Lesung aus dem Buch der Weisheit.
Ich betete und es wurde mir Klugheit gegeben;
ich flehte und der Geist der Weisheit kam zu mir.
Ich zog sie Zeptern und Thronen vor,
Reichtum achtete ich für nichts im Vergleich mit ihr.
Einen unschätzbaren Edelstein stellte ich ihr nicht gleich;
denn alles Gold erscheint neben ihr wie ein wenig Sand
und Silber gilt ihr gegenüber so viel wie Lehm.
Mehr als Gesundheit und Schönheit liebte ich sie
und zog ihren Besitz dem Lichte vor;
denn niemals erlischt der Glanz, der von ihr ausstrahlt.
Zugleich mit ihr kam alles Gute zu mir,
unzählbare Reichtümer waren in ihren Händen.
(Lektionar 2018 ff. © 2024 staeko.net)
Lesung aus dem Hebräerbrief.
Lebendig ist das Wort Gottes,
wirksam und schärfer als jedes zweischneidige Schwert;
es dringt durch bis zur Scheidung von Seele und Geist,
von Gelenken und Mark;
es richtet über die Regungen und Gedanken des Herzens;
vor ihm bleibt kein Geschöpf verborgen,
sondern alles liegt nackt und bloß
vor den Augen dessen,
dem wir Rechenschaft schulden.
(Lektionar 2018 ff. © 2024 staeko.net)
Aus dem heiligen Evangelium nach Markus.
In jener Zeit
lief ein Mann auf Jesus zu,
fiel vor ihm auf die Knie
und fragte ihn: Guter Meister,
was muss ich tun, um das ewige Leben zu erben?
Jesus antwortete: Warum nennst du mich gut?
Niemand ist gut außer der eine Gott.
Du kennst doch die Gebote:
Du sollst nicht töten,
du sollst nicht die Ehe brechen,
du sollst nicht stehlen,
du sollst nicht falsch aussagen,
du sollst keinen Raub begehen;
ehre deinen Vater und deine Mutter!
Er erwiderte ihm: Meister,
alle diese Gebote habe ich von Jugend an befolgt.
Da sah ihn Jesus an,
umarmte ihn
und sagte: Eines fehlt dir noch:
Geh, verkaufe, was du hast,
gib es den Armen
und du wirst einen Schatz im Himmel haben;
dann komm und folge mir nach!
Der Mann aber war betrübt, als er das hörte,
und ging traurig weg;
denn er hatte ein großes Vermögen.
Da sah Jesus seine Jünger an
und sagte zu ihnen:
Wie schwer ist es für Menschen, die viel besitzen,
in das Reich Gottes zu kommen!
Die Jünger waren über seine Worte bestürzt.
Jesus aber sagte noch einmal zu ihnen:
Meine Kinder,
wie schwer ist es, in das Reich Gottes zu kommen!
Leichter geht ein Kamel durch ein Nadelöhr,
als dass ein Reicher in das Reich Gottes gelangt.
Sie aber gerieten über alle Maßen außer sich
vor Schrecken
und sagten zueinander:
Wer kann dann noch gerettet werden?
Jesus sah sie an
und sagte: Für Menschen ist das unmöglich,
aber nicht für Gott;
denn für Gott ist alles möglich.
Da sagte Petrus zu ihm:
Siehe, wir haben alles verlassen
und sind dir nachgefolgt.
Jesus antwortete: Amen, ich sage euch:
Jeder, der um meinetwillen und um des Evangeliums willen
Haus oder Brüder, Schwestern, Mutter, Vater,
Kinder oder Äcker verlassen hat,
wird das Hundertfache dafür empfangen.
Jetzt in dieser Zeit
wird er Häuser und Brüder, Schwestern und Mütter,
Kinder und Äcker erhalten,
wenn auch unter Verfolgungen,
und in der kommenden Welt das ewige Leben.
(Lektionar 2018 ff. © 2024 staeko.net)
Aus dem heiligen Evangelium nach Markus.
In jener Zeit
lief ein Mann auf Jesus zu,
fiel vor ihm auf die Knie
und fragte ihn: Guter Meister,
was muss ich tun, um das ewige Leben zu erben?
Jesus antwortete: Warum nennst du mich gut?
Niemand ist gut außer der eine Gott.
Du kennst doch die Gebote:
Du sollst nicht töten,
du sollst nicht die Ehe brechen,
du sollst nicht stehlen,
du sollst nicht falsch aussagen,
du sollst keinen Raub begehen;
ehre deinen Vater und deine Mutter!
Er erwiderte ihm: Meister,
alle diese Gebote habe ich von Jugend an befolgt.
Da sah ihn Jesus an,
umarmte ihn
und sagte: Eines fehlt dir noch:
Geh, verkaufe, was du hast,
gib es den Armen
und du wirst einen Schatz im Himmel haben;
dann komm und folge mir nach!
Der Mann aber war betrübt, als er das hörte,
und ging traurig weg;
denn er hatte ein großes Vermögen.
Da sah Jesus seine Jünger an
und sagte zu ihnen:
Wie schwer ist es für Menschen, die viel besitzen,
in das Reich Gottes zu kommen!
Die Jünger waren über seine Worte bestürzt.
Jesus aber sagte noch einmal zu ihnen:
Meine Kinder,
wie schwer ist es, in das Reich Gottes zu kommen!
Leichter geht ein Kamel durch ein Nadelöhr,
als dass ein Reicher in das Reich Gottes gelangt.
Sie aber gerieten über alle Maßen außer sich
vor Schrecken
und sagten zueinander:
Wer kann dann noch gerettet werden?
Jesus sah sie an
und sagte: Für Menschen ist das unmöglich,
aber nicht für Gott;
denn für Gott ist alles möglich.
(Lektionar 2018 ff. © 2024 staeko.net)
Der Wunsch, in den Himmel, ins Paradies zu kommen, gehört zu den Grundsehnsüchten, auf welche viele Religionen eine Antwort geben. Und sie bieten Rituale an; sie geben Gebote und Regeln vor, an die man sich halten muss. Daher liegt der junge Mann im Evangelium ganz im Trend, wenn er Jesus fragt: "Was muss ich tun?" Oder noch besser: "Was soll ich noch alles tun?" Diese Frage hat mir zu denken gegeben - und ich möchte ihr entlang weiterdenken.
Da ist ein junger Mann, der hat alle Gebote befolgt. Und er erkennt, dass Jesus ein weiser, ein guter Mensch ist, ein "guter Meister", wie er ihn bezeichnet. Vielleicht kann er ihm helfen in seiner Sinnfrage, in seiner Suche nach einem gelingenden Leben, das in das ewige Leben mündet? Und so fragt er Jesus: "Was muss ich tun, um das ewige Leben zu gewinnen?"
Für mich ist dies nicht nur eine Frage, sondern auch eine Aussage über sein Gottesbild und sein Glaubensverständnis: Denn er meint offensichtlich, dass er nur genügend tun muss, um das ewige Leben zu erlangen; dass es darauf ankommt, möglichst alle Gebote zu halten, dann ist das Himmelreich verdient. Dabei vergisst er aber, dass man das ewige Leben eigentlich gar nicht gewinnen, sondern nur verlieren kann, denn es gehört uns ja schon! Er glaubt an einen Gott, der eine Leistung von ihm verlangt, an einen Gott, der mitrechnet, ob er wohl genug gute Taten aufweist - doch dieser Gott hat ihm vor aller Leistung schon das Leben geschenkt. Er hält sich an die Gebote - und vergisst, dass der Übergabe der Gebote an Moses und das Volk die Rettung Israels am Schilfmeer vorausging. Das Halten der Gebote ist somit die Bedingung, um gerettet zu werden, sondern die Antwort auf Gottes Handeln.
Was mich an unserem christlich-jüdischen Glauben so fasziniert ist: Ich muss gerade nicht zuerst was leisten, um von Gott geliebt zu werden; ich muss ihn auch nicht besänftigen, gnädig stimmen ... - sondern (wie Jesus es sagt): Gott ist der Gute; er ist die Liebe; er liebt mich, einen jeden, eine jede von uns - und zwar vor aller Leistung; nicht, weil ich so gut, so brav bin, sondern weil ich sein Kind, weil ich Kind Gottes bin!
Nun gibt es also keine Leistung, mit der man sich den Himmel verdienen könnte. Dennoch ist es nicht ganz egal, wie man handelt. Und daher gibt Jesus dem Mann doch einen Auftrag, mit dem dieser nicht gerechnet hatte. Er fordert ihn auf: "Geh, verkauf alles was du hast, und gib das Geld den Armen!" Es ist eine Forderung, die dem jungen Mann bei all seiner Gesetzestreue und all seinem Wunsch nach dem ewigen Leben zu extrem ist. Er möchte die Sicherheit des Lebens nicht aufgeben für die Unsicherheit der Gefolgschaft Jesu.
Es wäre nun leicht, mit dem Finger auf ihn zu zeigen, weil er dazu nicht bereit ist. Doch steht er stellvertretend für die meisten Christen seit der Urkirche. Denn damit ist der Stachel der Besitzlosigkeit dem Christentum von Anfang an eingesetzt. Es wurde nie das generelle Lebensprinzip der Christen, völlig besitzlos zu sein. Und nur wenige Menschen haben es geschafft, diese Radikalität aufzubringen, wirklich alles für ein Leben in der Nachfolge herzugeben: vor wenigen Tagen haben wir einen davon, Franz von Assisi, gefeiert.
Jesus sagt aber auch nicht, dass nur die Besitzlosen ins Himmelreich kommen; er meint nur: Besitz und großer Reichtum stellen eine Gefahr dar. Die Gefahr lautet: Der Besitz könnte dazu führen zu meinen, ich kann mir selber alles leisten oder alles richten; ich bin nicht abhängig von anderen. Und das kann zur Frage führen: Wozu brauche ich da einen Gott?
In ähnlicher Weise heißt es in Lk 12,33f: "Verkauft eure Habe, und gebt den Erlös den Armen! Macht euch Geldbeutel, die nicht zerreißen. Verschafft euch einen Schatz, der nicht abnimmt, droben im Himmel, wo kein Dieb ihn findet und keine Motte ihn frisst. Denn wo euer Schatz ist, da ist auch euer Herz." Damit ist der Reichtum nicht grundsätzlich als schlecht eingestuft. Aber er ist relativiert: Denn die Hauptfrage ist, was man mit den jeweiligen Besitztümern macht. Letztlich stellt Jesus die Frage, woran denn das Herz des Menschen eigentlich hängt.
Deshalb sehe ich in diesen Worten Jesu eine doppelte Befreiung grundgelegt. Denn Jesus meint, dass es ohne (oder mit wenig) Besitz leichter ist, frei zu sein für andere - und letztlich auch frei zu sein für Gott. Die eine Befreiung ist somit jene aus falschen Abhängigkeit; eine Befreiung davon, an seine Besitzungen und die Bewahrung des Besitzes zu denken, die frei macht, sich um andere Menschen zu sorgen und den Blick auf sie und ihre Bedürfnisse zu richten.
Die zweite Befreiung, die Jesus dem Mann anbietet, ist die Befreiung aus dem Leistungsdruck des Glaubens: Er bietet dem Mann an, dass er nicht so sehr penibel auf die Einhaltung aller einzelnen Gebote achten muss, sondern sich auf das Wesentliche konzentrieren kann. Aus diesem Grund fasst Jesus auch die Vielzahl der zu haltenden Gebote zusammen im Doppelgebot der Gottes- und Nächstenliebe (Mt 22,37-40).
Verleihe mir Weisheit!
Wie es anders auch gehen kann, das zeigt uns schließlich die Lesung aus dem alttestamentlichen Weisheitsbuch. Sie nimmt Bezug auf den König Salomo, dem zu Beginn seiner Regierung Gott in der Nacht erscheint und sagt: "Sprich eine Bitte aus, die ich dir gewähren soll." (2Chr 1,7) Und Salomo verlangt nicht Ruhm, oder Macht, oder Geld - sondern er sagt: "Verleih mir Weisheit und Einsicht." -
Und der Beter in der heutigen Lesung (in dem die Tradition Salomo wiedererkennt) sagt dasselbe: Weisheit und Klugheit zieht er allem Gold und allem Besitz vor. Er hat nichts einzuwenden gegen Geld - aber noch viel wichtiger ist ihm Weisheit, weil sie unvergänglich ist; weil sie nicht verfallen kann.
Die wahre Weisheit ist es, sein Herz an die richtigen Dinge zu hängen. Weisheit hilft, mit dem Besitz so umzugehen, dass man nicht von ihm besessen ist. Damit wird der Reichtum nicht abgewertet - ganz im Gegenteil: Die Bibel schätzt Reichtum und Besitz an sich sehr hoch ein und er gilt als Geschenk Gottes und als Erweis, dass jemand von Gott geliebt ist. Doch die große Frage ist eben, wie klug man mit dieser Gabe Gottes umgeht.
Ein solcher weiser Umgang wird von Sannyasi, einem indischen Wandermönch, berichtet:
"Der Sannyasi hatte den Dorfrand erreicht und ließ sich unter einem Baum nieder, um dort die Nacht zu verbringen, als ein Dorfbewohner angerannt kam und sagte: 'Der Stein! Gib mir den kostbaren Stein!' 'Welchen Stein?' fragte der Sannyasi. 'Letzte Nacht erschien mir Gott Shiwa im Traum', sprach der Dörfler, 'und sagte mir, ich würde bei Einbruch der Dunkelheit am Dorfrand einen Sannyasi finden, der mir einen kostbaren Stein geben würde, so dass ich für immer reich wäre.' Der Sannyasi durchwühlte seinen Sack und zog einen kostbaren Stein heraus. 'Wahrscheinlich meinte er diesen hier', als er dem Dörfler den Stein gab. 'Ich fand ihn vor einigen Tagen auf einem Waldweg. Du kannst ihn natürlich haben.' Staunend betrachtete der Mann den Stein. Es war ein Diamant. Wahrscheinlich der größte Diamant der Welt, denn er war so groß wie ein menschlicher Kopf. Er nahm den Diamant und ging weg. Die ganze Nacht wälzte er sich in seinem Bett und konnte nicht schlafen. Am nächsten Tag weckte er den Sannyasi bei Anbruch der Dämmerung und sagte: 'Gib mir den Reichtum, der es dir ermöglichte, diesen Diamanten so leichten Herzens wegzugeben.'"
Nochmals die Eingangsfrage: "Was muss ich tun um das ewige Leben zu erlangen?" - Die entlastende Antwort der heutigen Schriftstellen auf diese Frage lautet: Ich muss Gott nicht erst gnädig stimmen, denn er liebt mich wie ich bin. Ich muss mir auch den Himmel nicht verdienen, denn er gehört mir grundsätzlich als Kind Gottes ja schon.
Dennoch ist damit nicht einem Relativismus das Wort geredet: dass es sowieso gleich ist, was man tut. Denn ich kann mir mit meinem Tun den Weg zu diesem Himmelreich auch verbauen; ihn mühsam machen oder auf Abwege geraten. Die Gefahr zu solchen Abwegen sieht Jesus in großem Besitz gegeben, weshalb er dazu rät, diesen abzulegen bzw. für die Armen einzusetzen.
Wenn auch für die meisten von uns wohl nicht die radikale Besitzlosigkeit einzelner Heiliger oder Ordensleute den gangbaren Weg darstellt, so bleibt dennoch die Frage als Stachel und Mahnung bestehen, die da lautet: Woran hänge ich mein Herz? Denn dort, wo mein Schatz ist, da ist auch mein Herz.
Das Buch der Weisheit, dem die heutige alttestamentliche Lesung entnommen ist, ist das zuletzt geschriebene Buch des AT. Die Wissenschaftler sagen: Es entstand in der Mitte des 1. Jh. v. Chr. Von den meisten alttestamentlichen Büchern hebt es sich auffällig ab. Der Verfasser berichtet nicht über geschichtliche Ereignisse, über das Leben und Verhalten des Volkes und die Reaktion Jahwes darauf. Im Buch der Weisheit geht es mehr um Besinnung und um die Frage, wie Gott und der Mensch in eine ganz dichte Einheit zusammenfinden können. Zum Nachdenken einladend möchte der Verfasser des Weisheitsbuches jenen Weg aufzeigen, der den Menschen - nach seiner Überzeugung - sicher in die Nähe und innere Verbundenheit mit Gott führen kann.
Schon im ersten Vers der Lesung steuert der Schreiber auf den Weg zu, den er uns empfiehlt, weil er ihn für den einzig möglichen hält: "Ich betete und es wurde mir Einsicht gegeben; ich flehte, und der Geist der Weisheit kam zu mir".
Das Wort im Urtext, das hier für "beten" und "erflehen" gebraucht wird, bezeichnet die Bitte an Gott. Es wird nicht verwendet, wenn es um eine Bitte geht, die ein Mensch an einen anderen Menschen richtet, um etwas vom Nächsten zu erhalten. Die Weisheit und Klugheit, von der im Weisheitsbuch gesprochen wird, muss also von Gott erbeten werden. Damit ist ausgesprochen: Diese Art Weisheit und Klugheit können Menschen nicht verleihen. Menschen können Wissen vermitteln, kluge Ratschläge erteilen, Zusammenhänge aufdecken, positive oder negative Folgen eines Verhaltens aufweisen und damit vor diesem warnen oder zu jenem ermutigen. Aber Weisheit und Einsicht, die aus dem Geist zu uns kommen, sind von einer anderen, einer höheren Qualität als Menschen sie gewähren können.
Einsicht und Weisheit, die uns aus Gott zufließen, ermöglichen uns, innerlich souveräner zu werden, ein großes Stück von der absoluten Unabhängigkeit Gottes in unser eigenes Wesen zu übernehmen. Je mehr uns der Geist der Weisheit ergreift, umso fähiger werden wir, Zepter und Thron, Ansehen, Macht, Reichtum und Einfluss aufzugeben, ohne ihnen nachzutrauern.
Denken wir an einen Franz von Assisi, an eine Elisabeth von Thüringen, an einen Alfons von Liguori aus Neapel, die Reichtum, Thron, glänzende Karriere aufgeben, um sich den Armen und Vernachlässigten zuzuwenden. Sie konnten so sehr auf das Streben nach Reichtum und Ansehen verzichten, als sei - wie es in der Lesung heißt - Gold gelber Sand und Silbergeld wie Lehm in ihrer Hand. Bei der Abwendung von weltlichem Reichtum und weltlichem Glanz erfasste sie nicht Trauer, sondern Freude und Glück. Die Weisheit aus dem Geist adelt den Menschen innerlich. Sie sucht ihn fähig zu machen, die inneren Reichtümer anzustreben.
Dabei sei deutlich erwähnt: Der Verfasser des Weisheitsbuches beurteilt Herrschaft und Macht, Ansehen und Reichtum niemals grundsätzlich negativ. Der innerlich souveräne Mensch wird sie nutzen, aber dabei Herr seiner selbst bleiben. In seinem Herzen ist er so stark, so frei und überlegen, dass er sich von allem trennen kann, was ihn hindert, sich dem zuzuwenden, was uns Menschen innerlich wertvoller macht.
Die von Gott geschenkte Weisheit will und soll uns fähiger machen, in das Wesen Gottes hinein zu wachsen. Als Beispiele habe ich große Name genannt: Franzikus, Elisabeth, Alfons. Sie haben in einem bewunderungswürdigem Maß aus der Kraft und Weisheit des Himmels gelebt. Mit ihnen können wir uns wahrscheinlich nicht messen. Aber wenn wir geduldig und beharrlich um den Geist der Weisheit bitten, wie es uns das Buch der Weisheit nahe legt, wird auch in uns ein inneres Wachsen einsetzen, werden auch wir Kräfte entwickeln, die uns souverän werden lassen.
Wenn wir auf unser Leben zurückschauen, werden wir sicher Situationen und Begebenheiten entdecken, wo wir um der inneren Werte willen uns früher schon verschiedentlich von dem trennten, was uns abgehalten hätte, menschlicher zu werden, Gott und seinem Wesen näher zu kommen. Wir müssen dieses Ziel und dieses Anliegen nur lebendig im Auge behalten.
Das ist gemeint, wenn der Verfasser des Weisheitsbuches sagt: Ich betete, ich flehte. Das Wachsen-Wollen, das Menschlicher-werden-wollen immer wieder als unser Anliegen an Gott herantragen, darauf kommt es an. Mit Gottes Gnade und Segen wird uns weit mehr gelingen als aus eigener Kraft.
Dieses Nicht-Vergessen, dieses immer-im-Auge-Behalten hat eine Familie einmal auf folgende Weise gelöst.
In gemeinsamer Absprache wurde für jeden in der Familie ein Taschengeldbetrag vereinbart: für die Kinder wie für die Eltern. Für dieses Geld sollte sich jeder kaufen dürfen, worauf er Lust und woran er Freude hätte. Gleichzeitig kam man überein, als Christen nicht nur an sich zu denken. Jeder sollte in der Freude darüber, dass man sich etwas hatte gönnen können, anschließend - aus sich heraus - einen Betrag vom Taschengeld in eine gemeinsame Sparbüchse stecken. Das zusammengetragene Geld wollte man dann an Arme weiterleiten.
Diese Spardose, die sichtbar im Regal stand, erinnerte Tag für Tag neu daran, nicht auf das Wachsen im Menschsein zu vergessen. Sie vermittelte die Erfahrung: Wir können oft locker und leicht sehr viel Gutes tun. Wir müssen nur daran denken und es im Blick behalten. - Andere haben zwar keine Spardose aufgestellt, aber sie versuchen das Gleiche z.B. mit einem Spruchkalender, der sie an Bestimmtes erinnert, oder mit einem Bild, das sie so aufhängen, das es ihnen immer wieder in die Augen fällt.
Die Dose zu leeren war in der Familie immer eine spannende Sache. Ihr Inhalt wurde mit Freude weiter gegeben. Und wenn es auch niemand aussprach, alle waren stolz auf die Idee mit der Sparbüchse. Sie blieb im Regal und diente ihrem Zweck, bis das letzte Kind das Haus verlassen hatte.
Um das Wachsen im Guten, ums Wachsen als Mensch, der in seinem Wesen mehr und mehr Abbild Gottes wird, geht es im Weisheitsbuch. Der Verfasser behauptet: Dies ist möglich. Allerdings muss man mit Gott immer neu ins Gespräch eintreten; das ist mit "beten" gemeint. Gott wird uns dabei mehr und mehr befähigen, mit seinen Augen zu sehen, in seinen Gedanken zu denken, mit seinem Herzen zu entscheiden. Er wird uns frei und stark machen, frohen Herzens und ohne Trauer das aufzugeben, was uns hindert, ihm entgegen zu wachsen und Züge seines Wesens zu den unseren zu machen.
Herr, unser Gott,
deine Gnade komme uns zuvor und begleite uns,
damit wir dein Wort im Herzen bewahren
und immer bereit sind, das Gute zu tun.
Darum bitten wir durch Jesus Christus.
MB 28. Sonntag im Jahreskreis
Herr, unser Gott,
wir danken dir
für das Geschenk dieser Zusammenkunft.
Sie hält in uns lebendig,
was wir allein vergessen und verlieren würden.
Zeig uns heute neu den Sinn unseres Lebens.
Festige unsere Gemeinschaft mit dir
und miteinander.
Schenk uns den Geist deines Sohnes,
unseres Herrn Jesus Christus,
der in der Einheit des Heiligen Geistes
mit dir lebt und Leben schenkt in alle Ewigkeit.
Amen.
MB Auswahl 20
Herr und Gott,
nimm die Gebete und Opfergaben
deiner Gläubigen an.
Lass uns diese heilige Feier
mit ganzer Hingabe begehen,
damit wir einst das Leben
in der Herrlichkeit des Himmels erlangen.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
MB 28. Sonntag im Jahreskreis
Herr, unser Gott,
die Gaben, die wir bereitet haben,
sind Zeichen unserer Hingabe an dich.
Darum bitten wir:
Wie Brot und Wein in der Kraft des Geistes geheiligt werden,
so heilige auch uns selbst immer mehr
nach dem Bilde unseres Herrn Jesus Christus,
der mit dir lebt und Leben schenkt in alle Ewigkeit.
MB Auswahl 6
Kehrvers
Dir sei Preis und Dank und Ehre.
(GL 670,8)
Guter Gott,
wir haben allen Grund dir zu danken.
In Weisheit hast du die ganze Welt ins Dasein gerufen
und sie mit einer Ordnung ausgestattet,
die uns immer neu staunen lässt.
Kehrvers
Deine Gebote ordnen unser Leben,
sie schaffen Frieden und Gerechtigkeit
und führen uns zu ewigem Leben.
Kehrvers
Du gibst uns, deinen Geschöpfen, Anteil an deiner Weisheit,
schenkst Klugheit und Einsicht,
die kostbarer sind als Gold oder Silber,
und die Gesundheit und Schönheit an Wert übersteigen.
Kehrvers
Du sendest dein Wort aus.
Dein Wort ist Wahrheit und Weisheit,
lebendig und kraftvoll durchdringt es Seele und Geist.
Kehrvers
In Jesus hast Du allen, die ihm nachfolgen,
Anteil am Erbe und Reichtum der Kinder Gottes gegeben.
Darum preisen und danken wir dir
und bringen wir dir mit der ganzen Schöpfung unseren Lobpreis dar:
Danklied, z. B. Dank sei dir Vater für das ewge Leben (GL 484)
Wir danken dir, treuer und barmherziger Vater,
für Jesus, deinen Sohn unseren Herrn und Bruder.
Seine Liebe galt den Armen und Kranken,
den Ausgestoßenen und Sündern.
An keiner Not ging er vorüber.
Sein Leben und seine Botschaft lehren uns,
daß du ein Gott bist, der sich der Menschen annimmt
wie ein Vater sich um seine Kinder sorgt.
Darum loben und preisen wir dich,
wir rühmen deine Güte und Treue
und verkünden mit allen Engeln und Heiligen
das Lob deiner Herrlichkeit:
Heilig...
Präfation aus dem Schweizer Hochgebet 3
Allmächtiger Gott,
in der heiligen Opferfeier
nährst du deine Gläubigen
mit dem Leib und dem Blut deines Sohnes.
Gib uns durch dieses Sakrament
auch Anteil am göttlichen Leben.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
MB 28. Sonntag im Jahreskreis
MB Samstag der 5. Woche der Fastenzeit
Gütiger Gott,
die heilige Speise, die wir empfangen haben,
durchdringe uns mit ihrer Kraft.
Sie vertiefe unseren Glauben,
mache stark unsere Hoffnung
und entzünde unsere Herzen zu Werken der Liebe.
Lass das göttliche Leben, das du uns geschenkt hast,
sich entfalten und Frucht bringen für das ewige Leben.
Darum bitten wir…
MB Schlussgebete zur Auswahl 10
Der Camino lehrt, mit wie wenig man seinen Weg über Wochen machen kann. Die täglichen Bedürfnisse schmelzen dahin, das notwendige Gepäck liegt unterhalb von 10 KG! Hat ein Pilger sich von diesem Ballast befreit, ist er innerlich frei und offen für die Berichte und Erlebnisse anderer Pilger sowie für Gedanken und Empfindungen. Letztlich ist diese Grundeinstellung die Voraussetzung für die Begegnung mit Gott.
Was "bringt" der Camino?
Der Camino "bringt" letztlich das, was man bereit ist, zu erwarten. Für Pilger bedeutet dies, als erstes durch die Akzeptanz des minimalisierten täglichen Bedarfs eine Konstellation von Freiheit erreichen zu können, die man auch praktische Bedürfnislosigkeit nennen kann. Diese ist Voraussetzung für Offenheit, für Staunen und Verwunderung, die der Anfang allen Erkennens sind. Damit stellt sich auch eine Form der Demut ein, die ein Mensch direkt kaum anstreben kann.
Hans Jürgen Arens
Wer wäre nicht gern der reichste Mensch der Welt? Microsoft-Mitbegründer Bill Gates jedenfalls ist es - aber möchte es nicht sein. Er finde nichts Gutes daran, sagt er...
4. 5. 2006 kaz/AP/Reuters

Seit 1. Fastensonntag 1996 veröffentlicht ein Team von Priestern, Diakonen, Ordensleuten und pastoral engegierter Laien
spirituelle Impulse, Bibeltexte mit Erklärungen, Gebete für Gottesdienstfeiern und Denkanstöße für jeden Sonn- und Feiertag des Kirchenjahres.
Verbesserte Suchfunktionen - Neue Exportfunktionen
Ab 1. Adventsonntag: Vorschläge für Wort-Gottes-Feiern
Schneller am Ziel
Die Unterseiten des Predigtforums kann man auch mit einer Kurzadresse erreichen:
Ihre Spende ermöglicht uns die Weiterführung und Weiterentwicklung des Predigtforums.
Im vorliegenden Text zeigt Salomo auf, dass ihm nur durch das Gebet die Klugheit verliehen wurde: vgl. Weish 8,21 - 9,19 und 1Kön 3,6-9.
Der Verfasser, ein auf seinen Glauben stolzer Jude, preist die Schönheit der Natur und kommt aus einem hellenistischen Umfeld. Er wendet sich tröstend und mahnend an seine verfolgten Glaubensbrüder - und drohend-warnend an ihre Verfolger.
Das Buch der Weisheit führt bis an die Schwelle des Neuen Testamentes heran. Der Apostel Paulus spielt vor allem im Römerbrief des öfteren an Texte dieses Buches an.
In der Perikope zum heutigen Sonntag bittet der Verfasser darum, gemäß der Weisheit denken und lehren zu können. Nur durch das Gebet kann Salomo, der fiktive Autor, die Weisheit als Geschenk Gottes erhalten. Er weiß Macht und Reichtum, Gesundheit und Schönheit zu schätzen; aber das alles hat keinen Wert ohne die Weisheit. Sie allein hat Bestand. Die Sonne scheint nur am Tag, die Weisheit hingegen leuchtet auch über den Tod hinaus.