Lesung aus dem Buch der Weisheit.
Herr,
die ganze Welt ist ja vor dir wie ein Stäubchen auf der Waage,
wie ein Tautropfen, der am Morgen zur Erde fällt.
Du hast mit allen Erbarmen, weil du alles vermagst,
und siehst über die Sünden der Menschen hinweg,
damit sie umkehren.
Du liebst alles, was ist,
und verabscheust nichts von dem, was du gemacht hast;
denn hättest du etwas gehasst,
so hättest du es nicht geschaffen.
Wie könnte etwas ohne deinen Willen Bestand haben
oder wie könnte etwas erhalten bleiben,
das nicht von dir ins Dasein gerufen wäre?
Du schonst alles, weil es dein Eigentum ist,
Herr, du Freund des Lebens.
Denn in allem ist dein unvergänglicher Geist.
Darum bestrafst du die Sünder nur nach und nach;
du mahnst sie und erinnerst sie an ihre Sünden,
damit sie sich von der Schlechtigkeit abwenden
und an dich glauben, Herr.
(Lektionar 2018 ff. © 2024 staeko.net)
Kv: Ich will dich erheben, meinen Gott und König. – Kv
Oder: GL 649,5
Ich will dich erheben, meinen Gott und König, *
ich will deinen Namen preisen auf immer und ewig.
Jeden Tag will ich dich preisen *
und deinen Namen loben auf immer und ewig. – (Kv)
Der Herr ist gnädig und barmherzig, *
langmütig und reich an Huld.
Der Herr ist gut zu allen, *
sein Erbarmen waltet über all seinen Werken. – (Kv)
Danken sollen dir, Herr, all deine Werke, *
deine Frommen sollen dich preisen.
Von der Herrlichkeit deines Königtums sollen sie reden, *
von deiner Macht sollen sie sprechen. – (Kv)
Treu ist der Herr in seinen Reden, *
und heilig in all seinen Werken.
Der Herr stützt alle, die fallen, *
er richtet alle auf, die gebeugt sind. – Kv
Lesung aus dem Zweiten Brief des Apostel Paulus
an die Gemeinde in Thessalónich.
Schwestern und Brüder!
Wir beten immer für euch,
dass unser Gott euch eurer Berufung würdig mache
und in seiner Macht allen Willen zum Guten
und das Werk des Glaubens vollende.
So soll der Name Jesu, unseres Herrn,
in euch verherrlicht werden
und ihr in ihm,
durch die Gnade unseres Gottes und Jesu Christi, des Herrn.
Brüder und Schwestern,
wir bitten euch hinsichtlich der Ankunft Jesu Christi,
unseres Herrn,
und unserer Vereinigung mit ihm:
Lasst euch nicht so schnell aus der Fassung bringen
und in Schrecken jagen,
wenn in einem prophetischen Wort
oder einer Rede oder in einem Brief,
wie wir ihn geschrieben haben sollen,
behauptet wird, der Tag des Herrn sei schon da!
(Lektionar 2018 ff. © 2024 staeko.net)
Halleluja. Halleluja.
So sehr hat Gott die Welt geliebt,
dass er seinen einzigen Sohn hingab,
damit jeder, der glaubt, in ihm das ewige Leben hat.
Halleluja.
Aus dem heiligen Evangelium nach Lukas.
In jener Zeit
kam Jesus nach Jéricho
und ging durch die Stadt.
Und siehe, da war ein Mann namens Zachäus;
er war der oberste Zollpächter und war reich.
Er suchte Jesus, um zu sehen, wer er sei,
doch er konnte es nicht wegen der Menschenmenge;
denn er war klein von Gestalt.
Darum lief er voraus und stieg auf einen Maulbeerfeigenbaum,
um Jesus zu sehen, der dort vorbeikommen musste.
Als Jesus an die Stelle kam,
schaute er hinauf
und sagte zu ihm: Zachäus, komm schnell herunter!
Denn ich muss heute in deinem Haus bleiben.
Da stieg er schnell herunter
und nahm Jesus freudig bei sich auf.
Und alle, die das sahen,
empörten sich
und sagten: Er ist bei einem Sünder eingekehrt.
Zachäus aber wandte sich an den Herrn
und sagte: Siehe, Herr,
die Hälfte meines Vermögens gebe ich den Armen,
und wenn ich von jemandem zu viel gefordert habe,
gebe ich ihm das Vierfache zurück.
Da sagte Jesus zu ihm:
Heute ist diesem Haus Heil geschenkt worden,
weil auch dieser Mann ein Sohn Abrahams ist.
Denn der Menschensohn ist gekommen,
um zu suchen und zu retten, was verloren ist.
(Lektionar 2018 ff. © 2024 staeko.net)
Zachäus verkörpert einen Menschen, der gesellschaftlich an den Rand gerückt ist und dennoch nach einem Mehr im Leben sucht. Wer sind diese Menschen heute? Und wie könnten sie heute Jesus begegnen?
Am vergangenen Sonntag (27. Oktober 2019) ging in Rom die Bischofssynode zum Thema "Amazonien: neue Wege für die Kirche und eine ganzheitliche Ökologie" zu Ende. Die Bischöfe wollten die Umweltschäden im Amazonasgebiet und deren soziale Folgen als Herausforderung für die Seelsorge in den Blick nehmen. Das Besondere daran: Die Nöte der indigenen Ureinwohner dieses Gebietes wurden auf weltkirchlicher Ebene thematisiert. Eine im Verhältnis zur Gesamtbevölkerung kleine Zahl von Menschen wurde vom Rand der Welt in die Mitte gerückt.
Die Katholiken in Europa verfolgten dieses Ereignis weniger aus Interesse an den Nöten der Bevölkerung Amazoniens als in der Hoffnung, dass sich die Kirchenleitung zu neuen pastoralen Lösungen durchringt, die auf längere Sicht auch für Europa hilfreich sein könnten.
Papst Franziskus wurde in seinem bisherigen Pontifikat nicht müde, für Menschen, die in unserer Gesellschaft am Rande stehen, die keine Lobby haben, einzutreten.
Im Evangelium haben wir die Erzählung vom Zöllner Zachäus gehört. Er gehörte zu den Neureichen, die man für soziale Ungerechtigkeit verantwortlich machte. Zugleich blickte auf ihn die Neidgesellschaft seiner Zeit. Als Kollaborateur der römischen Besatzungsmacht – er hat für sie die Steuern eingetrieben und wurde dafür mit einträglichen Privilegien belohnt – war er politisch und religiös geächtet. In den Augen der Juden war er nicht nur körperlich klein… Er konnte nicht vorne mit dabei sein. Ungewöhnlich für eine Person seines Formats ist, dass er auf einen Baum klettert, um Jesus zu sehen. Ihm hätte niemand ein so großes Interesse an Jesus und seiner Frohen Botschaft zugetraut. Bei ihm kehrt Jesus ein, bei den anderen nicht.
Was kann uns diese biblische Geschichte heute noch zu denken geben?
Ich lade Sie ein, nochmals aus verschiedenen Blickrichtungen in die Erzählung einzutauchen.
Da ist die bunte Menschenmenge. Sie will Jesus sehen und hören. Einige wollten vielleicht ein Wunder hautnah miterleben, andere vielleicht ein kritisches Wort zu den staats- oder religionspolitischen Vorgängen hören oder gar eine Auseinandersetzung mit einem prominenten Würdenträger erleben.
Dann gibt es noch den Außenseiter, der auf einen Baum steigt, um Jesus zu sehen. Erhofft er sich mehr als die anderen? Was treibt ihn?
Und dann ist da noch Jesus. Er will mit seiner Botschaft vom Reich Gottes, mit seiner Sichtweise Gottes Gehör finden.
Wer könnte heute diese Plätze einnehmen?
Es gibt heute viele Menschen, die sich dank der modernen Medien nicht entgehen lassen, was rund um die Welt passiert und Aufmerksamkeit erregt. Was erwarten sie? Sie beobachten die Großen der Welt und was sie tun und sagen. Erwarten sie für sich selbst mehr als die Befriedigung ihrer Neugier? Sie hören von den zahllosen Problemen in der Welt, von Kriegen, Ungerechtigkeit, Ungleichheit, Verletzung der Menschenwürde, Umweltzerstörung. Nur wenige lassen sich davon betreffen. Persönliche Konsequenzen stehen meist nicht zur Diskussion. Die anderen sollen die Welt und die Umwelt retten…
Wer ist heute mit Zachäus vergleichbar?
Es gibt auch heute Menschen, die an den Rand geraten sind wie die Ureinwohner Amazoniens und hoffen, in ihrer Not wahrgenommen zu werden. Menschen, die gegen den Strom schwimmen und um ihre Rechte und um die Anerkennung ihrer Würde kämpfen. Es gibt Verlierer unserer rasanten weltweiten wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Entwicklung, die um einen Hungerlohn für die reichen Länder arbeiten oder ihre Heimat verlassen, weil sie nichts mehr zu verlieren haben. Es gibt aber auch Menschen, die nach außen hin Erfolg haben wie Zachäus, die es zu Reichtum gebracht haben, dabei aber menschlich und seelisch auf der Strecke geblieben sind…
Und wo finden wir heute Menschen, die in die Fußstapfen Jesu treten, die statt sich von der Menge feiern und umjubeln zu lassen die Gesichter derer wahrnehmen, die Ausschau halten nach dem Reich Gottes, nach der Respektierung ihrer Würde, nach einem menschenwürdigen Leben?
Die christlichen Kirchen unternehmen heute große Anstrengungen, die Frohe Botschaft zu den Menschen zu bringen. Sie versuchen, ihre Strukturen den Gegebenheiten unserer Zeit anzupassen. Sie bemühen sich, die modernen technischen Möglichkeiten der Kommunikation für die Evangelisierung zu nutzen. Sind sie aber auch bereit, wie Jesus die Suchenden wahrzunehmen und auf sie zuzugehen? Wer ist bereit, sich auf persönliche Begegnungen mit Menschen einzulassen, die aus welchem Grund auch immer anders sind? Wer ist bereit, die Empörung auszuhalten, die aufkommt, wenn engagierte Christen sich Minderheiten und Randgruppen zuwenden und ihnen statt Almosen Rechtshilfe geben?
Die Erzählung von Zachäus endet mit einer wundervollen Bekehrung, die niemand für möglich gehalten hat. Könnte es sein, dass wundervolle Bekehrungen heute so selten sind, weil wir lieber in der Rolle der Beobachter bleiben, Suchende nicht wahrnehmen und nur selten auf sie zugehen?
Die Umkehr des Zachäus überrascht. Was hat ihn dazu bewogen? Was könnte uns zur Umkehr etwa in der Klimaproblematik bewegen, die von uns harte Einschnitte fordert? Gibt es dafür Motive des Glaubens? Gott liebt, was er geschaffen hat…
Warum bei Zachäus? So werden sich wohl die Freundinnen und Freunde Jesu gefragt haben. Warum ist es Zachäus, bei dem Jesus einkehrt? Jesus löst durch sein Handeln wieder Mal Verwunderung bei seinen Anhängerinnen und Anhängern aus. Sein Tun ist eine Herausforderung für sie und wirft Fragen auf: Hat er jetzt die Seiten gewechselt? Ist er trotzdem noch glaubwürdig, können sie ihm noch vertrauen? Anspannung und Unruhe im Freundeskreis Jesu.
Warum du, Zachäus? Warum lädst du Jesus ein? Das werden sich aber auch die Zöllner und vermutlich die engsten Vertrauten Zächaus gefragt haben. Warum lädt Zachäus Jesus, der einen ganz anderen Lebensstil predigt, ein? Ihn, Jesus, den die Machthaber misstrauisch beäugen, weil er Regeln in Frage stellt. Warum setzt er sich mit Jesus an den Tisch, dem insbesondere auch jene folgen, die am Rande stehen, die gesellschaftlich Verachteten. Also, warum lädst du Jesus, diesen Grenzgänger, ein, angesichts deiner beruflichen Tätigkeit als Zöllner? Du, Zachäus, hast es gut und bist abgesichert. Du kannst, wenn du es möchtest und für richtig hältst, mildtätig sein. Warum dieser Schritt? Nur die Neugier? Oder ist es doch mehr als Neugier? Faszination? Bist du berührt von Jesu Tun? Bist du, Zachäus, dir der Konsequenzen für dein Leben bewusst, wenn du dich auf ihn einlässt? - So könnten sich die Bekannten Zachäus gefragt haben.
Das Handeln Jesu wird vermutlich auf allen Seiten Irritationen ausgelöst haben. Die Begeisterung für diese Aktion könnte sich bei den meisten sehr in Grenzen gehalten haben. Und auch für Zachäus ist es nicht einfach. Möglicherweise wollte er ursprünglich gar nicht so weit gehen. Vielleicht war es nur reine Neugier, die ihn auf den Baum steigen ließ und dann gleich das, der umstrittene Superstar dieser Tage kehrt bei ihm ein. Zachäus ist beeindruckt und will mitmachen. Er ist bereit zum Wandel.
Was hat das mit uns heute zu tun? Mit dieser Geschichte werden auch wir herausgefordert. Denn die Fragen gelten auch für uns: Wie halte ich es mit denen, die so gar nicht dazu passen, die neu dazu kommen? Viel mehr betrifft uns vermutlich die Frage: Wie halte ich es mit jenen, die plötzlich einen neuen anderen Weg einschlagen, die vielleicht damit auch meinen Lebensweg in Frage stellen? Was wage ich? Wo ist mein Aussichtsbaum, mein Maulbeerfeigenbaum, um eine neue Perspektive einzunehmen, um überhaupt vielleicht einen ersten Blick auf einen ungewöhnlichen Lebensstil zu werfen?
Wenn ich die aktuelle Klimadebatte beobachte, habe ich genau diesen Eindruck. Viele haben sich einen Aussichtsplatz gesucht, um einen ersten Blick auf diese neue junge Klimabewegung zu werfen. Einen Blick auf die jungen Menschen, die mit Nachdruck und Witz und äußerst einfallsreich eine lebenswerte Zukunft für sich und die kommenden Generationen einfordern. Wenn wir die Forderungen der Fridays for Future ernst nehmen und wir uns ansprechen lassen, bedeutet das häufig eine große Herausforderung. Nämlich die Änderung unseres Lebensstils, was mit zu den schwierigsten Veränderungen in unserem Leben gehört. So eine Veränderung hat auch nicht nur Auswirkungen auf uns selbst, sondern auch auf unser nächstes Umfeld, auf unsere Vertrauten. Sind sie bereit mitzumachen oder fühlen sie sich vor den Kopf gestoßen?
Um nochmals auf Zachäus zurück zu kommen. Zachäus ist auf den Baum gestiegen und nicht nur das, er verspricht zu teilen und unrechtmäßig eingetriebene Steuern zurückzugeben. Das sind massive Einschnitte! Davon ist sein ganzes Umfeld betroffen. Wie halten wir es? Welche Schritte sind wir bereit zu gehen, nachdem wir unseren Beobachtungsposten verlassen haben? Ja, und was macht das mit unseren Beziehungen: Wie bringen wir das unserem Umfeld bei? Wie werden sie reagieren, wenn wir uns auf die Spuren der Fridays begeben?
Den Fridays geht es um nichts weniger als eine lebenswerte Zukunft. Gefordert ist also, sich der Begrenztheit der Ressourcen bewusst zu sein und entsprechend zu leben. Gutes Leben hängt nicht von einem Mehr an Besitz ab. Das bedeutet nicht nur ein Weniger an Konsumgütern, sondern auch mit den Gütern sorgfältig umzugehen, sie möglichst lange zu nutzen. Kurz gesagt, Maß zu halten. Aber das ist nicht so einfach. Die Rahmenbedingungen sind zum Teil nicht darauf ausgerichtet, vieles ist in Plastik verpackt, Einkaufsmöglichkeiten gibt es nur am Ortsrand, der Öffentliche Verkehr ist nicht gut ausgebaut... Hürden gibt es viele. Kann das überhaupt funktionieren? Um hier dran zu bleiben, braucht es das Umdenken, Kreativität und gute Netzwerke. Und ganz wichtig: Es braucht, um die Zuversicht nicht zu verlieren Beweggründe, die sich für uns Christinnen und Christen aus der christlichen Spiritualität ergeben.
In der Enzyklika Laudato si' (2015) von Papst Franziskus wird es so formuliert: „Es geht darum, nicht so sehr über Ideen, sondern vor allem über die Beweggründe zu sprechen, die sich aus der Spiritualität ergeben, um eine Leidenschaft für den Umweltschutz zu fördern. Denn es wird nicht möglich sein, sich für große Dinge zu engagieren allein mit Lehren, ohne eine »Mystik«, die uns beseelt, ohne »innere Beweggründe, die das persönliche und gemeinschaftliche Handeln anspornen, motivieren, ermutigen und ihm Sinn verleihen«“ (Laudato si‘, 216)
Einer dieser Texte, die uns hier leiten können, ist die heutige Lesung aus dem Buch der Weisheit: Du liebst alles, was ist, /
und verabscheust nichts von dem,
was du gemacht hast; /
denn hättest du etwas gehasst,
so hättest du es nicht geschaffen.
Wie könnte etwas ohne deinen Willen Bestand haben /
oder wie könnte etwas erhalten bleiben,
das nicht von dir ins Dasein gerufen wäre?
Du schonst alles, weil es dein Eigentum ist,
Herr, du Freund des Lebens.
Denn in allem ist dein unvergänglicher Geist.
(Darum bestrafst du die Sünder nur nach und nach; /
du mahnst sie und erinnerst sie an ihre Sünden, /
damit sie sich von der Schlechtigkeit abwenden
und an dich glauben, Herr.)
Oder um es mit den Wort von Papst Franziskus zum Schöpfungstag am 1. September 2019 zu sagen:
Wir müssen uns bewusst werden, „was wir sind: Geschöpfe nach dem Bild Gottes (vgl. Gen 1,27), die dazu berufen sind, als Brüder und Schwestern das gleiche gemeinsame Haus zu bewohnen. Wir sind nicht dazu geschaffen, um Einzelwesen zu sein, die sich als Herren aufspielen, sondern wir sind gedacht und gewollt, um inmitten eines Lebensnetzes zu wirken, das aus Millionen von Arten besteht, die von unserem Schöpfer für uns liebevoll zusammengefügt sind. Die Stunde ist gekommen, unsere Berufung als Kinder Gottes, als Geschwister untereinander und als Hüter der Schöpfung wiederzuentdecken. Es ist Zeit zu bereuen und sich zu bekehren, zu den Wurzeln zurückzukehren: Wir sind die Lieblingsgeschöpfe Gottes. Er ruft uns in seiner Güte, das Leben zu lieben und es in Gemeinschaft sowie verbunden mit der Schöpfung zu leben.“
Gottes liebender Blick auf alle und alles. Jedes Geschöpf ist wertvoll und wertgeschätzt und noch mehr, Gottes Geist ist in allem gegenwärtig. Eine Einladung und Herausforderung an uns den Menschen, den Tieren und der gesamten Natur achtsam und liebevoll zu begegnen. Auf einen Versuch kommt es an!
© Mag.a Lucia Göbesberger, Leiterin der Abteilung Gesellschaft & Theologie, Diözese Linz.
Die Geschichte des Zachäus zeigt exemplarisch, wie Menschen einander klein machen und ausgrenzen. Von Gott angenommen zu sein, kann einen Neuanfang anstoßen; auch bei uns.
In der Begegnung mit Jesus erfährt Zachäus Heil. Jesus ergreift die Initiative, geht vorurteilslos auf ihn zu.
Das Buch der Weisheit, aus dem die erste Lesung des heutigen Sonntags genommen ist, ist das letzte Buch des Alten Testaments. Es zielt darauf ab, die Leser und Gläubigen dafür zu gewinnen, sich auf Gott und sein wunderbares Wesen zu besinnen. Der Verfasser des Weisheitsbuches wirbt dafür, Gott als den zu betrachten, der mit Geduld und Liebe den Menschen entgegenkommt. Zwar hat Gott eine Fülle an Macht, wie sie sonst auf der ganzen Erde nicht zu finden ist; aber Gott präsentiert sich nicht als der über alles Erhabene und als ein Gewalt-Inhaber, der alle um sich herum eisern unter seiner Knute und Kontrolle hält. Gott, so sagt der Verfasser des Weisheitsbuches, hat die Welt und die Menschen nicht ins Dasein gerufen, weil er die Macht dazu hat, sondern alles Geschaffene ist ein wunderbares Werk seiner Liebe.
Diesen Hinweis verstanden die gläubigen Juden und die Menschen der damaligen Zeit deutlich als eine Gegenposition zum heidnischen Götterglauben. Die Existenz und Bedeutung der Götter wurde ständig untermauert mit dem Hinweis ihrer Macht. Um ihre Gunst zu erwerben, mussten sie von den Menschen freundlich gestimmt werden. Jahwe, der Gott der Juden, dagegen ist aus seiner Liebe heraus selbst einem mehr Gleichgültigen, ja sogar einem Sünder und Abtrünnigen noch wohlgesinnt. Weil Gott aus Liebe und nicht infolge seiner Macht alles ins Dasein gerufen hat, darum begleitet er alles Geschaffene, vor allem auch den Menschen, mit seiner Langmut und Barmherzigkeit. Denn Gott hat keine Freude am Leid oder Untergang eines Menschen, sondern an seinem Glück und seinem Wohlergehen. Allein schon, wie wunderbar, vielfältig und prächtig er die Welt geschaffen hat ist ein Beweis und ein Zeugnis für seine Liebe. Denn nur ein Liebender kann sich all die Pracht und Schönheit ausdenken, die in der Schöpfung zu finden ist.
Der Verfasser des Weisheitsbuches spürt, wie er sprachlich gar nicht die rechten Worte findet, um die Größe, Hoheit und Verbundenheit Gottes mit seiner Schöpfung auszudrücken. So nennt er Gott einen „Gott des Lebens“ und erhofft sich, dass die Menschen die Fülle des Lebens in der Natur betrachten und in ihr die Anmut, Wohlgestalt und Vollendung bestaunen. Denn nur in der Bewunderung können wir Menschen uns an die Tiefe und den Umfang der Liebe Gottes herantasten.
Neben der Liebe wird im Buch der Weisheit die ständige Sorge Gottes um die Schöpfung betont. Gott hat die Welt nicht nur erschaffen; er erhält sie auch lebendig. „Wie könnte etwas ohne deinen Willen Bestand haben und ohne dich erhalten bleiben“, ruft der Verfasser des Weisheitsbuches aus. Und wieder kommt Gottes Liebe in Sicht. Er hat die Welt eben nicht nur als ein allmächtiger Schöpfer ins Dasein gerufen, sie dahingestellt und sich dann zurückgezogen und die Schöpfung ihrem Schicksal überlassen. Nein, die Entwicklung seiner Schöpfung ist Gott ein Anliegen. Mit seiner Gnade, mit seinem Geist umgibt er sie. Er könnte sie fallen lassen, sobald seine Geschöpfe sich gegen ihn stellen. Die Macht hätte Gott. Aber seine Macht zu zeigen, daran ist ihm nicht gelegen. Ihn erfüllt grenzenlose Liebe. Daher neigt er sich seiner Schöpfung in aufmerksamer Fürsorge und mit Erbarmen zu. Hierin liegt seine Güte und Geduld mit den Menschen begründet.
Für uns Christen zeigt sich die Liebe und Güte Gottes dann noch einmal in besonderer Weise in der Person Jesu. Wird schon im Buch der Weisheit der Versuch unternommen, nicht durch Drohungen den Menschen näher an Gott heranzuführen, sondern durch das Staunen über Gott und seine Schöpfung, so wendet sich Gott in seinem Sohn Jesus direkt in Wort und Tat an den Menschen.
Jesus geht den Menschen nach, er baut ihnen Brücken. Im heutigen Evangelium erleben wir, wie sehr Gott auch gerade die im Blick hat, die von der Gesellschaft allgemein ausgeschlossen werden. Zachäus lässt sich nicht bekehren durch die Repressalien der Menschen, die auf ihm herumhacken, sondern durch die Güte und das Wohlwollen Jesu. Und wenn Jesus mit seinen Wundern immer wieder Menschen von ihren Krankheiten und Gebrechen heilt, zeigt er dadurch, dass es Gott um die Liebe zu seinen Geschöpfen geht. Es gibt kein Wunder Jesu, das er nicht zum Wohle von Menschen wirkte – z.B. ein reines Natur-Wunder, lediglich als Demonstration seiner Machtfülle. Jesus bestätigt mit seinem Verhalten, was der Verfasser des Weisheitsbuches über Gott sagt.
Mit der Lesung und dem Evangelium des heutigen Tages wird uns erneut vor Augen geführt, welche Kraft und Energie der Liebe innewohnt. Überlegen wir noch einmal einen Augenblick, welch gewaltige Aussagen uns zur Betrachtung über die Liebe vorgelegt werden. Die Liebe bewegt Gott. Sie bewegt ihn, auf die Demonstration seiner ungeheuren Macht zu verzichten. Sie drängt ihn, mit wachsamer Sorge zum Leben und Wohlergehen alles Geschaffenen beizutragen. Die Liebe führt ihn zu Langmut und Barmherzigkeit mit uns Menschen. Ja mehr noch: Sie lässt Gott in seinem Sohn mit uns um unser Heil ringen. Mehr und Größeres ist überhaupt nicht denkbar und möglich.
Auch uns von der Liebe ergreifen und durchdringen zu lassen, sie nicht nur als etwas Wertvolles im Kopf zu haben, sondern für unser Handeln zum Maßstab und zur Triebkraft zu machen, dazu werden wir heute erneut eingeladen. Der Verfasser der heutigen Lesung und des Weisheitsbuches glaubt daran: Jeder, der sich Gottes Liebe vor Augen führt und sie in ihrer Tiefe auskostet, wird danach streben, selbst im hohen Maß ein Liebender zu werden.
Liebe bewegt – sogar Gott.
Nicht zur Demonstration seiner Macht, sondern aus Liebe schuf Gott die Welt. Aus Liebe zu uns Menschen ahndet er nicht postwendend unser Versagen, sondern wartet in Geduld und Wohlwollen ab, ob wir uns nicht in Freiheit ihm neu zuwenden – berührt und angesteckt von seiner, der göttlichen, Liebe.
Werden wir uns in diesem Gottesdienst neu der Liebe Gottes bewusst und wie sehr wir aus seinem Wohlwollen schöpfen dürfen und leben.
Allmächtiger, barmherziger Gott,
es ist deine Gabe und dein Werk,
wenn das gläubige Volk dir würdig und aufrichtig dient.
Nimm alles von uns,
was uns auf dem Weg zu dir aufhält,
damit wir ungehindert der Freude entgegeneilen,
die du uns verheißen hast.
Darum bitten wir durch Jesus Christus.
MB 31. Sonntag im Jahreskreis
Gott.
Du kennst uns besser, als wir uns selber kennen.
Du weißt, wie sehr wir
der Änderung und Umkehr bedürfen.
Aber du trittst nicht mit Gewalt an uns heran
oder mit List.
Du kommst zu uns mit deinem Wort -
deinem offenen und guten,
deinem fordernden und heilenden Wort.
Gib, daß wir dir heute nicht ausweichen,
daß wir uns öffnen
und dein Wort annehmen:
Jesus Christus,
deinen Sohn, unseren Herrn und Gott,
der in der Einheit des Heiligen Geistes
mit dir lebt und herrscht in alle Ewigkeit.
Amen.
MB Auswahl 33
In allem Lebendigen wirkt Gottes Geist. Wir sind nicht allein auf uns selbst angewiesen.
Im Vertrauen auf ihn und sein Wirken in uns lasst uns gemeinsam beten:
Um Zuversicht und den festen Glauben an das Wirken deines Geistes in der Kirche, wenn menschliches Versagen ihre eigentliche Berufung verdunkelt.
Um den Willen zu Kompromissen und Lösungsansätzen, der die Gräben zwischen Andersdenkenden nicht vertieft sondern zu überbrücken versucht.
Um einen sorgsamen Umgang mit dem Ertrag unserer Steuern und Abgaben, um wirklich notwendige Bedürfnisse unseres demokratischen Staates erfüllen zu können.
Um die Anerkennung der Möglichkeit zu Umkehr und Veränderung zum Besseren, die uns selbst und auch unseren Mitmenschen offen steht.
Um Versöhnung mit dir und deine ewige Nähe für unsere Verstorbenen.
Denn dein Geist treibt uns an, über unsere menschlichen Grenzen hinauszuwachsen und dich als Ursprung und Ziel unseres Lebens zu erkennen.
Dir sei Dank und Ruhm jetzt und bis in Ewigkeit. - Amen.
Gott, unser Vater, du hast uns das Leben geschenkt,
und weißt, was wir brauchen.
Zu dir kommen wir mit unseren Bitten:
Wir beten für alle Menschen, die zu Außenseitern geworden sind.
Lass sie Platz finden in der Gemeinschaft des Gottesvolkes.
Wir beten für alle, die durch Hartherzigkeit andere zu Außenseitern machen.
Lass sie lernen von deiner Hochherzigkeit.
Wir beten für alle, die sich in der Gemeinschaft der Kirche
nicht mehr wohl und angenommen fühlen.
Lass sie Menschen begegnen, deren christliches Leben für sie glaubwürdig ist.
Wir beten für die jungen Menschen in unseren Gemeinden.
Schenke ihnen Freude am Glauben
und lass sie in die Gemeinschaft der Kirche hineinwachsen.
Wir beten für jene älteren Menschen in unserer Gesellschaft;
die sich als überflüssig oder abgeschoben erleben.
Lass sie Wertschätzung und Hochachtung erfahren.
Gott, unser Vater, wir danken dir für alle Liebe und Barmherzigkeit,
die wir in unserem Leben erfahren haben. Amen.
Heiliger Gott,
diese Gabe werde zum reinen Opfer,
das deinen Namen groß macht unter den Völkern.
Für uns aber werde sie zum Sakrament,
das uns die Fülle deines Erbarmens schenkt.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
MB 31. Sonntag im Jahreskreis
GL 558: Litanei vom Heilswirken Gottes.
Kehrvers:
Danket dem Herrn, denn er ist gütig,
denn seine Huld währt ewig. (GL 558,1)
Danket dem Herrn, denn er ist gütig, denn seine Huld währt ewig.
So sollen alle sprechen, die vom Herrn erlöst sind,
die er aus ihrer Not befreit hat.
Kehrvers
Er hat uns aus den Ländern gesammelt,
vom Aufgang der Sonne bis zum Niedergang.
In unserer Bedrängnis riefen wir zum Herrn,
er hat uns unseren Ängsten entrissen.
Kehrvers
Er hat uns zu Töchtern und Söhnen Gottes erwählt
und in das Volk Gottes zurückgeholt.
Als Menschensohn ist er gekommen,
um zu suchen und zu retten, was verloren ist.
Kehrvers
Er hat uns Barmherzigkeit erwiesen.
und uns ein Beispiel gegeben,
wie auch wir einander barmherzig sein sollen.
Kehrvers
Nicht um uns zu richten ist er in die Welt gekommen,
sondern um zu retten.
Er will, dass wir das Leben haben
und es in Fülle haben.
Kehrvers
Dafür danken wir dir, barmherziger Vater,
und loben wir dich mit der ganzen Schöpfung:
Danklied, z. B.: Nun saget Dank und lobt den Herren (GL 385)
In Wahrheit ist es würdig und recht,
dir, Herr, heiliger Vater,
allmächtiger, ewiger Gott,
immer und überall zu danken.
Denn wir erkennen deine Herrlichkeit in dem,
was du an uns getan hast:
Du bist uns mit der Macht deiner Gottheit
zu Hilfe gekommen und
hast uns durch deinen menschgewordenen Sohn
Rettung und Heil gebracht
aus unserer menschlichen Sterblichkeit.
So kam uns aus unserer Vergänglichkeit
das unvergängliche Leben
durch unseren Herrn Jesus Christus.
Durch ihn preisen wir jetzt und in Ewigkeit
dein Erbarmen und singen mit den
Chören der Engel das Lob
deiner Herrlichkeit:
Heilig ...
MB Sonntage 3
Wir danken dir, treuer und barmherziger Vater,
für Jesus, deinen Sohn unseren Herrn und Bruder.
Seine Liebe galt den Armen und Kranken,
den Ausgestoßenen und Sündern.
An keiner Not ging er vorüber.
Sein Leben und seine Botschaft lehren uns,
daß du ein Gott bist, der sich der Menschen annimmt
wie ein Vater sich um seine Kinder sorgt.
Darum loben und preisen wir dich,
wir rühmen deine Güte und Treue
und verkünden mit allen Engeln und Heiligen
das Lob deiner Herrlichkeit:
Heilig...
Präfation aus dem Schweizer Hochgebet 3
Gelobt seist du, Herr
weil du uns wie Zachäus ansprichst
Gelobt seist du, Herr
weil du uns wieder auf den Boden holst
Gelobt seist du, Herr
weil du uns beim Namen kennst
Gelobt seist du, Herr
weil du uns ernst nimmst
Gelobt seist du, Herr
weil du uns immer neu zur Umkehr rufst
Gelobt seist du, Herr
weil du uns eine neue Chance gibst
Gelobt seist du, Herr
weil du jetzt bei uns eingekehrt bist
Gelobt seist du, Herr
weil du bei uns bleiben willst
Gütiger Gott,
du hast uns mit dem Brot des Himmels gestärkt.
Lass deine Kraft in uns wirken,
damit wir fähig werden,
die ewigen Güter zu empfangen,
die uns in diesen Gaben verheißen sind.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
MB 31. Sonntag im Jahreskreis
Herr, unser Gott,
du hast gewollt,
daß sich das Bild deines Sohnes
auspräge im Wesen der Getauften,
die du zu deinem Tisch geladen hast.
Ermutige uns, dem Evangelium zu folgen
und deinem Heiligen Geist Raum zu geben.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
MB Schlussgebete zur Auswahl 6
Der gütige Gott, der alles liebt, was er geschaffen hat,
schenke euch Lebenskraft und Freude.
Jesus Christus, der gekommen ist,
um zu suchen und zu retten, was verloren ist,
lasse euch teilhaben an der Gemeinschaft des Volkes Gottes.
Der Heilige Geist, der allen Willen zum Guten
und jedes Werk des Glaubens vollendet,
begleite euch in euren täglichen Mühen.
Das gewähre euch der dreieinige Gott,
der Vater und der Sohn und der Heilige Geist.
Bischofsversammlung positioniert Kirche klar für Rettung Amazoniens und liefert dem Papst Vorschläge zur Überwindung des Priestermangels. Auch Anregung eines eigenen amazonisch-katholischen Ritus, bei Frauendiakonat vorsichtigere Formulierung.
Ganzer Beitrag:
https://www.erzdioezese-wien.at/site/home/nachrichten/article/77867.html
www.erzdioezese-wien.at/ – 26. 10. 2019
Flughafen-Wien-Chef Günther Ofner über die grünen Vielflieger, die zu Unrecht gescholtene Luftfahrt und seine Vision von einer smarten, innovativen Airport City.
Ganzer Beitrag:
https://www.diepresse.com/5711006/flughafen-chef-ofner-grun-wahler-fliegen-am-haufigsten
www.erzdioezese-wien.at/ – 26. 10. 2019
Zachäus, obwohl von Natur aus zu kurz gewachsen und von sozialem Ansehen durchaus niedriger Natur, wächst weit über sich hinaus: Hinaus über das, was man sich von ihm erwartet hätte, sogar über das hinaus, was das damalige Recht, wenn es denn durchgesetzt worden wäre, von ihm erwartet hätte, und erst recht im Ansehen durch Jesus von Nazareth über das, was er sich selber vorgestellt hätte, vor allem aber über das hinaus, was seine Zeitgenossen ihm – und Jesus von Nazareth zugestanden – hätten.
Und die Moral von der Geschicht’? Die Pointe der Geschichte liegt wohl gerade darin, dass sie uns eben eine solche Moral vorenthält. Diese Geschichte sagt eben gerade nicht, wie wir das gelegentlich so gerne predigen – und zwar nicht nur in der Kirche: Ihr müsst dieses tun oder jenes, damit… Sondern sie zeigt uns gerade die geradezu absolute Voraussetzungslosigkeit der Begegnung mit Jesus von Nazareth und deren unbegrenzte Potenz, die Dinge aus dem Lot – und damit recht eigentlich ins Lot zu bringen. Mitunter reicht eben auch die schlichte, vielleicht sogar etwas sensationslüsterne Neugier aus, eine solche radikale Umkehr auszulösen – und erstaunlicherweise ist nicht einmal ein skandalöser Lebenswandel jenes Hindernis, das die fromm und gerecht Denkenden gerne aufgerichtet sähen. Nicht die ethische Korrektheit ermöglicht die Begegnung, sondern – umgekehrt - die Begegnung befreit zur ethischen Sensibilität!
Und so ist das überhaupt in der Begegnung mit diesem Jesus von Nazareth: Sie befreit uns, wenn sie gelingt – und das liegt wohl zum Wenigsten an uns selber! - , von unseren uns angeborenen und eingewachsenen Wachstumshindernissen. Sie lässt uns über uns selbst hinauswachsen, weil sie uns von uns selber befreit – und von unserem Habenwollen und Seinwollen.
Robert Leicht, Predigt: “Da ist aber einer über sich hinausgewachsen“ in der Hauptkirche St. Michaelis zu Hamburg am 24.06.2007
https://www.ekd.de/070624_leicht_hamburg.htm
Jeder des anderen Ärgernis
jeder des anderen Spaß
jeder des anderen Spielautomat
Goldene Serie, schrecklicher Reinfall
jeder des anderen Kontaktperson
Wackelkontakt, total überdreht
jeder des anderen Fels
jeder aus Stein.
Es gibt keinen Grund
dich nicht zu belügen
jedem ist alles egal.
Jeder eine Nummer
ein Loch und im Eimer
alle auf Nummer Sicher.
Jeder sieht mir irgendwie ähnlich
und verschläft jeden Tag
diesen billigen Traum:
Wenn jeder jedem Feuer gäbe
mit brennendem Paß
wäre keiner mehr jeder.
Ralf Rothmann, Gebet in Ruinen. Gedichte. Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main 2000.
ist auf dem Baum angekommen. Es ist, als ob sein ganzes Leben auf diesen Augenblick zugelaufen wäre, dieses Leben, aus dem er sich mehr und mehr ein Gewissen machte. Alle Selbstsicherheit ist von ihm abgefallen. Er hat sein Leben vertan, da er auf die falsche Karte setzte, auf Geldgewinn und Reichtum. Nun sitzt er im Geäst des Baumes so, als wolle er sich wie Adam und Eva vor Gott verstecken. Als Kollaborateur der verhassten Besatzer, der Römer, ist er von seinen eigenen Landsleuten geächtet. Auch deshalb sucht er im Geäst des Baumes Schutz vor ihren bösen Blicken.
Aber da ist auch ein Funken von Sehnsucht und Hoffnung, das noch etwas Einmaliges und Unerwartetes in seinem Leben aufbrechen könnte.
Ja, wenigstens einen Blick will Zachäus auf Jesus erhaschen. Das ist noch weniger, als den Saum seines Gewandes zu berühren. Und da steht Jesus schon unter seinem Baum, schaut zu ihm hinauf, schaut ihn an mit seinen unendlichen gütigen Augen. Und Zachäus spürt, dass er, so wie ihm zumute ist, bis auf den Seelengrund verstanden und geliebt ist. Nein, es sind keine Vorleistungen zu erbringen. Nur vom Baum muss er herabsteigen - wieder auf festen Grund. Indem Jesus ihn ansieht und sich ihm zuwendet, hat Zachäus ein neues Ansehen gewonnen, und das ermutigt ihn, den Rabbi bei sich einzuladen. Wie selbstverständlich gelingt ihm die Umkehr zu einem neuen, befreiten Leben.
Karlheinz May, Vom Duft der Auferstehung. Die vier Evangelien in Auszügen. Bernardus Verlag, Aachen 2009.

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Die heutige Lesung mit ihrer Veranschaulichung der Handlungsweise des Gottes Israels gehört zu den schönsten Aussagen über Gott, die in der Bibel zu finden sind. Was das Weisheitsbuch in den kurzen Worten der Jugend vor 2000 Jahren vom Handeln und Wirken des menschenfreundlichen Gottes Israels zu sagen versucht hat, ist kostbares Erbe. Es trifft sich mit dem Evangelium vom Vater Jesu Christi, dessen Erbarmen und Menschenfreundlichkeit die Begegnung Jesu mit dem Zöllner Zachäus im Evangelium sichtbar macht.