles, was Elija getan, auch daß er alle Propheten mit dem Schwert getötet habe.
Sie schickte einen Boten zu Elija und ließ ihm sagen: Die Götter sollen mir dies und das antun, wenn ich morgen um diese Zeit dein Leben nicht dem Leben eines jeden von ihnen gleich mache.
Elija geriet in Angst, machte sich auf und ging weg, um sein Leben zu retten. Er kam nach Beerscheba in Juda und ließ dort seinen Diener zurück. Er selbst ging eine Tagereise weit in die Wüste hinein. Dort setzte er sich unter einen Ginsterstrauch und wünschte sich den Tod. Er sagte: Nun ist es genug, Herr. Nimm mein Leben; denn ich bin nicht besser als meine Väter.
Dann legte er sich unter den Ginsterstrauch und schlief ein. Doch ein Engel rührte ihn an und sprach: Steh auf und iß! Als er um sich blickte, sah er neben seinem Kopf Brot, das in glühender Asche gebacken war, und einen Krug mit Wasser. Er aß und trank und legte sich wieder hin. Doch der Engel des Herrn kam zum zweitenmal, rührte ihn an und sprach: Steh auf und iß! Sonst ist der Weg zu weit für dich.
Da stand er auf, aß und trank und wanderte, durch diese Speise gestärkt, vierzig Tage und vierzig Nächte bis zum Gottesberg Horeb.
Dort ging er in eine Höhle, um darin zu übernachten. Doch das Wort des Herrn erging an ihn: Was willst du hier, Elija? Er sagte: Mit leidenschaftlichem Eifer bin ich für den Herrn, den Gott der Heere, eingetreten, weil die Israeliten deinen Bund verlassen, deine Altäre zerstört und deine Propheten mit dem Schwert getötet haben. Ich allein bin übriggeblieben, und nun trachten sie auch mir nach dem Leben. Der Herr antwortete: Komm heraus, und stell dich auf den Berg vor den Herrn! Da zog der Herr vorüber: Ein starker, heftiger Sturm, der die Berge zerriß und die Felsen zerbrach, ging dem Herrn voraus. Doch der Herr war nicht im Sturm. Nach dem Sturm kam ein Erdbeben. Doch der Herr war nicht im Erdbeben. Nach dem Beben kam ein Feuer. Doch der Herr war nicht im Feuer. Nach dem Feuer kam ein sanftes, leises Säuseln. Als Elija es hörte, hüllte er sein Gesicht in den Mantel, trat hinaus und stellte sich an den Eingang der Höhle.
Da vernahm er eine Stimme, die ihm zurief: Was willst du hier, Elija? Er antwortete: Mit Leidenschaft bin ich für den Herrn, den Gott der Heere, eingetreten, weil die Israeliten deinen Bund verlassen, deine Altäre zerstört und deine Propheten mit dem Schwert getötet haben. Ich allein bin übriggeblieben, und nun trachten sie auch mir nach dem Leben. Der Herr antwortete ihm: Geh deinen Weg durch die Wüste zurück, und begib dich nach Damaskus! Bist du dort angekommen, salbe Hasaël zum König über Aram! Jehu, den Sohn Nimschis, sollst du zum König von Israel salben, und Elischa, den Sohn Schafats aus Abel-Mehola, salbe zum Propheten an deiner Stelle. So wird es geschehen: Wer dem Schwert Hasaëls entrinnt, den wird Jehu töten. Und wer dem Schwert Jehus entrinnt, den wird Elischa töten. Ich werde in Israel siebentausend übriglassen, alle, deren Knie sich vor dem Baal nicht gebeugt und deren Mund ihn nicht geküßt hat.
Als Elija von dort weggegangen war, traf er Elischa, den Sohn Schafats. Er war gerade mit zwölf Gespannen am Pflügen, und er selbst pflügte mit dem zwölften. Im Vorbeigehen warf Elija seinen Mantel über ihn. Sogleich verließ Elischa die Rinder, eilte Elija nach und bat ihn: Laß mich noch meinem Vater und meiner Mutter den Abschiedskuß geben; dann werde ich dir folgen. Elija antwortete: Geh, aber komm dann zurück! Bedenke, was ich an dir getan habe. Elischa ging von ihm weg, nahm seine zwei Rinder und schlachtete sie. Mit dem Joch der Rinder kochte er das Fleisch und setzte es den Leuten zum Essen vor. Dann stand er auf, folgte Elija und trat in seinen Dienst.


Antwortpsalm am 13. Sonntag im Jahreskreis (C)
Ps 16,1-2. 5. 7-9. 11

R: Du, Herr, bist mein Erbe,
mein ganzes Glück bist du allein. – R

Behüte mich, Gott, denn ich vertraue dir.
Ich sage zum Herrn: „Du bist mein Herr;
mein ganzes Glück bist du allein.“
Du, Herr, gibst mir das Erbe und reichst mir den Becher;
du hältst mein Los in deinen Händen. - (R)

Ich preise den Herrn, der mich beraten hat.
Auch mahnt mich mein Herz in der Nacht.
Ich habe den Herrn beständig vor Augen.
Er steht mir zur Rechten, ich wanke nicht. - (R)

Darum freut sich mein Herz und frohlockt meine Seele;
auch mein Leib wird wohnen in Sicherheit.
Du zeigst mir den Pfad zum Leben.
Vor deinem Angesicht herrscht Freude in Fülle,
zu deiner Rechten Wonne für alle Zeit. – R


2. Lesung vom 13. Sonntag im Jahreskreis, Lesejahr C:
Gal 5,1. 13-18

Lesung aus dem Brief des Apostels Paulus an die Galater:

Schwestern und Brüder!
Zur Freiheit hat uns Christus befreit.
Bleibt daher fest
und laßt euch nicht von neuem
das Joch der Knechtschaft auflegen!
Ihr seid zur Freiheit berufen, Brüder.
Nur nehmt die Freiheit nicht zum Vorwand für das Fleisch,
sondern dient einander in Liebe!
Denn das ganze Gesetz ist in dem einen Wort zusammengefaßt:
Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst!
Wenn ihr einander beißt und verschlingt,
dann gebt acht, daß ihr euch nicht gegenseitig umbringt.
Darum sage ich:
Laßt euch vom Geist leiten,
dann werdet ihr das Begehren des Fleisches nicht erfüllen.
Denn das Begehren des Fleisches richtet sich gegen den Geist,
das Begehren des Geistes aber gegen das Fleisch;
beide stehen sich als Feinde gegenüber,
so daß ihr nicht imstande seid, das zu tun, was ihr wollt.
Wenn ihr euch aber vom Geist führen laßt,
dann steht ihr nicht unter dem Gesetz.



Auch in diesem Abschnitt des Galaterbriefes - an Christen in Galatien/Kleinasien geschrieben - finden wir das Evangelium in paulinischer Auslegung und Prägung: Christus hat uns zur Freiheit befreit. In diesem Satz ist festgehalten, was Jesus getan hat. Das Gegenbild dazu: die Knechtschaft unter der Sünde. Paulus zieht die Konsequenzen: Freiheit ist Freiheit zur Liebe. Dieser Gedankengang wurzelt in der Unterscheidung von Fleisch und Geist. Fleisch ist alles "nur Menschliche". Menschlich ist, sich von seinen eigenen Interessen leiten zu lassen. Wenn aber der Geist - Gottes - die Richtung weist und bestimmt, kann sich das Geschenk der Freiheit in Liebe verwandeln. Paulus sieht den Gegensatz von Fleisch und Geist als ständige Auseinandersetzung. Sie ist im christlichen Glauben auch nicht aufgehoben oder bedeutungslos. Ziel ist jedoch, sich vom Geist führen zu lassen. Paulus beschreibt zwar den Konflikt, der dazu führt, "dass ihr nicht imstande seid, das zu tun, was ihr wollt", führt aber aus ihm hinaus. In der aktuellen Frage nach der Freiheit des Menschen - diesmal unter biologischen bzw. genetischen Vorzeichen - hat die Stimme des Paulus ein eigenes Gewicht. Wer den Menschen nur das Produkt seiner Anlagen sein lässt, behaftet ihn auch darauf, als "Fleisch" zu enden. Paulus führt aus dieser Engführung - und letztlich unmenschlichen Festlegung - hinaus. Es gibt keine Alternative dazu, sich vom Geist führen zu lassen.


Im Unterschied zu den an das Gesetz gebundenen Juden, verweist Paulus auf die Befreiungstat Jesu. Für ihn besteht der Zweck des Erlösungsweges Jesu darin, uns ein Leben ohne die belastenden Auflagen und Einschränkungen durch das mosaische Gesetz zu ermöglichen. Gleichzeitig ist dieser Abschnitt getragen von der Sorge, dass die Menschen mit dieser Freiheit nicht in rechter Weise umgehen können. Paulus schreibt mahnende Worte, um einer falschen Auslegung der Freiheit vorzubeugen. Die christliche Freiheit wäre für ihn missverstanden und würde missbraucht werden, wenn sie als Freibrief für lieblose, sündhafte und irdische Neigungen herhalten sollte. Vielmehr erwartet Paulus, dass sich der befreite Christ erneut in eine Knechtschaft begibt, in die Sklaverei des gegenseitigen Dienens, der Hilfsbereitschaft und der Unterordnung. Dies ist kein Rückfall in die alte Knechtschaft, denn dies geschieht in freier Hingabe aus der Liebe, die das Leben der Christen bestimmen soll. Die Gemeinschaft mit Christus schließt nicht nur das Geschenk der Freiheit, sondern auch den Empfang des Geistes ein. So kann Paulus auf diesen Geist verweisen, der es ermöglicht, dass die Menschen von ihrer Freiheit uneingeschränkten Gebrauch machen können, ohne Gefahr zu laufen, dass sie der Begierde des Fleisches erliegen. Dies gilt aber nur für denjenigen, der sich vom wahren Geist leiten lässt.


Die Lesung ist eine ethische Weisung. Sie wird mit einem Programmwort eingeleitet. Die Galater - christliche Bewohner der Landschaft Galatien, meist Kelten, die sich seit 278 vor Chr. in Kleinasien niedergelassen hatten - machte das Wort von der Freiheit eher ängstlich, weil sie Sorge hatten, ohne den Dienst am Gesetz aus der Beziehung zu Gott herauszufallen. Paulus legt im Brief sein Verständnis von christlicher Freiheit dar, um den Galatern einen neuen Zugang zu eröffnen. Freiheit ist Freiheit von Gesetz. Sie ist Einsetzung einer neuen Beziehung zu Gott als freie Söhne und Töchter. Der Aufruf zur Freiheit zeigt zugleich die paulinische Ethik: Aus der Gabe der Freiheit erwächst die Aufgabe, in der Freiheit zu bleiben. Auf das Verhalten des Menschen wirken zwei Mächte ein: Geist und Fleisch. "Geist" ist die Kraft Gottes, er ist dem Menschen als inneres Prinzip ins Herz gegeben und befreit vom Zwang des Gesetzes. "Fleisch" als Gegenspieler des Geistes, meint die Unfähigkeit des Menschen zu heilvollem Handeln. Der Christ ist zur Entscheidung gerufen. Er soll sich auf die Seite des Geistes stellen. So entscheidet er sich für das, was er im letzten will, also für sein besseres Ich.


Ungekürzte Fassung der
2. Lesung vom 13. Sonntag im Jahreskreis, Lesejahr C
Gal 5,1-18

Lesung aus dem Brief des Apostels Paulus an die Galater:

Zur Freiheit hat uns Christus befreit.
Bleibt daher fest und laßt euch nicht von neuem
das Joch der Knechtschaft auflegen!
Hört, was ich, Paulus, euch sage:
Wenn ihr euch beschneiden laßt,
wird Christus euch nichts nützen.
Ich versichere noch einmal jedem,
der sich beschneiden läßt:
Er ist verpflichtet, das ganze Gesetz zu halten.
Wenn ihr also durch das Gesetz gerecht werden wollt,
dann habt ihr mit Christus nichts mehr zu tun;
ihr seid aus der Gnade herausgefallen.
Wir aber erwarten die erhoffte Gerechtigkeit
kraft des Geistes und aufgrund des Glaubens.
Denn in Christus Jesus kommt es nicht darauf an,
beschnitten oder unbeschnitten zu sein,
sondern darauf, den Glauben zu haben,
der in der Liebe wirksam ist.
Ihr wart auf dem richtigen Weg.
Wer hat euch gehindert,
weiter der Wahrheit zu folgen?
Was man auch gesagt hat, um euch zu überreden:
es kommt nicht von dem, der euch berufen hat.
Ein wenig Sauerteig durchsäuert den ganzen Teig.
Doch im Glauben an den Herrn bin ich fest davon überzeugt,
daß ihr keine andere Lehre annehmen werdet.
Wer euch verwirrt, der wird das Urteil Gottes zu tragen haben,
wer es auch sei.
Man behauptet sogar,
daß ich selbst noch die Beschneidung verkündige.
Warum, meine Brüder, werde ich dann verfolgt?
Damit wäre ja das Ärgernis des Kreuzes beseitigt.
Diese Leute, die Unruhe bei euch stiften,
sollen sich doch gleich entmannen lassen.
Ihr seid zur Freiheit berufen, Brüder.
Nur nehmt die Freiheit nicht zum Vorwand für das Fleisch,
sondern dient einander in Liebe!
Denn das ganze Gesetz ist in dem einen Wort zusammengefaßt:
Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst!
Wenn ihr einander beißt und verschlingt,
dann gebt acht, daß ihr euch nicht gegenseitig umbringt.
Darum sage ich:
Laßt euch vom Geist leiten,
dann werdet ihr das Begehren des Fleisches nicht erfüllen.
Denn das Begehren des Fleisches richtet sich gegen den Geist,
das Begehren des Geistes aber gegen das Fleisch;
beide stehen sich als Feinde gegenüber,
so daß ihr nicht imstande seid, das zu tun, was ihr wollt.
Wenn ihr euch aber vom Geist führen laßt,
dann steht ihr nicht unter dem Gesetz.


Ruf vor dem Evangelium am 13. Sonntag im Jahreskreis (C)
1 Sam
3,9; Joh 6,68c

Halleluja. Halleluja.

Rede, Herr, dein Diener hört.
Du hast Worte des ewigen Lebens.

Halleluja.


Evangelium vom 13. Sonntag im Jahreskreis, Lesejahr C:
Lk 9,51-62

Aus dem heiligen Evangelium nach Lukas:

Als die Zeit herankam,
in der Jesus (in den Himmel) aufgenommen werden sollte,
entschloß er sich, nach Jerusalem zu gehen.
Und er schickte Boten vor sich her.
Diese kamen in ein samaritisches Dorf
und wollten eine Unterkunft für ihn besorgen.
Aber man nahm ihn nicht auf,
weil er auf dem Weg nach Jerusalem war.
Als die Jünger Jakobus und Johannes das sahen, sagten sie:
Herr, sollen wir befehlen,
daß Feuer vom Himmel fällt und sie vernichtet?
Da wandte er sich um und wies sie zurecht.
Und sie gingen zusammen in ein anderes Dorf.
Als sie auf ihrem Weg weiterzogen,
redete ein Mann Jesus an und sagte:
Ich will dir folgen, wohin du auch gehst.
Jesus antwortete ihm:
Die Füchse haben ihre Höhlen und die Vögel ihre Nester;
der Menschensohn aber hat keinen Ort,
wo er sein Haupt hinlegen kann.
Zu einem anderen sagte er:
Folge mir nach!
Der erwiderte:
Laß mich zuerst heimgehen und meinen Vater begraben.
Jesus sagte zu ihm:
Laß die Toten ihre Toten begraben;
du aber geh und verkünde das Reich Gottes!
Wieder ein anderer sagte:
Ich will dir nachfolgen, Herr.
Zuvor aber laß mich von meiner Familie Abschied nehmen.
Jesus erwiderte ihm:
Keiner, der die Hand an den Pflug gelegt hat
und nochmals zurückblickt,
taugt für das Reich Gottes.



Es handelt sich um den sog. lukanischen Reisebericht (9,51) Die Zeit ist reif, dass Jesus nach Jerusalem geht. Dort wird er sterben und auferstehen. Die Einheitsübersetzung kann die Spannung, die schon am Anfang steht, nicht zum Ausdruck bringen: Jesus "richtet sein Angesicht fest darauf", nach Jerusalem zu gehen, und sendet Boten "vor seinem Angesicht her". Das Evangelium hat zwei Teile: Einmal die Ablehnung in Samarien, zwar einer alten Feindschaft zwischen Juden und Samaritern geschuldet, hier aber wie eine Prophezeiung für das, was kommen wird. Dem - unverhältnismäßigen - Ansinnen, Gewalt anzuwenden und sich zu rächen, wird eine eindeutige Absage erteilt. Jesus, den Blick fest auf Jerusalem gerichtet, "wendet sich um". Die Jünger, herausgehoben die "Donnersöhne" (!) Jakobus und Johannes, folgen Jesus nicht nur - sie stehen in dieser Szene für alles, was vergangen oder endgütlig überholt ist. Der zweite Teil - sog. "ideale Szenen" oder Apophthegmata (Bultmann, Geschichte der Synoptischen Tradition) - lässt sichtbar werden, was Nachfolge Jesu bedeutet: die Heimatlosigkeit Jesu zu teilen, das Reich Gottes zu verkünden und die Brücken nach hinten "radikal" (bis in die Wurzeln) abzubrechen. Die erste Lesung aus 1. Kön 19 erzählt, wie Elija Elischa in seine Nachfolge ruft. Elischa darf Abschied nehmen von zu Hause und von seinem "alten Leben". Jesus ist mehr als Elija. Der Blick nach hinten wird von ihm verwehrt. Nachfolge bedeutet Weggemeinschaft. Wer sich auf den Weg Jesu einlässt - nach Jerusalem -, muss sich trennen können: von der Macht, aber auch von seiner Herkunft, sogar von allen persönlichen Bindungen. Denn in Jerusalem wird auch die letzte Sicherheit, auf die die Jünger gesetzt haben, in einer Nacht zunichte. Lukas beginnt den Reisebericht - von seinem Ende her. Allerdings: Der Weg Jesu ist ein Weg mit vielen Begegnungen. Jesus geht seinen Weg nicht alleine. Er kann zwar nicht einmal bieten, was Füchse und Vögel ihr eigen nennen, aber das Reich Gottes verkünden lassen. Fragen sind hier nicht zu stellen. Die Gewissheit des Reiches Gottes trägt die Nachfolge und verleiht ihr Richtung und Weg. Wer das Evangelium tiefer kennenlernen möchte, findet eine Hilfe unter: http://www.perikopen.de/Lesejahr_C/13_iJ_C_Lk9_51-62_Hofmann.pdf Die Auslegung der Kirchenväter ist zu finden unter: http://www.catena-aurea.de/ljcpann13.html


Unterwegs sein ist für Lukas ein wichtiges Element in der Sendung Jesu. War Jesus bisher zwischen verschiedenen Städten und Dörfern unterwegs, um sein Evangelium den Menschen zu verkünden, beginnt sich jetzt eine Zielrichtung, nämlich Jerusalem als Vollendung des Heilsplanes Gottes, herauszukristallisieren. Dieser Weg nach Jerusalem ist geprägt durch Ablehnung (samaritanisches Dorf), Unterweisung der Jünger und der Einladung zur Nachfolge. Jesus weist die Jünger Jakobus und Johannes zurück, denn das Gericht über die Ablehnung Jesu und seiner Botschaft ist Sache Gottes. Die Berufungsszenen haben exemplarischen Charakter, denn sie nennen weder Ort noch Zeit und sie charakterisieren auch nicht die Personen. Gleichzeitig werden in diesen Szenen wichtige Aspekte der Nachfolge Jesu angesprochen: Die Feststellung, dass Jesus keine Schlafstelle habe, verweist auf das Nicht-festgelegt-sein auf einen bestimmten Ort. Nachfolge bedeutet Unterwegssein zu den Menschen. Vielleicht ist dieser Satz auch für die späteren urchristlichen Wandermissionare gedacht. Er half ihnen, ihre "hauslose" Mission zu meistern. Die zweite Szene beschreibt deutlich, dass es nichts gibt, was Jesu Ruf in die Nachfolge und damit in den Dienst der Verkündigung vorgezogen werden darf, nicht einmal die Elternbestattung als heiligste Pietäts- und Liebespflicht. Gleichzeitig macht Jesus deutlich, dass er es ist, der zur Nachfolge beruft. Jesus lehnt dann noch einen Arbeiter ab, der nach seiner Bereitschaftserklärung noch einmal zurückdenkt an das, was er verlassen will. Mehr als der Prophetendienst (Elischa hat von Elija die Erlaubnis bekommen, sich von seinen Eltern zu verabschieden) verlangt der Verkündigungsdienst im Dienste Jesu unverzügliche Entschlossenheit.


Mit der Evangeliumsperikope beginnt ein wichtiger Abschnitt des Lukasevangeliums: Jesu Gang nach Jerusalem (9,51 - 19,27). Das Unterwegssein Jesu und seiner Begleiter steht im Mittelpunkt. Für diesen sogenannten "Reisebericht" verwendet Lukas unterschiedliche Überlieferungen. Die Jünger sind Zeugen des Weges Jesu. Das ist die Voraussetzung, um Jesu Taten und Worte im Blick auf seine Vollendung in Jerusalem in der Kirche glaubwürdig verkünden zu können. Die Rede von Jesu "Aufnahme" kann seinen Tod bezeichnen, aber auch die Aufnahme in den Himmel. Sein Entschluß, nach Jerusalem zu gehen, ist eng verbunden mit der Zukunft seiner Jünger. Im Bericht von der Aussendung von Boten wird deutlich, daß Jesus seinen Weg nicht allein geht. Es geht nicht bloß um die Vorbereitung eines Quartiers. Das zwischen Galiläa und Judäa liegende Gebiet der Samariter war bekannt ob seiner feindlichen Einstellung den Juden gegenüber. Die Samariter wurden von den Juden nicht als Vollmitglieder des auserwählten Volkes anerkannt. Jesus aber wird nicht als Jude, sondern ob seiner Ausrichtung auf das Ziel Jerusalem abgelehnt. Die beiden Jünger wollen als Richter auftreten und ein Strafgericht auf die Samariter herabrufen. Jesus lehnt das entschieden ab. Er ist nicht gekommen, um die Menschen zu vernichten, sondern um sie zu retten. Der Hinweis "sie gingen zusammen in ein anderes Dorf" spielt auf die Missionspraxis an, kann aber auch nur eine bloße Überleitung bilden. Wir erfahren hier, daß Jesus seinen Leidensweg im Gehorsam der ihm aufgetragenen Sendung antritt. Er läßt sich nicht durch Ablehnung von außen noch durch das Mißverständnis der Jünger davon abhalten. Die Zurechtweisung der Jünger ist eine Mahnung an alle Christen, ihr Verhalten gegenüber den Gegnern des Evangeliums zu überprüfen. Schließlich die Worte von der Nachfolge: Ein Mann erklärt sich bereit, Jesus überall hin (nach Jerusalem) nachzufolgen. Ein Kontrast zur Ablehnung durch Samaria. Jesus gibt eine Antwort. Gegenüber den Tieren ist der Menschensohn völlig heimatlos. Auf die Einladung zur Nachfolge bittet ein zweiter Mann um Aufschub. Er möchte noch eine dringende Pietätspflicht erfüllen. Im Orient werden die Toten meist noch am Sterbetag beerdigt. Die Antwort Jesu widerspricht der geltenden Sitte und fordert die radikale Trennung des Jüngers von seiner Familie. Die konsequente Nachfolge steht ganz im Dienst der Mitarbeit an Jesu Werk. Und ein dritter erklärt sich zur Nachfolge bereit, möchte aber auch seine familiären Angelegenheiten noch regeln (Anspielung auf Elischa 1 Kön 19,20). Jesus weist die Bitte mit dem Bildwort aus dem Leben eines Pflügers ab: Wer beim Pflügen rückwärts schaut, zieht schiefe Furchen und ist ein schlechter Knecht. Die Mitarbeit in der Gottesherrschaft fordert von dem Berufenen den entschiedenen Blick nach vorne. Die mangelnden Angaben über Ort, Zeit und Reaktion der Betroffenen zeigen: Es geht nicht um Berichterstattung, sondern um das Thema Jüngerschaft. Die Jüngerschaft betrifft zunächst die vorösterliche Situation, steht aber zugleich im Blick auf "die Jünger", die besonderen Mitarbeiter in der Kirche.