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Kontexte 26.06.2016


Ich bin stets sein Gesell

Paul Gerhardt (1647), EG 112,6-8


Ich hang und bleib auch hangen / an Christus als ein Glied; / wo mein Haupt durch ist gangen, / da nimmt er mich auch mit. / Er reißet durch den Tod, / durch Welt, durch Sünd, durch Not, / er reißet durch die Höll, / ich bin stets sein Gesell.

Er dringt zum Saal der Ehren, / ich folg ihm immer nach / und darf mich gar nicht kehren / an einzig Ungemach. / Es tobe, was da kann, / mein Haupt nimmt sich mein an, / mein Heiland ist mein Schild, / der alles Toben stillt.

Er bringt mich an die Pforten, / die in den Himmel führt, / daran mit güldnen Worten / der Reim gelesen wird: / „Wer dort wird mit verhöhnt, / wird hier auch mit gekrönt; / wer dort mit sterben geht, / wird hier auch mit erhöht.“



Folge Christo nach und lerne verschmähen, was vergänglich ist!

Thomas von Kempen, Nachfolge Christi - Kapitel 1 http://gutenberg.spiegel.de/buch/nachfolge-christi-778/1


Wer mir nachfolgt / der wandelt nicht in Finsternis / spricht der Herr. Dies sind Worte aus dem Munde Christi / die uns Mut einsprechen / seinem Leben treu nachzuleben / wenn wir wahrhaft erleuchtet und von aller Blindheit des Herzens geheilt werden wollen. Wir sollen also unser erstes Streben daraus machen / in dem Leben Jesu Christi zu forschen.

Die Lehre Christi übertrifft ohne Ausnahme alles / was die Heiligen gelehrt haben; und wer den Geist Christi hätte / der müsste in ihr ein verborgenes Himmelsbrot finden. Da geschieht es aber / dass viele das Evangelium oft hören und dabei fast ohne alle Rührung des Herzens bleiben / weil ihnen der Geist Christi fehlt. Wer die Lehre Christi in ihrer Fülle kennenlernen will / der muss mit allem Ernst darauf dringen / dass sein ganzes Leben gleichsam ein zweites Leben Jesu werde.

Was nützt es dir doch / über die Dreieinigkeit hochgelehrt streiten zu können / wenn du die Demut nicht hast / ohne die du der Dreieinigkeit nie angenehm werden kannst? Wahrhaftig / hohe Worte machen den Menschen nicht heilig und gerecht / sondern ein Leben voll Tugend / das macht bei Gott uns angenehm. Es ist mir ungleich lieber / Reue und Leid im zerschlagenen Herzen zu empfinden / als aus dem Kopfe eine schulgerechte Erklärung geben zu können / was Reue sei. Hättest du die ganze Bibel und die Sprüche aller Weisen im Gedächtnis / hättest aber dabei nicht die Liebe Gottes / seine Gnade nicht im Herzen: wozu hülfe dir all jenes ohne dieses Einzige? O Eitelkeit der Eitelkeiten / alles ist Eitelkeit / außer Gott lieben und ihm allein dienen. Das ist die höchste Weisheit: Durch Verschmähung der Welt zum himmlischen Reich hindurchdringen.

Also ist es Eitelkeit / vergängliche Reichtümer zu sammeln und darauf seine Hoffnungen zu bauen. Also ist es Eitelkeit / nach hohen Ehrenstellen zu trachten und gern sich obenan zu setzen. Also ist es Eitelkeit / den Lüsten des Fleisches sich zu überlassen und Freuden nachzujagen / die uns einst die empfindlichsten Strafen zuziehen werden. Also ist es Eitelkeit / nur immer zu wünschen / dass man lange lebe / und wenig darum sich zu bekümmern / dass man fromm lebe. Also ist es Eitelkeit / das Auge hinzuheften auf das gegenwärtige und nie hinauszublicken auf das kommende Leben. Also ist es Eitelkeit / sein Herz an das zu hängen / was so schnell vorübergeht / und nicht dorthin zu eilen / wo ewige Freude wohnt.

Erinnere dich doch oft an den Spruch des Weisen: Das Auge kann nicht satt sich sehen / nicht satt sich hören das Ohr. Reiß also dein Herz los von den sichtbaren Gütern und erhebe es zu den unsichtbaren. Denn / die ihrer Sinnlichkeit blind folgen / beflecken ihr Gewissen und verlieren die Gnade Gottes.



Nachtlager

Bertold Brecht, Die Nachtlager, in: Die Gedichte von Bertolt Brecht in einem Band. Frankfurt: Suhrkamp, 12. Aufl. 2004.


Ich höre, dass in New York
An der Ecke der 26. Straße und des Broadway
Während der Wintermonate jeden Abend ein Mann steht
Und den Obdachlosen, die sich ansammeln
Durch Bitten an Vorübergehende ein Nachtlager verschafft.

Die Welt wird dadurch nicht anders
Die Beziehungen zwischen den Menschen bessern sich nicht
Das Zeitalter der Ausbeutung wird dadurch nicht verkürzt
Aber einige Männer haben ein Nachtlager
Der Wind wird von ihnen eine Nacht lang abgehalten
Der ihnen zugedachte Schnee fällt auf die Straße.

Leg das Buch nicht nieder, der du das liesest, Mensch.

Einige Menschen haben ein Nachtlager
Der Wind wird von ihnen eine Nacht lang abgehalten
Der ihnen zugedachte Schnee fällt auf die Straße
Aber die Welt wird dadurch nicht anders
Die Beziehungen zwischen den Menschen bessern sich dadurch nicht.
Das Zeitalter der Ausbeutung wird dadurch nicht verkürzt.



Nachfolge

http://www.dietrich-bonhoeffer.net/unterrichtsmaterial/nachfolge/


Welcher Art von Literatur dieses 1937 erstmals erschienene Werk Dietrich Bonhoeffers (Nachfolge, M.W.) zugeordnet werden kann, lässt sich nicht einfach beantworten. Stellenweise ist es eine theologisch-exegetische Auslegung der Bergpredigt, dann wieder ein Stück Verkündigung mit appellativem Charakter, schließlich auch eine Zusammenfassung von für Bonhoeffer wichtigen dogmatischen Aussagen. Aus seinem Oeuvre ist dieses Buch nach »Gemeinsames Leben« dasjenige mit den höchsten Verkaufszahlen – sieht man von posthumen Veröffentlichungen ab. Vielleicht kann es am ehesten als Bonhoeffers »Kurzdogmatik anhand des Begriffs der Nachfolge« betitelt werden, da es Inhalte beinahe aller dogmatischen Topoi/Bereiche vereint.
Liest man das Buch gut 80 Jahre nach seiner Veröffentlichung, dann erscheinen Sprache und Duktus auf fast merkwürdige Weise klar und entschieden, beinahe sogar kampfeslustig. Die ersten Hinweise auf Vorarbeiten lassen sich auf das Frühjahr 1934, in zeitliche Nähe zur Barmer Theologischen Erklärung (Bekenntnissynode in Barmen: 29. –31. Mai 1934) datieren. Bonhoeffer ist in dieser Zeit als Auslandspfarrer in London tätig. Seine damaligen Gedanken dienten ihm ab 1935 für seine »Nachfolge«-Vorlesungen im Predigerseminar in Zingst und dann in Finkenwalde sowie parallel an der Berliner Universität (hier bis zum Entzug der Lehrbefugnis als Privatdozent am 5. August 1936).
Die »Nachfolge« war sein Thema, als er im Dienst der Bekennenden Kirche stand.

Informationen und Materialien zum Buch Bonhoeffers 1937:
http://www.dietrich-bonhoeffer.net/fileadmin/media/projekte/werkbuch-4/m-4_texte.pdf



Konsequenz

Wolfgang Huber, Nachfolge heute - Vortrag bei der Jahrestagung der Internationalen Bonhoeffer-Gesellschaft, Deutsche Sektion, in Berlin am 15. September 2006 https://www.ekd.de/vortraege/huber/060915_huber_berlin.html


Der innere Zusammenhang erschließt sich, wenn wir einen Augenblick beim Ursprungssinn des Wortes Nachfolge stehen bleiben. Akolouthein, das griechische Wort, das die Evangelien an dieser Stelle verwenden, heißt folgen, „nachlaufen“ sagt Bonhoeffer an einer Stelle seines Buches ganz nüchtern. Die lateinische Bibel verwendet entsprechend sequi, ein lateinisches Wort, für das wahlweise auch consequi verwendet werden könnte. Nachfolge im engeren wie im weiteren Sinn hat es mit solchem consequi zu tun. Konsequentes Christsein – darauf hat mich André Birmele gesprächsweise aufmerksam gemacht –ist eine durchaus adäquate Übersetzung von Nachfolge – und zwar sowohl im engeren als auch im weiteren Sinn. Konsequentes Christsein ist gemeint und nicht nur, wie wir so oft denken, die Frage nach Konsequenzen aus dem Christsein. Konsequentes Christsein verlangt uns nicht nur ab, Konsequenzen aus dem Glauben zu ziehen und dadurch, wie es so oft heißt, unsere Glaubwürdigkeit unter Beweis zu stellen. Sondern konsequentes Christsein verlangt uns auch ab, konsequent im Glauben zu sein.

„Christsein“, so heißt dieses ebenfalls sehr bekannte Zitat, „heißt nicht, in einer bestimmten Weise religiös sein, auf Grund irgendeiner Methodik etwas aus sich machen (einen Sünder, Büßer oder einen Heiligen), sondern es heißt Menschsein. Nicht einen Menschentypus, sondern den Menschen schafft Christus in uns. Nicht der religiöse Akt macht den Christen, sondern das Teilnehmen am Leiden Gottes im weltlichen Leben.“



Im Sich-verlieren zu sich finden

Joseph Ratzinger, Dogma und Verkündigung, München: Erich Wewel Verlag 1973.


[ ...] Was heißt „Nachfolge Christi“? Ursprünglich hatte dies Wort einen ganz einfachen und untheoretischen Sinn. Es meinte - schlicht gesagt - dies, dass Menschen sich entschlossen, ihren Beruf, ihr Geschäft, ihren bisherigen Alltag hinter sich zu lassen und stattdessen mit Jesus zu gehen. Es meinte also einen neuen Beruf, den des Jüngers, dessen Lebensinhalt das Mitgehen mit dem Meister, das vollständige Sich-Anvertrauen an seine Führung darstellt. „Nachfolgen“ ist so etwas recht Äußerliches und etwas ganz Innerliches zugleich. Etwas Äußerliches: das wirkliche Einhergehen hinter Jesus auf seinen Wanderungen durch Palästina; etwas Innerliches: die neue Orientierung der Existenz, die nicht mehr im Geschäft, im Broterwerb, im eigenen Wollen und Einsehen ihre Leitpunkte hat, sondern weggegeben ist an den Willen eines andern, so dass das Mitsein mit ihm, das Zur-Verfügung-Stehen für ihn nun zum eigenen Daseinsinhalt geworden ist. [ ...] Nachfolgen heißt wirklich nach-gehen, die Richtung annehmen, die vorgegeben wird, auch wenn diese Richtung dem eigenen Wollen direkt entgegenläuft. Gerade weil das Wort so wört-lich gemeint ist, reicht es in die innerste Tiefe des Menschen hinein.
Von hier aus kann man nun wohl schon ein wenig begreifen, was gemeint ist, wenn die Berufung der Jünger und so das Wesen der Jüngerschaft in den Evangelien stereotyp mit dem einen Wort Jesu geschildert wird: Folge mir! Das ist zunächst die Aufforderung, den bisherigen Beruf wegzugeben, aber es ist tieferhin die Aufforderung, sich selbst wegzugeben, um ganz für  d e n  dazusein, der seinerseits gänzlich für das Wort Gottes dasein wollte, so sehr, dass das spätere Nachdenken ihn selbst als das fleischgewordene Wort Gottes erkennen durfte. [...]

Nur im Sich-Verlieren kann der Mensch zu sich finden; nur indem er sich weggibt, kommt er zu sich. Dies eigentliche, entscheidende Martyrium des wahren Sich-Verlierens ist und bleibt die Grundbedingung der Nachfolge Christi, auch in den bequemen Zeiten, in denen das Christentum im Schutze staatlichen Wohlwollens geneigt sein könnte, den Schatten des Kreuzes zu vergessen. Und müssen wir noch hinzufügen, dass die so begriffene Nachfolge Christi nicht nur das Grundgesetz der Menschwerdung Gottes, sondern ebenso der wahren Menschwerdung des Menschen ausspricht?
[...]
So heißt Christus nachfolgen, in jenes Sich-Verlieren eingehen, das der eigentliche Kern der Liebe ist. Christus nachfolgen heißt, ein Liebender werden, wie Gott geliebt hat. Von da aus darf Paulus das Ungeheuerliche sagen: Christus nachfolgen ist Gott nachahmen, eintreten in die Grundbewegung Gottes selbst. Gott ist Mensch geworden, damit die Menschen Gott-ähnlich werden. Nachfolge Christi ist zuletzt nichts anderes als Menschwerdung des Menschen in das Menschsein Gottes hinein.



Er nimmt mich mit

Paul Gerhardt (1647), EG 112,6-8



Unbeschuhte Liebe

Eduard Mörike, Peregrina V, in: Gedichte in einem Band. Hrsg. v. Bernhard Zeller, Frankfurt u. Leipzig: Insel 2001.



Richtung richtig

Traugott Schächtele, http://www.ekiba.de/glaubeakt_6366.htm



Gott nachahmen

Joseph Ratzinger, Dogma und Verkündigung, München: Erich Wewel Verlag 1973.



Sehnsucht nach Sinn

Manager Magazin, 22.06.2007, Rubrik: Trends Gesellschaft, S. 92



Höflichkeit - auf Kosten der Wahrheit

Aus: Franz Josef Görtz, "Fabelhaft! Aber falsch!" Marcel Reich-Ranicki in Anekdoten. Dumont Buchverlag Köln 2010.



Die Dynamik der Zerstörung: Bewunderung, Neid, Eifersucht ...

Aus: Arnold Mettnitzer, Couch & Altar. Erfahrungen aus Psychotherapie und Seelsorge- Styria Verlag, Wien Graz Klagenfurt 2008.



Friedensgruß vor der Kommunion

Aus: Lothar Zenetti, Sieben Farben hat das Licht. Worte der Zuversicht. Matthias-Grünewald-Verlag, Mainz 2006.



Ausgepowert

Anthony de Mello in: Zum Beispiel: Wir. Das Jugendgebetbuch hrsg. Von Guideo Erbich. Beno Verlag Leipzig o. J.



Von Gott geliebt und auserwählt, berufen zum Erbarmen

Aus: Kurt Koch, Bereit zum Innersten. Für eine Kirche, die das Geheimnis lebt. Herder Verlag Freiburg Basel Wien 2003.