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Kontexte 09.10.2016


Nachher

Aus: Lothar Zenetti, Wir sind noch zu retten, Pfeiffer Verlag, München 1987.


Nein, du Mann auf der Kanzel, es
war nicht das, was du sagtest, du weißt,
das mit Gott, und dass er ja da ist, immer,
in allem, was ist und geschieht, und
lebt auch in uns, nur dass wir nichts
sehen von ihm, so ähnlich kam es heraus,
und ich dachte: schön, das mag sein
oder auch nicht, ich versteh nichts
davon.

Nein, was mir nahging, mich traf, Mann,
das war das Zögern in deiner Stimme,
ehe du sagtest, wie zu dir selbst und
bekümmert, so kam es mir vor: Manchmal
frag ich mich auch, ich geb’s zu, ob es
wahr ist, doch dann –

Da, genau in dem Augenblick, wusste ich
und kann’s nicht erklären und wusste
nur: es ist wahr, was du sagst, das alles
mit Gott und dass es ihn gibt, es war
mir plötzlich ganz klar. Ja, und deshalb
bin ich jetzt hier, Prediger, ich muss
einfach mit dir reden, verstehst du?



Nur der zehnte

Aus dem Pfarrblatt Graz-Graben, Oktober/November 1998.


Auf dem Weg nach Jerusalem zog Jesus durch das Grenzgebiet von Samarien und Galiläa.
Als er in ein Dorf hineingehen wollte, kamen ihm zehn Aussätzige entgegen.
Sie blieben in der Ferne stehen und riefen: Jesus, Meister, hab Erbarmen mit uns!
Als er sie sah, sagte er zu ihnen: Geht, zeigt euch den Priestern! Und während sie zu den Priestern gingen, wurden sie rein. Als die zehn Aussätzigen bemerkt hatten, dass sie geheilt waren, kannte ihre Freude keine Grenzen.
Einer lief sofort zu seinen Freunden und konnte nicht aufhören, seine Heilung zu feiern.
Der zweite, ein Familienvater, konnte es nicht erwarten, seine Frau und seine Kinder in die Arme zu schließen.
Der dritte, ein Kaufmann, nahm sofort seine Geschäfte wieder auf, die inzwischen im Argen lagen.
Alle drei wollten Jesus danken, doch verschoben sie es auf morgen, immer wieder auf morgen.
Der vierte war zu schüchtern, um allein zu Jesus zu gehen, und niemand ging mit ihm.
Der fünfte konnte kein angemessenes Geschenk finden, um gebührend zu danken.
Der sechste fand sein Haus inzwischen von anderen bewohnt und stritt um sein Recht.
Der siebente wollte an seine Krankheit und seine dunkelsten Stunden einfach nicht mehr erinnert werden.
Alle dachten sich: auf einen einzigen wird es doch nicht ankommen.
Der achte musste erfahren, dass sein Mädchen inzwischen einen anderen Freund hatte; er zürnte Jesus, dass er ihn dabei im Stich gelassen hatte.
Der neunte befürchtete, Jesus könnte von ihm verlangen, ihm nachzufolgen.
Nur der zehnte ging spontan zu Christus zurück.
Er warf sich vor den Füßen Jesu zu Boden und dankte ihm. Dieser Mann war aus Samarien.



10 gute Gründe, warum ich nicht in die Kirche gehe

https://www.youtube.com/watch?v=jdynHduMlFo


10 gute Gründe, warum ich mich nicht wasche:
Ich wurde als Kind immer gezwungen, mich zu waschen.
Menschen, die sich waschen, sind Heuchler. Sie glauben, sie wären sauberer als andere.
Ich habe mich einmal gewaschen. Aber ich finde es langweilig.
Alle meine Freunde finden Waschen blöd und überflüssig.
Wenn ich älter bin, kann ich ja vielleicht anfangen, mich zu waschen.
Ich habe keine Zeit, mich zu waschen.
Die Atmosphäre im Badezimmer ist viel zu kalt und steril.
Ich kann auch draußen in der Natur sauber werden. Der Wind bläst mich sauber.
Wenn du dich wäscht, ist das schön für dich. Ich fühle mich auch ohne Waschen gut.
Meine Eltern haben sich immer gewaschen. So wie die will ich nie werden.

https://www.youtube.com/watch?v=jdynHduMlFo

 



Spring hinein!

Franz Kogler


Hast du schon einmal nachgespürt, wie es ist, "sauber" zu sein?
Frisch heraus aus dem erfrischenden Nass?
Wag es, ein unvorstellbarer Genuss steht dir bevor.
Ich kann es dir nicht beschreiben, solange du nicht hineingehst.
Einfach ein Genuss.
Und den wünsch ich dir.
Warum das nicht alle ohnehin längst wissen? Ein Geheimnis.
Die Einladung steht: Spring hinein...



Life After God

Aus: Douglas Coupland, Life After God: Die Geschichten der Generation X Broschiert – 1997.


Ich wate tiefer und tiefer in das rauschende Wasser hinein.
Meine Hoden ziehen sich zurück in meinen Körper.
Das Wasser dringt in meinen Bauchnabel und lässt meine Brust gefrieren,
meine Arme, meinen Nacken.
Es erreicht meinen Mund, meine Nase, meine Ohren,
und das Dröhnen ist so laut – dieses Dröhnen, dieses Händeklatschen.
Die Hände – diese heilenden Hände;
Hände, die halten; Hände, nach denen wir verlangen, weil sie besser sind als Verlangen.
Ich tauche völlig in das Becken ein.
Ich ergreife meine Knie und vergesse die Schwerkraft und lasse mich in dem Becken treiben,
doch sogar hier höre ich das Dröhnen des Wassers, das Dröhnen von klatschenden Händen.
Diese Hände – fürsorgliche Hände, formende Hände;
Hände, die Lippen berühren,
Lippen, die die Worte sprechen –
die Worte, die uns sagen,
dass wir heil sind.



Das Wasser

Musik & Text: Daniel "Dän" Dickopf (Wise Guys)


Weil du schon eine halbe Ewigkeit
zur falschen Zeit am falschen Ort bist
und um dich rum alles verdorrt ist, gehst du los.
Du machst dich auf den Weg, egal wie weit,
du weißt nicht, wann die Reise endet,
trockne Kehle, Sonne blendet, und du
kämpfst gegen Sand und Hitze an,
du kämpfst dich Schritt für Schritt voran.

Ein heißer Wind schlägt dir jetzt ins Gesicht
die Beine werden schwer,
und du kannst eigentlich nicht mehr, doch plötzlich
traust du deinen eignen Augen nicht:
Denn vor dir liegt ein Tal
mit einem See, und auf einmal fällt dir das Laufen
beinah wieder richtig leicht, denn du siehst
Wasser, soweit das Auge reicht!

Und dann springst du rein,
tauchst ganz tief ein,
tauchst einfach ab
und bist ganz für dich allein.
Du bist in deinem Element
und alles das, was in dir brennt,
wird gelindert und gekühlt
vom Wasser, das dich ganz umspült...

Für diesen ganz bestimmten Augenblick
bist du damals losgegangen,
hast die Reise angefangen und jetzt
spürst du viel mehr als nur den kurzen Kick,
vergessen sind die Qualen
und du hörst nicht auf zu strahlen, denn du weißt,
du bist endlich angekommen.
Dieser Augenblick wird dir nie mehr genommen.

Und dann springst du rein,
tauchst ganz tief ein,
tauchst einfach ab
und bist ganz für dich allein.
Du bist in deinem Element
und alles das, was in dir brennt,
wird gelindert und gekühlt
und das sich wie neues Leben anfühlt.



Grenzgänger aus Liebe

Aus: Michael Broch, Von Auferstehung bis Zweifel, Den Glauben neu sagen. Schwabenverlag AG, Ostfildern 2001.



Den Standpunkt verändern

Aus: Hermann Josef Coenen, Freiheit, die ich meine. Patmos Verlag, Düsseldorf 1995.



Fürbitte

Aus: Michael Meyer, Nachdenkliche Gebete im Gottesdienst. Verlag Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen1988.



Die »Bank des Zigeuners«

Aus: Heiner Geißler, Ou Topos. Suche nach dem Ort, den es geben müsste. Verlag Kiepenheuer & Witsch, Köln 2009.



Ferne

Aus: joop roeland, wie die worte das fliegen lernten. Otto Müller Verlag, Salzburg Wien 2006.



Schwer(er)-Transport

Aus: Marco Aldinger, Geschichten für die kleine Erleuchtung. Das Buch zur Bewussteinserheiterung. Herder Verlag, Freiburg Basel Wien 2002.



Im lande reagans

Aus: dorothee sölle, spiel doch von brot und rosen. gedichte. Verlag Fietkau, Berlin 1998.



Ein behindertes Kind – Adeline

Aus: Ilse Pauls, Der innere See. Internationaler Literatur und Lyrik Verlag, Wien 1993.



Du hast mich geführt

Aus: Theresia Hauser, Du bist nahe. Sich betend erinnern. Schwabenverlag, Ostfildern 1996.



Apostelgeschichte 2010 - Rückblick und Ausblick

Pfarrblatt der Pfarre Bretenfeld, Wien VIII., September 2010.



Jesus, der verborgene Gott

Aus: Henri Nouwen, Auf der Suche nach dem Leben. Ausgewählte Texte mit einer Einführung von Robert A. Jonas. Herder Verlag, Freiburg Basel Wien 2001.



Audiosignal vom 15. Mai 1912

Aus: Hans Magnus Enzensberger, Gedichte 1950-2005. Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main 2006.



Dimensionen

Aus: joop roeland, an orten gewesen sein. Otto Müller Verlag, Salzburg und Verlag Die Quelle, Feldkirch 1999.