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Lesungen 31.07.2016


1. Lesung vom 18. Sonntag im Jahreskreis, Lesejahr C:
Koh 1,2; 2,21-23

Lesung aus dem Buch Kohelet:

Windhauch, Windhauch, sagte Kohelet,
Windhauch, Windhauch, das ist alles Windhauch.
Denn es kommt vor,
daß ein Mensch, dessen Besitz
durch Wissen, Können und Erfolg erworben wurde,
ihn einem andern, der sich nicht dafür angestrengt hat,
als dessen Anteil überlassen muß.
Auch das ist Windhauch und etwas Schlimmes,
das häufig vorkommt.
Was erhält der Mensch dann durch seinen ganzen Besitz
und durch das Gespinst seines Geistes,
für die er sich unter der Sonne anstrengt?
Alle Tage besteht sein Geschäft nur aus Sorge und Ärger,
und selbst in der Nacht kommt sein Geist nicht zur Ruhe.
Auch das ist Windhauch.



Kohelet gehört zur späteren alttestamentlichen Weisheitsliteratur. Sie ist in eine Krise geraten. Lebenserfahrungen und "Weisheit" passen nicht mehr zusammen. Waren in den früheren Proverbien (Sprüche) noch Sätze gesammelt, die Sicherheit und Verlässlichkeit versprachen (Tun-Ergehen-Zusammenhang), stellt sich jetzt Ernüchterung und Enttäuschung ein. Auffällig ist die - fast zeitgleiche - Verwandtschaft mit der altorientalischen und ägyptischen Weisheitsliteratur. Die Lesung aus dem Buch Kohelet spiegelt die Skepsis wider: Alles ist einem Windhauch gleich, selbst Bildung und Leistung sind nicht verlässlich, nicht einmal in der Nacht ist Ruhe. Ob alle Tage wirklich "nur aus Sorge und Ärger" bestehen? Die Lesung hört auf, wo Antworten erwartet werden. Im Gottesdienst vorgetragen, sieht der Mensch sich und seine Welt ungeschminkt. Was Kohelet mit "Windhauch" bezeichnet, drückt die Vergänglichkeit und Flüchtigkeit aus, die den Dingen eignet, auf die ein Mensch sein Vertrauen setzt. "Was erhält der Mensch dann durch seinen ganzen Besitz und durch das Gespinst seines Geistes, für die er sich unter der Sonne anstrengt?" Das ist weder depressiv noch pessimistisch, sondern geklärte und abgewogene Lebenserfahrung - sprich: "weise". Es liegt viel daran, die Lesung gut vorbereitet und akzentuiert vorzutragen. Die Lesung ist so zugeschnitten, dass in ihrem Horizont die zweite Lesung und das Evangelium aufscheinen: Nicht das Wissen um den "Windhauch" stellt das letzte Wort dar - es geht darum, den "Sinn auf das Himmlische und nicht auf das Irdische" zu richten - oder wie es im Evangelium heißt: reich bei Gott zu sein.


Das Buch Kohelet, das zu den späten Büchern des Alten Testaments gehört (3. Jhdt. v. Chr.), wird von vielen Bibelwissenschaftern unter dem Stichwort "Krise der Weisheit" verhandelt. Das Gefühl, in einer gerechten, wohlgeordneten Welt zu leben, das für das traditionelle Weisheitsdenken charakteristisch war, scheint in dieser Zeit brüchig geworden zu sein. Dagegen erhebt sich im Buch Kohelet die Erfahrung, daß es in der Welt keinesfalls gerecht zugeht. Trotzdem bleibt für Kohelet der Ausgangspunkt seiner Reflexionen die Frage nach dem glücklichen, sinnerfüllten Leben. Die Argumentation richtet sich dabei darauf, daß der Mensch aus eigener Anstrengung nicht glücklich werden kann. In der vorliegenden Perikope wird z. B. auf die Verzweiflung hingewiesen, würde man sein Leben nur vom Streben nach Besitz und von der Arbeit her definieren. Das Windhauch-Urteil Kohelets wird in diesem Kontext oft als Bekennen einer radikalen Absurdität und Sinnlosigkeit mißverstanden. Das wird dem Anspruch des Buches freilich nicht gerecht. Die Windhauchaussage bezieht sich niemals auf Gott oder den Kosmos, sondern immer nur auf die Welt menschlichen Handelns. Allein sie ist für Kohelet absurd und wird deshalb radikal in Frage gestellt. Gleich im Einleitungsvers kommt das Wort "Windhauch" fünfmal. Die Grundstimmung ist: Der Mensch verfügt über keinen umfassenden Sinn, sondern kann sich nur dem unbegreiflichen Gott anvertrauen. Dem Menschen bleibt am Ende nichts von all seiner Anstrengung. Diese pessimistischen Aussagen werden auch heut offene Ohren finden: wir planen geglücktes, sicheres Leben, doch Schicksale durchkreuzen dies immer wieder Streß, Burn-out-Erfahrungen, Scheitern von Beziehungen, Krankheiten ... In Deutschland sterben ungefähr so viele Menschen, die am Lebenssinn zerbrechen, wie durch Unfalltod. Wir wollen uns mit der Auskunft des Kohelet: "Alles ist Windhauch, alles ist nichtig", nicht abfinden.


Erweiterte Fassung der
1. Lesung vom 18. Sonntag im Jahreskreis, Lesejahr C:
Koh 1,1-3; 2,1-23

Lesung aus dem Buch Kohelet:

Worte Kohelets, des Davidsohnes, der König in Jerusalem war.
Windhauch, Windhauch, sagte Kohelet,
Windhauch, Windhauch, das ist alles Windhauch.
Welchen Vorteil hat der Mensch von all seinem Besitz,
für den er sich anstrengt unter der Sonne?
Ich dachte mir:
Auf, versuch es mit der Freude, genieß das Glück!
Das Ergebnis: Auch das ist Windhauch.
Über das Lachen sagte ich: Wie verblendet!,
über die Freude: Was bringt sie schon ein?
Ich trieb meine Forschung an mir selbst,
indem ich meinen Leib mit Wein lockte,
während mein Verstand das Wissen auf die Weide führte,
und indem ich das Unwissen gefangennahm.
Ich wollte dabei beobachten,
wo es vielleicht für die einzelnen Menschen möglich ist,
sich unter dem Himmel Glück zu verschaffen
während der wenigen Tage ihres Lebens.
Ich vollbrachte meine großen Taten:
Ich baute mir Häuser,
ich pflanzte Weinberge.
Ich legte mir Gärten und Parks an,
darin pflanzte ich alle Arten von Bäumen.
Ich legte Wasserbecken an,
um aus ihnen den sprossenden Baumbestand zu bewässern.
Ich kaufte Sklaven und Sklavinnen,
obwohl ich schon hausgeborene Sklaven besaß.
Auch Vieh besaß ich in großer Zahl,
Rinder, Schafe, Ziegen,
mehr als alle meine Vorgänger in Jerusalem.
Ich hortete auch Silber und Gold
und, als meinen persönlichen Schatz,
Könige und ihre Provinzen.
Ich besorgte mir Sänger und Sängerinnen
und die Lust jedes Menschen: einen großen Harem.
Ich war schon groß gewesen,
doch ich gewann noch mehr hinzu,
so daß ich alle meine Vorgänger in Jerusalem übertraf.
Und noch mehr:
Mein Wissen stand mir zur Verfügung,
und was immer meine Augen sich wünschten,
verwehrte ich ihnen nicht.
Ich mußte meinem Herzen keine einzige Freude versagen.
Denn mein Herz konnte immer durch meinen ganzen Besitz
Freude gewinnen.
Und das war mein Anteil,
den ich durch meinen ganzen Besitz gewinnen konnte.
Doch dann dachte ich nach über alle meine Taten,
die, die meine Hände vollbracht hatten,
und über den Besitz,
für den ich mich bei diesem Tun angestrengt hatte.
Das Ergebnis:
Das ist alles Windhauch und Luftgespinst.
Es gibt keinen Vorteil unter der Sonne.
Ich dachte nach, indem ich beobachtete,
was Wissen wirklich ist
und was Verblendung und Unwissen wirklich sind.
Außerdem:
Was für ein Mann wird auf den König folgen,
den sie einst eingesetzt haben?
Ich beobachtete:
Es gibt einen Vorteil, den das Wissen bietet,
aber nicht das Unwissen,
wie es einen Vorteil gibt,
den das Licht bietet,
aber nicht die Dunkelheit:
Der Gebildete hat Augen im Kopf,
der Ungebildete tappt im Dunkeln.
Aber ich erkannte auch:
Beide trifft ein und dasselbe Geschick.
Da dachte ich mir:
Was den Ungebildeten trifft, trifft also auch mich.
Warum bin ich dann über die Maßen gebildet?
Und ich überlegte mir, daß auch das Windhauch ist.
Denn an den Gebildeten gibt es ebensowenig
wie an den Ungebildeten eine Erinnerung, die ewig währt,
weil man schon in den Tagen, die bald kommen,
beide vergessen wird.
Wie ist es möglich,
daß der Gebildete ebenso sterben muß wie der Ungebildete?
Da verdroß mich das Leben.
Denn das Tun, das unter der Sonne getan wurde,
lastete auf mir als etwas Schlimmes.
Denn es ist alles Windhauch und Luftgespinst.
Mich verdroß auch mein ganzer Besitz,
für den ich mich unter der Sonne anstrenge
und den ich dem Menschen lassen muß,
der nach mir kommt.
Wer weiß, ob er ein Wissender ist oder ein Unwissender?
Jedenfalls wird er über meinen ganzen Besitz verfügen,
für den ich mich unter der Sonne angestrengt
und mein Wissen eingesetzt habe.
Auch das ist Windhauch.
Ich stellte mich um
und überließ mich der Verzweiflung über meinen ganzen Besitz,
für den ich mich unter der Sonne angestrengt hatte.
Denn es kommt vor,
daß ein Mensch,
dessen Besitz durch Wissen, Können und Erfolg erworben wurde,
ihn einem andern, der sich nicht dafür angestrengt hat,
als dessen Anteil überlassen muß.
Auch das ist Windhauch und etwas Schlimmes,
das häufig vorkommt.
Was erhält der Mensch dann durch seinen ganzen Besitz
und durch das Gespinst seines Geistes,
für die er sich unter der Sonne anstrengt?
Alle Tage besteht sein Geschäft nur aus Sorge und Ärger,
und selbst in der Nacht kommt sein Geist nicht zur Ruhe.
Auch das ist Windhauch.



Kohelet gehört zur späteren alttestamentlichen Weisheitsliteratur. Sie ist in eine Krise geraten. Lebenserfahrungen und "Weisheit" passen nicht mehr zusammen. Waren in den früheren Proverbien (Sprüche) noch Sätze gesammelt, die Sicherheit und Verlässlichkeit versprachen (Tun-Ergehen-Zusammenhang), stellt sich jetzt Ernüchterung und Enttäuschung ein. Auffällig ist die - fast zeitgleiche - Verwandtschaft mit der altorientalischen und ägyptischen Weisheitsliteratur. Die Lesung aus dem Buch Kohelet spiegelt die Skepsis wider: Alles ist einem Windhauch gleich, selbst Bildung und Leistung sind nicht verlässlich, nicht einmal in der Nacht ist Ruhe. Ob alle Tage wirklich "nur aus Sorge und Ärger" bestehen? Die Lesung hört auf, wo Antworten erwartet werden. Im Gottesdienst vorgetragen, sieht der Mensch sich und seine Welt ungeschminkt. Was Kohelet mit "Windhauch" bezeichnet, drückt die Vergänglichkeit und Flüchtigkeit aus, die den Dingen eignet, auf die ein Mensch sein Vertrauen setzt. "Was erhält der Mensch dann durch seinen ganzen Besitz und durch das Gespinst seines Geistes, für die er sich unter der Sonne anstrengt?" Das ist weder depressiv noch pessimistisch, sondern geklärte und abgewogene Lebenserfahrung - sprich: "weise". Es liegt viel daran, die Lesung gut vorbereitet und akzentuiert vorzutragen. Die Lesung ist so zugeschnitten, dass in ihrem Horizont die zweite Lesung und das Evangelium aufscheinen: Nicht das Wissen um den "Windhauch" stellt das letzte Wort dar - es geht darum, den "Sinn auf das Himmlische und nicht auf das Irdische" zu richten - oder wie es im Evangelium heißt: reich bei Gott zu sein.


Das Buch Kohelet, das zu den späten Büchern des Alten Testaments gehört (3. Jhdt. v. Chr.), wird von vielen Bibelwissenschaftern unter dem Stichwort "Krise der Weisheit" verhandelt. Das Gefühl, in einer gerechten, wohlgeordneten Welt zu leben, das für das traditionelle Weisheitsdenken charakteristisch war, scheint in dieser Zeit brüchig geworden zu sein. Dagegen erhebt sich im Buch Kohelet die Erfahrung, daß es in der Welt keinesfalls gerecht zugeht. Trotzdem bleibt für Kohelet der Ausgangspunkt seiner Reflexionen die Frage nach dem glücklichen, sinnerfüllten Leben. Die Argumentation richtet sich dabei darauf, daß der Mensch aus eigener Anstrengung nicht glücklich werden kann. In der vorliegenden Perikope wird z. B. auf die Verzweiflung hingewiesen, würde man sein Leben nur vom Streben nach Besitz und von der Arbeit her definieren. Das Windhauch-Urteil Kohelets wird in diesem Kontext oft als Bekennen einer radikalen Absurdität und Sinnlosigkeit mißverstanden. Das wird dem Anspruch des Buches freilich nicht gerecht. Die Windhauchaussage bezieht sich niemals auf Gott oder den Kosmos, sondern immer nur auf die Welt menschlichen Handelns. Allein sie ist für Kohelet absurd und wird deshalb radikal in Frage gestellt. Gleich im Einleitungsvers kommt das Wort "Windhauch" fünfmal. Die Grundstimmung ist: Der Mensch verfügt über keinen umfassenden Sinn, sondern kann sich nur dem unbegreiflichen Gott anvertrauen. Dem Menschen bleibt am Ende nichts von all seiner Anstrengung. Diese pessimistischen Aussagen werden auch heut offene Ohren finden: wir planen geglücktes, sicheres Leben, doch Schicksale durchkreuzen dies immer wieder Streß, Burn-out-Erfahrungen, Scheitern von Beziehungen, Krankheiten ... In Deutschland sterben ungefähr so viele Menschen, die am Lebenssinn zerbrechen, wie durch Unfalltod. Wir wollen uns mit der Auskunft des Kohelet: "Alles ist Windhauch, alles ist nichtig", nicht abfinden.


Antwortpsalm am 18. Sonntag im Jahreskreis (C)
Ps 90,3-6. 12-14. 17.

R Herr, du bist unsere Zuflucht
von Geschlecht zu Geschlecht. - R

Du lässt die Menschen zurückkehren zum Staub
und sprichst: „Kommt wieder, ihr Menschen!“
Denn tausend Jahre sind für dich wie der Tag,
der gestern vergangen ist,
wie eine Wache in der Nacht. - (R)

Von Jahr zu Jahr säst du die Menschen aus;
sie gleichen dem sprossenden Gras.
Am Morgen grünt es und blüht,
am Abend wird es geschnitten und welkt. - (R)

Unsere Tage zu zählen, lehre uns!
Dann gewinnen wir ein weises Herz.
Herr, wende dich uns doch endlich zu!
Hab Mitleid mit deinen Knechten! - (R)

Sättige uns am Morgen mit deiner Huld!
Dann wollen wir jubeln und uns freuen all unsre Tage.
Es komme über uns die Güte des Herrn, unsres Gottes!
Lass das Werk unsrer Hände gedeihen,
ja, lass gedeihen das Werk unsrer Hände! - R


2. Lesung vom 18. Sonntag im Jahreskreis, Lesejahr C:
Kol 3,1-5. 9-11

Lesung aus dem Brief des Apostels Paulus an die Kolosser:

Ihr seid mit Christus auferweckt;
darum strebt nach dem, was im Himmel ist,
wo Christus zur Rechten Gottes sitzt.
Richtet euren Sinn auf das Himmlische
und nicht auf das Irdische!
Denn ihr seid gestorben,
und euer Leben ist mit Christus verborgen in Gott.
Wenn Christus, unser Leben, offenbar wird,
dann werdet auch ihr mit ihm offenbar werden in Herrlichkeit.
Darum tötet, was irdisch an euch ist:
die Unzucht, die Schamlosigkeit, die Leidenschaft,
die bösen Begierden
und die Habsucht, die ein Götzendienst ist.
Belügt einander nicht;
denn ihr habt den alten Menschen mit seinen Taten abgelegt
und seid zu einem neuen Menschen geworden,
der nach dem Bild seines Schöpfers erneuert wird,
um ihn zu erkennen.
Wo das geschieht,
gibt es nicht mehr Griechen oder Juden,
Beschnittene oder Unbeschnittene,
Fremde, Skythen, Sklaven oder Freie,
sondern Christus ist alles und in allen.



Ein Schüler des Apostels Paulus schreibt unter dem Namen seines Meisters einen Brief an die Gemeinde in Kolossä (Kleinasien). Sein Ausgangspunkt: Ihr seid mit Christus auferweckt - ein Indikativ. Was daraus folgt, ist anschaulich und schnell beschrieben: Unzucht, Schamlosigkeit, Leidenschaft, böse Begierden, Habsucht (vgl. die antiken "Lasterkataloge") sind zu "töten". Es geht um das neue Leben, das aus der Auferweckung kommt. Am Beispiel der Lüge formuliert der Brief, dass der alte Mensch mit seinen Taten abgelegt ist (!). Sehr eindrücklich heißt es, dass wir "zu einem neuen Menschen geworden" sind, "der nach dem Bild seines Schöpfers erneuert wird" (vgl. Gen. 1,26: der Mensch als "Bild Gottes"). Es wäre ein Missverständnis, die Auferweckung in Moral zu übersetzen - die Auferweckung ist als neue Schöpfung zu verstehen! Wie bei Paulus im Brief an die Galater, verlieren die menschlichen Unterschiede (Herkunft, Stand, religiöse Beheimatung) ihre Bedeutung. Christus ist alles - und in allen. In dieser Perspektive werden Menschen an Christus gemessen, das Menschenbild im Christusbild gespiegelt. Dabei geht es darum, die ganze Gemeinde in den Blick zu nehmen. Die Formulierung "ihr" verhindert jedenfalls, einen Menschen mit sich allein zu lassen. Paulus hatte in Gal 3,27f. geschrieben: "Denn ihr alle, die ihr auf Christus getauft seid, habt Christus angezogen. Hier ist nicht Jude noch Grieche, hier ist nicht Sklave noch Freier, hier ist nicht Mann noch Frau; denn ihr seid allesamt einer in Christus Jesus" Im Kolosserbrief wird die Auferstehung ausgelegt und auf den "neuen Menschen" bezogen, der nach dem "Bild seines Schöpfers" lebt.


Die vorliegende Perikope eröffnet den paränetischen, d.h. mahnenden Teil des Kolosserbriefes. In den Briefen, die der Apostel Paulus schrieb bzw. die ihm zugeschrieben werden, sind solche Paränesen stets wichtige Elemente, weil sie zeigen, daß sich christliches Leben immer auch im Alltag verwirklichen muß. So folgen auch im Kolosserbrief den eher grundsätzlichen theologischen Erwägungen ab Kapitel 3 ganz praktische Hinweise für eine christliche Lebensgestaltung. Es werden zunächst typische Gefährdungen (Unzucht, Habsucht, Götzendienst) aufgezählt (Vers 5), um dann auf die Ebene der christlichen Gemeinde abzuheben: Einander nicht zu belügen, also in Wahrhaftigkeit miteinander zu leben, gehört zu den Kennzeichen einer christlichen Gemeinde (Vers 9). Wo solches geschieht können auch Barrieren aufgelöst werden (Vers 11) - in der Kirche von Kolossä und in der heutigen.


Ungekürzte Fassung der
2. Lesung vom 18. Sonntag im Jahreskreis, Lesejahr C:
Kol 3,1-11

Lesung aus dem Brief des Apostels Paulus an die Kolosser:

Ihr seid mit Christus auferweckt;
darum strebt nach dem, was im Himmel ist,
wo Christus zur Rechten Gottes sitzt.
Richtet euren Sinn auf das Himmlische
und nicht auf das Irdische!
Denn ihr seid gestorben,
und euer Leben ist mit Christus verborgen in Gott.
Wenn Christus, unser Leben, offenbar wird,
dann werdet auch ihr mit ihm offenbar werden in Herrlichkeit.
Darum tötet, was irdisch an euch ist:
die Unzucht, die Schamlosigkeit, die Leidenschaft,
die bösen Begierden
und die Habsucht, die ein Götzendienst ist.
All das zieht den Zorn Gottes nach sich.
Früher seid auch ihr darin gefangen gewesen
und habt euer Leben davon beherrschen lassen.
Jetzt aber sollt ihr das alles ablegen:
Zorn, Wut und Bosheit;
auch Lästerungen und Zoten
sollen nicht mehr über eure Lippen kommen.
Belügt einander nicht;
denn ihr habt den alten Menschen mit seinen Taten abgelegt
und seid zu einem neuen Menschen geworden,
der nach dem Bild seines Schöpfers erneuert wird,
um ihn zu erkennen.
Wo das geschieht,
gibt es nicht mehr Griechen oder Juden,
Beschnittene oder Unbeschnittene,
Fremde, Skythen, Sklaven oder Freie,
sondern Christus ist alles und in allen.


Ruf vor dem Evangelium am 18. Sonntag im Jahreskreis (C)
Mt 5,3

Halleluja. Halleluja.

Selig, die arm sind vor Gott;
denn ihnen gehört das Himmelreich.

Halleluja.


Evangelium vom 18. Sonntag im Jahreskreis, Lesejahr C:
Lk 12,13-21

Aus dem heiligen Evangelium nach Lukas:

In jener Zeit
bat einer aus der Volksmenge Jesus:
Meister, sag meinem Bruder,
er soll das Erbe mit mir teilen.
Er erwiderte ihm:
Mensch, wer hat mich zum Richter oder Schlichter bei euch gemacht?
Dann sagte er zu den Leuten:
Gebt acht, hütet euch vor jeder Art von Habgier.
Denn der Sinn des Lebens besteht nicht darin,
daß ein Mensch aufgrund seines großen Vermögens im Überfluß lebt.
Und er erzählte ihnen folgendes Beispiel:
Auf den Feldern eines reichen Mannes stand eine gute Ernte.
Da überlegte er hin und her:
Was soll ich tun?
Ich weiß nicht, wo ich meine Ernte unterbringen soll.
Schließlich sagte er:
So will ich es machen:
Ich werde meine Scheunen abreißen und größere bauen;
dort werde ich mein ganzes Getreide und meine Vorräte unterbringen.
Dann kann ich zu mir selber sagen:
Nun hast du einen großen Vorrat,
der für viele Jahre reicht.
Ruh dich aus, iß und trink, und freu dich des Lebens!
Da sprach Gott zu ihm: Du Narr!
Noch in dieser Nacht wird man dein Leben von dir zurückfordern.
Wem wird dann all das gehören,
was du angehäuft hast?
So geht es jedem, der nur für sich selbst Schätze sammelt,
aber vor Gott nicht reich ist.



Das Evangelium - Sondergut des Evangelisten Lukas - besteht aus einer "Rahmenerzählung" (mit der Bitte, das Erbe zu teilen) und einem Gleichnis. Gewarnt wird vor der tödlichen Gefahr der Habgier. Schon am Anfang seines Evangeliums hatte Lukas im Lobgesang der Maria, dem Magnificat, den Ton wahrgenommen, der das ganze Evangelium durchzieht: Er (Gott) stößt die Gewaltigen vom Thron und erhebt die Niedrigen, er füllt die Hungrigen mit Gutem - und lässt die Reichen leer ausgehen. Ein Blick auf die Komposition des zusammen gewachsenen Stückes: Einer aus der Menge - namenlos - ruft Jesus in einem Erbstreit um Hilfe an. Der Bruder will nicht teilen. Jesus entzieht sich diesem Ansinnen - und sagt allen: Gebt acht, hütet euch vor jeder Art von Habgier. Mit diesem Wort wird die Szene abgeschlossen, ohne der Frage nachzugehen, ob das Anliegen des Bittstellers berechtigt war oder nicht. Schon der Blick auf das Erbe wird von Jesus - in der lukanischen Darstellung - zurückgewiesen: Der Sinn des Lebens (so übersetzt die Einheitsübersetzung sehr modern) besteht nicht darin, "dass ein Mensch aufgrund seines großen Vermögens im Überfluss lebt." Was ist hier ein großes Vermögen, was Überfluss? Ob das Wort Jesu zu der Szene passt oder nachträglich hier eingetragen wurde, ist nicht mehr auszumachen - die überaus kritische Beziehung zu materiellen Gütern überhaupt ist nicht zu übersehen. Mit "und" abgehoben und zugleich verbunden, wird ein Gleichnis erzählt. Ursprünglich in einem eigenen Erzählzusammenhang stehend, illustriert es hier das Wort Jesu, sich vor Habgier zu hüten. Es erzählt die Geschichte einer reichen Ernte – und die Geschichte eines Bauern, der einerseits wirtschaftlich sehr erfolgreich, andererseits aber auch mit sich und seinem Erfolg (der nicht einmal von ihm veranlasst oder gesteuert wäre) (selbst)zufrieden ist. Nach einem "Selbstgespräch" werden die Hörer Zeugen einer dramatischen Wendung. Was vernünftig scheint, wird als Narretei vorgeführt. Dabei ist die Schlussfolgerung durchaus plausibel: "Wem wird dann all das gehören, was du angehäuft hast?" Es geht nicht darum, selbst Schätze zu sammeln, sondern reich zu sein vor Gott. Es geht auch nicht darum, den Erfolg zu sichern, sondern auf Gott warten zu können. Lukas kritisiert nicht nur den Reichtum, sondern eröffnet auch eine neue Perspektive, die in seinem Resümee von Vers 21 deutlich wird. Das Evangelium lenkt den Blick auf den Reichtum vor, bei und mit Gott. Im Hintergrund wahrzunehmen ist die eschatologische bzw. apokalyptische Erntemetaphorik (=Gerichtsmetaphorik), die auch in dem Bild vom Tod als Schnitter Spuren bis in die Gegenwart hinterlassen hat ("Totentanz"). Wer die altkirchliche Auslegung bedenken möchte, findet hilfreiche Anregungen unter: http://www.catena-aurea.de/ljcpann18.html


Im ersten Teil (Verse 13-15) stellt Jesus klar, dass er den Sinn des Lebens nicht in materiellen Gütern sieht. Er warnt vor Habgier. Seine Antwort ist die Beispielerzählung vom reichen Kornbauern, der "nur für sich Schätze sammelt, aber vor Gott nicht reich ist" (Vers 21). Das Selbstgespräch, die Gedanken des Bauern, in denen sechsmal das Wort "ich" vorkommt ziegt, dass er nur auf sich selber schaut und sehr egoistisch denkt. Er kreist um seine Vorräte, seine Lebenssattheit und Absicherung. Doch seine selbstsicheren Zukunftsplanungen werden durch den plötzlichen Tod zunichte gemacht. Der Tod, der uns alle aufeinmal "gleich" macht. Der Gedanke, das Ziel der Lebensabsicherung hat sich als Torheit erwiesen. Die Frage stellt sich massiv: "Was oder wer gibt wirklichen Sinn über den Tod hinaus?" - Sammelt euch Schätze, die vor Gott reich machen! Was damit gemeint ist, mit diesem "reich-sein" vor Gott läßt das Evangelium offen. Vielleicht ist unser Leben, d. h. Geben und Nehmen, das Haben und Loslassen, jetzt schon eine Erfahrung, dass ich Sinn und Zufriedenheit hier und jetzt schon finden kann.