Gelingendes Leben wünschen wir Menschen uns. Und Gott will uns solches Leben in Fülle schenken. Und doch leben wir manchmal an uns selbst und unserem Leben vorbei: durch unseren Lebensstil, durch die Schwerpunkte, die wir setzen, durch manche bewusste oder unbewusste Entscheidung. Immer wieder sind wir eingeladen, uns darauf zu besinnen, was uns wirklich zu erfülltem Leben führen kann. Immer wieder dürfen wir auf diesen Weg zurückkehren - so auch jetzt in diesem Gottesdienst.
Claudia Simonis-Hippel, in: Bernhard Krautter/Franz-Josef Ortkemper (Hg.), Gottes Volk Lesejahr A 7/2011. Verlag Katholisches Bibelwerk, Stuttgart 2011, S. 36-48.
Gott, unser Vater,
du hast uns durch deinen Sohn erlöst
und als deine geliebten Kinder angenommen.
Sieh voll Güte auf alle, die an Christus glauben,
und schenke ihnen die wahre Freiheit
und das ewige Erbe.
Darum bitten wir durch Jesus Christus.
MB 5. Sonntag der Osterzeit
MB 23. Sonntag im Jahreskreis
Herr, unser Gott,
du schenkst uns den Frieden
und gibst uns die Kraft, dir aufrichtig zu dienen.
Laß uns dich mit unseren Gaben ehren
und durch die Teilnahme
an dem einen Brot und dem einen Kelch
eines Sinnes werden.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
MB 23. Sonntag im Jahreskreis
4. Januar, 7.Januar
Kehrvers:
Freut euch: Wir sind Gottes Volk,
erwählt durch seine Gnade. (GL 56,1)
Guter Gott, wir kommen zu dir, um dir zu danken,
denn du bist ein Gott, der Gemeinschaft stiftet
und die Menschen zusammenführt.
Kehrvers
Einst hast du dein Volk aus der Knechtschaft Ägyptens herausgefürht
und auf dem Weg durch die Wüste zu deinem auserwählten Volk geformt.
Du hast mit ihm einen Bund geschlossen
und ihm ein Gesetz gegeben, das zum wahren Leben führt.
Kehrvers
Jesus von Nazareth hat diesen Bund erneuert
und seinen Jängern das Gesetz der Gottes- und Nächstenliebe ins Herz geschrieben,
damit sie so den Menschen den Weg zum Himmelreich erschließen.
Kehrvers
Sein Geist hält uns in seiner Liebe.
Er gibt uns die Kraft, seine Gebote zu halten
und unsere Spannungen und Konflikte zu lösen.
Kehrvers
Dafür danken wir dir und preisen wir dich.
Mit den Engeln und Heiligen singen wir dir zum Lob.
Danklied, z. B. Dein Lob, Herr, ruft der Himmel aus (GL 381)
In Wahrheit ist es würdig und recht,
dir, Herr, heiliger Vater,
allmächtiger, ewiger Gott,
immer und überall zu danken
durch unseren Herrn Jesus Christus.
Denn er hat Großes an uns getan:
durch seinen Tod und seine Auferstehung
hat er uns von der Sünde
und von der Knechtschaft des Todes befreit
und zur Herrlichkeit des neuen Lebens berufen.
In ihm sind wir ein auserwähltes Geschlecht,
dein heiliges Volk,
dein königliches Priestertum.
So verkünden wir die Werke deiner Macht,
denn du hast uns aus der Finsternis
in dein wunderbares Licht gerufen.
Darum singen wir
mit den Engeln und Erzengeln,
den Thronen und Mächten
und mit all den Scharen
des himmlischen Heeres den Hochgesang
von deiner göttlichen Herrlichkeit:
Heilig ...
MB Sonntage 1
Herr, unser Gott,
in deinem Wort und Sakrament
gibst du uns Nahrung und Leben.
Laß uns durch diese großen Gaben
in der Liebe wachsen
und zur ewigen Gemeinschaft
mit deinem Sohn gelangen,
der mit dir lebt und herrscht in alle Ewigkeit.
MB 23. Sonntag im Jahreskreis
Mag uns die Gewaltlosigkeit in Religionsdingen die pure Selbstverständlichkeit sein, die junge Christenheit stand mit diesem ihrem Postulat eigentlich allein. Ja, sie legte sich mit dem Gewaltverzicht eine strapaziöse Aufgabe auf, die eine doppelte Distanzierung erforderte. Zuerst schon hatte sie sich von dem als gültig übernommenen Alten Testament zu lösen, das Steinigung für Gotteslästerer vorschrieb: "Wer den Namen des Herrn schmäht, wird mit dem Tode bestraft; dann soll ihn die ganze Gemeinde steinigen" (Lev 24,16), desgleichen von der zeitgenössischen Synagoge, deren Steinigung Stephanus (Apg 7,58: "hinausgetrieben und gesteinigt") und deren Auspeitschung Paulus zusammen mit der Steinigung erfahren hatten (vgl. Ap 14,5: "mißhandeln und steinigen"). Nirgends sind solche Strafen anfangs im Christentum festzustellen; erst viel später sollte allein nur die Auspeitschung zur asketischen Strafprozedur werden. Somit ist eindeutig: Die frühe Christenheit distanzierte sich von Körperstrafen, obwohl solche im Alten Testament angeordnet waren und in der Synagoge weiterhin praktiziert wurden.
Weiter mußte sich die Christenheit mit ihrem Gewaltverzicht auch von der einhelligen Praxis der Antike, ja überhaupt aller Religionswelt lösen, was umso schwieriger war, als der Gottesfrevel längst aus der Lynchjustiz in die offizielle Gerichts- und Strafbarkeit überführt war, sodaß die Ahndung der Gottesfeinde der jeweiligen Hoheitsgewalt oblag. In Rom galt die Verachtung der angestammten Religion als Frevel, ebenso ein Vergehen gegen den Kaiser, das Majestätsverbrechen. Immer gehörten zur Kaiserherrschaft auch Sakralpflichten, nämlich das öffentliche Heil (salus publica) zu fördern und Schadensmächte abzuwehren, was die Eliminierung der Gottesfeinde einschloß. Als ein Mitglied des flavischen Kaiserhauses zum jüdischen Glauben überging, erfolgte die Enthauptung. In der Spätantike deklarierten Kaisergesetze Zukunftsdeutung (Divination), Magie und Astrologie zu Religionsdelikten, weil solch provozierendes bzw. schädigendes Verhalten göttliche Vernichtung auf das Gemeinwesen herabrief. All dies fiel unter justiziables Recht und war darum prozessual zu ahnden.
Vor diesem Hintergrund erst ist die diffizile Doppelaufgabe zu verstehen, die sich dem ersten christlichen Kaiser Konstantin (+ 337) stellte: einerseits der staatlichen Pflicht der Beseitigung der Gotteslästerer nachzukommen und andererseits das christliche Gebot der Gewaltlosigkeit einzuhalten. Dem Althistoriker Klaus M. Giradet zufolge, der hierzu wichtige Untersuchungen vorgelegt hat, blieb Konstantin keine Wahl: Ihm oblag weiterhin die "in Jahrhunderten 'gewachsene' Pflicht eines Kaisers, durch Herstellung und Wahrung der kultischen Einheit im Reich für die pax deorum [den Frieden mit den Göttern] zu sorgen", und in Fortsetzung davon nun auch im Christlichen eine Korrektionspolitik einzuleiten "nach Maßgabe der 'richtigen' Auffassung von Kultus und Glaube den Ketzern und Schismatikern gegenüber". Zu entscheiden war, wie nun die christliche Gewaltlosigkeit zu handhaben sei. Tatsächlich hat Konstantin gegenüber Ketzern "mit beträchtlicher Geduld in einer Art Re-Christianisierungspolitik zunächst alles daran gesetzt, schismatische bzw. häretische Bewegungen vor und nach Reichskonzilien auf gütlichem Wege für die Einigung und die Mehrheitskirche zu gewinnen". Die für gewöhnlich gegen Abweichler verhängte Maßnahme war die Verbannung, nicht die Hinrichtung.
Allerdings sind bei Konstantin auch schon Ansätze zu radikaleren Maßnahmen festzustellen, die sich nach ihm weiter verstärkten, sogar bis zur Todesstrafe, So heißt es in Nummer 72 der ,Novellae‘ des »Codex Iustinianus«, der wie kaum ein anderes Rechtsbuch Sakrileggesetze vereint: "Wir haben nämlich den ruhmwürdigsten Praefectus der Kaiserstadt beauftragt, diejenigen, welche bei den angegebenen unerlaubten und frevelhaften Handlungen auch nach dieser Unserer Verordnung beharren, fesseln zu lassen und der höchsten Strafe [Todesstrafe] zu unterwerfen, damit "nicht in Folge des Übersehens solcher Vergehen sowohl die Stadt als der Staat durch solche frevelhafte Handlungen Schaden leide".
Der eigentliche Grund für die staatliche Verurteilung lag wiederum darin - wie der Regensburger Kirchenhistoriker Norbert Brox (+ 2006) schrieb -, daß die Häresie eine Gotteslästerung und damit eine Attacke auf das Gemeinwesen war. Die althergebrachte Eliminierung übertrug sich auf die Häretiker, denen ein schuldhafter Abfall vom einhelligen Glauben vorgeworfen wurde. Doch waren die bis zur Todesstrafe reichenden Gesetzesbestimmungen "grundsätzlich nicht zur Anwendung bestimmt", so daß die Effektivität der Religionsgesetze des 4. bis 6. Jahrhunderts "nicht hoch zu veranschlagen" ist. Immerhin, die Kirchenleute begannen zuzustimmen, wenn auch nicht vorbehaltlos: denn die Bereitschaft zur Gewaltanwendung ist "nicht aus Vernichtungswillen, vielmehr als Vorbeugung gegen weitere Ausdehnung und zusätzlichen schädlichen Einfluß der Häresie als Werk von Gottesfeinden zu verstehen".
Aus: Arnold Angenendt, Toleranz und Gewalt. Das Christentum zwischen Bibel und Schwert. Aschendorf Verlag, Münster 2009/2012.

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