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Kontexte 04.10.2016


Weltreligionen verabschieden in Assisi Friedensappell

Copyright 2016 Katholische Presseagentur KATHPRESS, Wien, Österreich, (www.kathpress.at).


Bekenntnis zum Dialog und Nein zu Terrorismus im Namen der Religion - "Im Krieg sind alle Beteiligten Verlierer, auch die Sieger".

Assisi, 20.9.2016 (KAP) Mit einem "Nein zum Krieg" haben Vertreter aller Weltreligionen am Dienstag ein dreitägiges Friedenstreffen in Assisi beendet. In einem gemeinsamen Appell erteilten sie jeder Rechtfertigung von Krieg und Terrorismus im Namen der Religion eine Absage und bekannten sich zum Dialog. Zugleich riefen die geistlichen Oberhäupter die Regierenden auf, Konfliktursachen wie Machtgier und Waffenhandel, aber auch Armut und Ungleichheit zu beseitigen. Den Appell verabschiedeten Papst Franziskus und der Ökumenische Patriarch Bartholomäus I. gemeinsam mit Rabbiner David Brodman aus Israel, dem Vizerektor der sunnitischen Al-Azhar-Universität in Kairo, Abbas Shuman, dem buddhistischen Patriarchen Koei Morikawa und anderen.

"Im Krieg sind alle Beteiligten Verlierer, auch die Sieger", heißt es in dem Dokument. Niemand könne sich auf Gott berufen, um Terrorismus, Gewalt oder Krieg zu rechtfertigen. "Ein Krieg im Namen der Religion richtet sich gegen die Religion selbst." Ausdrücklich beschworen die Religionsführer die politischen Verantwortungsträger auf, auch einer "Rache wegen vergangener Ereignisse" Einhalt zu gebieten. Der Friedensappell knüpft an eine Initiative von Papst Johannes Paul II. (1978-2005) im Jahr 1986. Das damalige Treffen begründete laut den Unterzeichnern einen "Pilgerweg", auf dem Religionsvertreter aus aller Welt seither den "untrennbaren Zusammenhang zwischen dem großen Gut des Friedens und einer glaubwürdigen religiösen Lebensführung" bekannten.

Vor der feierlichen Verlesung gedachten die Religionsführer schweigend der Opfer des Kriegs und des Terrorismus. Anschließend wurde der Appell von den geistlichen Oberhäuptern an Kinder übergeben, die das Dokument zu Vertretern der einzelnen Staaten bringen sollten.

Vor der Verlesung des Appells hatte der Papst die Gläubigen aller Religionen zur Ächtung fundamentalistischer Gewalt aufgefordert.

Der Zeremonie auf dem Vorplatz der Basilika San Francesco in Assisi gingen Friedensgebete der einzelnen Glaubensrichtungen voraus. Die christlichen Konfessionen hielten eine ökumenische Andacht in der Kirche San Francesco. Währenddessen wurden die Namen aller Länder verlesen, die sich derzeit im Krieg befinden, und Kerzen für jedes von ihnen entzündet.



Papst, Würdenträger und Flüchtlinge bei Kloster-Essen

Copyright 2016 Katholische Presseagentur KATHPRESS, Wien, Österreich, (www.kathpress.at).


Friedenstreffen für Papst "kein Spektakel", sondern notwendiger Schritt zur Überwindung der Kriege.

Assisi, 20.9.2016 (KAP) Mit Umarmungen für die Vertreter zahlreicher Religionen hat Papst Franziskus am Dienstag den Höhepunkt des Friedenstreffens von Assisi begonnen. Er begrüßte nach seiner Ankunft per Hubschrauber am Vorplatz des Klosters der Franziskanerkonventualen (Minoriten) Patriarch Bartholomaios I. von Konstantinopel, den syrisch-orthodoxen Patriarchen Aphrem II. von Antiochien, Anglikaner-Primas Justin Welby, Roms Oberrabbiner Riccardo di Segni und den Vizepräsidenten der Al-Azhar-Universität, Abbas Shuman. Die Religionsvertreter aßen anschließend im Refektorium des mittelalterlichen Klosters gemeinsam zu Mittag, begleitet auch von Flüchtlingen aus Asien und Afrika.

Unter den Flüchtlingen waren zwei Palästinenser, drei Syrer und zwei Armenier, die im Februar im Rahmen eines von den Kirchen initiierten humanitären Korridors nach Italien gekommen waren. Auch zwei vor der Terrorgruppe Boko Haram geflohene Nigerianerinnen, eine Eritreerin und ein Bootsflüchtling aus Mali waren anwesend. Alle Flüchtlinge werden von der Gemeinschaft Sant'Egidio betreut, die auch das mehrtägige Treffen in Assisi unter dem Motto "Durst nach Frieden" organisiert hat.

Beim Mittagessen wies der Präsident der Gemeinschaft Sant'Egidio, Marco Impagliazzo, auf das bevorstehende 25-Jahr-Jubiläum der Amtsübernahme von Patriarch Bartholomaios I. hin. Mit diesem wollte der Papst am Nachmittag Einzelgespräche führen, ebenso mit Erzbischof Welby, Patriarch Aphrem II. und den islamischen und jüdischen Repräsentanten. Die verschiedenen Religionsgemeinschaften wollten um 16 Uhr an verschiedenen Orten in der Franziskus-Stadt Gebete abhalten, darunter das christlich-ökumenische Friedensgebet in der Unteren Basilika.

Beten, bis man sich der Kriege schämt

Noch vor seiner Abreise hatte Franziskus am Dienstag betont, die Vertreter aller Religionen versammelten sich in Assisi nicht zu einem "Spektakel". Es gehe darum, für den Frieden zu beten, "bis man sich der Kriege schämt", so der Papst bei seiner Morgenmesse in Santa Marta laut Radio Vatikan. Der 20. September solle ein "Tag des Gebets, der Reue, des Weinens um des Friedens willen" sein, Jeder Mensch solle durch sein Gebet und Weinen dem Krieg und der Gewalt, die ein "Werk des Bösen" seien, auftreten. Gott bloß dafür zu danken, selbst vom Krieg verschont geblieben zu sein, sei der falsche Ansatz, so der Papst.

Nachdrücklich schärfte Franziskus ein, die Augen nicht vor dem Krieg zu verschließen und sich aufrütteln zu lassen vom Leid der betroffenen Menschen: "Wenn wir unsere Ohren verschließen vor dem Leid jener, die bombardiert werden, die durch den Menschenhandel leiden, dann kann es sein, dass eines Tages dies an uns geschieht und wir auf Antworten warten", so der Papst. Friede solle "ohne Unterscheidung der Religionen" aufgenommen werden, denn jede Religion glaube, dass Gott "nur für den Frieden einstehen" könne. Einen "Gott des Krieges" gebe es nicht.

Diskutieren für den Frieden

Bereits seit Sonntag hatten sich rund 10.000 Menschen - darunter 500 Religionsführer, Geistliche, Politiker, Wissenschaftler und Intellektuelle - in Assisi zur Diskussion über Krieg und Frieden versammelt. In zahlreichen Kurzstatements auf rund 30 Einzelpodien berichtete etwa ein junger Priester aus dem Irak, Rebwar Audish Basa, von der Flucht der Christen aus seinem Land. Daniele Donati von der Welternährungsorganisation FAO mahnte, die globale Migration an den Wurzeln Armut und Ungleichheit zu bekämpfen. Der Jerusalemer Rabbiner David Rosen erinnerte an die epochale Erneuerung des Verhältnisses zwischen Katholiken und Juden vor 50 Jahren. Der nigerianische Erzbischof Ignatius Kaigama hob die humanen und kulturellen Ressourcen seines Kontinents hervor.

Das von der katholischen Gemeinschaft Sant'Egidio organisierte Friedenstreffen geht auf eine Initiative von Johannes Paul II. (1978-2005) zurück, der vor 30 Jahren am 27. Oktober 1986 erstmals die Religionen der Welt zum Gebet für den Frieden in die Heimatstadt des Friedensapostels Franz von Assisi (1181/1182-1226) eingeladen hatte.

Seither richtete Sant'Egidio jährlich ein Friedenstreffen an wechselnden Orten aus. Unabhängig davon luden die Päpste noch dreimal zu Friedensgebeten nach Assisi ein: 1993 angesichts der Balkankrise, 2002 nach den Anschlägen vom 11. September, 2011 - mit Benedikt XVI. (2005-2013) als Gastgeber - als Antwort auf den wachsenden Terrorismus. Der nunmehrige Besuch von Franziskus - bei der ein Papst erstmals "nur" Gast bei der von Sant'Egidio veranstalteten Zusammenkunft der Weltreligionen ist - gilt als Würdigung der 30-jährigen Dialogarbeit der kirchlichen Friedensbewegung.



Was wir glauben

Kirchentag Berlin 1977.


Ich werde nicht glauben an Haben und Behalten, an Unfrieden und Krieg, an geballte Fäuste.
Ich will glauben an Schenken und Empfangen, ans offene Reden und Verzeihen.
Ich werde nicht glauben, dass Menschen besser sind,
weil sie mehr verdienen und schöner wohnen, geschickt und klug sind.
Ich will glauben, dass Menschen besser sind,
weil sie sich mehr kümmern um ihre Mitmenschen.
Ich werde nicht glauben an Mauern, Grenzen, Rassen.
Ich will glauben an freie Länder, offene Häuser, gastfreie Menschen in allen Farben des Regenbogens.
Ich werde nicht glauben an ein unglückliches Ende - alles verschmutzt und verbraucht.
Ich will glauben an einen neuen Anfang, wo alles geheilt und gleich verteilt ist.
Ich werde nicht glauben an die Angst zu sterben.
Ich will glauben an die Freude zu leben zusammen mit so vielen.
Ich werde nicht glauben an einen Geist, der uns voneinander trennt.
Ich will glauben an den Geist Gottes,
an den Geist von Jesus, der Menschen zusammenführt,
bis alles vollendet ist.



Warum gibt es immer wieder Krieg?

msc in: Christ in der Gegenwart Nr. 30/2014. Katholische Wochenzeitschrift, Verlag Herder.



CREDO

Aus: Dorothee Sölle, Ich will nicht auf tausend Messern gehen, München 1987.



Dein Friede

Aus: Petra Focke, Hermann Josef Lücker (Hrsg), Gott und die Welt. Gebete und Impulse für junge Menschen in allen Lebenslagen. Ohne Jahresangabe, ohne Verlagsangabe.



Kettenreaktionen

Aus: Ruth Pfau, Leben heißt anfangen. Worte, die das Herz berühren. Herausgegeben von Rudolf Walter. Herder Verlag, Freiburg Basel Wien 2010.



Dialog der Religionen

Aus: Leonardo Boff, Tugenden für eine bessere Welt. Butzon & Bercker Publik-Forum Edition Kevelaer 2009.



Wie werden Religionen friedensfähig?

Aus: Franz Kamphaus, Die Welt zusammenhalten. Reden gegen den Strom. Herder Verlag, Freiburg Basel Wien 2008.