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Lesungen 21.08.2016


1. Lesung vom 21. Sonntag im Jahreskreis, Lesejahr C:
Jes 66,18-21

Lesung aus dem Buch Jesaja:

So spricht der Herr:
Ich kenne ihre Taten und ihre Gedanken
und komme, um die Völker aller Sprachen zusammenzurufen,
und sie werden kommen und meine Herrlichkeit sehen.
Ich stelle bei ihnen ein Zeichen auf
und schicke von ihnen einige, die entronnen sind,
zu den übrigen Völkern und zu den fernen Inseln,
die noch nichts von mir gehört
und meine Herrlichkeit noch nicht gesehen haben.
Sie sollen meine Herrlichkeit unter den Völkern verkünden.
Sie werden aus allen Völkern
eure Brüder als Opfergabe für den Herrn herbeiholen
auf Rossen und Wagen,
in Sänften, auf Maultieren und Dromedaren,
her zu meinem heiligen Berg nach Jerusalem,
spricht der Herr,
so wie die Söhne Israels ihr Opfer in reinen Gefäßen
zum Haus des Herrn bringen.
Und auch aus ihnen werde ich Männer
als Priester und Leviten auswählen,
spricht der Herr.



Die Lesung aus dem dritten Teil des Buches Jesaja ("Tritojesaja", Jes 55-66) schenkt uns einen Blick in die prophetische Verkündigung der nachexilischen Zeit. Wie bescheiden war doch der Neuanfang nach der babylonischen Ära, die so tiefe Spuren hinterlassen hatte - Spuren in den Biographien, aber auch in den Dörfern und Landschaften der alten Heimat. Vieles war kaputt gegangen. Auch Hoffnungen waren zerbrochen. Mit ihnen der Glaube vieler. Doch der Prophet, geistig verwandt mit seinen Vorgängern, spiegelt nicht nur die Enttäuschungen und Anstrengungen, sondern wagt einen weiten Blick. Jahwe ruft alle Völker zusammen. Sie werden kommen und seine Herrlichkeit sehen. Gemeint ist auch, dass sein Volk in einem neuen Licht erscheint. Niederlage und Schmach sind verwandelt. Schon der zweite Jesaja ("Deuterojesaja", Jes 40-54) hatte in der Verbannung unter den Exilierten die alten Verheißungen neu ausgelegt. In einer Vision sieht er die Völker zum Zion wallfahren. Jahwe versammelt die ganze Welt um sich. Die (Götter der) Völker können keine Einwände erheben. Beim dritten Jesaja fällt besonders auf, wie sensibel er die Zerstreuung (Diaspora) wahrnimmt, die für viele Menschen seines Volkes inzwischen die Lebensperspektiven bestimmt. Sie leben unter den anderen Völkern. Ein Phänomen, das die jüdische Geschichte bis in die Gegenwart bestimmt. Für diese Menschen sieht der Prophet den Auftrag Jahwes, seine Größe unter den Völkern zu verkünden. Für sie bewahrt er aber auch die Hoffnung einer prächtigen Rückkehr auf. Israel, das an lange und beschwerliche Fußmärsche zurückdenkt und an Trennungen, die Familien und Dörfer zerrissen haben, sieht sich in Jerusalem zusammenkommen. Das Ziel: Gottes heiliger Berg, der Zion. Der Schlusssatz enthüllt, dass Jahwe auch Menschen, die nicht mehr in ihrer alten Heimat mit ihren Überlieferungen zu Hause sind, in seinen Dienst beruft. Der Prophet greift das Bild einer Opferprozession auf, die neue Züge bekommt Die Brüder aus der Fremde werden als Opfergabe für Jahwe vorgestellt. Es ist eine mutige Verkündigung, für Menschen in historischen Umbrüchen Bund und Treue Jahwes auszulegen.


Die vorliegenden Verse wurden redaktionell angefügt, um das Gesamtbuch abzuschließen. Alle Völker werden sich bekehren und die Verstreuten Israels nach Jerusalem als Opfergabe für Gott zurückführen, aber die ewigen Verheißungen empfängt Israel. Zwei Bewegungen greifen hier ineinander: Die exklusive Erwählung des Volkes Israel durch den Herrn und das alle Völker der Erde einschließende Schauen der Herrlichkeit Gottes. Mehrfach geht es bei Jesaja darum, dass alle Völker sich zu Gott bekehren, ja dass die ersten "Missionare" Gottes, von denen in Jes 66,19 die Rede ist, Heiden waren. Das Motiv, dass Jerusalem den Mittelpunkt des messianischen Reiches und somit auch den Mittelpunkt aller Völker bildet, findet sich bereits in Jes 2,3. In Jes 25,6 wird für alle Völker auf dem Berg Zion ein Festmahl gegeben, und auch in Jes 60,3 wandern alle Völker zum Licht des Herrn. Wenn Jesus davon spricht, dass man aus allen Himmelsrichtungen kommen und im Reich Gottes zu Tisch sitzen wird (vgl. Lk 13,29), dann ist eine Assoziation zum Jesajabuch nicht ausgeschlossen. Die Botschaft vom Reich Gottes geht in die ganze Welt. Gott kennt die Gedanken der Völker aller Sprachen (vgl. Jes 66,18). Entscheidend ist und bleibt, dass auch die Menschen sein Wirken in der Geschichte wahrzunehmen wissen und das eigene Handeln danach ausrichten. Armin Hoppe


Die Lesung ist dem Schluss des Tritojesaja (Jes 56-66) entnommen. Von 56,1-8 ist der Bogen gespannt nach 66,18-24; das Grundthema ist die Verheißung Jahwes, sein Volk zu versammeln aus allen Völkern. Nach den Worten vom Gericht durch das Feuer Jahwes (66,16), das zum vorangegangenen Sonntag passt (vgl. Lk 12,49-53 vom 20. Sonntag im Jahreskreis), ist das Hauptmotiv der letzten Verse des Jesaja das "Kommen": der Herr wird kommen - und die Völker werden zum Herrn kommen. Es ist der große Schluss des apokalyptischen Gerichtes: Der Herr schickt Missionare aus, um allen Völkern seine Herrlichkeit bekanntzumachen und um alle Völker zusammenzuholen. Diese kommen und beten an. Die, die zuvor verfolgt waren, werden am Ende triumphieren über ihre Verfolger (vgl. Vers 24). Es sollten alle Schlussverse (18-24) (siehe ungekürzte Fassung) gelesen werden, trotz der abschreckenden Schlußworte in Vers 24; die große jüdische Tradition wiederholt Vers 23 nach Vers 24, um in positiver Grundstimmung zu schließen.


Erweiterte Fassung der
1. Lesung vom 21. Sonntag im Jahreskreis, Lesejahr C:
Jes 66,18-24

Lesung aus dem Buch Jesaja:

So spricht der Herr:
Ich kenne ihre Taten und ihre Gedanken
und komme, um die Völker aller Sprachen zusammenzurufen,
und sie werden kommen und meine Herrlichkeit sehen.
Ich stelle bei ihnen ein Zeichen auf
und schicke von ihnen einige, die entronnen sind,
zu den übrigen Völkern und zu den fernen Inseln,
die noch nichts von mir gehört
und meine Herrlichkeit noch nicht gesehen haben.
Sie sollen meine Herrlichkeit unter den Völkern verkünden.
Sie werden aus allen Völkern
eure Brüder als Opfergabe für den Herrn herbeiholen
auf Rossen und Wagen,
in Sänften, auf Maultieren und Dromedaren,
her zu meinem heiligen Berg nach Jerusalem,
spricht der Herr,
so wie die Söhne Israels ihr Opfer in reinen Gefäßen
zum Haus des Herrn bringen.
Und auch aus ihnen werde ich Männer
als Priester und Leviten auswählen,
spricht der Herr.
Wie der neue Himmel und die neue Erde,
die ich erschaffe,
vor mir stehen - Spruch des Herrn -,
so wird euer Stamm und euer Name dastehen. 
An jedem Neumond und an jedem Sabbat
wird alle Welt kommen, um mir zu huldigen,
spricht der Herr. 
Dann wird man hinausgehen,
um die Leichen derer zu sehen,
die sich gegen mich aufgelehnt haben.
Denn der Wurm in ihnen wird nicht sterben,
und das Feuer in ihnen wird niemals erlöschen;
ein Ekel sind sie für alle Welt.


Antwortpsalm am 21. Sonntag im Jahreskreis (C)
Ps 117,1-2

R Geht hinaus in die ganze Welt,
und verkündet allen das Evangelium! – R

(Oder: Halleluja.)

Lobet den Herrn, alle Völker,
preist ihn, alle Nationen! - (R)

Denn mächtig waltet über uns seine Huld,
die Treue des Herrn währt in Ewigkeit. - R


2. Lesung vom 21. Sonntag im Jahreskreis, Lesejahr C:
Hebr 12,5-7. 11-13

Lesung aus dem Hebräerbrief:

Ihr habt die Mahnung vergessen,
die euch als Söhne anredet:
Mein Sohn, verachte nicht die Zucht des Herrn,
verzage nicht, wenn er dich zurechtweist.
Denn wen der Herr liebt, den züchtigt er;
er schlägt mit der Rute jeden Sohn, den er gern hat.
Haltet aus, wenn ihr gezüchtigt werdet.
Gott behandelt euch wie Söhne.
Denn wo ist ein Sohn, den sein Vater nicht züchtigt?
Jede Züchtigung scheint zwar für den Augenblick
nicht Freude zu bringen, sondern Schmerz;
später aber schenkt sie denen,
die durch diese Schule gegangen sind,
als Frucht den Frieden und die Gerechtigkeit.
Darum macht die erschlafften Hände wieder stark
und die wankenden Knie wieder fest,
und ebnet die Wege für eure Füße,
damit die lahmen Glieder nicht ausgerenkt,
sondern geheilt werden.



Die Lesung aus dem Hebräerbrief, der eigentlich überhaupt kein Brief ist, sondern eine breit angelegte Einführung in die Jesus-Geschichte für Menschen, die die jüdische Überlieferung gut kennen, bindet hier zwei Überlieferungen zusammen: aus der Weisheit Israels ("Sprüche") das Erziehungsideal - und aus der prophetischen Überlieferung die Gewissheit, dass Menschen wieder aufgerichtet werden (vgl. Jes 35,3). Als Ziel sieht der Hebräerbrief: Frieden und Gerechtigkeit. Unschwer ist zu erkennen, dass der unbekannte Verfasser den starken Menschen vor Augen hat, der - an Widerständen gereift - den Weg eines "Sohnes" zu gehen vermag. Und: Wir dürfen auch die "Tochter" im selben Atemzug nennen. Dass wir das aus der Spruchweisheit der hebräischen Bibel kommende Bild von der Züchtigung nicht mehr nachvollziehen können, gleichwohl im Hinterkopf haben, an Leiden reifen zu können, macht uns den Zugang zu dieser Lesung nicht leicht. Wichtig ist, in diesem Abschnitt die Zusage zu hören, Kinder Gottes zu sein. Die Aufforderung, erschlaffte Hände wieder stark und wankende Knie wieder festzumachen, kommt aus der Liebe und wird von ihr getragen. Es wird sehr darauf ankommen, den Hebräerbrief auch als Liebesbrief zu verstehen. Das Bild von der "Schule", das der Hebräerbrief aufgreift, ist als Lebensschule zu verstehen, in der wir das Leben lernen, die eigene Identität und gehbare Wege finden. Zwar hat der Hebräerbrief die Hände, Knie und Füße der Christen in seiner Gemeinde im Blick, nimmt aber die anderen Menschen darin auf.


Dass Erziehung etwas mit "Zucht" und "Züchtigung" zu tun hat, war durch die Jahrhunderte hindurch europäisches Allgemeingut. Das fing im Elternhaus an, wo geprügelt wurde, setzte sich in der Schule fort, wo "leichte Schläge auf den Hinterkopf" das Denkvermögen erhöhen sollten, und fand seine Fortsetzung im sogenannten "Zuchthaus", das als letzte Instanz (wenn alles vorhergehende Schlagen nichts genutzt hatte) noch einmal den Versuch startete, Verbrecher wieder in gute und "züchtige" Staatsbürger zu verwandeln. Von der "Zucht des Herrn" spricht der Hebräerbrief, und er setzt sich damit dem Verdacht aus, die antiautoritären Erziehungsvorstellungen seit den 1960er Jahren zu untergraben. Mittlerweile zeigt sich auch erziehungswissenschaftlich, dass weder das eine Extrem (Erziehung durch Zucht) noch das andere Extrem (Weglassen aller erzieherischen Maßnahmen) pädagogische Erfolge verspricht. Auch die Lesung spricht nicht nur von der (für die antike Vorstellung selbstverständlichen) Methode mit dem Rohrstock, sondern auch vom eigentlich Lernziel: Frieden und Gerechtigkeit. Entscheidend ist, dass die Verbindung zwischen Gott und den Menschen durch den Mittler Jesus Christus ein für allemal sicher geschlossen wurde (vgl. Hebr 7,26 f. und 9,11 f.). Sich an ihm zu orientieren und in seine Schule zu gehen, hilft jedem Menschen, das eigene Leben immer mehr von Christus her verwandeln und auch heilen zu lassen. Sich an Jesus zu orientieren bedeutet aber auch die Bereitschaft, den guten Wettkampf zu kämpfen und den Siegespreis davonzutragen (vgl. 1 Kor 9,24). Das beste Training für die Sache des Herrn besteht darin, sich von ihm die nötige Kraft schenken zu lassen, die die erschlafften Hände oder die wankenden Knie wieder fest und funktionstüchtig macht. Armin Hoppe


Im 3. Teil des Hebräerbriefs (10,32 - 13,25) geht es um das Standhalten in Prüfungen und Verfolgungen. Nachdem in 11,1 - 12,3 Vorbilder für den Glauben vorgestellt wurden (Abel, Henoch ... bis hin zu Jesus), wird in 12,4-11 die göttliche Erziehungsweisheit dargelegt und eine Begründung für mögliche Züchtigungen und Drangsal gegeben. Probleme könnten die Verse mit der Züchtigung des Sohnes durch die Rute bringen - sie passen nicht mehr zu heutigen Erziehungskonzepten. Daher sollten unbedingt auch die Verse 4 (- wo erklärt wird, um welchen Kampf es geht: nämlich um jenen gegen die Sünde) und 8-10 (siehe ungekürzte Fassung) gelesen werden, die Gott als den eigentlichen Erzieher hervorheben. Verstehen kann man 12,4-11 vor dem Hintergrund von 12,1-3 (vgl. 20. Sonntag im Jahreskreis): Jesus hat das Kreuz und die Schmach erduldet, damit wir in der Bedrängnis und im Kampf gegen die Sünde nicht ermatten. Der Sinn der Stelle ist nicht eine Verherrlichung von Drangsal, sondern eine realistische Sicht des Christseins: Es bedeutet nicht einen Schutz vor Leid, sondern Kraft im Leid. Die Verse 12-13 sind aus dem Abschnitt 12-17 entnommen, die einladen zur Mitverantwortung am seelsorglichen Wirken: Alle Gläubigen haben Verantwortung für die geistliche Gesundheit der Gemeinschaft.


Ungekürzte Fassung der
2. Lesung vom 21. Sonntag im Jahreskreis, Lesejahr C:
Hebr 12,4-13

Lesung aus dem Hebräerbrief:

Ihr habt im Kampf gegen die Sünde
noch nicht bis aufs Blut Widerstand geleistet,
Ihr habt die Mahnung vergessen,
die euch als Söhne anredet:
Mein Sohn, verachte nicht die Zucht des Herrn,
verzage nicht, wenn er dich zurechtweist.
Denn wen der Herr liebt, den züchtigt er;
er schlägt mit der Rute jeden Sohn, den er gern hat.
Haltet aus, wenn ihr gezüchtigt werdet.
Gott behandelt euch wie Söhne.
Denn wo ist ein Sohn, den sein Vater nicht züchtigt?
Würdet ihr nicht gezüchtigt,
wie es doch bisher allen ergangen ist,
dann wäret ihr nicht wirklich seine Kinder,
ihr wäret nicht seine Söhne.
Ferner:
An unseren leiblichen Vätern hatten wir harte Erzieher,
und wir achteten sie.
Sollen wir uns dann nicht erst recht
dem Vater der Geister unterwerfen
und so das Leben haben?
Jene haben uns für kurze Zeit
nach ihrem Gutdünken in Zucht genommen;
er aber tut es zu unserem Besten,
damit wir Anteil an seiner Heiligkeit gewinnen.
Jede Züchtigung scheint zwar für den Augenblick
nicht Freude zu bringen, sondern Schmerz;
später aber schenkt sie denen,
die durch diese Schule gegangen sind,
als Frucht den Frieden und die Gerechtigkeit.
Darum macht die erschlafften Hände wieder stark
und die wankenden Knie wieder fest,
und ebnet die Wege für eure Füße,
damit die lahmen Glieder nicht ausgerenkt,
sondern geheilt werden.


Ruf vor dem Evangelium am 21. Sonntag im Jahreskreis (C)
Joh 14, 6

Halleluja. Halleluja.

(So spricht der Herr:)
Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben.
Niemand kommt zum Vater außer durch mich.

Halleluja.


Evangelium vom 21. Sonntag im Jahreskreis, Lesejahr C:
Lk 13,22-30

Aus dem heiligen Evangelium nach Lukas:

Auf seinem Weg nach Jerusalem zog Jesus
von Stadt zu Stadt und von Dorf zu Dorf
und lehrte.
Da fragte ihn einer:
Herr, sind es nur wenige, die gerettet werden?
Er sagte zu ihnen:
Bemüht euch mit allen Kräften,
durch die enge Tür zu gelangen;
denn viele, sage ich euch,
werden versuchen hineinzukommen,
aber es wird ihnen nicht gelingen.
Wenn der Herr des Hauses aufsteht und die Tür verschließt,
dann steht ihr draußen, klopft an die Tür und ruft:
Herr, mach uns auf!
Er aber wird euch antworten:
Ich weiß nicht, woher ihr seid.
Dann werdet ihr sagen:
Wir haben doch mit dir gegessen und getrunken,
und du hast auf unseren Straßen gelehrt.
Er aber wird erwidern:
Ich sage euch, ich weiß nicht, woher ihr seid.
Weg von mir,
ihr habt alle Unrecht getan!
Da werdet ihr heulen und mit den Zähnen knirschen,
wenn ihr seht,
daß Abraham, Isaak und Jakob und alle Propheten
im Reich Gottes sind,
ihr selbst aber ausgeschlossen seid.
Und man wird von Osten und Westen
und von Norden und Süden kommen
und im Reich Gottes zu Tisch sitzen.
Dann werden manche von den Letzten die Ersten sein
und manche von den Ersten die Letzten.



In diesem Abschnitt aus dem Lukas-Evangelium sind drei Jesus-Worte aneinandergereiht, die - einzeln überliefert - bei Lukas überzeugend eine Einheit bilden und von ihm in sein Evangelium eingepasst werden (siehe die Stücke vorher und nachher). Einmal ist von der engen Tür die Rede - mit der Aufforderung, durch sie zu gehen. Viele würden es versuchen, ohne eine Chance zu haben, heißt es gleich im ersten Logion. Es ist also etwas Besonderes, durch die enge Tür Einlass zu finden. Im umfangreicheren Mittelteil wird das Tür-Thema variiert. Jetzt ist die Tür verschlossen. Die, die anklopfen, bleiben draußen - sehen aber, wer drinnen ist. Sie meinten, dazu zu gehören, verweisen auch darauf, gut bekannt zu sein - sehen sich jetzt aber verstoßen. Mit "Heulen" und mit "Zähnen knirschen" schließen Gerichtsgleichnisse. Ähnlichkeiten mit anderen Geschichten, die sich in der synoptischen Tradition finden, sind nicht zufällig und beabsichtigt. Im letzten Jesus-Wort kommen die Völker hinzu und sitzen im Reich Gottes zu Tisch. Das Logion greift - auch sprachlich - auf prophetische Überlieferung zurück. Gottes Reich wird als eine große Tischgemeinschaft vorgestellt. In vielen kleinen Mahlgemeinschaften, die Jesus gehalten hat, hatte diese Hoffnung eine erste Gestalt bekommen. Lukas hat hier kunstvoll Fäden verknüpft. Der rote Faden ist durchgängig zu erkennen: das Reich Gottes fällt nicht vom Himmel - und fällt auch nicht in den Schoß. Das Bild von der engen Tür deutet Anspannung, Engagement und "Ehrgeiz" an. Die Zusage ist, dass die enge Tür (noch) nicht verschlossen ist. Der weisheitliche Schlusssatz bindet die Jesus-Worte zusammen: Manche von den Letzten werden Erste sein, manchen von den Ersten Letzte. So vage die Formulierung ist: Niemand kommt automatisch in das Reich Gottes, es gibt keine angeborenen oder gewachsenen (Vor)Rechte und die Tischordnung birgt Überraschungen. Wie man durch die enge Tür kommt? Dazu bietet sich das ganze Evangelium als Führer an. Nach Lukas ist Jesus auf dem Weg nach Jerusalem. Von Stadt zu Stadt, von Dorf zu Dorf. Er lehrt, wie ein Mensch durch die enge Tür kommt - und geht selber den Weg zum Kreuz.


Es geht ums Ganze. Auch kurz vor zwölf ist die Bekehrung zum Herrn noch möglich. Unbequeme und quergehende Worte sind hier versammelt, die so gar nicht zu unserer oft auf Bequemlichkeit und Dienstleistungsservice bedachten Zeit passen wollen. Jesus droht in der Tat mit der Hölle. Aber eben nicht, um blinde Angst vor ihm (oder Wut auf ihn) zu entwickeln, sondern um an die Menschen zu appellieren, sich noch tatkräftiger für das Reich Gottes einzusetzen. Nach den "Türworten" von der engen bzw. von der verschlossenen Tür steht die großartige Verheißung, dass Menschen "von Osten und Westen und von Norden und Süden kommen und im Reich Gottes zu Tisch sitzen". Problem: Es sind vielleicht gerade die, die vorher nicht zum exklusiven Jüngerkreis gezählt haben, weil die ersten Vertrauten des Herrn aus vermeintlicher Heilsgewissheit zu viele überflüssige Pfunde angesammelt hatten und nun auf einmal zu den Letzten zählen. Christliches Engagement für das Reich Gottes bedeutet, den unnötigen Ballast abzuwerfen, der mir ein Hineinkommen durch die enge Tür erschwert. Wenn Christen zu unterscheiden lernen, was ihrem Leben nützt oder schadet, was einem Leben im und für das Reich Gottes zuträglich ist oder nicht, dann kann die von Jesus verordnete Entschlackungskur greifen und der aus der momentanen Bedürfnisberfriedigung und der bloßen "fun"-Mentalität resultierende Gleichgültigkeitsbierbauch abtrainiert werden. Armin Hoppe


Mit dieser Stelle beginnt im Lukasevangelium die dritte Reiseetappe auf dem Weg nach Jerusalem (vgl. 9,51; 10,38). Er greift hier die Thematik des vorangegangenen Kapitels auf (vgl. die letzten Sonntage): Wachsamkeit, letzte Frist vor dem Gericht, Kommen des Gottesreichs und führt sie in einer eschatologischen Mahnrede weiter. Lk hat hier mehrere Logien (Jesusworte) verbunden: Das Wort von der engen Tür (13,24); von der verschlossenen Tür (13,25-28) und jenes vom Kommen der Völker in das Reich (Vers 29). Lukas geht es in seinen eschatologischen Stellen um einen Aufruf zu entschlossenem Handeln in der letzten Stunde; die Gläubigen sollen handeln, solange es noch Zeit ist. - Denn irgendwann kommt der Zeitpunkt, wo die Türe dann verschlossen ist (Vers 25). Das bloße Kennen Jesu ohne daraus Konsequenzen für sein eigenes Leben zu ziehen ist zuwenig (Vers 26f). Der abschließende Vers ist hier nicht auf Juden/Heiden zu beziehen, sondern auf die Gemeinde der Christen selbst: Es gibt keinen Garantieschein für das Heil, deshalb ist Wachsamkeit und Handeln zur rechten Zeit gefordert.