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Lesungen 31.12.2018


Lesung zum Jahresschlussgottesdienst - Auswahl:
1 Kor 1,3-9

Lesung aus dem ersten Brief des Apostels Paulus
   an die Gemeinde in Korinth.

Gnade sei mit euch
   und Friede von Gott, unserem Vater,
   und dem Herrn Jesus Christus!
Ich danke meinem Gott jederzeit euretwegen
für die Gnade Gottes,
   die euch in Christus Jesus geschenkt wurde,
dass ihr an allem reich geworden seid in ihm,
   an aller Rede und aller Erkenntnis.
Denn das Zeugnis über Christus wurde bei euch gefestigt,
sodass euch keine Gnadengabe fehlt,
während ihr auf die Offenbarung unseres Herrn Jesus Christus wartet.
Er wird euch auch festigen bis ans Ende,
   sodass ihr schuldlos dasteht
   am Tag unseres Herrn Jesus Christus.
Treu ist Gott, durch den ihr berufen worden seid
   zur Gemeinschaft mit seinem Sohn Jesus Christus,
   unserem Herrn.



Wenngleich Paulus in diesem Brief viel Kritik üben und Ermahnungen geben muß (bezüglich Missstände und Spaltungen in der Gemeinde), die Gemeinde von Korinth an die rechte und gerechte Ordnung erinnert werden muss, stellt Paulus an den Beginn seines Briefes an die Korinther diesen Prolog des Zuspruches und der Erbauung: Die Gemeinde von Korinth ist reich an Gnadengaben Gottes. Sie steht fest im Glauben an Jesus Christus und darf daher auch auf die Treue Gottes vertrauen. Aufgrund dieses Zuspruches können die Probleme und Spannungen im jungen Gemeindeleben angegangen werden, wenn das Wesentliche in den Blickpunkt genommen wird: das Feststehen in Christus, dem Gekreuzigten und Auferstandenen.


Lesung zum Jahresschlussgottesdienst - Auswahl:
Kol 3,12-17 b

Lesung aus dem Brief des Apostels Paulus
   an die Gemeinde in Kolossä:
Bekleidet euch also,
   als Erwählte Gottes, Heilige und Geliebte,
mit innigem Erbarmen, Güte, Demut, Milde, Geduld!
Ertragt einander und vergebt einander,
   wenn einer dem anderen etwas vorzuwerfen hat!
Wie der Herr euch vergeben hat,
   so vergebt auch ihr!
Vor allem bekleidet euch mit der Liebe,
   die das Band der Vollkommenheit ist!
Und der Friede Christi triumphiere in euren Herzen.
Dazu seid ihr berufen als Glieder des einen Leibes.
Seid dankbar!
Das Wort Christi wohne mit seinem ganzen Reichtum bei euch.
In aller Weisheit belehrt und ermahnt einander!
Singt Gott Psalmen, Hymnen und geistliche Lieder
   in Dankbarkeit in euren Herzen!
Alles, was ihr in Wort oder Werk tut,
   geschehe im Namen Jesu, des Herrn.
Dankt Gott, dem Vater, durch ihn!



Paulus beschreibt das Bild des "neuen Menschen". Dieser zeichnet sich aus durch Barmherzigkeit, Güte und Vergebungsbereitschaft. Den Mitmenschen zu ertragen, gerade mit seinen unangenehmen Eigenschaften, ist gerade dort schwierig, wo Menschen in enger Gemeinschaft leben, z. B in einer Familie. All diese Haltungen müssen aber aus der Liebe kommen; denn sie ist das einigende Band, das alles zusammenhält und Kirche erst glaubwürdig erscheinen lässt. Diese Liebe macht uns zu danksagenden Menschen: zunächst Gott gegenüber für seine Erlösung, dann auch den Mitmenschen gegenüber für alle Liebe und Unterstützung, die wir von ihnen erfahren (haben).


Antwortpsalm für eine Jahresschlussfeier
Ps 95,1-2. 4-7
 

Kv: Kommt mit Jubel vor das Antlitz des Herrn! - Kv

Kommt, lasst uns jubeln dem HERRN,
jauchzen dem Fels unsres Heils!
Lasst uns mit Dank seinem Angesicht nahen,
ihm jauchzen mit Liedern! - Kv

In seiner Hand sind die Tiefen der Erde,
sein sind die Gipfel der Berge.
Sein ist das Meer, das er gemacht hat,
das trockene Land, das seine Hände gebildet. - Kv

Kommt, wir wollen uns niederwerfen, uns vor ihm verneigen,
lasst uns niederknien vor dem HERRN, unserem Schöpfer!
Denn er ist unser Gott, /
wir sind das Volk seiner Weide,
die Herde, von seiner Hand geführt. - Kv


Ruf vor dem Evangelium zur Jahresschlussfeier
Joh 14,6

Halleluja. Halleluja.
(So spricht der Herr:)
Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben.
Niemand kommt zum Vater außer durch mich.
Halleluja.


Evangelium für einen Jahresschlussgottesdienst:
Mt 25,14-30

Aus dem hl. Evangelium nach Matthäus:

In jener Zeit erzählte Jesus seinen Jüngern das folgende Gleichnis:
Es ist wie mit einem Mann, der auf Reisen ging.
Er rief seine Diener und vertraute ihnen sein Vermögen an.
Dem einen gab er fünf Talente Silbergeld,
   einem anderen zwei,
   wieder einem anderen eines,
   jedem nach seinen Fähigkeiten.
Dann reiste er ab.
Sofort ging der Diener,
   der die fünf Talente erhalten hatte hin,
   wirtschaftete mit ihnen
   und gewann noch fünf weitere dazu.
Ebenso gewann der, der zwei erhalten hatte,
   noch zwei weitere dazu.
Der aber, der das eine Talent erhalten hatte,
   ging und grub ein Loch in die Erde
   und versteckte das Geld seines Herrn.
Nach langer Zeit kehrte der Herr jener Diener zurück
und hielt Abrechnung mit ihnen.
Da kam der, der die fünf Talente erhalten hatte,
   brachte fünf weitere und sagte:
   Herr, fünf Talente hast du mir gegeben;
   sieh her, ich habe noch fünf dazugewonnen.
Sein Herr sagte zu ihm: Sehr gut,
   du tüchtiger und treuer Diener.
Über Weniges warst du treu,
   über Vieles werde ich dich setzen.
   Komm, nimm teil am Freudenfest deines Herrn!
Dann kam der Diener, der zwei Talente erhalten hatte,
und sagte: Herr, du hast mir zwei Talente gegeben;
   sieh her, ich habe noch zwei dazugewonnen.
Sein Herr sagte zu ihm:
   Sehr gut, du tüchtiger und treuer Diener.
   Über Weniges warst du treu,
   über Vieles werde ich dich setzen.
   Komm, nimm teil am Freudenfest deines Herrn!
Es kam aber auch der Diener,
   der das eine Talent erhalten hatte, und sagte:
   Herr, ich wusste, dass du ein strenger Mensch bist;
   du erntest, wo du nicht gesät hast,
   und sammelst, wo du nicht ausgestreut hast;
weil ich Angst hatte,
   habe ich dein Geld in der Erde versteckt.
Sieh her, hier hast du das Deine.
Sein Herr antwortete und sprach zu ihm:
Du bist ein schlechter und fauler Diener!
   Du hast gewusst,
   dass ich ernte, wo ich nicht gesät habe,
   und sammle, wo ich nicht ausgestreut habe.
Du hättest mein Geld auf die Bank bringen müssen,
   dann hätte ich es bei meiner Rückkehr
   mit Zinsen zurückerhalten.
Nehmt ihm also das Talent weg
   und gebt es dem, der die zehn Talente hat!
Denn wer hat, dem wird gegeben werden
   und er wird im Überfluss haben;
wer aber nicht hat,
   dem wird auch noch weggenommen, was er hat.
Werft den nichtsnutzigen Diener hinaus
   in die äußerste Finsternis!
Dort wird Heulen und Zähneknirschen sein.



Das Gleichnis von den Talenten gehört zur Endzeitrede Jesu (Mt 24, 1 – 25, 46). Jesus spricht exklusiv zu seinen Jüngern. In diese Rede sind drei Gleichnisse eingebettet: Das Gleichnis vom treuen und vom bösen Knecht, das Gleichnis von den klugen und törichten Jungfrauen und das Gleichnis von den anvertrauten Talenten. Die große Bildrede vom Endgericht schließt die Rede ab. Nach Ulrich Luz (EKK) handelt es sich bei diesem Gleichnis um matthäisches Sondergut. Bei der lukanischen Variante (Lk 19,12-27) handelt es sich um eine Fassung, die vermutlich selbständig überliefert worden ist. Von der Form her liegt bei diesem Gleichnis eine Parabel vor, d.h. in dieser Geschichte wird eine bestimmte Handlung geschildert, die den Zuhörer zur Stellungnahme herausfordert. Was wollte Jesus mit dieser Parabel sagen? Die Vorschläge der Ausleger sind vielfältig. Einig sind sie sich darüber, dass sie sich auf das Verhältnis der Menschen zu Gott bezieht. Die konventionalisierten Metaphern "Herr" und "Sklave" lassen kaum eine andere Deutung zu. Fast alles andere wird dagegen unterschiedlich beurteilt. Die Grundfragen sind: Handelt es sich bei der "Abrechnung" um eine feste Metapher für das letzte Gericht oder nur um einen erzählerischen Zug, der die Wichtigkeit des Anspruchs der Parabel einsichtig machen will? Im zweiten Fall neigen die Ausleger zu einer allgemein-menschlichen Deutung der Parabel, im ersten deuten sie sie als Gerichtsgleichnis. Liegt das Gewicht allein auf dem dritten Sklaven, oder sind auch die beiden ersten Sklaven wichtig als positive Identifikationsmodelle? Je nach dem deutet man die Parabel eher polemisch oder paränetisch. Liegt das Gewicht nur auf der Abrechnung am Schluss oder auch auf der Gabe des Geldes am Anfang? Je nach dem wird die Parabel als reines Gerichtsgleichnis oder als Parabel von der Wirksamkeit des Gottesreichs verstanden. Und schließlich: Welches ist die Beziehung dieser Parabel zum Wirken Jesu? Ulrich Luz, Das Evangelium nach Matthäus, 3. Teilband, EKK I/3, Zürich und Düsseldorf/ Neukirchen-Vluyn 1997, S. 503 Diese Parabel, die Matthäus in einer Überlieferung vorfand, wird von ihm nun in einen bestimmten Zusammenhang gestellt: Sie steht mit den beiden oben genannten Gleichnissen, bzw. Parabeln unmittelbar nach der Mahnung Mt 24, 44 "Darum haltet auch ihr euch bereit! Denn der Menschensohn kommt zu einer Stunde, in der ihr es nicht erwartet." Somit gibt Matthäus einen Interpretationszusammenhang vor, der auf Jesu Leben und Wirken verweist und die Gefahr eingrenzt, durch die isolierte Betrachtung der Parabel zu einem Gottesbild zu kommen, das missverständlich ist. Es ist Jesus, auf den sich die Parabel bezieht. Im Lichte seiner Botschaft ist die Geschichte zu deuten. (christologische Dimension) Außerdem wird durch den Zusammenhang die endzeitliche Bedeutung klargestellt. (eschatologische Dimension) Schließlich geht es darum, die Gegenwart vor dem Hintergrund dieser endzeitlichen Perspektive zu gestalten. (paränetische Dimension) Noch zwei interessante Einzelheiten: In Mt 25, 26 übersetzen Luther und Einheitsübersetzung: "Du böser und fauler Knecht", bzw. "Du bist ein schlechter und fauler Diener". Das griechische Wort, das mit "faul" übersetzt wird, ist "oknhroV " (oknäros), das die Bedeutung von "zögernd, träge, bedenklich, ängstlich" hat. Die Übersetzung mit "faul" schließt an die westliche Auslegungstradition an, die von der Übersetzung des griechischen Wortes durch das lateinische "piger" (faul, verdrossen, langsam, träge) geprägt ist. Das Vergraben von Geld wird in rabbinischen Quellen als sorgfältiger Umgang mit anvertrautem Geld bewertet (im Gegensatz zu der Aufbewahrung in einem Tuch). Es gab bei anvertrautem Geld die Möglichkeit, die Summe als "geschlossenes" Depositum oder als "offenes" Depositum zu betrachten. Über ein "geschlossenes" Depositum kann der Verwahrer nicht verfügen. Wenn er es sachgerecht aufbewahrt, haftet er nicht für den Verlust. Über ein "offenes" Depositum kann der Verwahrer verfügen, er haftet aber auch bei Verlust. Literatur: Ulrich Luz, Das Evangelium nach Matthäus, 3. Teilband, EKK I/3, Zürich und Düsseldorf/ Neukirchen-Vluyn 1997


Die letzte große Rede Jesu im Evangelium nach Matthäus besteht aus sieben Gleichnissen über die "Vollendung" der Welt und der Kirche durch die erneute Ankunft Christi (in der neutestamentlichen Bibelwissenschaft hat sich für die Kapitel Mt 24 und 25 die Bezeichnung "apokalyptische Rede" entwickelt). Das historische Umfeld des heutigen Evangeliums kann wahrscheinlich im städtischen Milieu Israels angesiedelt werden. Sicherlich existierte ein "antiker Vorläufer" einer heutigen Bank und das wirtschaftliche Leben war derart ausgeprägt, dass es möglich war, mit seinem Geld zu "wirtschaften" – auch wenn wir alle Details heute nicht mehr rekonstruieren können. Reiche Gutsbesitzer handelten mit den damaligen Metropolen Rom oder Alexandria. Während der Auslandsreisen des Besitzers eines Unternehmens oder Gutes wurde ein treuer Mitarbeiter (gleichgültig ob Sklave oder Angestellter) mit der Fortführung und Betreuung des Eigentums des Besitzers betraut. Wollte man nicht mit dem anvertrauten Geld wirtschaften, so musste man es an einem geheimen Ort vergraben, denn die damaligen Lehmbauten boten gegen Einbrecher nur bedingten Schutz. Ein Talent Silbergeld war damals viel Geld. Es entsprach etwa 5.000 Denaren. Ein Denar war in etwa der Tageslohn eines Arbeiters und reichte gerade für die Ernährung und die Bedürfnisse einer sechsköpfigen Familie an einem Tag. Matthäus vergleicht in diesem Evangelium Jesus mit dem Mann, der auf Reisen ging. Beide vertrauen den ihren jeweils das gesamte Vermögen an. Für die Christen bedeutet dies, dass jeder von ihnen verschiedene Gaben und Aufgaben in der Kirche erhalten hat (vgl. hierzu auch die verschiedenen Charismen im Römerbrief des Paulus) und nun in individueller Verantwortung mit diesen "haushalten" oder "wirtschaften" muss. Jeder Erfolg der erzielt wird, geht letztlich auch wieder an Christus zurück. Sicherlich existiert auch die Gefahr, dass mancher stolz wird und auf seinen eigenen "Talenten" sitzen bleibt. Der dritte Knecht hat hingegen Angst, etwas falsch zu machen, und fängt daher erst gar nicht an, mit den ihm anvertrauten Gütern zu wirtschaften – er lebt offensichtlich nach dem Motto "Zu Tode gefürchtet ist auch gestorben". Weiters fühlt sich dieser Knecht wahrscheinlich den anderen gegenüber benachteiligt und nicht ganz so ernst genommen. Weshalb hat ihm denn der Besitzer sonst nur so wenig anvertraut? Er übersieht jedoch die Tatsache, dass Gottes Liebe nicht mit der Anzahl von anvertrauten "Gegenständen" gleichgesetzt werden kann. Gott gibt jedem die seine und nicht jedem die gleiche Gabe. Gott wird – so Matthäus - den Menschen am Ende der Tage nicht danach fragen, wie er mit dem anvertrauten Gut des Anderen gehandelt hätte, sondern was er aus dem ihm anvertrauten Schatz gemacht hat. Matthäus warnt in diesem Evangelium also vor der Gefahr, dass wir unser Eigenstes nicht schätzen, es vergraben, ungenützt lassen und uns so um die Chance eines mit den Gaben Gottes anvertrauten „wahrhaft gelebten Lebens“ bringen.


Das Gleichnis von den Talenten im Mathäusevangelium steht im Kontext der Rede Jesu über die Endzeit. Es geht um die Frage nach unserem Verhalten in diesem Leben und seinen Auswirkungen auf das Leben danach. Im Anschluß an unsere Stelle lesen wir bei Mathäus noch die Schilderung des Weltgerichtes. Diesen Zusammenhang müssen wir mitbedenken. Zum Wert des anvertrauten Geldes ist zu sagen, daß ein Talent etwa 6000 Drachmen entsprach. Eine Drachme war der Tageslohn eines Arbeiters. Es handelte sich also um Summen, die bei Verlust nicht so ohne weiteres zu verdienen waren aber Jesus bezeichnet sie als "Kleinigkeit". Dies unterstreicht noch das Risiko des Auftrags und die Dringlichkeit, den Einsatz der Talente nicht auf die lange Bank zu schieben.


Evangelium für einen Jahresschlussgottesdienst:
LK 12,54-57

Aus dem heiligen Evangelium nach Lukas:

In jener Zeit
   sagte Jesus zu der Volksmenge:
Wenn ihr im Westen eine Wolke aufsteigen seht,
   sagt ihr sofort: Es gibt Regen. Und so geschieht es.
Und wenn der Südwind weht,
   sagt ihr: Es wird heiß. Und es geschieht.
Ihr Heuchler!
   Das Aussehen der Erde und des Himmels wisst ihr zu deuten.
   Warum könnt ihr dann diese Zeit der Entscheidung nicht deuten?
   Warum findet ihr nicht schon von selbst das rechte Urteil?