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Lesungen 13.01.2019

13. Jan. 2019
Taufe des Herrn (C)


1. Lesung vom Fest der Taufe des Herrn, Lesejahre A/B/C:
Jes 42,5a. 1-4. 6-7

Lesung aus dem Buch Jesaja:

So spricht Gott, der Herr:
Siehe, das ist mein Knecht, den ich stütze;
das ist mein Erwählter, an ihm finde ich Gefallen.
Ich habe meinen Geist auf ihn gelegt,
er bringt den Nationen das Recht.
Er schreit nicht und lärmt nicht
   und lässt seine Stimme nicht auf der Gasse erschallen.
Das geknickte Rohr zerbricht er nicht
   und den glimmenden Docht löscht er nicht aus;
ja, er bringt wirklich das Recht.
Er verglimmt nicht und wird nicht geknickt,
   bis er auf der Erde das Recht begründet hat.
Auf seine Weisung warten die Inseln.

Ich, der HERR, habe dich aus Gerechtigkeit gerufen,
ich fasse dich an der Hand.
Ich schaffe und mache dich
   zum Bund mit dem Volk,
   zum Licht der Nationen,
um blinde Augen zu öffnen,
Gefangene aus dem Kerker zu holen
und die im Dunkel sitzen, aus der Haft.



Dieser Text wird Deuterojesaja zugeschrieben, einem unbekannten Propheten aus der Zeit der Babylonischen Gefangenschaft, als sich schon die Befreiung anbahnt. So spricht Deuterojesaja tröstend zu seinem Volk. Die Kapitel 40-55 werden nach ihren ersten Worten auch "Trostbuch Israels" genannt (vgl. die Alternativlesung des heutigen Tages Jes 40,1-5. 9-11). Beim vorliegenden Text handelt es sich um das erste der sog. "Gottesknechtslieder", die einen vollkommenen Jünger Jahwes vorstellen. Umstritten ist, ob es sich hierbei um die Personifikation der Gemeinde Israels, um eine Person der Vergangenheit oder Gegenwart wie etwa Deuterojesaja selbst oder den erwarteten Messias handelt. Die urchristliche Predigt und die Auswahl als heutige Lesung bezog den Text auf Jesus. Unabhängig von der Beantwortung dieser Frage macht die Beschreibung des von Gott Beauftragten den Willen Gottes deutlich: Plastische Bilder und leidenschaftliche Worte zeigen, auf welche Weise Gott unsere Befreiung erreichen will und wie unser Heil aussehen soll. Der Gesandte Gottes will nicht wie ein fanatischer Heilsprediger Menschenmassen aufputschen und für seine Ideologie gewinnen (Vers 2). Stattdessen wendet er sich dem Einzelnen und Unvollkommenen zu und gibt ihm eine neue Chance (Vers 3) - anders als Moralprediger mit dem Standpunkt "Alles oder nichts!". Diese Behutsamkeit geht aber auch mit Ausdauer einher (Vers 4). Die starken Bilder in Vers 7, die Jesus auch in seiner "Antrittspredigt" in der Synagoge von Nazareth zitiert (Lk 4,18), sprechen tiefgehende menschliche Erfahrungen von Befreiung an. "Blinde Augen zu öffnen" kann bedeuten, vor eigenen "blinden Flecken" nicht länger die Augen zu verschließen und so seine Persönlichkeit weiterzuentwickeln. Auch offene Augen für die Freuden und Nöte unserer Mitmenschen zu bekommen oder in ausweglosen Situationen neue Wege zu entdecken, können solche Heilungserfahrungen sein. "Gefangene aus dem Kerker zu holen" meint unter anderem die Befreiung aus eingefahrenen Denk- und Verhaltensmustern, die ein erster Schritt sein kann, um verfahrene Situationen und Beziehungen zu lösen. Dazu zählt auch, wenn Menschen in einengenden Strukturen und Rollen in Familie, Beruf und Gesellschaft allmählich mehr Freiheit erfahren können. Die Befreiung derer, "die im Dunkel sitzen", umfasst die Überwindung von Lebensphasen, die von Leid, Schmerz, Trauer, Einsamkeit und Angst geprägt sind. All diese biblischen Bilder führen uns vor Augen, welches erfüllte Leben Gott für uns will. Um dies schon in diesem Leben zu verwirklichen, schickt er seine Beauftragten - und das kann jeder Mensch sein, der uns begegnet und uns zu mehr Freiheit führt. Claudia Simonis-Hippel, in: Bernhard Krautter/Franz-Josef Ortkemper (Hg.), Gottes Volk Lesejahr C 2/2006. Verlag Katholisches Bibelwerk, Stuttgart 2006, S. 42-54.


Die Lesung ist ein Ebed-Jahwe-Lied (Knecht-Gottes-Lied). Ursprünglich wohl selbständig überliefert, gehören sie im Kanon der hebr. Bibel zum Buch des (2.) Jesaja (Jes. 40-55 - Exilszeit). Jahwe stellt seinen Knecht zunächst vor. "Seht, das ist mein Knecht" Die Figur, die dazu passt, ist uns jedoch verborgen. In der Auslegungsgeschichte variieren die Vermutungen: war es eine einzelne Person? Oder vielleicht sogar das ganze Volk Gottes? Jedenfalls wird in der Vorstellung (mit dem Imperativ "Seht" eingeleitet) ein Gesicht erkennbar, dass in der christlichen Rezeption die Züge des Kyrios trägt, von dem es im Hymnus (Phil 2,6-11) heißt, er habe göttliche Gestalt gehabt... Was enthält die Gottesrede über den Knecht? Er wird von Jahwe gestützt, er ist von Jahwe erwählt, an ihm findet Jahwe Gefallen, Jahwe hat seinen Geist auf ihn gelegt - und unvermittelt und überraschend: Jahwes Knecht bringt den Völkern das Recht. Er ist mit der höchsten Autorität ausgestattet, um den Völkern das Recht zu bringen. Jahwe selbst erscheint so als Garant des Rechtes. In der hebräischen Sprache gehören Recht, Gerechtigkeit, Frieden, Heil zusammen. Der Knecht Jahwes ist Heilbringer für die Völker. Das bringt einen neuen Ton in die prophetische Botschaft, die sich an das Volk Israel in der Fremde richtet. Ob Israel In Babylon eine neue Rolle übernehmen soll? Nicht die Rolle des Opfers, sondern des Friedensstifters? Der Knecht zerbricht das geknickte Rohr nicht, er löscht den glimmenden Docht nicht aus, er (selbst) wird nicht müde und bricht nicht zusammen - bis er auf der Erde das Recht begründet. Zur Krone des Ganzen wird: (Selbst) die Inseln warten auf ihn. Jahwe sichert dem Knecht seine Berufung zu, überreicht ihm sozusagen die Ernennungsurkunde. Was Recht heißt, wird hier in einer umfassenden und universalen Aufgabe beschrieben: Bund für mein Volk - Licht für die Völker. Vertieft: blinde Augen zu öffnen, Gefangene zu befreien, alle, die im Dunkel sind, ins Licht zu führen. In der lukanischen Jesus-Erzählung (Evangelium) werden Ebed-Jahwe-Lieder besonders an zwei Stellen aufgelesen: Einmal im Lobgesang des Zacharias (Benedictus), Lk 1,67-79, und zum anderen in der ersten Predigt Jesu in Nazareth, Lk 4,16-21. Die Geschichte Jesu wird so fest mit den Ebed-Jahwe-Liedern verknüpft.


Im ersten "Gottesknechtlied" (Jes 42,1-9) erfolgen die Vorstellung und Beauftragung des Knechtes. Er ist gewissermaßen das Werk Jahwes, von ihm erwählt und sein Knecht. Im Mittelpunkt steht aber nicht das "Untergebensein" des Knechtes, sondern die Zugehörigkeit und Geborgenheit beim Herrn. Dieser Knecht findet seine Aufgabe und Bestimmung - ähnlich wie bei Mose oder David - im "Dasein" für andere. Gott präsentiert ihn wie einen König (vgl. 1 Sam 9,15-17) und erwählt ihn frei aufgrund seines Willens - ohne jegliche Vorleistungen durch den Knecht. Die Rede von seiner Erwählung dient der Legitimation des Knechtes und der Begründung seiner Aufgabe. Weil Gott an ihm Gefallen gefunden hat, erwählte er ihn. Diese Erwählung durch Gott läßt sich ebensowenig wie die Erwählung Israels hinterfragen. Diese Erwählung gilt aber nicht nur dem hier vorgestellten Knecht, denn es handelt sich nicht um eine vorübergehende Erwählung - wie beispielsweise bei den Richtern - sondern sie ist als dauernde Gabe, als besondere Form des "Mitseins Jahwes", zu sehen, die sich zugunsten anderer auswirkt.


Ungekürzte Fassung der
1. Lesung vom Fest der Taufe des Herrn, Lesejahr A/B/C:
Jes 42,1-7:

Lesung aus dem Buch Jesaja:

So spricht Gott, der Herr:
Siehe, das ist mein Knecht, den ich stütze;
das ist mein Erwählter, an ihm finde ich Gefallen.
Ich habe meinen Geist auf ihn gelegt,
er bringt den Nationen das Recht.
Er schreit nicht und lärmt nicht
   und lässt seine Stimme nicht auf der Gasse erschallen.
Das geknickte Rohr zerbricht er nicht
   und den glimmenden Docht löscht er nicht aus;
ja, er bringt wirklich das Recht.
Er verglimmt nicht und wird nicht geknickt,
   bis er auf der Erde das Recht begründet hat.
Auf seine Weisung warten die Inseln.

So spricht Gott, der HERR,
   der den Himmel erschaffen und ausgespannt hat,
der die Erde gemacht hat
   und alles, was auf ihr wächst,
der dem Volk auf ihr Atem gibt
   und Geist allen, die auf ihr gehen.

Ich, der HERR, habe dich aus Gerechtigkeit gerufen,
ich fasse dich an der Hand.
Ich schaffe und mache dich
   zum Bund mit dem Volk,
   zum Licht der Nationen,
um blinde Augen zu öffnen,
Gefangene aus dem Kerker zu holen
und die im Dunkel sitzen, aus der Haft.


Antwortpsalm am Fest der Taufe des Herrn (A/B/C)
Ps 29,1-4. 9b-10

Kv: Der Herr schenkt seinem Volk den Frieden. – Kv
(oder GL263)

Bringt dar dem HERRN, ihr Himmlischen,
bringt dar dem HERRN Ehre und Macht!
Bringt dar dem HERRN die Ehre seines Namens,
werft euch nieder vor dem HERRN in heiliger Majestät! - Kv

Die Stimme des HERRN über den Wassern:
der HERR über gewaltigen Wassern.
Die Stimme des HERRN voller Kraft,
die Stimme des HERRN voll Majestät. - Kv

Der Gott der Ehre hat gedonnert.
In seinem Palast ruft alles: Ehre!
Der HERR thronte über der Flut,
der HERR thronte als König in Ewigkeit.- Kv



Gottlose missachten den Willen Gottes. Im Sühnetod Jesu geht die Gnade dem Glauben voraus. Das Besondere, das Paulus hier aufgreift, ist, dass Jesus für Schwache und Gottlose stirbt. Für einen gerechten Menschen das Leben geben, ist in der Antike nicht sehr häufig bezeugt. Für eine gerechte Sache jedoch zu sterben, dazu finden sich viele Beispiele. Könige opfern sich, um Unheil von den Bürgern abzuwenden. Aber in Jesus wird dies alles übertroffen, da er eben für Gottlose stirbt! Und Paulus betont nochmals. bzw. malt noch deutlicher aus: werden wir bereits jetzt gerecht gemacht, um wie viel mehr erst dann? Erst dann beim Gericht! Der Gekreuzigte und Auferstandene tritt für uns ein, bürgt für uns bei Gott. Denn Versöhnung meint, Feindschaft findet ein Ende, Friedensschluss wird möglich. Indem Gott Jesus dahin gegeben hat, beendet er die Feindschaft der Sünder ihm gegenüber. Jetzt schon dürfen wir uns der Gegenwart Gottes rühmen, und nicht bloß harren auf künftige Errettung. Durch den Auferstandenen ist uns die Versöhnung mit Gott geschenkt.


Der Abschnitt spricht die Thematik von Sühne und Versöhnung durch Christus an. "Christus ist für die gottlosen Sünder gestorben, als sie noch schwach waren. Gottes Heilstat in Christus geht dem Glauben voran und gibt ihm seinen Grund in der Geschichte". Paulus spricht in diesem Kapitel auch die Frage der Rechtfertigung an. Gott will die Rettung aller. Sein "Gericht" will nicht verurteilen, sondern retten. (Vgl. NTD, Bd. 6, Göttingen 1989)


1. Lesung (Auswahl) vom Fest der Taufe des Herrn, Lesejahr C:
Jes 40,1-5. 9-11


Lesung aus dem Buch Jesaja:

Tröstet, tröstet mein Volk,
   spricht euer Gott. 
Redet Jerusalem zu Herzen
und ruft ihr zu,
   dass sie vollendet hat ihren Frondienst,
   dass gesühnt ist ihre Schuld,
dass sie empfangen hat aus der Hand des HERRN Doppeltes
   für all ihre Sünden!
Eine Stimme ruft:
   In der Wüste bahnt den Weg des HERRN,
ebnet in der Steppe eine Straße für unseren Gott!
Jedes Tal soll sich heben,
   jeder Berg und Hügel sich senken.
Was krumm ist, soll gerade werden,
   und was hüglig ist, werde eben.
Dann offenbart sich die Herrlichkeit des HERRN,
alles Fleisch wird sie sehen.
Ja, der Mund des HERRN hat gesprochen.

Steig auf einen hohen Berg,
   Zion, du Botin der Freude!
Erheb deine Stimme mit Macht,
   Jerusalem, du Botin der Freude!
Erheb deine Stimme, fürchte dich nicht!
Sag den Städten in Juda:
   Siehe, da ist euer Gott.
Siehe, GOTT, der Herr, kommt mit Macht,
er herrscht mit starkem Arm.
Siehe, sein Lohn ist mit ihm
und sein Ertrag geht vor ihm her.
Wie ein Hirt weidet er seine Herde,
auf seinem Arm sammelt er die Lämmer,
   an seiner Brust trägt er sie,
die Mutterschafe führt er behutsam.



Der Abschnitt Jes 40,1-11 bildet den Prolog zu den Kapiteln 40 bis 55, dem sog. Deuterojesaja ("Der Zweit-Jesaja"). Der zweite Jesaja (6. Jhdt. v. Chr.) hat in Fortsetzung des ersten (8. Jhdt. v. Chr. - vor dem Exil) seine prophetische Botschaft der judäischen Gemeinde im babylonischen Exil verkündet. Er knüpft auch theologisch an sein Vorbild an. Dieser drohte seinem Volk den Untergang an wegen seiner Sünden (Jes 6). Zuerst spricht Gott durch den Propheten dem Volk Trost zu. Es kann aufatmen, da seine Schuld beglichen ist und sein Frondienst zu Ende geht. Dann kündet der Prophet einen Gewaltakt an, der einer Neuschöpfung gleichkommt: Eine Straße durch Wüste und Steppe wird gebaut, Berge und Hügel werden abgetragen, Täler ausgefüllt... Der Weg durch die Wüste erinnert an den Auszug aus Ägypten. Nun offenbart sich die Herrlichkeit des Herrn. Am Schluss wird Jerusalem aufgefordert, das Siegeslied anzustimmen. Diese Aufforderung erinnert an das Siegeslied am Schilfmeer (Ex 15), an das Deboralied (Ri 5). Siegeslieder zu singen war Sache der Frauen. Sie begleiteten den Einzug des siegreichen Retters. Der letzte Vers bringt noch das Bild des guten Hirten ein, der die Seinen sammelt und auf dem Arm trägt im Gegensatz zu den heidnischen Göttern, die sich in den Festprozessionen von den Menschen tragen lassen.


Mit Jes 40 beginnt das Werk des Deuterojesajas ("der zweite Jesaja"). Seine Person ist uns unbekannt, wir kennen nicht einmal seinen Namen. Sein Auftreten fällt in die Zeit nach der Zerstörung Jerusalems (587 vor Chr.) und der Deportation von ca. 15 000 Juden in die babylonische Gefangenschaft, bevor der Siegeszug des Perserkönigs Kyros begann, der zum Sturz des babylonischen Reiches führte (539 vor Chr.), und unter dem die Juden wieder nach Jerusalem zurückkehren dürfen. Der Prophet, dessen Person völlig in den Hintergrund tritt, wird aufgefordert, das Volk, das sich in der Gefangenschaft von Babel befindet, zu trösten. Durch die Leiden der Gefangenschaft hat das Volk Israel seine Schuld (Abfall von Gott) gebüßt. Jahwe ist bereit, mit seinem Volk in die Heimat zurückzukehren, so wie er sein Volk einst aus der ägyptischen Knechtschaft herausgeführt hat. Der Prophet hört gleichsam einen Herold, der dem König vorausgeht und eine Königsstraße – Gottesstraße – von Babel nach Jerusalem errrichtet. In Vers 9f sieht der Prophet Jahwe bereits mit seinem Volk auf der Rückkehr und zeigt in dem Hirtengleichnis (Vers 11) wie zart und rücksichtsvoll Gott mit seinem Volk umgeht.


Ungekürzte Fassung der 1. Lesung:
Jes 40,1-11

Lesung aus dem Buch Jesaja:

Tröstet, tröstet mein Volk,
   spricht euer Gott. 
Redet Jerusalem zu Herzen
und ruft ihr zu,
   dass sie vollendet hat ihren Frondienst,
   dass gesühnt ist ihre Schuld,
dass sie empfangen hat aus der Hand des HERRN Doppeltes
   für all ihre Sünden!
Eine Stimme ruft:
   In der Wüste bahnt den Weg des HERRN,
ebnet in der Steppe eine Straße für unseren Gott!
Jedes Tal soll sich heben,
   jeder Berg und Hügel sich senken.
Was krumm ist, soll gerade werden,
   und was hüglig ist, werde eben.
Dann offenbart sich die Herrlichkeit des HERRN,
alles Fleisch wird sie sehen.
Ja, der Mund des HERRN hat gesprochen.

Eine Stimme sagt: Rufe!
Und jemand sagt: Was soll ich rufen?
Alles Fleisch ist wie das Gras
   und all seine Treue ist wie die Blume auf dem Feld.
Das Gras verdorrt,
die Blume verwelkt,
   wenn der Atem des HERRN darüber weht.
Wahrhaftig, Gras ist das Volk.
Das Gras verdorrt,
   die Blume verwelkt,
doch das Wort unseres Gottes bleibt in Ewigkeit.

Steig auf einen hohen Berg,
   Zion, du Botin der Freude!
Erheb deine Stimme mit Macht,
   Jerusalem, du Botin der Freude!
Erheb deine Stimme, fürchte dich nicht!
Sag den Städten in Juda:
   Siehe, da ist euer Gott.
Siehe, GOTT, der Herr, kommt mit Macht,
er herrscht mit starkem Arm.
Siehe, sein Lohn ist mit ihm
und sein Ertrag geht vor ihm her.
Wie ein Hirt weidet er seine Herde,
auf seinem Arm sammelt er die Lämmer,
   an seiner Brust trägt er sie,
die Mutterschafe führt er behutsam.


Antwortpsalm nach der 1. Lesung am Fest der Taufe des Herrn
Ps 104,1-2. 5-6. 10. 12,13-14b. 24

Kv: Preise den HERRN, meine Seele!
Herr, mein Gott, überaus groß bist du! - Kv
(oder GL 58,1)

Preise den HERRN, meine Seele! /
HERR, mein Gott, überaus groß bist du!
Du bist mit Hoheit und Pracht bekleidet.
Du hüllst dich in Licht wie in einen Mantel,
du spannst den Himmel aus gleich einem Zelt. - Kv 

Du verankerst die Balken deiner Wohnung im Wasser. /
Du nimmst dir die Wolken zum Wagen,
du fährst einher auf den Flügeln des Windes.
Du machst die Winde zu deinen Boten,
zu deinen Dienern Feuer und Flamme. - Kv

Wie zahlreich sind deine Werke, HERR, /
sie alle hast du mit Weisheit gemacht,
die Erde ist voll von deinen Geschöpfen.
Da ist das Meer, so groß und weit,
darin ein Gewimmel, nicht zu zählen: kleine und große Tiere. - Kv

Auf dich warten sie alle,
dass du ihnen ihre Speise gibst zur rechten Zeit.
Gibst du ihnen, dann sammeln sie ein,
öffnest du deine Hand, werden sie gesättigt mit Gutem. - Kv

Verbirgst du dein Angesicht, sind sie verstört, /
nimmst du ihnen den Atem, so schwinden sie hin
und kehren zurück zum Staub.
Du sendest deinen Geist aus: Sie werden erschaffen
und du erneuerst das Angesicht der Erde. - Kv


2. Lesung vom Fest der Taufe des Herrn, Lesejahre A/B/C:
Apg 10,34-38

Lesung aus der Apostelgeschichte.

In jenen Tagen
   begann Petrus zu reden
   und sagte:
   Wahrhaftig, jetzt begreife ich,
   dass Gott nicht auf die Person sieht,
sondern dass ihm in jedem Volk willkommen ist,
   wer ihn fürchtet
   und tut, was recht ist.
Er hat das Wort den Israeliten gesandt,
   indem er den Frieden verkündete durch Jesus Christus:
Dieser ist der Herr aller.
Ihr wisst, was im ganzen Land der Juden geschehen ist,
angefangen in Galiläa,
nach der Taufe, die Johannes verkündet hat:
wie Gott Jesus von Nazaret gesalbt hat
   mit dem Heiligen Geist und mit Kraft,
wie dieser umherzog,
Gutes tat
und alle heilte, die in der Gewalt des Teufels waren;
denn Gott war mit ihm.



Zu verstehen ist diese Lesung nur im größeren Zusammenhang der Cornelius-Geschichte in der Apostelgeschichte. Cornelius, Römer, aber dem jüdischen Glauben nahe stehend, wird in einer Vision zu Petrus geführt. Der, gefangen in den Kategorien von "rein" und "unrein2, "dazu gehörend“ und "fremd" wird in dieser Geschichte davon überzeugt, dass Gott nicht so denkt. Apg 18,28: "Und (Petrus) sprach zu ihnen: Ihr wisst, dass es einem jüdischen Mann nicht erlaubt ist, mit einem Fremden umzugehen oder zu ihm zu kommen; aber Gott hat mir gezeigt, dass ich keinen Menschen meiden oder unrein nennen soll." Gott hat den Israeliten das Wort gesandt: Jesus, den Christus. Er hat Frieden verkündigt, er ist der Herr aller. So wird hier zusammengefasst, was in der Predigt des Petrus dann ausgeführt wird. Mit einem vertrauten "ihr wisst" werden Erinnerungen wachgerufen, die lebendig sind: Nach der Taufe, die Johannes verkündigt hat, hat Gott Jesus von Nazareth gesalbt mit dem Heiligen Geist. Er zog umher, tat Gutes, heilte alle, die in der Gewalt des Teufels waren – kurz: der Weg Jesu wird als Heilsweg beschrieben, auf dem Gott selbst erscheint ("denn Gott war mit ihm"). In der Cornelius-Geschichte wird die Taufe Jesu ausgelegt. Die Apostelgeschichte, die mit dem Lukas-Evangelium zusammen gelesen werden muss, erzählt, dass "nach der Taufe, die Johannes verkündigt hat", durch Jesus auch Cornelius nicht mehr zu den Fremden gehört. In Lk 3,21f wird die Taufe Jesu so erzählt: "Und es begab sich, als alles Volk sich taufen ließ und Jesus auch getauft worden war und betete, da tat sich der Himmel auf, und der Heilige Geist fuhr hernieder auf ihn in leiblicher Gestalt wie eine Taube, und eine Stimme kam aus dem Himmel: Du bist mein lieber Sohn, an dir habe ich Wohlgefallen."


Die Apostelgeschichte steht in engem Zusammenhang mit dem Lukasevangelium. Sie schließt an die Osterberichte an und erzählt über die Anfänge des Christentum. Ein wesentlicher Schritt für die junge Kirche ist das Hinaustreten aus dem rein jüdischen Bereich. In der Zuwendung zu den „Heiden“ wird das Christentum zu einer selbständigen Religion. War es bisher notwendig, Jude zu sein, um Christ werden zu können, gehen die christlichen Gemeinden jetzt einen eigenständig Weg. Dass die Entscheidung nicht einfach war, zeigt uns die Apostelgeschichte. Der Abschnitt, welcher der Lesung vorausgeht, erzählt eine Vision des Petrus, die ihn über die Grenzen des jüdischen Gesetzes hinausführt und danach die Taufe des ersten "Heiden", des Hauptmannes Kornelius. In Apg 10,34-38 versteht Petrus seine Vision und begreift, dass es bei der Zugehörigkeit zum Volk Gottes nicht um Blutsverwandtschaft sondern um den Glauben geht. Gott ist Herr über alle Völker, es gibt keine besseren oder schlechteren Völker, die Entscheidung, zum Volk Gottes zu gehören, muss jeder Mensch selber fällen und verantworten. Danach fasst Petrus in kurzen Worten das Wesentliche des christlichen Glaubens zusammen: Jesus Christus, der verkündet und geheilt hat, gekreuzigt wurde und von Gott auferweckt wurde. Jesus Christus ist das zentrale Ereignis, das Volkszugehörigkeit, religiöse Vorschriften und alte Traditionen in die zweite Reihe stellt. Für die jungen christlichen Gemeinden geht es um ihre Identität, um die in inneren Konflikten und offenen Auseinandersetzungen gerungen wird. Persönliche und theologische Argumente, Diskussionen, Streitereien und Gebet kennzeichnen diese Zerreißprobe bis in die Reihen der Apostel. Zwischen Angst und Hoffnung, Fortschritt und Bewahrung der Tradition ist es auch für Petrus nicht leicht, hier zu entscheiden. Aber Gott kommt seinem Handeln zuvor und gießt seinen Geist auch über die nicht getauften Heiden aus und schafft so neue Tatsachen, der sich dann auch die Gemeinde in Jerusalem nicht verschließen kann, als Petrus später alles berichtet. Petrus und die Judenchristen müssen begreifen, dass Gott Menschen beruft, ohne sich an traditionelle Regeln zu halten. Es braucht noch eine Weile, bis aus dem Verstehen auch ein Tun wird, erst etwas später wird der Apostel Paulus mit der Heidenmission beauftragt.


Ruf vor dem Evangelium am Fest der Taufe des Herrn (A/B/C)     
Mt 3,16.17; Mk 9,7

Halleluja. Halleluja.
Der Himmel tat sich auf, und eine Stimme sprach:
Das ist mein geliebter Sohn; auf ihn sollt ihr hören.
Halleluja.



Gottlose missachten den Willen Gottes. Im Sühnetod Jesu geht die Gnade dem Glauben voraus. Das Besondere, das Paulus hier aufgreift, ist, dass Jesus für Schwache und Gottlose stirbt. Für einen gerechten Menschen das Leben geben, ist in der Antike nicht sehr häufig bezeugt. Für eine gerechte Sache jedoch zu sterben, dazu finden sich viele Beispiele. Könige opfern sich, um Unheil von den Bürgern abzuwenden. Aber in Jesus wird dies alles übertroffen, da er eben für Gottlose stirbt! Und Paulus betont nochmals. bzw. malt noch deutlicher aus: werden wir bereits jetzt gerecht gemacht, um wie viel mehr erst dann? Erst dann beim Gericht! Der Gekreuzigte und Auferstandene tritt für uns ein, bürgt für uns bei Gott. Denn Versöhnung meint, Feindschaft findet ein Ende, Friedensschluss wird möglich. Indem Gott Jesus dahin gegeben hat, beendet er die Feindschaft der Sünder ihm gegenüber. Jetzt schon dürfen wir uns der Gegenwart Gottes rühmen, und nicht bloß harren auf künftige Errettung. Durch den Auferstandenen ist uns die Versöhnung mit Gott geschenkt.


Der Abschnitt spricht die Thematik von Sühne und Versöhnung durch Christus an. "Christus ist für die gottlosen Sünder gestorben, als sie noch schwach waren. Gottes Heilstat in Christus geht dem Glauben voran und gibt ihm seinen Grund in der Geschichte". Paulus spricht in diesem Kapitel auch die Frage der Rechtfertigung an. Gott will die Rettung aller. Sein "Gericht" will nicht verurteilen, sondern retten. (Vgl. NTD, Bd. 6, Göttingen 1989)


2. Lesung (Auswahl) am Fest der Taufe Jesu, Lesejahr C:
Tit 2,11-14; 3,4-7

Lesung aus dem Brief des Apostels Paulus an Titus.

Die Gnade Gottes ist erschienen,
  um alle Menschen zu retten.
Sie erzieht uns dazu,
   uns von der Gottlosigkeit
   und den irdischen Begierden loszusagen
und besonnen, gerecht und fromm in dieser Welt zu leben, 
während wir auf die selige Erfüllung unserer Hoffnung warten:
auf das Erscheinen der Herrlichkeit
   unseres großen Gottes und Retters Christus Jesus.
Er hat sich für uns hingegeben,
   damit er uns von aller Ungerechtigkeit erlöse
und für sich ein auserlesenes Volk schaffe,
   das voll Eifer danach strebt, das Gute zu tun.

Als die Güte
   und Menschenfreundlichkeit Gottes, unseres Retters, erschien,
   hat er uns gerettet
- nicht aufgrund von Werken der Gerechtigkeit,
   die wir vollbracht haben,
sondern nach seinem Erbarmen -
durch das Bad der Wiedergeburt
   und die Erneuerung im Heiligen Geist.
Ihn hat er in reichem Maß über uns ausgegossen
   durch Jesus Christus, unseren Retter,
damit wir durch seine Gnade gerecht gemacht werden
und das ewige Leben erben, das wir erhoffen.



Der Titusbrief zählt zu den sogenannten Pastoralbriefen, die nach 60 n. Chr. im Namen und aus dem Geist des Paulus geschrieben wurden, aber nicht von ihm selbst stammen. Das paulinische Anliegen, Gottes Heil für alle Menschen zu verkünden, wird hier in einer veränderten Situation wieder geltend gemacht. Wahrscheinlich waren es das Gesetzesverständnis und die strengen Askesevorschriften des hellenistischen, synkretistischen Judentums, die den Glauben des jungen Christentums gefährdeten. In der heutigen Lesung bildet die in Jesus erschienene Gnade Gottes die Grundlage für alles andere. Gott hat alle Menschen aus Erbarmen gerettet und nicht etwa aufgrund guter Werke. So müssen auch wir uns unser Heil nicht durch Leistungen verdienen, sondern Gott liebt uns um unserer selbst willen. Er hat uns in der Taufe die Möglichkeit zu erfülltem Leben geschenkt. Wenn wir persönlich Gottes bedingungslose Liebe erfahren haben, so können wir uns selber annehmen. Dann brauchen wir nicht mehr egoistisch zu sein, sondern wenden uns liebevoll den anderen zu. Gutes zu tun ist also nicht die Voraussetzung dafür, dass Gott uns liebt und Leben in Fülle schenkt, sondern die Konsequenz dieser grundlegenden Erfahrung. Im Titusbrief wird betont, dass die Zeit des Heils mit Jesus schon angebrochen ist. Für den einzelnen Menschen ist die Taufe sinnenhaftes Zeichen und Vollzug der "Wiedergeburt". So kann die Erinnerung an die eigene Taufe uns helfen, die bedingungslose Liebe Gottes zu uns persönlich mehr und mehr zu verinnerlichen. Claudia Simonis-Hippel, in: Bernhard Krautter/Franz-Josef Ortkemper (Hg.), Gottes Volk Lesejahr C 2/2006. Verlag Katholisches Bibelwerk, Stuttgart 2006, S. 42-54.


Als Alternative zur zweiten Lesung aus der Apostelgeschichte wird ein Abschnitt aus dem Titusbrief angeboten (vgl. die Weihnachtsgottesdienste). Dieser Abschnitt hat hymnischen Charakter. Während der vorangehende wie auch der folgende Abschnitt des Briefes von Pflichten und Aufgaben der Christen handelt, will unser Text eine theologische Begründung für die geforderten Verhaltensweisen abgeben. Inhaltlich betrachtet die Lesung die Menschwerdung Jesu. Die Gnade Gottes ist erschienen, um alle Menschen zu retten. Zwischen erstem und zweitem Kommen Jesu hat der Christ sein Leben angemessen zu gestalten. Die Güte und Menschenfreundlichkeit Gottes, die in Jesus Christus erschienen ist und durch die wir gerettet sind, ist Richtschnur des menschlichen Verhaltens. Wie wir die Rettung nicht durch Verdienste erworben haben, sollen wir gütig und menschenfreundlich zu allen Menschen sein.


Ruf vor dem Evangelium zum Fest der Taufe des Herrn (C)
Lk 3,16


Halleluja, Halleluja.
Johannes sagte:
Es kommt einer, der stärker ist als ich.
Mit dem Heiligen Geist und mit dem Feuer wird er euch taufen.
Halleluja.


Evangelium zum Fest der Taufe des Herrn, Lesejahr C:
Lk 3,15-16. 21-22

Aus dem hl. Evangelium nach Lukas.

In jener Zeit
   war das Volk voll Erwartung
und alle überlegten im Herzen,
   ob Johannes nicht vielleicht selbst der Christus sei.
Doch Johannes gab ihnen allen zur Antwort:
   Ich taufe euch mit Wasser.
Es kommt aber einer, der stärker ist als ich,
und ich bin es nicht wert,
   ihm die Riemen der Sandalen zu lösen.
Er wird euch mit dem Heiligen Geist und mit Feuer taufen.

Es geschah aber,
   dass sich zusammen mit dem ganzen Volk
   auch Jesus taufen ließ.
Und während er betete,
   öffnete sich der Himmel
und der Heilige Geist
   kam sichtbar in Gestalt einer Taube auf ihn herab
und eine Stimme aus dem Himmel sprach:
   Du bist mein geliebter Sohn,
an dir habe ich Wohlgefallen gefunden. 



Im Stil einer Epiphaniegeschichte erscheint Jesus hier als Sohn Gottes. Einleitend wird Jesus von Johannes abgegrenzt. Indem Jesus sich von Johannes taufen lässt, solidarisiert er sich mit allen Menschen, die fehlbar sind. Das Entscheidende geschieht aber, während Jesus betet: Jesus öffnet sich für die Kraft Gottes und erfährt, wie sich für ihn "der Himmel öffnet" und er so in direktem Kontakt zu Gott steht. Dass der Geist Gottes "sichtbar in Gestalt einer Taube" auf ihn herabkommt, veranschaulicht, dass seine Erfahrung sinnenhaft und greifbar ist. Höhepunkt ist die Stimme aus dem Himmel, dem Bereich Gottes, die Jesus unmittelbar und persönlich anspricht: "Du bist mein Sohn, der Geliebte. An dir habe ich Gefallen." (Übers.: Fridolin Stier). Der Wortlaut verbindet Elemente von Ps 2,7 und Jes 42,1 und stellt so einen Bezug zur Schilderung des Gottesknechtes bei Deuterojesaja her (1. Lesung). Jesu einzigartige Herkunft aus Gott wird herausgestellt und später im ganzen Auftreten Jesu und seiner österlichen Offenbarung bestätigt. Schon früh wurde die Taufe Jesu als Begründung und Vorbild der christlichen Taufe gedeutet. Nach Joh 1,12 gab er uns Macht, auch Kinder Gottes zu werden. So gehören beide Gedanken heute zum Inhalt des Festes der Taufe Jesu: Was mit Jesus geschah, feiern wir, damit es auch an uns geschieht. So kann man das heutige Evangelium auf einer anderen Ebene auch als Zusage Gottes an jeden Menschen lesen. Das Wasser, in das auch Jesus hinabsteigt, ist ein altes Symbol für das Chaos, die Abgründe menschlicher Schuld und lebensbedrohlicher Angst. Diese Tiefen unseres Lebens gilt es anzunehmen, ohne aber darauf fixiert zu bleiben. Vielmehr sollen wir unseren Blick "zum Himmel" richten und uns wie Jesus für Gottes Kraft öffnen. Dann können wir erfahren, dass Gott jede und jeden von uns persönlich anspricht: "Du bist meine Tochter, mein Sohn, der Geliebte. An dir habe ich Gefallen." Und dieser Satz gilt nicht erst, wenn wir uns nach langer Anstrengung und Askese diese Liebe Gottes verdient hätten. Sie gilt mitten in unserem Dunkel, unserer Sünde und unseren alltäglichen Sorgen und Mühen. Gott ist uns auch dort nahe. In unserer eigenen Taufe haben wir diese Zusage Gottes gefeiert. Das Fest der Taufe Jesu schenkt uns die Möglichkeit, uns immer wieder daran zu er-innern und zu ver-inner-lichen: Wir sind und bleiben Gottes geliebte Kinder. Er hat an uns Gefallen um unserer selbst willen. Claudia Simonis-Hippel, in: Bernhard Krautter/Franz-Josef Ortkemper (Hg.), Gottes Volk Lesejahr C 2/2006. Verlag Katholisches Bibelwerk, Stuttgart 2006, S. 42-54.


In den Versen Lk 3,7-18 berichtet der Evangelist von Volksscharen, die zum Propheten Johannes in das Jordangebiet ziehen, um sich taufen zu lassen. Diesen Menschen gilt die Predigt des Johannes. Nur Zöllner und Soldaten werden besonders hervorgehoben. (Im Mt-Evangelium und in der Quelle Q spricht Johannes vor allem zu Pharisäern und Sadduzäern). Lukas baut die Predigt des Johannes dreistufig auf: - Androhung des Gottesgerichts - Verse 7-9 - praktische Handlungsbeispiele einer Umkehrethik - Verse 10-14 und - Vertrauen auf den kommenden Herrn und seinen Heiligen Geist - Verse 15-17. Möglicherweise entspricht dieses Schema formal der Katechese zur Zeit des Lukas. Die Taufe Jesu reiht Lukas in eine "Massenbewegung" ein ("... zusammen mit dem ganzen Volk ..."). Die eigentliche Gotteserscheinung wird mit Hilfe dreier symbolischer Bilder geschildert: Der Himmel öffnet sich, in Gestalt einer Taube kommt der Heilige Geist auf Jesus herab und eine Stimme aus dem Himmel erschallt. Die Erscheinung des Heiligen Geistes wird durch das Gebet Jesu ausgelöst. Lukas schildert nicht die Geistbegabung Jesu oder seine Bewußtwerdung als Sohn Gottes, dies wird in den früheren Kapiteln bereits dargelegt, sondern der Heilige Geist proklamiert vielmehr Jesus vor dem Volk als Gottessohn. Die Darstellung des Gottesgeistes in Form einer Taube findet sich bereits im religionsgeschichtlichen Umfeld des Evangelisten und ist kein ursprünglich rein christliches Symbol. Die Himmelsstimme ist eine stilistische Anlehnung an Ps 2,7, Gen 22,2 oder Jes 42,1. Sie deutet Jesus als messianischen König Israels und der Menschheit an, der durch Erwählung aus Gnade, Gottes "geliebter Sohn" ist.


Ungekürzte Fassung des
Evangeliums zum Fest der Taufe des Herrn, Lesejahr C:
Lk 3,15-22

Aus dem hl. Evangelium nach Lukas.

In jener Zeit
   war das Volk voll Erwartung
und alle überlegten im Herzen,
   ob Johannes nicht vielleicht selbst der Christus sei.
Doch Johannes gab ihnen allen zur Antwort:
   Ich taufe euch mit Wasser.
Es kommt aber einer, der stärker ist als ich,
und ich bin es nicht wert,
   ihm die Riemen der Sandalen zu lösen.
Er wird euch mit dem Heiligen Geist und mit Feuer taufen.

Schon hält er die Schaufel in der Hand,
   um seine Tenne zu reinigen
   und den Weizen in seine Scheune zu sammeln;
die Spreu aber wird er in nie erlöschendem Feuer verbrennen.
Mit diesen und vielen anderen Worten
   ermahnte er das Volk
   und verkündete die frohe Botschaft.
Johannes tadelte auch den Tetrarchen Herodes
   wegen Herodias, der Frau seines Bruders,
   und wegen aller Schandtaten, die er verübt hatte.
Herodes fügte zu allem noch dies hinzu,
dass er Johannes ins Gefängnis werfen ließ.

Es geschah aber,
   dass sich zusammen mit dem ganzen Volk
   auch Jesus taufen ließ.
Und während er betete,
   öffnete sich der Himmel
und der Heilige Geist
   kam sichtbar in Gestalt einer Taube auf ihn herab
und eine Stimme aus dem Himmel sprach:
   Du bist mein geliebter Sohn,
an dir habe ich Wohlgefallen gefunden.