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Lesungen 09.10.2016


1. Lesung vom 28. Sonntag im Jahreskreis, Lesejahr C:
2 Kön 5,14-17

Lesung aus dem zweiten Buch der Könige:

In jenen Tagen ging Naaman, der Syrer, zum Jordan hinab
und tauchte siebenmal unter,
wie ihm der Gottesmann befohlen hatte.
Da wurde sein Leib gesund wie der Leib eines Kindes,
und er war rein.
Nun kehrte er mit seinem ganzen Gefolge zum Gottesmann zurück,
trat vor ihn hin und sagte:
Jetzt weiß ich,
daß es nirgends auf der Erde einen Gott gibt außer in Israel.
So nimm jetzt von deinem Knecht ein Dankgeschenk an!
Elischa antwortete:
So wahr der Herr lebt, in dessen Dienst ich stehe:
Ich nehme nichts an.
Auch als Naaman ihn dringend bat,
es zu nehmen, lehnte er ab.
Darauf sagte Naaman:
Wenn es also nicht sein kann,
dann gebe man deinem Knecht so viel Erde,
wie zwei Maultiere tragen können;
denn dein Knecht wird keinem andern Gott mehr
Brand- und Schlachtopfer darbringen als Jahwe allein.



Die gehörte Begebenheit bildet den Abschluss einer Heilungsgeschichte (vgl. "Ungekürzte Fassung" 2 Kön 5,1-27). Der Geheilte hatte sich zu waschen und anchliessend eigentlich den Priestern vorzustellen, die hier durch den Propheten vertreten werden. So tut es der Soldat Naaman. Ein paar Auffälligkeiten in der Geschichte: Naaman ist Syrer und damit für Elischa ein Fremder. Somit wird die Universalität des Heilsangebotes Gottes sichtbar. Naaman, so heißt es in den Versen zuvor, will sich zunächst weigern, das einfache Prozedere des Eintauchens durchzuführen und erwartet eine strengere Behandlung. Als die Heilung gelingt, wird er zum über die Massen dankbaren Anhänger Jahwes und damit als Beispiel eines zum Glauben Bekehrten. Durch die Ablehnung der Geschenke macht Elischa deutlich, dass nicht er, sondern Gott der Handelnde ist und jener, dem der Dank gebührt. Naaman hat damit noch Mühen.


Das deuteronomistische Geschichtswerk (Josua bis 2Kön) enthält sehr alte Erzählungen, darunter auch die beiden großen Prophetenzyklen über Elija und Elischa. Die eigentliche und wichtigste Funktion dieser Propheten war es, ein Korrektiv für die Herrscher zu sein, ihre Gottesfürchtigkeit einzufordern, auf die Beachtung der Gebote zu sehen. Die vielen Wunder, die von Elischa berichtet werden, fallen in diesem Zusammenhang auf. Auch sie stehen im Dienst seiner prophetischen Verkündigung: Es geht darum, Gottes Einzigartigkeit zu erweisen. Die vorliegende Perikope ist der Heilungserzählung des Aramäers Naaman entnommen (2 Kön 5,1-27 - siehe "ungekürzte Fassung"): Er ist ein Heide, der vom Propheten geheilt wird und so zum Bekenntnis zum Gott Israels kommt. Gottes Heil ist also nicht nur für Israel da, sondern für alle Völker (vgl. Gen 12,3; Jes 2,1-5; Sach 2,15 u.a.).


Alternative Fassung der
1. Lesung vom 28. Sonntag im Jahreskreis, Lesejahr C:
2 Kön 5,10-17

Ein jüdisches Dienstmädchen empfiehlt ihrer heidnischen Herrin, ihr schwerkranker Mann Naaman könne durch jüdische Propheten geheilt werden. Naaman macht sich auf den Weg und landet vor dem Haus des Gottesmannes Elischa.

Lesung aus dem zweiten Buch der Könige

Da sandte Elischa einen Boten zu Naaman und ließ ihm sagen: Geh hin und wasche dich siebenmal im Jordan, so wird dir dein Fleisch wieder heil und du wirst rein werden.
Da wurde Naaman zornig und zog weg und sprach: Ich meinte, er selbst sollte zu mir herauskommen und hertreten und den Namen des Herrn, seines Gottes, anrufen und seine Hand hin zum Heiligtum erheben und mich so von dem Aussatz befreien. Sind nicht die Flüsse von Damaskus, Abana und Parpar, besser als alle Wasser in Israel, sodass ich mich in ihnen waschen und rein werden könnte? Und er wandte sich und zog weg im Zorn.
Da machten sich seine Diener an ihn heran, redeten mit ihm und sprachen: Lieber Vater, wenn dir der Prophet etwas Großes befohlen hätte, hättest du es nicht getan? Wie viel mehr, wenn er zu dir sagt: Wasche dich, so wirst du rein!
Da stieg er ab und tauchte unter im Jordan siebenmal, wie der Mann Gottes geboten hatte. Und sein Fleisch wurde wieder heil wie das Fleisch eines jungen Knaben und er wurde rein.
Und er kehrte zurück zu dem Mann Gottes mit allen seinen Leuten. Und als er hinkam, trat er vor ihn und sprach: Siehe, nun weiß ich, dass kein Gott ist in allen Landen, außer in Israel; so nimm nun eine Segensgabe von deinem Knecht.
Elischa aber sprach: So wahr der Herr lebt, vor dem ich stehe: Ich nehme es nicht.
Und Naaman nötigte ihn, dass er es nehme; aber er wollte nicht.
Da sprach Naaman: Wenn nicht, so könnte doch deinem Knecht gegeben werden von dieser Erde eine Last, so viel zwei Maultiere tragen! Denn dein Knecht will nicht mehr andern Göttern opfern und Brandopfer darbringen, sondern allein dem Herrn.


Ungekürzte Fassung der
1. Lesung vom 28. Sonntag im Jahreskreis, Lesejahr C:
2 Kön 5,1-27

Lesung aus dem zweiten Buch der Könige:

Naaman, der Feldherr des Königs von Aram,
galt viel bei seinem Herrn und war angesehen;
denn durch ihn hatte der Herr den Aramäern den Sieg verliehen.
Der Mann war tapfer, aber an Aussatz erkrankt.
Nun hatten die Aramäer bei einem Streifzug
ein junges Mädchen aus dem Land Israel verschleppt.
Es war in den Dienst der Frau Naamans gekommen.
Es sagte zu seiner Herrin:
Wäre mein Herr doch bei dem Propheten in Samaria!
Er würde seinen Aussatz heilen.
Naaman ging zu seinem Herrn und meldete ihm:
Das und das hat das Mädchen aus Israel gesagt.
Der König von Aram antwortete:
So geh doch hin;
ich werde dir ein Schreiben an den König von Israel mitgeben.
Naaman machte sich auf den Weg.
Er nahm zehn Talente Silber,
sechstausend Schekel Gold und zehn Festkleider mit
und überbrachte dem König von Israel das Schreiben.
Es hatte folgenden Inhalt:
Wenn jetzt dieser Brief zu dir gelangt, so wisse:
Ich habe meinen Knecht Naaman zu dir geschickt,
damit du seinen Aussatz heilst.
Als der König von Israel den Brief gelesen hatte,
zerriß er seine Kleider und rief:
Bin ich denn ein Gott, der töten und zum Leben erwecken kann?
Er schickt einen Mann zu mir, damit ich ihn von seinem Aussatz heile.
Merkt doch und seht, daß er nur Streit mit mir sucht.
Als der Gottesmann Elischa hörte,
der König von Israel habe seine Kleider zerrissen,
ließ er ihm sagen: Warum hast du deine Kleider zerrissen?
Naaman soll zu mir kommen;
dann wird er erfahren, daß es in Israel einen Propheten gibt.
So kam Naaman mit seinen Pferden und Wagen
und hielt vor dem Haus Elischas.
Dieser schickte einen Boten zu ihm hinaus und ließ ihm sagen:
Geh und wasch dich siebenmal im Jordan!
Dann wird dein Leib wieder gesund, und du wirst rein.
Doch Naaman wurde zornig.
Er ging weg und sagte:
Ich dachte, er würde herauskommen, vor mich hintreten,
den Namen Jahwes, seines Gottes, anrufen,
seine Hand über die kranke Stelle bewegen
und so den Aussatz heilen.
Sind nicht der Abana und der Parpar,
die Flüsse von Damaskus, besser als alle Gewässer Israels?
Kann ich nicht dort mich waschen, um rein zu werden?
Voll Zorn wandte er sich ab und ging weg.
Doch seine Diener traten an ihn heran und redeten ihm zu:
Wenn der Prophet etwas Schweres von dir verlangt hätte,
würdest du es tun;
wieviel mehr jetzt, da er zu dir nur gesagt hat:
Wasch dich, und du wirst rein.
So ging er also zum Jordan hinab und tauchte siebenmal unter,
wie ihm der Gottesmann befohlen hatte.
Da wurde sein Leib gesund wie der Leib eines Kindes,
und er war rein.
Nun kehrte er mit seinem ganzen Gefolge zum Gottesmann zurück,
trat vor ihn hin und sagte:
Jetzt weiß ich,
daß es nirgends auf der Erde einen Gott gibt außer in Israel.
So nimm jetzt von deinem Knecht ein Dankgeschenk an!
Elischa antwortete:
So wahr der Herr lebt, in dessen Dienst ich stehe:
Ich nehme nichts an.
Auch als Naaman ihn dringend bat, es zu nehmen, lehnte er ab.
Darauf sagte Naaman:
Wenn es also nicht sein kann,
dann gebe man deinem Knecht so viel Erde,
wie zwei Maultiere tragen können;
denn dein Knecht wird keinem andern Gott mehr
Brand- und Schlachtopfer darbringen als Jahwe allein.
Nur dies möge Jahwe deinem Knecht verzeihen:
Wenn mein Herr zur Anbetung in den Tempel Rimmons geht,
stützt er sich dort auf meinen Arm.
Ich muß mich dann im Tempel Rimmons niederwerfen,
wenn er sich dort niederwirft.
Dann möge das Jahwe deinem Knecht verzeihen.
Elischa antworte: Geh in Frieden!


Antwortpsalm am 28. Sonntag im Jahreskreis (C)
Ps 98,1-4

R Der Herr hat sein Heil enthüllt
vor den Augen der Völker. – R

Singet dem Herrn ein neues Lied;
denn er hat wunderbare Taten vollbracht.
Er hat mit seiner Rechten geholfen
und mit seinem heiligen Arm. - (R)

Der Herr hat sein Heil bekannt gemacht
und sein gerechtes Wirken enthüllt vor den Augen der Völker.
Er dachte an seine Huld
und an seine Treue zum Hause Israel. - (R)

Alle Enden der Erde
sahen das Heil unsres Gottes.
Jauchzt vor dem Herrn, alle Länder der Erde,
freut euch, jubelt und singt! - R


2. Lesung vom 28. Sonntag im Jahreskreis, Lesejahr C:
2 Tim 2,8-13

Lesung aus dem zweiten Brief des Apostels Paulus an Timotheus:

Denk daran, daß Jesus Christus, der Nachkomme Davids,
von den Toten auferstanden ist;
so lautet mein Evangelium,
für das ich zu leiden habe
und sogar wie ein Verbrecher gefesselt bin;
aber das Wort Gottes ist nicht gefesselt.
Das alles erdulde ich um der Auserwählten willen,
damit auch sie das Heil in Christus Jesus
und die ewige Herrlichkeit erlangen.
Das Wort ist glaubwürdig:
Wenn wir mit Christus gestorben sind,
werden wir auch mit ihm leben;
wenn wir standhaft bleiben,
werden wir auch mit ihm herrschen;
wenn wir ihn verleugnen,
wird auch er uns verleugnen.
Wenn wir untreu sind,
bleibt er doch treu,
denn er kann sich selbst nicht verleugnen.



Die Perikope aus dem 2. Timotheusbrief ruft die Menschen zur Standhaftigkeit notfalls bis zum Martyrium auf. Der Paulusschüler schreibt diese Ermahnungen vermutlich unter dem Eindruck des Martyriums des Paulus, der seine Missionsarbeit bis zum Äußersten vorangetrieben hat. Ende jeglichen Leidens ist die Anteilhabe an der Auferstehung. In dieser Hoffnung starb Paulus, diese Hoffnung sollen auch all seine Jünger/innen in sich tragen.


Die Perikope ist dem Zweiten Kapitel des zweiten Timotheusbriefes entnommen. in welchem der Apostelschüler zur Verkündigung des Evangeliums und zum Standhalten im Leiden aufgefordert wird. Die Auferstehung Jesu ist das Zentrum der Botschaft. Für diese Botschaft ist Paulus selbst bereit, die Gefangenschaft und das Leiden auf sich zu nehmen - und gerade durch seine Leiden glaubt er, die Gemeinden auferbauen zu können. Den Schluß der Ermahnung bildet ein Bekenntnis, vielleicht ein Teil eines alten Taufhymnus. Selbst wenn der Christ untreu wird, Christus bleibt treu. Das Versagen und die Schwäche findet Halt in der Treue und in der vergebenden Liebe Gottes.


Ruf vor dem Evangelium am 28. Sonntag im Jahreskreis (C)
1 Thess 5,18

Halleluja. Halleluja.

Dankt für alles; denn das will Gott von euch,
die ihr Christus Jesus gehört.

Halleluja.


Evangelium vom 28. Sonntag im Jahreskreis, Lesejahr C:
Lk 17,11-19

Aus dem heiligen Evangelium nach Lukas:

Auf dem Weg nach Jerusalem
zog Jesus durch das Grenzgebiet von Samarien und Galiläa.
Als er in ein Dorf hineingehen wollte,
kamen ihm zehn Aussätzige entgegen.
Sie blieben in der Ferne stehen und riefen:
Jesus, Meister, hab Erbarmen mit uns!
Als er sie sah, sagte er zu ihnen:
Geht, zeigt euch den Priestern!
Und während sie zu den Priestern gingen,
wurden sie rein.
Einer von ihnen aber kehrte um,
als er sah, daß er geheilt war;
und er lobte Gott mit lauter Stimme.
Er warf sich vor den Füßen Jesu zu Boden und dankte ihm.
Dieser Mann war aus Samarien.
Da sagte Jesus:
Es sind doch alle zehn rein geworden.
Wo sind die übrigen neun?
Ist denn keiner umgekehrt, um Gott zu ehren,
außer diesem Fremden?
Und er sagte zu ihm:
Steh auf und geh!
Dein Glaube hat dir geholfen.



Die Heilungsgeschichte nach Lukas hat nicht die Heilung selbst als Pointe. Das Heilungsgeschehen wird zur Nebensache und sogar noch verkürzt - von der üblichen Waschung ist keine Rede. Die Botschaft Jesu fokusiert den Kontrast zwischen dem Verhalten des Einen, der sogar in den Augen Jesu ein Fremder war, und der Neun. Diesem Einen hat sein Glaube geholfen. Fragen kommen auf: Was hat denn den Anderen geholfen - sie sind doch auch geheilt - was ist der Unterschied zum dem Einen? Jesus macht deutlich, dass nicht allein erlebtes Heil (das ja allen Menschen zuteil werden soll) seine Nachfolger kennzeichnet, sondern vielmehr die Reaktion auf dieses und der Umgang der Menschen mit den Gaben Gottes.


Nach der Einheit 16,1 - 17,10 (rechter und unrechter Umgang mit den Gütern dieser Welt) beginnt mit 17,11 die vierte Reiseetappe auf dem Weg Jesu nach Jerusalem (17,11 - 19,27). Lukas geht es in seinem "Reisebericht" nicht um eine genaue Reiseschilderung mit Ortsangaben, sondern um Theologie. Auch die runde Zahl 10 deutet auf eine "typische" Erzählung. Im Unterschied zur Aussätzigenheilung in Lk 5,12ff (Bitte - Berührung - Weg zum Priester) werden die Aussätzigen hier nicht berührt, sondern die Heilung erfolgt auf dem Weg zu den Behörden. Das "Umkehren" des einen ist wohl mehr als nur ein Zurückgehen. Die zentrale Botschaft ist nicht die Heilung, sondern der Glaube und die Dankbarkeit. Verschärft wird dies durch den Hinweis, daß es sich um einen Samaritaner handelt (womit sowohl die Dankbarkeit der "Ausländer" als auch die Undankbarkeit der eigenen Leute betont wird). Gerade der Fremdling wird zum Beispiel für den Glauben. Jesus bringt Heilung und Rettung - aber damit ist mehr gemeint als die körperliche Gesundung. Die Heilung der Aussätzigen ist auch eine gesellschaftliche Gesundung. Sie sind nicht mehr ausgeschlossen. Die eigentliche Heilung erfährt der eine: er kommt zum Glauben.


In diesem Abschnitt des sogenannten Reiseberichts im Lukasevangelium bewegt Jesus sich im Grenzgebiet von Samarien und Galiläa. Damit wird angedeutet, dass Jesu Wirken nicht nur seinem eigenen, dem jüdischen Volk gilt, sondern darüber hinaus auch den Menschen in Galiläa. Aussätzige galten zur Zeit Jesu als unrein, das heißt als Sünder, die von Gott durch ihre Krankheit bestraft und gezeichnet waren. Im Buch Levitikus ist genau festgeschrieben, wie mit diesen Menschen zu verfahren ist und wie sie sich zu verhalten haben: „Der Aussätzige … soll eingerissene Kleider tragen und das Kopfhaar ungepflegt lassen; er soll … ausrufen: Unrein! Unrein! Solange das Übel besteht, bleibt er unrein … Er soll abgesondert wohnen, außerhalb des Lagers soll er sich aufhalten.“ (Lev 13, 45f). So erlebten diese Menschen ständig, dass andere aus Angst vor Ansteckung und kultischer Unreinheit einen großen Bogen um sie machten oder sogar aggressiv reagierten. Zum Überleben waren sie auf die Barmherzigkeit einiger weniger angewiesen. Sie hatten nicht mehr viel zu verlieren und spürten, dass sie eigentlich kein Lebensrecht mehr hatten. Die Aussätzigen, die nun Jesus begegnen, bleiben zunächst vorschriftsgemäß stehen. Aber ihre Sehnsucht nach Heilung und Angenommen werden ist so groß, dass sie es wagen „Jesus, Meister, hab Erbarmen mit uns!“ zu rufen. Und Jesus reagiert ganz anders als es üblich ist: Er sieht sie an, sieht ihr Elend und spricht mit ihnen. Indem er die Kranken zu den Priestern schickt, die nach dem Gesetz eine Freiheit vom Aussatz offiziell bestätigen müssen, sagt Jesus ihnen zu, dass sie gesund und damit „rein“ sein werden. Der Vorgang der Heilung selbst bleibt in diesem Text nachrangig. Stattdessen wird der Blick auf die spontane Reaktion eines der Geheilten gelenkt: Er „kehrte um… und er lobte Gott mit lauter Stimme. Er warf sich vor den Füßen Jesu zu Boden und dankte ihm.“ (V. 15-16a). Seine tief empfundene Dankbarkeit drückt er also auf zweierlei Weise aus, sowohl Gott gegenüber als auch Jesus, in dem er Gottes heilende Kraft erfahren durfte. Gegen Ende der Erzählung wird deutlich, dass dieser vorbildlich Dankbare nicht nur als Aussätziger von der Gesellschaft ausgeschlossen war. Bei ihm handelt es sich um einen Samariter und damit gehört er zu einer von den Juden verachteten Volksgruppe. Anschließend wird der Kontrast zwischen dem Verhalten dieses Fremden (V. 18) und dem des eigenen Volkes durch eine rhetorische Frage noch stärker hervorgehoben: „Es sind doch alle zehn rein geworden. Wo sind die übrigen neun?“ (V. 17). Damit stellt Jesus diesen Ausländer und angeblichen Sünder seinen jüdischen Zuhörern als Vorbild eines Glaubenden hin. Mit dem Hinweis auf die heilende Kraft des eigenen Glaubens schickt Jesus diesen Geheilten in ein neues Leben. Claudia Simonis-Hippel, in: Bernhard Krautter/Franz-Josef Ortkemper (Hg.), Gottes Volk Lesejahr A/2014. Verlag Katholisches Bibelwerk, Stuttgart 2014, S. 112-119.