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Kontexte 12.06.2016


Wie bekomme ich einen gnädigen Gott?

Zenit.org: https://de.zenit.org/articles/wie-bekomme-ich-einen-gnadigen-gott/


Papst Benedikt im Augustinerkloster

ERFURT, 23. September 2011 (ZENIT.org). – „Sind unsere Fehler wirklich so klein?“, fragte Papst Benedikt in Erfurt bei dem Treffen mit Vertretern des Rats der EKD im Augustinerkloster, dem Ort, wo Martin Luther studiert hatte und zum Priester geweiht worden war.

Dass die Frage Luthers „Wie kriege ich einen gnädigen Gott“ die bewegende Kraft seines Weges gewesen sei, bewege ihn immer von neuem, dieses Ringen um Gott und mit Gott.

„Denn wen kümmert das eigentlich heute – auch unter Christenmenschen?“ , fragte Papst Benedikt. Die meisten Menschen, auch Christen, nähmen heute an, dass Gott sich für unsere Sünden und Tugenden letztlich nicht interessiere. Sofern man heute überhaupt an ein Jenseits und ein Gericht Gottes glaube, setzten praktisch fast alle voraus, dass Gott großzügig sei und schließlich mit seiner Barmherzigkeit schon über unsere kleinen Fehler hinwegschauen werde.

Mehr:
https://de.zenit.org/articles/wie-bekomme-ich-einen-gnadigen-gott/



Vorrang der Pastoral

Rainer Bucher, Mehr als Stellschrauben. In: Herder Korrespondenz. Monatsheft für Gesellschaft und Religion, Freiburg i. Br., Juni 2016.


Spätestens die römische Bischofssynode des Herbstes 2015 dokumentierte, dass die Postmoderne nun auch im Vatikan angekommen ist. Relativierungen grundlegendster Art wurden öffentlich. Es war nicht länger möglich, ihnen in unrelativierte diskursive oder soziale Singularitäten aus­zuweichen, so lange man es auch getan hatte und es einige auch noch weiter gerne getan hätten.

Natürlich ist solches nicht leicht einzugestehen und das Abschlussdokument der Synode fand denn auch manche schöne Formulierung, um mit dieser neuen Einsicht halbwegs bekömmlich umzugehen. Aber auch hier machte Papst Franziskus seine Kirche in bemerkenswerter Weise ehrlich. In seiner Abschlussrede zur Synode sprach er aus, was der Fall ist, und wovon „Amoris Laetitia“ dann auf jeder Zeile in seinem Subtext handeln sollte. Man habe „gesehen, dass das, was einem Bischof eines Kontinentes als normal erscheint, sich für den Bischof eines anderen Kontinents als seltsam, beinahe wie ein Skandal heraussteilen kann - beinahe!“ Und „was in einer Gesellschaft als Verletzung eines Rechtes angesehen wird, kann in einer anderen eine selbstverständliche und unantastbare Vorschrift sein“. Ja „was für einige Gewissensfreiheit ist, kann für andere nur Verwirrung bedeuten.“

Das ist eine schöne rhetorische und sachliche Klimax: vom massiv differenten Normalitätsempfinden einfacher Bischöfe („Skandal“) zur diametralen Differenz im juridischen System zwischen Rechtsverletzung und „unantastbare Vorschrift“ bis hin schließlich zum Gewissen zwischen Freiheit und Verwirrung. Abgesehen davon, dass man bereits an dieser Schlussansprache sehr gut erkennen kann, welcher Hierarchie der Vergewisserungen der Papst folgt, deckt diese Steigerung auch so ziemlich alles ab, was (katholisch) relevant ist in der Welt der Normen und Werte: das kirchliche Amt, die juristische Ordnung und das persönliche Gewissen. Und in all dem: Widerstreit.

Noch eine andere postmoderne Standardoperation findet sich in der Papstansprache zum Synodenschluss: die Pluralisierung des Wirklichkeitsbegriffs. Die Synode bedeute, so Franziskus, „versucht zu haben, die Wirklichkeit“, und jetzt korrigiert der Papst diesen Singular, „besser noch: die Wirklichkeiten von heute mit den Augen Gottes zu sehen.“ Damit war der Rahmen gesetzt, innerhalb dessen Papst Franziskus sein postsynodales Schreiben dann auch tatsächlich positionierte, und man könnte beinahe vermuten, es sei da in seinen Grundsätzen schon konzipiert gewesen. Auch die katholische Kirche ist in globalisierten postmodernen Zeiten nicht eine, sondern viele, und man kommt damit am besten zurecht, wenn man die daraus entstehenden Paradoxien prozessiert, also vom Primat der Lehre zum Primat konkreter, situativ angepasster Praktiken christlicher Barmherzigkeit und Liebe wechselt, und genau so, das ist dann der Clou, der Lehre Jesu von seinem Gott und dessen Verhältnis zum Menschen treu bleibt. Das ist die Matrix von „Amoris Laetitia“ (AL).



"Wer bin ich, ihn zu verurteilen?"

Aus: Stephan Goertz (Hg.), "Wer bin ich, ihn zu verurteilen?". Homosexualität in der katholischen Kirche. Herder Verlag, Freiburg Basel Wien 2015.


Nach Jahrzehnten des Stillstands hat Papst Franziskus mit wenigen Sätzen Hoffnung auf eine neue katholische Haltung gegenüber Homosexuellen genährt. Ich erlaube mir, eine Passage aus seinem Interview mit Antonio Spadaro zu zitieren:
„In Buenos Aires habe ich Briefe von homosexuellen Personen erhalten, die 'sozial verwundet' sind, denn sie fühlen sich immer von der Kirche verurteilt. Aber das will die Kirche nicht. Auf dem Rückflug von Rio de Janeiro habe ich gesagt, wenn eine homosexuelle Person guten Willen hat und Gott sucht, dann bin ich keiner, der sie verurteilt. Damit habe ich gesagt, was im Katechismus steht. [...] Gott hat uns in der Schöpfung frei gemacht: Es darf keine spirituelle Einmischung in das persönliche Leben geben.“

Deutet sich hier eine Lerngeschichte an? Ein Wechsel von der „Logik der Ausgrenzung“ hin zur „Logik der Eingliederung“, von der Franziskus eindringlich in einer Predigt am 15. Februar 2015 gesprochen hat? Auch im Homosexuellen, der unter seiner Ausgrenzung leidet, so darf man den Papst wohl verstehen, begegnet uns Christus. Darum wird der Umgang mit ihm zum Erweis unserer Glaubwürdigkeit in der Verkündigung des Evangeliums.

Zitat aus Antonio Spadaro, Das Interview mit Papst Franziskus, hg. von Andreas R. Bat- logg, Freiburg i. Br. 2013, 49f. Die wörtliche Formulierung des Papstes auf dem Rückflug aus Brasilien am 28. Juli 2013 lautet "Wenn einer Gay ist und den Herrn sucht und guten Willen hat - wer bin dann ich, ihn zu verurteilen (ma chi sono io per giudicarla)?",
online: https://w2.vatican.va/content/francesco/de/speeches/ 2013/july/documents/papa-francesco_20130728_gmg-conferenza-stampa.html [Stand 12.05.2015].



Die Last meiner Schuld

Aus: Anni Hennersperger/Michael Hüttner, Gemeinschaft feiern, Lahn Verlag, Limburg 1994.


Mahatma Gandhi berichtete aus seinem Leben: "Ich war fünfzehn Jahre, als ich einen Diebstahl beging. Weil ich Schulden hatte, stahl ich meinem Vater ein goldenes Armband, um die Schuld zu bezahlen. Aber ich konnte die Last meiner Schuld nicht ertragen. Als ich vor ihm stand, brachte ich vor Scham den Mund nicht auf. Ich schrieb also mein Bekenntnis nieder. Als ich ihm den Zettel überreichte, zitterte ich am ganzen Körper. Mein Vater las den Zettel, schloß die Augen, und dann - zerriß er ihn. `es ist gut`, sagte er noch, Und dann nahm er mich in die Arme: Von da an hatte ich meinen Vater noch viel lieber."



Liessmann: "Religionen sind ja keine Anleitung zum guten Leben"



Das Recht zu lügen oder: Warum die Umerziehung zu weit geht

© DiePresse.com 12.05.2013 | 18:40 | GEORG VETTER (Die Presse)



Wie geht Nächstenliebe?

Thorsten Wellenkötter, Morgenandacht am 17.12.2010, Deutschlandfunk.



Das islamische Rechtssystem Scharia

© DiePresse.com 02.05.2013 | 15:28 | (DiePresse.com)



Imaginärer Lebenslauf

R. M. Rilke, Gedichte 1906 bis 1926, in: ders., Die Gedichte, itb 2246, Frankfurt und Leipzig: Insel Verlag 1998.



Die Sünderin als die große Glaubende

Romano Guardini, Der Herr. Betrachtungen über die Person und das Leben Jesu Christi, Würzburg: Werkbund-Verlag 11. unveränderte Aufl. 1959.



Die Sünderin im Spannungsfeld zwischen Verworfenheit und Heiligkeit

Eugen Drewermann, Tiefenpsychologie und Exegese. Bd.1, Düsseldorf und Zürich: Walter Verlag 6. Aufl. der Sonderausg. 2001.



Auf Jesu Namensfest

Anonym (12./13. Jahrhundert), in: Summa Poetica. Griechische und lateinische Lyrik von der christlichen Antike bis zum Humanismus, München: Winkler Verlag 1967.



Kuss des Kaisers und Fußkuss beim Papst

Conrad Celtis (1459-1508), in: Summa Poetica. Griechische und lateinische Lyrik von der christlichen Antike bis zum Humanismus, München: Winkler Verlag 1967.



Wir beten für den Frieden

Peter Spangenberg (1989), in: EG 678.