Jeder, der schon einmal in einem Jugendlager war oder an einer mehrtägigen Wanderung teilgenommen hat, kennt diese Situation: Abends, wenn allmählich Ruhe einkehrt und man in einer Berghütte am Kamin oder auf dem Lagerplatz am Lagerfeuer sitzt, kommt oft eine Situation auf, in der Platz ist für sehr tiefgehende Gespräche. Es ist wohl diese Atmosphäre der Dunkelheit und der Stille, die den Raum schafft.
Eine ähnliche Situation haben wir im heutigen Evangelium. Nikodemus ist ein jüdischer Pharisäer, von denen anscheinend einige sehr an Jesus interessiert waren und ihm nicht feindlich gegenüber standen. Er sucht ihn eines Abends auf, um mit Jesus in eine tiefgehende Diskussion einzusteigen.
Ob das Setting der Situation wirklich so war oder nicht, spielt eine untergeordnete Rolle - wir können davon ausgehen, dass der Evangelist mit dieser Beschreibung der nächtlichen Situation eine ganz besondere Botschaft verband. Für solch eine nächtliche Gesprächsatmosphäre wie an einem Lagerfeuer haben nämlich die Heiligen Schriften sehr viel übrig und schreiben diesen Momenten ganz Besonderes zu. Im Psalm 134 etwa heißt es: "Preiset den Herrn, alle Diener des Herrn, die ihr in den Nächten im Hause des Herrn steht (Ps 134,1)." Oder bei Matthäus 10,27: "Was ich euch im Dunkeln sage, davon redet (später) am hellen Tag."
Damit ist also diese Situation zwischen Nikodemus und Jesus nicht einfach ein geselliger Anlass, ein netter Abend bei einem Glas Wein, sondern viel eher geradezu ein Offenbarungsmoment. Wir hören, wie Jesus Nikodemus einführt in das Geheimnis seines göttlichen Heilswirkens. Jesus zeigt ihm seinen Gott und kann darauf setzen, dass die Atmosphäre der Situation dabei wirkt. Solche Offenbarungssituationen haben in den Beschreibungen der biblischen Autoren immer etwas Geheimnisvoll-Mystisches an sich - denken wir doch etwa an die Verkündigung des 1. Fastensonntages: Im Nebel auf dem Berg Tabor offenbart Gott den Jüngern seinen geliebten Sohn. Und alle Beteiligten werden aus der Bahn geworfen, sind völlig verdattert.
Warum aber kommt es überhaupt zu diesem Gespräch und zu dieser Situation, was will Nikodemus? Sein Anliegen wird bei Johannes nicht so ganz klar. Wir hören wenige Verse vor unserem heutigen Evangelium, wie Nikodemus an jenem Abend Jesus anspricht und als Gelehrten anerkennt, worauf Jesus antwortet:
"'Amen, amen, ich sage dir: Wenn jemand nicht von neuem geboren wird, kann er das Reich Gottes nicht sehen.' Nikodemus entgegnete ihm: 'Wie kann ein Mensch, der schon alt ist, geboren werden? Er kann doch nicht in den Schoß seiner Mutter zurückkehren und ein zweites Mal geboren werden.' Jesus antwortete: 'Amen, amen, ich sage dir: Wenn jemand nicht aus Wasser und Geist geboren wird, kann er nicht in das Reich Gottes kommen.'" (Joh 3,3-5).
Sehr schwierige Worte. Nikodemus hört einfach zu. Und was Jesus dann weiter zu ihm sagt, hat etwas Eigenartiges an sich: Mitten in der Dunkelheit der Nacht spricht Jesus - so hörten wir - vom Licht, das die Menschen suchen sollen, an dem sie sich ausrichten sollen. Wie einst die Juden beim Zug durch die Wüste sich am Zeichen des Mose, an der Schlange, ausgerichtet haben.
Diese Worte Jesu sind für Nikodemus, den frommen Synagogengelehrten, eine Herausforderung. Denn: Er sitzt ja - ganz wörtlich - mit Jesus im Dunkeln. Er hört die Worte Jesu und er scheint diesen Worten zu glauben - sonst hätte er Jesus vermutlich umgehend verlassen. Aber Jesus lässt ihn auf seiner Gottsuche auch ein gutes Stück allein. Er gibt ihm Ideen mit, die Nikodemus zum Licht der Welt führen, aber wie er hinkommt, muss er selber zusehen. Dazu hören wir dann aber nicht, dass Nikodemus sich überfordert fühlt und gar aufbegehrt. Anscheinend gelingt das Vorgehen Jesu. Nikodemus lässt sich auf das Experiment ein, er lässt sich beschenken - ganz offen und vorurteilsfrei. Wie Paulus das im Brief an die Epheser beschrieben hat: "Aus Gnade seid ihr durch den Glauben gerettet, nicht aus eigener Kraft Gott hat es geschenkt.”
Zwei Dinge scheinen dabei geholfen zu haben, dass das Werk Jesu gelingt: eben die Atmosphäre, in der die zwei zusammen treffen, und die Beziehung zwischen den zweien. Beides scheint so zu sein, dass Jesus den Nikodemus fordern kann.
Das lässt aufhorchen: Der Glaube mit den vielen Aspekten, die ihn manchmal doch schwierig und anspruchsvoll machen, lässt sich anscheinend also überzeugend vermitteln, wenn die Beziehung zwischen Zeugen und Empfänger stimmt und Raum und Zeit gut sind. Dann gilt auch wohl der Umkehrschluss: Wenn Menschen, die die Botschaft Jesu verkünden wollen, sich zu ihrer Umwelt in keiner Beziehung halten können, ist ihr Tun für die Katz - da können sie noch so rechtgläubig sein. Wenn Glaubensverkündigung geschieht in einem Klima von Streit, Neid und Missgunst, dann kann die Botschaft noch so wahr sein - niemand wird sie hören wollen.
Immer wieder hören wir Stimmen, die von einer Verdunstung des Glaubens sprechen, die mit der scheinbaren Gottlosigkeit dieser Welt hart ins Gericht gehen. Jesus und Nikodemus weisen aber durch ihr Miteinander darauf hin, dass es vielleicht gar nicht so sehr um fehlenden Glauben geht, sondern vielmehr um eine mangelhafte Kommunikation der Botschaft. Der Geist Gottes wirkt. - Nur woran soll der Glaubende sich ausrichten? Die Juden hatten auf ihrem Weg durch die Wüste das Zeichen der Schlange des Mose, - Nikodemus findet im Gottessohn das Licht der Welt, das seine Dunkelheiten erleuchtet.
Und wir in unserer Zeit? Woran können sich Suchende heute ausrichten ? Ob die Botschaft Jesu vom Heil auch heute noch an die Ohren der Menschen dringt, kommt sehr darauf an, ob wir es schaffen, eine Atmosphäre des Heils und heilende Beziehungen zu gestalten. Das gilt für jede Großmutter, die ihrem Enkel von Gott erzählt, wie auch für die Vertreter des kirchlichen Lehramtes.
Herr, unser Gott,
du hast in deinem Sohn
die Menschheit auf wunderbare Weise mit dir versöhnt.
Gib deinem Volk einen hochherzigen Glauben,
damit es mit froher Hingabe dem Osterfest entgegeneilt.
Darum bitten wir durch Jesus Christus.
MB 4. Fastensonntag
Herr, unser Gott,
in der Freude auf das Osterfest
bringen wir unsere Gaben dar.
Hilf uns, gläubig und ehrfürchtig das Opfer zu feiern,
das der Welt Heilung schenkt und den Tod überwindet.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
MB 4. Fastensonntag
Kehrvers
Der Herr ist mein Licht und mein Heil. (GL 38,1)
Barmherziger Gott und Vater,
Wir treten vor dich, um dir Dank zu sagen.
Vom Beginn der Schöpfung an
ist dir am Heil aller Menschen gelegen.
Kehrvers
Das Volk, das du dir erwählt hast,
hast du zurückgeführt in das Land,
das du seinen Vätern gegeben hast
und ihm Freiheit und Lebensraum gegeben.
Kehrvers
Als die Zeit erfüllt war,
hast du deinen Sohn in die Welt gesandt,
damit die Welt durch ihn gerettet wird.
Jeder, der an ihn glaubt, hat in ihm das ewige Leben.
Kehrvers
Allen, die im Glauben an ihm festhalten,
hat er den überfließenden Reichtum seiner Gnade gezeigt
und einen Platz im Himmel gegeben.
Dafür danken wir dir und loben wir dich
mit allen Engeln und Heiligen.
Danklied, z. B. Dank sei dir, Vater, für das ewge Leben (GL 484)
In Wahrheit ist es würdig und recht,
dir, Herr, heiliger Vater,
allmächtiger, ewiger Gott,
immer und überall zu danken
durch unseren Herrn Jesus Christus.
Denn durch seine Menschwerdung
hat er das Menschengeschlecht
aus der Finsternis zum Licht des Glaubens geführt.
Wir sind als Knechte der Sünde geboren,
er aber macht uns zu deinen Kindern
durch die neue Geburt
aus dem Wasser der Taufe.
Darum preisen wir jetzt
und in Ewigkeit dein Erbarmen
und singen mit den Chören der Engel
das Lob deiner Herrlichkeit:
Heilig ...
MB Fastensonntag 4
Gott hat die Welt geliebt - so hörten wir es im Evangelium.
Wenn er uns liebt, wird er auch seine Antwort an uns kennen,
wenn wir zu ihm rufen:
Vater unser...
Einleitung zum Friedensgebet:
Herr, wenn unsere Taten in deinem Licht deutlich werden,
sprechen sie von unserem Wollen und von unserem Versagen.
In einer solchen Gewissheit bitten wir dich:
Schaue nicht auf unsere Sünden...
Allmächtiger Gott,
dein ewiges Wort ist das wahre Licht,
das jeden Menschen erleuchtet.
Heile die Blindheit unseres Herzens,
damit wir erkennen, was vor dir recht ist,
und dich aufrichtig lieben.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
MB 4. Fastensonntag
Es erfülle euch der Segen des Vaters,
der uns Leben in Fülle schenken will. Amen.
Es erfülle euch der Segen des Sohnes,
dessen Licht uns begleiten soll. Amen.
Es erfülle euch der Segen des Heiligen Geistes,
in dem wir spüren dürfen, wo wir Gott finden. Amen.
Und der Segen des allmächtigen Gottes,
des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes
begleite euch und den Alltag der neuen Woche. Amen.

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