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Lesungen 04.10.2016


Lesung am Fest des hl. Franz von Assisi:
Gal 6,14-18

Lesung aus dem Brief des Apostels Paulus an die Galater:

Ich aber will mich allein
des Kreuzes Jesu Christi, unseres Herrn, rühmen,
durch das mir die Welt gekreuzigt ist und ich der Welt.
Denn es kommt nicht darauf an,
ob einer beschnitten oder unbeschnitten ist,
sondern darauf, daß er neue Schöpfung ist.
Friede und Erbarmen komme über alle,
die sich von diesem Grundsatz leiten lassen,
und über das Israel Gottes.
In Zukunft soll mir niemand mehr solche Schwierigkeiten bereiten.
Denn ich trage die Zeichen Jesu an meinem Leib.
Die Gnade Jesu Christi, unseres Herrn,
sei mit eurem Geist, meine Brüder.
Amen.



Im Schlußwort des Briefes an die Galater, das Paulus "mit eigener Hand" dem seinem Schreiber diktierten Brief hinzufügt (Vers 11), greift der Apostel die Problematik wieder auf, die den ganzen Brief charakterisiert: Kreuz oder Beschneidung, Christusglaube oder Gesetz. Seine Gegner könnten Ruhm ernten, wenn ihre Forderung nach der Beschneidung Erfolg hätte. Der einzige Ruhm des Paulus ist das Kreuz Christi, und die Leidensgemeinschaft mit dem gekreuzigten Herrn ist sein Stigma (im Gegensatz zum Zeichen der Beschneidung). Für die ganze christliche Gemeinde, das Israel Gottes, ist das Kreuz Christi der Maßstab für den neuen Lebenswandel. Die sich von diesem Grundsatz leiten lassen, werden Frieden und Erbarmen erfahren.


Antwortpsalm am Fest des hl. Franz von Assisi
Ps 16,1-2. 5. 7-9. 11

R: Du, Herr, bist mein Anteil und Erbe. – R

Behüte mich, Gott, denn ich vertraue dir.
Ich sage zum Herrn: „Du bist mein Herr;
mein ganzes Glück bist du allein.“
Du, Herr, gibst mir das Erbe und reichst mir den Becher;
du hältst mein Los in deinen Händen. - (R)

Ich preise den Herrn, der mich beraten hat.
Auch mahnt mich mein Herz in der Nacht.
Ich habe den Herrn beständig vor Augen.
Er steht mir zur Rechten, ich wanke nicht. - (R)

Darum freut sich mein Herz und frohlockt meine Seele;
auch mein Leib wird wohnen in Sicherheit.
Du zeigst mir den Pfad zum Leben.
Vor deinem Angesicht herrscht Freude in Fülle,
zu deiner Rechten Wonne für alle Zeit. – R


Ruf vor dem Evangelium am Fest des hl. Franziskus
(Mt 11,25)

Halleluja. Halleluja.

Sei gepriesen, Vater, Herr des Himmels und der Erde;
du hast die Geheimnisse des Reiches den Unmündigen offenbart.

Halleluja.


Evangelium am Fest des hl. Franz von Assisi:
Mt 11,25-30

Aus dem heiligen Evangelium nach Matthäus:

In jener Zeit sprach Jesus:
Ich preise dich, Vater, Herr des Himmels und der Erde,
weil du all das den Weisen und Klugen verborgen,
den Unmündigen aber offenbart hast.
Ja, Vater, so hat es dir gefallen.
Mir ist von meinem Vater alles übergeben worden;
niemand kennt den Sohn, nur der Vater,
und niemand kennt den Vater, nur der Sohn
und der, dem es der Sohn offenbaren will.
Kommt alle zu mir,
die ihr euch plagt und schwere Lasten zu tragen habt.
Ich werde euch Ruhe verschaffen.
Nehmt mein Joch auf euch und lernt von mir;
denn ich bin gütig und von Herzen demütig;
so werdet ihr Ruhe finden für eure Seele.
Denn mein Joch drückt nicht,
und meine Last ist leicht.



Es sind drei Abschnitte in diesem Sonntagsevangelium zusammengefasst. Zum einen ist der Dank Jesu an den Vater in den Versen 25 - 27, dann die Einladung Jesu zur Ruhe in ihm und schließlich seine Aufforderung, sein Joch aufzunehmen. Im ersten Teil ist Gott der Ansprechpartner, im zweiten alle Glaubenden und im dritten die Jünger Jesu. Das heutige Evangelium hat in der Kirchengeschichte eine große Rolle gespielt. Am Vers 27 entschied sich die Frage, ob Jesus wahrer Gott und Mensch ist oder nicht. Wenn der Vater das Reich übergeben hat, ist dies dann ein Hinweis darauf, dass Jesus nicht von Anfang an als Sohn bei Gott war und daher seine Gottheit in Frage steht?


Die meisten Wunder Jesu ereigneten sich in dem kleinen Gebiet am Nordufer des Sees Genezareth um Kapernaum, Chorazin und Bethsaida. Die Bewohner dieser Gegend zeigten trotzdem nur sehr wenig Interesse an Jesus. Darum trifft sie die Drohrede Jesu unvermeidlich. Aber nicht alle versagen Jesus den Glauben. Die "Unmündigen" (nicht die Kinder, sondern die einfachen, kleinen Leute, die nicht viel gelten, aber ihr Vertrauen auf Gott setzen), nehmen die Offenbarung Gottes an. Die Worte Jesu enthalten zuerst dankenden Lobpreis (25.26), dann Selbstoffenbarung (27): Jesus ist der Menschensohn, dem alles übergeben ist und Gottes Sohn, der in einzigartiger Gemeinschaft mit seinem Vater lebt. Für die einfachen Menschen gilt seine Einladung. Ihnen, die ihre Lasten kaum mehr tragen können, gibt er Kraft, sodass sie nicht überfordert werden.


Der Lobpreis Jesu Verse 25-27 folgt unmittelbar auf die Weherufe in Verse 20-24. Ihm schließen sich die Verse 28-30, der Ruf an die Mühseligen und Beladenen an. V. 25 spiegelt wohl die Verkündigungssituation Jesu wider: Er wird von den Gelehrten abgelehnt, von den vielen aus dem Volk aber angenommen. V. 27 ist ein Offenbarungswort: Die Gotteserkenntnis ist hier an die Offenbarung (durch den Sohn, durch Jesus) gebunden. V. 28-30: Der, dem alles übergeben worden ist (V. 27) lädt nun alle zu sich ein. Die Einladung ergeht an die "Mühseligen und Beladenen" – damit sind wieder die Unmündigen von V. 25 aufgegriffen. Ihnen wird "Ruhe" verheißen (vgl. Jes 28,12). Es geht um das "Joch" des Gesetzes: Wer sich an Jesus und seine Weisung hält, trägt ein leichtes Joch. Jesus stellt den Menschen vor die Entscheidung. Der Mensch soll von Jesus lernen – aber nicht einzelne Sätze, sondern von seinem Leben. Die Grundstimmung der Perikope ist Freude über das Heil, das Jesus offenbart (vgl. auch Sach 9,9-10!).