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Kontexte 03.07.2016


Gottesbeweise

Aus: Martin Gutl, Alles ist Botschaft, Graz/Wien/Köln: Verlag Styria 1986.


Beweise mir, dass es Gott gibt.
Du hast Chancen, mich zu überzeugen.
Nicht durch Wortschwall, durch Pathos,
nicht durch glänzende Organisation,
nicht durch jahrhundertealte Bauwerke,
nicht durch Orgelmusik, durch Kirchenchöre,
nicht durch scharfsinnige Glaubensgespräche,
nicht durch soziale Leistungen.
Nur deine Wahrhaftigkeit und Liebe
können mir beweisen,
dass es Gott gibt.



Das Christliche als ein Raum, in dem man Heimat findet

Aus: Werner Tiki Küstenmachen. Die neue 3-Minuten-Bibel. Knaur Taschenbuch / Pattloch Verlag 2015/2013.


Der erste Christ in Europa ist eine Frau: Lydia. Und die Berufssparte der ersten europäischen Christin war die Modebranche. Lydia handelte mit Purpur, jenem wertvollen roten Farbstoff für Luxustextilien, der auf mühsame Weise aus Schnecken gewonnen wurde. Die Frau ist offenbar nach der Landschaft Lydien benannt, in der ihre Heimatstadt Thyatira liegt (in der heutigen Westtürkei). Nun aber lebt Lydia auf der anderen Seite des Bosporus, in der römischen Kolonie Philippi, damals und heute griechisch und unzweifelhaft europäisch. Für Paulus und Silas eine ungewohnte Welt, in der es nicht einmal eine Synagoge gibt. So setzen sich die beiden Botschafter Christi am Sabbat an den Fluss, weil sie hoffen, dass hier ein paar Juden zusammenkommen.

Sie treffen auf einige Frauen, die dem jüdischen Glauben nahestehen - unter ihnen diese Lydia. Sie lässt sich taufen, nach alter Sitte mit ihrer ganzen Familie - vermutlich auch inklusive ihres Ehemanns, obwohl das nicht ausdrücklich vermerkt ist. Dass sie eine große Villa hat, erweist sich als guter Start für den neuen Glauben, denn die ersten Christen treffen sich in Privathäusern zum Gottesdienst. Das erste in Europa ist bestimmt reichlich mit roten Vorhängen ausgestattet, der Farbe des Heiligen Geistes.

Gastfreundschaft ist eine der ältesten Qualitäten des Christentums: aufmachen, hereinlassen, es schön für die Gäste herrichten, ihnen Freude bereiten, einen Ort des Austauschs schaffen, miteinander reden, reicher geworden wieder auseinandergehen - das sind die einfachen Ingredienzien, damit sich zwischen Menschen die neue Hoffnung entfalten kann. Das Christliche als ein Raum, in dem man Heimat findet und miteinander wächst - was für eine wunderbare Religion!



Grammatik der Einfachheit

Aus: Manfred Scheuer, Wider den kirchlichen Narzissmus. Ein spirituell-politisches Plädoyer. Tyrolia Verlag, Innsbruck Wien 2015.


Wer ist der, den wir den einzigen lebendigen Gott nennen? Madeleine Delbrel hat dies in einem säkularen, damals kommunistischen Umfeld formuliert. Sie war übrigens der Überzeugung, dass kaum etwas dem Glauben und dem Christwerden dienlicher ist als eine atheistische Umwelt. „Aber“, so sagt sie, „wir verkünden keine gute Nachricht mehr, weil das Evangelium keine Neuigkeit mehr für uns ist. Wir sind daran gewöhnt. Der lebendige Gott ist kein ungeheures, umwerfendes Glück mehr, er ist bloß noch ein gesolltes, die Grundierung unseres Daseins.“ „Wir (wir Christen, wir Kirchenleute) verteidigen“, so sagt sie, „Gott wie unser Eigentum, wir verkünden ihn nicht mehr wie das Leben allen Lebens. Wir sind keine Erklärer der ewigen Neuigkeit Gottes, sondern nur noch Polemiker, die einen kirchlichen Besitzstand verteidigen.“

Das Evangelium neu entdecken

  • Habe ich Gründe, ein Christ, eine Christin sein zu wollen und - was ich noch viel spannender finde - habe ich Gründe, ein Christ, eine Christin bleiben zu wollen, und welches sind diese Gründe?
  • Warum konvertiere ich nicht zum Buddhismus oder zum Judentum oder zum Islam oder in irgendeine Gestalt des neoreligiösen religionsfreundlichen Atheismus, wie er postmodern auf dem Markt der Sinnangebote in unterschiedlichen Mischungen zugänglich ist?
  • Warum denn Christ, Christin sein, warum sich denn gerade darin orientieren?

Meine Antwort darauf: Weil das Evangelium ein Schatz ist, für den es auf der ganzen weiten Erde absolut keine bessere Alternative gibt! Daraus resultiert das Selbstbewusstsein der Christen und Christinnen! Das äußert sich nicht durch elitäre inflationäre Aufgeblasenheit, sondern in einer Praxis der Solidarität, der Toleranz, der konfliktfähigen Nächstenliebe, ja Feindesliebe, in der verrückten Geduld, an das Gute in jedem Menschen zu glauben. Gerade die gegenwärtige Krisenstunde ist so gesehen als eine Wachstumsgeschichte zu begreifen, in der wir bewusster, entschiedener und dann auch ausstrahlungsfähiger das bezeugen, was nur die haben dürfen, die sich Christen und Christinnen nennen - nämlich den wahnsinnigen, den unglaublichen Glauben, dass das wahr sein könnte mit Jesus von Nazaret und dass dieses Bekenntnis zur Auferweckung des Gekreuzigten tatsächlich der Schlüssel zur Wirklichkeit ist und dass deshalb auch eine Sterbestunde und gerade diese Sterbestunden der Kirche, die durch uns hindurchgehen, in Wahrheit die Kehrseite von Geburtsszenarien sind, in denen ein erwachsenes, ein weltbejahendes, gottverliebtes, deshalb weltveränderndes Christentum entsteht. Simone Weil drückt es so aus: „Die Schönheit der Welt ist Christi zärtliches Lächeln für uns durch den Stoff hindurch. Er ist wirklich gegenwärtig in der Schönheit des Alls. Die Liebe zu dieser Schönheit entspringt dem in unserer Seele niedergestiegenen Gott und geht auf den im Weltall gegenwärtigen Gott. Auch sie ist etwas wie ein Sakrament.“

Papst Franziskus spricht von einer Kirche, die dem Geheimnis Gottes Raum gibt; eine Kirche, die dieses Geheimnis in sich selbst beherbergt, so dass es die Leute entzücken und sie anziehen kann. Allein die Schönheit Gottes kann eine Anziehungskraft ausüben. „Wenn wir, wie Augustinus sagt, nur das lieben, was schön ist, dann ist der Mensch gewordene Sohn, die Offenbarung der unendlichen Schönheit, in höchstem Maß liebenswert und zieht uns mit Banden der Liebe an sich. Dann wird es notwendig, dass die Bildung in der via pulchritudinis sich in die Weitergabe des Glaubens einfügt.“ Das Ergebnis der pastoralen Arbeit stützt sich nicht auf den Reichtum der Mittel, sondern auf die Kreativität der Liebe. Sicher sind auch Zähigkeit, Mühe, Arbeit, Planung, Organisation nützlich, allem voran aber muss man wissen, dass die Kraft der Kirche nicht in ihr selbst liegt, sondern sich im Geheimnis Gottes verbirgt. Bei unseren Aufbrüchen soll das Gepäck nicht zu schwer sein. Ist der Rucksack voll mit Bürokratie, mit Rechthaberei, mit Sicherheitsdenken oder auch mit materiellen Ansprüchen, würde sich sehr bald Müdigkeit und Erschöpfung einschleichen. Papst Franziskus spricht von einer „Grammatik der Einfachheit“, ohne die sich die Kirche der Bedingungen beraubt, die es ermöglichen, Gott in den tiefen Wassern seines Mysteriums zu „fischen“.

Es braucht in einer sich ins Subjektive und Beliebige weiter verlierenden Moderne eine Spiritualität, die dem einzelnen Christen Stehvermögen verleiht und ihm hilft, sich dennoch anderen Positionen gegenüber als dialogfähig zu erweisen. Die alte Selbstverständlichkeit gewinnt wieder neue Evidenz: Nur die Beter werden als Christen bestehen. Eine Kirche, die im Gottesgeheimnis fest verwurzelt ist, bleibt auch heute für die Menschen interessant.



Glaubwürdigkeit

Aus Heiner Geißler, Was würde Jesus heute sagen? Die politische Botschaft des Evangeliums. Rowohlt Taschenbuch Verlag, Reinbeck bei Hamburg 2006.


Anfang des Jahres 2003 erschien im «Stern» eine Geschichte über Jesus. Darin wurde auch gesagt, Jesus sei nichts Besonderes gewe­sen. So wie er habe es viele gegeben, die behaupteten, sie seien der Messias, und die zur Umkehr aufriefen. Aber die Frage muss ja er­laubt sein: Warum wird nur über ihn in den Geschichtsbüchern berichtet? Und warum hat sich seine Botschaft innerhalb von we­nigen Jahrzehnten im ganzen Römischen Reich verbreitet?

Jesus hat die Menschen nicht nur mit seiner begeisternden Bot­schaft, sondern als Mensch überzeugt. Er war als Person identisch mit dem, was er sagte. Und er handelte so, wie er redete. Bei ihm gab es eine Einheit von Handeln, Reden und Leben.

Er war deshalb verhasst bei denen, die genau das nicht wollten, sondern im Gegenteil die Leute verdummten, indem sie den Men­schen alles Mögliche empfahlen, aber für sich etwas ganz anderes in Anspruch nahmen. Er wäre auch heute die lebendige Alterna­tive z. B. zum Leben vieler Politiker und Medienzaren, die keine Identität von Reden und Handeln kennen.

Natürlich wird jemand, der in die Politik geht oder ein Amt aus­übt, nicht automatisch dadurch zum Heiligen. Das kann er auch gar nicht. Aber er muss Folgendes überlegen: Es gibt nicht nur die Loyalität von unten nach oben, die notwendig ist, weil sonst kei­ner ein Amt ausüben kann. Es gibt auch eine Loyalität von oben. Man kann in der Politik so wenig wie im normalen Leben Fehler vermeiden. Aber etwas darf man nicht tun: nämlich nach der Wahl das Gegenteil von dem zu machen, was man vor der Wahl gesagt hat. Doch genau dieses Verfahren ist inzwischen zur Regel gewor­den.

Die Menschen seiner Zeit haben diesem Jesus geglaubt, weil er einer von ihnen war. Um ihn herum und mit ihm lebten Hand­werker, Fischer, Soldaten, Zöllner, Dirnen, einfache Leute aus den unteren Schichten. Sie alle spielen im Evangelium eine beherr­schende Rolle. Dazu kamen die Armen, die Kranken, um die er sich gekümmert hat. Reiche Leute kommen im Evangelium nicht so gut weg. Deswegen konnten sich so viele Menschen mit Jesus identifizieren. Alle, die wegen ihres Geschlechts unterdrückt werden, wegen ihrer Rasse, ihrer Zugehörigkeit zu einem Volk diskriminiert, gefoltert und getötet werden, in Armut oder in Sklaverei leben oder ohne Arbeit sind, tun sich mit Jesus leicht. Sie merken, dass er einer von ihnen ist und leben musste wie sie auch.



Mission: Zuwendung im Horizont der Liebe

Aus: Regina Polak, Mission in Europa? Auftrag – Herausforderung –Risiko. Tyrolia Verlag, Innsbruck Wien 2012.



Zeugenschaft

Aus: Karl Kardinal Lehmann, Frei vor Gott. Glauben in öffentlicher Verantwortung. Herder Verlag, Freiburg Basel Wien 2003.



Gesandt, die Herrschaft Gottes anzukündigen

Aus: Franz Kamphaus, Die Welt zusammenhalten. Reden gegen den Strom. Herder Verlag, Freiburg Basel Wien 2008.



Theologin Polak: "Mission muss anders gedacht und gelebt werden"

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Berufungserzählungen

Aus: Vera Novelli, Von Gott ins Spiel gebracht, Berufungswege der Kirche, Augsburg 2004.



Den Glauben bezeugen

Aus: Missionarisch Kirche sein, Das Pastoralgespräch in der Diözese Augsburg.



Wo wir spirituelle Nahrung finden

Aus: Marjorie Thompson, Christliche Spiritualität entdecken, Freiburg 2004, 28 - 30



ausgewählt

Gottfried Hänisch, Für ein paar Minuten, Das neue Andachtsbuch, Hamburg 2001.



Gebet eines unbekannten Soldaten

Aus: Gebete aus der ganzen Welt, Leipzig 2004, Bennoverlag.



Auf dass man die Christen erkenne

Leon-Joseph Suenens, Bischof von Brüssel. In: Minuten am Morgen, Texte und Gebete zum Schulbeginn, 2. Auflage 2004.