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Lesungen 10.07.2016


1. Lesung vom 15. Sonntag im Jahreskreis, Lesejahr C:
Dtn 30,10-14

Lesung aus dem Buch Deuteronomium:

Mose sprach zum Volk:
Du sollst auf die Stimme des Herrn, deines Gottes, hören
und auf seine Gebote und Gesetze achten,
die in dieser Urkunde der Weisung einzeln aufgezeichnet sind.
Du sollst zum Herrn, deinem Gott,
mit ganzem Herzen und mit ganzer Seele zurückkehren.
Dieses Gebot, auf das ich dich heute verpflichte,
geht nicht über deine Kraft und ist nicht fern von dir.
Es ist nicht im Himmel, so daß du sagen müßtest:
Wer steigt für uns in den Himmel hinauf,
holt es herunter und verkündet es uns,
damit wir es halten können?
Es ist auch nicht jenseits des Meeres,
so daß du sagen müßtest:
Wer fährt für uns über das Meer,
holt es herüber und verkündet es uns,
damit wir es halten können?
Nein, das Wort ist ganz nah bei dir,
es ist in deinem Mund und in deinem Herzen,
du kannst es halten.



Diese Verse schließen unmittelbar an die Heimkehrverheißung in Dtn 30,1-10 an: Wenn Israel von ganzem Herzen umkehrt und wieder auf die Stimme Gottes hört, wird Gott es aus der Verstreuung in sein eigenes Land zurückbringen (Vers 5), sich an ihm freuen und ihm Gutes tun (Vers 9). Für diese Umkehr geben die Gebote und Gesetze den Menschen Orientierung und regeln Bereiche des konkreten Lebens. Anschaulich wird betont, dass Gottes Gebote nicht erst von außen an den Menschen herangetragen werden müssen, auch nicht durch Verkündigung von oben herab (Verse 12-13). Im Gegenteil: Diese Worte, die Menschen den Weg zu einem Leben in Freiheit weisen, sind bereits im Innern eines jeden, „in deinem Herzen“, vorhanden (Vers 14). Auf die Stimme Gottes hören bedeutet also auch, auf die eigene innere Stimme zu horchen und ihr zu folgen, um für sich und andere Wege zu mehr Leben und Freiheit zu finden. Dabei wird vom Menschen nichts Unmögliches verlangt; es „geht nicht über deine Kraft“ (Vers 11). Denn wenn jemand also auf seine Intuition achtet, wird er dabei auch lernen, sich nicht selbst zu überfordern, sondern die Grenzen seiner Kraft wahrzunehmen und anzunehmen. Claudia Simonis-Hippel, in: Gottes Volk C 6/2013, Bernhard Krautter/Franz-Josef Ortkemper (Hg.), Verlag Katholisches Bibelwerk, Stuttgart 2013, S. 45-56.


Das vorliegende Buch der Torah ist das zweite Buch der Gesetze. Die Verkündigung der Zusammenfassung der Gesetze ist als ein Testament des Mose anzusehen, der vor seinem Ende steht und von Heil und Unheil spricht. Das Kapitel 31 beschreibt dann anschließend die Einsetzung des Josua als seinen Nachfolger. Damit wird deutlich, wie geglückte Nachfolge des Gottesvolkes aussieht: im Hören auf Gottes Wort (Kap. 30) und in der Treue zu den berufenen Leitern des Volkes (Kap. 31).


Das 30. Kapitel des Deuteronomium steht in der Mitte der Kapitel 28 – 32, die am Wechsel von Mose zu Josua stehen. Ein Wechsel ist immer auch die Zeit der Quintessenz, die zentrale Themen noch einmal betont. So tauchen der Gedanke der Bundestreue, der Gedanke des mitgehenden und präsenten Gottes (der Name JAHWE) und der richtigen Antwort des Menschen auf. Gott will die Rahmenbedingungen eigentlich so schaffen, dass der Mensch das leben kann, wozu er befähigt worden ist.


Erweiterte Fassung der
1. Lesung vom 15. Sonntag im Jahreskreis, Lesejahr C:
Dtn 30,1-14

Lesung aus dem Buch Deuteronomium:

Und wenn alle diese Worte über dich gekommen sind, der Segen und der Fluch, die ich dir vorgelegt habe, wenn du sie dir zu Herzen nimmst mitten unter den Völkern, unter die der Herr, dein Gott, dich versprengt hat, und wenn du zum Herrn, deinem Gott, zurückkehrst und auf seine Stimme hörst in allem, wozu ich dich heute verpflichte, du und deine Kinder, mit ganzem Herzen und mit ganzer Seele, dann wird der Herr, dein Gott, dein Schicksal wenden, er wird sich deiner erbarmen, sich dir zukehren und dich aus allen Völkern zusammenführen, unter die der Herr, dein Gott, dich verstreut hat.
Und wenn einige von dir bis ans Ende des Himmels versprengt sind, wird dich der Herr, dein Gott, von dort zusammenführen, von dort wird er dich holen.
Und der Herr, dein Gott, wird dich in das Land, das deine Väter in Besitz genommen haben, zurückbringen. Du wirst es wieder in Besitz nehmen, und er wird dich glücklicher und zahlreicher machen als deine Väter.
Der Herr, dein Gott, wird dein Herz und das Herz deiner Nachkommen beschneiden. Dann wirst du den Herrn, deinen Gott, mit ganzem Herzen und mit ganzer Seele lieben können, damit du Leben hast.
Alle diese Verwünschungen aber wird der Herr, dein Gott, über deine Feinde und Gegner verhängen, die dich verfolgt haben.
Du jedoch wirst umkehren, auf die Stimme des Herrn hören und alle seine Gebote, auf die ich dich heute verpflichte, halten, und der Herr, dein Gott, wird dir Gutes im Überfluß schenken, bei jeder Arbeit deiner Hände, bei der Frucht deines Leibes, bei der Frucht deines Viehs und bei der Frucht deines Ackers. Denn der Herr wird sich, wie er sich an deinen Vätern gefreut hat, auch an dir wieder freuen.
Er wird dir Gutes tun, wenn du auf die Stimme des Herrn, deines Gottes, hörst und auf seine Gebote und Gesetze achtest, die in dieser Urkunde der Weisung einzeln aufgezeichnet sind, und wenn du zum Herrn, deinem Gott, mit ganzem Herzen und mit ganzer Seele zurückkehrst.
Dieses Gebot, auf das ich dich heute verpflichte, geht nicht über deine Kraft und ist nicht fern von dir.
Es ist nicht im Himmel, so daß du sagen müßtest: Wer steigt für uns in den Himmel hinauf, holt es herunter und verkündet es uns, damit wir es halten können?
Es ist auch nicht jenseits des Meeres, so daß du sagen müßtest: Wer fährt für uns über das Meer, holt es herüber und verkündet es uns, damit wir es halten können?
Nein, das Wort ist ganz nah bei dir, es ist in deinem Mund und in deinem Herzen, du kannst es halten.


Antwortpsalm am 15. Sonntag im Jahreskreis (C)
Ps 69,14. 17. 30-31. 33-34. 36-37

R Ihr Gebeugten suchet den Herrn;
euer Herz lebe auf! – R

Ich bete zu dir, Herr, zur Zeit der Gnade.
Erhöre mich in deiner großen Huld,
Gott, hilf mir in deiner Treue.
Erhöre mich, Herr, in deiner Huld und Güte,
wende dich mir zu in deinem großen Erbarmen! - (R)

Ich bin elend und voller Schmerzen;
doch deine Hilfe, o Gott, wird mich erhöhen.
Ich will den Namen Gottes rühmen im Lied,
in meinem Danklied ihn preisen. - (R)

Schaut her, ihr Gebeugten, und freut euch;
ihr, die ihr Gott sucht: euer Herz lebe auf!
Denn der Herr hört auf die Armen,
er verachtet die Gefangenen nicht. - (R)

Denn Gott wird Zion retten,
wird Judas Städte neu erbauen.
Seine Knechte werden dort wohnen und das Land besitzen,
ihre Nachkommen sollen es erben;
wer seinen Namen liebt, soll darin wohnen. - R


2. Lesung vom 15. Sonntag im Jahreskreis, Lesejahr C:
Kol 1,15-20

Lesung aus dem Brief des Apostels Paulus an die Kolosser:

Christus ist das Ebenbild des unsichtbaren Gottes,
der Erstgeborene der ganzen Schöpfung.
Denn in ihm wurde alles erschaffen im Himmel und auf Erden,
das Sichtbare und das Unsichtbare,
Throne und Herrschaften,
Mächte und Gewalten;
alles ist durch ihn und auf ihn hin geschaffen.
Er ist vor aller Schöpfung,
in ihm hat alles Bestand.
Er ist das Haupt des Leibes,
der Leib aber ist die Kirche.
Er ist der Ursprung,
der Erstgeborene der Toten;
so hat er in allem den Vorrang.
Denn Gott wollte mit seiner ganzen Fülle in ihm wohnen,
um durch ihn alles zu versöhnen.
Alles im Himmel und auf Erden wollte er zu Christus führen,
der Friede gestiftet hat am Kreuz durch sein Blut.



In diesem Abschnitt werden die Person und das Werk Christi in ihrer Bedeutung für die ganze Welt betont, angefangen bei der Schöpfung bis hin zur vollendeten Erlösung. Vermutlich wird in Vers 15-20 ein Hymnus aus der frühchristlichen Liturgie zitiert, der hier nun als Grundlage für die Botschaft des ganzen Kolosserbriefes dient. Zwei Aussagen über Jesus Christus eignen sich besonders zur Auslegung für heutige Hörer: „Er ist das Ebenbild des unsichtbaren Gottes“ (Vers 15) und „Denn Gott wollte in seiner ganzen Fülle in ihm wohnen“ (Vers 19). An Jesus, an seiner Person und seinem Leben, können wir also ablesen, wie Gott für uns Menschen ist. Die Begegnungs- und Heilungserzählungen der Evangelien schildern Jesus als einen, der sich immer wieder spontan auf Menschen einlässt, die ihm auf seinem Weg „in die Quere kommen“. Er hält inne und sieht den einzelnen Menschen an. Auch den Außenseitern und denen, die meinen sich verbergen zu müssen, schenkt er damit Ansehen. Der inneren und äußeren Not der Menschen, die ihm begegnen, weicht er nicht aus – nicht einmal wenn er sich dabei mit Krankheiten anstecken könnte oder durch seine Solidarität selbst zum Außenseiter wird. Nein, er lässt sich von dieser Not anrühren, ihm wird „weh ums Herz“ (Übersetzung Fridolin Stier statt „er hatte Mitleid“). Indem er sich ihnen ganz zuwendet, stärkt und heilt er diese Menschen. Oft schickt er sie dann „nach Hause zurück“. Er traut ihnen also zu, nun verändert und gestärkt in ihrer persönlichen Lebenssituation zurecht zu kommen. So wird in Jesus Gottes bedingungslose Liebe zu jedem Menschen spürbar und sichtbar. Auch wenn heute Menschen auf Jesu Weise mit anderen umgehen, wird darin Gottes Liebe konkret erfahrbar. Denn jeder Mensch ist Gottes Ebenbild (Gen 1,27) und in jedem wohnt die Fülle Gottes, der Geist Gottes (1 Kor 3,16). Claudia Simonis-Hippel, in: Gottes Volk C 6/2013, Bernhard Krautter/Franz-Josef Ortkemper (Hg.), Verlag Katholisches Bibelwerk, Stuttgart 2013, S. 45-56.


Der Brief des Paulus (oder seiner Schüler) geht an die Christen der Stadt Kolossai, die es allerdings bei der Entstehung des Briefes nicht mehr gab. Also dürfte als Adressatenkreis eine größere Christengruppe in Kleinasien zu sehen sein. Paulus schreibt in der vorliegenden Perikope ein Christusbekenntnis zuhanden der Menschen anderen Glaubens in Kleinasien. Dieses Bekenntnis folgt den Eingangsformeln des Briefes und kurzen Ausführungen zur Situation der Christengemeinde, kann daher als eine Art Fundament angesehen werden, auf dem dann die weiteren Ausführungen des Briefes stehen.


Nach dem Galaterbrief der letzten Sonntage beginnt an diesem Sonntag die Lesung aus dem Kolosserbrief. Er gehört zu den Texten, die sich als Paulusbriefe ausgeben, aber wahrscheinlich aus dem Umfeld des Paulus stammen. Kernthema des Kolosserbriefes ist die Frage der Bedeutung Christi. Schon im Anfang ist mit dem Hymnus das Bild entworfen: Christus ist Haupt der Schöpfung und der Richter der Welt. Formal folgt der Brief dem Schema These und Begründung: Er ist… (Verse 15 und 18), denn... (Verse 16f und 19f).


Ruf vor dem Evangelium am 15. Sonntag im Jahreskreis (C)
Joh
6,63c. 68c.

Halleluja. Halleluja.

Deine Worte, Herr, sind Geist und Leben.
Du hast Worte des ewigen Lebens.

Halleluja.


Evangelium vom 15. Sonntag im Jahreskreis, Lesejahr C:
Lk 10,25-37

Aus dem heiligen Evangelium nach Lukas:

In jener Zeit stand ein Gesetzeslehrer auf,
und um Jesus auf die Probe zu stellen, fragte er ihn:
Meister, was muß ich tun, um das ewige Leben zu gewinnen?
Jesus sagte zu ihm:
Was steht im Gesetz? Was liest du dort?
Er antwortete:
Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben
mit ganzem Herzen und ganzer Seele,
mit all deiner Kraft und all deinen Gedanken, und:
Deinen Nächsten sollst du lieben wie dich selbst.
Jesus sagte zu ihm:
Du hast richtig geantwortet.
Handle danach, und du wirst leben.
Der Gesetzeslehrer wollte seine Frage rechtfertigen
und sagte zu Jesus:
Und wer ist mein Nächster?
Darauf antwortete ihm Jesus:
Ein Mann ging von Jerusalem nach Jericho hinab
und wurde von Räubern überfallen.
Sie plünderten ihn aus und schlugen ihn nieder;
dann gingen sie weg und ließen ihn halbtot liegen.
Zufällig kam ein Priester denselben Weg herab;
er sah ihn und ging weiter.
Auch ein Levit kam zu der Stelle;
er sah ihn und ging weiter.
Dann kam ein Mann aus Samarien,
der auf der Reise war.
Als er ihn sah, hatte er Mitleid, ging zu ihm hin,
goß Öl und Wein auf seine Wunden und verband sie.
Dann hob er ihn auf sein Reittier,
brachte ihn zu einer Herberge und sorgte für ihn.
Am andern Morgen holte er zwei Denare hervor,
gab sie dem Wirt und sagte:
Sorge für ihn, und wenn du mehr für ihn brauchst,
werde ich es dir bezahlen, wenn ich wiederkomme.
Was meinst du:
Wer von diesen dreien hat sich als der Nächste dessen erwiesen,
der von den Räubern überfallen wurde?
Der Gesetzeslehrer antwortete:
Der, der barmherzig an ihm gehandelt hat.
Da sagte Jesus zu ihm:
Dann geh und handle genauso!



Dieses Lehrgespräch beginnt mit der Frage, wie „das ewige Leben“, erfülltes Leben, zu gewinnen sei. Dies wird im Folgenden implizit beantwortet. Dabei nimmt die Beispielerzählung vom sog. „barmherzigen Samariter“ (Verse 30-35) eine zentrale Stellung ein. Indem Jesus es dem Gesetzeslehrer überlässt, das Gebot der Gottes-, Nächsten- und Selbstliebe aus Dtn 6,5 und Lev 19,18 zu zitieren, wird deutlich, dass Jesus mit der Thora übereinstimmt. Die Formulierung „lieben mit ganzem Herzen“ in Vers 27 wird durch die folgende dreifache Variation stark hervorgehoben. Das hebräische Wort für „Herz“ bedeutet „Personenmitte“, also den einzelnen Menschen von seinem Innersten her als Ganzer, mit allem, was ihn ausmacht. Anlass für die nun folgende Beispielerzählung ist die Frage „Wer ist mein Nächster?“ (Vers 29b). Damals meinte der Begriff „Nächster“ im weiteren Sinn den Volks- und Glaubensgenossen. Von daher ist zu erwarten, dass der Priester und der Levit ihrem verletzten Volks- und Glaubensgenossen helfen, zumal gerade sie vorbildlich den Geboten folgen müssten. Aber beide vermeiden Hilfe aktiv, indem sie „im großen Bogen herumgehen“ (Verse 31-32 in anderer Übersetzung). Der Grund dafür bleibt offen und ihr Verhalten wird nicht verurteilt. Ganz anders verhält sich der Samariter, der kein „Volks- und Glaubensgenosse“, sondern ein Fremder ist. Als er den Notleidenden sieht, „ward ihm weh ums Herz“ (Vers 33 übersetzt von Fridolin Stier). Diese innere Betroffenheit, nicht das Pflichtgefühl aufgrund eines Gesetzes, drängt ihn zum Handeln. Er leistet Erste Hilfe, veranlasst weitere Pflege und wendet sich danach wieder eigenen Pflichten zu. So vernachlässigt er bei aller Nächstenliebe auch die Selbstliebe nicht. Diesen Menschen, der den anfangs zitierten Liebesgeboten nicht verpflichtet ist, stellt Jesus als Vorbild hin (Vers 37b): Der Samariter handelt in dieser Situation spontan im Sinne Gottes. Seine Haltung soll nachgeahmt werden (Vers 37b): offen sein für die ungeplanten Herausforderungen in alltäglichen Begegnungen, sich von der Not anderer berühren lassen und aus dieser Betroffenheit heraus im Rahmen der eigenen Möglichkeiten handeln. Wer so mit anderen und mit sich selbst umgeht, wird Leben in Fülle erfahren – hier und jetzt. Damit wird auch die Ausgangsfrage nach dem „Leben gewinnen“ beantwortet. Claudia Simonis-Hippel, in: Gottes Volk C 6/2013, Bernhard Krautter/Franz-Josef Ortkemper (Hg.), Verlag Katholisches Bibelwerk, Stuttgart 2013, S. 45-56.


Die Geschichte vom barmherzigen Samariter gehört zu den großen paradigmatischen Erzählungen der Evangelien: Sie ist das katechetische Beispiel für gelebte Nächstenliebe. Interessant ist die Struktur der Perikope: Schaut man hin, kann man eine Parallelstruktur zweier Teile entdecken - die Bedeutung der Verse 25-28 ist mit jener der Verse 29-37 zu vergleichen. Durch die Geschichte gewinnt der zweite Teil an Masse und Bedeutung. Jeden Katecheseteil schließt Jesus ab mit dem Auftrag, die Erkenntnisse aus dem Gespräch nun auch in die Tat umsetzen.


Nach der zweiten Leidensankündigung und der Aussendung der Jünger stellt sich die Frage stärker: „Was muss ich tun, um das Leben zu erlangen?“ Diese Frage ist bei allen Synoptikern vorhanden. Erst das mit der Antwort verknüpfte Gleichnis ist lukanisches Sondergut. Es passt dabei zum Sondergut, dass diese Geschichte wieder auf dem Weg spielt und heilende Erfahrung beinhaltet. Dabei ist zu beachten, dass der Mann nicht auf dem Weg nach Jerusalem, sondern nach Jericho war. Es war der Weg nach unten, wie ihn auch der Priester und der Levit gingen. Die eindeutige Richtung zeigt an, dass sie ihren Dienst im Tempel gemacht hatten und nun in der Konkretisierung des Doppelgebots versagten. Es ging nicht um die Entschuldigung, sich für den Tempeldienst rein zu halten. Wieder taucht bei Lukas die Erfahrung auf: Heilende Erfahrung vermittelt der, dem man es nicht zutraut.