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Kontexte 15.05.2016


Gebet auf der Suche nach Gott

Dieter Zils in: Gebetsmappe der Burg Altpernstein.


Um Umschulung bitten wir,
um Kenntnisse, die wirklich dem Leben dienen,
um die Fähigkeit zur Handarbeit für den Frieden.
Darum bitten wir,
um ein neues Gefühl für die Sprache im Hören auf Unterdrückte und Minderheiten.
Dass wir ein scharfes Gehör entwickeln für die Sprache von Propheten und Befreiern.
Dass wir tief getroffen und wesentlich verändert werden
durch den Notruf der Machtlosen,
durch den stillen Protest aller Sprachlosen.
Um ein neues Verständnis von Geschichte bitten wir.
Dass wir sie betrachten aus dem Blickpunkt der Verlierer, nicht aus der Perspektive der Sieger;
Aus der Sicht der Sklaven,
nicht aus dem Blickpunkt der Herren.
Um ein neues Verständnis von Erdkunde bitten wir.
Dass wir die Orte des Unrechts kennen.
Dass wir wissen, wo heute Ägypten liegt
und wo die Sklaven der jetzigen Pharaos wohnen.
Um eine neue Naturkunde bitten wir.
Dass wir uns entscheiden zwischen Schöpfung oder Zerstörung.
Dass wir die Lagerstätten des Todes entlarven
und unseren Kampf für eine menschenwürdige Umwelt nicht aufgeben.
Um eine neue Methode des Rechnens bitten wir.
Dass wir uns üben im Mahlnehmen durch Teilen.
Dass ausgerechnet das Zeichen des Brechens und Teilens das Zeichen des Überlebens wird.
Dass das letzte Abendmahl Jesu der erste Überfluss für alle wird.



Was wir glauben

Kirchentag Berlin 1977.


Ich werde nicht glauben an Haben und Behalten, an Unfrieden und Krieg, an geballte Fäuste.
Ich will glauben an Schenken und Empfangen, ans offene Reden und Verzeihen.
Ich werde nicht glauben, dass Menschen besser sind,
weil sie mehr verdienen und schöner wohnen, geschickt und klug sind.
Ich will glauben, dass Menschen besser sind,
weil sie sich mehr kümmern um ihre Mitmenschen.
Ich werde nicht glauben an Mauern, Grenzen, Rassen.
Ich will glauben an freie Länder, offene Häuser, gastfreie Menschen in allen Farben des Regenbogens.
Ich werde nicht glauben an ein unglückliches Ende - alles verschmutzt und verbraucht.
Ich will glauben an einen neuen Anfang, wo alles geheilt und gleich verteilt ist.
Ich werde nicht glauben an die Angst zu sterben.
Ich will glauben an die Freude zu leben zusammen mit so vielen.
Ich werde nicht glauben an einen Geist, der uns voneinander trennt.
Ich will glauben an den Geist Gottes,
an den Geist von Jesus, der Menschen zusammenführt,
bis alles vollendet ist.



Ich glaube an Gott, der uns Vater und Mutter ist

Aus: Gebetsmappe der Burg Altpernstein.


Ich glaube an Gott, der uns Vater und Mutter ist,
der uns in unserem Leben erhält,

der uns schätzt mit all unseren Schwächen,
der uns sendet, den an den Rand Gedrängten eine gute Nachricht zu bringen. Ich glaube an Jesus,
der sich gegen jede Einengung des Lebens stellt, der uns die Zusammenhänge in der Welt öffnen will, der gegen jede Zerschlagenheit und Resignation kämpft, der uns annimmt ohne jede Leistung.
Ich glaube an einen Geist,
der uns in unserer Vielfalt zur Gemeinschaft führt, der ungerechte Herrschaftsverhältnisse aufdeckt, der uns zur Geschwisterlichkeit ruft,
der uns trotz aller Ohnmacht den Mächtigen gegenüber hoffen lässt,
der uns zu solidarischem Handeln hinführt,
der uns Orte aufspüren lässt, wo Gott lebendig ist.



Du bist nicht, Gott, wo Ungerechtigkeit geschieht.

Anton Rotzetter in: Gebetsmappe der Burg Altpernstein.


Du bist nicht, Gott, wo Ungerechtigkeit geschieht.
Es sei denn auf der Seite der Benachteiligten.
Du bist nicht, Gott,
wo man auf Kosten der anderen lebt.
Es sei denn auf der Seite der Armen.
Du bist nicht, Gott,
wo man die Güter des Lebens anhäuft.
Es sei denn auf der Seite der Ausgeschlossenen.
Darum will ich dich suchen in der Gerechtigkeit und bei den Benachteiligten,
Armen, Ausgeschlossenen.



Geht mit der Ansage

Kurt Rommel in: Gebetsmappe der Burg Altpernstein.


Geht mit der Ansage,
dass uns Gott wichtig nimmt
und deshalb sein Tun mit unserem Tun verbindet.
Dass Gott durch uns handelt
und nicht ohne uns den Hunger nach Gerechtigkeit
in dieser Welt stillt.
Geht mit der Absage
an alle Trägheit und Feigheit,
die uns daran hindert den Mund aufzutun,
für die Stummen und Schwachen,
an alle Ungerechtigkeit im Kleinen und Großen,
die wir oft als unabänderlich hinnehmen.
Geht mit der Zusage, dass Gott bei uns und mit uns ist, wenn wir in seinem Namen hinausgehen und handeln.