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Lesungen 23.12.2018


1. Lesung vom 4. Adventssonntag, Lesejahr C:
Mi 5,1-4a

Lesung aus dem Buch Micha.

So spricht der HERR:
Du, Betlehem-Efrata,
   bist zwar klein unter den Sippen Judas,
aus dir wird mir einer hervorgehen,
   der über Israel herrschen soll.
Seine Ursprünge liegen in ferner Vorzeit,
in längst vergangenen Tagen.
Darum gibt er sie preis,
   bis zu der Zeit, da die Gebärende geboren hat.
Dann wird der Rest seiner Brüder zurückkehren
   zu den Söhnen Israels.
Er wird auftreten und ihr Hirt sein in der Kraft des HERRN,
in der Hoheit des Namens des HERRN, seines Gottes.
Sie werden in Sicherheit wohnen;
denn nun wird er groß sein bis an die Grenzen der Erde.
Und er wird der Friede sein.



Im Jahr 586 vor Christi Geburt wurde Jerusalem von den Babyloniern erobert, zerstört und die Jerusalemer Oberschicht nach Babylon deportiert. Das Königreich Israel ist von der Landkarte verschwunden und kein König aus dem Hause David regierte mehr, sondern ein persischer Statthalter verwaltete das Land. Interpretiert wurden diese Ereignisse als Folge der Nichtbeachtung der vorangegangenen Mahnungen mehrerer Propheten. In diese Situation hinein, in der das Volk Israel in der babylonischen Gefangenschaft leidet und auf einen Neubeginn hofft, ergeht das Prophetenwort der heutigen ersten Lesung. Ein Herrscher neuer Qualität wird in diesem Text angekündigt. Dieser wird nicht aus der Hauptstadt Jerusalem, sondern aus dem geradezu unbedeutenden "Landstädtchen" Betlehem kommen. In diesem neuen Zeitalter wird das Volk nach Hause zurückkehren, in Sicherheit leben und Frieden wird herrschen - noch ist es aus Sicht des Verfassers unseres Textes aber nicht so weit, im Moment wird dieses Heil erst angekündigt.


Es handelt sich um einen der klassischen messianischen Texte des Alten Testaments. Von den meisten Exegeten wird er in die Zeit des babylonischen Exils datiert. Den Hintergrund bildet somit die Erfahrung, dass sich das Gottesvolk trotz vieler Mahnungen der Propheten immer wieder von seinem Herrn abgewandt hat und eigenen Wegen gefolgt ist, die letztlich in die Katastrophe geführt haben: Jerusalem wurde 586 v. Chr. zerstört, maßgebliche gesellschaftliche Kreise wurden nach Babylon deportiert. Vor diesem Hintergrund entsteht die Hoffnung auf einen Herrscher ganz neuer Art, der sein Volk in eine messianische Friedenszeit führt. Nicht aus der Hauptstadt Jerusalem wird er kommen, wie die früheren Könige, sondern aus der Heimat Davids, dem unbedeutenden Bethlehem, das hier um den Flurnamen „Efrata“ ergänzt wird, der soviel wie „fruchtbares Land“ bedeutet. Aus kleinen Anfängen kann Großes werden. Die gegenwärtige Zeit wird dabei durchaus noch als schmerzvoll empfunden, denn noch ist Israel eine preisgegebene Gebärende, die in Schmerzen liegt, doch in prophetischer Weise wird bereits ein neuer Anfang verheißen, dessen sichtbares Zeichen die Heimkehr aus dem Exil nach Jerusalem, an den ursprünglichen Ort der Gottesverehrung, ist. Vom neuen Herrscher selbst heißt es, dass er der Friede sein wird. Im hebräischen Urtext steht hier „Shalom“, ein Wort, das über die landläufige Bedeutung von Frieden weit hinausgeht und auch Dimensionen wie Heil, Wohlergehen, Gesundheit, Glück, Leben in rechter Ordnung etc. miteinschließt.


Die meisten alttestamentlichen Exegeten nehmen an, dass dieser Text in der Zeit nach dem Exil Israels entstand. Nach der Zerstörung Jerusalems 586 n.Chr. wurde die Oberschicht nach Babylon verschleppt. Bei ihrer Rückkehr gab es das Königreich Israel nicht mehr, es war zu einer persischen Provinz geworden, die nicht mehr von Königen aus dem Haus Davids regiert, sondern von einem Beamten des persischen Reichs verwaltet wurde. In biblischer Zeit erlangte Israel nie wieder seine Selbständigkeit. Unsere Perikope gehört zu den messianischen Verheißungen, die in dieser Epoche entstanden. In der Zeit der Fremdherrschaft begann man sich nach einer neuen Zeit zu sehnen, in der Israel wieder frei sein würde wie damals. Verschiedene Propheten sprachen dem Volk Mut zu und erinnerten es daran, dass Jahwe sein Volk nicht im Stich lassen werde. Allerdings hütete man sich davor, einfach die alten Zeiten zu verklären. Zu genau hielt sich die Erinnerung an die Schattenseiten der Königszeit: die Kriege, die Willkür mancher Könige und die schier unüberbrückbare Kluft zwischen von Arm und Reich. Das Neue, dass man erhoffte, war nicht einfach eine Wiederauflage des Alten. Die Texte verheißen einen König ("Messias") der ganz anderen Art, der Gerechtigkeit und Frieden sichert und sich um sein Volk sorgt wie ein Hirt, der seine Herde weidet. Sie sprechen von einer neuen, friedlichen und gerechten Art des Zusammenlebens. Der kleine Ausschnitt aus dem Buch des Propheten Micha knüpft zunächst an die Vergangenheit Israels an: In grauer Vorzeit nahm in dem kleinen Ort Bethlehem die Dynastie Davids ihren Anfang, die danach Jahrhunderte lang Juda beherrschte. Von dort wird auch die neue Zeit ihren Anfang nehmen. Dazwischen, so der Prophet weiter, liegt eine Zeit, in der Jahwe Israel preisgibt: das Exil und die Fremdherrschaft. Alles ändert sich, sobald der verheißene König geboren wird (hier, in Vers 3 wird wohl auf die viel ältere Verheißung bei Jes 7 angespielt). In diesem König wird Jahwe selber handeln. Er wird sein Volk zusammenrufen und eine neue Art von Frieden schaffen: Friede, der nicht dadurch entsteht, dass strenge Reichsgrenzen gezogen, verteidigt und gesichert werden, sondern Friede, der "von innen heraus", von diesem neuen König, und letztlich aus der Kraft Gottes, die in ihm wirkt, ausgeht. Diese Friedensmacht des Königs löst die Grenzen Israels auf und breitet sich von dort überall aus bis an die Grenzen der bewohnten Welt. Reine Wunschphantasien eines unterdrückten Volkes? Ich glaube, dass es um mehr geht: Der Text spricht die Ursehnsucht des Menschen nach dauerhaften Frieden an. Und er formuliert das Bekenntnis, dass Jahwe diese Sehnsucht stillen kann. Er kann die Beziehungen der Menschen so verwandeln, dass diese versöhnte und befriedete Art des Miteinanders die notwendigen Grenzen und Verteidigungslinien einzelner Gruppen und Nationen überflutet, überflüssig macht und auflöst.


Antwortpsalm am 4. Adventsonntag (C)
Ps 80, 2ac. 3bc 15-16. 18-19

Kv Stelle uns wieder her, o Gott!
Lass dein Angesicht leuchten und wir sind gerettet. - Kv
(Oder GL 46,1)

Du Hirte Israels, höre!
Der du auf den Kerubim thronst, erscheine!
Wecke deine gewaltige Kraft
und komm zu unserer Rettung! - Kv

Gott der Heerscharen, kehre doch zurück,/
blicke vom Himmel herab und sieh,
sorge für diesen Weinstock!
Beschütze, was deine Rechte gepflanzt hat,
und den Sohn, den du dir stark gemacht! - Kv

Deine Hand sei über dem Mann zu deiner Rechten,
über dem Menschensohn, den du dir stark gemacht.
Wir werden nicht von dir weichen.
Belebe uns und wir rufen deinen Namen an.- Kv


2. Lesung vom 4. Adventsonntag, Lesejahr C:
Hebr 10,5-10

Lesung aus dem Hebräerbrief.

Schwestern und Brüder!
Bei seinem Eintritt in die Welt spricht Christus:
Schlacht- und Speiseopfer hast du nicht gefordert,
   doch einen Leib hast du mir bereitet;
an Brand- und Sündopfern hast du kein Gefallen.
Da sagte ich: Siehe, ich komme
   - so steht es über mich in der Schriftrolle - ,
um deinen Willen, Gott, zu tun.
Zunächst sagt er:
   Schlacht- und Speiseopfer,
   Brand- und Sündopfer forderst du nicht,
du hast daran kein Gefallen,
   obgleich sie doch nach dem Gesetz dargebracht werden;
dann aber hat er gesagt:
   Siehe, ich komme, um deinen Willen zu tun.
Er hebt das Erste auf,
   um das Zweite in Kraft zu setzen.
Aufgrund dieses Willens
   sind wir durch die Hingabe des Leibes Jesu Christi geheiligt -
   ein für alle Mal.



Einer der Schwerpunkte des Briefes an die Hebräer ist die Ausfaltung der Bedeutung des Hohepriestertums Jesu Christi. In Abhebung von und zu den Opfern im älteren Testament wird klar angesprochen, dass Gott an den vorangegangenen Opferformen keinen Gefallen mehr hat und diese Opferformen werden gleichsam außer Kraft gesetzt. Er setzt nun ein zweites Opfer, die Opfergabe seines Leibes in Kraft - ein Opfer von völlig neuer Qualität. Die Opferthematik steht in diesem Textabschnitt im Vordergrund. Doch bei genauerem Studium erhält Vers 7, "Da sagte ich: Ja, ich komme - so steht es über mich in der Schriftrolle -, um deinen Willen, Gott, zu tun." eine große Bedeutung. Hier wird angesprochen, dass Jesus der verheißene und erwartete messianische Heilsmittler ist. Dies rückt die Perikope nicht nur in die Nähe der alttestamentlichen ersten Lesung, sondern erklärt auch ihre Verwendung in der Adventzeit, in der die erwartete Begegnung mit Jesus Christus als Erfüllung aller Sehnsüchte und Vorbereitung auf sein zukünftiges Kommen am Ende der Geschichte gesehen werden kann.


Die Lesungsperikope zeigt wie viele andere Stellen des Hebräerbriefes folgende inhaltliche Linie: In Jesus Christus ist das alttestamentliche Opferwesen "ein für allemal" aufgehoben. Das heißt nicht, dass die Opfer zu ihrer Zeit nicht ihre Berechtigung gehabt hätten, es bedeutet aber, dass ihre nie vollständig erreichte Intention, nämlich die Heiligung der Glieder des Volkes Gottes, in Jesu Menschwerdung, Sterben und Tod zur Erfüllung gekommen ist. Die Textstelle spielt dabei auf Ps 40,7-9 an. Die im Alten Bund gesuchte Vollendung ist mit Jesus Christus endgültig wirksam geworden. Er ist der im Alten Testament, in der "Schriftrolle", vielfach verheißene und erwartete Heilsmittler, der Messias. Dieser Gedanke - nicht die Opferthematik (diese ist letztlich eine vom Verfasser des Briefes gewählte Hilfskonstruktion zur Veranschaulichung der Bedeutung Jesu) - verknüpft unsere Perikope denn auch mit der ersten Lesung (Mi 5,1-4a) und rückt sie in die Zeit des Advents, dessen Grundthemen ja die Erfüllung der großen Sehnsüchte des alttestamentlichen Gottesvolkes im Kommen Jesu Christi und die Vorbereitung seines endzeitlichen Kommens sind.


Der Hebräerbrief wird zu den sogenannten "katholischen" (d.h. "an alle gerichteten") Briefen gerechnet. Wer ihn schrieb und wer seine Adressaten waren, wissen wir heute nicht mehr. Weil er die hebräische Bibel gut kannte, aber ausgezeichnet Griechisch konnte, nimmt man an, dass der Autor ein gebildeter Judenchrist - vielleicht aus der Diaspora - war, der für Seinesgleichen diesen Text verfasste. Er entstand zwischen 80 und 95 n. Chr. Ursprünglich war der Hebräerbrief nicht als Brief gedacht - es fehlen Anrede und eine Grußliste, wie sie z. B. die Paulusbriefe haben -, sondern war wohl eher eine Art urchristliche Predigt, in der wichtige Stellen des Alten Testamentes ausgelegt werden. Der Verfasser möchte zeigen, dass Christus die Erfüllung der alten Verheißungen ist, um so die alttestamentliche Überlieferung mit dem Neuen, das mit Christus begonnen hat, zu verbinden. Seiner Ansicht nach ist schon im Alten Testament überall von Christus die Rede. Aus heutiger Sicht sagen wir vielleicht, dass der Verfasser des Hebräerbriefs das Alte Testament ungebührlich vereinnahmt. Ich denke, dass sich darin ein Teil der Streitigkeiten zwischen der zahlenmäßig noch überlegenen Synagoge und der kleineren, aber ständig anwachsenden jungen Kirche widerspiegelt. Zwischen Christen und Juden war bereits ein tiefer Graben - beides zugleich konnte niemand sein. Der Autor dieser Schrift will sein jüdisches Erbe nicht preisgeben, aber ebenso wenig sein christliches Bekenntnis, und verfällt daher auf diese besondere Art der Schriftauslegung, um beides vereinen zu können. Im vorliegenden Abschnitt des Hebräerbriefs werden zunächst die Verse 5 - 7 aus dem Psalm 40 zitiert, und zwar nach der griechischen Übersetzung, die die Juden in der Diaspora verwendeten. Psalm 40 ist ein Danklied. Der Beter preist Gott für seine Errettung aus großer Not. In den Versen, um die es hier geht, erklärt der Beter, warum er es nicht einfach bei einem Dankopfer im Tempel bewenden lässt: Gott sind diese Opfer egal. Der wahre Gottesdienst ist es, seinen Willen zu tun, und dazu möchte sich der Psalmbeter aus Dankbarkeit gerne verpflichten. Der Autor des Hebräerbriefs deutet diese Stelle nun ganz neu, indem er die Psalmworte Christus selber in den Mund legt, und liest sie so: Christus erteilt den Opfern der alten Art eine Absage. Denn er ist das wahre Opfer. Aber nicht ein blutiges Tieropfer, sondern ein Opfer der neuen Art: Er kommt, um Gottes Willen zu tun. Wenn Christus also das wahre Opfer ist, dann nicht in erster Linie deshalb, weil er stirbt, sondern weil er zu Gottes Willen ein ungeteiltes Ja sagt.


Ruf vor dem Evangelium am 4. Adventssonntag
vgl. Lk 1,38

Halleluja. Halleluja.
Maria sagte:
Siehe, ich bin die Magd des Herrn;
mir geschehe nach deinem Wort.
Halleluja.


Evangelium vom 4. Adventssonntag, Lesejahr C:
Lk 1,39-45

Aus dem heiligen Evangelium nach Lukas.

In jenen Tagen machte sich Maria auf den Weg
   und eilte in eine Stadt im Bergland von Judäa.
Sie ging in das Haus des Zacharias und begrüßte Elisabet.
Und es geschah,
als Elisabet den Gruß Marias hörte,
   hüpfte das Kind in ihrem Leib.
Da wurde Elisabet vom Heiligen Geist erfüllt
und rief mit lauter Stimme:
   Gesegnet bist du unter den Frauen
und gesegnet ist die Frucht deines Leibes.
Wer bin ich, dass die Mutter meines Herrn zu mir kommt?
Denn siehe, in dem Augenblick, als ich deinen Gruß hörte,
   hüpfte das Kind vor Freude in meinem Leib.
Und selig,
   die geglaubt hat, dass sich erfüllt,
   was der Herr ihr sagen ließ.



Innerhalb des Lukasevangeliums werden die Kindheitsgeschichten von Jesus und Johannes dem Täufer berichtet. Beide Erzählstränge laufen nahezu parallel ab. Die inhaltliche Verknüpfung der beiden miteinander erfolgt durch das heutige Evangelium. Dadurch wird zumindest eine Nahebeziehung, wenn schon keine direkte Begegnung, zwischen Jesus und Johannes hergestellt. Nach alter jüdischer Überzeugung meinte man, dass sich das spätere Verhalten eines Menschen bereits im Mutterleib widerspiegle - und so bricht Johannes ob der Begegnung mit Jesus gleichsam in Jubel aus. In dieses Bild passt auch das Verhalten von Elisabet. Sie, die ältere der beiden Frauen und die eindeutig in der sozialen Hierarchie höher stehende, verneigt sich vor Maria - vgl. dazu auch den Vers 43: "Wer bin ich, dass die Mutter meines Herrn zu mir kommt?". Weiters preist Elisabet Maria, weil diese dem Wort Gottes vertraut und glaubt. Rein formal lässt sich das heutige Evangelium in folgenden Handlungsablauf aufteilen: 1,36 Verkündigung der Schwangerschaft Elisabets 1,38: Einwilligung Marias in den Heilsplan Gottes 1,39-41: erzählende Einleitung: Maria macht sich auf zu Elisabet; Gruß Mariens; Reaktion des Kindes 1,42a: Redeeinleitung durch Elisabet 1,42b-45: Elisabet preist Maria 1,46a: Redeeinleitung Marias 1,46b-50: Preisung Gottes durch Maria wegen seiner Heilstat an ihr selbst 1,51-55: Preisung Gottes durch Maria wegen seiner (zukünftigen) Heilstaten 1,56: erzählerischer Abschluss: Rückkehr Marias nach Hause 1,57: Geburt des Täufers


Die Evangeliumsperikope verknüpft innerhalb der Kindheitsgeschichte des Lukasevangeliums jenen Erzählstrang, der von der Geburt Johannes des Täufers berichtet, mit dem Erzählungstrang über die Geburt Jesu. So ist schon allein durch den größeren Kontext, in dem die Perikope steht, der theologische Hauptakzent gesetzt: es geht in erster Linie um die Begegnung zwischen Johannes dem Täufer und Jesus. Nach damaliger jüdischer Anschauung spiegelt sich das Leben von Erwachsenen schon in ihrem Verhalten im Mutterleib. Der Täufer erkennt Jesus, auf den er später das Volk hinweisen wird. Er wird zum ersten im Volk Israel, der Jesus als den kommenden Retter wahrnimmt und begrüßt. Seine freudige Bewegung - das Hüpfen oder Strampeln - im Leib der schwangeren Elisabeth zeigt, dass es sich wirklich um eine Begegnung mit dem Messias handelt, denn es wird hier auf eine Verheißung aus dem Prophetenbuch Maleachi angespielt, wo es heißt, dass in der messianischen Zeit die Geretteten in Jubel ausbrechen und wie Kälber aus dem Stall springen werden (Mal 3,20). Auch die Begrüßung Marias durch Elisabeth ist von diesem Aspekt her zu verstehen. Elisabeth ist die ältere von beiden und steht auch gesellschaftlich höher. Dennoch neigt sie sich vor Maria und erweist darin ihre Ehrfurcht vor der Mutter des kommenden Messias. Es handelt sich um eine Ursprungsszene späterer Marienverehrung. Elisabeth deutet auf die einzigartige Berufung Mariens und bezeichnet Maria sie als "gesegnet mehr als alle anderen Frauen" und "Mutter meines Herrn". Damit sind zentrale Motive der Verehrungswürdigkeit Mariens benannt, die bis heute gelten. Als weiteres Motiv kommt in der abschließenden Seligpreisung hinzu: Maria ist die vorbildlich Glaubende – sie hat dem Wort Gottes geglaubt, hat sich ihm geöffnet und war für es verfügbar.