Lesung aus dem Brief des Apostels Paulus
an die Gemeinde in Ephesus:
Gepriesen sei Gott,
der Gott und Vater unseres Herrn Jesus Christus.
Er hat uns mit allem Segen seines Geistes gesegnet
durch unsere Gemeinschaft mit Christus im Himmel.
Denn in ihm hat er uns erwählt vor der Grundlegung der Welt,
damit wir heilig und untadelig leben vor ihm.
Er hat uns aus Liebe im Voraus dazu bestimmt,
seine Söhne zu werden durch Jesus Christus
und zu ihm zu gelangen nach seinem gnädigen Willen,
zum Lob seiner herrlichen Gnade.
Er hat sie uns geschenkt in seinem geliebten Sohn.
In ihm haben wir die Erlösung durch sein Blut,
die Vergebung der Sünden
nach dem Reichtum seiner Gnade.
Durch sie hat er uns reich beschenkt,
in aller Weisheit und Einsicht,
er hat uns das Geheimnis seines Willens kundgetan,
wie er es gnädig im Voraus bestimmt hat in ihm.
Er hat beschlossen,
die Fülle der Zeiten heraufzuführen,
das All in Christus als dem Haupt zusammenzufassen,
was im Himmel und auf Erden ist, in ihm.
In ihm sind wir auch als Erben vorherbestimmt
nach dem Plan dessen, der alles so bewirkt,
wie er es in seinem Willen beschließt;
wir sind zum Lob seiner Herrlichkeit bestimmt,
die wir schon früher in Christus gehofft haben.
(Lektionar 2018 ff. © 2024 staeko.net)
In dem Buch "Ich hörte auf die Stille" zeichnet Henry Nouwen mit wenigen Strichen ein Porträt von Maria, das uns gerade am Beginn des Advents Maria nahe bringen kann. "Sie ist diejenige, in der das Harren Israels am vollkommensten und reinsten offenbar geworden ist.
Sie ist die Erwählte aus dem Rest Israels, dem Gott seine Gnade erweist und an dem er seine Verheißungen erfüllt.
Sie ist die treue Magd, die geglaubt hat, dass in Erfüllung gehen wird, was ihr vom Herrn verheißen worden ist
Sie ist die demütige Magd, die gehorsame Dienerin, die stille Kontemplative.
Sie ist am besten bereitet, den Herrn zu empfangen." Dieser Text stellt Maria dar als Mitglied des Volkes Israel. Maria ist eine der alttestamentlichen Gestalten, die auf ihren Erlöser warten. Die Kindheitsgeschichte Jesu bei Lukas schildert uns eine Reihe solcher Gestalten. Maria ist eine Frau, die voll Sehnsucht wartet. In ihr wird das Harren Israels am reinsten offenbar.
Maria ist die Erwählte. In ehrfurchtsvoller Weise erzählt das heutige Evangelium von dieser Erwählung, die zunächst Maria nicht begreifen kann: "Fürchte dich nicht, Maria; denn du hast bei Gott Gnade gefunden. Du wirst ein Kind empfangen, einen Sohn wirst du gebären: dem sollst du den Namen Jesus geben."
Durch Maria will Gott dem Volke Israel Gnade erweisen. Und Maria ist diejenige, die glaubt, dass die Verheißungen Gottes in Erfüllung gehen
Maria ist aber auch die demütige Magd, die gehorsame Dienerin. Sie lässt sich von Gott in Dienst nehmen: "Da sagte Maria: Ich bin die Magd des Herrn, mir geschehe, wie du es gesagt hast".
Maria - ohne Erbsünde empfangen - ist am besten bereitet, den Herrn zu empfangen.
Frei von jeglicher Schuld kann Maria voll Sehnsucht das Kommen des Herrn erwarten, zu ihrer Erwählung Ja sagen und sich von Gott in Dienst nehmen lassen.
In den Texten der heutigen Liturgie zeigt sich die einmalige und einzigartige Stellung Marias im Heilsplan Gottes. Andererseits wird uns Maria auch als Vorbild hingestellt.
In den Tagen des Advents soll in uns die Sehnsucht nach dem Kommen Gottes auch in unserer Zeit wachsen. Viele Texte der adventlichen Liturgie wollen diese Sehnsucht wecken. Wir sollen uns erneut der Erwählung bewusst werden, von der der Apostel Paulus im Brief an die Epheser spricht: "Denn in ihm hat er uns erwählt vor der Erschaffung der Welt, damit wir heilig und untadelig leben vor Gott; er hat uns aus Liebe dazu bestimmt, seine Söhne zu werden durch Jesus Christus und zu ihm zugelangen nach seinem gnädigen Willen, zum Lob seiner herrlichen Gnade". Wie Maria an die Erwählung geglaubt hat, sollen auch wir an unsere Erwählung glauben. vNach dem Vorbild Marias sollen auch wir uns in Dienst nehmen lassen, damit Gottes Reich und Heil in unsere Welt kommen kann. Auf diese Weise können auch wir bereit werden, den Herrn zu empfangen.
Dieses Evangelium hören wir in diesem Kirchenjahr mehrmals: heute am 8.Dezember, dann wieder am vierten Adventsonntag und zu Maria Verkündigung am 25. März. Dass diese Texte kaum den eigentlichen Inhalt des Festes berühren, dürfte hinlänglich bekannt sein, weil die Aussagen der Heiligen Schrift über die Gottesmutter spärlich gehalten sind. Gefeiert werden genau genommen die Eltern Mariens, Joachim und Anna, die in den Heilsplan miteinbezogen sind.
Das II. Vatikanum schlug deshalb vor, den heutigen Festtag "Erwählung Mariens" zu nennen, was sich aber nicht durchgesetzt hat.
Gott schickt seinen Engel, so lesen wir es im Evangelium, zu einem konkreten Menschen und hebt dadurch den Wert der Gottesmutter hervor. Maria ist begnadet, das heißt, sie erfährt Gottes liebende Zuwendung und mit ihr die gesamte Menschheit. Gott will aber nur dann kommen, wenn Maria zustimmt, bzw. wenn wir Menschen unser "Ja, ich glaube, ich vertraue dir" aussprechen. Gott nimmt die Würde des Menschen sehr ernst, weil er eine liebende Partnerschaft mit uns eingehen will.
Im Buch Genesis, vor allem im dritten Kapitel, wovon wir heute Ausschnitte hörten, werden wir mit einer Grenzüberschreitung konfrontiert. "Hast du von dem Baum gegessen, von dem zu essen ich dir verboten habe?" (Gen 3,11). Es geht um den Baum der Erkenntnis. Gemeint ist die Versuchung der Allwissenheit, die Sehnsucht nach Allwissenheit. Es geht um die Art der Erkenntnis.
Die Vernunft ist grundsätzlich wichtig und gut im medizinischen, naturwissenschaftlichen und gesellschaftlichen Bereich. Aber die letzten Zusammenhänge kosmischen Geschehens durchschauen zu wollen, darin liegt die Hybris. Auch das Gegenteil ist falsch: Ich schalte die Vernunft gar nicht ein, weil es zu mühsam ist, über Gott nachzudenken. Eine Balance zwischen den beiden Extremen zu finden, ist nicht einfach. Der Mensch lebt somit in Grenzen. Zuerst muss er erkennen, dass er "arm und nackt vor Gott ist".
Spannend dabei ist schon, dass Gott diese Grenzen im Laufe der Menschheitsgeschichte, aber auch im Lauf unseres Lebens ändert, erweitert, vielleicht sogar nach unserer Sichtweise wieder einschränkt.
Grenzen haben ihre eigene Bedeutung. Sie werden uns durch die Natur, durch die Zeitenabfolge von Tag und Nacht, durch unterschiedliche Begabungen und Kulturen gesetzt.
Eltern werden froh sein, wenn es im Park oder im Garten einen Zaun gibt, damit die Kleinen nicht entwischen, also ihre Grenzen überschreiten.
Jeder Mensch sucht nach einem abgegrenzten Lebensbereich, in dem er in Frieden und Harmonie leben kann. Das Paradies, der Garten, von dem gesprochen wird, ist ein Ort in uns, von dem wir erwarten, dass wir in Harmonie mit uns selber und mit Gott stehen. Davon berichtet auch die Genesisstelle. Gott überlässt den Menschen den Garten Eden, damit er innerhalb dieser Grenzen sein Glück finde. Es liegt aber im Menschen diese Grenzen durch seine Lebensgeschichte, durch die einzelnen Lebensphasen zu erweitern.
Oftmals überschreitet er sie durch Fehleinschätzungen, was seine körperlichen und / oder geistigen Kräfte oder wirtschaftliche Möglichkeiten betrifft. Gefährlich sind auch Illusionen von einer ständig heilen Welt, wie wir sie in den Begriffen "Arbeiterparadies", "Einkaufsparadies", "Steuerparadies", "Wellness" finden. Hier wird uns grenzenloses Glück, immerwährende Zufriedenheit, Harmonie vorgegaukelt. Durch Gurus und fragwürdige Werbung werden uns Sicherheiten eingeredet, die es so nicht gibt. Die Enttäuschungen und Rückschläge als Folgewirkung tun furchtbar weh. Umgekehrt wieder kann so mancher Misserfolg, der zunächst an schmerzliche Grenzen führt, auch Horizonterweiterung sein und Ausschau nach neuen Perspektiven geben.
So sagt uns die erste Lesung, dass Gott uns Grenzen zeigt, er sie aber gleichzeitig mit uns überschreitet. Grenzen überschreiten würde für unser heutiges Fest bedeuten, trotz aller Unsicherheiten im Leben ein Ja zum Heilsplan Gottes zu sagen. Maria hatte den Mut und das Vertrauen, sich auf dieses Wort bedingungslos einzulassen, ohne vertragliche Absicherung. Aber auch sie bleibt von Angst und Unsicherheit nicht verschont. Sie geht zu ihrer Verwandten Elisabeth, um im Gespräch Sicherheit für ihre Entscheidung zu erhalten. Das Ja Mariens ist bedeutungsvoll für unsere Welt- und Heilsgeschichte geworden. Die Zeugung Mirjams (Mariens) wird fortgesetzt in der Geburt Jesu.
So feiern wir heute schon in der Adventzeit, in der Erwartung auf den Herrn ein bisschen Weihnachten, angedeutet durch die liturgische Farbe weiß.
Mitten im Advent feiern wir ein Marienfest, das von seinem Inhalt her nicht direkt mit dem Advent zu tun hat, dennoch aber gut in die Vorweihnachtszeit hineinpasst: Das Fest der Erwählung Mariens, oder wie man es früher nannte: Das Fest der Unbefleckten Empfängnis Mariens. Es wird 9 Monate vor dem Fest Mariä Geburt gefeiert und hebt hervor, dass Gott Maria von allem Anfang an erwählt hat, die Mutter des Erlösers zu werden. Aus diesem Grund hat er sie aus allen menschlichen Verstrickungen in das Böse herausgehalten.
Das Fest kreist zwar um die Person Mariens, meint aber letztlich uns alle. Mit der Erwählung Mariens beginnt der Weg des Erlösers, beginnt unsere Erlösung. Wir haben Grund, unsere Freude über die Erwählung Mariens und über unsere Erlösung zum Ausdruck zu bringen.
Herr, Jesus Christus,
du hast durch deine Mutter Maria menschliche Gestalt angenommen.
Herr, erbarme dich.
Du hast Maria, deine Mutter, auch uns zur Mutter gegeben.
Christus, erbarme dich.
Du hast überwunden, was uns von Gott trennt.
Herr, erbarme dich.
Großer und heiliger Gott,
im Hinblick auf den Erlösertod Jesu Christi
hast du die selige Jungfrau Maria schon im ersten Augenblick ihres Daseins
vor jeder Sünde bewahrt, um deinem Sohn eine würdige Wohnung zu bereiten.
Höre auf ihre Fürsprache:
Mache uns frei von Sünden und erhalte uns in deiner Gnade,
damit wir mit reinem Herzen zu dir gelangen.
Darum bitten wir durch Jesus Christus.
MB Mariä Empfängnis
Herr, unser Gott,
in deiner Gnade
hast du die selige Jungfrau Maria auserwählt
und vor jeder Sünde bewahrt.
An ihrem Fest feiern wir das Opfer,
das alle Schuld der Menschen tilgt.
Befreie uns auf ihre Fürsprache
aus der Verstrickung in das Böse,
damit auch wir heilig und makellos vor dir stehen.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
MB Erwählung Mariens
Gott, du bist groß und unbegreiflich.
Nach deinem Willen
ist dein ewiges Wort durch Maria Mensch geworden.
Gläubig bekennen wir,
dass unser Erlöser wahrer Gott und Mensch ist.
Mache uns immer wieder würdig,
Anteil zu erhalten an seiner Verheißung.
Darum bitten wir durch ihn, Jesus Christus, unseren Herrn.
MB
Herr, unser Gott,
nimm unsere Gaben an
und erleuchte uns mit deinem Heiligen Geist,
damit wir nach dem Beispiel der seligen Jungfrau Maria
dein Wort in unserem Herzen erwägen und bewahren.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
MB Marienmessen in der Weihnachtszeit
(für Wortgottesdienstfeiern)
GL 404: Danket dem Herrn, er hat uns erhöht; Großes hat er an uns getan
mit dem Magnifikat
Gott, Vater im Himmel,
wir preisen dich für alles, was du geschaffen hast.
Wir preisen dich besonders für Maria,
die du zur Mutter deines Sohnes erwählt hast.
In ihrer Erwählung leuchtet deine Liebe zu uns Menschen auf.
Kehrvers
Gott Sohn, Erlöser der Welt,
wir danken dir, dass du Maria auch uns zur Mutter gegeben hast.
Sie hat das Wort Gottes gläubig gehört und angenommen
und zeigt uns, wie wir dir nachfolgen können.
Kehrvers
Gott, Heiliger Geist,
du hast Maria mit der Kraft des Höchsten überschattet.
So hat sie den Sohn Gottes zur Welt gebracht.
Auch uns erfüllst du mit Deiner Kraft,
damit wir Christus sichtbar machen in dieser Welt.
Kehrvers
Darum preisen wir Dich, Gott Vater, Sohn und Heiliger Geist
und singen wir dir mit allen Erlösten dein Lob:
Danklied, z. B. Den Herren will ich loben (GL 395)
In Wahrheit ist es würdig und recht,
dir, Vater im Himmel, zu danken
und das Werk deiner Liebe zu rühmen.
Denn du hast Maria vor der Erbschuld bewahrt,
du hast sie mit der Fülle der Gnade beschenkt,
da sie erwählt war,
die Mutter deines Sohnes zu werden.
In unversehrter Jungfräulichkeit
hat sie Christus geboren,
der als schuldloses Lamm
die Sünde der Welt hinwegnimmt.
Sie ist Urbild und Anfang der Kirche,
der makellosen Braut deines Sohnes.
Vor allen Heiligen ist sie ein Vorbild der Heiligkeit,
ihre Fürsprache erfleht uns deine Gnade
durch unseren Herrn Jesus Christus.
Durch ihn preisen dich Himmel und Erde,
Engel und Menschen und singen
wie aus einem Munde das Lob deiner Herrlichkeit:
Heilig ...
MB Mariä Empfängnis
Großes hat man von dir gesagt, Maria,
denn aus dir ging hervor die Sonne der Gerechtigkeit,
Christus, unser Gott.
Oder:
Maria sagte Ich bin die Magd des Herrn;
Mir geschehe, wie du es gesagt hast.
(Lk 1, 38)
Oder:
In Christus hat Gott uns erwählt vor der Erschaffung der Welt.
(vgl. Eph 1,4)
Oder:
Meine Seele preist die Größe des Herrn
und mein Geist jubelt über Gott, meinen Retter:
(Lk 1,46)
Herr und Gott,
das Sakrament, das wir empfangen haben,
heile in uns die Wunden jener Schuld,
vor der du die allerseligste Jungfrau Maria
vom ersten Augenblick ihres Daseins an
auf einzigartige Weise bewahrt hast.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
MB Erwählung Mariens
Menschenfreundlicher Gott,
in Freude haben wir
am Fest (Gedenktag) der seligen Jungfrau Maria
(beim Gedenken an die selige Jungfrau Maria)
den Leib und das Blut deines Sohnes empfangen,
der für uns Mensch geworden ist.
Lass uns durch diese geheimnisvollen Gaben
seiner Gottheit teilhaftig werden.
Darum bitten wir durch ihn, Christus, unseren Herrn.
MB Marienmessen in der Weihnachtszeit
Gott, der allmächtige Vater,
segne euch durch den Erlöser der Welt,
unseren Herrn Jesus Christus,
den Sohn der jungfräulichen Mutter Maria.
Sie hat den Urheber des Lebens geboren;
Ihre Fürsprache erwirke euch Gottes Hilfe.
Euch allen, die (heute) das Fest ihrer [_________] begehen,
[Euch und allen, die heute ihr Gedächtnis begehen]
schenke Gott die wahre Freude und den ewigen Lohn.
Das gewähre euch der
Der dreieinige Gott,
der Vater, der Sohn und der Hl. Geist.
MB Feierliche Schlusssegen von der seligen Jungfrau Maria
Nun bist du da, Kind,
kleines Wunder,
fühlst die Luft, hörst deinen Namen.
Sei willkommen unter uns!
Du zeigst dein Gesicht
und lässt uns vom Schöpfer ahnen.
Wir sind so froh, dass es dich gibt,
glücklich über dein Leben,
deine Stimme,
dein Mündchen, deine Augen.
Wir nehmen dich in unsern Arm,
vorerst so lange,
bis du deine Schritte selbst setzen wirst,
deine Kreise immer weiter werden,
hinein in deine Welt.
Gott gebe uns das Vermögen,
dich jahrelang
mit Klugheit und Liebe
zu begleiten,
bis du alleine gehen kannst.
Gott sei gedankt für deine Ankunft,
für dein Beginnen,
für den Anteil an Zukunft für uns
durch dich.
Aus: Iris Mandl-Schmidt, Schaff meinen Gedanken einen WEg. Gebete ins Konkrete. Matthias-Grünewald-Verlag, Main 2001.

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