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Kontexte 08.05.2016


Die bleibende Präsenz Gottes in der Welt

Aus: Hildegund Keul, Auferstehung als Lebenskunst. Was das Christentum auszeichnet. Herder Verlag, Freiburg Basel Wien 2014.


Mit dem Letzten Abendmahl hat Jesus eine christliche Gedächtniskultur begründet, die den Teufelskreis drohender Gewalt zu durchbrechen vermag. Zugleich ist es eine eigene Leistung der frühen Kirche, dass sie diesen Auftrag annimmt und gestaltet. Mit seiner christologischen Deutung macht sie das Letzte Abendmahl zum alltäglichen Ritual, das das Christentum auszeichnet. Dabei stellen Tod und Auferstehung Jesu seine Jüngerinnen und Jünger ebenfalls vor die Herausforderung, zu begreifen, dass Jesus »abwesend und dennoch präsent« ist. Wie lässt sich dies denken, glauben und handelnd realisieren? Die Tatsache der Abwesenheit Jesu ist unausweichlich. Er ist nicht mehr so sichtbar, berührbar und befragbar wie vor seinem Tod. Wie kann der abwesende Jesus als Christus dennoch präsent sein?

Die junge Kirche antwortet auf diese Frage theologisch, indem sie den Heiligen Geist als jene Person der Trinität benennt, die für die bleibende Präsenz Gottes in der Welt einsteht. Praktisch beantwortet die Kirche diese Frage, indem sie den Auftrag des Letzten Abendmahls aufgreift: »Tut dies zu meinem Gedächtnis.« Die Feier des Brotbrechens rückt ins Zentrum ihrer Aktivitäten (vgl. Apg 2,42). Dabei wird Jesus, der gewaltsam aus ihrer Tischgemeinschaft gerissen wurde, im Brotbrechen auf neue Weise in den Mittelpunkt gerückt. Er wird nicht als Toter erinnert, dessen Tötung etwas übergriffig Gefährliches hat, sondern als Auferstandener, der Gewalt und Tod überwindet. Für diejenigen, die Jesus noch persönlich gekannt haben, wendet das neue Ritual die tödliche Macht des Abwesenden, indem es seine bleibende Präsenz benennt. Sie haben nicht den Auftrag erhalten, den Tod Jesu zu rächen, sondern Brot zu brechen und miteinander Wein zu trinken.

Das Brotbrechen setzt den Anfang einer Tradition, die für die Kirche bis heute entscheidend ist. Die Sakramentenlehre entwickelt sich langsam, aber im Brotbrechen Jesu ist ihr Fun­dament bereits gelegt. Denn hier wird die geistreiche Präsenz Christi auch denjenigen eröffnet, die den irdischen Jesus nicht mehr kennen und die erst in der Tradition der Kirche von ihm hören. Auch sie können an Jesus Christus glauben und ihre Hoffnung auf ihn setzen, obwohl sie ihn weder selbst sehen noch befragen können. Denn in der Feier des Abendmahls kommt die verborgene Präsenz Christi im Geist zur Sprache. Sein Geist, der »Heilige Geist«, ist weiterhin wirksam. Er ist Garant der bleibenden Präsenz Christi. Er verleiht dem, was im Letzten Abendmahl geschah, Wirksamkeit in den geschichtlichen Ereignissen späterer Zeit.



Communio

Aus: Manfred Scheuer, Wider den kirchlichen Narzissmus. Ein spirituell-politisches Plädoyer. Tyrolia Verlag, Innsbruck Wien 2015.


Eine der Leitideen des Konzils für Kirche lautet: communio. Wenn das Konzil von communio spricht, meint es primär nicht Organisationsfragen der Kirche. Communio bezeichnet nicht die Struktur der Kirche, sondern ihr Wesen, ihr Mysterium. Das Mysterium der Kirche besteht nach dem Konzil darin, dass wir im Geist durch Christus Zugang haben zum Vater, um so der gött­lichen Natur teilhaftig zu werden. Die communio der Kirche ist vorgebildet und getragen von der trinitarischen communio, sie ist Teilhabe an der trinitarischen communio selbst (LG 4; UR 2). Die Kirche ist gleichsam die Ikone der trinitarischen Gemein­schaft von Vater, Sohn und Heiligem Geist. Damit sagt das Kon­zil: Nicht die Kirche ist die Antwort auf die menschliche Sehn­sucht nach Gemeinschaft. Allein in Gottes Selbstmitteilung, in der Gemeinschaft und Freundschaft mit Gott kann menschliches Verlangen nach Gemeinschaft seine Erfüllung finden. Gott allein ist die letzte Antwort auf die Frage, die sich der Mensch selbst ist (GS 21). Die Kirche ist darum der Gottesfrage zu- und unterge­ordnet. Koinonia/'communio bedeutet in den Texten des Konzils ursprünglich nicht Gemeinschaft, sondern purfiapafio/Teilhabe, Teilhabe an den von Gott geschenkten Gütern des Heils: Teilhabe am Heiligen Geist, am neuen Leben, an der Liebe, am Evangeli­um, vor allem aber an der Eucharistie. Deshalb ist die Eucharistie der Höhepunkt der kirchlichen communio (LG 11; AG 9). Darü­ber hinaus spricht das Konzil von Wort und Sakrament (AG 9; AA 6; PO 4; UR 2) bzw. von den zwei Tischen, dem Tisch der Eu­charistie und dem Tisch des Wortes Gottes (SC 51; DV 21). Damit hat das Konzil die Kirche als „Schöpfung des Wortes“ (creatura verbi) bestimmt (LG 2; 9; DV 21-26). Als eucharistische commu­nio ist die Kirche nicht nur Abbild der trinitarischen communio, sondern auch deren Vergegenwärtigung. Sie ist nicht nur (äußer­liches oder instrumentelles) Heilszeichen und Heilsmittel, son­dern auch Heilsfrucht.



Integration

Aus: Manfred Scheuer, Wider den kirchlichen Narzissmus. Ein spirituell-politisches Plädoyer. Tyrolia Verlag, Innsbruck Wien 2015.


Dem Umstand, dass Migration weiterhin stark zunehmen wird, ist Rechnung zu tragen. Diese Zeichen der Zeit nicht wahr- bzw. ernst zu nehmen oder gar zu verdrängen könnte katastrophale Auswirkungen auf das Zusammenleben der Menschen in unserem Lande haben. Integration ist der Versuch eines gelingenden Zusammenlebens unter Beibehaltung von Identität, wobei sowohl Migrantinnen und Migranten als auch die aufnehmende Gesellschaft ihre Identität beibehalten und entwickeln dürfen und sollen. Sie bedeutet die Herstellung von Chancengleichheit im sozialen, politischen und gesellschaftlichen Leben.

Das Aufnehmen von Fremden und Obdachlosen im Sinne der Worte Jesu „Ich war fremd und obdachlos und ihr habt mich aufgenommen“ muss auch mit dem „Annehmen“ ergänzt werden. Das bedeutet die Zuwendung in Freundschaft und gegenseitiger Achtung. Der tiefste Grund dafür ist, dass Gott auch uns angenommen, dass er sich uns in Liebe zugewandt hat. Das bedeutet keine Gleichmacherei. Wir sollen unsere Geschichte, unsere Kulturen, unsere Eigenarten und Werte pflegen. Einheimische und Fremde verbindet auch die Spannung zwischen Heimat und Fremde, zwischen Ziel und Unterwegssein.

Integration bestimmt das Leben konkreter Menschen. Integration ist ein Prozess des wechselseitigen Sich-Einlassens und der Veränderung zwischen einer aufnehmenden und einer aufzunehmenden Gruppe. Während Migrantinnen und Migranten vor allem auf individueller Ebene große Anpassungsleistungen erbringen müssen, fällt der Aufnahmegesellschaft die Aufgabe zu, die politischen, rechtlichen und kulturellen Institutionen so zu gestalten, dass aus Fremden gleichberechtigte Bürger werden.

Dazu braucht es faire, gerechte Chancen -für In-und Ausländer. Die Aufnahmegesellschaft hat für Strukturen zu sorgen, die von Anfang an Aufnahme und Beteiligung ermöglichen. Ebenso wird von Migrantinnen und Migranten erwartet, sich auf diesen Prozess einzulassen, etwa die Bereitschaft zum Erlernen der deutschen Sprache. Und jeder in Österreich ist gehalten, die Universalität der Menschenrechte und die demokratische Verfassung als Grundlage des Zusammenlebens anzuerkennen, wie Religionsfreiheit, Rechtsstaatlichkeit oder die gleichberechtigte Stellung von Frau und Mann. Das verpflichtet alle Mitglieder der österreichischen Gesellschaft, - ob schon seit Generationen hier lebend, hier geboren oder kürzlich zugewandert.

Ein Schlüssel der Integration ist die Bildung. Im Sozialwort des Ökumenischen Rates der Kirchen in Österreich heißt es: „Bildung kann Menschen mit unterschiedlichen Hintergründen zusammenführen, durch gemeinsames Lernen den Horizont eines jeden und einer jeden Einzelnen weiten helfen, Brücken zu bauen zwischen den Generationen und zwischen den Geschlechtern, zwischen Kulturen und Religionen.“

Integration ist ein beidseitiger Prozess, ein gesellschaftlicher Dauerauftrag. In vielen positiven Beispielen im Alltagsleben leisten Christinnen und Christen einen wichtigen Beitrag auf dem sicherlich noch langen Weg zu einem besseren Miteinander. Und immer wieder werden mutige Schritte gesetzt. Wir brauchen gegenseitigen Respekt. Die zahlreichen Zuwanderer leisteten ebenso ihren Beitrag zum wirtschaftlichen, kulturellen und sozialen Reichtum. Die Nationen müssen „im Namen der Würde jedes einzelnen Menschen einen zusätzlichen Schritt hin zur Integration aller in die Gesellschaft“ machen. „Davon hängt zu einem großen Teil der soziale Friede ab“ (Papst Bene­dikt XVI.).



Liebe macht erfinderisch

Aus: Arnold Mettnitzer, Was ich glaube. Überlegungen & Überzeugungen. Mit Bildern von Gottfried Mairwöger. Styria Verlag, Wien Graz Klagenfurt 2015.


Auf dem alten Friedhof von Roermond in Holland befindet sich eine bemerkenswerte Grabstätte. Dort fand im Jahre 1888 ein gemischtkonfessionelles Ehepaar seine letzte Ruhestätte. Der Mann war katholischen Glaubens, seine Frau Jüdin. Weil es aus religiösen Gründen undenkbar war, dass die beiden Eheleute im selben Grab beigesetzt werden, bestatteten die Kinder der beiden ihre Eltern direkt an der Friedhofsmauer, den Vater innerhalb, die Mutter direkt dahinter, außerhalb des Friedhofs. Die beiden Grabsteine gestalteten sie so hoch, dass sie die Friedhofsmauer überragen und sie mit zwei ineinander gelegten Händen verbinden. Heute noch halten die beiden Hände aus Marmor über der Mauer zusammen, was vor über hundert Jahren aus religiösen Gründen getrennt werden sollte.

Zugegeben: Mit Idealen tun wir uns leichter als mit Krisen. Vorschriften sind besser zu verwalten als die täglichen Spielarten des Lebendigen. Mit Gesetzen und Verordnungen konnte aber noch niemand in der Tiefe seines Herzens berührt und getröstet werden. In Roermond belegt ein Grabstein, dass Konventionen, gesellschaftliche Normen und religiöse Vorschriften niemals das letzte Wort beanspruchen dürfen. Der Volksmund sagt: „Liebe macht blind!“ Der Grabstein in Roermond sagt: „Liebe macht erfinderisch“, sie ist stärker als der Tod. Liebe hört niemals auf.



Ein Weilchen...

Aus: Dschalalaluddin Rumi, Traumbild des Herzens. Hundert Vierzeiler. Ausgewählt, aus dem Persischen übertragen, eingeleitet und erläutert von Johann Christoph Bürgel. Manesse Verlag, Zürich 1992/2015.


Ein Weilchen waren wir Schüler in unserer Kinderzeit.
Ein Weilchen haben uns später die lieblichen Wangen erfreut.
Das Ende dieser Geschichte, höre nun auch, wie es war:
Wir stiegen als Wolke empor und vergingen, vom Winde zerstreut.



Der Punkt an dem alles zusammenfällt

Bernhard Meuser in: Reinhard Kürzinger / Bernhard Sill (Hrsg.), Das große Buch der Gebete. Über 800 alte und neue Gebetstexte für jeden Anlass. Verlag HOHE GbmbH Erfstadt 2007.



Komm in mir wohnen

Rudolf Bohren in: Reinhard Kürzinger / Bernhard Sill (Hrsg.), Das große Buch der Gebete. Über 800 alte und neue Gebetstexte für jeden Anlass. Verlag HOHE GbmbH Erfstadt 2007.



Kirchen unterzeichnen Erklärung zur Reformation

Copyright 18.04.2013 Katholische Presseagentur, Wien, Österreich.



Zum ökumenischen Dialog

Aus: Karl Rahner Lesebuch. Herausgegeben von Karl Kardinal Lehmann und Albert Raffelt. Herder Verlag, Freiburg Basel Wien. 2004 (1982).



Gottes universaler Heilswille

Aus: Walter Kardinal Kasper, Barmherzigkeit. Grundbegriff des Evangeliums – Schlüssel christlichen Lebens. Herder Verlag, Freiburg Basel Wien 2012.



Strahlen brechen viele aus einem Licht

Dieter Trautwein (1976) nach einem schwedischen Lied von Anders Frostenson (1972), in: EG 268.



Im Geist Gemeinschaft haben

Philipp Friedrich Hiller (1731) in: EG 253.



Sichtbare Kirche

Philipp Melanchthon, Synodalrede über den Unterschied zwischen der Kirche Gottes und dem Reich der Welt (1546), in: Melanchthon deutsch Bd. II, Berlin: Evangelische Verlagsanstalt 1997.



Die sichtbare Gemeinde

Dietrich Bonhoeffer, Die sichtbare Gemeinde (1937), in: ders., Nachfolge, DBW 4, München: Chr. Kaiser Verlag 1989.



Der eine Rock des Herrn ist zerrissen

Joseph Ratzinger, Einführung in das Christentum, München: Kösel Verlag 1968.



Fürbitte

Huub Oosterhuis, Mitten unter uns, Freiburg: Herder1982.