Wir stehen im Ablauf der Festtage ziemlich genau in der Mitte zwischen dem Weihnachtsfest und dem Beginn des Neuen Jahres am 1. Jänner. Im Evangelium schildert uns der Evangelist Lukas heute die Darbringung Jesu im Tempel. Dabei kommt es zu einer Begegnung zwischen den Eltern mit ihrem Kind und zwei Menschen, von denen beiden gesagt wird, dass sie vom Heiligen Geist geführt sind. Hanna wird uns als hochbetagte Prophetin dargestellt und von Simeon steht zwar nicht ausdrücklich im Text, dass er ein alter Mann war, aber aus seinen ersten Worten, wo er sagt, »...nun lässt du, Herr, deinen Knecht, wie du gesagt hast, in Frieden scheiden« können wir annehmen. Und beiden Personen wird der Heilige Geist zugesprochen. Bei Simeon steht das ausdrücklich im Text und Hanna wird uns als Prophetin vorgestellt.
Die wahren Propheten sind in der Bibel nicht Menschen, die die Zukunft voraussagen - wie wir es in unserem Sprachgebrauch heute vielfach verstehen - sondern Propheten in der Bibel sind Menschen, die die Wahrheit Gottes verkünden. Und diese Wahrheit ist meist entgegen der allgemeinen Meinung oder, wie wir heute sagen würden, entgegen dem "mainstream". Daher sind wahre Propheten meist unbeliebt und müssen, ob dem Unverständnis der Menschen für die von ihnen zu verkündigende Wahrheit oft leiden. Ihr Schicksal ist nicht begehrenswert. Es ist immer leichter den anderen wie man so sagt »nach dem Maul« zu reden als unangenehme Wahrheiten beim Wort zu nennen.
Der Evangelist schildert uns in diesem Text die Begegnung zwischen einem Säugling und zwei alten Menschen, zwischen dem Kind in der Krippe, dessen Geburt wir vor wenigen Tagen gefeiert haben und zwei Menschen, die ihr irdisches Leben mehr oder weniger schon vollendet haben.
Auch bei unseren Feiern der letzten Tage standen wohl die Kinder im Mittelpunkt. Einerseits sind es die Kinder oder Enkeln, Urenkeln, Nichten und Neffen, die das »Christkind« am sehnlichsten erwartet haben und von ihm die Erfüllung ihrer geheimen Wünsche erhofft haben. Andererseits sind es aber auch unsere eigenen Kindheitserinnerungen, die unser eigenes Erleben des Festes ganz wesentlich beeinflussen und prägen. In jedem Neugeborenen, in jedem Kind, erleben wir ein Stück Hoffnung. Wir wünschen, dass es in eine bessere Welt hineingeboren ist, als wir sie erlebt haben. Und genauso geht es uns selbst auch am Jahreswechsel. Wir lassen das alte Jahr hinter uns und hoffen auf ein gutes Neues Jahr.
Der heutige Text der Frohbotschaft ist so ein Text des Übergangs. Die Kirche und mit ihr die Priester und auch Laien, die voll bewusst mit der Kirche das Brevier oder Stundengebet beten, beten diesen Text täglich als Abendgebet. Sie beten ihn am Ende des Tages, wenn sie ihren Tag Revue passieren lassen und sich der Ruhe der Nacht übereignen. Und jedes sich dem Schlaf überlassen, ist ja wie ein kleiner Tod. Deshalb haben die Menschen im Mittelalter aus Angst, unvorbereitet zu sterben, oft im Sitzen geschlafen. Im Schlaf ist unser Bewusstsein eingeschränkt und wir sind nicht mehr Herr all dessen, was da passiert.
Der Text schließt mit der Verkündigung des Heils an die Verkündigung der Engel bei der Geburt Jesu an und führt uns in eine Situation der Entscheidung, die wir täglich auf uns nehmen müssen. Denn der Evangelist Lukas begleitet seine Gemeinde, also die ersten Christen bzw. eben die Judenchristen, die sie zur Zeit der Abfassung des Evangeliums noch waren, in ihre Glaubensentscheidung hinein. Sie müssen sich entscheiden, ob sie glauben, dass in Jesus wirklich Gott Mensch geworden ist, ob sie glauben, dass dieser Mensch durch seinen Tod und seine Auferstehung uns mit Gott versöhnt hat und so unser Retter geworden ist, ob von Gott alle Rettung kommt.
Damit sind wir aber schon in der harten Realität der Weihnachtsbotschaft. Denn auch uns stellt der Evangelist diese Frage. Auch wir müssen uns tagtäglich neu entscheiden, ob wir auf unser eigenes Können vertrauen oder im Lauf eines mehr oder weniger langen Lebens gelernt haben, dass unsere einzige, wahrhafte und wirkliche Zuversicht und Hoffnung auf einen guten Ausgang unseres menschlichen Tuns, ja unseres ganzen Lebens nur in Gott liegt.
Wenn wir auch unseren Kindern noch so wünschen, dass das Christkind ihnen alle Wünsche im Leben erfüllt, so wissen wir auch, dass wir es nicht für sie im Leben »machen« können, und dass sie selbst vieles in ihrem Leben nicht »machen« können. Es muss ihnen geschenkt werden. Und schenken kann es letztlich nur einer, eben der, der uns das Christkind, Jesus Christus, Jesus, den Gesalbten, unseren Retter und Erlöser geschenkt hat. Für ihn müssen uns immer wieder jeden Tag neu entscheiden.
Der erzählerische an Maria gerichtet Einschub in diesem Text, nämlich "Dir selbst aber wird ein Schwert durch die Seele dringen", ist ein Hinweis auf die Entscheidung, unter der Maria und unter der wir jeden Tag neu stehen. Manche Exegeten sehen nämlich nicht so sehr in dieser Aussage die Voraussage der Schmerzen Mariens - wie wir sie aus der Darstellung der Mater dolorosa, der Schmerzensmutter, mit den sieben Schwertern, die ihr Herz durchdringen, kennen - sondern sie sehen in dem Schwert, das Schwert der Entscheidung. Es ist wie die Krise bei einer Erkrankung. Die Krise kann der Patient überleben oder daran sterben. Beides ist in diesem Zustand prinzipiell möglich. Es ist nicht nur die ärztliche Kunst, die den Kranken heilt. Der Arzt kann probate Mittel empfehlen, aber gesund werden muss der Patient selbst, sein Lebenswille trägt viel dazu bei.
Und so ist es auch bei den vielen einzelnen Entscheidungen, die uns jeden Tag abverlangt werden. Wir haben die Freiheit geschenkt bekommen, uns so oder anders zu entscheiden. Es liegt an uns, Gott und die von ihm uns geschenkten Gnaden wie die Gottesmutter anzunehmen oder die Annahme zu verweigern und eigene Wege zu gehen. Und es wird auch so sein, dass es immer wieder Situationen in unserem Leben gibt, wo wir abends beim Überdenken des Tages uns dann eingestehen müssen, das oder jenes ist nicht gut gelaufen, das oder jenes war wohl nicht der Wille Gottes für meine Lebenssituation, da bin ich etwas schuldig geblieben. Dann tut es gut zu wissen, dass uns Gott in seinem Sohn den Retter gesandt hat, das Kind in der Krippe, »das Heil«, das Simeon gesehen und verkündet hat, das Gott allen Völkern bereitet hat und so auch uns.
Nach diesem Lobpreis des Simeon betet die Kirche in ihrem Abendgebet voll Vertrauen auf den Schutz und das Heil, das sie allein von Gott zu erwarten hat: "Sei unser Heil, o Herr, wenn wir wachen, und unser Schutz, wenn wir schlafen; damit wir wachen mit Christus und ruhen in seinem Frieden."
Herr, unser Gott,
in der Heiligen Familie hast du uns ein leuchtendes Vorbild geschenkt.
Gib unseren Familien die Gnade,
daß auch sie in Frömmigkeit und Eintracht leben
und einander in der Liebe verbunden bleiben.
Führe uns alle zur ewigen Gemeinschaft in deinem Vaterhaus.
Darum bitten wir durch Jesus Christus.
MB Heilige Familie
Herr, unser Gott,
am Fest der Heiligen Familie
bringen wir das Opfer der Versöhnung dar.
Höre auf die Fürsprache
der jungfräulichen Gottesmutter
und des heiligen Josef.
Erhalte unsere Familien in deiner Gnade
und in deinem Frieden.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
MB Heilige Familie
(für Wortgottesfeiern)
Guter Gott,
wir haben allen Grund dir zu danken.
denn du hast uns durch Jesus, deinen Sohn,
der das Leben mit uns geteilt hat, geheiligt.
Alle: Dir sei Dank und Lob und Ehre!
Er ist Mensch geworden und hat Höhen und Tiefen
menschlichen Lebens erfahren.
Durch sein Leben in einer menschlichen Familie
hat er die Familie geheiligt.
Alle: Dir sei Dank und Lob und Ehre!
Durch sein heiliges Leben hast du auch uns zur Heiligkeit berufen.
Er gab uns die Macht, Kinder Gottes zu werden.
Seinetwegen hast du uns als deine Töchter und Söhne angenommen.
Alle: Dir sei Dank und Lob und Ehre!
Er hat uns vorgelebt, wie auch wir heilig und untadelig vor dir leben können,
wie wir einander in Liebe begegnen, einander verzeihen
und miteinander in deiner Gnade leben können.
Alle: Dir sei Dank und Lob und Ehre!
Durch ihn gabst du uns jetzt schon Anteil am Frieden deines Reiches
und an der Fülle des Lebens, das du für deine Kinder bereit hältst.
Daher stimmen wir ein in den Lobgesang aller,
die in ihrer Heiligkeit bereits vollendet sind:
Danklied: z. B. GL 247: Lobt Gott, ihr Christen alle gleich
In Wahrheit ist es würdig und recht,
dir Herr, heiliger Vater,
allmächtiger, ewiger Gott,
immer und überall zu danken.
Denn Fleisch geworden ist das Wort,
und in diesem Geheimnis
erstrahlt dem Auge unseres Geistes
das neue Licht deiner Herrlichkeit.
In der sichtbaren Gestalt des Erlösers
läßt du uns den unsichtbaren Gott erkennen,
um in uns die Liebe zu entflammen
zu dem, was kein Auge geschaut hat.
Darum singen wir mit den Engeln und Erzengeln,
den Thronen und Mächten
und mit all den Scharen des himmlischen Heeres
den Hochgesang von deiner göttlichen Herrlichkeit:
Heilig ...
MB Weihnachten 1
In Wahrheit ist es würdig und recht,
dir, Vater im Himmel, zu danken
durch unseren Herrn Jesus Christus.
Denn groß ist das Geheimnis seiner Geburt,
heute ist er, der unsichtbare Gott,
sichtbar als Mensch erschienen.
Vor aller Zeit aus dir geboren,
hat er sich den Gesetzen der Zeit unterworfen.
In ihm ist alles neu geschaffen.
Er heilt die Wunden der ganzen Schöpfung,
richtet auf, was darniederliegt,
und ruft den verlorenen Menschen
ins Reich deines Friedens.
Darum rühmen dich Himmel und Erde,
Engel und Menschen
singen das Lob deiner Herrlichkeit:
Heilig ...
MB Weihnachten 2
In Wahrheit ist es würdig und recht,
dir, allmächtiger Vater, zu danken
und dein Erbarmen zu rühmen
durch unseren Herrn Jesus Christus.
Durch ihn schaffst du den Menschen neu
und schenkst ihm ewige Ehre.
Denn einen wunderbaren Tausch hast du vollzogen:
dein göttliches Wort wurde ein sterblicher Mensch,
und wir sterbliche Menschen
empfangen in Christus dein göttliches Leben.
Darum preisen wir dich mit allen Chören der Engel
und singen vereint mit ihnen
das Lob deiner Herrlichkeit:
Heilig ...
MB Weihnachten 3
Gott, unser Vater,
du hast uns mit dem Brot des Himmels gestärkt.
Bleibe bei uns mit deiner Gnade,
damit wir das Vorbild der Heiligen Familie nachahmen
und nach der Mühsal dieses Lebens
in ihrer Gemeinschaft das Erbe erlangen,
das du deinen Kindern bereitet hast.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
MB Fest der Heiligen Familie
Guter Gott,
nicht nur in Gottesdiensten sind wir Christinnen und Christen,
sondern im alltäglichen Leben, im alltäglichen Miteinander,
im Verzeihen,
wenn wir zueinander JA sagen,
wenn wir gemeinsam Schweres durchstehen,
wenn wir treu sind.
Segne uns dazu. - Amen.
Gott, du weißt, warum er mir das angetan hat.
Warum hat er mich so behandelt?
Warum hat er mich so tiefst verletzt?
Er weiß doch genau, wie ich mich jetzt fühle.
Ich kann an gar nichts anderes mehr denken.
Ich bin zutiefst traurig und enttäuscht.
Und ich dachte immer,
wir wären durch so etwas wie
Freundschaft verbunden.
Das schlimmste ist, dass sich meine
Trauer und Enttäuschung
auch auf meine Mitmenschen auswirkt.
Gott, du bist ein Gott der Liebe und des Friedens.
Hilf uns beide, dass wir wieder
aufeinander zugehen und miteinander reden,
dass wir wieder in Frieden und
Freundschaft miteinander umgehen können.
Zeige uns den Weg zu einem neuen Miteinander.
Du weißt, es liegt mir wirklich sehr viel daran.
Margarita Gröting (*1966) in: Gotteslob Nr. 16, 2
Gott und Vater,
du hast den Frieden in unserer Familie gewahrt
oder uns immer wieder neu geschenkt.
Wir danken dir.
Behüte uns und hilf, uns gegenseitig in Liebe
zu tragen und zu ertragen.
Gib uns den guten Willen zur Versöhnung
nach jedem Streit
und die Kraft zu einer ehrlichen Aussprache
bei Zwistigkeiten.
Schenke uns Verständnis füreinander.
Schütze auch unsere Lieben,
die nicht gesund sind,
denen wir im Geist und bei allzu seltenen
Begegnungen verbunden sind.
Gib unserer Familie auch die Kraft,
sich nicht denen zu verschließen,
die unsere Nähe und unsere Hilfe brauchen.
Du liebst alle Menschen,
dich wollen wir lieben in unseren Nächsten.
Bleibe bei uns. Amen.
Aus: Gebete für das ganze Leben, St. Benno Verlag Leipzig 2004.
Und eine Frau, die einen Säugling an ihre Brust drückte, sagte: Sprich zu uns von den Kindern.
Und er sagte:
Eure Kinder sind nicht eure Kinder.
Sie sind die Söhne und Töchter der Sehnsucht des Lebens nach sich selbst.
Sie kommen durch euch, doch nicht aus euch.
Und sind sie auch bei euch, gehören sie euch doch nicht.
Ihr dürft ihnen eure Liebe geben, doch nicht eure Gedanken.
Denn sie haben ihre eigenen Gedanken.
Ihren Körpern dürft ihr eine Wohnstatt bereiten,
doch nicht ihren Seelen,
Denn ihre Seelen wohnen im Haus der Zukunft, und das bleibt euch verschlossen, selbst in euren Träumen.
Ihr dürft danach streben, ihnen ähnlich zu werden,
doch versucht nicht, sie euch ähnlich zu machen.
Denn das Leben schreitet nicht zurück, noch verweilt es beim Gestern.
Ihr seid die Bogen, von denen eure Kinder als lebendige Pfeile abgeschnellt werden.
Der Schütze sieht die Zielscheibe auf dem Pfad des Unendlichen, und Er beugt euch mit Macht, damit Seine Pfeile umso geschwinder und weiter fliegen.
Freut euch der Beugung, die euch die Hand des Bogenschützen aufzwingt,
denn so wie Er den flüchtigen Pfeil liebt, liebt er auch den verharrenden Bogen.
Aus: Khalil Gibran, Der Prophet, München, 2007 (8).
Eine amerikanische Studie zeigt auf, wie sehr der Druck, täglich frisch und gesund zu kochen, Müttern zusetzt. Und will zu Diskussionen über neue Wege anregen.
mehr...
http://diepresse.com/home/leben/mode/4618762 - abgerufen am 20.12.2014

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