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Lesungen 16.12.2018


1. Lesung vom 3. Adventssonntag, Lesejahr C:
Zef 3,14-17

Lesung aus dem Buch Zefanja:

Juble, Tochter Zion!
Jauchze, Israel!
Freu dich und frohlocke von ganzem Herzen,
   Tochter Jerusalem!

Der HERR hat das Urteil gegen dich aufgehoben
   und deine Feinde zur Umkehr gezwungen.
Der König Israels, der HERR, ist in deiner Mitte;
du hast kein Unheil mehr zu fürchten.
An jenem Tag wird man zu Jerusalem sagen:
   Fürchte dich nicht, Zion!
Lass die Hände nicht sinken!
Der HERR, dein Gott, ist in deiner Mitte,
ein Held, der Rettung bringt.
Er freut sich und jubelt über dich,
er schweigt in seiner Liebe,
er jubelt über dich und frohlockt,
   wie man frohlockt an einem Festtag.



Der Prohet Zefanja, welcher zur Zeit des Königs Joschija (639 - 609 v. Chr.) in Jerusalem lebte, beschreibt in seinem Buch seinen Weg, der eine Art "Advent" darstellt. Der Prophet erwartet das Gericht, welches das Volk zu einer umfassenden Erneuerung führen soll. Das Zefanja-Buch gehört zum sog. Zwölfpropheten-Buch, in dem die 'kleinen' Propheten zusammengefasst sind.


Zefanja, nach der Beschreibung von Zef 1,1, vermutlich ein Urenkel des Königs Hiskija, ist ein Pessimist: In mehr als zwei Dritteln seines Büchleins verkündet er das Gericht des kommenden Herrn. Und er verschont niemanden: nicht das Land Juda, seine Nachbarländer, die Stadt Jerusalem. Wer aber nach dem Gericht verbleibt, gehört zur Neusammlung des Gottesvolkes. Die Idee dieses versammelten Rests des Volkes kann als die geistliche "Brücke" zum Neuen Testament gesehen werden: Jesus kommt auch, um aus dem Volk die Menschen zu einem neuen Bund zu vereinen. Die vorliegende Perikope findet sich in den letzten Versen des Buches Zef. Sie erzählt von der Hoffnung, die über die Stadt Jerusalem kommt und sie zum Ort der Neusammlung macht.


Antwortpsalm am 3. Adventssonntag
Jes 12,2-6

Kv: Freut euch und jubelt;
in eurer Mitte ist der Herr. - Kv          
(oder GL643,3)

           
Siehe, Gott ist mein Heil;
ich vertraue und erschrecke nicht.
Denn meine Stärke und mein Lied ist Gott, der HERR.
Er wurde mir zum Heil. - Kv


Ihr werdet Wasser freudig schöpfen
aus den Quellen des Heils.
Dankt dem HERRN! Ruft seinen Namen an!
Macht unter den Völkern seine Taten bekannt,
verkündet: Sein Name ist erhaben! - Kv

Singt dem HERRN, denn Überragendes hat er vollbracht;
bekannt gemacht sei dies auf der ganzen Erde.
Jauchzt und jubelt, ihr Bewohner Zions;
denn groß ist in eurer Mitte der Heilige Israels. - Kv


2. Lesung vom 3. Adventssonntag, Lesejahr B:
Phil 4,4-7

Lesung aus dem Brief des Apostels Paulus
   an die Gemeinde in Philippi:

Schwestern und Brüder!
Freut euch im Herrn zu jeder Zeit!
Noch einmal sage ich: Freut euch!
Eure Güte werde allen Menschen bekannt.
Der Herr ist nahe.
Sorgt euch um nichts,
sondern bringt in jeder Lage
   betend und flehend eure Bitten mit Dank vor Gott!
Und der Friede Gottes, der alles Verstehen übersteigt,
   wird eure Herzen und eure Gedanken
   in Christus Jesus bewahren.



Die Gemeinde von Philippi in Mazedonien war die erste Gemeinde, die Paulus in Europa gründete. Gewisse Andeutungen des Apostels weisen darauf hin, dass er sich mit ihr besonders verbunden fühlte. Man spricht deshalb gelegentlich von seiner "Lieblingsgemeinde". Den Brief an die Philipper hat Paulus als Gefangener (vgl. Phil 1,13-14. 17), vermutlich in Ephesus, abgefasst. Auch die Gläubigen, an die er schreibt, erleiden Verfolgungen und Bedrängnisse. Es geht von daher im ganzen Schreiben immer wieder um die Bewältigung der Erfahrung von Leid. Paulus will die Freude, die ihm selber mit seinem Glauben an Jesus Christus gegeben ist, der Gemeinde weitergeben. Im Zentrum der Lesungsperikope steht die Zusage: "Der Herr ist nahe" (Vers 5b). Der Apostel erwartete und erhoffte wie das frühe Christentum allgemein ein baldiges Wiederkommen Jesu Christi. Angesichts dessen verblassen Sorge und Beschwernis dieser Welt. Gott wird sein Heilswerk in naher Zukunft vollenden. Aus diesem Trost gilt es zu leben.


Eine andere Art von Advent erlebt Paulus in seiner Gefangenschaft. Angesichts des nahen Todes schreibt er seiner Gemeinde in Philippi, die er auf seiner 2. Missionsreise (50/52 n. Chr.) besucht hat, dass er nun erwartet, Christus in der Ewigkeit zu begegnen. Diese Aussicht ist nicht beängstigend, sondern vielmehr Grund zur Freude.


Ruf vor dem Evangelium am 3. Adventssonntag
Jes 61,1ab

Halleluja. Halleluja.
Der Geist des Herrn ruht auf mir.
Der Herr hat mich gesandt,
den Armen die Frohe Botschaft zu bringen.
Halleluja.


Evangelium vom 3. Adventssonntag, Lesejahr C:
Lk 3,10-18

Aus dem heiligen Evangelium nach Lukas:

In jener Zeit fragten die Scharen Johannes den Täufer:
   Was sollen wir also tun?

Er antwortete ihnen:
   Wer zwei Gewänder hat,
   der gebe eines davon dem, der keines hat,
und wer zu essen hat,
   der handle ebenso!
Es kamen auch Zöllner, um sich taufen zu lassen,
und fragten ihn: Meister, was sollen wir tun?
Er sagte zu ihnen:
   Verlangt nicht mehr, als festgesetzt ist!
Auch Soldaten fragten ihn:
   Was sollen denn wir tun?
Und er sagte zu ihnen:
   Misshandelt niemanden,
erpresst niemanden,
begnügt euch mit eurem Sold!
Das Volk war voll Erwartung
und alle überlegten im Herzen,
ob Johannes nicht vielleicht selbst der Christus sei.
Doch Johannes gab ihnen allen zur Antwort:
   Ich taufe euch mit Wasser.
Es kommt aber einer, der stärker ist als ich,
und ich bin es nicht wert, ihm die Riemen der Sandalen zu lösen.
Er wird euch mit dem Heiligen Geist und mit Feuer taufen.
Schon hält er die Schaufel in der Hand,
   um seine Tenne zu reinigen
   und den Weizen in seine Scheune zu sammeln;
die Spreu aber
   wird er in nie erlöschendem Feuer verbrennen.
Mit diesen und vielen anderen Worten
   ermahnte er das Volk und verkündete die frohe Botschaft.



Das 3. Kapitel des Lukasevangeliums beschreibt nach der Kindheitsgeschichte Jesu (Lk 1/2) das Auftreten des Wegbereiters Johannes. Die Lesung dieses Kapitels wird am heutigen Sonntag mit den Versen Lk 3,10ff fortgesetzt. Nach seiner apokalyptischen Rede (Verse 7c-9) folgen nun klare Verhaltensregeln, wie dem anbrechenden Reich Gottes zu begegnen ist. Dieses Auftreten des Johannes muss Eindruck hinterlassen haben, denn Lukas setzt sich mit der Möglichkeit, Johannes könnte selbst der Messias sein, auseinander (Verse 15-16b). Daran schließt sich die klare Selbstdefinition des Täufers als Wegbereiter und Vorläufer an, die mit einer Ermahnung (Vers 17) endet.


Die Evangelienperikope gibt einen Abschnitt aus der Predigt Johannes des Täufers wieder (vgl. schon Lk 3,7-9). Es handelt sich zum einen um eine Mahnung zur Umkehr, zum anderen um den Hinweis auf einen "Größeren" (den Messias), der kommen wird. Die Umkehr besteht nach Johannes dem Täufer in konkreten Taten der Menschlichkeit und Nächstenliebe und im Meiden von Unrecht. Das Wirken des Messias wird von Johannes als Taufen mit dem Heiligen Geist und mit Feuer beschrieben. Wahrscheinlich hat er damit ein vom Heiligen Geist bewirktes reinigendes und läuterndes Gericht im Blick. In eine ähnliche Richtung zielt das Bild vom Bauern, der die Körner von der Spreu scheidet, indem er das Getreide gegen den Wind worfelt - ein damals sehr gebräuchlicher Vorgang bei der Ernte und damit den Hörern von Johannes dem Täufer sicher auch sehr eindrücklich.