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Kontexte 08.09.2013


Wenn man sich auf den Weg macht

Aus: Franz Kamphaus, Hinter Jesus her. Anstöße zur Nachfolge. Herder Verlag, Freiburg Basel Wien 2010.


Christen sind keine Einzelkämpfer. Die hinter Jesus her sind, halten Tuchfühlung nach rechts und links, haken sich ein. »Einer trage des anderen Last.« Auch die, die nicht so recht mitkönnen, nehmen wir mit. Wir wagen den Weg gemeinsam, in der Gemeinschaft von Männern und Frauen, von Jugendlichen und Älteren, von Ausländern und Einheimischen. Für die, die hinter Jesus her sind, gilt nicht das Recht des Stärkeren, sondern das Recht des Schwächeren.

Wenn man sich auf den Weg macht, sollte man möglichst wenig Gepäck mitnehmen. Jesus sagt das seinen Jüngern (Mt 10,5-12): »Steckt nicht Gold, Silber und Kupfermünzen in euren Gürtel. Nehmt keine Vorratstasche mit auf den Weg...« Haben wir nicht in der Regel viel zu viel Zeug bei uns? Die viel mitnehmen, haben es unterwegs schwer. Das ist ein Problem unserer alten Kirche in Europa: Es hat sich im Laufe der Jahrhunderte so viel bei uns angesammelt. Wir schleppen viel zu viel Ballast mit uns herum. Wer nicht viel Gepäck hat, bleibt beweglich, ist veränderungsbereit. In diesem Punkt haben uns die armen Kirchen im Süden viel voraus. Sie sind unsere Partner, auch unsere Lehrmeister.

In einer Gesellschaft, in der das Haben, das Besitzen domi­niert und Scharen von »Besessenen« produziert werden, ist es notwendig, dass junge Leute da sind, die sagen: Das kann doch nicht alles sein. Weniger kann mehr sein. Lassen wir’s, in Got­tes Namen. Das ist ein Zeichen von Freiheit. Wer hinter Jesus her ist, der nimmt nur das Notwendigste mit. Werden wir die Erfahrung vermitteln können, dass weniger (an Sachen) mehr (an Freiheit) sein kann? Nur so, indem wir selbst einfach leben, Armut erfahren, werden wir für die Armen sensibel sein. Sie gehören nach vom, an die Spitze. »Die Armen zuerst!«

Wer sich auf Jesus beruft, kommt an den Armen nicht vor­bei. Jesus selbst war einer von ihnen. Er hat niemanden von seiner Liebe ausgeschlossen. Aber die Armen standen ihm besonders nah. So muss es auch bei uns sein: Die Armen zuerst! Das ist eine Priorität, die das Evangelium unserem Denken und Handeln setzt.



Der Rat eines Wüstenvaters

Aus: Die Wüstenväter. Sag mir ein gutes Wort. Verlagsgemeinschaft topos plus, Kevelaer 2012.


Ein Bruder fragte einen Altvater: "Gib mir eine gute Lehre, was ich in meiner Jugend sammeln soll, um es im Alter zu besitzen." Der antwortete: "Entweder erstrebe Christus und denke nur an ihn oder sammle Geld, damit du nicht zu betteln brauchst. Es ist deine Sache, ob du Christus oder den Mammon zu deinem Herrn wählst!"



Die evangelischen Räte

Aus: Anselm Grün / Andrea Schwarz, Alles lassen, weil Er mich nicht lässt. Lebenskultur aus dem Evangelium. Herder Verlag, Freiburg Basel Wien 2001.


Erst im Mittelalter fängt man an, non den drei evangelischen Räten zu sprechen, von Gehorsam, Armut und Ehelosigkeit. In der frühen Kirche gab es eine breite Strömung, intensiver sein Christsein zu leben, das Zeugnis der Märtyrer in seinem persönlichen Leben fortzusetzen. Es war vor allem die Mönchsbewegung, die auf radikale Weise Christus nachfolgen wollte. Vollendet dann bei Thomas von Aquin wird eine eigene Theolo­gie der evangelischen Räte entwickelt. Man stellt den Rat Christi dem Gesetz gegenüber, das jeder Christ zu erfüllen hat, während der Rat ein Weg der Gnade ist. Da zitiert man gerne Ambrosius, den Bischof von Mailand, von dem das berühmte Wort stammt: »Knechten gibt man Gebote, Freunden aber Räte. Wo Gebot, da waltet Gesetz, wo der Rat, da waltet die Gnade.«



Verweigerung

Aus: Anselm Grün / Andrea Schwarz, Alles lassen, weil Er mich nicht lässt. Lebenskultur aus dem Evangelium. Herder Verlag, Freiburg Basel Wien 2001.


Ich wünsch mir
schön wäre es schon
ich hab geträumt von uns

aber es passt nicht
verschiedene Wege
unterschiedliche Gangart

klagen
hadern
streiten

könntest du nicht
magst du nicht
willst du nicht


warum gerade ich
warum gerade du
warum gerade wir

Schrei
Klage
Protest
und

du

schweigst



Anfangen ist wichtig. Bleiben ist wichtiger

Aus: Ruth Pfau, Leben heißt anfangen. Worte, die das Herz berühren. Herder Verlag, Freiburg Basel Wien 2010.


Für Christen ist das immer wieder neue Anfängen wichtig. Warum? Weil wir uns eben „auf dem Weg“ begreifen. In der Anfangszeit wurde das langsam ent­stehende Christentum die „Religion des neuen Weges“ genannt. Das ist konstitutiv für einen Christen.

Aber es genügt nicht. Anzufangen ist fast immer ein­fach. Dabeizubleiben ist schwierig, Treue ist wichtig. Am Ball zu bleiben, ist wichtig. Ich finde es selbst­verständlich zu bleiben, auch wenn ich das, was ich angefangen habe, nicht vollenden kann. Das ist kein Widerspruch. Das Unmögliche verlangt Gott nicht.



Ein Christ ist einer,

Aus: Bruno Griemens, online to he@ven. Jugendgebete. Butzon & Bercker Verlag / Verlag Haus Altenberg 2009.


für den Jesus Christus entscheidend ist.
Ein Christ ist einer,
der sich lieben lässt und liebt.
Ein Christ ist einer,
der feiern kann.
Ein Christ ist einer,
der sich herausfordern lässt.
Ein Christ ist einer,
der in Gemeinschaft glaubt.
Ein Christ ist einer,
der solidarisch ist mit allen Menschen.
Ein Christ ist einer,
der glaubt, dass Gott immer größer ist.
Ein Christ ist einer,
der weiß: Ich fange nur an.
Ein Christ ist einer,
der das Ganze sieht.