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Kontexte 30.10.2016


Michaela wird anders

Aus: Manuela Treitmeier, Katholische Religionslehre 3. Klasse, Puchheim 1989, Stundenbilder für die Unterrichtspraxis.


„Sapperlot, Michaela, jetzt hast du schon wieder nicht gelernt, obwohl ich es dir ausdrücklich ans Herz gelegt habe. Aus dir wird wohl nichts Gescheites.“ Diese Worte klangen Michaela noch immer nach, als sie bei ihrer Hausaufgabe am Schreibtisch saß. Und nun sollte sie dieselben Aufgaben, die sie bei der Rechenprobe gestern falsch gerechnet hatte, noch einmal lösen. Nein, es ging nicht, auch wenn sie sich auch noch so sehr anstrengte! Michaela kaute verzweifelt an ihrem Bleistift herum, bis sie schließlich zornig – oder war sie völlig verzweifelt – das Heft in den Schulranzen warf. Es machte ja nichts mehr aus. Fräulein M. dachte ja nur, dass sie wieder gefaulenzt hatte und fragte gar nicht, wie lange sie sich bemüht hatte! Am nächsten Tag schlich Michaela mit hängendem Kopf in die Schule. Gleich würde sie wieder die Stimme hören, vor der sie inzwischen schon solche Angst hatte: „Bitte, gib mir dein Heft und zeige mir deine Aufgaben.“ Michaela traute ihren Ohren nicht. „Bitte,“ sagte die Stimme und dann schwang da ein ganz anderer Ton mit. Ein Ton, der aufmunternd und freundlich klang. Ja, es stimmte. Vor ihr stand ein ganz anderes Fräulein. – Fräulein M. ist krank geworden und ich bleibe nun bei euch, Michaela. Zuerst möchte ich nun dein Heft sehen, Michaela.“ Als Michaela dem neuen Fräulein das Heft in die Hand drückte, war es ihr, als müssten alle ihr Herz klopfen hören, so aufgeregt war sie. Jetzt passierte es...

„Ja, Michaela, du kannst wohl keine Umkehraufgaben, stimmt das? Das wollen wir aber ganz schnell einüben. Pass nur auf, das verstehst du bald!“ Erleichtert nickte Michaela und als die Rechenstunde zu Ende war, hatte sie mit Hilfe ihrer Lehrerin viele Aufgaben richtig ins Heft geschrieben. Als Michaela dann nachmittags ähnliche Rechnungen vor sich als Hausaufgabe liegen hatte, fiel es ihr nicht schwer, sie ohne Fehler zu lösen. Ja, sie hatte sogar trotz der Rechnerei noch viel Zeit, schöne Muster als Verzierung in ihr Heft zu malen!



Du, unser Gott

Aus: Herrmann Josef Coenen, Meine Jakobsleiter, Meditationen, Düsseldorf 1986.


Du Gott der kleinen Leute, höre unser Beten!
Gott des Josefs, der von seinen Brüdern als Sklave verkauft wurde
Gott der Hebräer, die als Fremdarbeiter ausgebeutet wurden in Ägypten
Gott des Jeremia, der gefangen saß in der Zisterne
Gott der Verbannten „an den Wasserflüssen Babylons“ und aller Deportierten

Gott der Hirten von Bethlehem und aller Campesinos
Gott der Maria, der „herabschaut auf die Niedrigkeit seiner Magd“
Gott des Josef und aller, die „im Schweiße ihres Angesichtes“ ihr Brot verdienen
Gott des Flüchtlingskindes Jesus und aller, die auf der Flucht sind und Asyl suchen

Gott des greisen Simeon und der Hanna
und aller Alten, die die Hoffnung nicht aufgeben
Gott der Brautleute in Kana, denen der Wein ausging,
und aller Paare und Pärchen
Gott der Frau am Jakobsbrunnen mit ihren kaputten Beziehungen
Gott des Gelähmten am Teich Betesda und aller, die
„keinen Menschen haben, der ihnen hilft!“

Gott der blutflüssigen Frau und aller Kranken
Gott der Mutter des Jünglings von Naim
und aller, die trauern um einen Toten
Gott des Schächers am Kreuz und aller, die viel auf dem Kerbholz haben
Gott des Diakons Stephanus und aller, auf die man Steine wirft

Gott der Sonderschüler und Analphabeten, der Arbeitslosen und Obdachlosen
Gott aller, denen es dreckig geht gerade in diesen Tagen
Gott aller Enttäuschten, die vergeblich auf Besuch oder auf Post gewartet haben
Gott des kleinen Mannes, der kleinen Frau, der kleinen Kinder: Du unser Gott.



Jesus und meine Beziehung zum Nächsten

Aus: Anselm Grün, Bilder von Jesus, Münsterschwarzach 2001.


Wir sollen in jedem Mitmenschen Christus sehen. Wie aber können wir das? Wir können doch nicht diesen konkreten Jesus in jedem Menschen sehen. Ich helfe mir da mit folgender Vorstellung: Jeder Mensch ist ein Bruder oder eine Schwester Jesu. In jedem Menschen ist ein göttlicher Kern. In jedem Menschen ist das Selbst und in diesem Selbst wohnt Christus. Dieses Selbst ist letztlich Christus. Christus ist der innerste Kern jedes Menschen. In jedem Menschen ist ein Geheimnis, das ihn übersteigt. Jeder Mensch ist durch die Menschwerdung Gottes in Jesus Christus berührt worden. In jedem Menschen leuchtet Gottes Antlitz auf.

Christus im anderen sehen ist für mich aber mehr als die theologische Erklärung für das Innesein Christi in jedem Menschen. Es heißt für mich konkret: Ich darf mich nicht auf das Äußere meines Mitmenschen festlegen. Ich muss durch seine äußere Erscheinung durchsehen auf sein Innerstes. Und da ist in jedem Menschen ein guter Kern. Da ist in jedem Menschen das Antlitz Christi. Der Versuch im anderen Christus zu sehen, ist für mich nicht in erster Linie eine moralische Leistung, sondern eine Forderung des Glaubens. Glauben heißt eben nicht nur an Gott glauben, sondern auch an den Menschen zu glauben, darauf zu vertrauen, dass in jedem Menschen ein guter Kern ist. Pessimismus, Misstrauen und Menschenverachtung sind Zeichen mangelnden Glaubens an Gott. In der Beziehung zu meinen Mitmenschen geht es um die Gottesfrage, das heißt darum, wo Gott sichtbar wird. Jesus hat mich gelehrt, dass Gott im Menschen zu finden ist und jede Gottesliebe wird zu einer Farce, wenn sie sich nicht in der konkreten Liebe zum Menschen zeigt.



Träume werden wahr

Aus: Christina Klein, Ines Klekamp, Jürgen Sander, Minuten am Morgen, München 2002.


Ich träume,
dass mir jemand zuhört –
um verstanden zu werden.
Ich träume,
geachtet zu werden –
um an Selbstachtung zu gewinnen.

Ich träume,
dass jemand mit mir fühlt –
um Freud oder Leid teilen zu können.

Ich träume,
dass jemand mit mir teilt –
um nicht leer auszugehen.

Ich träume,
dass jemand mit mir sucht –
um eher ans Ziel zu gelangen.

Ich träume,
dass jemand mit mir hofft –
um mir Mut zu machen.

Ich träume,
dass jemand mit mir geht –
um keine Angst zu haben

Ich träume,
dass Träume wahr werden.



Jesus nimmt die Sünder an

Erdmann Neumeister (1671 - 1756)



Ballade: Zachäus, der Bäumling

Reiner Schnebel, in:
http://frommechaoten.de/bezirksjugend/impulsecke/balladen.php?i=0502



Frei werden mit der Vergangenheit

Vikar Sascha Flüchter, Predigt über Lukas 19, 1 – 10 zum 60. Jahrestag des Kriegsendes in Duisburg - 8. Mai 2005
In: http://www.predigtpreis.de/predigtpreis2005/predigten2005/fluechter.html



Über sich hinauswachsen

Robert Leicht, Predigt: “Da ist aber einer über sich hinausgewachsen“ in der Hauptkirche St. Michaelis zu Hamburg am 24.06.2007
http://ekd.de/predigten/070624_leicht_hamburg.html



Die Ö1 Kinderuni

http://oe1.orf.at/programm/256522 Ö1 am Sonntag, 24. Oktober 2010, 17:10



Gegen jeden

Ralf Rothmann, Gebet in Ruinen. Gedichte. Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main 2000.



Umgang mit den Fremden

Karl Kardinal Lehmann, Mut zum Umdenken. Klare Positionen in schwieriger Zeit. Herder Verlag, Freiburg Basel Wien 2000.



Im Nebel

Hermann Hesse, Wege nach Innen. 25 Gedichte ausgewählt und mit einem Nachwort versehen von Siegfried Unseld. Insel Verlag, Frankfurt am Main und Leipzig 2000.



gerade den, so eine wie die

Karlheinz May, Vom Duft der Auferstehung. Die vier Evangelien in Auszügen. Bernardus Verlag, Aachen 2009.



Zachäus

Karlheinz May, Vom Duft der Auferstehung. Die vier Evangelien in Auszügen. Bernardus Verlag, Aachen 2009.