Wo immer Menschen zusammenleben, brauchen sie ausgesprochen oder unausgesprochen eine Ordnung, damit das Zusammenleben gelingt. Sobald jedoch eine Ordnung eingefordert werden muss, kommt es zu Auseinandersetzungen und Konflikten. Das ist auch in der Kirche nicht anders als im übrigen Leben.
Jesus hat uns zugesichert, dass er mitten unter jenen sei, die in seinem Namen sich versammeln. Dieser Blick auf die Mitte und damit auf das Wesentliche unserer Gemeinschaft hilft uns, die Gegensätze zu überwinden.
So blicken wir am Beginn unseres Zusammenseins auf den, der uns hier zusammengerufen hat, und bitten ihn, dass er uns seine Gegenwart und Nähe erfahren lasse.
Herr, Jesus Christus,
du hast uns das Tor des Himmelreiches geöffnet.
Herr, erbarme dich.
Du hast allen, die zu Gott umkehren,
die Vergebung der Sünden zugesichert.
Christus, erbarme dich.
Du hast verheißen, wo zwei oder drei in deinem Namen versammelt sind,
da bist du mitten unter ihnen.
Herr, erbarme dich.
Gott, unser Vater,
du hast uns durch deinen Sohn erlöst
und als deine geliebten Kinder angenommen.
Sieh voll Güte auf alle, die an Christus glauben,
und schenke ihnen die wahre Freiheit
und das ewige Erbe.
Darum bitten wir durch Jesus Christus.
MB 5. Sonntag der Osterzeit
MB 23. Sonntag im Jahreskreis
Herr, unser Gott,
du schenkst uns den Frieden
und gibst uns die Kraft, dir aufrichtig zu dienen.
Laß uns dich mit unseren Gaben ehren
und durch die Teilnahme
an dem einen Brot und dem einen Kelch
eines Sinnes werden.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
MB 23. Sonntag im Jahreskreis
4. Januar, 7.Januar
Kehrvers:
Freut euch: Wir sind Gottes Volk,
erwählt durch seine Gnade. (GL 56,1)
Guter Gott, wir kommen zu dir, um dir zu danken,
denn du bist ein Gott, der Gemeinschaft stiftet
und die Menschen zusammenführt.
Kehrvers
Einst hast du dein Volk aus der Knechtschaft Ägyptens herausgefürht
und auf dem Weg durch die Wüste zu deinem auserwählten Volk geformt.
Du hast mit ihm einen Bund geschlossen
und ihm ein Gesetz gegeben, das zum wahren Leben führt.
Kehrvers
Jesus von Nazareth hat diesen Bund erneuert
und seinen Jängern das Gesetz der Gottes- und Nächstenliebe ins Herz geschrieben,
damit sie so den Menschen den Weg zum Himmelreich erschließen.
Kehrvers
Sein Geist hält uns in seiner Liebe.
Er gibt uns die Kraft, seine Gebote zu halten
und unsere Spannungen und Konflikte zu lösen.
Kehrvers
Dafür danken wir dir und preisen wir dich.
Mit den Engeln und Heiligen singen wir dir zum Lob.
Danklied, z. B. Dein Lob, Herr, ruft der Himmel aus (GL 381)
In Wahrheit ist es würdig und recht,
dir, Herr, heiliger Vater,
allmächtiger, ewiger Gott,
immer und überall zu danken
durch unseren Herrn Jesus Christus.
Denn er hat Großes an uns getan:
durch seinen Tod und seine Auferstehung
hat er uns von der Sünde
und von der Knechtschaft des Todes befreit
und zur Herrlichkeit des neuen Lebens berufen.
In ihm sind wir ein auserwähltes Geschlecht,
dein heiliges Volk,
dein königliches Priestertum.
So verkünden wir die Werke deiner Macht,
denn du hast uns aus der Finsternis
in dein wunderbares Licht gerufen.
Darum singen wir
mit den Engeln und Erzengeln,
den Thronen und Mächten
und mit all den Scharen
des himmlischen Heeres den Hochgesang
von deiner göttlichen Herrlichkeit:
Heilig ...
MB Sonntage 1
Herr, unser Gott,
in deinem Wort und Sakrament
gibst du uns Nahrung und Leben.
Laß uns durch diese großen Gaben
in der Liebe wachsen
und zur ewigen Gemeinschaft
mit deinem Sohn gelangen,
der mit dir lebt und herrscht in alle Ewigkeit.
MB 23. Sonntag im Jahreskreis
Die Bewältigung der Situation der Kirche in pluralistischen Gesellschaften ist immer noch eine große Aufgabe. Manche meinen, die damit gegebenen Schwierigkeiten seien weitgehend ein Problem der Kirche, weil sie sich zu wenig "anzupassen” verstehe. Nun soll nicht bestritten werden, dass es da und dort eine größere Flexibilität der Kirche in der Reaktion auf gesellschaftliche Herausforderung geben könnte und müsste, ohne dass die Kirche sich bloß in das Bestehende einzufügen hätte.
Aber die Frage ist eben auch nicht weniger ein Problem pluralistischer Gesellschaften selbst: Im Grunde ist in ihnen, besonders ethisch, fast alles möglich und erlaubt. Über verpflichtend Gemeinsames wird relativ wenig gesprochen. Formelkompromisse täuschen nicht selten eine Einheit bloß vor. Schon darum ist es fast unmöglich, in allseits akzeptabler Weise auf elementare gesellschaftliche Herausforderungen befriedigend zu reagieren. Viele erwarten nämlich jeweils etwas ganz anderes, ohne dass dies aus falsch verstandener Höflichkeit und angeblicher Toleranz immer auch klar zum Ausdruck kommt. Aber man ist eben der Meinung, die Kirche habe grundsätzlich in allen Situationen notwendiger Hilfe - wie immer - zu dienen. Eine solche Haltung, die von hohen Erwartungen an die Kirche zeugt, begegnet mir immer wieder.
Man ist jedoch nicht selten enttäuscht, wenn die Kirche tatsächlich eine Antwort versucht. Man könnte dies leicht aufzeigen bei den verschiedenen Stellungnahmen zur Schwangerschaftskonfliktberatung, zur Gleichstellung gleichgeschlechtlicher Paare oder auch angesichts der Parteispendenaffäre. Es ist eine Gefahr, dass im Grunde jeder bloß in seiner Meinung bestätigt werden möchte. Wenn dies nicht geschieht, kann die Enttäuschung rasch bis zur Distanzierung von Kirche oder gar zum Kirchenaustritt umschlagen.
In einer solchen Lage gerät die Kirche manchmal in gefährliche Bedrängnis. Sie möchte gerade in Fragen des grundlegenden Ethos möglichst integrierend wirken. Es geht ja auch um sittliche Grundlagen eines gemeinsamen Lebens. Außerdem fürchtet man im Blick auf manche Fehltritte in der Geschichte den Vorwurf der Gesprächsunfähigkeit, der Borniertheit oder gar der Intoleranz. Es ist nicht leicht, hier so zu sprechen, dass Entschiedenheit und Klarheit vorherrschen, zumal auch die Kirche in sich selbst angesichts der vielen Einflüsse von außen her und der Vielfalt in ihr selbst immer wieder mühsam den Konsens suchen muss.
Ich bin der festen Überzeugung, dass mancher Vorwurf, der auf mangelnde Eindeutigkeit hinausläuft, zwar im Blick auf einzelne Formulierungen rechthaben mag, aber als pauschaler Vorwurf nicht stimmt. Wir müssen heute stärker als früher in vielen Fragen den Menschen innerhalb und außerhalb der Kirche, wenn wir sachgerecht und hilfreich zugleich bleiben wollen, ein differenzierteres Sprechen zumuten, ohne damit den Willen zu einer klaren Orientierung aufzugeben. Dies ist meines Erachtens vielfach gelungen, nicht zuletzt auch in nicht wenigen gemeinsamen ökumenischen Verlautbarungen.
Dennoch ist, wie ich in den letzten Jahren immer wieder anmahnte, in mancher Hinsicht eine noch deutlichere Positionsnahme vonnöten. Wir sind inzwischen ausreichend eingeübt und ausgewiesen in der Rücksichtnahme auf andere Meinungen, in der Gesprächsfähigkeit darüber und auch in einem zivilisierten Streit. In pluralistischen Gesellschaften geht man jedoch unter, wenn man nicht in der immer unübersichtlicher werdenden Vielfalt der zahlreichen Stimmen seinen eigenen, unverwechselbaren Standort kräftig und vernehmbar markiert.
Dies ist nicht nur sachlich notwendig, um die eigene Position überzeugend darzustellen, sondern nur so wird auch ein bestimmter Standort, hier aus dem Glauben verantwortet, wirklich mitteilbar - in der Mediengesellschaft ist die Sorge darum unübersehbar wichtig. Deshalb muss es hier manchmal zu Streit, Konfrontation, auf jeden Fall zu mehr Wettbewerb der geistigen Standorte kommen. Deshalb kann die Kirche nicht eine Allerweltsantwort geben. Sie kann nur wirklich helfen, wenn z. B. sie tatsächlich die Wunden aufzeigt und auch schmerzliche Wege der Heilung nicht verschweigt.
In vielen Fragen ist auch zuerst ein Umdenken, d. h. eine Ab- und Umkehr von bisherigen Haltungen, notwendig. Wenn dies zunächst fremd und auch schmerzlich ist, wird es in vielen Fällen - wenigstens auf mittlere oder längere Sicht - mehr helfen als weiche Angebote. In diesem Sinne kann gerade das zunächst Unbekannte und Fremde zu einem Segen werden. Besonders in der Österlichen Bußzeit sollten wir diese Aufgabe des Umdenkens, wie sie immer notwendig ist, in der konkreten Gestalt für heute nicht vergessen. Sonst versteht man im Grunde nicht, warum die Kirche so und nicht anders spricht und sprechen muss.
Aus: Karl Kardinal Lehmann, Mut zum Umdenken. Klare Positionen in schwieriger Zeit. Herder Freiburg Basel Wien 2000.
Gott,
ich gebe dir meinen Panzer,
meine Unverletzbarkeit:
laß mein Blut fließen.
Ich gebe dir meinen Star,
meine Blindheit:
stich durch, laß Licht fallen.
Ich gebe dir meine reine Haut,
meine Gerechtigkeit:
laß sie schmutzig werden im Leid.
Ich gebe dir meine musiküberwehten Ohren,
meine Schwerhörigkeit:
laß Notschreie meine Seele erschüttern.
Ich gebe dir meine verzärtelten Hände,
meine Ängstlichkeit:
laß sie das Zupacken lernen.
Aus: Ulrich Schaffer, Sehnsucht nach Nähe. Kreuz Verlag Stuttgart 1986.

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