Lesung aus dem Buch Ezéchiel.
In jenen Tagen,
schaute ich das Aussehen der Gestalt
der Herrlichkeit des Herrn.
Und ich fiel nieder auf mein Angesicht.
Da hörte ich die Stimme eines Redenden.
Er sagte zu mir: Menschensohn, stell dich auf deine Füße;
ich will mit dir reden.
Da kam Geist in mich, als er zu mir redete,
und er stellte mich auf meine Füße.
Und ich hörte den, der mit mir redete.
Er sagte zu mir: Menschensohn,
ich sende dich zu den Söhnen Israels,
zu abtrünnigen Völkern, die von mir abtrünnig wurden.
Sie und ihre Väter sind von mir abgefallen,
bis zum heutigen Tag.
Es sind Söhne mit trotzigem Gesicht und hartem Herzen.
Zu ihnen sende ich dich.
Du sollst zu ihnen sagen: So spricht Gott, der Herr.
Sie aber: Mögen sie hören oder es lassen
— denn sie sind ein Haus der Widerspenstigkeit —,
sie werden erkennen müssen,
dass mitten unter ihnen ein Prophet war.
(Lektionar 2018 ff. © 2024 staeko.net)
Lesung aus dem zweiten Brief des Apostels Paulus
an die Gemeinde in Korínth.
Schwestern und Brüder!
Damit ich mich wegen der einzigartigen Offenbarungen
nicht überhebe,
wurde mir ein Stachel ins Fleisch gestoßen:
ein Bote Satans,
der mich mit Fäusten schlagen soll,
damit ich mich nicht überhebe.
Dreimal habe ich den Herrn angefleht,
dass dieser Bote Satans von mir ablasse.
Er aber antwortete mir: Meine Gnade genügt dir;
denn die Kraft wird in der Schwachheit vollendet.
Viel lieber also will ich mich meiner Schwachheit rühmen,
damit die Kraft Christi auf mich herabkommt.
Deswegen bejahe ich meine Ohnmacht,
alle Misshandlungen und Nöte,
Verfolgungen und Ängste, die ich für Christus ertrage;
denn wenn ich schwach bin,
dann bin ich stark.
(Lektionar 2018 ff. © 2024 staeko.net)
Paulus spricht in seinem Brief an die Gemeinde in Korinth seine gesundheitliche/körperliche Schwäche an, die ihm - wie zwischen den Zeilen zu entnehmen ist - auch vorgeworfen wird. Erwartet wurde ein strahlender, siegesgewisser, herausragender und redegewandter Apostel, der mit seiner Erscheinung die Wahrheit des von ihm Verkündigten überzeugend darstellt.
Paulus sieht sich genötigt, zwei Einsichten zu vermitteln: 1. damit er sich nicht überhebt (überheblich wird), ist ihm ein Stachel ins Fleisch gegeben - bildlich gesprochen: die Flügel gestutzt - und 2. seine Stärke ist darin begründet, dass er schwach ist. Damit geht einher, dass die auch in Korinth gepflegten Vorstellungen von Stärke die Prüfung nicht bestehen.
Schon in 1 Kor 1 - 3 hatte Paulus das Wort vom Kreuz so entfaltet, dass jeder Ruhm, den ein Mensch für sich verbuchen möchte, ausgeschlossen ist. Paulus wehrt sich auch nicht einfach mit rhetorischen Mitteln, sondern mit einer christologischen Argumentation: Er verweist auf ein Wort des Kyrios: Meine Gnade genügt dir, denn sie erweist ihre Kraft in der Schwachheit.
Den Anspruch, "seine" Wahrheit überzeugend darzustellen, legt Paulus somit in die Hände des Kyrios, gibt dafür in Korinth aber eine offen ausgesprochene Rechenschaft.
In seinem "Willen zur Macht" hat F. Nietzsche Widerworte gegen den "Gekreuzigten" formuliert und auf die menschliche Selbstbehauptung gesetzt:
"Dionysos gegen den 'Gekreuzigten': da habt ihr den Gegensatz. Es ist nicht eine Differenz hinsichtlich des Martyriums, - nur hat dasselbe einen anderen Sinn. Das Leben selbst, seine ewige Fruchtbarkeit und Wiederkehr bedingt die Qual, die Zerstörung, den Willen zur Vernichtung. Im anderen Falle gilt das Leiden, der "Gekreuzigte als der Unschuldige", als Einwand gegen dieses Leben, als Formel seiner Verurteilung. - Man errät: das Problem ist das vom Sinn des Leidens: ob ein christlicher Sinn, ob ein tragischer Sinn. Im ersten Falle soll es der Weg sein zu einem heiligen Sein; im letzteren Fall gilt das Sein als heilig genug, um ein Ungeheures von Leid noch zu rechtfertigen. Der tragische Mensch bejaht noch das herbste Leiden: er ist stark, voll, vergöttlichend genug dazu; der christliche verneint noch das glücklichste Los auf Erden: er ist schwach, arm, enterbt genug, um in jeder Form noch am Leben zu leiden. Der Gott am Kreuz ist ein Fluch auf das Leben, ein Fingerzeig, sich von ihm zu erlösen; - der in Stücke geschnittene Dionysos ist eine Verheißung des Lebens: es wird ewig wiedergeboren und aus der Zerstörung heimkommen."
Aus: Der Wille zur Macht. Versuch einer Umwertung aller Werte, Stuttgart 1964, S. 687f.
Paulus schreibt an seine Gemeinde in Korinth, die in einer heiklen Glaubensverfassung ist: Sie wollen als junge Kirche ihm die Gefolgschaft verwehren. So wendet er sich an die Christgläubigen in demütiger Haltung und erklärt ihnen all das Leid, das er für seine Überzeugungen erlitten hat. Der “Stachel im Fleisch” wird der Überzeugung der Exegeten folgend wohl eine veritable Krankheit gewesen ein. Mit welcher Diagnose wir es zu tun haben, bleibt Spekulation.
Barmherziger Gott,
durch die Erniedrigung deines Sohnes
hast du die gefallene Menschheit
wieder aufgerichtet
und aus der Knechtschaft der Sünde befreit.
Erfülle uns mit Freude über die Erlösung
und führe uns zur ewigen Seligkeit.
Darum bitten wir durch Jesus Christus.
MB 14. Sonntag im Jahreskreis
Jesus, du bist ganz anders, als wir es erwarten.
Du sprichst anderes, als wir es uns wünschen.
Du sprichst nicht nur Worte, die uns bestätigen.
Du sprichst Worte, die uns immer mehr zu dem machen,
wer wir vor Gott sein sollen.
Mach uns offen für dich, für deine Liebe,
dass wir dich nicht ablehnen,
dass wir dich erkennen, wenn du uns begegnest,
jetzt und in alle Ewigkeit. Amen.
Herr,
zu deiner Ehre feiern wir dieses Opfer.
Es befreie uns vom Bösen
und helfe uns,
Tag für Tag das neue Leben sichtbar zu machen,
das wir von dir empfangen.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
MB 14. Sonntag im Jahreskreis
Kehrvers
Auf, lasst uns jubeln dem Herrn,
vor sein Angesicht kommen mit Dank! (GL 141)
Guter Gott und Vater,
wir kommen zu dir, um dir zu danken
und um deine Größe zu preisen.
Immer wieder hast du Propheten gesandt,
um den Menschen deine Weisheit mitzuteilen
und ihnen deinen Willen kundzutun.
Kehrvers
In Jesus von Nazareth hast du als Mensch unter Menschen gelebt
und sie durch sein Reden und Tun erfahren lassen,
wie sehr dir am Heil der Menschen gelegen ist.
In deinem Namen hat der Kranke geheilt,
dem Ungeist Einhalt geboten
und dein Wirken in dieser Welt geoffenbart.
Kehrvers
Seine Jünger hat er gelehrt,
trotz Erfahrung menschlicher Ohnmacht
den Glauben an deine göttliche Kraft lebendig zu halten,
das Kommen deines Reiches zu verkünden
und nach deinen Weisungen das Leben zu gestalten.
Kehrvers
Auch uns wurde diese Frohe Botschaft zuteil,
auch wir erfahren deine Gegenwart in dieser Welt
und auch wir leben in der Hoffnung,
dass du einmal das Werk der Erlösung vollenden wirst.
Dafür danken wir dir
und loben und preisen wir dich mit der ganzen Schöpfung.
Danklied, z. B. Herr, unser Herr, wie bist du zugegen (GL 414)
In Wahrheit ist es würdig und recht,
dir, allmächtiger Vater, zu danken
und das Werk deiner Gnade zu rühmen
durch unseren Herrn Jesus Christus.
Denn aus Erbarmen mit uns sündigen Menschen
ist er Mensch geworden aus Maria, der Jungfrau.
Durch sein Leiden am Kreuz hat er uns
vom ewigen Tod befreit und
durch seine Auferstehung
uns das unvergängliche Leben erworben.
Darum preisen dich deine Erlösten und
singen mit den Chören der Engel
das Lob deiner Herrlichkeit:
Heilig ...
MB Sonntage 2
Wir danken dir, heiliger, starker Gott.
Du lenkst die Geschicke der Welt
und sorgst für jeden Menschen.
Du versammelst uns zu einer Gemeinschaft,
damit wir alle dein Wort hören
und deinem Sohn im Glauben folgen.
Er ist der Weg - auf diesem Weg gelangen wir zu dir;
er ist die Wahrheit - sie allein macht uns frei;
er ist das Leben und erfüllt uns mit Freude.
Darum danken wir dir, Vater, für deine Liebe,
durch unseren Herrn Jesus Christus.
Wir stimmen ein in den Gesang der Engel
und bekennen zum Lob deiner Herrlichkeit:
Heilig...
Präfation aus dem Schweizer Hochgebet 2
Herr,
du hast uns mit reichen Gaben beschenkt.
Lass uns in der Danksagung verharren
und einst die Fülle des Heils erlangen.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
MB 14. Sonntag im Jahreskreis
Jesus, du Wegbegleiter,
sei schützend um mich,
wenn ich den Schritt wage
aus den alten Gleisen,
lass mich deine Nähe spüren,
wenn ich neues Land betrete,
zeige mir die Richtung,
wenn ich unsicher werde,
halte mich, wenn ich zu fallen drohe.
Um deinen Segen bitte ich,
auf allen meinen Wegen.
Amen.
Aus: Cäcilia Kittel, Sei stille dem Herrn, Impulse zur Eucharistischen Anbetung, München 2006.

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Ezechiel wird von Jahwe als "Menschensohn" angesprochen, von ihm auch "aufgehoben" und auf die Füße gestellt. Es gehört zu den prophetischen Berufungsgeschichten, klein zu werden, auf die Erde zu fallen und nicht auf Augenhöhe zu bleiben.
Gesandt wird der Prophet zu den "abtrünnigen Söhnen Israels", die hier erscheinen als Menschen, die immer wieder und bis zum heutigen Tag abgefallen sind von Jahwe und seinem Willen. Sie werden als "widerspenstiges Volk" charakterisiert "mit trotzigem Gesicht und hartem Herzen". Die Konkretion fehlt jedoch, lässt sich aber aus dem prophetischen "Buch" des Ezechiel erschließen. Es ist der Ungehorsam, der das Volk von Jahwe trennt. Sie werden, so heißt es am Schluss des Abschnittes, erkennen müssen, dass mitten unter ihnen ein Prophet war. Was das heißt, erschließt sich auch erst aus dem "Buch" des Ezechiel: der Prophet deutet eine Unheilsgeschichte.
Zum Fortgang der prophetischen Verkündigung gehört auch, dass Jesus als "Menschensohn" vorgestellt wird, der das Volk Gottes errettet.