Der Volksmund kennt in seinen Sprüchen viele Einschätzungen: Kein Peter ohne Paul, kein Max ohne Moritz. Die Liturgie dieses Tages untermauert dieses Faktum noch. Kein Peter ohne Paul. Sie bringt dieses jüdische Doppelgespann in einem Hochfest zusammen, obwohl die beiden verschiedenartiger nicht sein könnten. Sie sind weit entfernt eines Sinnes zu sein sowohl in Nebensächlichkeiten wie in wichtigen Fragen. Darin liegt auch das Persönlichkeitsprofil der beiden.
Eher selten ergibt sich die Möglichkeit, im Sonntagsgottesdienst Peter und Paul einander gegenüberzustellen.
Petrus, ursprünglich Barjona, Sohn des Jona, herausragende Gestalt des Jüngerkreises, heißt eigentlich Symeon oder Simon (siehe Lk 5,3 und Apg 22,31). Seine Frau begleitete ihn später auf seinen Missionsreisen (1 Kor 9,5). Petrus war der Sprecher der Jünger und des Zwölferkreises. Das Bild seiner Persönlichkeit prägte sich in der Überlieferung ein: impulsiv bis cholerisch und tatkräftig (Mk 9,5; Lk 22,31f und Joh 13,37). Bei Cäsarea legt er sein Messiasbekenntnis ab, das wir im Evangelium gehört haben. (Mt 16,16).
Was hat diese Aussage zu bedeuten? Sie meint auf das gute Ende dieser irdischen Zeit zu vertrauen, auf Erlösung, auf ein Reich der Gerechtigkeit und des Friedens zu hoffen. Was sich Petrus darunter wirklich vorstellt, wissen wir nicht. Die Antwort Jesu ist aber eindeutig: "Nicht Fleisch und Blut haben dir das offenbart, sondern mein Vater im Himmel." (Mt 16,17). Petrus zeigt damit seine tiefe Gottverbundenheit und seinen Glauben. Jesus sagt aber noch weiter: "Du bist Petrus", also Stein, Fels (Mt 16,18). Jesus sieht somit etwas in Petrus, das diesem offenbar noch gar nicht bewusst war.
Dieses feierliche Bekenntnis des Petrus ist auch Bekenntnis der Kirche. Es ist der Fels, der ihr festen Halt gibt, der Schlüssel zum Himmelreich. Trotz allem widersetzt sich Petrus dem Weg nach Jerusalem und provoziert Jesus zu einer scharfen Zurechtweisung: "Weg mit dir, Satan, geh mir aus den Augen! Du willst mich zu Fall bringen." (Mt 16,23). Tatsächlich lernen wir Petrus wenige Stunden vor dem beginnenden Leiden Jesu als schwache Persönlichkeit kennen: er schläft, wo er wachen soll, er zaudert und vertraut nicht, er leugnet, weil die Situation für ihn lebensbedrohlich sein könnte, daher auch die dreimalige Frage an Petrus im Johannesevangelium: "Simon Petrus, liebst du mich?" (Joh 21,15). Petrus glaubt, solange er damit nicht überfordert war. Petrus wusste um seine Schwäche, seine Hinfälligkeit, daher auch sein Tränenmeer, das ihn von aller Schuld reinigt. So war Petrus manchmal ganz nahe bei Jesus, manchmal mied er ihn.
Ganz anders ist Paulus zu sehen. Sein einziger Zugang zu Jesus war seine Berufungsvision (Apg 9). Das Damaskuserlebnis wird zum Präludium für das weitere Geschehen. Die Bekehrung geht vor der Engstirnigkeit des "Nur-sich-selbst-Kennens" hin zum Universalismus. Saul - so sein Ursprungsname - bedeutet "der Ersehnte", stammte aus Tarsus in Zilizien, geboren zwischen 8 und 12 n. Chr., hatte eine deutlich ältere Schwester, Sohn von Diasporajuden, erhielt eine rabbinische Ausbildung, studierte bei Gamaliel in Jerusalem, ist der pharisäischen Richtung zuzuordnen, Zeltmacher, fanatischer Christenverfolger bis zu seiner Bekehrung um 33 n. Chr.
Paulus sitzt zunächst zwischen zwei Sesseln: Die Juden brauchen ihn nicht, die Christen auch nicht und doch wird er zum auserwählten Werkzeug. So fanatisch er die Christen verfolgt hat, so fanatisch bzw. begeisterungsfähig wird er zum Verbreiter des Neuen. Er trägt ein neues Gottesbild weiter. Alle Menschen werden von Gott geliebt. Im Gegensatz zu Petrus ist er kaum kompromissbereit, hat wenig Geduld, nimmt Verfolgungen, Gefängnis, Spott auf sich, motiviert und tröstet, gründet viele Hausgemeinden in fremden Ländern.
Was sagen uns diese Persönlichkeiten heute? Gott wirkt durch die unterschiedlichsten Menschen, zu unterschiedlichsten Zeiten, auf unterschiedliche Weise. Gott traut den Menschen etwas zu. Trotz ihrer Schwächen, ihrer Fehler, ihrer Wankelmütigkeit überträgt er ihnen verantwortungsvolle Aufgaben, jedem entsprechend seiner Talente. Der Dienst des Leitens braucht ein felsenfestes Zeugnis. Seien auch wir einander Fels im Glauben durch Vertrauen, Liebe, Barmherzigkeit. Schlüsselgewalt nehmen wir gerne im Glauben ein - oft aber ohne Umkehr.
Dieses Fest Peter und Paul sagt: Habt Vertrauen in das Wirken Gottes, öffnet den Weg Gottes, verstellt ihn nicht durch Kleingläubigkeit, durch Ängstlichkeit. - Ein schöner Gedanke für die beginnende Ferienzeit: offen zu sein für Neues, empfänglich zu werden für das Wort Gottes als Hilfe für ein neues Arbeitsjahr. - Amen.
Lieder:
GL 164: Der in seinem Wort uns hält
GL 275: Selig, wem Christus auf dem Weg begegnet
GL 358: Ich will dich lieben, meine Stärke
GL 380: Der Apostel heiliger Chor (4. Str.)
GL 477: Gott ruft sein Volk zusammen
GL 481: Sonne der Gerechtigkeit (5. Str.)
GL 484: Dank sei dir, Vater, für das ewge Leben
GL 487: Nun singe Lob du Christenheit
GL 489: Laßt uns loben, freudig loben
GL 542: Ihr Freunde Gottes allzu gleich (4. Str.)
GL 543: Wohl denen, die da wandeln
GL 546: Christus, du Licht vom wahren Licht
GL 548: Für alle Heiligen in der Herrlichkeit
GL 551: Nun singt ein neues Lied dem Herren
GL 552: Herr, mach uns stark im Mut, der dich bekennt
Psalmen und Kehrverse:
GL 60: Der Herr hat uns befreit; auf ewig besteht sein Bund - Mit Psalm 111 - VI
GL 454: Geht in alle Welt, Halleluja - Mit Psalm 111 (GL 60,2) - VI.
GL 486: Tu es Petrus, et super hanc petram aedificabo Ecclesiam meam - Mit Psalm 8 (GL 33,2) oder mit Psalm 47 (GL 44,2) - VII
GL 584,4: Herr, du hast Worte ewigen Lebens - Mit Psalm 19
GL 629,1: Du führst mich hinaus ins Weite, du machst meine Finsternis hell - Mit Psalm 30 - I.
GL Ö929,2: Kündet den Völkern die Herrlichkeit des Herrn - Mit Psalm 103 (GL 57,2) - II.
Herr, unser Gott,
am Hochfest der Apostel Petrus und Paulus
haben wir uns in Freude versammelt.
Hilf deiner Kirche,
in allem der Weisung deiner Boten zu folgen,
durch die sie den Glauben
und das Leben in Christus empfangen hat,
der in der Einheit des heiligen Geistes
mit dir lebt und herrscht in alle Ewigkeit.
MB Hochfest des hl. Petrus und des hl. Paulus
Herr und Gott,
in Gemeinschaft mit den Aposteln
Petrus und Paulus bitten wir dich:
Heilige unsere Gaben
und laß uns mit Bereitschaft und Hingabe
das Opfer deines Sohnes feiern,
der mit dir lebt und herrscht in alle Ewigkeit.
MB hl. Petrus und des hl. Paulus
Kehrvers:
Lobet und preiset ihr Völker den Herrn! (GL 408)
Guter Gott,
am Fest der Apostel Petrus und Paulus sind wir zusammengekommen,
um dir unseren Dank darzubringen.
Wir haben allen Grund, dir zu danken,
denn in Jesus von Nazareth hast du uns den Messias gesandt.
Er hat uns aus der Not unseres begrenzten Lebens erlöst.
Er hat selbst Menschengestalt angenommen,
in ihm ist deine göttliche Weisheit Fleisch geworden.
In menschlicher Begegnung hat er deine Menschenliebe erfahren lassen.
Seinen Jüngern hat er aufgetragen,
die Frohe Botschaft von deiner väterlichen Liebe und Fürsorge
allen Menschen zu verkünden.
Im Wirken des Petrus hast du fortgesetzt, was Jesus begonnen hat.
Paulus hast du erwählt,
die Frohe Botschaft über die Grenzen des jüdischen Volkes hinauszutragen.
Unermüdlich predigte er den Heiden
und machte sie mit deiner Liebe und Barmherzigkeit bekannt.
Wir danken dir auch für die vielen Menschen,
die den Glauben an dich durch Jahrhunderte hindurch lebendig gehalten
und ihn von Generation zu Generation weiter getragen haben.
Mit allen Engeln und Heiligen
stimmen wir ein in den Lobgesang der ganzen Schöpfung und singen:
Danklied, z. B.: "Großer Gott, wir loben dich…" (GL 380)
In Wahrheit ist es würdig und recht,
dich allmächtiger Vater,
in deinen Heiligen zu preisen
und am Fest der Apostel Petrus und Paulus
das Werk deiner Gnade zu rühmen.
Petrus hat als erster den Glauben
an Christus bekannt
und aus Israels heiligem Rest
die erste Kirche gesammelt.
Paulus empfing die Gnade tiefer Einsicht
und die Berufung zum Lehrer der Heiden.
Auf verschiedene Weise
dienten beide Apostel der einen Kirche,
gemeinsam empfingen sie die Krone des Lebens.
Darum ehren wir beide in gemeinsamer Feier
und vereinen uns mit allen Engeln und Heiligen
zum Hochgesang von deiner göttlichen Herrlichkeit:
Heilig ...
MB Petrus und Paulus
In Wahrheit ist es würdig und recht,
dir, Herr, heiliger Vater,
allmächtiger, ewiger Gott,
immer und überall zu danken.
Denn du bist der ewige Hirt,
der seine Herde nicht verläßt,
du hütest sie allezeit durch deine heiligen Apostel.
Du hast sie der Kirche als Hirten gegeben,
damit sie ihr vorstehn als Stellvertreter deines Sohnes.
Darum singen wir mit den Engeln und Erzengeln,
den Thronen und Mächten und
mit all den Scharen des himmlischen Heeres
den Hochgesang von deiner göttlichen Herrlichkeit:
Heilig ...
MB Apostel 1
In Wahrheit ist es würdig und recht,
dir, allmächtiger Vater, zu danken
durch unseren Herrn Jesus Christus.
Durch ihn hast du die Kirche
auf das Fundament der Apostel gegründet,
damit sie bis ans Ende der Tage fortbestehe
als Zeichen deiner Heiligkeit
und allen Menschen die Botschaft des Heiles verkünde.
Darum preisen wir das Werk deiner Liebe
und singen mit den Chören der Engel
das Lob deiner Herrlichkeit:
Heilig ...
MB Apostel 2
Jesus spricht:
Folge mir nach!
(Joh 21,19)
Oder:
Mit Petrus bekennen wir:
Du bist der Messias, der Sohn des lebendigen Gottes.
(Mt 16,16)
Oder:
Kostet und seht, wie gütig der Herr ist;
wohl dem, der zu ihm sich flüchtet!
(Ps 34,9)
Herr, unser Gott,
du hast uns durch das heilige Sakrament gestärkt.
Gib, daß wir im Brotbrechen
und in der Lehre der Apostel verharren
und in deiner Liebe ein Herz und eine Seele werden.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
MB Hochfest des hl. Petrus und des hl. Paulus

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