Lesung aus dem Buch der Weisheit:
Welcher Mensch kann Gottes Plan erkennen
oder wer begreift, was der Herr will?
Unsicher sind die Überlegungen der Sterblichen
und einfältig unsere Gedanken;
denn ein vergänglicher Leib beschwert die Seele
und das irdische Zelt belastet den um vieles besorgten Verstand.
Wir erraten kaum, was auf der Erde vorgeht,
und finden nur mit Mühe, was auf der Hand liegt;
wer ergründet, was im Himmel ist?
Wer hat je deinen Plan erkannt,
wenn du ihm nicht Weisheit gegeben
und deinen heiligen Geist aus der Höhe gesandt hast?
So wurden die Pfade der Erdenbewohner gerade gemacht
und die Menschen lernten, was dir gefällt;
durch die Weisheit wurden sie gerettet.
(Lektionar 2018 ff. © 2024 staeko.net)
Kv: Herr, du bist uns Wohnung von Geschlecht zu Geschlecht. – Kv
Oder GL 50,1
Zum Staub zurückkehren lässt du den Menschen, *
du sprichst: Ihr Menschenkinder, kehrt zurück!
Denn tausend Jahre sind in deinen Augen wie der Tag,
der gestern vergangen ist, *
wie eine Wache in der Nacht. – (Kv)
Du raffst sie dahin, sie werden wie Schlafende. *
Sie gleichen dem Gras, das am Morgen wächst:
Am Morgen blüht es auf und wächst empor, *
am Abend wird es welk und verdorrt. – (Kv)
Unsere Tage zu zählen, lehre uns! *
Dann gewinnen wir ein weises Herz.
Kehre doch um, Herr! – Wie lange noch? *
Um deiner Knechte willen lass es dich reuen! – (Kv)
Sättige uns am Morgen mit deiner Huld! *
Dann wollen wir jubeln und uns freuen all unsre Tage.
Güte und Schönheit des Herrn, unseres Gottes, sei über uns! /
Lass gedeihen das Werk unsrer Hände, *
ja, das Werk unsrer Hände lass gedeihen! – Kv
Lesung aus dem Brief des Apostels Paulus an Philemon:
Lieber Bruder!
Ich, Paulus,
ein alter Mann, jetzt auch Gefangener Christi Jesu,
ich bitte dich für mein Kind Onésimus,
dem ich im Gefängnis zum Vater geworden bin.
Ich schicke ihn zu dir zurück,
ihn, das bedeutet mein Innerstes.
Ich wollte ihn bei mir behalten,
damit er mir an deiner Stelle dient
in den Fesseln des Evangeliums.
Aber ohne deine Zustimmung wollte ich nichts tun.
Deine gute Tat soll nicht erzwungen,
sondern freiwillig sein.
Denn vielleicht
wurde er deshalb eine Weile von dir getrennt,
damit du ihn für ewig zurückerhältst,
nicht mehr als Sklaven, sondern als weit mehr:
als geliebten Bruder.
Das ist er jedenfalls für mich,
um wie viel mehr dann für dich,
als Mensch und auch vor dem Herrn.
Wenn du also mit mir Gemeinschaft hast,
nimm ihn auf wie mich!
(Lektionar 2018 ff. © 2024 staeko.net)
Lesung aus dem Brief des Apostels Paulus an Philemon:
Lieber Bruder!
Ich, Paulus,
ein alter Mann, jetzt auch Gefangener Christi Jesu,
ich bitte dich für mein Kind Onésimus,
dem ich im Gefängnis zum Vater geworden bin.
Einst war er dir unnütz,
jetzt aber ist er dir und mir recht nützlich.
Ich schicke ihn zu dir zurück,
ihn, das bedeutet mein Innerstes.
Ich wollte ihn bei mir behalten,
damit er mir an deiner Stelle dient
in den Fesseln des Evangeliums.
Aber ohne deine Zustimmung wollte ich nichts tun.
Deine gute Tat soll nicht erzwungen,
sondern freiwillig sein.
Denn vielleicht
wurde er deshalb eine Weile von dir getrennt,
damit du ihn für ewig zurückerhältst,
nicht mehr als Sklaven, sondern als weit mehr:
als geliebten Bruder.
Das ist er jedenfalls für mich,
um wie viel mehr dann für dich,
als Mensch und auch vor dem Herrn.
Wenn du also mit mir Gemeinschaft hast,
nimm ihn auf wie mich!
Halleluja. Halleluja.
Lass dein Angesicht leuchten über deinem Knecht
und lehre mich deine Gesetze!
Halleluja.
Aus dem heiligen Evangelium nach Lukas.
In jener Zeit
begleiteten viele Menschen Jesus;
da wandte er sich an sie
und sagte: Wenn jemand zu mir kommt
und nicht Vater und Mutter,
Frau und Kinder, Brüder und Schwestern,
ja sogar sein Leben gering achtet,
dann kann er nicht mein Jünger sein.
Wer nicht sein Kreuz trägt und hinter mir hergeht,
der kann nicht mein Jünger sein.
Denn wenn einer von euch einen Turm bauen will,
setzt er sich dann nicht zuerst hin
und berechnet die Kosten,
ob seine Mittel für das ganze Vorhaben ausreichen?
Sonst könnte es geschehen,
dass er das Fundament gelegt hat,
dann aber den Bau nicht fertigstellen kann.
Und alle, die es sehen, würden ihn verspotten
und sagen: Der da hat einen Bau begonnen
und konnte ihn nicht zu Ende führen.
Oder wenn ein König gegen einen anderen in den Krieg zieht,
setzt er sich dann nicht zuerst hin
und überlegt, ob er sich mit seinen zehntausend Mann
dem entgegenstellen kann,
der mit zwanzigtausend gegen ihn anrückt?
Kann er es nicht,
dann schickt er eine Gesandtschaft,
solange der andere noch weit weg ist,
und bittet um Frieden.
Ebenso kann keiner von euch mein Jünger sein,
wenn er nicht auf seinen ganzen Besitz verzichtet.
(Lektionar 2018 ff. © 2024 staeko.net)
Die Perikope des heutigen Sonntags stammt aus dem Teil des Evangeliums, der auch der »Reisebericht« ("Auf seinem Weg nach Jerusalem zog er von Stadt zu Stadt und von Dorf zu Dorf und lehrte." (Lk 13,22)) genannt wird. Auf diesem Weg wird Jesus immer wieder mit Menschen konfrontiert, die er fasziniert und die ihm folgen wollen. An verschiedenen Beispielen und Situationen zeigt Jesus auf, was es dafür braucht. Heute heißt die Forderung: “Wer nicht sein Kreuz trägt und mir nachfolgt, der kann nicht mein Jünger sein. [...] Darum kann keiner von euch mein Jünger sein, wenn er nicht auf seinen ganzen Besitz verzichtet.”
Jesus ruft Menschen in seine Nachfolge. Er erwartet von ihnen aber, dass sie aus ihrem kleinen fein kalkulierten leben heraustreten und ihr Vertrauen ganz auf Gott setzen.
Darf ich heute überhaupt die Predigt halten? Mit diesem Evangelium? Ich bin ratlos. Mir liegt daran, mit allen Familienmitgliedern gute, nein, sehr gute Beziehungen zu unterhalten. Überhaupt mit allen Menschen. Manchmal ist das gar nicht so leicht. Kleine und große Geschichten stellen sich jetzt ein. Reich bin ich zwar auch nicht, aber von dem trennen, was ich mir erarbeitet habe, kann ich mich auch nicht. Es gibt soviele Dinge, die einfach nur schön sind. Kleine und große Erinnerungen stellen sich ein. Ich hatte Glück, doch nichts fiel mir in den Schoss. Dankbar möchte ich sein, aber was Lukas sich heute leistet, geht mir über Kopf und Herz. Soll ich fanatisch werden? Dumm? Hat es in der Geschichte alles gegeben! Ich denke mit Entsetzen daran. Alles aufgeben, sich von allem lösen, alles zurücklassen? Lukas, was machst du nur? Was soll ich machen?
Und Lukas? Lukas erzählt einfach zwei kleine Geschichten, Geschichten von zwei Menschen, die etwas planen, im Schilde führen, kalkulieren - und gewarnt werden, sich zu verrechnen, sich zu übernehmen, ihr Gesicht zu verlieren. Machen wir einmal die Äuglein auf!
Das Haus, der Turm da nebenan werden nicht fertig! Als Ruinen stehen sie in der Landschaft. Irgendwann wächst Gras aus den Steinen. Was passiert ist? Das Geld reichte nicht. Ob denn auch Gras über die Sache wächst? Wir bangen mit!
Dann: Ein genialer Plan wird ausgeheckt, ein Überfall geplant. Natürlich diskret. Der Überraschungscoup muss gelingen! Aber wenn die Ressourcen nicht reichen? Es an Material, Leuten und Gelegenheiten fehlt? Dann überschätzt sich jemand, womöglich ideologisch verblendet. Die Geschichtsbücher sind unbarmherzig. In ihnen wird nichts verziehen!
Wo so viel gesunder Menschenverstand ist, dass alle "ist doch klar" rufen, kann eigentlich nichts mehr schief laufen. Dass wir alles abwägen, behutsam in die Hand nehmen und nichts dem Zufall überlassen - das ist es! Wir fürchten den Spott, das Gerede, das verlorene Gesicht. Wir fürchten die Enttäuschung.
Lukas kann erzählen. Er ist ein Meister des Wortes und der Bilder. Siehst du, sagt er ganz beiläufig, ohne eine Mine zu verziehen, ich schreibe dir das Evangelium von dem fein kalkulierten Leben! Von der Kunst, von Anfang an alles auf ein Ziel auszurichten. Von dem Glück, unterwegs nicht steckenzubleiben.
Und ich fange an, etwas zu ahnen.
Ich ahne, dass es nicht so einfach ist, Jesus zu folgen, seinen Weg mitzugehen. Es muss wohl alles gut überlegt und geprüft sein. Sonst ist das Risiko, zu verlieren überaus groß, das Wagnis gar gefährlich. Was weiß ich eigentlich von Jesus? War er ein Heißsporn? Ein Draufgänger? Ein Wilder? Manchmal konnte, musste er sich vergessen! Er hat - sowas erzählt der Evangelist sogar - seiner Mutter gesagt: Frau, was hab' ich mit dir zu schaffen!! Das klang nicht nur hart, das war umstürzlerisch: Wer Gottes Willen erfüllt, der ist mir Mutter, Bruder und Schwester. Verwandschaftliche Beziehungen, Familie, gemeinsame Lebensgeschichten tragen ihn nicht mehr. Seine Liebe zu den Menschen ist zu groß, um in einer kleinem, engen, privaten Welt aufzugehen - oder unterzugehen.
Jesus ist seiner Sendung treu geblieben. Jesus hat Menschen aufgerichtet, nicht klein gemacht.
Jesus hat Menschen in seine Nachfolge gerufen, nicht abgeschreckt.
Er hat Gottes Reich in den schönsten Bildern ausgemalt, keine Angst geschürt.
Lukas erzählt in immer neuen Anläufen davon. Er begleitet Jesus sozusagen. Von seiner Kindheit bis zu seiner Kreuzigung.
Die kleine Maria stimmt ein grosses Lied an, das Magnificat. Lukas hat sich in dieses Lied verliebt, so sehr verliebt, dass er sein ganzes Evangelium in Marias Worten gesungen hört. Dann eilen in der Nacht Hirten, einfache Leute, zur Krippe. Engel haben ihnen den Weg gewiesen. Schließlich sind es einfache Fischer vom See Genezareth, die alles stehen und liegen lassen, um die ersten Jünger Jesu zu werden. Die Armen und Verlorenen liegen ihm besonders am Herzen. Er geht ihnen nach. Er spricht für sie. Mit den Mächtigen redet er Tacheles. Mit den frommen Eliten geht er ins Gericht. Die Welt wird nicht so bleiben wie sie ist - oder verhunzt wird. Das sagt er, das weiß er. Alle Dinge bekommen ein neues Gewicht, alle Menschen ein neues Gesicht. Überhaupt: Lukas erzählt ständig, dass der Geist Gottes der Strippenzieher ist in den vielen Geschichten, in denen die Liebe das Laufen lernt, Berge erklimmt und Menschen glücklich macht.
Jetzt merke ich, was aus einer Ahnung folgt! Ein Ziel, das grösser ist als mein eingespielter Alltag. Ein Glück, das weiter reicht als meine familiären Beziehungen und beruflichen Erfolge. Mit seinem Evangelium vom fein kalkulierten Leben bringt uns Lukas dazu, größere Erwartungen, Träume und Hoffnungen abzuwägen - und zu wagen. Dann kann ein Wunder geschehen. Das Wunder, daß über allen Bindungen und Abhängigkeiten hinaus andere Menschen wichtig werden. Dass mein kleiner Horizont weit wird. Dass meine Selbstzufriedenheit aufbricht. Es reicht schon lange nicht mehr, das Glück hinter verschlossenen Türen einzuigeln oder vor anderen zu schützen. Großartig, befremdlich und mutig hört Lukas Jesus sagen: Wenn jemand zu mir kommt und sieht nur seine Eltern, seinen Ehepartner, seine Kinder, seine Geschwister, dazu sich selbst - der kann nicht meine Jüngerin, mein Jünger sein.
Ob unsere Mittel reichen? Unser Glaube? Ich spüre die Angst, etwas, das mir wichtig ist, zu verlieren oder in den Sand zu setzen. Ich spüre die Angst, etwas anzufangen, aber nicht durchhalten zu können. Ich spüre auch die Angst, mit meinem Vertrauen zu stranden. Wie war das mit dem Haus, das nicht fertig wird? Mit dem Vorhaben, das in einer Flucht endet?
Im Evangelium vom fein kalkulierten Leben erzählt Lukas, dass uns so viel Liebe und so viel Geist geschenkt werden, dass wir aus unserer kleinen Welt herauswachsen. Mit den vielen Bindungen, Abhängigkeiten und Selbstverständlichkeiten. Viele andere Menschen sehnen sich danach, von uns gesehen, angenommen und verteidigt zu werden. Einige kenne ich aus der Nachbarschaft, einige sogar aus dem Fernsehen. Eine Welt, die klein geworden ist, beschert uns jeden Tag die Hoffnung auf die neue Welt, von der Jesus gesprochen hat, für die er uns zu beten lehrte: Dein Reich komme.
Das gibt uns den Mut, unser Leben neu zu kalkulieren. Das Haus, dass wir bauen, wird fertig - und was wir uns vornehmen, endet nicht in der Flucht.
Es ist doch gut, heute dieses Evangelium zu haben. Ich weiß, dass ich mich heute nicht verkalkuliere! Das ist doch wenigstens eine Predigt wert!
Und der Friede Gottes,
der höher ist als unsere Vernunft,
der bewahre unsere Herzen und Sinne
in Christus Jesus, unserem Herrn.
Mit markanten Vergleichen zeigt Jesu auf, dass echte Nachfolge konsequente Schritte braucht. Nichts soll uns in der Nachfolge Jesu behindern, weder verwandtschaftliche Beziehungen noch Gebundensein an Besitz. Dazu braucht es Entschlossenheit.
Im ersten Moment kann das heutige Evangelium regelrecht schockieren. Werden wir doch im vierten Gebot der Zehn Gebote eigens auf die Liebe zu den Eltern – und damit auch zu den weiteren Familienangehörigen – verpflichtet. Und nun fordert Jesus in seinem heutigen Auftreten dazu auf, alle menschlichen Bindungen hintan zu setzen oder gar aufzugeben, wo es um seine Nachfolge geht. Die Strenge und Schärfe in seinem Ton sind nicht mehr überbietbar. Stellt Jesus auf den Kopf, was bisher galt?
Nimmt man Jesu gesamtes Leben in den Blick, sein Mühen und Ringen um die Liebe zueinander, um Güte und Wohlwollen, dann wird deutlich: Jesu Aussagen können nicht negativ gemeint sein. Dass sie uns erst einmal aufschrecken, ist Jesus wahrscheinlich sogar willkommen. Denn wenn Glaube lebendig und konsequent gelebt werden soll, bedarf es der Wachsamkeit, die unser Denken und Handeln immer wieder einmal kontrolliert.
Im Vergleich mit anderen Aussagen Jesu über die Nachfolge und Liebe zueinander wird an dieser Stelle in besonderer Weise spürbar, zu welchem Ernst uns Jesus in seiner Nachfolge aufrufen will. Auf Jesu Worte und Anregungen hören, seinen Spuren folgen, sein Verhalten und Handeln übernehmen, das soll die oberste und entschiedenste Verpflichtung sein, die wir im Leben eingehen. Wo wir dies tun, wird sich die Liebe zum Nächsten und die Sorge um ihn erhöhen und nicht von ihm wegführen. Gerade lebendige Nachfolge erhöht ja das Band der Verbundenheit und die Liebe zueinander. Wovor Jesus warnen will, ist dort gegeben , wo Eltern, Geschwister, Verwandte, Freunde vom Weg lebendiger Nachfolge abzubringen versuchen – sei es gelegentlich oder in grundsätzlicher Art. Dort sollen wir uns nicht von ihnen beeinflussen oder bestimmen lassen. In diesen Fällen gilt es, zum eigenen Schutz das Band der Verbundenheit zu lockern, um uns nicht von ihnen abhalten oder beirren zu lassen.
Sich von konsequenter Nachfolge nicht abhalten lassen ist das eine. Damit es gelingt, bedarf es der Zurüstung. Darauf will Jesus verweisen mit seinem Beispiel vom Turmbau. Es gilt zu überlegen: Welche Eigenschaften muss jeder für sich erwerben, um seinen Glauben und das Leben aus ihm zu einem festen Turm werden zu lassen, der Stürmen des Alltags und Angriffen von außen Stand halten kann. Je nach Lebenssituation und Veranlagung wird die Zurüstung bei den Einzelnen in manchen Bereichen unterschiedlich ausfallen. Was allen gemeinsam ist, ist der Aufbau und Ausbau von Mut, Tapferkeit, entschlossenem Wollen und einer engen Verbindung zu Gott, der unserem menschlichen Bemühen Kraft verleiht. Mögen uns auch immer wieder Einbrüche und Fehler unterlaufen, mit ehrlichem Wollen, geht es trotzdem weiterhin aufwärts.
Dem Gleichnis vom Turmbau, das die Zurüstung betont, fügt Jesus ein Gleichnis von der Kriegsführung an. Zum entschlosssenen Wollen kommt noch kluges Vorausschauen dazu.
Nach der Aufforderung, sich im Glauben zuzurüsten und im Frieden miteinander zu leben, verweist Jesus noch auf einen Punkt, den es zu beachten gilt, wenn persönlicher Glaube lebendig werden soll. Jesus sagt: Niemand kann meine Jünger sein, wenn er nicht auf seinen ganzen Besitz verzichtet. Mit Sicherheit erwartet Jesus von niemanden, sich zu einem Bettler zu machen, um sein Jünger werden zu können. Aber wie bei den Verwandten und Freunden sollen wir uns von Reichtum und Besitz trennen, wenn dieser unser Herz einschnürt und wir dadurch behindert werden, mit Armen, Hungernden, Notleidenden großzügig zu teilen. Schenken, Teilen gehört zum Fundament christlichen Glaubens.
Dabei sind Güter dieser Welt nur ein Bereich. Jesus konnte aus weltlichem Besitz nicht schöpfen, weil er nichts besaß. Und dennoch beschenkte der die Menschen immer wieder:
- mit seiner Nähe und Liebe,
- mit Worten die trösteten,
- mit Gnade und Kraft, die von ihm ausgingen,
- mit dem Verzicht auf Verurteilung,
- mit Vergebung und Wegbegleitung.
Jesus gab von seinem inneren Reichtum. Er hielt nicht eisern daran fest, mit seinem göttlichen Wesen im Himmel beim Vater zu bleiben. Er ist bereit, Mensch zu werden und als solcher zu verschenken, was als Reichtum in seinem menschlichen Herzen vorhanden ist.
Einen möglichst großen Reichtum des Herzens sollen auch wir uns erwerben, um von den Gaben des Herzens großzügig und reichlich an andere zu verschenken. Und wie beim Turmbau, so gilt es auch hier gut zu überlegen, wie wir den inneren Reichtum in uns fördern und stabilisieren können, um immer mehr – wie Jesus – sich verschenkende Liebende zu werden.
Kehren wir noch einmal an den Anfang zurück, zu den Worten Jesu, die uns vielleicht zunächst erschreckt haben. Jesus will dieses Erschrecken durchaus bewirken, um uns wach zu rütteln für den nötigen Ernst im Blick auf die Nachfolge. Wenn wir uns Jesus anschließen wollen, müssen wir uns für vier grundsätzliche Schritte entscheiden.
Erstens: Jesu Leben in Wort und Tat soll uns Norm und Vorbild sein für unseren Lebensweg. Von einer Ausrichtung auf Jesus sollen wir uns von niemanden abbringen lassen.
Zweitens: Um für diese Haltung zu erstarken, bedarf es der Zurüstung. Wir müssen uns überlegen und daran arbeiten, was in uns verstärkt werden muss, um einen lebendigen Glauben und ein liebendes Herz zu gewinnen.
Drittens: Mit unserem Glauben sollen wir nicht in eine Art kriegerischer Auseinandersetzung verfallen. Die Entscheidung für oder gegen Christus muss jeder ganz persönlich für sich treffen. Im Glauben etwas erzwingen wollen, wird von Jesus nicht gutgeheißen.
Und schließlich: Wie wir Nahstehenden nicht gestatten sollen, uns von lebendigem Glauben abzuhalten, so sollen wir auch unserem eigen Herzen nicht erlauben, sich selbst einzuschränken durch zu große Anhänglichkeit an irdischen Besitz und durch Beschränkung der Liebe, zu der wir fähig wären.
Erst wenn wir grundsätzlich zu diesen Schritten bereit sind, werden wir in Wahrheit Jünger oder Jüngerin Jesu. Dies immer wieder ernsthaft zu bedenken, dazu will uns Jesus herausfordern.
Jesus fordert im Evangelium dieses Sonntags radikale Nachfolge. Diese sieht in jeder Epoche anders aus. Doch Jesus kommt uns einladend entgegen und nimmt uns mit offenen Armen auf. Das macht uns Mut unseren persönlichen Weg der Nachfolge zu gehen.
![]() | „Christus Salvator“ - frühbarocke Christusskulptur (aus Holz) 1632, von Georg Petel 1601/1602-1635, Bildhauer in Augsburg, zu sehen in der Apsis der Moritzkirche in Augsburg. Bild herunterladen |
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Lieder:
GL 140: Kommt herbei, singt dem Herrn
GL 142: Zu dir, o Gott erheben wir die Seele voll Vertrauen
GL 143: Mein ganzes Herz erhebet dich
GL 149: Liebster Jesu, wir sind hier
GL 210: Das Weizenkorn muss sterben
GL 216: Im Frieden dein, o Herre mein
GL 233: O Herr, wenn du kommt, wird die Welt wieder neu
GL 273: O Herr, nimm unsre Schuld (4. Str.)
GL 275: Selig, wem Christus auf dem Weg begegnet
GL 342: Komm, Heilger Geist, der Leben schafft
GL 418: Befiehl du deine Wege
GL 428: Herr, dir ist nichts verborgen
GL 437: Meine engen Grenzen, meine kurze Sicht
GL 440: Hilf, Herr meines Lebens
GL 460: Wer leben will wie Gott auf dieser Erde
GL 464: Gott liebt diese Welt, und wir sind sein Eigen
GL 485: O Jesu Christe, wahres Licht
GL 543: Wohl denen, die da wandeln
Psalmen und Kehrverse:
GL 629,1: Du führst mich hinaus ins Weite, du machst meine Finsternis hell. - Mit Psalm 90 (GL 50,2) - I.
GL 645,3-4: Sende aus deinen Geist, und das Antlitz der Erde wird neu.- Mit Psalm 104 ider mit Psalm 24 (GL 633,4) - VII
Was kostet es eigentlich, in die Nachfolge Jesu berufen zu werden? Und was gibt es zu gewinnen? Spannende Fragen, die uns heute im Evangelium begegnen! Es ist, als ob wir neu abzuwägen, neu zu kalkulieren haben, was unser Leben ausmacht, was Zukunft hat, was Glück beschert.
Zu den größten Versuchungen, die immer wieder an uns herantreten, gehört das Abweichen von lebendig gelebtem Glauben.
Im heutigen Evangelium spricht Jesus diesen Punkt an. Er fordert uns auf, konsequent Christen zu sein, wenn wir uns zu seinen Jüngern und Jüngerinnen zählen wollen.
Herr,
wir üben uns in vielen Rechenkünsten.
Mit vielen Menschen haben wir offene Rechnungen.
Herr, erbarme dich.
Herr,
wenn du uns in deine Nachfolge rufst, wollen wir etwas davon haben.
Du aber schenkst uns eine Liebe, die nicht nach Vorteilen fragt.
Christus, erbarme dich.
Herr,
wir richten uns häuslich ein.
Unsere Abhängigkeiten und Beziehungen machst du weit und frei.
Herr, erbarme dich.
Herr Jesus Christus,
du bist dem Willen des Vaters konsequent treu geblieben.
Herr, erbarme dich.
Diesen Weg der Treue zu gehen, hast du auch uns als Heilsweg aufgetragen.
Christus, erbarme dich.
Wo immer wir dir nachfolgen, schenkst du uns deine Gnade und deinen Segen.
Herr, erbarme dich.
Gott, unser Vater,
du hast uns durch deinen Sohn erlöst
und als deine geliebten Kinder angenommen.
Sieh voll Güte auf alle, die an Christus glauben,
und schenke ihnen die wahre Freiheit
und das ewige Erbe.
Darum bitten wir durch Jesus Christus.
MB 5. Sonntag der Osterzeit
MB 23. Sonntag im Jahreskreis
Du hast die Welt großzügig und voller Liebe geschaffen,
Gott, mit dem alles beginnt und alles vollendet wird.
Wir danken dir für unsere kleine Welt,
für unsere Familie,
für unsere Träume.
In deinem Wort entdecken wir die große Welt,
die Hoffnung auf Frieden,
die Sehnsucht nach Versöhnung.
Schenke uns deinen Geist,
der uns das Evangelium und unsere Herzen aufschließt
in Jesus, den du uns als Bruder und Weggefährten
an die Seite gegeben hast
von Ewigkeit zu Ewigkeit. - Amen.
Im Evangelium begegnen uns Menschen, die etwas Großes planen, die rechnen und abwägen,
sich aber verkalkulieren. Wir sehen Ruinen und Spuren der Flucht.
Darum kommen wir zu dir mit unseren Befürchtungen, Sorgen und Hoffnungen.
Herr,
es werden Häuser gebaut, Immobilienpreise explodieren und Haie machen Geschäfte.
Viele Menschen finden keine Wohnungen, die sie bezahlen können.
Viele Menschen haben Angst, gesellschaftlich abzurutschen.
Wir rufen zu dir:
Lass gedeihen, Herr, das Werk deiner Hände.
Herr,
Kriege werden geplant, in Kauf genommen und in den Medien gerechtfertigt.
Viele Menschen werden geopfert.
Viele Menschen müssen fliehen.
Wir rufen zu dir…
Herr,
Familien haben es oft schwer zusammenzuhalten.
Viele Menschen werden in ihren Pflichten aufgerieben.
Viele Menschen finden keine Ruhe.
Wir rufen zu dir…
Herr,
in den virtuellen Netzen werden Hass und Angst geschürt.
Viele Menschen werden diffamiert und ausgegrenzt.
Viele Menschen können sich nicht wehren.
Wir rufen zu dir…
Herr,
Viele Kinder und Jugendliche gehen auf die Straße
Viele Menschen werden Opfer des Klimawandels.
Viele Menschen sind bereit, die Welt wirtschaftlichen Interessen zu opfern
Wir rufen zu dir…
Du hast uns in deine Nachfolge gerufen.
Du gehst mit uns den Weg des Lebens
In Christus, unserem Herrn. – Amen.
Vater im Himmel,
aus deinem Beistand und in Verbundenheit mit dir hat Jesus nach deinem Willen gelebt.
Auch wir vertrauen uns dir an und bitten um deinen Beistand.
Stärke uns und alle Christen im Bemühen, den Glauben lebendig und konsequent zu leben.
Vater im Himmel, wir bitten dich, erhöre uns!
Stehe in besonderer Weise allen bei, die ihres Glaubens wegen benachteiligt, verkannt oder misshandelt werden.
Vater im Himmel…
Schenke Erfolg und innere Freude denen, die mit Hingabe ihre Liebe an andere verschenken.
Vater im Himmel…
Lass uns Menschen deine Hilfe und deinen Beistand vor allem dann spüren, wenn Leid oder Not unser Leben belastet.
Vater im Himmel…
Segne alle, die sich in der Welt für Frieden und das Wohl von Menschen einsetzen.
Vater im Himmel…
Alle Verstorbenen nimm auf in die Gemeinschaft mit dir.
Vater im Himmel…
Vater im Himmel,
für deine Hilfe, die du uns bei unserer Mühe um lebendig gelebten Glauben gewährst, danken wir dir.
Jedes unserer gelungenen guten Werke soll dich preisen. – Amen.
Weil uns bewusst ist, dass viele Fragen im Leben unbeantwortet bleiben und wir uns vergeblich abmühen, den Sinn dahinter zu verstehen, wenden wir uns an dich, Vater,
und bitten um deinen Geist:
Für alle christlichen Kirchen, die in der Nachfolge Jesu wirken wollen, sich aber immer wieder in vordergründigen Auseinandersetzungen verlieren.
Für die Verantwortungsträger in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft, deren Handeln oft mehr von gegenseitigen Abhängigkeiten als vom wirklichen Nutzen für das Gemeinwohl bestimmt ist.
Für alle Menschen in unserem Land, die versuchen, die Sicherheit, die Tradition und Brauchtum schenken, im Vertrauen auf deine Führung mit neuem Leben zu erfüllen.
Für uns selbst, die wir täglich eine Fülle von Erfahrungen sammeln, uns aber oft zu wenig Zeit dafür nehmen, diese zu überdenken und an ihnen zu reifen.
Für uns alle, die wir versucht sind, die eigene Vergänglichkeit zu verdrängen, aber durch den Verlust unserer lieben Verstorbenen dieser Realität begegnen müssen.
Unsere eigene Sicht ist oft eng und eingeschränkt. Die wahre Weisheit um die wirklich wichtigen Dinge im Leben können wir uns nur von dir, Vater, schenken lassen.
Darum bitten wir dich durch Jesus Christus, unseren Herrn und Bruder, im Heiligen Geist. - Amen
Herr, unser Gott,
du schenkst uns den Frieden
und gibst uns die Kraft, dir aufrichtig zu dienen.
Laß uns dich mit unseren Gaben ehren
und durch die Teilnahme
an dem einen Brot und dem einen Kelch
eines Sinnes werden.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
MB 23. Sonntag im Jahreskreis
4. Januar, 7.Januar
Gott, unser Vater,
da wir das Mahl unseres Herrn bereiten,
laß uns begreifen, was die Speise seines Lebens war:
deinen Willen zu tun.
Gib uns den Mut, in sein Opfer einzugehen,
auf daß auch uns aus der Hingabe an dich
die Kraft zum Leben komme.
Darum bitten wir durch ihn, Christus, unseren Herrn.
MB Auswah 3
(für Wortgottesdienstfeiern):
Kehrvers:
Danket dem Herrn, denn ewig währt seine Liebe.. (GL 444)
Gott und Vater,
wir kommen zu dir, um dir Dank zu sagen
und unseren Lobpreis darzubringen.
In deiner Weisheit hat du den ganzen Kosmos geschaffen
und die ganze Welt geordnet.
Kehrvers
Mit deinem Volk hast du einen heiligen Bund geschlossen
und ihm eine Ordnung gegeben, die ihm den Weg zum Leben wies.
Kehrvers
Jesus, dein Sohn ist Mensch geworden,
damit wir das Leben haben und es in Fülle haben.
Kehrvers
Er selbst hat sein Leben für uns hingegeben
und uns in seine Nachfolge gerufen,
damit auch wir aus seinem Geist füreinander leben
und uns füreinander einsetzen.
Kehrvers
Dafür danken wir dir und preisen wir dich.
Mit allen Engeln und Heiligen singen wir dein Lob:
Danklied, z. B. Nun singt ein neues Lied dem Herren (GL 551)
Gott
Mache mich zum Werkzeug deiner Liebe,
dass ich zuhöre, wenn wir jemand etwas sagen will,
dass ich rede, wenn einer mein Wort braucht,
dass ich helfe, wo Hilfe nötig ist,
dass ich Freude finde am Teilen und Schenken,
dass ich nicht nur rede vom Frieden,
dass ich nicht nur jene liebe, die auch mich lieben,
dass ich umkehre, wenn ich mich verrannt habe.
Gott
Mache mich zum Werkzeug deiner Liebe,
dass ich alles Leben und alles Lebendige
achte, ehre und wertschätze,
dass ich trachte
die Menschen zu verstehen und zu lieben.
Gott
Mache mich zum Werkzeug deiner Liebe,
dass ich deinen Willen
immer besser erkenne
und danach zu leben mich bemühe.
Guter Gott,
im Wort, das vom wahren Leben erzählt,
und im Brot, das ewiges Leben schenkt,
bist du heute zu uns gekommen.
Sei du mit uns, wenn wir jetzt gehen,
um das Leben so zu leben, wie es gut ist.
Lass uns miteinander die Freuden teilen, die das Leben bietet,
und gemeinsam die Lasten tragen,
die Leben mit sich bringt.
Begleite uns mit deinem Segen
in Jesus Christus, unserem Bruder und Herrn.
Die Botschaft Jesu ist Botschaft des Heils. Er verkündet die Liebe des Vaters und das Kommen des Reiches. Er ruft die Menschen zum Frieden und zur Eintracht im heiligen Willen. Dennoch wirkt sein Wort zunächst nicht Einheit, sondern Trennung. Je tiefer ein Mensch Christ wird, desto tiefer unterscheidet sich sein Dasein von dem anderer, die nicht Christen sein wollen, oder soweit sie es nicht sein wollen. Dieses Anderssein läuft durch die nächste Verbundenheit; denn das wirkliche Christwerden ist keine Sache natürlicher Veranlagung oder geschichtlicher Entwicklung, sondern innerste Entscheidung des Einzelnen. Der eine vollzieht sie, der andere nicht. So kann von hier aus eine Trennung zwischen einen [sic!] Hausgenossen und den anderen kommen. In einem solchen Falle soll der Mensch Jesus höher stellen als alle sonst, und seien es die Nächst-Verbundenen: höher als Vater und Mutter, Sohn und Tochter, Freund und Freundin. Das greift ans Leben, und die Versuchung drängt, die lebendige Verbundenheit zu wahren und dafür Christus preiszugeben. Jesus aber warnt: Hältst du dieses „Leben“ fest und gibst darüber mich auf, dann verlierst du auch dein eigenes, eigentliches Leben. Lässest du dich aber los um meinetwillen, dann findest du dich selbst im Eigentlichen und über alles Weltmaß hinaus.
Aus: Romano Guardini, Der Herr. Betrachtungen über die Person und das Leben Jesu Christi, Würzburg: Werkbund-Verlag 11. unveränderte Aufl. 1959, S. 343.
Es fängt so mancher weise Mann
ein gutes Werk zwar fröhlich an
und bringt's doch nicht zum Stande;
er baut ein Schloß und festes Haus,
doch nur auf lauterm Sande.
Verleihe mir das edle Licht,
das sich von deinem Angesicht
in fromme Seelen strecket
und da der rechten Weisheit Kraft
durch deine Kraft erwecket. Gib mir Verstand aus deiner Höh,
auf daß ich ja nicht ruh und steh
auf meinem eignen Willen;
sei du mein Freund und treuer Rat,
was recht ist, zu erfüllen. Ist's Werk von dir, so hilf zu Glück,
ist's Menschentun, so treib zurück
und ändre meine Sinnen.
Was du nicht wirkst, das pflegt von selbst
in kurzem zu zerrinnen. Tritt du zu mir und mache leicht,
was mir sonst fast unmöglich deucht,
und bring zum guten Ende,
was du selbst angefangen hast
durch Weisheit deiner Hände.
Paul Gerhardt (1653), in: EG 497, 3.4.5.8.9
Seht ihr den Mond dort stehen?
Er ist nur halb zu sehen
und ist doch rund und schön.
So sind wohl manche Sachen,
die wir getrost belachen,
weil unsre Augen sie nicht sehn.
Wir stolzen Menschenkinder
sind eitel arme Sünder
und wissen gar nicht viel.
Wir spinnen Luftgespinste
und suchen viele Künste
und kommen weiter von dem Ziel.
Gott, laß uns dein Heil schauen,
auf nichts Vergänglichs trauen,
nicht Eitelkeit uns freun;
laß uns einfältig werden
und vor dir hier auf Erden
wie Kinder fromm und fröhlich sein
Matthias Claudius (1779), EG 482,3-5

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Was daraus folgt, gehört in ein Gebet. "Wer hat je deinen Plan erkannt, wenn du ihm nicht Weisheit gegeben und deinen heiligen Geist aus der Höhe gesandt hast?" In diesem Gebet ist auch das Vertrauen ausgedrückt, dass Gott seine Wege erkennbar macht, ohne sie Menschen auszuliefern. Diese Zuversicht ist selbst Weisheit, die nicht nur rettet, sondern vor allem geschenkt wird. Trotz der menschlichen Grenzen: die Pfade der Erdenbewohner werden gerade gemacht. Die Menschen lernen, was Gott gefällt.
Es ist also nicht nur Skepsis angezeigt, wenn Menschen an ihre Grenzen stoßen - in einem Gebet finden sie zu Gott und zu sich selbst. Sie finden Wege, die ihnen gut tun.
Frühchristliche Ausleger haben die Weisheit mit Christus und/oder dem Geist Gottes identifiziert.
Der vorliegende Text ist ein Gebet um Weisheit, das längere Aus¬führungen über ihr Wesen abschließt.
Das Gebet Salomons im 9. Kapitel bedeutet einen Wendepunkt im Weisheitsbuch. Es verbindet den ersten Teil (Kap. 1-9), der mehr philosophisch-spekulativ über das Wesen der Weisheit handelt, mit dem zweiten Teil (Kap. 10-17), in dem das Wirken der Weisheit Gottes in der Geschichte des Volkes und des Auszuges gepriesen wird. Es geht also um die Erfahrung Gottes in der Geschichte.
Die wahre Weisheit, die Salomon für seine Amtsführung erbittet, ist eine notwendige Vorbedingung für die Regierung des Gottesvolkes, in dem sich die ursprünglich Gotteserfahrung vom Auszug bis zur Landnahme in stets neuer Gestalt fortsetzen soll. Die geschichtliche Gotteserfahrung bleibt Maß und Norm für den Glauben der Gegenwart.
Das griechische Menschenbild - mit den Bildern von Leib und Seele, dem Leib als Zelt, der Beschwerlichkeit des Leibes für den Geist - führt zur Erkenntnis der Begrenztheit des menschlichen Erkennens. Irdisches und Überirdisches werden klar voneinander abgehoben. Der Wille Gottes als überirdisches Geheimnis aber bleibt den Menschen verborgen - dieses kann man nur erbitten und als Geschenk annehmen.