Allmächtiger Gott,
du bist unser Herr und Gebieter.
Mach unseren Willen bereit,
deinen Weisungen zu folgen,
und gib uns ein Herz, das dir aufrichtig dient.
Darum bitten wir durch Jesus Christus.
MB 29. Sonntag im Jahreskreis
Gott, du willst, dass deine Kirche
ein Zeichen des Heils unter den Völkern sei
Und das Werk Christi bis zum Ende der Welt fortführe.
Erwecke in allen, die glauben,
die wache Sorge für das Heil der Menschen,
damit aus allen Völkern ein heiliges Volk wird.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn
MB Für die Ausbreitung des Evangeliums B
Hilf uns, Herr,
daß wir den Dienst am Altar
mit freiem Herzen vollziehen.
Befreie uns durch diese Feier von aller Schuld,
damit wir rein werden und dir gefallen.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
MB 29. Sonntag im Jahreskreis
Gütiger Gott,
der Tisch ist gedeckt mit den Gaben,
die du selbst uns geschenkt hast.
Lass an diesem Altar eine Gemeinschaft entstehen,
die von der Kraft des Sakramentes getragen ist
und so diese Welt gestalten kann.
Das erbitten von dir, o Gott,
durch Christus unseren Herrn.
Kehrvers:
Freut euch: Wir sind Gottes Volk,
erwählt durch seine Gnade. (GL 56,1)
Guter und barmherziger Gott,
wir haben uns versammelt, um dir zu danken
für alles, was du Großes an uns getan hast.
Kehrvers
Einst hast du Israel als dein Volk erwählt
Und aus der Unterjochung seiner Zwangsherren in die Freiheit geführt,
damit es stark und zum Segen aller Menschen werde.
Kehrvers
Durch Jesus von Nazareth hast du deinen Bund erneuert
und für alle Menschen geöffnet,
die bereit sind, Gott zu geben, was Gott gehört.
Kehrvers
In jeder Generation sendest du neu deine Boten aus,
allen Menschen die Frohe Botschaft in Wort und Tat zu verkünden
und durch ein Leben aus deinem Geist zu bezeugen.
Kehrvers
Glaube, Hoffnung und Liebe sind die Früchte;
die dein Geist in allen Völkern und Kulturen hervorbringt.
In Dankbarkeit bringen wir sie dir dar und singen wir dir unser Lob
gemeinsam mit allen Menschen, die sich zu dir bekennen.
Danklied, z. B. Lobet und preiset, ihr Völker, den Herrn (GL 408)
In Wahrheit ist es würdig und recht,
dir, Herr, heiliger Vater,
allmächtiger, ewiger Gott,
immer und überall zu danken
durch unseren Herrn Jesus Christus.
Denn er hat Großes an uns getan:
durch seinen Tod und seine Auferstehung
hat er uns von der Sünde
und von der Knechtschaft des Todes befreit
und zur Herrlichkeit des neuen Lebens berufen.
In ihm sind wir ein auserwähltes Geschlecht,
dein heiliges Volk,
dein königliches Priestertum.
So verkünden wir die Werke deiner Macht,
denn du hast uns aus der Finsternis
in dein wunderbares Licht gerufen.
Darum singen wir
mit den Engeln und Erzengeln,
den Thronen und Mächten
und mit all den Scharen
des himmlischen Heeres den Hochgesang
von deiner göttlichen Herrlichkeit:
Heilig ...
MB Sonntage 1
Allmächtiger Gott,
gib, daß die heiligen Geheimnisse,
die wir gefeiert haben,
in uns Frucht bringen.
Schenke uns Tag für Tag,
was wir zum Leben brauchen,
und führe uns zur ewigen Vollendung.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
MB 29. Sonntag im Jahreskreis
Die Bittmesse
Warum ist eigentlich der heilige Antonius in die Wüste geflohen? Kaum eine Frage scheint so müßig wie diese. Weiß doch jeder gebildete Christ: Der heilige Antonius ist in die Wüste geflohen, weil er Angst hatte vor den Frauen.
Wer das zu bezweifeln wagt, bekommt prompt den Vorwurf zu hören, er sei wohl noch nie in einem Museum gewesen. Haben doch Hunderte von Malern den heiligen Antonius alle gleich gemalt: wie er als Einsiedler, weit draußen in der Wüste Ägyptens, vergeblich Ruhe vor den Frauen sucht. Gerade dort, wohin kein Weib aus Fleisch und Blut sich je verirren würde, in jener äußersten Einsamkeit, plagen den heiligen Antonius, Tag und Nacht, betörende Trugbilder weiblicher Reize. Ihn plagt die eigene lüsterne Phantasie. 0 die »Versuchungen des heiligen Antonius«! Von Hieronymus Bosch bis zu Mathias Grünewald, von Salvador Dali bis zu Max Ernst, sind sie eines der großen klassischen Themen der europäischen Malerei.
Und doch beschleicht gerade den erfahrenen Freund der Schönen Künste angesichts so vieler so schön gemalter »Versuchungen des heiligen Antonius« ein leiser historischer Zweifel. Schließlich war Antonius der Einsiedler ein Ägypter des 3. Jahrhunderts. Die unzähligen Maler, die uns seine erotischen Phantasien vorgemalt haben, sind alle mindestens tausend Jahre später in Europa zur Welt gekommen. Die Gnade der späten Geburt ist aber selten verbunden mit dem Sinn für die historische Wirklichkeit. Überdies leiden Maler vor der Staffelei oft an Langerweile. Dass sie dann selber heimgesucht werden von tausend lüsternen Phantasien, ist nicht weiter schlimm. Dass daraus doch schöne Heiligenbilder werden, ist sogar erfreulich. Aber sagt es auch nur irgendetwas aus über die historische Wirklichkeit?
Für das, was wirklich los war in der Einsiedelei des heiligen Antonius, gibt es einen einzigen zuverlässigen Augenzeugen. Das ist Athanasius von Alexandrien. Dieser hochgebildete Kirchenlehrer war mit dem berühmten Einsiedler persönlich befreundet. »pollákis«, schreibt er, »oftmals« habe er Antonius in seiner Eremitage zwischen Nil und Rotem Meer besucht. Und jedesmal sei er aus dem Staunen nicht mehr herausgekommen.
Einen Einsiedler stellt man sich nämlich einsam vor. Der heilige Antonius aber war in seiner Einsiedelei alles andere als einsam. In Höhlen, Felsspalten, Erdlöchern und Hütten hausten, rings um Antonius, mehrere tausend Jünger. Ausdrücklich gebraucht Athanasius von Alexandrien in seiner Ortsbeschreibung das Wort »pólis«: Eine regelrechte »Stadt« von Jüngern sei entstanden rund um den heiligen Antonius mitten in der Wüste.
Und dann die zweite Überraschung: Einen Jünger stellt man sich jung vor. Die Jünger des heiligen Antonius aber waren, in der großen Mehrheit, gestandene Männer. Auch bedeutende Männer. Was aber hatte sie hinausgetrieben in eine Landschaft, die im Alten Ägypten als tödlich galt?
Noch größer war die dritte Überraschung: Diese Männer, die in äußerster Entsagung draußen in der Wüste lebten, hatte sich Athanasius von Alexandrien genau so vorgestellt, wie wir sie uns vorstellen: abgezehrt und tieftraurig. Abgezehrt sahen sie wohl aus, doch zu gleicher Zeit waren sie göttlich guter Laune - »denn«, fährt Athanasius wörtlich fort, »denn da wurde keiner vom Steuereintreiber geplagt«.
»Denn da wurde keiner vom Steuereintreiber geplagt«: Das ist die historische Wirklichkeit. Nicht aus Angst vor Kleopatras ägyptischen Töchtern sind Antonius und seine Jünger in die Wüste geflohen, sondern aus Angst vor der römischen Steuerfahndung.
Im Jahr 284 war in Rom Diokletian Kaiser geworden. Diokletian war nicht nur ein böser Christenverfolger, sondern hatte, schlimmer noch, eine fatale Ähnlichkeit mit unserem Bundesfinanzminister in Berlin. Das Wichtigste im Staat, dachte sich Diokletian, sei ein korrektes Steuerwesen. Tatsächlich gelang es ihm, den römischen Fiskus so effizient zu reorganisieren, dass von Britannien bis nach Ägypten kein einziges Steuerschlupfloch mehr blieb, keine einzige Steueroase.
Es war die totale Besteuerung und es war der wirtschaftliche Ruin des Römischen Reiches. In Gallien zuerst brach ein blutiger Aufstand verzweifelter Steuerzahler los, der die gesamte Provinz verwüstete. Das war der »Bagaudenkrieg«. Gleich danach griffen in der Provinz Africa, das heißt im heutigen Algerien und Tunesien, die bankrotten Bürger zu den Waffen. Das war die »Revolte der Circumcellionen«.
Am schlimmsten war es in Ägypten. Dort trieben die römischen Steuerbeamten die Abgaben nicht selber ein, sondern machten in jedem Dorf die drei oder vier reichsten Bürger mit ihrem Privatvermögen haftbar für die gesamte Steuerschuld ihrer Gemeinde. Nicht etwa die armen Schlucker, vielmehr die reichen Großgrundbesitzer flohen jetzt vor dem drohenden Steuerbankrott zu Tausenden hinaus in die Wüste. Ein solcher reicher Großbauer, berichtet Athanasius von Alexandrien, sei auch der heilige Antonius gewesen. »Dreihundert Aruren Land, fruchtbar und schön anzusehen«, habe Antonius besessen (umgerechnet etwa 80 Hektar), bevor er dem Fiskus in die Wüste entrann.
Unzählige folgten ihm nach und so gilt der heilige Antonius nicht nur als »Patriarch der Eremiten«, sondern auch, zu Recht, als »Vater des westlichen Mönchtums«. Aus seiner Eremitenstadt in der Wüste Ägyptens ist ja das ganze Klosterwesen der katholischen Kirche hervorgegangen. Und eine Ahnung steigt in uns auf: Ist vielleicht das ganze christliche Mönchtum, ja ist vielleicht, historisch-kritisch betrachtet, der ganze katholische Klerus gar nicht aus Angst vor der Frau entstanden, sondern aus Angst vor dem Finanzamt? Werfen wir, vor jedem überstürzten Urteil, einen klärenden Blick nach Rom.
Während Antonius noch immer in der Wüste saß, hatte Konstantin der Große der Christenverfolgung ein Ende gesetzt. Historisch bedeutsam war dabei gar nicht das so genannte Mailänder Edikt von 313, sondern eine Serie von Folge-Erlassen, in denen Konstantin in wahrhaft majestätischer Großzügigkeit den Priestern der Katholischen Kirche etwas gewährte, wovon alle Bürger Roms genau so träumten wie der Ägypter Antonius: völlige Steuerfreiheit.
Plötzlich herrschten mitten in Rom Zustände wie in der Wüste Ägyptens: Die gesamte christliche Elite, dort die Mönche, hier die Priester, alle waren sie auf wunderbare Weise steuerfrei geworden.
Alsbald begann in Rom ein wahrer Oklahoma-Run reicher Familienväter auf die katholische Priesterweihe. Noch gab es ja keine Zölibatspflicht. Nach jüdischem Vorbild vererbten vielmehr die meisten christlichen Priester ihrem Sohn ihr Amt. Gelang es einer reichen römischen familia, ihren pater familias - auf deutsch gesagt ihren Papi - zum Priester weihen zu lassen, so war die ganze Familienbande hinfort steuerfrei.
Das Priestertum Jesu Christi als Steuersparmodell für reiche Papis? Dieser fatalen Entwicklung Einhalt geboten zu haben, ist das Verdienst der heiligen Paula. Diese unerhört mutige Frau aus dem Geschlecht der Scipionen hatte auf einer Bildungsreise nach Ägypten auch die dortigen Einsiedlerkolonien in der Wüste besucht. Dort war ihr etwas aufgefallen. Bei aller guten Laune herrschte unter den Söhnen des heiligen Antonius doch so etwas wie christlicher Ernst und echte Askese. Die klimatischen Bedingungen in der Wüste waren nämlich so streng, dass es undenkbar war, einen Haushalt mitzunehmen. Frauen, Bräute, Töchter, Söhne dieser ägyptischen Steuerflüchtlinge hatten zurückbleiben müssen in den Dörfern am Nil. Naturnotwendig lebten Antonius und seine Jünger im Zölibat. Sie waren »mónachoi«. Daraus ist unser Wort »Mönch« geworden. Eigentlich aber heißt das griechische Wort »mónachos« ganz einfach »Single«.
Und jetzt die geniale Idee der heiligen Paula: Warum nicht eben jene Lebensweise, die in der Wüste Ägyptens naturnotwendig war, in Rom einführen als asketisches Gesetz? Das Single-Dasein als moralisches Korrektiv gegen Übermut im neuen klerikalen Steuerparadies? Nach ägyptischem Vorbild und gegen den erbitterten Widerstand der reichen römischen Papis setzte die heilige Paula, diese wunderbare, tapfere Frau, in Rom den Zölibat durch.
Manche halten den katholischen Klerus für eine mittelalterliche Institution. Das ist historischer Unsinn. Die mittelalterliche Klerusgeschichte ist nichts als ein mühseliger Versuch von Epigonen, das doppelte Erbe der Antike zu bewahren: einerseits Steuerfreiheit für den Klerus, anderseits, als asketisches Korrektiv dazu, den Zölibat. Der einzige originelle Kopf unter all den mittelalterlichen Bewahrern antiker Kirchenordnung ist Papst Bonifatius VIII. Am 25. Februar 1296, mit der Bulle »Clericis laicos«, verbietet er nicht nur Kaisern und Königen bei Strafe der Exkommunikation, von Priestern oder Mönchen Steuern einzutreiben. Nein, als wahrer Jünger des heiligen Antonius tut dieser großartige Papst den allerletzten Schritt: »Anathema sit« - zu ewiger Höllenstrafe verdammt sei jeder Priester oder Mönch, der sich überhaupt dazu zwingen lässt, dem Staat Steuern zu bezahlen.
Papst Bonifatius VIII war der letzte, der den historischen Durchblick besaß. Nach ihm kamen, wie gesagt, die Maler. Die mit der Gnade der späten Geburt, mit dem geringen Wissen und der blühenden erotischen Phantasie. Ganz zum Schluss kam Karlheinz Deschner. In seinem Buch »Das Kreuz mit der Kirche« schreibt Deschner wörtlich, der heilige Antonius habe in der Wüste ständig »ganze Legionen nackter Frauen« um sich gesehen, und zwar, man höre und staune, nackte Frauen »in jeder Stellung«. Ja ist denn Karlheinz Deschner nicht selber Manns genug, um zu wissen, dass ein einziger Beamter der Steuerfahndung ungleich gefährlicher ist als ganze Legionen nackter Frauen?
Lasset uns beten!
Heiliger Antonius von Ägypten,
Patriarch der Eremiten, Mönchsvater des Westens
und Schutzpatron der christlichen Steuerflüchtlinge!
Aus deinem himmlischen Steuerparadies blick gnädig herab
auf uns geplagte Steuerzahler des 21. Jahrhunderts.
Erlöse uns von unserem Finanzminister in Berlin.
Vor seinem erbarmungslosen Zugriff
schütze du die letzten Steueroasen der Christenheit.
Schütze Luxemburg und Liechtenstein.
Protect Jersey and Guernsey. Segne die Schweiz.
Schenke uns, wir bitten dich,
schenke nicht nur Priestern und Mönchen,
sondern all den verzweifelten christlichen Steuerzahlern einen Papst,
der dem Fiskus aufs Neue so furchtlos entgegentritt
wie Bonifatius VIII mit seiner großartigen Bulle »Clericis laicos«.
Auf dass wir alle dereinst, von irdischer Steuertyrannei erlöst,
eingehen zu dir, Antonius, ins himmlische Steuerparadies.
Amen.
Aus: Hans Conrad Zander, Antonius für Steuerzahler. Die 14 besten Nothelfer für die moderne Seele. Gütersloher Verlagshaus, Gütersloh 2009.

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