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Lesungen 14.08.2016


1. Lesung des 20. Sonntag im Jahreskreis, Lesejahr C:
Jer 38,4-6. 8-10


Lesung aus dem Buch Jeremia.

In jenen Tagen sagten die Beamten zum König:
Dieser Mann muß mit dem Tod bestraft werden;
denn er lähmt mit solchen Reden die Hände der Krieger,
die in dieser Stadt noch übriggeblieben sind,
und die Hände des ganzen Volkes.
Denn dieser Mensch sucht nicht Heil,
sondern Unheil für dieses Volk.
Der König Zidkija erwiderte:
Nun, er ist in eurer Hand;
denn der König vermag nichts gegen euch.
Da ergriffen sie Jeremia
und warfen ihn in die Zisterne des Prinzen Malkija,
die sich im Wachhof befand;
man ließ ihn an Stricken hinunter.
In der Zisterne war kein Wasser, sondern nur Schlamm,
und Jeremia sank in den Schlamm.
Der Kuschiter Ebed-Melech, ein Höfling,
sagte zum König:
Mein Herr und König,
schlecht war alles,
was diese Männer dem Propheten Jeremia angetan haben;
sie haben ihn in die Zisterne geworfen,
damit er dort unten verhungert.
Denn es gibt in der Stadt kein Brot mehr.
Da befahl der König dem Kuschiter Ebed-Melech:
Nimm dir von hier drei Männer mit,
und zieh den Propheten Jeremia aus der Zisterne herauf,
bevor er stirbt. 



Die 1. Lesung ist jenem Teil des Jeremiabuches entnommen, welches das Lebensschicksal des Jeremia, vor allem während der Belagerung Jerusalems durch den Babylonierkönig Nebukadnezar (588/587 vor Chr.) beschreibt. Trotz des historischen Interesses hat diese Schrift vor allem thologische Aussageintentionen. Der für die Lesung ausgewählte Abschnitt wird verständlicher, wenn man den ungekürzten Text (Jer 38,1-13) liest. Jeremia wird im Wachhof des Königspalastes in Gewahrsam gehalten. Das hindert ihn jedoch nicht, als Prophet seine Meinung über den Krieg und die Absichten Jahwehs zu verkünden. Die Beamten des Königs hören aus seinen Worten jedoch nicht die Rede Gottes. Der Auffassung der Kriegsbetreiber nach kann Jeremia mit der Ankündigung des Untergangs nicht recht haben, denn sie sind ja im Besitz des Tempels... Sie klagen ihn beim König der Werkraftzersetzung an. Dieser überläßt ihnen den Propheten und stellt damit seine Ohnmacht unter Beweis. Die Beamten werfen Jeremia in eine Zisterne, offenbar ohne ausdrückliches Wissen des Königs. Der äthiopische Diener holt den Propheten in berührender Weise aus seinem Loch, in dem er sonst zugrundegegangen wäre. Der Fremde - als dunkelhäutiger Sklave steht er im Ansehen der Öffentlichkeit ganz unten - erweist sich als gerecht denkender und mutiger Mensch, der beim König für den Propheten Gottes eintritt. Er wird damit zu einer Kontrastgestalt sowohl dem König gegenüber wie auch den Beamten gegenüber.


Ungekürzte Fassung der
1. Lesung des 20. Sonntag im Jahreskreis, Lesejahr C:
Jer 38,1-13


Lesung aus dem Buch Jeremia:

Schefatja, der Sohn Mattans, Gedalja, der Sohn Paschhurs, Juchal, der Sohn Schelemjas, und Paschhur, der Sohn Malkijas, hörten von den Worten, die Jeremia zum ganzen Volk redete, indem er sagte:
So spricht der Herr: Wer in dieser Stadt bleibt, der stirbt durch Schwert, Hunger und Pest. Wer aber zu den Chaldäern hinausgeht, der wird überleben; er wird sein Leben wie ein Beutestück gewinnen und davonkommen.
So spricht der Herr: Diese Stadt wird ganz sicher dem Heer des Königs von Babel in die Hände fallen, und er wird sie erobern.
Darauf sagten die Beamten zum König: Dieser Mann muß mit dem Tod bestraft werden; denn er lähmt mit solchen Reden die Hände der Krieger, die in dieser Stadt noch übriggeblieben sind, und die Hände des ganzen Volkes. Denn dieser Mensch sucht nicht Heil, sondern Unheil für dieses Volk.
Der König Zidkija erwiderte: Nun, er ist in eurer Hand; denn der König vermag nichts gegen euch.
Da ergriffen sie Jeremia und warfen ihn in die Zisterne des Prinzen Malkija, die sich im Wachhof befand; man ließ ihn an Stricken hinunter. In der Zisterne war kein Wasser, sondern nur Schlamm, und Jeremia sank in den Schlamm.
Der Kuschiter Ebed-Melech, ein Höfling, der im königlichen Palast bedienstet war, hörte, daß man Jeremia in die Zisterne geworfen hatte. Während der König sich am Benjamintor aufhielt, verließ Ebed-Melech den Palast und sagte zum König:
Mein Herr und König, schlecht war alles, was diese Männer dem Propheten Jeremia angetan haben; sie haben ihn in die Zisterne geworfen, damit er dort unten verhungert. Denn es gibt in der Stadt kein Brot mehr.
Da befahl der König dem Kuschiter Ebed-Melech: Nimm dir von hier drei Männer mit, und zieh den Propheten Jeremia aus der Zisterne herauf, bevor er stirbt.
Ebed-Melech nahm die Männer mit sich und ging zum Königspalast in die Kleiderkammer des Vorratshauses. Dort holte er Stücke von abgelegten und zerrissenen Kleidern und ließ sie an Stricken zu Jeremia in die Zisterne hinunter.
Dann rief der Kuschiter Ebed-Melech Jeremia zu: Leg die Stücke der abgelegten und zerrissenen Kleider in deine Achselhöhlen unter die Stricke! Jeremia tat es.
Nun zogen sie Jeremia an den Stricken hoch und brachten ihn aus der Zisterne herauf. Von da an blieb Jeremia im Wachhof.


Antwortpsalm am 20. Sonntag im Jahreskreis (C)
Ps 40,2-4b. 18

R O Gott, komm mir zu Hilfe,
Herr, eile, mir zu helfen. – R

Ich hoffte, ja ich hoffte auf den Herrn.
Da neigte er sich mir zu und hörte mein Schreien.
Er zog mich herauf aus der Grube des Grauens,
aus Schlamm und Morast. - (R)

Er stellte meine Füße auf den Fels,
machte fest meine Schritte.
Er legte mir ein neues Lied in den Mund,
einen Lobgesang auf ihn, unsern Gott. - (R)

Ich bin arm und gebeugt;
der Herr aber sorgt für mich.
Meine Hilfe und mein Retter bist du.
Mein Gott, säume doch nicht! - R


2. Lesung vom 20. Sonntag im Jahreskreis, Lesejahr C:
Hebr 12,1-4

Lesung aus dem Hebräerbrief:

Schwestern und Brüder!
Da uns eine solche Wolke von Zeugen umgibt,
wollen auch wir alle Last und die Fesseln der Sünde abwerfen.
Laßt uns mit Ausdauer in dem Wettkampf laufen,
der uns aufgetragen ist,
und dabei auf Jesus blicken,
den Urheber und Vollender des Glaubens;
er hat angesichts der vor ihm liegenden Freude
das Kreuz auf sich genommen,
ohne auf die Schande zu achten,
und sich zur Rechten von Gottes Thron gesetzt.
Denkt an den,
der von den Sündern solchen Widerstand gegen sich erduldet hat;
dann werdet ihr nicht ermatten
und den Mut nicht verlieren.
Ihr habt im Kampf gegen die Sünde
noch nicht bis aufs Blut Widerstand geleistet.



Im Kapitel 11 des Hebräerbriefes wird eine lange Reihe beispielhaften Glaubens (vgl. 19. Sonntag) angeführt. Die Lesung des 20. Sonntags bildet die Überleitung zu den abschließenden Mahnungen des Briefes. Der Verfasser möchte mit allen aufbietbaren Kräften seine Adressaten zu einem Leben aus dem Glauben anfeuern. Er vergleicht ihre Aufgabe mit der von Läufern in einem Wettkampf. Die aufgezählten Glaubenszeugen bildendie Zuschauerschaft. Die Läufer haben alles, was sie behindern könnte - es sind das die Fesseln der Sünde - abzuwerfen. Ihr Vorbild ist Jesus, der bereit war, das Kreuz auf sich zu nehmen. Der Blick auf Jesus wird ihnen die Kraft geben, daß sie nicht ermatten.


Ruf vor dem Evangelium am 20. Sonntag im Jahreskreis (C)
Joh 10,27

Halleluja. Halleluja.

(So spricht der Herr:)
Meine Schafe hören auf meine Stimme;
ich kenne sie, und sie folgen mir.

Halleluja.


Evangelium vom 20. Sonntag im Jahreskreis, Lesejahr C:
Lk 12,49-53

Aus dem heiligen Evangelium nach Lukas:

In Jener zeit sprach jesus zu seinen Jüngern:
Ich bin gekommen,
um Feuer auf die Erde zu werfen.
Wie froh wäre ich, es würde schon brennen!
Ich muß mit einer Taufe getauft werden,
und ich bin sehr bedrückt,
solange sie noch nicht vollzogen ist.
Meint ihr, ich sei gekommen,
um Frieden auf die Erde zu bringen?
Nein, sage ich euch, nicht Frieden, sondern Spaltung.
Denn von nun an wird es so sein:
Wenn fünf Menschen im gleichen Haus leben,
wird Zwietracht herrschen:
Drei werden gegen zwei stehen
und zwei gegen drei,
der Vater gegen den Sohn
und der Sohn gegen den Vater,
die Mutter gegen die Tochter
und die Tochter gegen die Mutter,
die Schwiegermutter gegen ihre Schwiegertochter
und die Schwiegertochter gegen die Schwiegermutter.



Das Evangelium des 20. Sonntags paßt nicht ohne weiteres in die üblichen Vorstellungen von dem, was Christsein und Jüngerschaft bringen soll. Gerade diese Schwerverständlichkeit spricht dafür, daß es sich hier um eine Überlieferung handelt, die sehr nahe an das herankommt, was Jesus gepredigt hat. Wir müssen uns vor Augen halten, daß Jesus auf dem Weg nach Jerusalem ist und daß er dort die große Auseinandersetzung um seine Person erwartet. Was meint Jesus mit dem Feuer, das er auf die Erde werfen will? Mehrere Deutungen sind denkbar und sinnvoll: Er könnte vom Feuer des Geistes sprechen, das er nach seiner Auferstehung ausgießen wird; oder vom Evangelium, das es überall in der Welt zu entzünden gilt; oder vom Feuer des Gerichtes (im Gleichnis unmittelbar vorher geht es um die Wiederkehr des Herrn); im Blick auf die folgenden Verse könnte aber auch das Feuer des kommenden Leidens Jesu gemeint sein. Vielleicht setzen der Prediger Jesus und seine Überlieferer bewußt auf die Mehrdeutigkeit des Bildes Feuer. Ähnlich schwierig ist zu verstehen, was mit der "Taufe" gemeint ist. Jesus spielt wohl auf das kommende Leiden an. Ein Seitenblick auf Mk 10,38 zeigt, daß es diese Redeweise gab. Dort fragt Jesus die Jünger: "Könnt ihr den Becher trinken, den ich zu trinken haben werde, und mit der Taufe getauft werden, mit der ich mich werde taufen lassen müssen?". Schließlich zeigt auch noch das Wort von der Zwietracht - es greift eine Redeweise aus dem Buch Micha (7,6) auf - daß es in diesen Versen um die Stellungnahme für oder gegen die Person Jesu geht. An seiner Person werden sich die Geister scheiden.