Gott, du hast uns geboten,
auf deinen geliebten Sohn zu hören.
Nähre uns mit deinem Wort
und reinige die Augen unseres Geistes,
damit wir fähig werden,
deine Herrlichkeit zu erkennen.
Darum bitten wir durch Jesus Christus.
MB 2. Fastensonntag
Gütiger Gott,
durch das Wirken deiner Gnade
schenkst du uns schon auf Erden
den Anfang des ewigen Lebens.
Vollende, was du in uns begonnen hast,
und führe uns hin zu jenem Licht,
in dem du selber wohnst.
Darum bitten wir durch Jesus Christus.
MB Samstag in der 2. Fastenwoche
Herr,
das Opfer, das wir feiern,
nehme alle Schuld von uns.
Es heilige uns an Leib und Seele,
damit wir uns in rechter Weise auf das Osterfest vorbereiten.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
MB 2. Fastensonntag
Herrn, unser Gott,
im heiligen Opfer, das wir feiern,
nimm auch unsere Mühen an,
damit der äußere Verzicht,
den wir in diesen vierzig Tagen auf uns nehmen,
uns durch deine Gnade innerlich erneuere.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
MB Donnerstag in der 2. Fastenwoche
Kehrvers:
Alle Enden der Erde schauen Gottes Heil. (GL Ö800)
Oder: Jubelt dem Herrn, alle Enden der Erde, schauen Gottes Heil. (GL 55,1))
Guter Gott, wir kommen zu dir, um dir zu danken
und deine Größe zu preisen.
Einst hast du Abraham herausgerufen
aus seinem Volk und aus seinem Vaterhaus,
um ihn zu einem großen Volk
und zum Segen für alle Geschlechter der Erde zu machen.
Kehrvers
Mose und Elija hast du deine Herrlichkeit schauen lassen
Sie haben dein Volk durch schwierige Zeiten geführt
und ihm deinen Willen geoffenbart.
Kehrvers
Auf dem Berg der Verklärung
hast du Jesus als deinen geliebten Sohn geoffenbart,
an dem du Gefallen gefunden hast.
Kehrvers
Durch ihn hast du deinen Plan mit den Menschen vollendet.
Er ist durch Leiden und Tod hindurch
in deine himmlische Herrlichkeit eingetreten.
Kehrvers
Durch ihn hast du auch uns den Himmel aufgeschlossen
und lässt uns jetzt schon erahnen,
Was du denen bereitet hast, die dich lieben.
Kehrvers
Dafür loben und preisen wir dich
mit allen Engeln und Heiligen.
Zusammen mit der ganzen Schöpfung singen wir zu deinem Lob:
Danklied, z. B.: Gott wohnt in einem Lichte (GL 429)
In Wahrheit ist es würdig und recht,
dir, Vater im Himmel, zu danken
durch unseren Herrn Jesus Christus.
Denn er hat den Jüngern
seinen Tod vorausgesagt
und ihnen auf dem heiligen Berg
seine Herrlichkeit kundgetan.
In seiner Verklärung erkennen wir,
was Gesetz und Propheten bezeugen:
daß wir durch das Leiden mit Christus
zur Auferstehung gelangen.
Durch ihn rühmen wir deine Größe
und singen mit den Chören der Engel
das Lob deiner Herrlichkeit:
Heilig ...
MB Fastensonntag 2
Ja, es ist recht, dir, Vater im Himmel,
zu danken durch unseren Herrn Jesus Christus.
Auf dem Berg der Verklärung ist er Mose und Elija begegnet
und seine Größe und Herrlichkeit wurden offenbar.
Gestärkt durch diese Begegnung und durch die Gewissheit deines Wohlgefallens
ist er den Weg seiner Sendung zu Ende gegangen bis zum Tod am Kreuz.
Du hast ihn endgültig verherrlicht und zu Deiner Rechten erhöht.
Seine Aufrichtigkeit gibt auch uns die Kraft, unseren Weg in Treue zu gehen,
und die Hoffnung, dass wir einmal mit ihm verherrlicht werden.
Durch ihn rühmen wir deine Größe
und singen in Gemeinschaft mit allen Propheten, Aposteln und Heiligen
das Lob Deiner Herrlichkeit.
Herr,
du hast uns im Sakrament
an der Herrlichkeit deines Sohnes Anteil gegeben.
Wir danken dir,
daß du uns schon auf Erden teilnehmen läßt
an dem, was droben ist.
Durch Christus, unseren Herrn.
MB 2. Fastensonntag
Die Kunst, neu anzufangen, ist also vor allem auch die Kunst, unser Denken zu erneuern, zu wissen, dass die Wahrheit viel größer ist als das, was unsere begrenzten Verstandesgefäße fassen können. Das Gegenteil einer tiefen Wahrheit kann nach einem Wort von Kardinal Newman wieder eine tiefe Wahrheit sein. "Erneuert euren Geist und Sinn", ruft uns der Epheserbrief zu (Eph 4,23). Das ist eine Aufforderung, uns auch zu fragen, aus welchen Überzeugungen wir schöpfen, was die Grundüberzeugungen sind, die das Fundament unseres Lebens bilden. Glauben wir tatsächlich an die Gegenwart des lebendigen Gottes? Glauben wir tatsächlich an die Menschwerdung Gottes in Jesus Christus? Glauben wir tatsächlich an die Vorsehung Gottes, die unser Leben führen und leiten kann? Hier sind Gespräche - Gespräche mit der Schrift, Gespräche mit einer geistlichen Begleiterin oder einem geistlichen Begleiter, Gespräche mit Büchern, die wir lesen, Gespräche mit Filmen, die wir sehen - ganz wichtig. Ein gutes Gespräch ist unabschließbar und so wissen wir dann auch, dass der Weg der Selbsterneuerung ein Weg ist, der nicht zu einem Ende kommt.
Aus Alois Kothgasser / Clemens Sedmak, Geben und vergeben. Von der Kunst neu zu beginnen. Tyrolia Verlag, Innsbruck Wien 2008.
Als ich die Ruinen von Palmyra erreichte, war ich von der langen Reise so erschöpft, dass ich mich ins Gras legte, das zwischen den Säulen und Pfeilern wuchs. Die Zeit hatte sie entwurzelt und zu Boden geworfen, als ob ein Krieg hier gewütet hätte. Ich betrachtete ehrfürchtig die Pracht, wenngleich sie zerstört war und zu der blühenden Umgebung im Widerspruch stand.
Als die Nacht angebrochen war und die Kreaturen sich unter dem Mantel des Schweigens versammelt hatten, merkte ich, dass die Luft von etwas erfüllt war, das nach Weihrauch duftete und wie Wein berauschte. Ich trank davon und spürte verborgene Hände mit meinen Sinnen spielen; meine Augenlider wurden schwer, und mein Geist befreite sich von seinen Fesseln.
Dann dehnte sich die Erde, und das Firmament zitterte. Von magischer Macht getrieben, sprang ich vorwärts und fand mich in einem Garten wieder, den sich kein menschliches Wesen vorstellen kann. Ich war umgeben von Jungfrauen, die mit nichts anderem bekleidet waren als mit ihrer Schönheit. Während sie an meiner Seite schritten, war es, als ob ihre Füße das Gras nicht berührten. Die Melodien, die sie sangen, waren gewebt aus Träumen von der Liebe; dabei spielten sie auf ihren Gitarren aus Ebenholz mit goldenen Saiten. Als ich zu einer Lichtung gelangte, stand in der Mitte ein Thron, der mit kostbaren Steinen besetzt war. Von oben fiel ein Licht in den Farben des Regenbogens auf ihn herab. Zu beiden Seiten des Thrones standen Jungfrauen und sangen lauter als zuvor. Alle blickten in eine Richtung, der ein Duft von Myrrhe und Weihrauch entströmte. In diesem Augenblick erschien aus den blühenden Zweigen eine Königin, die langsam auf den Thron zuschritt und darauf Platz nahm. Eine Schar von Tauben - weiß wie der Schnee - flogen vom Himmel herab und bildeten einen Halbmond zu Füßen der Königin.
Währenddessen priesen die Jungfrauen sie in ihren Liedern, und der Weihrauch stieg ihr zu Ehren in Säulen auf. Ich stand da und schaute gespannt auf das, was kein Menschenauge gesehen und kein menschliches Ohr gehört hat. Da gab die Königin mit ihrer Hand ein Zeichen, und jede Bewegung erstarrte. Und mit einer Stimme, die meine Seele erzittern ließ - wie die Saiten einer Laute unter der Hand ihres Spielers -, sagte sie: »Ich, die Herrin der Phantasie, habe dich, o Mensch, an diesen Platz gerufen. Ich erweise dir die Gunst, vor der Königin über den Wäldern der Träume zu stehen. Hör meine Empfehlungen und verkünde sie aller Welt: Sag ihnen, dass die Stadt der Phantasie eine Hochzeit ist; ihre Tore werden von einem Riesen bewacht, der niemanden einlässt, der kein Hochzeitsgewand trägt.
Sie ist ein Paradies, dessen Wächter der Engel der Liebe ist; niemand kann sie betreten, der nicht auf seiner Stirn das Zeichen der Liebe trägt. Sie ist ein Feld blühender Vorstellungen, und ihre Flüsse sind wie guter Wein; ihre Vögel schweben gleich Engeln, und ihre Blumen duften betörend. Nur die Kinder der Träume gelangen auf dieses Feld.
Sag den Menschen, dass ich ihnen einen Kelch der Freude angeboten habe, doch sie gossen ihn in ihrer Unwissenheit aus. Dann kam der Engel der Finsternis und füllte ihn mit Kummer. Sie tranken ihn unvermischt und waren betrunken.
Sag ihnen, dass niemand die Gitarre des Lebens spielen kann als derjenige, dessen Fingerspitzen meinen Gürtel berührten und dessen Augen meinen Thron sahen.
Isaias verfasste Verse der Weisheit - gleich Perlen auf dem Halsband der Liebsten. Johannes berichtete von seiner Vision in meiner Sprache. Dante betrat die fruchtbaren Weiden des Geistes unter meiner Führung. Ich bin ein Symbol, das die Wirklichkeit berührt, eine Wahrheit, welche die Einheit des Geistes sichtbar macht und ein Zeuge der Werke der Götter.
Sag den Menschen, dass das Denken eine Heimat hat in einer Welt jenseits der sichtbaren Welt, deren Himmel nicht verhüllt ist von den Wolken der Freude. Sag ihnen, dass die Visionen im Himmel der Götter Form annehmen und sich in der Seele widerspiegeln, damit sie ihre Hoffnung auf das lenken, was nach der Befreiung vom Leben in dieser Welt weiterleben wird.«
Und nachdem die Königin der Phantasie mich an sich gezogen und meine brennenden Lippen geküsst hatte, sprach sie: »Sag allen, dass derjenige, der die Tage seines Lebens nicht auf der Bühne der Träume verbringt, ein Sklave der Zeit sein wird.«
In diesem Augenblick wurden die Stimmen der Jungfrauen wieder lauter; Weihrauchsäulen stiegen auf und verhüllten alles. Dann dehnte sich die Erde, und das Firmament zitterte, und ich fand mich wieder inmitten der Ruinen von Palmyra. Das Morgenrot lächelte, und auf meiner Zunge waren die Worte: »Wer die Tage seines Lebens nicht auf der Bühne der Träume verbringt, wird ein Sklave der Zeit sein.«
Eine Träne und ein Lächeln
Aus: Khalil Gibran Lesebuch. Herausgegeben von Volker Fabricius. Patmos Verlag, Düsseldorf 2008.

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