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Kontexte 17.12.2017


Ein Gott, der von der Angst befreit

Aus: Juan Arias, Gott im Dritten Jahrtausend, Graz 1999.


Es mag paradox erscheinen, von einem Gott zu sprechen, der von der Angst befreit, wo wir doch mit Gott immer etwas verbunden haben, das Furcht einflößt, weil er imstande ist, eine unendlich und ewig dauernde Strafe zu verhängen. Und dennoch, wenn ein glaubwürdiger Gott für das dritte Jahrtausend vorstellbar ist, dann kann das nicht ein Gott sein, der Angst verbreitet, einfach weil der moderne Mensch des 21. Jahrhunderts die Angst vor Gott längst verloren hat. Ganz andere Dinge ängstigen ihn: die atomare Gefahr, die Kriege mit chemischen Waffen, die Vergiftung der Erde, Aids, die Unfähigkeit zur Kommunikation, die neue und subtile Sklaverei durch die Macht der Technik.

Wenn Gott im dritten Jahrtausend Platz haben will, dann muß er im Gegenteil ein Gott sein, der von solchen Alpträumen befreit, der neue Hoffnungen erweckt, der unsere Befürchtungen zu zerstreuen vermag und uns neue Früchte der Barmherzigkeit und des Mitleids anbieten kann, eine neue Erde, auf der es sich besser leben läßt, weil sie gerechter unter allen aufgeteilt ist. Eine Erde von verschiedenartigen Brüdern, die aber niemals mehr Feinde sind. Ein Gott, der nicht eine Erde bewohnt, die von materiellen und geistigen Giften verseucht ist, sondern die von Kulturen geprägt wird, die unser Leben schöner und reicher machen.



das licht

Aus: kurt marti, geduld und revolte. Die gedichte am rand. Im radius-verlag, Stattgart 1995.


der sagt ich bin
sagt uns ihr seid

der sagt ihr seid
sagt uns ich bin

das licht der weit



Verteidigung der Wölfe gegen die Lämmer

Aus: Hans Magnus Enzensberger, Gedichte 1950-2005. Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main 2006.


Soll der Geier Vergißmeinnicht fressen ?
Was verlangt ihr vom Schakal,
daß er sich häute, vom Wolf? Soll
er sich selber ziehen die Zähne?
Was gefällt euch nicht
an Politruks und an Päpsten,
was guckt ihr blöd aus der Wäsche
auf den verlogenen Bildschirm?

Wer näht denn dem General
den Blutstreif an seine Hose? Wer
zerlegt vor dem Wucherer den Kapaun?
Wer hängt sich stolz das Blechkreuz
vor den knurrenden Nabel? Wer
nimmt das Trinkgeld, den Silberling,
den Schweigepfennig? Es gibt
viel Bestohlene, wenig Diebe; wer
applaudiert ihnen denn, wer
steckt die Abzeichen an, wer
lechzt nach der Lüge ?

Seht in den Spiegel: feig,
scheuend die Mühsal der Wahrheit,
dem Lernen abgeneigt, das Denken
überantwortend den Wölfen,
der Nasenring euer teuerster Schmuck,
keine Täuschung zu dumm, kein Trost
zu billig, jede Erpressung
ist für euch noch zu milde.

Ihr Lämmer, Schwestern sind,
mit euch verglichen, die Krähen:
ihr blendet einer den andern.
Brüderlichkeit herrscht
unter den Wölfen:
sie gehn in Rudeln.
Gelobt sein die Räuber: ihr,
einladend zur Vergewaltigung,
werft euch aufs faule Bett
des Gehorsams. Winselnd noch
lügt ihr. Zerrissen
wollt ihr werden. Ihr
ändert die Welt nicht.



Der Heiland

Hermann Hesse in: Hans-Rüdiger Schwab (Hg.), Gott im Gedicht. Ein Streifzug durch die deutschsprachige Lyrik. Topos plus Taschenbuch, Kevelaer 2007.


Immer wieder wird er Mensch geboren,
Spricht zu frommen, spricht zu tauben Ohren,
Kommt uns nah und geht uns neu verloren.

Immer wieder muß er einsam ragen,
Aller Brüder Not und Sehnsucht tragen,
Immer wird er neu ans Kreuz geschlagen.

Immer wieder will sich Gott verkünden,
Will das Himmlische ins Tal der Sünden,
Will ins Fleisch der Geist, der ewige, münden.

Immer wieder, auch in diesen Tagen,
Ist der Heiland unterwegs, zu segnen,
Unsern Ängsten, Tränen, Fragen, Klagen
Mit dem stillen Blicke zu begegnen,
Den wir doch nicht zu erwidern wagen,
Weil nur Kinderaugen ihn ertragen.



Weihnachten: Fest realistischer Hoffnung

Aus: Karl Kardinal Lehmann, Mut zum Umdenken. Klare Positionen in schwieriger Zeit. Herder Verlag, Freiburg Basel Wien 2003.


Es ist gut, dass es Weihnachten gibt. Allerdings müssen wir aufpassen, wie wir es verstehen und feiern. Der Glanz der Friedensbotschaft von Weihnachten darf nicht zum Flitter werden. Kerzenlicht darf uns nicht die Welt verstellen, so wie sie ist.

Manchmal habe ich den Eindruck, ein solcher Hinweis sei in unserer Welt wichtiger als früher. Man flüchtet sich aus der Realität des täglichen Lebens, dem Stress der Vorbereitung und der Hast unseres Lebens in ein Weihnachten, bei dem man endlich alles sonst selig vergessen kann; Viele schlagen die Tür hinter sich zu und fahren in die Ferne. Nehmen wir so Weihnachten ernst? Ist es nicht bloß ein schöner Kindertraum, aber am Ende doch nichts für die Erwachsenen? Haben das Lametta und mancher Kitsch etwas mit unserer Welt zu tun?
[…]
Aber genau in diese Welt kommt Gott selbst. Er kommt in unsere zerrissene, schäbige und oft banale Welt, in der z. B. das Recht des Stärkeren immer zu siegen scheint. Es ist die Welt, wo uns so viel Ungerechtigkeit, Bosheit und Egoismus die Luft und fast jede Hoffnung auf eine Besserung der Verhältnisse nehmen. Das ist gerade das Wunder der Weihnacht, dass uns nicht ein edles Paradies vorgegaukelt wird, sondern dass Gott seinen einzigen, vielgeliebten Sohn in diese Zeit schickt. Die Verheißungen von Gottes Frieden auf dieser Erde gelten uns. Es ist eine Hoffnung, die der Not ins Gesicht schaut und ihren Fragen nicht ausweicht. Darum ist es auch gut, wenn wir an Weihnachten all jene nicht vergessen, die nicht auf der Sonnenseite dieser Erde wohnen können: die Armen, die Kranken, die Straßenkinder, die Obdachlosen, die trotz vieler Anstrengungen immer wieder von Ungerechtigkeit und Elend bedrängten Menschen der Dritten Welt. Es ist gut, dass es gerade heute und in diesen Tagen die Sammlungen für Adveniat und Brot für die Welt gibt.

Weihnachten ist ein Fest der Ermutigung und dabei ganz bodennah. Deswegen dürfen wir auch unseren eigenen Sorgen und Nöten nicht ausweichen. Ganz in unserer Nähe. Gerade die vielen einfachen und kleinen Leute, die uns in der Weihnachtsgeschichte begegnen, angefangen bei einem ohnmächtigen Kind, rufen uns an diesem Fest auf, die Spuren der Hoffnung auch bei uns selbst zu suchen. Wir werden sie, wenn wir uns etwas mühen, auch leicht finden.



Introitus

http://www.katholisches.info/2013/12/15/gaudete-introitus-des-dritten-adventssonntags-freuet-euch/ - (09.12.2014)



Christus, das Licht der Welt

In EG 410.



Song von "Gaudete"

http://www.gaudete-musik.de/texte.php?song=Euch - (09.12.2014)



Aus einer Predigt über die Ode an die Freude

Fr. Franziskus Knoll OP, Köln, Predigt über Jes. 35, 1-6a.10 in: http://www.dominikaner-werden.de/predigten2/gaudete-freut-euch/ - (09.12.2014)



Gaudete in domino

Papst Paul VI., Über die christliche Freude, Apostolisches Schreiben "Gaudete in Domino" (9.5.1975) http://www.kathpedia.com/index.php?title=Gaudete_in_domino_%28Wortlaut%29 - (09.12.2014)



Wir strecken uns nach dir

Friedrich Karl Barth (1985) in: EG 642.



Kleider - Ausdruck der Würde

Aus: Egon Kapellari, Heilige Zeichen, Styria 1987.



Mein Leben als Heilszeit

Alois Albrecht, in: das Thema 23 (1981).



Jesaja-Paraphrase

von Anton Rotzetter



Adventsegen

Herbert Jung in: Mensch geworden für die Menschen, Freiburg 2001.



Erwartung über unsere Zeit hinaus

Dieter Emeis in: Anleitung zum Glaubensbekenntnis, München 2000.



Beten der Sehnsucht

Aurelius Augustinus aus: Stefan Liesenfeld (Hrsg.), Betrachte nur, was Gott für uns geworden ist. München 2002.



Konflikt um Adventkranz mit fünf Kerzen

Kathpress-Meldung Nr. K200810758 vom 27. November 2008.