Die biblischen Lesungen wurden mit freundlicher Genehmigung der Ständigen Kommission für die Herausgabe der gemeinsamen liturgischen Bücher im deutschen Sprachgebiet den Lektionaren 2018 ff entnommen. - © 2024 staeko.net. - vgl. Impressum.
Die Katholischen Bibelwerke in Deutschland, Österreich und Schweiz stellen auf ihren Webseiten ausführliche Kommentare und Anleitungen zum Lesen der biblischen Lesungen für Sonn- und Feiertage zum Download im PDF-Format zur Verfügung. Mit freundlicher Genehmigung der Katholischen Bibelwerke übernehmen wir die Kurzeinleitungen zu den Lesungen.
Lesung aus dem Buch Exodus:
In jenen Tagen
sprach der Herr zu Mose:
Geh, steig hinunter,
denn dein Volk, das du aus dem Land Ägypten heraufgeführt hast,
läuft ins Verderben.
Schnell sind sie von dem Weg abgewichen,
den ich ihnen vorgeschrieben habe.
Sie haben sich ein gegossenes Kalb gemacht,
sich vor ihm niedergeworfen
und ihm Opfer geschlachtet,
wobei sie sagten: Das sind deine Götter, Israel,
die dich aus dem Land Ägypten heraufgeführt haben.
Weiter sprach der Herr zu Mose:
Ich habe dieses Volk gesehen
und siehe, es ist ein hartnäckiges Volk.
Jetzt lass mich, damit mein Zorn gegen sie entbrennt
und sie verzehrt!
Dich aber will ich zu einem großen Volk machen.
Mose aber besänftigte den Herrn, seinen Gott,
indem er sagte:
Wozu, Herr, soll dein Zorn gegen dein Volk entbrennen,
das du mit großer Macht und starker Hand
aus dem Land Ägypten herausgeführt hast.
Denk an deine Knechte,
an Abraham, Ísaak und Israel,
denen du selbst geschworen
und gesagt hast:
Ich will eure Nachkommen zahlreich machen
wie die Sterne am Himmel,
und: Dieses ganze Land, von dem ich gesprochen habe,
will ich euren Nachkommen geben
und sie sollen es für immer besitzen.
Da ließ sich der Herr das Unheil reuen,
das er seinem Volk angedroht hatte.
(Lektionar 2018 ff. © 2024 staeko.net)
Lesung aus dem Buch Exodus.
In jenen Tagen
sprach der Herr zu Mose:
Geh, steig hinunter,
denn dein Volk,
das du aus dem Land Ägypten heraufgeführt hast,
läuft ins Verderben.
Schnell sind sie von dem Weg abgewichen,
den ich ihnen vorgeschrieben habe.
Sie haben sich ein gegossenes Kalb gemacht,
sich vor ihm niedergeworfen
und ihm Opfer geschlachtet,
wobei sie sagten: Das sind deine Götter, Israel,
die dich aus dem Land Ägypten heraufgeführt haben.
Weiter sprach der Herr zu Mose:
Ich habe dieses Volk gesehen
und siehe, es ist ein hartnäckiges Volk.
Jetzt lass mich, damit mein Zorn gegen sie entbrennt
und sie verzehrt!
Dich aber will ich zu einem großen Volk machen.
Mose aber besänftigte den Herrn, seinen Gott,
indem er sagte:
Wozu, Herr, soll dein Zorn gegen dein Volk entbrennen,
das du mit großer Macht und starker Hand
aus dem Land Ägypten herausgeführt hast.
Wozu sollen die Ägypter sagen können:
In böser Absicht hat er sie herausgeführt,
um sie im Gebirge umzubringen
und sie vom Erdboden verschwinden zu lassen?
Lass ab von deinem glühenden Zorn
und lass dich das Unheil reuen,
das du deinem Volk antun wolltest!
läuft ins Verderben.
Denk an deine Knechte,
an Abraham, Ísaak und Israel,
denen du selbst geschworen
und gesagt hast:
Ich will eure Nachkommen zahlreich machen
wie die Sterne am Himmel,
und: Dieses ganze Land, von dem ich gesprochen habe,
will ich euren Nachkommen geben
und sie sollen es für immer besitzen.
Da ließ sich der Herr das Unheil reuen,
das er seinem Volk angedroht hatte.
Kv: Ich will zu meinem Vater gehen
und meine Schuld bekennen. – Kv
Oder GL 639,1
Gott, sei mir gnädig nach deiner Huld, *
tilge meine Frevel nach deinem reichen Erbarmen!
Wasch meine Schuld von mir ab *
und mach mich rein von meiner Sünde! – (Kv)
Erschaffe mir, Gott, ein reines Herz *
und einen festen Geist erneuere in meinem Innern!
Verwirf mich nicht vor deinem Angesicht, *
deinen heiligen Geist nimm nicht von mir! – (Kv)
Herr, öffne meine Lippen, *
damit mein Mund dein Lob verkünde!
Schlachtopfer für Gott ist ein zerbrochener Geist, *
ein zerbrochenes und zerschlagenes Herz
wirst du, Gott, nicht verschmähen. – Kv
Lesung aus dem ersten Brief des Apostels Paulus
an Timotheus
Ich danke dem, der mir Kraft gegeben hat:
Christus Jesus, unserem Herrn.
Er hat mich für treu gehalten und in seinen Dienst genommen,
obwohl ich früher ein Lästerer, Verfolger und Frevler war.
Aber ich habe Erbarmen gefunden,
denn ich wusste in meinem Unglauben nicht, was ich tat.
Doch über alle Maßen groß war die Gnade unseres Herrn,
die mir in Christus Jesus den Glauben und die Liebe schenkte.
Das Wort ist glaubwürdig
und wert, dass man es beherzigt:
Christus Jesus ist in die Welt gekommen,
um die Sünder zu retten.
Von ihnen bin ich der Erste.
Aber ich habe gerade darum Erbarmen gefunden,
damit Christus Jesus an mir
als Erstem seine ganze Langmut erweisen konnte,
zum Vorbild für alle,
die in Zukunft an ihn glauben, um das ewige Leben
zu erlangen.
Dem König der Ewigkeit,
dem unvergänglichen, unsichtbaren, einzigen Gott,
sei Ehre und Herrlichkeit in alle Ewigkeit. Amen.
(Lektionar 2018 ff. © 2024 staeko.net)
Die Briefe an Timotheus und Titus werden seit dem 18. Jahrhundert als "Pastoralbriefe" bezeichnet. Sie gelten als geistliches Testament von Paulus und zeigen ein unmittelbares Vertrauensverhältnis zwischen dem Verfasser und der paulinischen Überlieferung.
Paulus erinnert sich an seine Auserwählung zum Apostel. Es kommt ihm wie ein Wunder vor, daß der Herr ihn zu seinem Dienst berufen hat, daß er ihn für eine solche Aufgabe für "treu erachtete" und ihm sein Vertrauen schenkte. Für diese unbegreifliche, erbarmende Liebe sagt Paulus aus innerstem Herzen Dank.
Um seinen Mitchristen dieses Wunder von Damaskus eindrucksvoll zu schildern, weist er auf den unglaublichen Gegensatz zwischen seinem früheren und seinem jetzigen Leben hin. Ihn, der in seinem Kampf gegen die Anhänger Jesu, des Nazoräers in "maßloser Wut" vorging (Apg 26,10 f.), der "die Gemeinde Gottes verfolgte und zu vernichten suchte" (Gal 1,13), traf jene unbegreifliche, vergebende und erbarmende Liebe des Herrn, die am Kreuz sprach: "Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun" (Lk 23,34).
Wie sich aber dieses Erbarmen des Herrn im Leben des Paulus auswirkte, so ist es bei jedem Menschen, der glaubt; denn "Christus Jesus ist in die Welt gekommen, um die Sünder zu retten". Paulus erkennt sich als Werkzeug in Gottes Heilsplan: Er ist das Vorbild dafür, daß alle Menschen, die an Christus glauben, ewiges Leben und Heil erlangen können. Diese Erinnerung an seine gnadenvolle Erwählung zwingt Paulus zum Lobpreis Gottes.
Halleluja. Halleluja.
Gott hat in Christus die Welt mit sich versöhnt
und uns das Wort von der Versöhnung anvertraut.
Halleluja.
Aus dem heiligen Evangelium nach Lukas.
In jener Zeit
kamen alle Zöllner und Sünder zu Jesus,
um ihn zu hören.
Die Pharisäer und die Schriftgelehrten empörten sich darüber
und sagten: Dieser nimmt Sünder auf
und isst mit ihnen.
Da erzählte er ihnen dieses Gleichnis
und sagte:
Wenn einer von euch hundert Schafe hat
und eins davon verliert,
lässt er dann nicht die neunundneunzig in der Wüste zurück
und geht dem verlorenen nach, bis er es findet?
Und wenn er es gefunden hat,
nimmt er es voll Freude auf die Schultern,
und wenn er nach Hause kommt,
ruft er die Freunde und Nachbarn zusammen
und sagt zu ihnen: Freut euch mit mir,
denn ich habe mein Schaf wiedergefunden, das verloren war!
Ich sage euch:
Ebenso wird im Himmel
mehr Freude herrschen über einen einzigen Sünder,
der umkehrt,
als über neunundneunzig Gerechte,
die keine Umkehr nötig haben.
Oder wenn eine Frau zehn Drachmen hat
und eine davon verliert,
zündet sie dann nicht eine Lampe an,
fegt das Haus
und sucht sorgfältig, bis sie die Drachme findet?
Und wenn sie diese gefunden hat,
ruft sie die Freundinnen und Nachbarinnen zusammen
und sagt: Freut euch mit mir,
denn ich habe die Drachme wiedergefunden,
die ich verloren hatte!
Ebenso, sage ich euch,
herrscht bei den Engeln Gottes
Freude über einen einzigen Sünder, der umkehrt.
Weiter sagte Jesus:
Ein Mann hatte zwei Söhne.
Der jüngere von ihnen sagte zu seinem Vater:
Vater, gib mir das Erbteil, das mir zusteht!
Da teilte der Vater das Vermögen unter sie auf.
Nach wenigen Tagen packte der jüngere Sohn alles zusammen
und zog in ein fernes Land.
Dort führte er ein zügelloses Leben
und verschleuderte sein Vermögen.
Als er alles durchgebracht hatte,
kam eine große Hungersnot über jenes Land
und er begann Not zu leiden.
Da ging er zu einem Bürger des Landes
und drängte sich ihm auf;
der schickte ihn aufs Feld zum Schweinehüten.
Er hätte gern seinen Hunger mit den Futterschoten gestillt,
die die Schweine fraßen;
aber niemand gab ihm davon.
Da ging er in sich
und sagte:
Wie viele Tagelöhner meines Vaters haben Brot im Überfluss,
ich aber komme hier vor Hunger um.
Ich will aufbrechen und zu meinem Vater gehen
und zu ihm sagen: Vater,
ich habe mich gegen den Himmel und gegen dich versündigt.
Ich bin nicht mehr wert, dein Sohn zu sein;
mach mich zu einem deiner Tagelöhner!
Dann brach er auf und ging zu seinem Vater.
Der Vater sah ihn schon von Weitem kommen
und er hatte Mitleid mit ihm.
Er lief dem Sohn entgegen,
fiel ihm um den Hals und küsste ihn.
Da sagte der Sohn zu ihm: Vater,
ich habe mich gegen den Himmel und gegen dich versündigt;
ich bin nicht mehr wert, dein Sohn zu sein.
Der Vater aber sagte zu seinen Knechten:
Holt schnell das beste Gewand und zieht es ihm an,
steckt einen Ring an seine Hand und gebt ihm Sandalen an die Füße!
Bringt das Mastkalb her und schlachtet es;
wir wollen essen und fröhlich sein.
Denn dieser, mein Sohn, war tot und lebt wieder;
er war verloren und ist wiedergefunden worden.
Und sie begannen, ein Fest zu feiern.
Sein älterer Sohn aber war auf dem Feld.
Als er heimging und in die Nähe des Hauses kam,
hörte er Musik und Tanz.
Da rief er einen der Knechte
und fragte, was das bedeuten solle.
Der Knecht antwortete ihm:
Dein Bruder ist gekommen
und dein Vater hat das Mastkalb schlachten lassen,
weil er ihn gesund wiederbekommen hat.
Da wurde er zornig und wollte nicht hineingehen.
Sein Vater aber kam heraus
und redete ihm gut zu.
Doch er erwiderte seinem Vater:
Siehe, so viele Jahre schon diene ich dir
und nie habe ich dein Gebot übertreten;
mir aber hast du nie einen Ziegenbock geschenkt,
damit ich mit meinen Freunden ein Fest feiern konnte.
Kaum aber ist der hier gekommen,
dein Sohn, der dein Vermögen mit Dirnen durchgebracht hat,
da hast du für ihn das Mastkalb geschlachtet.
Der Vater antwortete ihm:
Mein Kind, du bist immer bei mir
und alles, was mein ist, ist auch dein.
Aber man muss doch ein Fest feiern und sich freuen;
denn dieser, dein Bruder, war tot
und lebt wieder;
er war verloren
und ist wiedergefunden worden.
(Lektionar 2018 ff. © 2024 staeko.net)
Aus dem heiligen Evangelium nach Lukas.
In jener Zeit
kamen alle Zöllner und Sünder zu Jesus,
um ihn zu hören.
Die Pharisäer und die Schriftgelehrten empörten sich darüber
und sagten: Dieser nimmt Sünder auf
und isst mit ihnen.
Da erzählte er ihnen dieses Gleichnis
und sagte:
Wenn einer von euch hundert Schafe hat
und eins davon verliert,
lässt er dann nicht die neunundneunzig in der Wüste zurück
und geht dem verlorenen nach, bis er es findet?
Und wenn er es gefunden hat,
nimmt er es voll Freude auf die Schultern,
und wenn er nach Hause kommt,
ruft er die Freunde und Nachbarn zusammen
und sagt zu ihnen: Freut euch mit mir,
denn ich habe mein Schaf wiedergefunden, das verloren war!
Ich sage euch:
Ebenso wird im Himmel
mehr Freude herrschen über einen einzigen Sünder,
der umkehrt,
als über neunundneunzig Gerechte,
die keine Umkehr nötig haben.
Oder wenn eine Frau zehn Drachmen hat
und eine davon verliert,
zündet sie dann nicht eine Lampe an,
fegt das Haus
und sucht sorgfältig, bis sie die Drachme findet?
Und wenn sie diese gefunden hat,
ruft sie die Freundinnen und Nachbarinnen zusammen
und sagt: Freut euch mit mir,
denn ich habe die Drachme wiedergefunden,
die ich verloren hatte!
Ebenso, sage ich euch,
herrscht bei den Engeln Gottes
Freude über einen einzigen Sünder, der umkehrt.
(Lektionar 2018 ff. © 2024 staeko.net)
Wer selbst jemals enttäuscht und wütend war, kann nachfühlen, wie enttäuscht Gott von seinem Volk manchmal gewesen sein musste und wie wütend. Nicht Mose hat ihn umgestimmt. Gott denkt, fühlt und handelt anders als wir Menschen. Er ist der barmherzige Vater, der auf die Heimkehr seiner Kinder wartet. An seinem Beispiel kann auch unsere Liebe wachsen.
„Jetzt reicht es mir!“ „Jetzt ist Schluss“ „Mit dem will ich nichts mehr zu tun haben!“ „Jetzt, wo es dir schlecht geht, bin ich dir wieder gut genug!“ Liebe Schwestern, liebe Brüder, wer von uns kennt diese Äußerungen bei sich selbst nicht. Wir erleben dieses Denken heute in der ersten Lesung bei Gott. Doch so kennen wir Gott gar nicht. Er ist doch ein Gott der Liebe, ein Gott der doch immer verzeiht. Dann diese Worte, in denen er plant, dass er sein Volk vernichten wird.
Sind wir einmal ehrlich zu uns selbst. Wer könnte Gott nicht verstehen. Was hat Gott nicht alles für sein Volk getan. „Du hast doch dein Volk aus Ägypten geführt.“ „Du hast doch Abraham, Isaak und Israel Nachkommen zugesichert so zahlreich wie die Sterne am Himmel zu werden!“ „Du hast doch deinem Volk zugesagt, das Land zu besitzen.“ Doch das Volk geht den eigenen Weg. Es baut sich ein goldenes Kalb. Es löst sich von Gott, von seinen Verheißungen. Mose erinnert Gott an all seine Versprechungen. Doch wer könnte darum Gott nicht verstehen, wenn er sich von seinem Volk distanziert.
Mose gelingt es, Gott zu besänftigen. Mose erinnert Gott an seine Liebe, die er seinem Volk bislang erwiesen hat. Gott nimmt Mose ernst. Gott findet zu seiner Liebe zurück, zu seinem Heilsplan mit uns Menschen. Ich lerne gerade an dieser Geschichte, dass Gott Liebe ist, ja dass Gottes Liebe siegen wird. Gott entscheidet sich für das Volk Israel, für das Vergeben, für die Liebe und vor allem auch für uns.
Ich schaue jetzt in das Evangelium. Wer hätte den Vater nicht verstehen können, wenn er seinen Sohn abgewiesen hätte: Vielleicht hätte jeder verstanden, wenn er ihn eingesetzt hätte als Tagelöhner. Viel mehr hat sich der jüngere Sohn nicht mehr erhofft. Ich glaube auch, dass viele von uns Sympathie für den älteren Sohn haben. Er war immer beim Vater. Er hat nie einmal Ansprüche gestellt. Er ist neidisch auf den jüngeren Bruder. Er wird gebraucht haben, bis er den Vater verstehen konnte.
Doch der Vater handelt ganz anders, als wir es erwarten würden. Im Moment, wo wir diese Geschichte hören (lesen), finden wir das Verhalten des Vaters gut. Doch fragen wir uns immer wieder. Lebe ich diese Liebe, die einfach so unbegreiflich, ja grenzenlos und so unglaublich ist. Der jüngere Sohn weiß, dass er auf nichts Anspruch hat. Doch der Vater lässt ihm das beste Kleid anziehen, steckt ihm einen goldenen Ring an den Finger, schlachtet das Mastkalb. Er feiert ein Fest als Zeichen der Freude. Das tut der Vater aus lauter Liebe. Wir können mit unserem Verstand diese Liebe nicht begreifen.
Doch Gottes Liebe, die unbegreiflich ist, zeigt sich immer wieder in der Geschichte der Menschen und auch seiner Kirche. Denn wer könnte es nicht verstehen, wenn Gott nach allen Skandalen, nach allem, was in der Kirche – sicher neben all dem Guten – falsch gelaufen ist und auch heute noch daneben läuft, seine Kirche hätte untergehen lassen. Das Machtdenken, das Klammern an Geld und anderes allzu Menschliches zeigen: Immer wieder entfernen sich auch die gläubigen Menschen von dem, was Gott will. „Wir sind taub, wir sind stumm, wollen eigene Wege gehen“ – so habe ich es in der Einleitung gesagt. „Wir erfinden neue Götter, und vertrauen ihnen blind.“
Wir haben es immer nötig umzukehren wie der jüngere Sohn. Auch wir sind taub für die Liebe Gottes, für die Hilferufe der Notleidenden, auch wir sind stumm, wenn es darum geht, den Glauben zu bekennen, uns einzusetzen für die Mitmenschen. Auch wir vertrauen unseren Göttern blind, wollen das Leben aus eigener Kraft gestalten – am besten ohne Gott und ohne seine Gebote. Auch wir kehren erst dann zurück, wenn es uns schlecht geht, wenn Pläne zerbrechen, wenn wir spüren, wie leer alles sein kann, was wir uns aufbauen. Auch die Kirche hat es immer wieder nötig, sich zu erneuern und sich von den goldenen Kälbern der Macht zu trennen. Die Krisen unserer Zeit müssen ein Anlass sein.
Doch gerade dann dürfen wir wissen, dass wir zum Gott der Liebe zurückkehren, der eines will: Dass wir erfüllt und glücklich leben. Wir kehren zu Gott zurück und dürfen immer wieder erfahren, wie wertvoll wir sind. Seine Gebote zeigen uns Wege auf, das Leben, das Miteinander zu gestalten.
Diese Liebe, die der Vater dem jüngeren Sohn zeigt, sollten auch wir lernen, als einzelnen wie auch als Gemeinschaft der Glaubenden. Diese Liebe muss auch der zweite Sohn lernen. Er muss in diese grenzenlose Liebe hineinwachsen.
Es gibt einen Weg, in diese Liebe hineinzuwachsen. Wir müssen uns daran erinnern, was uns der Glaube schenken kann: Sinnerfüllung, Freude, Halt. Auch der ältere Sohn, der treu beim Vater lebt, lernt noch, was er alles hat: „Alles, was mein ist, ist auch dein!“ Der ältere Sohn muss die Liebe des Vaters finden, der jüngere Sohn musste zum Vater zurückfinden.
„Jetzt reicht es mir, jetzt ist Schluss, Mit dem will ich nichts mehr zu tun haben!“ Diese Gedanken sind menschlich verständlich. Aber Gottes Liebe ist größer. Unsere Liebe muss größer werden, dieses Denken überwinden. Finden wir zu ihr und finden wir immer zu ihr zurück.
Ohne es gleich zu bemerken, stellen wir uns hinter den einen oder den anderen der beiden Söhne und fällen Urteile, die zu hinterfragen sind. Das Gleichnis vom barmherzigen Vater stellt unsere gängigen Werturteile in Frage.
Das heutige Evangelium berichtet uns von einer „Dreiecksgeschichte“ im engsten Familienverband – von einem Vater und seinen beiden sehr unterschiedlichen Söhnen. Die beiden „Aufreger“ des Evangeliums sind für die meisten Hörer sicherlich der sein Erbe verprassende Sohn und der Vater, der sich nicht aus der Ruhe bringen lässt, der so tut, als wäre nichts geschehen und dabei seinen zweiten Sohn augenscheinlich zurücksetzt, wenn nicht sogar benachteiligt.
Und schon sind wir mitten drinnen im Evangelium, gleichsam Teil der Geschichte geworden. Wir beziehen Stellung, beurteilen und fragen uns, wie das alles sein kann, dass der ältere Sohn nach allgemein landläufiger Anschauung so ungerecht behandelt werden kann – und das vom „barmherzigen“ Vater? Vielleicht ist der heutige Evangeliumstext nur deshalb so unbequem und schwer zu verstehen, weil er unsere Vorstellungen von dem was richtig ist oder sein könnte durcheinanderbringt und uns selbst hinterfragt.
Schauen wir uns daher einmal die einzelnen Personen genauer an:
Der jüngere Sohn hat sein Erbe gefordert, ist in die Fremde gegangen und dort kläglich gescheitert. Unterstrichen wird dies noch durch die Bemerkung, dass er Schweine hüten musste und sich daher mit den für jüdische Vorschriften unreinen und zu meidenden Tieren abgeben musste. Viel tiefer konnte man nach damaliger Vorstellung nicht sinken. Bei uns ist es auch nicht unüblich, dass Kinder ihr Erbteil verlangen und dann mit ihrem (!) Eigentum ein neues Leben beginnen. Unsympathisch wird der Sohn wohl auch durch sein Scheitern – passend zur urösterreichischen (Un)Sitte, dass man über Versager lacht und tüchtigen Menschen den Erfolg nicht gönnt.
Doch versetzen wir uns in seine Situation. Besitzt er nicht eine wunderbare Größe und Stärke? Er überwindet seinen Stolz, nimmt all seinen Mut zusammen und geht zu seinem Vater zurück. Obwohl er damit rechnen muss, dass er nicht angenommen wird und wenn doch, dass alle anderen über ihn sicherlich nicht gut reden werden.
Und wer bin ich? Kann ich zu meinen Fehlern stehen? Habe ich den Mut und die menschliche Größe, Fehler einzugestehen und um Vergebung zu bitten?
Der ältere Bruder handelt auf den ersten Blick menschlich zutiefst verständlich. Und doch greift dies zu kurz. Er übersieht, dass er einen gesicherten Lebensunterhalt hat und nirgendwo im Text ist zu erkennen, dass er schlecht behandelt worden wäre. Er hat eigentlich alles, was er benötigt, und neidet seinem in Not geratenen Bruder das Notwendigste.
Und wer bin ich? Wie oft helfe ich nach meinen individuellen Möglichkeiten Menschen in Not? Bin ich in der Lage, meine vielleicht sehr positive Lebenssituation zu erkennen und bereit, andere in ihrem Scheitern nicht zu verurteilen und ihnen zu helfen?
Der Vater, reich an Alter und Lebenserfahrung, kennt seine Söhne wie sonst wohl nur wenige Menschen. Vielleicht hat er sogar damit gerechnet, dass es sein jüngerer Sohn in der Fremde „nicht schaffen“ wird. Wusste er – nach heutigen Maßstäben – von einer Spiel- oder Kaufsucht und, dass der Sohn nicht mit Geld umgehen kann? Als Vater steht er ihm auch sehr nahe und liebt ihn. Ist es da wirklich so verwunderlich, dass er ihn vorbehaltlos aufnimmt und beim Festmahl wieder an seine Seite setzt, denn wieviel verzeihen Eltern ihren Kindern, wenn sie ihnen auf dem Weg ins Leben beistehen.
Und wer bin ich? Wie oft gelingt es mir, über Enttäuschungen oder Beleidigungen hinwegzusehen und jemanden, der um Verzeihung bittet, wieder vollkommen anzunehmen und auch einmal fünf gerade sein zu lassen. In Liebe einfach so zu akzeptieren, wie er oder sie ist?
Ein bereits verstorbener Kardinal verglich einmal im Gespräch mit mir das Leben mit einer Autobahn: mehrere Spuren, ein Pannenstreifen, alle paar Kilometer eine Pannenbucht und rechts und links Leitschienen. Der eine fährt auf der ersten Spur durch das Leben und die andere auf der dritten Spur, dem Überholstreifen. Wir haben auf dieser gut ausgebauten und bestens beschilderten Straße – dem Evangelium – die Chance, in unserem Leben vorwärtszukommen. Wichtig ist, dass jeder in die richtige Richtung fährt und nicht, ob er oder sie einmal eine Panne hatte. Und wenn jemand einmal in seinem Leben so richtig in die Leitschienen kracht, dann sind wir angehalten, ihm/ihr wie ein Pannenhelfer beizustehen, zu helfen und nicht als allererstes nach dem warum und wieso zu fragen oder gar zu verurteilen.
Verloren Geglaubtes wieder finden und sich darüber freuen, sind alltägliche Erfahrungen jedes Menschen. Nicht so selbstverständlich ist, dass auch Gott den Menschen sucht, seine Not sieht, ihn heimholen will und sich freut, wenn er ihn findet.
Jeder von uns wird sich erinnern können, was er/sie im Leben schon alles verloren, gesucht, wieder gefunden hat und welche Ängste, Sorgen, Traurigkeiten, möglicherweise auch Wut aufgekommen ist, bis das Suchen ein Ende gefunden hat.
Das Evangelium berichtet von drei Situationen, wo etwas verloren gegangen ist: Lebendiges (Mensch und Schaf) und Materielles (die Drachme). Alle drei sind sehr wertvoll. Der Verlust von Menschen, wenn Beziehungen abgebrochen werden zwischen Eltern und Kindern oder Ehepartnern, der Verlust von Tieren, was besonders in der Antike schmerzvoll war und auch heute noch ist, weil es nicht nur um Tierliebe, sondern auch um lebendes Kapital geht, der Verlust der Drachme, immerhin ein Geldbetrag, von dem eine Familie kurzfristig leben konnte.
Verluste entstehen durch Fehler wie Unaufmerksamkeit, Schlamperei, durch routinemäßige Arbeitsvorgänge, bei denen sich leicht Fehler einschleichen können. Das alles ist begleitet von Unsicherheit: Wo und wann hat sich was ereignet… Dazu kommen Angst vor den Folgen, vielleicht auch ein schlechtes Gewissen… Und dann die Freude, weil der Mensch oder der Gegenstand, der unauffindbar war, wieder da ist, auch wenn jemand aus einer Reisegruppe verlorengeht.
Das sind Alltagsgeschichten, und Lukas ist der Evangelist des Heute, der gegenwärtigen Situationen. In seinen Gleichnissen bringt er verschiedene Situationen des Suchens und des Gefundenwerdens. Er schildert auch manche Irrwege dabei, wie das Gleichnis vom barmherzigen Vater und verlorenem Sohn. (Lk.15,11-32).
Worin besteht nun der tiefere Sinn, die eigentlichen Aussagen dieser Gleichnisse?
Gott geht jedem nach, und sei er/es auch noch so unbedeutend. Gott sucht und holt heim: „Gott, der HERR, rief nach dem Menschen und sprach zu ihm: Wo bist du?“ (Gen 3,9).
Tun wir das auch, beispielsweise dann, wenn wir schon sehr lange jemanden nicht gesehen haben? Das Gleichnis, besonders das von der armen Witwe, die „eine Lampe anzündet und das Haus fegt, bis sie das Geldstück findet“ (Lk.15,8), Suchbewegungen, die auch Licht brauchen, also Erleuchtung beim Nachforschen. Beim Suchen kann es auch Irrwege geben, die Umwege notwendig machen, beispielsweise dann, wenn der Weg zum Vater durch Kontaktabbruch aus Enttäuschung oder Gleichgültigkeit verlorengeht (Lk 15,11-32).
Daher ein weiterer Punkt:
Gott findet den Menschen, und er ist hocherfreut darüber. Das Wort „Freude“ kommt mehrmals in dieser Perikope vor. Manches wird im Text wohl etwas übertrieben dargestellt, wenn „die Witwe all ihre Freundinnen und Nachbarn zusammenruft, um ihnen mitzuteilen, dass sie das Geldstück gefunden hat“ (Lk 15,9), ein literarischer Kunstgriff, um der großen Freude Ausdruck zu verleihen. Da gibt es eine kleine Anspielung auf die 1. Lesung, in der es heißt, dass auch Israel für JHWH verloren gehen könnte und er darüber zornig wird, weil sein Volk auf Irrwege abgleitet. Wenn es sich bekehrt, dann reuen ihn seine Strafandrohungen.
Gott überlässt uns nicht unserem Schicksal, schon gar nicht, wenn wir uns selbst verloren vorkommen, etwa nach aussichtsloser Suche nach einem Arbeitsplatz.
Gott sieht hin und erfasst die Not der Menschen. Lukas bietet in seinem Evangelium reichlich Beispiele: beim „Barmherzigen Vater“ (Lk 15,20), bei der Haltung des Samariters, der sich sorgend und nachhaltig um den Verwundeten kümmert, während Priester und Levit achtlos an ihm vorbeigehen (Lk 10,25-37). Das Neue Testament bringt noch mehr solcher Geschichten, wo Gott genau hinsieht und er dadurch sagen will, dass auch wir im Umgang mit dem Nächsten so handeln sollen.
Verlieren, suchen, auch mit Irrwegen verbunden, finden und dann die Freude darüber stellen gedankliche Leitlinien für unser Leben, für unsere persönliche Einstellung zu uns selbst, zu unserem Nächsten dar. Mögen diese Gleichnisse in Ihren Herzen ankommen und nachwirken für Ihr weiteres Leben.
Lukas erzählt eine Geschichte, die zu schön ist, um wahr zu sein. Sie stellt die tatsächlichen Verhältnisse auf den Kopf. Damit wird sie eine Geschichte von Gott, zu einer Auferstehungsgeschichte. Wer umkehrt, kann ein neuer Mensch werden.
Lieder:
GL 140: Kommt herbei, singt dem Herrn
GL 142: Zu dir, o Gott, erheben wir die Seele mit Vertrauen
GL 144: Nun jauchzt dem Herren alle Welt (3. und 6. Str.)
GL 145: Wohin soll ich mich wenden
GL 161: Du rufst uns Herr, trotz unserer Schuld (Kyrierufe)
GL 163: Herr Jesus, du rufst die Menschen zur Umkehr (Kyrierufe)
GL 266: Bekehre uns, vergib die Sünde (4. Str.)
GL 358: Ich will dich lieben, meine Stärke (3. bis 5. Str.)
GL 361: Mein schönste Zier und Kleinod bist (2. und 3. Str.)
GL 366: Jesus Christus, guter Hirte
GL 377: O Jesu, All mein Leben bist du
GL 384: Hoch sei gepriesen unser Gott
GL 385: Nun saget Dank und lobt den Herren (1. undd 2. Str.)
GL 405: Nun danke alle Gott
GL 409: Singt dem Herrn ein neues Lied
GL 414: Herr, unser Herr, wie bist du zugegen (1., 3. und 5. Str.)
GL 421: Mein Hirt ist Gott der Herr
GL 425: Solang es Menschen gibt auf Erden
GL 427: Herr, deine Güte ist unbegrenzt
GL 440: Hilf, Herr meines Lebens
GL 448: Herr, gib uns Mut zum Hören
GL 451: Komm, Herr, segne uns
GL 464: Gott liebt diese Welt, und wir sind sein Eigen
GL 477: Gott ruft sein Volk zusammen
GL 484: Dank sei dir Vater für das ewge Leben
GL 485: O Jesu Christe, wahres Licht
GL 487: Nun singe Lob, du Christenheit (4. Str.)
GL 489: Laßt uns loben, freudig loben
Psalmen und Kehrverse:
GL 37: Der Herr ist mein Hirt; er führt mich an Wasser des Lebens. - Mit Psalm 23 - VI.
GL 312,7: Herr, du hast Worte ewigen Lebens - Mit Psalm 103 (GL 57,2) - II.
GL 517: Der Herr vergibt die Schuld und rettet unser Leben. - Mit Psalm 1 (GL 31,2) - IV.
GL 518: Beim Herrn ist Barmherzigkeit und reiche Erlösung - Mit Psalm 146 (GL 77,2) - VII.
GL 584,4: Herr, du hast Worte ewigen Lebens - Mit Psalm 19 - II.
GL 639,5-6: Beim Herrn ist Barmherzigkeit und reiche Erlösung - Mit Psalm 130 - II.
„Wir sind taub, wir sind stumm, wollen eigene Wege gehen!“ singen wir im Lied: „Kommt, herbei, singt dem Herrn…“.
Wir wollen eigene Wege gehen - ohne Gott. Wir wollen uns selbst Sinn und Erfüllung geben. Doch Gott wartet mit großer Sehnsucht und Liebe auf uns.
Von dieser Liebe und seiner Sehnsucht hören wir im Evangelium. Gott kommt uns nahe in Brot und Wein. Er feiert mit uns ein Fest – wie der Vater ein Fest feierte, als der verlorene Sohn heimgekehrt war.
Nehmen wir jetzt seine Einladung, seine Liebe an und grüßen wir IHN in unserer Mitte.
Herr Jesus Christus,
du sprichst von der Liebe Gottes, die unser Leben erfüllt.
Wo wir eigene Wege gehen und Gottes Liebe dabei vergessen, rufen wir:
Herr, erbarme dich.
Herr Jesus Christus,
du bist der Hirte, der das eine verlorene Schaft sucht,
du bist wie eine Frau, die die eine verlorene Drachme sucht.
Wo wir uns deiner Liebe verschließen, rufen wir:
Christus, erbarme dich.
Herr Jesus Christus,
du zeigst uns immer wieder, wie sehr Gott wartet.
Wo unsere Sehnsucht nach Gottes Liebe erloschen ist, rufen wir:
Herr, Erbarme dich.
Herr Jesus Christus,
du bist zu uns Menschen gekommen,
Verlorenes zu suchen und zu retten.
Herr, erbarme dich.
Du gibst uns die Möglichkeit,
uns vorbehaltlos in die vergebenden Arme des Vaters,
in seine barmherzige Geborgenheit fallen zu lassen.
Christus, erbarme dich.
Keinen, der den Weg zu dir wagt,
weist du zurück.
Herr, erbarme dich.
Gott, du Schöpfer und Lenker aller Dinge,
sieh gnädig auf uns.
Gib, daß wir dir mit ganzem Herzen dienen
und die Macht deiner Liebe an uns erfahren.
Darum bitten wir durch Jesus Christus.
MB 24. Sonntag im Jahreskreis
Allmächtiger Gott,
du gibst uns in deiner Güte mehr,
als wir verdienen,
und Größeres, als wir erbitten.
Nimm weg, was unser Gewissen belastet,
und schenke uns jenen Frieden,
den nur deine Barmherzigkeit geben kann.
Darum bitten wir durch Jesus Christus.
MB 27. Sonntag im Jahreskreis
Gütiger Gott.
Bei dir ist Freude über jeden Menschen,
der umkehrt und Buße tut.
Denn du bist der Vater, der für alle ein Herz hat.
Lass uns darauf vertrauen und deinem Ruf folgen.
Hilf uns,
dass auch wir einander vergeben,
wie du uns vergibst.
Darum bitten wir durch Jesus Christus.
Amen.
MB Auswahl 27
Guter Gott,
du hast in uns eine tiefe Sehnsucht nach dir und deiner Liebe gelegt.
Du sehnst dich auch nach uns,
danach, dass wir auf deine Liebe unsere Antwort geben.
Du bist in Jesus immer wieder auf die Menschen zugegangen,
die als Sünderinnen und Sünder gegolten haben.
Du gehst auch auf uns immer wieder zu.
Wir wollen unsere Liebe erneuern,
unsere Sehnsucht nach dir tiefer werden lassen.
Dazu helfe uns jetzt dein Wort. – Amen.
Guter Gott,
allem, was wir verloren glauben,
als klein und unwert erachten,
als deiner nicht würdig,
gibst du uns, durch deinen Sohn Jesus Christus,
ein neues Bild.
Er hat uns verkündet,
dass deine Liebe gerade denen gilt,
die verloren, gebeugt und missverstanden sind.
Lass uns in diesem Gottesdienst sein Wort neu hören
und Stärkung erfahren,
und schenke uns Achtsamkeit
im Umgang mit den Mitmenschen,
mit dieser Welt
und uns selbst,
damit die Verwirklichung der frohmachenden Botschaft
deines Sohnes gelingen kann.
Das erbitten wir mit Jesus Christus,
unseren Bruder und Herrn. – Amen.
Jesus verkündet uns einen barmherzigen Gott, den wir Vater nennen dürfen. Wir dürfen darauf vertrauen, dass er wie der Vater im Gleichnis nach uns Ausschau hält und immer mit offenen Armen unsere Rückkehr zu ihm erwartet.
Ihn lasst uns bitten:
Du, unser Vater, hast uns deine Kirche anvertraut.
Hilf uns, dieser großen Verantwortung auch nach deinem Willen nachzukommen.
Du, unser Vater, verzeihst vorbehaltlos.
Hilf allen, denen von anderen unvorstellbar großes Leid zugefügt wird:
in den derzeitigen Kriegen auf dieser Welt, durch Gewalt- und Gräueltaten,
durch verweigerte Hilfeleistung,
durch das Streben nach Macht, Gier oder Geld.
Du, unser Vater, bist immer bei uns und für uns da.
Hilf allen, die still und pflichtbewusst, aber oft unbedankt für andere da sind.
Du, unser Vater, erwartest immer unsere Umkehr zu dir.
Hilf uns, in gesundem Realismus unsere Möglichkeiten und unsere Nöte zu erkennen und anzunehmen.
Du, unser Vater, hast uns deinen Sohn als Retter und Heiland gesandt.
Schenke allen Verstorbenen die ewige Heimat bei dir.
Dafür, dass wir dich, großer barmherziger Gott, unseren Vater nennen dürfen, danken wir dir
und preisen wir dich jetzt und bis in Ewigkeit. - Amen.
Zu unserem Herrn Jesus Christus, der uns von Gottes Sehnsucht erzählt und alle Sünder wie Sünderinnen retten will, beten wir voll Vertrauen:
Führe alle Menschen zu dir zurück, die den Glauben an dich und an deine Liebe aufgegeben haben und jetzt um goldene Kälber tanzen.
Sieh voller Liebe auf alle, die auf der Suche sind, dass sie in dir Sinn und Hoffnung entdecken.
Hilf deiner Kirche, wieder neu ein Ort zu werden, an dem deine grenzenlose Liebe und Vergebung erfahrbar ist.
Gib, dass Frieden entstehe auf der Welt, in allen Ländern, in allen Familien, Werkstätten, Schulen und Nachbarschaften.
Mache alle Menschen bereit, ihren Beitrag zur Verbesserung des Klimas zu leisten.
Komm unseren Verstorbenen voller Liebe entgegen
und lass sie teilnehmen am Fest der ewigen Freude.
Dir sei Lob und Preis, jetzt und in alle Ewigkeit. - Amen.
Gott unser Vater,
keinen Menschen vergisst du, jedem begegnest du mit Barmherzigkeit.
Wir bitten dich für die, die vor uns waren, die mit uns sind
und die nach uns kommen werden:
Für unseren Papst Franziskus, damit er weiterhin vorbildhaft die Botschaft der Barmherzigkeit in die Welt trägt und uns zeigt, wie Christsein gelingen kann.
Für alle, die in der Kirche Verantwortung tragen, dass sie von Barmherzigkeit geprägt sind, danach handeln und urteilen.
Für unsere Politiker, damit sie in ihrem täglichen Handeln Flüchtlingen, Schwachen und Armen gegenüber barmherzig handeln.
Für uns alle, damit wir Klimaschutz und Umweltverantwortung ernst nehmen und dadurch an den uns nachfolgenden Generationen barmherzig handeln.
Für alle, die uns zu dir vorausgegangen sind. Nimm sie auf in dein Reich und lasse ihnen deine Barmherzigkeit zuteil werden.
Denn du bist ein Gott der Barmherzigkeit,
schon hier auf Erden und erst recht in alle Ewigkeit. – Amen.
Durch Christus, unseren Retter, hat sich Gott als ein liebender Gott erwiesen, der sich leidenschaftlich auf uns Menschen einlässt. Er verwandelt unsere Schwächen in Kraft und Mut, durch die wir nach seinem Willen füreinander da sein können.
Ihn lasst uns bitten:
Für die Kirche, dass sie die seelischen Nöte unserer Gesellschaft ernst nimmt und nicht müde wird, deine Botschaft der rettenden Liebe für alle Suchenden annehmbar zu machen.
Für das soziale Klima in unserem Land, dass es nicht von Eigeninteressen einzelner Gruppen bestimmt ist, sondern von Solidarität und Mitverantwortung geprägt wird.
Für alle Familien, in denen der Zusammenhalt durch Erbstreitigkeiten zerbrochen ist, dass sie wieder zueinander finden.
Für uns selbst, dass wir im Umgang mit unseren Mitmenschen nach Großzügigkeit und Milde streben und uns bewusst bleibt, dass die Innenperspektive ihres Handelns oft anders aussieht, als es nach außen scheint.
Für unsere Verstorbenen, dass sie auch nach Irrwegen in ihrem Leben bei dir angekommen sind.
Denn du, Vater, gehst in deiner Fürsorge jedem Einzelnen von uns nach. Deine Freude ist es, wenn alle Menschen zu dir finden.
Dich loben und preisen wir jetzt und allezeit. - Amen.
Herr,
nimm die Gebete und Gaben deiner Kirche an;
und was jeder einzelne zur Ehre deines Namens darbringt,
das werde allen zum Heil.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
MB 24. Sonntag im Jahreskreis
Dienstag der 1. Woche
Heiliger Gott,
diese Gabe werde zum reinen Opfer,
das deinen Namen groß macht unter den Völkern.
Für uns aber werde sie zum Sakrament,
das uns die Fülle deines Erbarmens schenkt.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
MB 31. Sonntag im Jahreskreis
Allmächtiger Gott,
nimm die Gaben an,
die wir für die Feier des Opfers darbringen.
Denn durch dieses Opfer
wolltest du uns mit dir versöhnen
und uns von neuem das Heil schenken.
Durch Christus, unseren Herrn.
MB Freitag in der 1. Woche der Fastenzeit
Herr und Gott,
lass im Sakrament des Altares
die Erlösung an uns wirksam werden.
Halte uns zurück,
wenn uns falsche Freuden locken,
rufe uns heim,
wenn wir in die Irre gegangen sind,
und führe uns zum Festmahl deiner Liebe.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
MB Samstag in der 2. Fastenwoche
Guter Gott,
wenn ein Mensch umkehrt, dann ist die Freude groß.
Du feierst ein Fest.
Du feierst mit uns das Mahl deiner Liebe.
In Brot und Wein, im Leib und Blut deines Sohnes
bist du uns nahe und schenkst dich uns.
Erfülle unsere Herzen mit Freude und Dankbarkeit,
stärke unsere Sehnsucht nach dir
und hilf uns, deine Liebe anzunehmen. – Amen.
(für Wortgottesdienstfeiern)
Kehrvers:
Danket dem Herrn, denn er ist gütig,
denn seine Huld währt ewig.
(GL 558)
Gott und Vater, wir haben Anlass und Grund, dir zu danken
und dein großes Erbarmen zu preisen,
das du deinem Volk nie entzogen hast.
Du hast dich deines Volkes erbarmt,
auch wenn es dir untreu geworden ist
und fremden Göttern nachgelaufen ist
oder sich Götter nach eigenem Gutdünken gemacht hat.
Kehrvers
In Jesus von Nazareth hast du deinen eigenen Sohn gesandt,
damit er deine Herde zusammenhole
und sich als der Gute Hirte erweise,
der das Leben hingibt für die seinen.
Den Verlorenen ist er nachgegangen
und hat sie in die Gemeinschaft des Gottesvolkes zurückgeführt.
Die Freude darüber hat er mit allen geteilt,
die seinen Ruf gehört haben und ihm gefolgt sind.
Kehrvers
Dafür loben und preisen wir dich
und stimmen wir ein in den Dank der ganzen Schöpfung:
Danklied, z. B. GL 393: Nun lobet Gott im hohen Thron.
In Wahrheit ist es würdig und recht,
dir, Herr, heiliger Vater,
allmächtiger, ewiger Gott,
immer und überall zu danken.
Denn wir erkennen deine Herrlichkeit in dem,
was du an uns getan hast:
Du bist uns mit der Macht deiner Gottheit
zu Hilfe gekommen und
hast uns durch deinen menschgewordenen Sohn
Rettung und Heil gebracht
aus unserer menschlichen Sterblichkeit.
So kam uns aus unserer Vergänglichkeit
das unvergängliche Leben
durch unseren Herrn Jesus Christus.
Durch ihn preisen wir jetzt und in Ewigkeit
dein Erbarmen und singen mit den
Chören der Engel das Lob
deiner Herrlichkeit:
Heilig ...
MB Sonntage 3
In Wahrheit ist es würdig und recht,
dir, Herr, heiliger Vater,
immer und überall zu danken für deine Liebe,
die du uns niemals entzogen hast.
Du hast den Menschen in deiner Güte erschaffen
und ihn, als er der gerechten Strafe verfallen war,
in deiner großen Barmherzigkeit erlöst
durch unseren Herrn Jesus Christus.
Durch ihn preisen wir
das Werk deiner Gnade und singen
mit den Chören der Engel
das Lob deiner Herrlichkeit:
Heilig ...
MB Wochentage 2
In Wahrheit ist es würdig und recht,
dir Dank zu sagen, heiliger Gott.
Du hörst nicht auf,
uns zu einem reicheren Leben zu berufen.
Weil du ein Gott voll herzlichen Erbarmens bist,
wirst du nicht müde,
uns immer neu deine Verzeihung anzubieten.
Du lädst den sündigen Menschen ein,
auf deine Vergebung zu bauen.
Obwohl wir deinen Bund gebrochen hatten,
hast du dich nicht von uns abgewandt.
Durch deinen Sohn, unseren Herrn Jesus Christus,
hast du zwischen dir und der Menschheit
ein neues Band geknüpft, das nicht mehr zerreißt.
Immer wieder wendest du dein Volk dir zu
und läßt es aufatmen in Christus.
Du gibst ihm Mut,
sich mehr und mehr dem Heiligen Geist zu überlassen
und den Menschen zu dienen.
Darum bewundern wir dich und danken dir.
Wir verkünden die Kraft deiner Liebe
und die Freude deines Heiles in Christus.
Wir vereinen unsere Stimmen
mit den ungezählten Stimmen des Himmels und rufen:
Aus dem Hochgebet Versöhnung 2
Wir danken dir, Gott, allmächtiger Vater,
und preisen dich für dein Wirken in dieser Welt
durch unseren Herrn Jesus Christus:
Denn inmitten einer Menschheit,
die gespalten und zerrissen ist,
erfahren wir,
daß du Bereitschaft zur Versöhnung schenkst.
Dein Geist bewegt die Herzen,
wenn Feinde wieder miteinander sprechen,
Gegner sich die Hände reichen,
und Völker einen Weg zueinander suchen.
Dein Werk ist es,
wenn der Wille zum Frieden den Streit beendet,
Verzeihung den Haß überwindet
und Rache der Vergebung weicht.
Darum können wir nicht aufhören,
dir zu danken und dich zu preisen.
Wir stimmen ein
in den Lobgesang der Chöre des Himmels,
die ohne Ende rufen:
Aus dem Hochgebet Versöhnung 1
Für uns Menschen ist es nicht leicht, jemanden zu umarmen, der uns enttäuscht hat. Im Gleichnis vom barmherzigen Vater haben wir aber gesehen, dass dies mit Gottes Hilfe möglich ist. Bitten wir ihn gemeinsam, dass auch wir in unserem Alltag barmherzig sind.
Denn Gott hat die Welt so sehr geliebt,
dass er seinen einzigen Sohn hingab,
damit jeder, der an ihn glaubt,
nicht verloren geht, sondern ewiges Leben hat.
(Joh 3,16)
Oder:
Wie ein Vater sich seiner Kinder erbarmt,
so erbarmt sich der Herr über alle, die ihn fürchten.
(Ps 103,13)
Gott der barmherzige Vater liebt seine Schöpfung so sehr,
dass er seinen Sohn für unsere Erlösung hingab.
Damit wir das ewige Leben haben.
Drei Beispiele
zeigen Jesu Zuwendung zum Menschen:
Das verlorene Schaf.
Er lässt die 99 Gerechten zurück
und sucht den Menschen,
den sie aus ihrer Mitte ausgeschlossen haben.
Die verlorene Münze.
Er wendet weit mehr auf,
wie das Geldstück wert ist,
er sucht und findet,
und teilt seine Freude mit allen guten Willens.
Der verlorene Sohn.
Er umarmt ihn voll Freude,
lädt ihn ein in den Kreis der Seinen,
ohne Vorwurf oder Bedingung,
und feiert ein Fest.
Gleich dreifach:
Ein Vorgeschmack des Himmels.
Quelle: Pfr. Roland Breitenbach, Stefan Phillips, St. Michael, Schweinfurt,
Ich bin durch die Taufe
in das Reich Gottes gerufen
der Weg meines Lebens hat damals begonnen
Ich bin aufgebrochen
um diesen Weg zu gehen
Wohin führt er mich?
Hin zu Gott
oder weg von ihm?
Vielleicht beides -
manchmal bin ich näher
manchmal sehr weit weg
Du, Gott, kennst meine Versuche
auf eigene Faust - ohne dich
zu probieren
mein Glück auf eigenen Wegen zu finden
Du kennst meine Erfolge
und meine Niederlagen
aber du gibst mich nicht auf
du erwartest mich voll Freude
wenn ich zu dir umkehre
wenn ich heimfinde zu dir
und dann bei dir bleibe
wie ich jetzt in dieser Stunde
bei dir bin
Herr, unser Gott,
wir danken dir,
dass du uns Anteil am Leib und Blut Christi gegeben hast.
Lass nicht unser eigenes Streben Macht über uns gewinnen,
sondern gib,
dass die Wirkung dieses Sakramentes unser Leben bestimmt.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
MB 24. Sonntag im Jahreskreis
Herr, unser Gott,
schenke uns durch dieses Sakrament
die Fülle deines Erbarmens
und mache uns heil.
Gewähre uns deine Hilfe,
damit wir so vor dir leben können,
wie es dir gefällt.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
MB 21. Sonntag im Jahreskreis
Gütiger Gott,
du hast uns am heiligen Tisch gestärkt,
damit wir bewusster in deiner Gegenwart leben.
Bleibe uns nahe mit deinem Erbarmen und deiner Hilfe.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
MB 2. Dienstag der Fastenzeit
Gott, du Hirte und Schützer deines Volkes,
blicke auf uns, die wir erkauft sind
durch das Blut deines Sohnes.
Im heiligen Opfermahl
hast du das göttliche Leben in uns gestärkt.
Behüte es auch in den Gefahren, die uns drohen,
und vollende es am Tage Christi, deines Sohnes,
der mit dir lebt und herrscht in alle Ewigkeit.
MB Schlussgebete zur Auswahl 11
Guter Gott,
immer wieder
wenden wir uns von dir ab,
vergessen dich und deine Liebe.
Anderes erscheint uns wichtiger.
Doch du sehnst dich nach uns.
Schenke uns immer wieder Zeichen deiner Liebe.
Mache uns offen für die Erinnerungen an deine Liebe,
die wir in unseren Herzen tragen,
damit wir uns stets neu auf dich aufmachen und zurückkehren.
Denn du empfängst uns mit offenen Armen deiner Liebe. - Amen.
Guter Gott,
wir danken dir,
dass wir durch die Verheißung deines Sohnes
auf dein barmherziges Entgegenkommen
zu uns Menschen hoffen dürfen.
Schenke auch uns die Bereitschaft des Entgegenkommens,
der Versöhnung und des Neubeginns.
Hilf uns in der vor uns liegenden Woche,
durch Wort und Tat von deiner Liebe zu künden.
Das erbitten wir von dir,
der du in der Einheit mit deinem Sohn
und dem Hl. Geist mit uns auf dem Weg bist,
jetzt und für immer. – Amen.
Es segne euch der allmächtige Gott, der Vater,
der uns seinen Sohn sandte, um das Evangelium der Barmherzigkeit zu verkünden.
Es segne euch der allmächtige Gott, der Sohn,
der uns den Weg zum barmherzigen Vater zeigt.
Es segne euch der allmächtige Gott, der Heilige Geist,
der die Erfahrung der Barmherzigkeit für uns in alle Zeit lebendig erfahrbar macht.
Amen!
Gott
jeder Mensch
dein Herzensanliegen
Auch ICH
Bist du etwa
gerade auf der Suche
nach mir?
Wo
werden wir uns finden?
Sich ganz
in der Wirklichkeit Gottes
finden
bleibt Geheimnis
und
ist real erfahrbar
Ob in Widerspenstigkeit
oder
Sehnsucht
Bleib dran!
wenn wir
in dieser verwirrenten Zeit
das Gefühl im Nacken haben
mit dem Rücken
an die „Stallwand“ gepresst zu sein
suchend
abgedrängt zu werden
und
dabei verloren zu gehen
schau DU uns an
lass das EINE –
das sich so sicher fühlt –
im Pferch
geh mit uns
führe uns in die Weite
die du verkündet hast
lass uns mit dir
neu entdecken
die Vielfalt
die der Vater schuf
wir sind 99
die es drängt
über den Zaun zu schauen
neue Quellen, Bäche und Weiden
zu finden
die uns stärken
auf dem Weg mit dir
geh uns voran
nimm uns leitend
an deine Hand
richte uns auf
mit deiner Liebe
gib nicht auf
uns zu rufen dir zu folgen
gib uns nicht verloren
führe du uns auf Wegen
die im UNTERWEGSSEIN
HEIMAT geben
Herr
gib uns 99
nicht verloren
denn wir hoffen auf dich
Beatrix Senft 2022
Der Glaube erkennt Gott als den Herrn des menschlichen Lebens. Herr ist Gott aber nicht dadurch, dass er die Menschen zu Knechten macht, sondern dass er sie mit Leben beschenkt und sie einlädt in seine Nähe, in Gemeinschaft mit ihm den tiefsten Sinn und das Glück dieses Lebens zu finden. Der Mensch ergreift diese Einladung, nimmt sie an und lebt, wie es ihr entspricht – das nennen wir „glauben“. Oder er verweigert sie beziehungsweise kündigt sie wieder auf – und eben das nennen wir „Sünde“. „Sündigen“ heißt Nein sagen zu Gott, das Leben mit Gott verweigern. Sünde ist das Gegenteil von Glaube, und darum auch ohne Glaube nicht zu erkennen.
Nun kann ein Mensch nicht einfach nur Nein sagen, nicht nur einfach sich verweigern. Er tut das, weil er eine Alternative sieht. Weil er zu etwas anderem Ja sagt. Diese Alternative zu Gott kann nur der Mensch selbst sein. Wer den Glauben verweigert, will nicht durch Gott, sondern durch sich selbst leben. So können wir nun das tiefste Wesen der Sünde beschreiben: Sünde ist Selbstherrlichkeit, ganz wörtlich: Selbst-Herrlichkeit.
Wie geht nun eine solche Selbstherrlichkeit vor sich? Nun, sie kann auch direkt geschehen: Ein Mensch sieht sich vor die Wahl gestellt, zu glauben oder nur auf sich selbst zu bauen, Gott zu lieben oder sich selbst über alles zu lieben – und entscheidet sich gegen Gott, für die eigene Person. Die Theologie früherer Jahrhunderte sprach dann im strengen Sinne von „Stolz“ oder „Hochmut“, ja von Gotteshass. So etwas ist möglich. Wir können jedenfalls bei einem intelligenten, über seine Geisteskräfte verfügenden Menschen nicht sagen, es sei grundsätzlich unmöglich. Allerdings kann man von außen nie sagen: Hier bei diesem Menschen ist es geschehen, auch nicht, wenn wir noch so deutliche Anzeichen zu sehen glauben. Nur Gott schaut so genau in die Herzen, dass er wirklich weiß, was mit einem Menschen los ist. Wohl aber dürfen wir annehmen, dass das Nein zu Gott selten so direkt gesprochen wird. Meist sagt ein Mensch es indirekt, indem er sich am Mitmenschen schuldig macht.
Aus: Otto Hermann Pesch, Kleines katholisches Glaubensbuch, Kevelaer 2009.
Viele Leute wissen gar nicht, dass genau das der eigentliche Grund war, warum Jesus in die Welt gekommen ist. Jesus ist nicht gekommen, um eine neue Religion zu gründen oder Menschen zu heilen oder eine politische Revolution anzuzetteln, auch wenn die Leute das von ihm wollten. Damals hatten viele Menschen darauf gewartet, dass so ein Typ zu ihnen kommt, den sie „Messias“ nannten, wenn sie von ihm sprachen. Die Propheten hatten schon vor langer Zeit angekündigt, dass dieser Retter irgendwann kommt. Das Wort „Messias“ wird in der Volxbibel mit der „Auserwählte“ übersetzt, entliehen aus dem Film „Matrix“. Es gab in der Zeit eine konkrete Vorstellung, was dieser Auserwählte alles tun würde, und eine davon war, dass er Israel von der Besatzungsmacht befreien und ein neues politisches System aufbauen würde. Aber das war nicht der Grund, warum Jesus auf die Welt gekommen ist.
Bevor Jesus geboren wurde, hatte sein weltlicher Vater Josef ein Treffen mit einem Engel. Dieser Engel kam in einer Nacht an sein Bett und sagte zu ihm, dass seine Frau Maria ein Baby bekommen würde. In der Luther-Bibel sagte der Engel dann folgenden Satz zu Josef: „Und sie wird einen Sohn gebären, dem sollst du den Namen Jesus geben, denn er wird sein Volk retten von ihren Sünden.“ (Matthäus 1, 21) Was ist das für eine heftige Ansage! Es bedeutet ja: Die wichtigste Aufgabe, zu der Jesus auf die Welt kam, war, uns von unsrem Sündenproblem zu befreien!
Aus: Martin Dreyer, Jesus rockt. Pattloch Verlag, München 2011.
So ist also zwei Versuchungen zu wehren: Zum einen ist das Zurückschauen auf die bisherigen Gestaltwerdungen mit dem Anspruch der Normativität oft nichts anderes als der Versuch, einen Entwicklungsprozess zu stoppen, den nicht Menschen, sondern der Geist Gottes wirkt. Ein die Vergangenheit verklärender pastoraler Traditionalismus aber führt genau so in die Erstarrung, wie wir sie biblisch bei der Frau des Lots erkennen können. Und umgekehrt führt ein Vertrauen auf die kraft selbstmächtiger Erneuerung zum tödlichen Identitätsverlust und zu einem Tanz um goldene pastorale Kälber.
Ein Ausweg aus diesen Versuchungen ist ein Lernprozess kirchlicher Kommunionalität: Nur im Hinhören aufeinander, im gemeinsamen Wahrnehmen, und vor allem im Hören und im Gehorsam auf den Auferstandenen und seinen Geist lassen sich Versuchungen dieser Art bezwingen.
Aus: Christian Hennecke, Glänzende Aussichten, wie die Kirche über sich hinauswächst, Aschendorff Verlag, Münster 2011.
Was ist mir verloren gegangen
in meinem LEBEN?
Spüre ich es - noch?
Was geht mir ab?
Was vermisse ich?
WAS eigentlich ist es
das mir fehlt
das ich – erneut – suchen will?
Oder
fehlen mir Kraft und Lust
aufgrund meiner
Verlust-Erfahrung
mich auf den Such-Weg zu machen
meiner Lebensfreude
wieder Raum zu geben
und darin Gottes Präsenz zu erkennen
Findet mich eine Erkenntnis
ist sie für mich ein kostbarer Schatz
wie eine Perle
die in mir große Freude erweckt
und DANKBARKEIT!
Dann ist mir zum Feiern zumute!
☺ ☺
Am Leben vorbeigelebt
wird es heißen
beim Letzten Gericht.
Immer gezögert,
verschoben,
gewartet,
getrauert,
doch niemals
begonnen,
niemals Fehler
gemacht,
geirrt
oder verloren.
Immer Angst gehabt
vor Krankheit,
vor dem Versagen,
vor dem Tod. –
So wie
der ältere Sohn:
immer daheim geblieben,
aber vielleicht
auch nie richtig
zu Hause gewesen?
Aus: Ilse Pauls, Der innere See. Internationaler Literatur und Lyrik Verlag 1997.
Gegenüber dem Geheimnis Gottes, das uns fasziniert und zugleich klein erscheinen lässt, brauchen wir keine Angst zu haben. Gott ist Vater, aber auf eine Art, die jede menschliche Weise übersteigt. So zeigt uns das Gleichnis vom verlorenen Sohn den barmherzigen Vater, der nur Liebe ist für seine Kinder. Dies mag ein Grund sein, dass auch der Apostel Paulus die von Jesus gebrauchte Anrede für den Vater „Abba“ wiedergibt, ohne diesen aramäischen Ausdruck zu übersetzen. Gott ist Vater, sogar dann, wenn wir meinen, ohne ihn auszukommen. Denn Gott selbst will nie ohne uns Menschen sein. Wie uns Jesus lehrt, können wir uns immer an den Vater wenden und ihn vertrauensvoll bitten. Er sorgt für uns und verlässt uns nicht. So ist die Vaterschaft Gottes Quell unserer Hoffnung.
Papst Franziskus bei der Generalaudienz am 7. Juni 2017 (zitiert nach L’Osservatore Romano online).
Im Blick auf die Theologie meinte Niewiadomski, die Kirche habe lange vor allem die Gerechtigkeit Gottes betont. „Zugespitzt formuliert: Die Angst vor der Hölle sollte dazu führen, dass die Menschen sich gut betragen und so gerettet werden.“ Das habe den „Heilsegoismus“ gefördert, sich vorrangig um die eigene Seele zu sorgen und das Leid der anderen auszublenden, und sei als Konzept letztlich gescheitert. „Das Vertrauen auf die Barmherzigkeit Gottes ist der Ausweg aus dieser Sackgasse“, sagte Niewiadomski.
Die Erblasserin hinterließ ihre Tochter Ruth V***** und vier mj Enkelkinder. Im Testament vom 7.12.1990 setzte sie Anna Maria S***** zur Alleinerbin ein; weiters verfügte sie: „meine Tochter Ruth S***** enterbe ich wegen groben Undanks und Lieblosigkeit ebenso enterbe ich deren Kinder.“
Auszug aus einer Urteilsbegründung des Obersten Gerichtshofes (Geschäftszahl 2Ob511/94 vom 24.03.1994)
Nicht Fleisch und Blut, das Herz macht uns zu Vätern und Söhnen. Liebt Ihr ihn nicht mehr, so ist diese Abart auch Euer Sohn nicht mehr.
Aus Friedrich Schiller, Die Räuber I, 1. (Franz)
Mit Vorliebe behaupten überbürdete Männer der Geschäftswelt, sie hätten sich ihr Lebtag nur deshalb abgerackert, damit ihre Kinder es einmal recht guthätten. Denen aber wäre es viel lieber, der Vater gäbe ihnen bei Lebzeiten dann und wann einmal einen Zehnmarkschein und ein freundliches Wort, statt ihnen nach seinem Tod ein Vermögen zu hinterlassen. Zudem fühlen die Kinder ganz richtig heraus, dass der Vater seinen Geschäften nachgeht, weil er nicht anders kann und durchaus nicht aus elterlicher Liebe zu ihnen. Der Sohn ist daher ebenso durchdrungen davon, dass sein Vater ein leerer Schwätzer, wie der Vater, dass sein Sohn ein Nichtsnutz ist.
Bertrand Arthur William Russell, Marriage and Morals 14.
Nun fortzugehn von alledem Verworrnen,
das unser ist und uns doch nicht gehört,
das, wie das Wasser in den alten Bornen,
uns zitternd spiegelt und das Bild zerstört;
von allem diesen, das sich wie mit Dornen
noch einmal an uns anhängt-fortzugehn
und Das und Den,
die man schon nicht mehr sah
(so täglich waren sie und so gewöhnlich),
auf einmal anzuschauen: sanft, versöhnlich
und wie an einem Anfang und von nah;
und ahnend einzusehn, wie unpersönlich,
wie über alle hin das Leid geschah,
von dem die Kindheit voll war bis zum Rand-:
Und dann doch fortzugehn, Hand aus Hand,
als ob man ein Geheiltes neu zerrisse,
und fortzugehn: wohin? Ins Ungewisse,
weit in ein unverwandtes warmes Land,
das hinter allem Handeln wie Kulisse
gleichgültig sein wird: Garten oder Wand;
und fortzugehen: warum? Aus Drang, aus Artung,
aus Ungeduld, aus dunkler Erwartung,
aus Unverständlichkeit und Unverstand:
Dies alles auf sich nehmen und vergebens
Vielleicht Gehaltnes fallen lassen, um
allein zu sterben, wissend nicht warum-
Ist das der Eingang eines neuen Lebens?
Rainer Maria Rilke: Der Auszug des Verlorenen Sohnes.
Kennst du das Gefühl?
Lustlos, müde, ausgelaugt, …
und die bange Frage
Was ist mir denn verlorengegangen?
Plötzlich war sie weg
Die Lebensfreude
Die Energie
Die Hoffnung
Die Zuversicht
Allmählich hab ich es verloren
mein Selbstvertrauen
Auf einmal
war er nicht mehr da
der SINN des Ganzen
Hab ich mich etwa selbst
verloren?
Und lautlos
drängt sich die Frage auf
Wonach such ich – eigentlich
in meinem Leben?
Macht sich Gott
auch mit mir
auf die Suche
bis ich spüre
„ich hab mich wieder“
ich lebe auf
Ich hab Lust auf ein Fest
mit dir!

Seit 1. Fastensonntag 1996 veröffentlicht ein Team von Priestern, Diakonen, Ordensleuten und pastoral engegierter Laien
spirituelle Impulse, Bibeltexte mit Erklärungen, Gebete für Gottesdienstfeiern und Denkanstöße für jeden Sonn- und Feiertag des Kirchenjahres.
Verbesserte Suchfunktionen - Neue Exportfunktionen
Ab 1. Adventsonntag: Vorschläge für Wort-Gottes-Feiern
Schneller am Ziel
Die Unterseiten des Predigtforums kann man auch mit einer Kurzadresse erreichen:
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Spannend ist, dass Jahwe seine Verheißungen, die er Abraham, Isaak und Jakob (= Israel) gegeben hat, nicht zurücknehmen oder an neue Bedingungen knüpfen kann: Sein Wort ist gegeben! Noch spannender ist, dass Mose, der eigentlich von der Situation profitieren könnte, die prophetische Aufgabe wahrnimmt, Jahwe zu "besänftigen" - in dem er ihn an die Geschichte, die er mit seinem Volk hat, erinnert. Was in der alttestamentlichen Überlieferung zum Urbekenntnis gehört ("Du hat es mit großer Macht und starker Hand aus Ägypten herausgeführt"), macht dann auch die sichtbaren Gottesbilder überflüssig: Die Treue und Verlässlichkeit Gottes, einmal geschehen und immer neu erzählt, trägt auch in Zukunft.
Die Geschichte hat am Ende ihre besondere Pointe: Jahwe wird als ein "durchschauter" charakterisiert. Von seinem Weg kann er nicht abweichen. In unserer Lesung wird die "Bekehrung" Jahwes erzählt.
Man projiziert die Gegenwart in die Vergangenheit. Damals, als das Volk Israel der Knechtschaft Ägyptens entkommen war und sich in das gelobte Land aufmachte, hat sich ihm auf dem Berg Sinai Jahwe geoffenbart, jener Gott, der den Auszug aus Ägypten so machtvoll unterstützte. Es ist zu einem Bundesschluß zwischen Jahwe und dem Volk und zur Mitteilung von Geboten und Gesetzen gekommen. Als wichtigster Grundsatz galt: Dieser Jahwe ist fortan Israels einziger Gott. Und weiter: Israel soll sich von ihm kein Bild machen, denn dieser Gott ist unverfügbar, er läßt sich in kein Schema pressen (vgl. Ex 20,1-7; Dtn 5,6-11). So kann es Jahwe nicht dulden, wenn sein Volk ein goldenes Kalb aufstellt und ihm Opfer darbringt, ja in diesem Kalb sogar die "Götter" verehrt, die es angeblich aus Ägypten herausgeführt haben. Dieses Verdienst kommt allein Jahwe zu.
Soweit der geschichtliche Hintergrund der Erzählung vom goldenen Kalb. Für uns heute bleibt an dem ganzen trotzdem ein Haken: die Redeweise vom zornigen Gott, der in glühendem Eifer alles ihm Widrige zu vernichten bereit scheint. Mit dem "strengen Richter aller Sünder", wie es in einem alten Lied heißt, hat man heute so seine Probleme. Im Alten Testament ist eine solche Redeweise jedenfalls der Versuch, Gottes Heiligkeit und Gerechtigkeit sowie seinen Herrschaftsanspruch auszusagen. Der Zorn Gottes ist sein Widerwille gegen alles Böse und richtet sich gegen diejenigen, die den Bund mit ihm verletzen. Ein blindwütiges Dreinschlagen ist damit ebenso ausgeschlossen wie die Vorstellung von einer dämonischen Unheilsmacht. Letztlich bezieht sich die Redeweise vom zornigen Gott sogar mehr auf die Menschen als auf Gott selbst. Die sündige Menschheit bringt sich selber in einen gottfernen Zustand, so daß von ihrer Seite her Gott nur als zornig erfahren werden kann.
In der theologischen und kirchlichen Tradition hat man damit zudem das Bild eines leidenschaftslosen Gottes konterkariert, wie es etwa vom Stoizismus oder Deismus gezeichnet wurde. Schließlich gilt: Der Zorn Gottes ist - zumal in unserer Erzählung - aufs engste mit der Reue Gottes verbunden. Und daran, an der Reue Gottes, an seinen Herzensbewegungen zugunsten des Menschen, wärmt sich wohl auch heutiges Glaubensbewußtsein gerne.
Das Manna, das Israel in der Wüste als Speise diente und das Überleben sicherte, kann nun „nachdem sie von dem Ertrag des Landes gegessen hatten“ ausbleiben – es ist schlicht nicht mehr notwendig. Denn lebten die Israeliten während ihrer Wanderung durch die Wüste hinsichtlich ihrer Ernährung in absoluter Unsicherheit, so haben sie nun durch Ackerbau und Landwirtschaft die Möglichkeit, eine gesicherte Existenz aufzubauen. Der Urheber all dessen ist für sie Gott.