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Kontexte 24.07.2016


„Abba, Abba - lieber Vater“

Prof. Dr. U. Rudnick, Das Vaterunser als jüdisches Gebet http://akd-ekbo.de/wp-content/uploads/Prof._Dr._U._Rudnick_-_Das_Vaterunser_als_juedisches_Gebet_2.pdf


Das Vaterunser gilt als das christliche Gebet schlechthin. Es verbindet Christinnen und Christen aller Kirchen miteinander: ob in der Orthodoxie, im Katholizismus, den Kirchen der Reformation und auch jüngeren Kirchen, spielt es eine zentrale Rolle. Es wird in jedem [...] Sonntagsgottesdienst gebetet. Es wird bei einer Taufe, einer Eheschließung und anlässlich einer Beerdigung gesprochen. Das Vaterunser ist nicht auf den Gottesdienst beschränkt. Es wird von Einzelnen als Gebet in Notsituationen oder auch als Abendgebet gesprochen. Und natürlich ist es Teil des Katechismus. [...] Es gehört zu den wenigen Texten, die vielen noch auswendig bekannt sind.

Die hohe Bedeutung, die dem Vaterunser zugesprochen wird, hat es bereits seit der Antike. So sah der Kirchenvater Tertullian (150 - 230) in ihm eine Zusammenfassung des ganzen Evangeliums ein „breviarium totius Evangelii“, eine „kurze Übersicht des ganzen Evangeliums“. Für den Kirchenvater Cyrpian (200 - 258 in Karthago) war es „coelestis doctrinae compendium“, ein „Kompedium der himmlischen Lehren.“
In der Alten Kirche erhielten die Täuflinge das Vaterunser vor der Taufe und sprachen es sogleich nach ihrer Taufe selbst.
Für Luther gibt es kein besseres Gebet als das Vaterunser: er spricht von der „oratio pro pueris et simplicibus“, dem „Gebet für die Kinder und Einfältigen.“ Die Berner Synode von 1523 formuliert sehr anschaulich: „Das vatter unser ist das war Christlich gebett, und der wasser krug oder eymer, damit uss dem brunnen der Gnaden uss Jesu Christo sölich gnad geschöpfft unnd jns hertz gefasset wird.“



Wenig Worte und viel Meinung

Vater Unser - eine Auslegung des Vater Unsers von Dr. Martin Luther. http://gutenberg.spiegel.de/buch/martin-luther-sonstige-texte-270/4


Da die Jünger Christi baten, daß er sie lehren möchte zu beten, sagte er (Matthäus 6,7 folgende): »Wenn ihr betet, sollt ihr nicht viel Worte machen, wie die Heiden tun, die da meinen, sie werden erhört, wenn sie viel Worte machen. Darum sollt ihr euch mit ihnen nicht vergleichen. Denn euer Vater, der im Himmel ist, weiß wohl, was ihr bedürfet, ehe ihr ihn bittet. Darum sollt ihr also beten: Vater Unser, der du bist im Himmel, geheiligt werde dein Name«.
Aus diesen Worten Christi lernen wir beide, Worte und Weise, das ist, wie und was wir beten sollen. Und diese zwei Dinge sind nötig es zu wissen.
Die Weise ist, daß man wenig Worte mache, aber viel und tiefe Meinungen oder Sinne. Je weniger Worte, je besser das Gebet, je mehr Worte, je ärgerlicher das Gebet. Wenig Worte und viel Meinung ist christlich, viel Worte und wenig Meinung ist heidnisch. Darum spricht Jesus in Matthäus 6,7: Ihr sollt nicht viel reden (plappern), wenn ihr betet, wie die Heiden. So auch Johannes 4,24 als er zu dem heidnischen Weibe sprach: «Wer Gott anbeten will, der muß ihn in dem Geist und in der Wahrheit anbeten»; denn solche Beter sucht der Vater.
Nun, »im Geist beten« oder »geistlich beten« heißt so im Gegensatz zum »leiblichen Gebet«, und «in der Wahrheit beten» heißt so im Gegensatz zum »Gebet nur dem Scheine zuliebe«. Denn das hat einen großen Schein vor den Leuten, und geschieht mit dem leiblichen Munde, und nicht wahrhaftig; aber das geistliche und wahrhaftige Gebet ist die innerliche Begierde, Seufzen und Verlangen aus Herzens Grunde. Das erste macht Heuchler, und falsche, sichere Geister; das andere macht Heilige und furchtsame Kinder Gottes.



Für einen guten Freund

http://www.katharinen-kirche.de/texte/Predigt%20zu%20Luthers%20Vaterunserunserlied%20EG%20344%20MRS%202012.pdf


Luther hatte einen guten Freund, der war Barbier. Das war damals eine Mischung aus Frisör und Zahnarzt. Dieser Peter Beskendorf aus Wittenberg unterhielt sich mit Luther gerne über religiöse Themen. Und so scheint er den weltberühmten Professor und Reformator einmal gebeten haben, ihm eine Anleitung für das Beten zu geben. Denn 1535 entsteht die Schrift: „Eine einfältige Weise zu beten, für einen guten Freund – wie man beten soll – für Meister Peter Barbier“ --
Luthers Anleitung zum Vaterunser. Und die Schrift beginnt:
„Lieber Meister Peter, ich geb’s euch so gut, wie ich’s habe und wie ich selber mich beim Beten (ver)halte.“



Herr, mach etwas aus mir

https://zeitzubeten.org/gebete/gebete-von-heiligen/


Herr, mache mich gehorsam ohne Widerspruch;
arm im Geiste ohne niedrige Gesinnung;
keusch ohne falsche Scham;
geduldig ohne Murren;
demütig ohne Verstellung;
froh ohne Ausgelassenheit;
ernst ohne Trübsinn;
rührig ohne Hast;
wahrhaftig ohne Falsch.

Lass mich Gutes tun ohne Überheblichkeit;
den Nächsten ermahnen ohne Hochmut
und ihn erbauen in Wort und Beispiel ohne Heuchelei.

Gib mir, Herr,
ein wachsames Herz,
das kein leichtfertiger Gedanke von dir ablenke;
ein edles Herz, das keine unwürdige Neigung nach unten ziehe;
ein gerades und aufrechtes Herz,
das kein gemeines Streben auf Abwege führe;
ein starkes Herz, das keine Trübsal beuge;
ein freies Herz,
das sich von keiner Leidenschaft beherrschen lässt.
Gib mir einen Lebenswandel, der dir wohlgefällt;
und Beharrlichkeit, die dich mit Zuversicht erwartet.
Amen.

(Thomas von Aquin 1225-1274)



Deshalb sei dir Lob gesagt

https://zeitzubeten.org/gebete/gebete-von-heiligen/


O du Feuergeist und Tröstergeist,
Leben des Lebens von allen Geschöpfen,
heilig bist du, der du lebendig machst die Gestalten.
Du Heiliger, mit deiner Salbe rettest du die Verletzten,
heilig bist du, durch deine Reinigung heilst du die eitrigen Wunden.

O du Hauch der Heiligkeit, o du Feuer der Liebe,
du süßer Geschmack in der Brust,
du hauchst in die Herzen
den Wohlgeruch deiner Kräfte.

O du lauterster Brunnen, in dem wir erkennen,
wie Gott die Fremden versammelt
und die Verlorenen sucht.

O du Schutzwall des Lebens,
du Hoffnung auf Vereinigung aller Glieder,
du Gürtel der Ehrbarkeit, heile die Seligen.
Beschütze alle, die vom Feind in die Kerker geworfen wurden,
befreie, die in Banden liegen,
mit göttlicher Kraft willst du sie ja retten.

O du machtvoller Weg, der alles durchdringt,
der in die Höhen, in die Erdtiefen, in die Abgründe verstößt,
füge und führe alles zusammen.

Durch dich ziehen die Wolken, fliegen die Lüfte,
haben die Steine ihren Saft,
treiben die Quellen das Wasser hervor,
durch dich fördert die Erde die Grünkraft zutage.

Du bringst auch immer wieder die Menschen zur Einsicht,
beglückst sie durch den Anhauch der Weisheit.
Deshalb sei dir Lob gesagt, du bist ja der Lobklang,
du Freude des Lebens, du Hoffnung und mächtige Ehre,
du Schenker des Lichts.

(Hl. Hildegard von Bingen)



Nach Gott suchen

https://zeitzubeten.org/gebete/gebete-von-heiligen/


Gott spricht:
O Seele, suche dich in mir,
und, Seele, suche mich in dir.

Die Liebe hat in meinem Wesen
dich abgebildet treu und klar;
kein Maler lässt so wunderbar
o Seele, deine Züge lesen.
Hat doch die Liebe dich erkoren
als meines Herzens schönste Zier:
Bist du verirrt, bist du verloren:
O Seele, suche dich in mir.

In meines Herzens Tiefe trage
ich dein Portrait, so echt gemalt;
sähst du, wie es vor Leben strahlt,
verstummte jede bange Frage.
Und wenn dein Sehnen mich nicht findet,
dann such nicht dort und such nicht hier:
Gedenk, was dich im Tiefsten bindet,
und, Seele, suche mich in dir.

Du bist mein Haus und meine Bleibe,
bist meine Heimat für und für:
Ich klopfe stets an deine Tür,
dass dich kein Trachten von mir treibe.
Und meinst du, ich sei fern von hier,
dann ruf mich, und du wirst erfassen,
dass ich dich keinen Schritt verlassen:
und, Seele, suche mich in dir.

(Teresa von Avila)



Sicherheit, Gewissheit, Geborgenheit...

Herkunft unbekannt



Vater unser im Himmelreich

Martin Luther, (1539) in: EG 344.



Wind kannst du nicht sehen

Markus Jenny (1983) aus dem Schwedischen, in: EG 568.



Brich dem Hungrigen dein Brot

Martin Jentzsch (1951) in: EG 418.



Warum ist den Christen das Gebet nötig?

Heidelberger Katechismus (1563) Frage / Antwort 116.



Warum hat uns Christus befohlen, Gott so anzureden: „Unser Vater!?

Heidelberger Katechismus (1563) Frage / Antwort 120.



An eine Freundin

Margit Zech Aus: Sonnenstrahlengleich, KlensVerlag, Düsseldorf.



Almosen

Christa Anderski Aus: Sonnenstrahlengleich, KlensVerlag, Düsseldorf.



Ohne Umwege

Martin Gutl Aus: In vielen Herzen verankert, Styria- / Pichler-Verlag



Wir bitten dich für alle Menschen

Huub Oosterhuis in: Karl Heinz Bierlein (Hrsg); Wenn Worte fehlen. Gebete. Claudius Verlag München, 1989.



Gebet zu Salome

http://apgd.net/sonstiges/gebetsliste.htm



Besinnung vor dem "Vater Unser"

Französisches Magnifikat Aus: Reinhard Lettmann; Nardenöl und leere Hände. Butzon & Bercker Verlag Kevelaer 2001.