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Lesungen 25.09.2016


1. Lesung vom 26. Sonntag im Jahreskreis, Lesejahr C:
Am 6,1a. 4-7

Lesung aus dem Buch Amos:

Weh den Sorglosen auf dem Zion
und den Selbstsicheren auf dem Berg von Samaria.
Ihr liegt auf Betten aus Elfenbein
und faulenzt auf euren Polstern.
Zum Essen holt ihr euch Lämmer aus der Herde
und Mastkälber aus dem Stall.
Ihr grölt zum Klang der Harfe,
ihr wollt Lieder erfinden wie David.
Ihr trinkt den Wein aus großen Humpen,
ihr salbt euch mit dem feinsten Öl
und sorgt euch nicht über den Untergang Josefs.
Darum müssen sie jetzt in die Verbannung,
allen Verbannten voran.
Das Fest der Faulenzer ist nun vorbei.



Im 8. Jahrhundert vor Christus, in der langen Regierungszeit König Jerobeams (784-744), erlebte das Nordreich Israel eine Zeit wirtschaftlicher und politischer Blüte. Der Prophet Amos, der aus dem Südreich Juda stammte, aber ausschließlich im Nordreich wirkte, war von Beruf Hirte und ein einfacher, wenn vielleicht auch begüterter Mann aus ländlichen Verhältnissen, der jeden Zusammenhang mit ekstatischen und berufsmäßigen Propheten ablehnte. Er sah hinter dem äußeren Glanz den inneren Verfall und bekämpfte in scharfen Worten den auch in den Reichsheiligtümern gepflegten Synkretismus, den seelenlosen Kult, den Luxus und die Schlemmerei, vor allem aber jede Form der Ausbeutung und des Unrechts zum Schaden der Armen und sozial Schwachen. Seine Grundforderung war die strenge Gerechtigkeit im privaten, geschäftlichen und öffentlichen Leben. Die Leute von Macht und Besitz haben zur Rechtfertigung ihres sorglosen Lebens auf die politische und wirtschaftliche Prosperität verwiesen, deren sich das Land nach ihrer Meinung erfreute. Amos sagt denen, die sorglos und selbstsicher mit Geld und Macht umgehen, das Gericht Gottes an. Mit der Wegführung wird dieser Lebensart ein Ende bereitet. Die Spitzen der Gesellschaft werden gebührendermaßen von dem Unglück am meisten betroffen.


Ungekürzte Fassung der
1. Lesung vom 26. Sonntag im Jahreskreis, Lesejahr C:
Am 6,1-7

Lesung aus dem Buch Amos:

Weh den Sorglosen auf dem Zion
und den Selbstsicheren auf dem Berg von Samaria.
Weh den Vornehmen des ersten unter den Völkern.
Weh denen, bei denen sich die Israeliten versammeln.
Zieht hinüber nach Kalne, und seht euch dort um!
Geht von da nach Hamat, in die große Stadt,
und steigt hinunter nach Gat, ins Land der Philister!
Seid ihr besser als diese Reiche?
Ist euer Gebiet größer als ihr Gebiet?
Ihr, die ihr den Tag des Unheils hinausschieben wollt,
führt die Herrschaft der Gewalt herbei.
Ihr liegt auf Betten aus Elfenbein
und faulenzt auf euren Polstern.
Zum Essen holt ihr euch Lämmer aus der Herde
und Mastkälber aus dem Stall.
Ihr grölt zum Klang der Harfe,
ihr wollt Lieder erfinden wie David.
Ihr trinkt den Wein aus großen Humpen,
ihr salbt euch mit dem feinsten Öl
und sorgt euch nicht über den Untergang Josefs.
Darum müssen sie jetzt in die Verbannung,
allen Verbannten voran.
Das Fest der Faulenzer ist nun vorbei.


Antwortpsalm am 26. Sonntag im Jahreskreis (C)
Ps 146,6-10

R Lobe den Herrn, meine Seele! – R

(Oder: Halleluja.)

Der Herr hat Himmel und Erde gemacht,
das Meer und alle Geschöpfe;
er hält ewig die Treue.
Recht verschafft er den Unterdrückten,
den Hungernden gibt er Brot;
der Herr befreit die Gefangenen. - (R)

Der Herr öffnet den Blinden die Augen,
er richtet die Gebeugten auf.
Der Herr beschützt die Fremden
und verhilft den Waisen und Witwen zu ihrem Recht. - (R)

Der Herr liebt die Gerechten,
doch die Schritte der Frevler leitet er in die Irre.
Der Herr ist König auf ewig,
dein Gott, Zion, herrscht von Geschlecht zu Geschlecht. - R


2. Lesung vom 26. Sonntag im Jahreskreis, Lesejahr C:
1 Tim 6,11-16

Lesung aus dem ersten Brief des Apostels Paulus an Timotheus:

Du aber, ein Mann Gottes,
strebe unermüdlich nach Gerechtigkeit, Frömmigkeit, Glauben,
Liebe, Standhaftigkeit und Sanftmut.
Kämpfe den guten Kampf des Glaubens,
ergreife das ewige Leben,
zu dem du berufen worden bist
und für das du vor vielen Zeugen
das gute Bekenntnis abgelegt hast.
Ich gebiete dir bei Gott,
von dem alles Leben kommt,
und bei Christus Jesus,
der vor Pontius Pilatus das gute Bekenntnis abgelegt hat
und als Zeuge dafür eingetreten ist:
Erfülle deinen Auftrag rein und ohne Tadel,
bis zum Erscheinen Jesu Christi, unseres Herrn,
das zur vorherbestimmten Zeit herbeiführen wird
der selige und einzige Herrscher,
der König der Könige und Herr der Herren,
der allein die Unsterblichkeit besitzt,
der in unzugänglichem Licht wohnt,
den kein Mensch gesehen hat
noch je zu sehen vermag:
Ihm gebührt Ehre und ewige Macht.
Amen.



Der erste und der zweite Brief an Timotheus und der Brief an Titus werden seit dem 18. Jahrhundert "Pastoralbriefe" genannt. Sie geben Anweisungen für die "Pastores", die "Hirten" und Leiter christlicher Gemeinden. Die paulinische Herkunft wird unter Exegeten nicht mehr für sicher gehalten. Die Pastoralbriefe könnte ein späterer, Paulus-begeisterter "Paulusschüler", verfaßt haben, der für eine veränderte Situation in der Kirche das Evangelium des Paulus verkünden wollte und der vielleicht um 100 in Kleinasien lebte. Timotheus wurde von Paulus in Ikonien bekehrt und war von der zweiten Missionsreise an sein ständiger Begleiter (vgl. Apg 16,1-3). Wegen seiner Hilfe in der schwierigen Missionsarbeit wird er vom Apostel sehr geschätzt. Die Überlieferung kennt ihn als ersten Bischof von Ephesus (vgl. 1 Tim1,3; 2 Tim 1,6). Zur Lesungsperikope: Angesichts der schweren Einbrüche des Irrglaubens in die Gemeinde, soll sich Timotheus im Glaubenskampf bewähren als Diener Christi an der Gemeinde. Paulus ist erschüttert, ihn trifft das Schicksal derer, die sich selbst und andere in den Untergang mit hineinziehen. Der Apostel spricht Timotheus als "Mann Gottes" an, weil er, wie die alttestamentlichen Propheten, in einem besonderes engen und nahen Verhältnis zu Gott steht, dem er durch Berufung (Taufe) und Amt (Weihe) sein ganzes Leben geweiht hat. Wie in einem Wettlauf soll er einem anderen Ziel nachjagen, jenen Tugenden, die sein Verhältnis zu Gott und den Menschen regeln. Denn Gott selbst hat Timotheus berufen und dieser hat mit seinem Bekenntnis geantwortet. Welches Bekenntnis hier gemeint ist – jener bei der Taufe oder jenes bei der Weihe - geht nicht eindeutig aus dem Text hervor. Timotheus soll sich nach Paulus in einem heiligen Lebenswandel das "Gebot", den christlichen Glauben, bewahren, und zwar bis zur Ankunft Christi im Weltgericht. Die Wiederkunft Christi wird als "Epiphanie" - Erscheinung - bezeichnet. Das Wann der Erscheinung kennt der Mensch nicht. Gott allein kennt den Zeitpunkt. Der Christ muß sie erwarten und stets bereit sein. Die Mahnung des Apostels klingt aus in einem Lobpreis Gottes. Vor Gott kann keine irdische Macht bestehen. Gott allein besitzt Unsterblichkeit und wohnt in unzugänglichem Lichte. Damit ist er jeder menschlichen Erkenntnis unerreichbar, wenn nicht Gottes Gnade den Menschen selbst zu Licht emporhebt. Am Ende steht ein Lobwort, in dem die ewige und unbeschränkte Macht Gottes hervorgehoben wird.


Ruf vor dem Evangelium am 26. Sonntag im Jahreskreis (C)
2 Kor 8,9

Halleluja. Halleluja.

Jesus Christus, der reich war,
wurde aus Liebe arm.
Und durch seine Armut hat er uns reich gemacht.

Halleluja.


Evangelium vom 26. Sonntag im Jahreskreis, Lesejahr C:
Lk 16,19-31

Aus dem heiligen Evangelium nach Lukas:

In jener Zeit sprach Jesus:
Es war einmal ein reicher Mann,
der sich in Purpur und feines Leinen kleidete
und Tag für Tag herrlich und in Freuden lebte.
Vor der Tür des Reichen aber
lag ein armer Mann namens Lazarus,
dessen Leib voller Geschwüre war.
Er hätte gern seinen Hunger mit dem gestillt,
was vom Tisch des Reichen herunterfiel.
Statt dessen kamen die Hunde
und leckten an seinen Geschwüren.
Als nun der Arme starb,
wurde er von den Engeln in Abrahams Schoß getragen.
Auch der Reiche starb und wurde begraben.
In der Unterwelt, wo er qualvolle Schmerzen litt,
blickte er auf und sah von weitem Abraham,
und Lazarus in seinem Schoß.
Da rief er:
Vater Abraham, hab Erbarmen mit mir,
und schick Lazarus zu mir;
er soll wenigstens die Spitze seines Fingers ins Wasser tauchen
und mir die Zunge kühlen,
denn ich leide große Qual in diesem Feuer.
Abraham erwiderte:
Mein Kind, denk daran,
daß du schon zu Lebzeiten deinen Anteil am Guten erhalten hast,
Lazarus aber nur Schlechtes.
Jetzt wird er dafür getröstet, du aber mußt leiden.
Außerdem ist zwischen uns und euch
ein tiefer, unüberwindlicher Abgrund,
so daß niemand von hier zu euch
oder von dort zu uns kommen kann,
selbst wenn er wollte.
Da sagte der Reiche:
Dann bitte ich dich, Vater,
schick ihn in das Haus meines Vaters!
Denn ich habe noch fünf Brüder.
Er soll sie warnen,
damit nicht auch sie an diesen Ort der Qual kommen.
Abraham aber sagte:
Sie haben Mose und die Propheten,
auf die sollen sie hören.
Er erwiderte:
Nein, Vater Abraham,
nur wenn einer von den Toten zu ihnen kommt,
werden sie umkehren.
Darauf sagte Abraham:
Wenn sie auf Mose und die Propheten nicht hören,
werden sie sich auch nicht überzeugen lassen,
wenn einer von den Toten aufersteht.



Das Gleichnis vom reichen Mann und vom armen Lazarus bildet den Höhepunkt der Kritik Jesu am Verhalten der reichen, angeblich gesetzeseifrigen Gegner - im Lukasevangelium eine Anklage gegen die als "geldgierig" bekannten Gegner der Christen und eine Erklärung, warum gerade diese das Evangelium von der Auferstehung Christi nicht annehmen. Die Perikope hat den Charakter einer Lehrerzählung. Ihr Schwerpunkt ist die Warnung davor, durch ein gesetzeswidriges Leben als "Reicher" taub zu werden für die Botschaft dessen, der von den Toten erstanden ist, ohne damit grundsätzlich jeden Besitz zu verwerfen. Reichtum macht blind für die Armen "vor der Tür" und führt letztlich zur Isolation, nicht zuletzt deshalb, weil er das Herz verschließt für die Botschaft der Propheten und für die Verkündigung der Auferstehung. Im ersten Teil hat der Evangelist wahrscheinlich eine vorgegebene Beispielgeschichte aufgenommen. Es gibt eine Parallele in einem ägyptischen Märchen. Möglicherweise hat die Urkirche, wenn nicht sogar Jesus selbst, ein solches durch erzählerisches Ausmalen erweitert. Inwieweit dem zweiten Teil eine Vorlage zugrunde liegt, ist schwer zu bestimmen. Die abschließende Bemerkung, selbst ein von den Toten Auferstandener vermöge nicht zu überzeugen, bildet in etwa eine Parallele zu der Lazarusgeschichte (vgl. Joh 11). Diese Verwandtschaft und die für ein Gleichnis ungewöhnliche Namensnennung legt den Schluß nahe: Lukas hat hier das ihm vorgegebene Gleichnis vom Armen und Reichen zur Illustration des Unglaubens der Reichen ergänzt, und zwar unter Verwendung einer ihm bekannten Lazarusüberlieferung. In scharfem Kontrast zu den knappen Angaben über das luxuriöse Leben des Reichen steht die ausführliche Beschreibung der Not des vor seiner Tür liegenden Armen, der sich selbst und den herumstreunenden Hunden überlassen ist. Der Name "Lazarus" (= "Eleazar") heißt: "dem Gott hilft". (Von diesem Namen leitet sich die Bezeichnung "Lazarett" ab.)