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Lesungen 30.10.2016


1. Lesung vom 31. Sonntag im Jahreskreis, Lesejahr C:
Weish 11,22 - 12,2

Lesung aus dem Buch der Weisheit

Herr,
die ganze Welt ist ja vor dir wie ein Stäubchen auf der Waage,
wie ein Tautropfen, der am Morgen zur Erde fällt.
Du hast mit allen Erbarmen, weil du alles vermagst,
und siehst über die Sünden der Menschen hinweg,
damit sie sich bekehren.
Du liebst alles, was ist,
und verabscheust nichts von allem, was du gemacht hast;
denn hättest du etwas gehaßt, so hättest du es nicht geschaffen.
Wie könnte etwas ohne deinen Willen Bestand haben,
oder wie könnte etwas erhalten bleiben,
das nicht von dir ins Dasein gerufen wäre?
Du schonst alles, weil es dein Eigentum ist,
Herr, du Freund des Lebens.
Denn in allem ist dein unvergänglicher Geist.
Darum bestrafst du die Sünder nur nach und nach;
du mahnst sie und erinnerst sie an ihre Sünden,
damit sie sich von der Schlechtigkeit abwenden
und an dich glauben, Herr.



In der Lesung aus dem Buch der Weisheit (Weisheit Salomos) wird für junge, gebildete Israeliten aus Alexandria in Ägypten die Frage beantwortet: Von welchem Gott reden wir und vor und mit welchem Gott leben wir. Das hellenistische Ideal von der Menschenfreundlichkeit des Königs als Nachahmer des menschenfreundlichen Gottes und Königs der Welt war eine Herausforderung für Israels Reden von Gott, der die Gegner seines Volkes straft und richtet. Die heutige Lesung mit ihrer Veranschaulichung der Handlungsweise des Gottes Israels gehört zu den schönsten Aussagen über Gott, die in der Bibel zu finden sind. Was das Weisheitsbuch in den kurzen Worten der Jugend vor 2000 Jahren vom Handeln und Wirken des menschenfreundlichen Gottes Israels zu sagen versucht hat, ist kostbares Erbe. Es trifft sich mit dem Evangelium vom Vater Jesu Christi, dessen Erbarmen und Menschenfreundlichkeit die Begegnung Jesu mit dem Zöllner Zachäus im Evangelium sichtbar macht.


Antwortpsalm am 31. Sonntag im Jahreskreis (C)
Ps 145,1-2. 8-11. 13c-14

R Ich will dich rühmen, mein Gott und König. - R
Ich will dich rühmen, mein Gott und König.
und deinen Namen preisen immer und ewig;
ich will dich preisen Tag für Tag
und deinen Namen loben immer und ewig. - (R)

Der Herr ist gnädig und barmherzig,
langmütig und reich an Gnade.
Der Herr ist gütig zu allen,
sein Erbarmen waltet über all seinen Werken. - (R)

Danken sollen dir, Herr, all deine Werke
und deine Frommen dich preisen.
Sie sollen von der Herrlichkeit deines Königtums reden,
sollen sprechen von deiner Macht. - (R)

Der Herr ist treu in all seinen Worten,
voll Huld in all seinen Taten.
Der Herr stützt alle, die fallen,
und richtet alle Gebeugten auf. - R


2. Lesung vom 31. Sonntag im Jahreskreis, Lesejahr C:
2 Thess 1,11 - 2,2

Lesung aus dem Zweiten Brief des Apostel Paulus an die Thessalonicher

Schwestern und Brüder!
Wir beten immer für euch,
daß unser Gott euch eurer Berufung würdig mache
und in seiner Macht allen Willen zum Guten
und jedes Werk des Glaubens vollende.
So soll der Name Jesu, unseres Herrn, in euch verherrlicht werden
und ihr in ihm,
durch die Gnade unseres Gottes und Herrn Jesus Christus.
Brüder,
wir schreiben euch über die Ankunft Jesu Christi, unseres Herrn,
und unsere Vereinigung mit ihm
und bitten euch:
Laßt euch nicht so schnell aus der Fassung bringen
und in Schrecken jagen,
wenn in einem prophetischen Wort oder einer Rede
oder in einem Brief, der angeblich von uns stammt,
behauptet wird, der Tag des Herrn sei schon da.



Da kein Mensch weiß, wann der Tag und die Stunde der Offenbarung des Menschensohnes sein wird, müssen alle Gläubigen geduldig warten und ausharren. Der Glaube ist immer gefährdet und so gilt es gerade in den Versuchungen und Bedrängnissen den Glauben zu bewahren. Wir tragen den Schatz der Erkenntnis in irdenen Gefäßen (vgl. 2 Kor 4,7). Das fürbittende Gebet um die Erhaltung des Glaubens der Gemeinde ist ein wesentlichen Aufgabe des Seelsorgers. Darum betet der Apostel Paulus, um die Bewahrung des Glaubens seiner Gemeinde, der er das Wort Gottes mitgeteilt hat. Mit dem 2 Kapitel beginnt der Hauptteil des Thessalonicherbriefes. Die in der Gemeinde aufgetretenen Missstände haben den Apostel veranlasst, den Brief zu schreiben. Nicht als Richter oder Herr der Gemeinde will er diese Frage aufgreifen, sondern als Bruder unter Brüdern. Aufgrund des herzlichen Einvernehmens möchte Paulus die freie Entscheidung der Gemeinde. Nicht näher genannte Umstände haben in der Kirche von Thessalonich zu einer schwärmerischen Naherwartung des Herrn geführt. Nüchternheit und Wachsamkeit - Grundhaltungen des Christen in der Welt - sind gefährdet. Am Ende des Kirchenjahres wird uns Christen die Spannung bewusst, in die wir hineingestellt sind. Die Gesichte der Welt und die eines jeden von uns hat ein Ziel: die Ankunft Jesu Christi. Über das Datum der Wiederkunft zu spekulieren macht wenig Sinn. Es kommt auf den Willen zum Guten und auf die Tat des Glaubens an.


Ruf vor dem Evangelium am 31. Sonntag im Jahreskreis (C)
Joh 3,16

Halleluja. Halleluja.

So sehr hat Gott die Welt geliebt,
dass er seinen einzigen Sohn hingab,
damit jeder, der an ihn glaubt, in ihm das ewige Leben hat.

Halleluja.


Evangelium vom 31. Sonntag im Jahreskreis, Lesejahr C:
Lk 19,1-10

Aus dem heiligen Evangelium nach Lukas:

In jener Zeit
kam er nach Jericho und ging durch die Stadt.
Dort wohnte ein Mann namens Zachäus;
er war der oberste Zollpächter und war sehr reich.
Er wollte gern sehen, wer dieser Jesus sei,
doch die Menschenmenge versperrte ihm die Sicht;
denn er war klein.
Darum lief er voraus und stieg auf einen Maulbeerfeigenbaum,
um Jesus zu sehen, der dort vorbeikommen mußte.
Als Jesus an die Stelle kam,
schaute er hinauf und sagte zu ihm:
Zachäus, komm schnell herunter!
Denn ich muß heute in deinem Haus zu Gast sein.
Da stieg er schnell herunter
und nahm Jesus freudig bei sich auf.
Als die Leute das sahen,
empörten sie sich und sagten:
Er ist bei einem Sünder eingekehrt.
Zachäus aber wandte sich an den Herrn und sagte:
Herr,
die Hälfte meines Vermögens will ich den Armen geben,
und wenn ich von jemand zu viel gefordert habe,
gebe ich ihm das Vierfache zurück.
Da sagte Jesus zu ihm:
Heute ist diesem Haus das Heil geschenkt worden,
weil auch dieser Mann ein Sohn Abrahams ist.
Denn der Menschensohn ist gekommen,
um zu suchen und zu retten, was verloren ist.



Verse 1 bis 4: Das letzte Stück des Weges Jesu nach Jerusalem beginnt (Lk 18,31 - 19,27). Jesus wird als Sohn Davids in Jerusalem einziehen. Durch die Heilung des Blinden und die Rettung des Zachäus wird am Beginn des letzten Wegstückes sichtbar, was das Geschehen in Jerusalem heilsgeschichtlich bedeutet. Auf dem Weg nach Jerusalem kommt Jesus in die Stadt Jericho, die Zollstation in der Araba war, eine Exportstadt für Balsam. Zachäus, der Oberzöllner hat die Grenz- und Marktzölle des Gebietes gepachtet und hebt sie durch Helfer ein. Er ist klein von Gestalt und sein Name heißt: "Gott ist eingedenk - Zacharias". In diesem Mann, der scheinbar ganz dem Geld lebt, lebt ein brennendes Verlangen, Jesus zu sehen (wie der Blinde Jesus hören will). Durch Sehen und Hören gelangt das Heil zum Menschen. Verse 5 bis 6: Jesus kennt das Verlangen des Zachäus. Während er zu Zachäus aufschaut, bricht für ihn das große heilsgeschichtliche Heute an. Und Jesus spricht den Zöllner mit seinem Namen an. Was dieser bedeutet, geht jetzt in Erfüllung: Gott gedenkt seiner und erbarmt sich. Verse 7 bis 8: Der jüdische Fromme hält mit Zöllnern und öffentlichen Sündern keine Tischgemeinschaft. Gottes Heilswillen stößt auf Unverständnis und Murren (Israel murrte in der Wüste, wenn Gott seinen Ansprüchen nicht entsprach). Jesus erfüllt den Willen Gottes und setzt sich über das Murren der Menschen hinweg. Er kehrt bei Zachäus ein und nimmt seine Umkahr an. Als Zeichen, dass seine Buße echt ist, gibt dieser die für die Armen bestimmte Summe. Verse 9 bis 10: Dem Haus des Zachäus ist Rettung (Heil) geworden. Was bei der Geburt Jesu den Hirten, die den Frommen ebenfalls als Sünder galten, verkündet wurde, ereignet sich beim Oberzöllner durch Jesu Wort. Auf dem Weg nach Jerusalem vollendet sich, was der Beginn der Heilszeit angekündigt hat: Die Sendung Jesu wird durch die Aufnahme der Sünder erfüllt. Gott hat ihn gesandt, dass er Rettung bringt, nicht Verderben; Heil, nicht Verdammung; Leben, nicht Tod.