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Kontexte 29.05.2016


Die Angst vor dem Fremden

Aus: Manfred Scheuer, Wider den kirchlichen Narzissmus. Ein spirituell-politisches Plädoyer. Tyrolia Verlag, Innsbruck Wien 2015.


Die Fremden werden nicht von selbst vertraut und auch nicht selbstverständlich als Gäste aufgenommen. Dies hängt an grundsätzlichen Einstellungen zum Leben bzw. an Lebensentwürfen, die negativ über der eigenen Identität wachen. Negativ und abgrenzend entwickelt sich das Selbst- bzw. Ich- Bewusstsein, wenn es durch Entledigung von allem Fremden angestrebt wird. Man will sich selbst und die Besonderheit der eigenen Identität durch Ausstößen der anderen sichern. Alles, was im Gegensatz zum Eigenen, Nahen, Bekannten, Gewohnten und Vertrauten steht, ist dann nicht geheuer und wird als Bedrohung erfahren. Eine Sperrhaltung gegen alles Fremde, grundsätzliches Misstrauen, eine grundsätzliche Abwehrreaktion sind die Konsequenz: Wer kein Hiesiger ist, gilt als suspekt. Ausland und Elend haben eine Wurzel. „Menschen“ sind für manche politische Gruppen nur jene, die der eigenen Nation oder Rasse angehören. Die anderen gelten als Barbaren oder Untermenschen. Das führt dann zum Tanz um das Goldene Kalb der Identität, um die persönliche, berufliche, nationale, politische, männliche, weibliche, kirchliche, parteiliche, ideo­logische Identität. Selbstbewusstsein und Zelebration werden eins. Eitelkeit und Arroganz gegenüber dem anderen machen sich breit. Im Kern ist diese narzisstisch orientierte Identität aber morbid: „Während das Subjekt zugrunde geht, negiert es alles, was nicht seiner eigenen Art ist.“ (Th. W. Adorno)



Offenheit in einer komplexen Welt

Aus: Mouhanad Khochride, Gott glaubt an den Menschen. Mit dem Islam zu einem neuen Humanismus. Herder Verlag, Freiburg Basel Wien 2015.


Die Menschen in Humanisten und Nichthumanisten einzuteilen, ergibt im Grunde keinen Sinn, weil der Humanismus eine Haltung ist, die sich je nach Lebenssituation einmal etwas stärker und einmal etwas weniger stark entfaltet. Das gilt auch für den Umgang religiöser Menschen mit ihren Religionen. Es ist schwierig, Menschen nach Kategorien zu »schubladisieren« wie liberal oder konservativ. Aus vielen Debatten, die ich in den letzten Jahren verfolgte, kann ich sagen, dass weder sogenannte Konservative noch sogenannte Liberale selbst wissen, was sie eigentlich zu Konservativen oder zu Liberalen macht. Meist sind dies Fremdzuschreibungen von Menschen, die in Schwarz-Weiß- Schemata denken, um die Dinge zu simplifizieren. Die Welt ist jedoch viel komplexer. Bei ein und derselben Person kann man zu bestimmten Fragen auf offene Haltungen, zu anderen auf geschlossene Haltungen stoßen. Auch kann sich dieselbe Person zu derselben Frage in einem bestimmten Kontext offen und in einem anderen verschlossen verhalten. Was Extremisten in allen Weltanschauungen, auch in säkularen Weltanschauungen, ausmacht, ist, dass bei ihnen allen eine Haltung des »Sich-Verschließens« überwiegt. Man lehnt es ab, sich auf den »Anderen« einzulassen. Man will mit dem verhaftet bleiben, woran man selbst glaubt und was man selbst für wahr hält - absolute Haltungen, die den Menschen zum Absoluten erklären wollen. Mit solchen Haltungen verharrt die Sicht von der Welt in einer Starre, während die Welt selbst stets dem Wandel unterworfen ist. Wer diesen Wandel nicht mitmacht und selbst lenkt, lebt zwar physisch in der Welt, nicht aber mehr geistig.



Familienzusammenführung auf pannonische Art

Aus Ägidius Zsifkovics, Von A bis Z. Gott begegnen in der Welt von heute. Hrsg. von Dominik Orieschnig mit Bildern von Heinz Ebner. Tyrolia Verlag, Innsbruck Wien 2015.


Es ist offensichtlich, dass der offizielle theologische Dialog zwischen orthodoxer und katholischer Kirche noch viele Herausforderungen zu bestehen hat. Doch wir dürfen dabei nie vergessen, dass die volle und sichtbare Einheit aller Christen nicht in erster Linie durch Debatten und Konsenspapiere zu erreichen ist. So wie unser Glaube nicht bloß eine Setzung menschlichen Denkens ist, sondern die Frucht einer Gabe, kann uns auch die Einheit letztlich nur geschenkt werden. Wir können die Einheit nicht „machen“, wir können nicht unter Experten verfügen, dass sie zu einem bestimmten Datum vollendet ist. Die Einheit der Christen ist kein intellektueller Prozess. Sie ist ein spiritueller Prozess.

In Anbetracht des Umstandes, dass die Apostel Petrus und An­dreas Brüder waren und sowohl katholische als auch orthodoxe Christen Mitglieder ein und derselben Familie sind, sehnen die heutigen Zeichen der Zeit nach Jahrhunderten der Trennung die volle Einheit aller Christen herbei. „Wartet nicht auf die Theologen!“ - so hat Papst Franziskus im Oktober des Jahres 2014 uns Christen aufgefordert. Wir sollen in der Ökumene „zusammen vorangehen, füreinander beten und miteinander Werke der Barmherzigkeit tun“ und dabei nicht erst auf Einigung in theologischen Fragen warten. Das bedeutet, dass wir Christen in unseren Herzen alles tun müssen, um der Einheit wieder fähig und würdig zu werden. Wichtiger als Konsenspapiere und ökumenische Erklärungen ist, dass wir alle in der Liebe und im Glauben wachsen. Nur wenn wir bereit sind, selbstlose Werke der Liebe zu tun, ohne Wenn und Aber und ohne doppelten Boden, wird uns auch eines Tages die Einheit geschenkt werden.



Christenverfolgung in Flüchtlingsheimen

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Eine jüngst veröffentlichte Erhebung, wonach Muslime systematisch christliche Flüchtlinge in deutschen Asylwerberunterkünften verfolgen, ist laut Recherchen der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung" von zweifelhafter Aussagekraft.

Berlin, 22.5.2016 (KAP/KNA) Laut Recherchen der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung" (F.A.S.) gibt es Zweifel an einer kürzlich veröffentlichten Erhebung über die angebliche systematische Verfolgung von christlichen Flüchtlingen durch Muslime in deutschen Asylwerberunterkünften.

Das christliche Hilfswerk "Open Doors" hatte vor zwei Wochen eine Erhebung über "Religiös motivierte Übergriffe gegen christliche Flüchtlinge in Deutschland" veröffentlicht und darin von flächendeckenden Fällen von Gewalt und Drangsalierung gegenüber Christen in den Unterkünften berichtet.

Nun habe die Organisation auf Anfrage der Zeitung eingeräumt, dass fast zwei Drittel der in der Erhebung aufgeführten mutmaßlichen Opfer aus einer einzigen Gemeinde in Berlin stammten. In der Publikation heißt es aber: "Die Erhebung fand deutschlandweit statt."

Auch die Nachprüfung einzelner von "Open Doors" als besonders krass dargestellter Fälle habe zu erheblichen Zweifeln an der Darstellung der mutmaßlichen Opfer geführt, berichtet die Zeitung weiter. Hintergrund sei unter anderem, dass es Kreise gebe, die versuchten, "mit Konvertiten oder angeblichen Konvertiten Politik zu machen".

Der Geschäftsführer von "Open Doors", Markus Rode, habe zudem im Gespräch mit der F.A.S den Vorwurf erhoben, die großen Kirchen in Deutschland würden das Ausmaß der Gewalt vertuschen. Ein Grund dafür sei, dass die Kirchen selbst Betreiber von Flüchtlingsheimen seien. Rode habe gesagt, so die Zeitung, er könne 500 Fälle von religiös motivierter Gewalt in kirchlich betriebenen Heimen nennen. Auf Nachfrage sei es "Open Doors" binnen einer Woche aber nicht möglich gewesen, einen einzigen Fall in einem kirchlich betriebenen Heim zu nennen.

Darüber hinaus berichtet die Zeitung, es gebe in der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) Beunruhigung über die "Open-Doors"-Publikation. So heiße es in einer internen Stellungnahme der Westfälischen Landeskirche: "Als Kirche haben wir nun das gleiche Problem wie die staatlichen Organisationen: Die Islamfeinde in der Kirche versuchen, uns vor sich herzutreiben." Die Erhebung sei "als unseriös abzulehnen" und weise "Züge der Pegida-Argumentationsweise" auf, zitiert die F.A.S. aus dem Papier.

Auch die katholische Kirche hatte sich nach der Publikation kritisch geäußert. Eine Quantifizierung des Problems "hält die Deutsche Bischofskonferenz aufgrund der ihr vorliegenden Informationen für nicht möglich", hatte der Sprecher der Bischofskonferenz, Matthias Kopp, der deutschen Katholischen Nachrichten-Agentur KNA gesagt.

Eine eigene Erhebung und Gespräche mit Betreibern hätten die Einschätzung nahegelegt, "dass Einschüchterung und Diskriminierung (bis hin zu Gewalt) gegenüber christlichen Bewohnern von Flüchtlingseinrichtungen kein geläufiges, wohl aber ein immer wieder auftretendes Problem sind, das ernst genommen werden muss". Die katholische Kirche hatte sich daher auch für die Entwicklung "besonderer Schutzmaßnahmen" ausgesprochen.



Weil einer an mich glaubt

Aus: Lothar Zenetti, Auf seiner Spur. Texte gläubiger Zuversicht. Matthias Grünewald Verlag der Schwabenverlag AG, Ostfildern 2011.



Glaubensgespräche

Aus: Lothar Zenetti, Auf seiner Spur. Texte gläubiger Zuversicht. Matthias Grünewald Verlag der Schwabenverlag AG, Ostfildern 2011.



Gleich und doch anders, anders und doch gleich

Aus: Franz Kamphaus, Um Gottes willen - Leben. Einsprüche. Herder Verlag, Freiburg Basel Wien 2004.



Leben ist Begegnung

Aus: August Janisch, Mit weitem Herzen. Gedanken eines Grenzgängers. Styria Verlag, Graz Wien Köln 2002.



Das Reich Gottes

Aus: Franz Kamphaus, Die Welt zusammenhalten. Reden gegen den Strom. Herder Verlag, Freiburg Basel Wien 2008.