Lesung aus der Apostelgeschichte.
In jenen Tagen
begann Petrus zu reden
und sagte:
Ihr wisst, was im ganzen Land der Juden geschehen ist,
angefangen in Galiläa,
nach der Taufe, die Johannes verkündet hat:
wie Gott Jesus von Nazaret gesalbt hat
mit dem Heiligen Geist und mit Kraft,
wie dieser umherzog,
Gutes tat
und alle heilte, die in der Gewalt des Teufels waren;
denn Gott war mit ihm.
Und wir sind Zeugen
für alles, was er im Land der Juden und in Jerusalem getan hat.
Ihn haben sie an den Pfahl gehängt und getötet.
Gott aber hat ihn am dritten Tag auferweckt
und hat ihn erscheinen lassen,
zwar nicht dem ganzen Volk,
wohl aber den von Gott vorherbestimmten Zeugen:
uns, die wir mit ihm nach seiner Auferstehung von den Toten
gegessen und getrunken haben.
Und er hat uns geboten, dem Volk zu verkünden
und zu bezeugen:
Dieser ist der von Gott eingesetzte Richter
der Lebenden und der Toten.
Von ihm bezeugen alle Propheten,
dass jeder, der an ihn glaubt,
durch seinen Namen die Vergebung der Sünden empfängt.
(Lektionar 2018 ff. © 2024 staeko.net)
Kv - Das ist der Tag, den der HERR gemacht;
wir wollen jubeln und uns über ihn freuen. - Kv
Oder: Kv Halleoluja. - KV
(Oder: GL 66,1)
Dankt dem HERRN, denn er ist gut,
denn seine Huld währt ewig!
So soll Israel sagen:
Denn seine Huld währt ewig. - Kv
Die Rechte des HERRN, sie erhöht,
die Rechte des HERRN, Taten der Macht vollbringt sie.
Ich werde nicht sterben, sondern leben,
um die Taten des HERRN zu verkünden. - Kv
Ein Stein, den die Bauleute verwarfen,
er ist zum Eckstein geworden.
Vom HERRN her ist dies gewirkt,
ein Wunder in unseren Augen. - Kv
(Lektionar 2018 ff. © 2024 staeko.net)
Halleluja. Halleluja.
Unser Paschalamm ist geopfert: Christus.
So lasst uns das Festmahl feiern im Herrn.
Halleluja.
Lesung aus dem Brief des Apostels Paulus
an die Gemeinde in Kolóssä.
Schwestern und Brüder!
Seid ihr nun mit Christus auferweckt,
so strebt nach dem, was oben ist,
wo Christus zur Rechten Gottes sitzt!
Richtet euren Sinn auf das, was oben ist,
nicht auf das Irdische!
Denn ihr seid gestorben
und euer Leben ist mit Christus verborgen in Gott.
Wenn Christus, unser Leben, offenbar wird,
dann werdet auch ihr mit ihm offenbar werden in Herrlichkeit.
(Lektionar 2018 ff. © 2024 staeko.net)
Die Theologie des Kolosserbriefes konzentriert sich auf zwei bedeutende Themen: die Stellung Christi und seine Verkündigung in der Kirche. Die Taufe, in der für die Christen die Erlösung Realität wurde, spielt eine zentrale Rolle.
Im Kapitel 3 hören wir eine mahnende Rede an die Gemeinde. Was das ermutigende darin ist: der Verfasser beginnt mit einer Zusage an die Gemeinde, dass die Gabe des Auferwecktseins mit Christus verliehen ist. Und diese Verbindung mit Christus ist die Basis für eine Gemeinde und jede und jeden Einzelnen, ein Leben zu führen, das seine Ausrichtung auf Christus zum Ziel hat. Dieses Ziel mündet dann in die Zukunftsperspektive, die in der Gemeinschaft mit Christus bei seinem künftigen Erscheinen besteht.
Die Verse der zweiten Lesung aus dem Brief an die Christen in Kolossä haben den Charakter einer Taufpredigt. Sie reflektieren, was die enge Verbindung mit Jesus Christus an den Seinen bewirkt: Die Teilhabe am neuen Leben des Auferstandenen. Von dieser neuen Lebenswirklichkeit her, fordert er einen entsprechenden Lebenswandel. Christen sind durch den Galuben und die Taufe aufs engste mit Christus verbunden. Dies gilt auch für die endgültige Zukunft der Christen, "wenn Christus offenbar wird".
Lesung aus dem ersten Brief des Apostels Paulus
an die Gemeinde in Korinth.
Wisst ihr nicht,
dass ein wenig Sauerteig den ganzen Teig durchsäuert?
Schafft den alten Sauerteig weg,
damit ihr neuer Teig seid!
Ihr seid ja schon ungesäuertes Brot;
denn als unser Paschalamm ist Christus geopfert worden.
Lasst uns also das Fest nicht mit dem alten Sauerteig feiern,
nicht mit dem Sauerteig der Bosheit und Schlechtigkeit,
sondern mit den ungesäuerten Broten
der Aufrichtigkeit und Wahrheit.
(Lektionar 2018 ff. © 2024 staeko.net)
Zur Auswahl steht als zweite Lesung ein kurzer Abschnit aus dem ersten Korintherbrief. Darin greift Paulus auf einen alten jüdischen Osterbrauch zurück, um den Korinthern anläßlich eines Skandals (ein Fall von Blutschande in der Gemeinde) eine eindringliche Lehre zu erteilen. Vor dem Paschafest wurde der Sauerteig, den man beim Brotbacken jeweils beiseite gab und für das nächste Brotbacken aufhob, weggeworfen. Nach einigen Tagen, an denen man nur ungesäuertes Brot aß, setzte man neuen Sauerteig an. Dieses Brauch hält der Apostel seinen Adressaten vor und fordert sie auf, aus ihrem Leben den "alten Sauerteig" zu beseitigen und ein Leben zu führen, das der neuen Wirklichkeit entspricht.
Aus dem heiligen Evangelium nach Johannes.
Am ersten Tag der Woche kam Maria von Magdala
frühmorgens, als es noch dunkel war, zum Grab
und sah, dass der Stein vom Grab weggenommen war.
Da lief sie schnell zu Simon Petrus
und dem anderen Jünger, den Jesus liebte,
und sagte zu ihnen:
Sie haben den Herrn aus dem Grab weggenommen
und wir wissen nicht, wohin sie ihn gelegt haben.
Da gingen Petrus und der andere Jünger hinaus
und kamen zum Grab;
sie liefen beide zusammen,
aber weil der andere Jünger schneller war als Petrus,
kam er als Erster ans Grab.
Er beugte sich vor
und sah die Leinenbinden liegen,
ging jedoch nicht hinein.
Da kam auch Simon Petrus, der ihm gefolgt war,
und ging in das Grab hinein.
Er sah die Leinenbinden liegen
und das Schweißtuch, das auf dem Haupt Jesu gelegen hatte;
es lag aber nicht bei den Leinenbinden,
sondern zusammengebunden daneben
an einer besonderen Stelle.
Da ging auch der andere Jünger,
der als Erster an das Grab gekommen war, hinein;
er sah und glaubte.
Denn sie hatten noch nicht die Schrift verstanden,
dass er von den Toten auferstehen müsse.
(Lektionar 2018 ff. © 2024 staeko.net)
Aus dem heiligen Evangelium nach Johannes.
Am ersten Tag der Woche kam Maria von Magdala
frühmorgens, als es noch dunkel war, zum Grab
und sah, dass der Stein vom Grab weggenommen war.
Da lief sie schnell zu Simon Petrus
und dem anderen Jünger, den Jesus liebte,
und sagte zu ihnen:
Sie haben den Herrn aus dem Grab weggenommen
und wir wissen nicht, wohin sie ihn gelegt haben.
Da gingen Petrus und der andere Jünger hinaus
und kamen zum Grab;
sie liefen beide zusammen,
aber weil der andere Jünger schneller war als Petrus,
kam er als Erster ans Grab.
Er beugte sich vor
und sah die Leinenbinden liegen,
ging jedoch nicht hinein.
Da kam auch Simon Petrus, der ihm gefolgt war,
und ging in das Grab hinein.
Er sah die Leinenbinden liegen
und das Schweißtuch, das auf dem Haupt Jesu gelegen hatte;
es lag aber nicht bei den Leinenbinden,
sondern zusammengebunden daneben
an einer besonderen Stelle.
Da ging auch der andere Jünger,
der als Erster an das Grab gekommen war, hinein;
er sah und glaubte.
Denn sie hatten noch nicht die Schrift verstanden,
dass er von den Toten auferstehen müsse.
Dann kehrten die Jünger wieder nach Hause zurück.
Maria aber stand draußen vor dem Grab und weinte.
Während sie weinte,
beugte sie sich in die Grabkammer hinein.
Da sah sie zwei Engel in weißen Gewändern sitzen,
den einen dort, wo der Kopf,
den anderen dort,
wo die Füße des Leichnams Jesu gelegen hatten.
Diese sagten zu ihr: Frau, warum weinst du?
Sie antwortete ihnen:
Sie haben meinen Herrn weggenommen
und ich weiß nicht, wohin sie ihn gelegt haben.
Als sie das gesagt hatte, wandte sie sich
um und sah Jesus dastehen,
wusste aber nicht, dass es Jesus war.
Jesus sagte zu ihr: Frau, warum weinst du?
Wen suchst du?
Sie meinte, es sei der Gärtner,
und sagte zu ihm: Herr, wenn du ihn weggebracht hast,
sag mir, wohin du ihn gelegt hast!
Dann will ich ihn holen.
Jesus sagte zu ihr: Maria!
Da wandte sie sich um
und sagte auf Hebräisch zu ihm: Rabbuni!, das heißt: Meister.
Jesus sagte zu ihr: Halte mich nicht fest;
denn ich bin noch nicht zum Vater hinaufgegangen.
Geh aber zu meinen Brüdern
und sag ihnen:
Ich gehe hinauf zu meinem Vater und eurem Vater,
zu meinem Gott und eurem Gott.
Maria von Magdala kam zu den Jüngern
und verkündete ihnen: Ich habe den Herrn gesehen.
Und sie berichtete,
was er ihr gesagt hatte.
(Lektionar 2018 ff. © 2024 staeko.net)
Das Johannesevangelium erzählt von einigen Jüngern und Jüngerinnen, wie sie ganz unterschiedlich begreifen lernten, Jesus ist auferstanden. Darin zeigen sich auch feine Wahrnehmungsunterschiede je nach Alter und Geschlecht. Dies zu bedenken lohnt sich in einer Zeit, in der wir spüren, wie sehr Alt und Jung aufeinander angewiesen sind.
Vor einigen Tagen war ich Einkaufen, eine Kleinigkeit nur, obwohl ich das als Älterer derzeit vermeiden sollte. Ich gehöre ja zur "Risikogruppe". Mich reizte zum Schmunzeln, wie mitleidig rücksichtsvoll alle mit mir als älterem Mann umgingen. Dabei habe ich mich bis jetzt nicht wirklich alt und hilfsbedürftig gefühlt. Corona macht's möglich!
Eine erfreulicher Nebenaspekt der Corona-Krise ist die Solidarität der einzelnen Altersgruppen, die nun sichtbar wird. Die junge Generation lässt sich zum verlängerten Zivildienst heranziehen. Viele junge Freiwillige übernehmen ehrenamtliche Dienste anstelle der älteren Generation etwa in der Caritas bei der Betreuung Obdachloser. Junge Soldaten müssen länger dienen oder wieder einrücken, um Engpässe im öffentlichen Dienst zu vermeiden oder abzufedern. Mit einer bewundernswerten Selbstverständlichkeit tragen die meisten die Einschränkungen mit, die notwendig geworden sind, dass wir die Krise bewältigen.
Bis jetzt hat man die Generationenfrage höchstens im Zusammenhang mit den Pensionen diskutiert. Auch in der Kirche war die Generationenfrage nicht wirklich ein Thema. Man bedauerte zwar, dass die Jungen immer häufiger den Gottesdiensten fernblieben, dass dies mit der Generationenfrage mehr zu tun haben könnte, wurde kaum artikuliert. Allein schon die Frage "Wie bekommen wir die Jungen wieder in die Kirche?" verrät, wer bestimmt, wie kirchliches Leben auszusehen hat. Dass wir so wenig jüngere Priester haben, scheint zu rechtfertigen, dass die älteren weiterhin den Ton angeben. Die Generationenfrage hat auch theologische Aspekte, die zu bedenken es sich lohnt.
Das Johannesevangelium erzählt uns von der Entdeckung des Leeren Grabes Jesu. Maria von Magdala ist die erste, die in der Morgenfrühe zum Grab kommt. Sie kann es noch nicht einordnen, dass sie das Grab leer vorfindet und verständigt die Apostel. Petrus und Johannes – warum nur die beiden? – eilen zum Grab. Johannes ist jünger und schneller. Petrus ist schon langsamer unterwegs. Johannes lässt ihm den Vortritt. Petrus registriert alles, hält sich jedoch in der Beurteilung zurück. Johannes, so heißt es, "sah und glaubte". Wie Maria zum Glauben an die Auferstehung Jesu gekommen ist, wie sie Jesus persönlich begegnet ist, wird noch in einer eigenen Geschichte erzählt. Alle drei finden auf je andere Weise und unterschiedlich schnell Zugang zum Glauben an die Auferstehung. Offenbar spielt dabei sowohl das Lebensalter wie auch das Mann- oder Frausein eine Rolle.
Wir sind es gewohnt, von der Auferstehung wie von einem Glaubenssatz zu sprechen, den man annehmen oder ablehnen kann. Kann die Antwort nur ja oder nein lauten, wie Journalisten es gerne hätten? Ist es mit dem Glauben an die Auferstehung wirklich so einfach? Der Glaube ist ein persönlicher Entwicklungsweg. Besonders der Glaube an die Auferstehung kann in jeder Lebensphase anders erlebt werden.
Wenn ich auf meine persönliche Entwicklung als Glaubender zurückschaue, wird mir bewusst, dass ich in den einzelnen Lebensphasen unterschiedliche Zugänge zum Glauben an Gott und auch unterschiedliche Sichtweisen des Glaubens an die Auferstehung gefunden habe. Als Jugendlicher erging es mir ähnlich wie Johannes: "Ich sah und glaubte". Da gab es für mich keinen großen Diskussionsbedarf. Im Laufe meines Lebens lernte ich genauer hinzuschauen. Wie viele Menschen begann ich zu fragen: Ist das nicht alles absurd? Wie kann man so etwas glauben? Ich sah mich veranlasst, mich gründlicher mit den biblischen Zeugnissen auseinanderzusetzen; was sie bedeuten und was wir vielleicht in die biblischen Texte hineinlesen. Immer dringender wurde auch das Anliegen, meinen Glauben an die Auferstehung mit einer aufgeklärten wissenschaftlich bestimmten Weltsicht in Einklang bringen zu können. In dieser Hinsicht finde ich mich in einem schon etwas reiferen und kritischeren Petrus wieder, der alles wahrnimmt und abwägt. Ausgelöst durch den Verlust geliebter mir nahestehender Personen habe ich auch das emotionale Ringen der Maria von Magdala durchlitten. Auch wenn ich schon zu den Älteren gehöre, bin ich mir bewusst, dass ich noch nicht am Ende meiner Glaubensentwicklung angekommen bin. Das Leben, das noch vor mir liegt, wird mir auch hinsichtlich des Glaubens noch neu herausfordern.
Hinsichtlich der Generationenfrage in der Kirche geht es nicht nur darum, wie Alt und Jung gut miteinander auskommen. Die Fragen, die sich in diesem Miteinander stellen, reichen viel tiefer: Glauben junge Menschen anders als alte? Haben sie Zugänge, die wir noch nicht hatten oder die wir nicht mehr haben? Gilt dies nicht auch für die Geschlechterfrage? Gehen Frauen an Glaubensfragen anders heran als Männer? Machen sie Glaubenserfahrungen, die für uns Männern schwer verstehbar sind?
Ich wünsche mir eine neue Wertschätzung der Vielfalt der Glaubenserfahrungen, der Vielfalt der Glaubenszugänge und der Vielfalt der Ausdrucksformen des Glaubens. Der Blick auf Maria, Johannes und Petrus bestärken mich darin, dass jeder seinen eigenen Zugang finden muss und dass es uns bereichert, wenn wir miteinander teilen, was uns Gott, an die Auferstehung Jesu und an unsere eigene Auferstehung glauben lässt. Die Coronakrise beschert uns viel Zeit, die wir miteinander verbringen müssen und die mit Inhalt zu füllen gar nicht so einfach ist. Vielleicht ergibt sich die eine oder andere Gelegenheit uns auszutauschen, was uns dieser Jesus bedeutet, was wir an ihm schätzen, was von ihm weiterleben soll und welche Hoffnung für unsere eigene Zukunft wir mit ihm verbinden.
Jesu Tod hätte ein Schlusspunkt hinter sein Leben werden sollen. Es wurde jedoch zum Schlusspunkt hinter den Tod.
Ostern fängt in der Nacht an, bringt einen hellen Morgen hervor und setzt einen dicken Schlusspunkt. Einen Schlusspunkt unter eine Geschichte, die der Tod schreiben wollte, aber unter der Hand verliert. Vor unseren Augen. Frohe Ostern!
Schlusspunkte schließen ab, halten fest, markieren einen Endpunkt. Das können wir heute Morgen sogar in den Lesungen entdecken, natürlich besonders im Evangelium. Aber sind nicht alle Texte, die uns heute Morgen geschenkt werden, Evangelium, Frohe Botschaft, frohmachende Botschaft?
Hören wir noch einmal in die Predigt hinein, die Petrus gehalten hat! Ihr wisst, was geschehen ist? Petrus behauptet das – oder setzt er es voraus? Egal, es ist in aller Munde! Und dann erzählt Petrus, ziemlich einfach und schlicht, die Geschichte Jesu: Er erzählt von seiner Liebe, von seinem Tod, von seiner Auferstehung. Und dann kommt es: „Und er hat uns geboten, dem Volk zu verkündigen und zu bezeugen: Das ist der von Gott eingesetzte Richter der Lebenden und der Toten. Von ihm bezeugen alle Propheten, dass jeder, der an ihn glaubt, durch seinen Namen die Vergebung der Sünden empfängt.“
Schlusspunkt! Wir erleben Auferstehung, nein, wir stehen von den Toten auf, wenn wir in Jesu Namen die Vergebung der Sünden empfangen. Ein Schlusspunkt unter vielen Geschichten, die wir als Menschen kennen und fürchten. Wenn wir schuldig werden, schuldig gesprochen werden, uns selbst schuldig erklären. Und nicht herausfinden. Der von Gott eingesetzte Richter der Lebenden und der Toten – schenkt Vergebung! In seinem Namen dürfen Menschen, hoffnungsfroh und wortgewaltig, die größten und schönsten Zusagen machen. Sogar die Propheten haben davon schon geredet!
Vergebung meint nicht, etwas zu vergessen. Schließlich gehören auch Schuldgeschichten zum Reichtum des Lebens. Aber frei zu werden, befreit zu sein, noch einmal und immer wieder neu leben zu können, das wird in der Vergebung geschenkt. Ein Schlusspunkt, der Wunder wirkt. Es gibt dann eine alte Geschichte und eine neue. Das hat Petrus nicht nur so gesagt! Er hat Jesus verleugnet! Verflucht hat er sich: Ich kenne diesen Menschen nicht! Er hat es förmlich geschrieen. Er hat sich in seinen eigenen Worten verheddert. Das Großmaul war auf einmal sehr klein. Und dann krähte der Hahn!
Und der Hahn kündigte den Morgen an!
Gehen wir einige Schritte weiter! In dem Brief an die kleine christliche Gemeinde in Kolossä schreibt ein Schüler des Apostels Paulus, dass wir mit Christus auferstanden sind. Sind! Nicht werden, nicht könnten, nicht möchten. Sind! Das ist einerseits mutig, fast schon verwegen, wer aber genauer hinsieht, wird an seine Taufe erinnert. Schauen wir darauf, sind wir, auch heute Morgen, in das Leben Jesu hineingenommen und von ihm angenommen. Das ist Ostern! Wir bezeugen die Auferstehung Jesu von Toten – und unser Leben in ihm. In dem Brief heißt es, jetzt gar nicht mehr so überraschend: „Richtet euren Sinn auf das Himmlische und nicht auf das Irdische!“
Hier wird dann auch ein Schlusspunkt gesetzt. „Wenn Christus, unser Leben, offenbar wird, dann werdet auch ihr mit ihm offenbar werden in Herrlichkeit.“ Das ist die Ansage, die Zusage von Zukunft!
Von Kolossä wissen wir nicht viel. Noch weniger von den Menschen dort. Doch wir kennen uns. Oder auch nicht. Das reicht auch. Was bleibt von uns, könnte ich fragen. Was bleibt von mir? Ein Leben lang kämpfe ich darum, von anderen Menschen – und auch von mir – angenommen zu sein. Manchmal muss ich mich verbiegen, manchmal schweigen, manchmal mit den Wölfen heulen. Manchmal halte ich die Wahrheit nicht aus, manchmal halte ich mich aus allem heraus, manchmal lasse ich einfach alles laufen. Manchmal könnte ich den Dingen auf den Grund gehen, manchmal den Stummen meine Stimme leihen, manchmal den Neunmalklugen ins Wort fallen. Manchmal. Nur manchmal. Wie wird mein Leben einmal beurteilt werden? Wie beurteile ich es selbst? Kann ich bestehen? Auch vor mir? Vor dem Schlusspunkt könnte mir grauen. Aber heute Morgen wird ein anderer Schlusspunkt gesetzt: Wir werden mit Christus in seiner Herrlichkeit offenbar werden! Dieser Schlusspunkt wird gesetzt. Ich kann ihn mir – und anderen Menschen! – nicht nehmen. Und dann krähte der Hahn! Und der Hahn kündigte den Morgen an!
Und wenn wir schon beim Hahn sind und sein Krähen wie eine Verheißung hören, sollten wir geschwind Petrus begleiten. Das Evangelium, so wie es Johannes überliefert, lässt uns einen Menschen sehen, der, sagen wir, kurzatmig ist, nicht so gut bei Kondition, eben auf dem letzten Loch pfeift. Johannes hat da seine eigene Sicht auf die Geschichte, aber was auffällt, ist das enorme Tempo. Hier wird gerannt! Unter uns: Hier riecht man den Schweiß! Hier hecheln Zungen. Der gemächliche Osterspaziergang, den Goethe beschreibt, muss noch ein wenig warten.
Maria von Magdala kommt – es ist noch dunkel! – zum Grab und ist von dem Anblick entsetzt: der Stein ist weg. Weggerollt. Sie bringt jetzt aber, sagen wir, den Stein ins Rollen! Anstatt einen Blick in das Grab zu werfen, rennt sie zu den Jüngern. Und die rennen zum Grab. Genauer: Petrus und Johannes. Es ist, als ob in dieser Geschichte Menschen um ihr Leben rennen. Oder ist es ein Notfall? Neugier? Nein, jetzt muss gerannt werden – um das Leben zu entdecken. Was soll ich sagen? Ein bisschen Hierarchie hat sich der Evangelist nicht verkneifen können – oder ist es auch Liebe? Johannes, flink, ist als Erster beim Grab, lässt aber Petrus den Vortritt, der keuchend in das Grab schleicht. Und was ist zu sehen? Eigentlich nicht viel. Nur eine große Leere – und ein paar Leinenbinden in der Ecke. Diese Geschichte reimt sich nicht von selbst. Außer Puste entdeckt Petrus, dass Jesus dort nicht ist. Das kann man auch nur so entdecken! Wenn Petrus nicht gewusst hätte, dass er dort bestattet worden ist, könnte er an seinem Verstand zweifeln. Freilich, das ist auch eine gelungene Ostererfahrung: Ich kann mich nicht nur auf mich verlassen. Ich muss mich nicht nur auf mich verlassen.
Der Evangelist, der ansonsten nichts tut, der Geschichte Plausibilität zu verleihen, setzt aber einen Schlusspunkt: „Denn sie wussten noch nicht aus der Schrift, dass er von den Toten auferstehen musste.“
Die Überraschung ist jetzt perfekt. Oder perplex? Dass Jesus von den Toten auferstehen muss, wissen doch auch wir nicht. Nicht wirklich! Wie es weitergeht? Es wird uns gesagt, zugesagt, dass Jesus auferstanden ist – und auferstehen musste. Unsertwillen. Zwischen dem, was wir von uns aus wissen – oder wissen können – und dem, was uns zugesagt wird, können Welten liegen. Darüber stolpern wir ständig. Dass auch die Jünger etwas nicht wissen, ist tröstlicher, als es auf dem ersten Blick erscheinen mag. Obwohl Jesus von seiner Auferstehung gesprochen hat, können auch Petrus und Johannes nichts von ihr wissen. Wir müssten jetzt darüber reden, was „Wissen“ ist. Und was Wissen vom Glauben unterscheidet. Aber dafür reicht die Zeit nicht, die Geduld vielleicht auch nicht.
Es ist ein Schlusspunkt: Wir wissen das Leben nicht, aber es wird uns eröffnet, es wird uns aufgeschlossen.
Jetzt höre ich Petrus, danach. Er hält eine Osterpredigt:
„Gott aber hat ihn am dritten Tag auferweckt und hat ihn erscheinen lassen, zwar nicht dem ganzen Volk, wohl aber den von Gott vorherbestimmten Zeugen: uns, die wir mit ihm nach seiner Auferstehung von den Toten gegessen und getrunken haben. Und er hat uns geboten, dem Volk zu verkündigen und zu bezeugen: Das ist der von Gott eingesetzte Richter der Lebenden und der Toten. Von ihm bezeugen alle Propheten, dass jeder, der an ihn glaubt, durch seinen Namen die Vergebung der Sünden empfängt.“
Ostern ist ein Schlusspunkt. Einer? Der Schlusspunkt! Der Tod beklagt sich bitter darüber, dass ein anderer unter seinen Geschichten doch tatsächlich den Schlusspunkt setzt! Hören Sie sein Klagen? - Er sollte sich lieber vom Acker machen!
Und der Friede Gottes,
der höher ist als unsere Vernunft,
bewahre unsere Herzen und Sinne
in Christus Jesus,
unserem Herrn.
Maria Magdalena ist die Hauptgestalt eines aktuellen Films. Sie wird als Frau dargestellt, die durch Jesus zu einer befreienden Spiritualität findet. Im Johannesevangelium findet sie am Ostermorgen das leere Grab. Was Ostern bedeutet, muss sie und die Jünger erst nach und nach entdecken: ein neuer Tag, eine neue Schöpfung...
Maria Magdalena schafft es gerade hochmotiviert und überaus hübsch ins Kino – haben Sie den Film schon gesehen? In der fachmännischen Kritik heißt es: „Die junge, unangepasste Frau bricht aus der patriarchalischen Enge ihrer Familie und Dorfgemeinschaft aus (man denkt bei diesen Anfangsszenen unwillkürlich an muslimische Frauen im Nahen Osten heute), schließt sich dem Outsider Jesus an, erfährt bei ihm Achtung ... und findet durch ihn zu einer befreienden Spiritualität und einem Leben tätiger Barmherzigkeit. So ist sie am Ende nicht nur diejenige, die ihm bis in den Tod treu bleibt, sondern sie wird auch die erste Zeugin seines neuen Lebens und Predigerin eines Glaubens an Christus, der den Tod überwindet. Dabei schreckt sie nicht davor zurück, mit mächtigen Männern zu streiten – ihrem Vater, dem Bruder oder mit Petrus ... Die weibliche Hauptfigur stiftet so eine schöne Sensibilität für den »liberalen« Jesus, und schenkt eine Ahnung dafür, dass ein christlicher Glaube auch heute noch möglich ist.“
(https://www.epd-film.de/filmkritiken/maria-magdalena)
Sie werden, wenn Sie den Film gesehen haben, schon die passenden Worte für ihn finden. Dass Jesus liberal gewesen sein soll, ist eine schöne moderne Sehnsucht. Dass die weibliche Hauptfigur – in einem Film unerlässlich – eine schöne Sensibilität stiftet, wird vielen gefallen. Dass ein christlicher Glaube auch heute noch möglich ist, ist für den Kritiker auch nur eine Ahnung. Was kann ein Film darstellen? Was nicht? Und was sehe ich dann?
Im Evangelium wird uns eine Gewissheit geschenkt. Die Gewissheit, dass Jesus auferstanden ist. Dabei wiegen die letzten Worte schwer: „Denn sie wussten noch nicht aus der Schrift, dass er von den Toten auferstehen musste.“
Die letzten Worte im Evangelium wiegen deshalb so schwer, weil eigentlich nur erzählt wird, dass das Grab leer ist. Der Stein ist weggerollt. Maria, die frühmorgens am ersten Tag der Woche – „als es noch finster war“ – zum Grab kommt, entdeckt das als Erste. Ist das Ostern? Schon Ostern? Der weggewälzte Stein kann alles heißen, nur nicht automatisch, dass Jesus auferstanden ist. Was muss man eigentlich wissen, um die Auferstehung Jesu glauben zu können?
Wenn wir in der Geschichte bleiben, die der Evangelist Johannes überliefert, überraschen zunächst einmal Verben: laufen und gehen. Alles gerät in Bewegung. An diesem Morgen. Maria rennt zu Petrus und Johannes, hier „der andere Jünger“ genannt. Petrus und Johannes gehen dann hinaus und kommen zum Grab. Nach der laufenden und atemlosen Maria scheinen es die beiden Herren nicht so eilig zu haben. Maria hatte doch auch nur geäußert, dass sie – wer auch immer das sein mochte – Jesus weggenommen haben. Elektrisiert hat das die beiden wohl nicht. Oder doch? Dann nimmt die Geschichte plötzlich Fahrt auf: die beiden Jünger laufen um die Wette. Der „andere Jünger“ ist wohl etwas schneller, lugt auch schon ins Grab, lässt Petrus dann aber den Vortritt. Eine Ehrenbezeugung? Vielleicht. Was die beiden sehen? Nicht viel: Leinentücher. Totentücher. Auffällig nur, dass das Schweißtuch, das den Kopf bedeckte, sorgfältig abgenommen schien und säuberlich zusammengerollt in einer Ecke liegt. Nach Flucht sieht das nicht aus. Auch nicht nach einer Entführung. Und warum hätten die Unbekannten das so machen sollen, wenn sie Jesus weggenommen hätten, wie Maria erst dachte? Nein, es muss etwas passiert sein. Von langer Hand vorbereitet? Manchmal ist es ein Detail, das eine Spur legt. Warum nur ist das Schweißtuch Jesu so liebevoll zusammengerollt, achtsam gehortet? Das Grab ist leer – nur warum? Maria rennt, am Ende laufen auch die beiden Jünger um die Wette – doch ganz am Ende heißt es im Evangelium: „Da gingen die Jünger wieder heim“.
Es ist eine schnelle Geschichte geworden. Die Spannung wird sichtbar, doch auch das ratlose Schweigen. Ließe sich das in einem Film darstellen, ohne peinlich berührt zu sein? Zugegeben: Das Evangelium ist kein Film. Aber was wir darstellen können, sind Menschen, die traumatisiert und verängstigt sind. Schnelle Schnitte sind dann nicht angezeigt. Eher einfühlsame Szenen, die nachzeichnen, wie der Tod in das Leben einbricht. Maria kommt ja zu einem frischen Grab. Gestern erst verschlossen. In einem Garten. Josef von Arimathäa und der Schriftgelehrte Nikodemus haben Jesus gesalbt und in Leinentücher gewickelt. Ein letzter Liebesdienst. Aber das Kreuz, an dem Jesus aufgehängt wurde, steht noch. Maria hat das Bild im Kopf. Es geht ihr auch nicht aus dem Sinn. Auch nicht an diesem Morgen. Sie ist eine Geschlagene, Verwundete, Getroffene.
Viele Menschen sind geschlagen, verwundet und getroffen. Kurz tauchen sie im Fernsehen auf. Wenn wieder einmal von einem Bombenangriff berichtet wird, wenn Bilder von der Flucht gezeigt werden, wenn ein Terroranschlag die Nachrichten okkupiert.
In Frankreich denken viele Menschen an einen Polizisten, Arnaud Beltrame, der sich letzte Woche bei einem Attentat im südfranzösischen Städtchen Trèbes selbst als Geisel im Tausch für das Leben einer Frau anbot. Der islamistische Attentäter ging auf den Tausch ein; kurz darauf erschoss er Beltrame. Der Tod feiert ein Fest – und viele Menschen richten es ihm aus. Die Aktien der Rüstungsunternehmen stehen gut. Daten sind käuflich – und Menschen auch. Nicht nur Waffen, auch Worte, Schlagzeilen, Vorurteile treffen Menschen hart. Viele können sich nicht wehren, viele schweigen. Viele fressen die Wut in sich hinein.
Viele werden zu Schatten ihrer selbst. Ich freue mich immer, wenn sie aufstehen – und ihren Widersachern keine Rache entgegenbringen. Selbstverständlich ist das nicht. Aber ist Bitterkeit, Trostlosigkeit, Angst – selbstverständlich? Es ist schon bemerkenswert, wie die Geschichte von Maria tatsächlich verfilmt wird. Es ist nicht das große Kino. Eher Format Tagesthemen. Eine Reportage. Eine Talkshow. Wenn wir die vielen Bilder nebeneinander stellen, die vielen Gesichter an uns heranlassen, gleicht das jenem Morgen, von dem der Evangelist erzählt: „als es noch dunkel war“.
Als es noch dunkel war... Der Evangelist erzählt die Ostergeschichte als eine Geschichte in der Frühe des ersten Tages. Der erste Tag – das ist der Tag der Schöpfung, nein, nicht der ganzen: der Tag des Lichts, das die Finsternis abtrennt. Jetzt erst ist Dunkel Dunkel, jetzt erst wird Tag Tag, jetzt erst wird Leben Leben. Nach dem ersten Tag kann die Welt Welt sein, Schöpfung Schöpfung, Mensch Mensch. Ostern ist der erste Tag! Wir sehen die Sonne aufgehen. Und das Leben siegt.
In der Frühe sind die zurückgelassenen Leinentücher, das sorgsam und liebevoll zusammengelegte Schweißtuch Indizien, dass Jesus nicht mehr im Reich des Todes zu Hause ist, sondern ihn überwunden hat. In alten Geschichten wird sogar von Jesu Höllenfahrt erzählt. Jesus bringt die Hölle zum Einsturz, durchbricht ihre Dächer und Mauern – und führt alle hinaus, die vom Tod gefangen gehalten werden. Ob sich das in einem Film zeigen lässt? Im Fernsehen? Auf YouTube?
Vielleicht viel einfacher als geahnt: Ich sehe Menschen, die eine Kette bilden. Friedlich. Sie protestieren gegen den laxen Umgang mit Waffen. Ich sehe Menschen, die mutig, vielleicht auch kompromisslos, in Kirchen ein Asyl einrichten. Ich sehe Menschen, die es satt haben, dass die Schere zwischen Arm und Reich immer weiter auseinandergeht und alte Kulturen vor die Hunde geraten. Ich sehe viel... Ich sehe auch über Vieles hinweg. Meistens sehe ich nicht, dass immer, wenn das Dunkel weicht, ein österlicher Tag aufgeht. Vielleicht habe ich die Auferstehung Jesu auch noch nicht verstanden? Könnte doch sein, wo es doch von den Jüngern heißt: „Denn sie wussten noch nicht aus der Schrift, dass er von den Toten auferstehen musste.“
Petrus, übrigens, wird in seiner Osterpredigt – die wir in der Lesung gehört haben - , sagen: „Gott aber hat ihn – Jesus - am dritten Tag auferweckt und hat ihn erscheinen lassen, zwar nicht dem ganzen Volk, wohl aber den von Gott vorherbestimmten Zeugen: uns, die wir mit ihm nach seiner Auferstehung von den Toten gegessen und getrunken haben. Und er hat uns geboten, dem Volk zu verkündigen und zu bezeugen: Das ist der von Gott eingesetzte Richter der Lebenden und der Toten.“
Und der Friede Gottes,
der höher ist als unsere Vernunft,
bewahre unsere Herzen und Sinne
in Christus Jesus,
unserem Herrn.
In der heiligen Woche sind wir mit Christus den Weg vom Einzug als Messias, seinem Abschiedsvermächtnis bis zu seinem Tod am Kreuz und bis zum leeren Grab mitgegangen. Seine Auferstehung stärkt unsere Hoffnung und gibt uns Kraft, eine Kultur des Lebens zu pflegen.
Ostern ist vor allem ein Fest des Glaubens. An den einen Gott, der sich in Jesus Christus gezeigt hat. Ostern bedeutend mehr als etwa ein „Frühlingsfest“ oder eine Art von „rituellem Miteinander“. Ostern kann uns ein Wegweiser sein. Es ermutigt uns, Freude und Hoffnung zu schöpfen. Ostern ist auch ein Fest des Lebens.
Was wir zu Ostern feiern ist unglaublich. Um an Ostern glauben zu können, müssen wir die Augen und die Herzen öffnen. Ostern lässt uns glauben, dass nicht alles auf den Tod zugeht, sondern dass viel mehr für das Leben spricht. Ostern ist der Beginn einer neuen Schöpfung.
Zu Ostern stehen die Erzählungen von den Ostererfahrungen der Jünger, allen voran Maria von Magdala und Johannes, im Mittelpunkt. Aber auch viele andere Erzählungen des Neuen Testamentes sind nur von Ostern her zu verstehen.
Wer seine Denkgewohnheiten von Unerwartetem umwälzen lässt, erfährt neue Lebensmöglichkeiten.
Vielleicht sind Sie jetzt ein bisschen enttäuscht von diesem Evangelium am Ostertag: Es klingt so ganz anders als die schwungvollen und anschaulichen Osterlieder, die wir heute singen. Der Bibeltext schildert gar keine direkte Begegnung mit dem auferstandenen Jesus selbst! Stattdessen wird beschrieben, wie es den Frauen am Grab ergeht. Aber auch hier ist nicht von Osterjubel die Rede, sondern von Ratlosigkeit, Erschrecken und Verwunderung. Aber genau das ist sehr realistisch, denn so etwas Ungeheuerliches, wie das, was mit „Auferstehung“ gemeint ist, kann man nicht sofort begreifen und bejubeln. Der Weg vom Schock über die Brutalität des Todes zum Sehen neuer Lebensmöglichkeiten ist weit.
Diese Erfahrung machen auch Menschen heute: Wenn ein lieber Mensch stirbt und eine große Lücke hinterlässt; wenn eine Beziehung zerbrochen ist und alle Versuche, neu anzufangen, gescheitert sind; wenn Eltern damit fertig werden müssen, dass ihre Kinder eigene, den Eltern unverständliche Wege gehen; wenn Alter oder Krankheit die Lebensmöglichkeiten einschränken; wenn einem Menschen die Lebensfreude und Lebensmut schwinden – in solchen Situationen erwarten wir nicht mehr viel vom Leben.
Ganz ähnlich erging es den biblischen Frauen, als sie sich am Ostermorgen zum Grab Jesu aufmachten, aber dann wurde für sie alles anders. Ich lade Sie ein, diesen inneren Weg dieser Frauen mitzugehen und sich auf die Umwälzungen einzulassen. Dann kann auch in uns Festgefahrenes wieder in Bewegung kommen.
Noch tief im Morgengrauen kommen die Frauen mit ihren Erwartungen zum Grab: wenigstens gibt es einen Ort, an dem sie den geliebten Menschen, den sie verloren haben, besuchen können. Die Frauen sind gut vorbereitet mit wohlriechenden Salben, um das zu tun, was man damals in Israel mit einem Toten tat: mit einer Salbung wenigstens dem Leichnam eine letzte Ehre und Zuwendung zu erweisen. Aber es kommt ganz anders als geplant und erwartet. Schon der weg gewälzte Stein deutet an, dass hier Umwälzendes geschieht, dass hier große Kräfte am Werk sind. Die Frauen betreten die Grabhöhle und finden – nichts. Ratlosigkeit, Verwirrung: Erklärungsmöglichkeiten werden gesucht. Noch bevor die Frauen wieder richtig zu sich kommen, geschieht wieder etwas Überraschendes: zwei Männer mit leuchtenden Gewändern, Engel, Boten Gottes, treten herbei. Das löst Erschrecken aus.
Mitten in diese aufgewühlten Gefühle und Gedanken der Frauen sprechen die Engel eine Frage: „Was sucht Ihr den Lebenden bei den Toten?“ Diese Frage bringt eine völlig neue Sichtweise ins Spiel: Jesus, der - wie die Frauen es mit eigenen Augen gesehen haben - gekreuzigt wurde und starb; Jesus, dessen Leichnam sie salben wollten, wird als „Lebender“ bezeichnet.
Das ist eine ungeahnte Möglichkeit, die der bisherigen Erfahrung und dem gewohnten Denken der Frauen widerspricht. Aber dieser neuartige Gedanke öffnet in der festen Überzeugung von der Endgültigkeit des Todes vielleicht einen winzigen Spalt Richtung Hoffnung und Zukunft. Die so verstörten Frauen brauchen Zeit, um sich und ihr Denken neu zu sortieren. Ihr Weltbild wurde zuerst zerstört durch Jesu brutalen Tod und jetzt noch einmal umgewälzt durch eine neue Sichtweise. Die Bruchstücke ihres Weltbildes müssen sie nun neu sortieren, manche verwerfen und Reste neu zusammen puzzeln.
Und dann bringen die Engel noch eine alte, bisher unbeachtete Deutung ein: „Erinnert euch an das, was er euch gesagt hat… Der Menschensohn muss … ausgeliefert und gekreuzigt werden und am dritten Tag auferstehen.“ Diese bisher unverständliche Ankündigung Jesu passt plötzlich als wichtiges Puzzlestück in das neue Denken: „Da erinnerten sie sich an seine Worte.“ Manches im Leben ergibt erst im Nachhinein einen Sinn.
Jetzt kommen die Frauen auch äußerlich in Bewegung. Sie kehren dem Grab den Rücken und gehen zurück in die Stadt zu den anderen Jüngern, die noch in Angst, Trauer und Aussichtslosigkeit verharren. Mutig sind die Frauen, dass sie von ihrer für sie selbst noch so neuen Erfahrung berichten. Von den Aposteln wird ihr Zeugnis auch prompt als „Geschwätz“ abgetan – wie die Aussage einer Frau damals auch vor Gericht nicht zählte. Allein Petrus scheint etwas überzeugend Hoffnungsvolles an ihren Worten und ihrer Ausstrahlung wahrzunehmen. Wie die Frauen ist er ist offen für einen neuen Impuls und sei er noch so paradox. Petrus eilt zum Grab, um sich sein eigenes Bild zu machen. Er sieht zwar keinen Engel, aber das Ganze löst etwas in ihm aus: Verwunderung – ein neues, lebendiges Gefühl.
In starken Bildern und Worten spricht das Evangelium von der Erfahrung neuer Lebendigkeit, wie auch wir sie heute machen können - mitten in unseren persönlichen Todeserfahrungen.
Zunächst erlebe ich meine Situation vielleicht so: Das, was meinem Leben Sinn gab, mir Lebensfreude und Kraft schenkte, ist nicht mehr. Trauer braucht zwar Zeit, aber es besteht auch die Gefahr wie gebannt vor den Gräbern meiner Verluste, Enttäuschungen und Hoffnungslosigkeiten stehen zu bleiben: Wenn ich mit nichts mehr rechne, mir nichts mehr von Beziehungen, vom Beruf, vom Leben verspreche, dann macht mich das blind für andere Möglichkeiten und Sichtweisen. Die Frauen im Osterevangelium ermutigen uns aber zu einer anderen Haltung: Ich kann mich auch in meinen vertrauten Vorstellungen und meinem Weltbild verstören lassen. Dann kann ich mich öffnen für ein deutendes Wort von außen, das meine Situation in einem neuen Licht erscheinen lässt: „Was sucht ihr den Lebenden bei den Toten?“. Wenn ich mich auf dieses neue Denken einlasse und beginne, erfülltes Leben zu suchen, dann kann sich die Verheißung der Auferstehung auch für mich heute erfüllen.
Auferstehung, neues Leben kann dann bedeuten, dass sich jemand nach einer gescheiterten Beziehung wieder auf neue persönliche Begegnungen unterschiedlicher Qualität einlassen kann; dass Eltern trotz allem den Glauben und vor allem die Liebe zu ihren Kindern nicht verlieren; dass ein alter oder kranker Mensch auch in engen Grenzen seine Lebensmöglichkeiten neu schätzen lernt; dass jemand am Grab eines lieben Verstorbenen die innere Gewissheit spürt, dass die Liebe stärker ist als der Tod.
Wie ist das bei Ihnen? Lassen Sie sich von dem, was ganz anders als erwartet ist, noch herausfordern und bewegen? Wagen Sie es, daran zu glauben, dass es für Sie viel mehr Möglichkeiten erfüllten Lebens gibt, als Ihre bisherige Erfahrung und Denkweise es zulässt?
Angenommen, auch wir hätten den Mut, unsere gewohnten Denk- und Sichtweisen umwälzen zu lassen – wie viel mehr Lebensmöglichkeiten könnten wir entdecken! Dazu will Gott uns am heutigen Ostertag verlocken – damit auch jede und jeder von uns Auferstehung mitten im eigenen Leben erfährt.
Claudia Simonis-Hippel, in: Bernhard Krautter/Franz-Josef Ortkemper (Hg.), Gottes Volk Lesejahr C4/2010. Verlag Katholisches Bibelwerk, Stuttgart 2010, S. 24-38.
Zu Ostern begrüßen sich die Christen mit einem besonderen Gruß:
Der Herr ist auferstanden! Der Herr ist wahrhaftig auferstanden!
Das hört sich anders an als „Guten Tag“ oder nur „Hallo“.
Das ist ein Bekenntnis und ein Geschenk. Ein Geschenk, das geteilt wird, das beglückt, das selbst, wenn es einem Menschen schlecht geht, zu einem Licht wird.
Heute feiern wir Ostern, das Fest der Auferstehung unseres Herrn.
Was uns bedrückt,
was uns die Herzen schwer macht,
was wir beklagen und betrauern,
bringen wir zu ihm.
Herr,
manchmal schmeckt unser Leben ganz bitter.
Wir fühlen uns einsam und verlassen.
Herr, erbarme dich.
Christus,
du wolltest den Kelch des Leidens nicht trinken.
Aus der Hand des Vaters hast du ihn für uns getrunken.
Christus, erbarme dich
Herr,
wir gehören zu dir.
Du hast den Tod mit deiner Liebe bezwungen.
Herr, erbarme dich
Danket dem Herrn,
denn er ist gütig,
denn seine Huld währt ewig!
Ich werde nicht sterben, sondern leben,
um die Taten des Herrn zu verkünden.
(Ps. 118)
Ehre sei Gott in der Höhe…
Allmächtiger, ewiger Gott,
am heutigen Tag
hast du durch deinen Sohn den Tod besiegt
und uns den Zugang zum ewigen Leben erschlossen.
Darum begehen wir in Freude
das Fest seiner Auferstehung.
Schaffe uns neu durch deinen Geist,
damit auch wir auferstehen
und im Licht des Lebens wandeln.
Darum bitten wir durch Jesus Christus.
MB Ostersonntag
Gott, du bist Leben,
du bist Liebe,
du bist immer hinter uns,
vor uns und mitten unter uns.
Wir danken dir,
von dir geliebt und angenommen zu sein
mit den vielen weißen Flecken in unserem Leben,
den dunklen Punkten und grauen Zonen.
Hilf uns, aus dem Bannkreis des Todes herauszutreten,
Trauernde zu trösten
und längst verloren Geglaubte
zu lieben.
Schenke uns die Auferstehung
zu einem Leben in deinem Licht
durch Jesus Christus,
der dem Tod die Macht genommen
und uns ein unvergängliches Wesen geschenkt hat
in der Kraft deines Geistes
ohne Zeit und Stunde,
in Ewigkeit.
Es fällt uns schwer, uns Auferstehung vorzustellen.
Im Evangelium aber eilen wir dem neuen Leben entgegen.
Wir sind außer Atem.
Darum beten wir heute:
Herr,
die Zeitungen und Fernsehsendungen sind voller Todesnachrichten. Für viele Menschen ist Gewalt eine alltägliche Erfahrung. Kinder wachsen mit dem Tod auf und gehen doch mit Hoffnungen in ihr Leben.
Wir rufen zu dir: Lass uns mit Christus offenbar werden in Herrlichkeit!
Herr,
mit dem Tod werden Geschäfte gemacht und gute Renditen erzielt. Die Rüstungsindustrie boomt. Sorg- und skrupellos werden Verträge geschlossen mit Potentaten und Despoten. Viele Menschen müssen fliehen.
Wir rufen zu dir: Lass uns mit Christus offenbar werden in Herrlichkeit!
Herr,
die Umwelt ist verletzlich und wehrt sich gegen Missbrauch und Ausnutzung. Katastrophen zerstören die Lebensgrundlagen vieler Menschen, besonders der armen und ungesicherten. Viele Menschen hungern, haben kein frisches Wasser, keine ärztliche Versorgung.
Wir rufen zu dir: Lass uns mit Christus offenbar werden in Herrlichkeit!
Herr,
in vielen Gremien werden Krisen ernstgenommen und zu lösen versucht. Viele Menschen engagieren sich in der Entwicklungszusammenarbeit und der Katastrophenhilfe. In vielen kleinen und großen Beratungsstellen bekommen Menschen einen Rückhalt und neue Perspektiven.
Wir rufen zu dir: Lass uns mit Christus offenbar werden in Herrlichkeit!
Herr,
in deiner Kirche rumort es. Alte Denkmuster sind in Missbrauchsskandalen untergegangen. Menschen sind heimatlos geworden, abgeschreckt und enttäuscht. Neue Hoffnungen haben es schwer, zwischen Traditionen und Sehnsüchten aufzubrechen.
Wir rufen zu dir: Lass uns mit Christus offenbar werden in Herrlichkeit!
Du schenkst uns, Herr, in der Auferstehung Jesu ein neues Leben,
Vergebung der Sünden und dein Reich.
Mit allen, die vor uns gelebt und gezweifelt haben,
suchen wir in deiner Liebe Trost und Nähe,
Widerstandsgeist und Mut.
Deine Auferstehung ist Hoffnung für alle Menschen.
In Christus,
unserem Herrn.
Die Botschaft von der Auferstehung Jesu ist an die ganze Welt gerichtet.
Wer sich davon ergreifen lässt, kann nicht mehr so weiterleben wie davor.
Auch wir haben im Glauben daran Anteil.
Unser Leben ist mit dem irdischen Tod nicht zu Ende.
In dieser Hoffnung lasst uns beten:
Um neue Perspektiven aus dem Glauben an die Auferstehung für den weiteren Weg deiner Kirche.
Um eine neue Sichtweise aus dem Glauben an die Auferstehung auf die Gleichwertigkeit von Frauen und Männern in allen Bereichen des Alltags weltweit.
Um eine tiefe Freude aus dem Glauben an die Auferstehung für uns alle, die unser eigenes Leben erhellt und die wir mit den Menschen um uns teilen können.
Um Trost aus dem Glauben an die Auferstehung in den Situationen, in denen wir hilflos der Leere unseres Lebens oder manchen unserer Beziehungen gegenüberstehen.
Um Mut aus dem Glauben an die Auferstehung, um uns der eigenen Endlichkeit stellen zu können.
Vater! Dir gilt unser Lobpreis und Dank für das neue Leben, das du uns durch die Auferweckung Jesu schenkst im Heiligen Geist. - Amen.
Herr, unser Gott, nimm die Gaben an,
die wir in österlicher Freude darbringen
für das Opfer, durch das deine Kirche
auf wunderbare Weise wieder geboren und gestärkt wird.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
MB Ostersonntag
Du, Herr, hast mit deinen Jüngern
das Brot gebrochen und den Kelch geteilt.
Nach deiner Auferstehung hast du mit ihnen
gegessen und getrunken.
Sie haben gesehen und gespürt,
dass ihr Meister und Herr
von den Toten auferstanden ist.
Wir danken dir für Brot und Wein,
die herrlichen Gaben deiner Liebe.
Brich mit uns das Brot,
teile mit uns den Kelch,
dann schmecken wir dich,
dann schenkst du dich uns,
dann stillst du den Hunger nach Leben,
bis wir mit dir das Geheimnis des Glaubens
feiern in deinem Reich.
Von Angesicht zu Angesicht,
von Ewigkeit zu Ewigkeit.
Für den Lobpreis am Ostersonntag eignen sich auch einige Osterlieder,
z. B. GL 220: Das ist der Tag, den Gott gemacht.
Oder:
Kehrvers:
Jubelt dem Herrn alle Lande,
Halleluja, preist unseren Gott.
(GL 643,3)
Lasst uns den allmächtigen Vater preisen,
der seinen Sohn Jesus Christus von den Toten auferweckt
und zu seiner Rechten erhöht hat.
Kehrvers
Lasst und den allmächtigen Vater preisen,
der durch seinen Sohn Jesus Christus den Tod besiegt hat
und uns teilhaben lässt am ewigen Leben.
Kehrvers
Lasst uns den allmächtigen Vater preisen,
der uns das Licht des Glaubens geschenkt hat
und uns die Welt mit neuen Augen sehen lässt.
Kehrvers
Lasst uns den allmächtigen Vater preisen,
der uns Zukunft gibt
und Hoffnung allen, die den Namen Jesu anrufen.
Kehrvers
und uns einstimmen lässt in den Jubel aller Engel und Heiligen.
die den Namen Jesu anrufen.
Kehrvers, evtl. Danklied
In Wahrheit ist es würdig und recht,
dir, Vater, immer und überall zu danken,
diese Nacht (diesen Tag, diese Tage)
aber aufs höchste zu feiern,
da unser Osterlamm geopfert ist,
Jesus Christus.
Denn er ist das wahre Lamm,
das die Sünde der Welt hinwegnimmt.
Durch seinen Tod
hat er unseren Tod vernichtet
und durch seine Auferstehung
das Leben neu geschaffen.
Darum jubelt in dieser Nacht (heute)
der ganze Erdkreis in österlicher Freude,
darum preisen dich die himmlischen Mächte
und die Chöre der Engel
und singen das Lob deiner Herrlichkeit:
Heilig ...
MB Osterzeit 1
Wo Menschen
aus ihrer Enge finden
Wo Hoffnung
neu entsteht
Wo Zuversicht
wachsen kann
Wo Ängste
überwunden werden
Wo Versöhnung
geschieht
Wo Freude
das Leben prägt
Wo Türen
plötzlich offen stehen
Wo Steine
weggewälzt werden
Wo Liebe
spürbar wird
Überall da
ist Auferstehung
Die Osterkerze brennt
sie brennt für alle:
Für die Hoffnungslosen
als Zeichen der Hoffnung
Für die Verzagten
als Zeichen der Zuversicht
Für die Mutlosen
als Zeichen neuer Kraft
Für die Suchenden
als Zeichen des Heils
Für die Friedlosen
als Zeichen der Sicherheit
Für die Einsamen
als Zeichen der Gemeinschaft
Für die Freudlosen
als Zeichen neuen Jubels
Für uns alle
als Zeichen der Auferstehung
als Zeichen neuen Lebens
Allmächtiger Gott,
du hast deiner Kirche
durch die österlichen Geheimnisse
neues Leben geschenkt.
Bewahre und beschütze uns in deiner Liebe
und führe uns zur Herrlichkeit der Auferstehung.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
MB Ostersonntag
Herr, wenn du kommst,
bringst du uns den Frieden.
Du sagst: Meinen Frieden gebe ich euch,
meinen Frieden lasse ich euch.
Wenn wir dann gehen,
nehmen wir ihn mit
und teilen ihn.
Wir danken dir für das schöne Osterfest,
die Begegnung mit dir,
die Gemeinschaft mit dir.
Begleite uns in die neue Woche,
schenke uns Löcher im Kalender
und leuchtende fröhliche Gesichter.
Was an Neid und Ärger unter uns wuchert,
verwandle in Liebe,
und was uns Angst einjagt und Vorurteile bringt,
nimm in deine Hand.
In der Vorfreude auf nächsten Sonntag
erbitten wir von dir das Vertrauen von Kindern
in Christus,
unserem Freund, Weggefährten und Herrn.
An diesem Tag,
der geheiligt ist durch die Auferstehung unseres Herrn Jesus Christus,
segne euch der gütige Gott
und bewahre euch vor der Finsternis der Sünde. Amen!
In Christus haben wir Anteil am ewigen Leben,
in ihm führe euch Gott zur unvergänglichen Herrlichkeit. Amen.
Unser Erlöser hat uns durch die Tage seines Leidens
zur österlichen Freude geführt,
er geleite euch alle Tage des Lebens
bis zu jener Osterfreude, die niemals endet. Amen.
Das gewähre euch der dreieinige Gott,
der Vater, der Sohn und der Heilige Geist. Amen!
MB Osternacht
Der allmächtige Gott
hat uns durch die Auferstehung seines Sohnes
aus Sünde und Tod befreit.
Er segne euch
und schenke euch seine Freude.
Amen.
Und Christus,
mit dem wir auferstanden sind durch den Glauben,
bewahre in euch die Gabe der Erlösung.
Amen.
Gott hat uns in der Taufe angenommen als Kinder seiner Gnade;
Er schenke euch das verheißene Erbe.
Amen.
Das gewähre euch der dreieinige Gott ...
(Messbuch 542)
Ein Freudenjubelruf
der sich verbreiten will
sich in die Länge zieht
auskostend die Vokale
sich immer höher schraubt
von einem Vers zum anderen
hinauf zu himmlischen Höhen
um wie ein Glockenton
zu verkünden:
„Auferstanden ist der Herr!“
Ilse Pauls
Niedergeschmettert
ausgelaugt
vernichtet
am Ende
Alles aus und vorbei?
Hilflos, leblos, tot?
Karfreitag
Karsamstag
Unbemerkt wächst
im tiefsten Winter
der Keim, der im Frühling die Erde durchbricht.
Der Hoffnungskeim,
gesät in die Herzen,
lebt weiter.
Die Hoffnung kommt
nicht von den Mächtigen,
sondern vom Ohnmächtigen am Kreuz
und vom Gott, der zeigt:
Liebe ist stärker als der Tod.
Hinabgestiegen ins Totenreich
wird der Tod an der Wurzel gepackt,
und Hoffnung auf Leben
entsteigt
den zerbrochenen Pforten.
Johann Pock, inmitten von Russlands Krieg gegen die Ukraine und einer nicht enden wollenden Pandemie
Weinend am Grab,
unverständlich der Engel Wort,
einen Mann sehen und glauben,
es sei der Gärtner –
erst der Klang meines Namens „Maria“
weckt die Erinnerung in mir –
so hat ER mich immer gerufen.
Umgewandt erkenne ich:
ER ist es: mein Meister und Lehrer,
Rabbuni
rufe ich –
und falle ihm zu Füßen.
Ilse Pauls
Corona hat unser Land verändert. Ich meine nicht den Stillstand und die plötzliche Ruhe auf den Straßen und Plätzen. Ich meine – nach all dem Hass, dem Rassismus und der Spalterei der letzten Zeit – das freundliche Gesicht, das unsere Gesellschaft angesichts der großen Herausforderung durch das Virus zeigt.
Ganzer Beitrag >>>
gefunden auf www.tagespiegel.de - 26-3-2020
Viele von euch fragen sich, wie sie in diesen außergewöhnlichen Zeiten sich sinnvoll einbringen können. Wir haben euch ein paar Dinge zusammengeschrieben, für die ihr euch ehrenamtlich engagieren könnt.
Ganzer Beitrag >>>
gefunden auf www.logo.at
Nicht erst,
wenn alle Mißverständnisse
weggeräumt sind,
sondern
wenn ich alles
vergeben habe.
Wenn der schwere Stein
meiner Traurigkeit
vom Herzen weggeweint ist
und ich wieder
Hoffnung habe.
Wenn ich nicht mehr
flüchten will,
sondern mich
auf den Weg mache
zu meinen Brüdern und Schwestern.
Dann erst
werde ich IHM begegnen
in den Gesichtern
der geringsten meiner Brüder,
in Seinem Wort,
in Seinem Brot.
Dann erst werden mir
die Augen aufgehen,
und mein totes Herz
lebt wieder
und brennt für Dich
Ilse Pauls
Zu Paul Celans Gedicht „Zürich, Zum Storchen“
Den goldenen Schimmer der Auferstehung
lass uns hinüberretten in den Alltag.
Seinen Glanz bewahren,
seine Gegenwart erspähen
in manchen Bildern,
Offenbarungen,
Gesprächen …
Es gibt Worte,
die Glanz innehaben,
Blicke, die strahlen,
Begegnungen,
die Ewigkeit ahnen lassen …
Lass uns das Hellwort finden,
das uns trägt,
das mit uns geht.
Ilse Pauls
Licht-Strahlen streifen
sanft und leise
die Augen
verkünden den Anbruch
eines neuen Tages
die sprengende Leucht-Kraft
der Morgensonne
weckt die müden Lider
durchflutet den Raum
mit buntem Farbenzauber
Strahlen brechen
mit eleganter Leichtigkeit
Schatten und Licht
ziehen eine Leucht-Spur
der Hoffnung
kraftvoll und stark
jeden Tag neu
ist dieser Licht-Einfall -
durchdringender
als jedes Dunkel der Nacht
spürbar durchdrungen
vom Licht des Ostermorgens
verklingt die Trauer
wiegt das Herz wieder leicht
wenngleich Narben zurückbleiben
im Aufgang der Sonne
erscheinen die Dinge
in einem anderen Licht
gibt es Hoffnung - österliche Zuversicht!
Michaela E. Lugmaier, Ostern 2017
Linzer Bischof verortet Leibfreundlichkeit des Christlichen in Werken der Barmherzigkeit, in Sakramenten, in leiblicher Auferstehung und auch in der leiblichen Liebe.
Linz, 24.3.2016 (KAP) Mit Ostern setzt Gott ein "Ausrufezeichen" mit der Botschaft "Ich mag den Leib". Entgegen allen Klischees von christlicher Leibfeindlichkeit sieht der Linzer Bischof Manfred Scheuer viele Elemente einer "Leibfreundlichkeit des Christlichen". Er verortete diese in einem Oster-Interview der Linzer "KirchenZeitung" in den leiblichen Werken der Barmherzigkeit, in den sinnlich erfahrbaren Sakramenten, und ebenso im Glauben an die Auferstehung auch des Fleisches, den die Christen bekennen. Als weitere Beispiele nannte Scheuer die leibliche Liebe, "in den Dimensionen von Agape, Caritas, aber auch von Freundschaft und Eros".
In der heutigen Gesellschaft gebe es zwar die "Betonung einer vordergründigen Leibfreundlichkeit", jedoch sind viele der alltäglichen Erfahrungen nach den Worten des Bischofs leibfeindlich. Bei der Arbeit werde der Leib oft losgelöst vom ganzen Menschen gesehen, in der Medizin werde der Leib manchmal "wie ein Motor" behandelt, "den man repariert" und der zu funktionieren habe. Es gehe aber vielmehr darum, "auf den Rhythmus des Leibes zu achten und auf seine Signale zu hören", erklärte der leidenschaftliche Bergwanderer.
Ostern ist für Scheuer "das Zusammen von Tod und Auferstehung" und somit mehr als nur ein Frühlingsfest, als welches von vielen der Palmsonntag empfunden werde. Auferstehung knüpfe an eine menschliche Ursehnsucht an, die über den Tod hinaus auf eine Versöhnung von Glück und Gerechtigkeit hofft.
Wenn Umfragen einen hohen Prozentsatz an Christen ergeben, die nicht an die Auferstehung glauben, stelle sich für ihn - so Scheuer - die Frage: "Finden sich die Leute einfach ab damit, dass Menschen kaputtgehen und das eigene Leben sinnlos ist? Das wäre schon ein Alarmzeichen." Denn das würde nach den Worten des Bischofs bedeuten, "dass todbringende Kräfte letztlich obenauf sind". Der Auferstehungsglaube sei auch ein Fingerzeig dafür, ob "wir das Leben lieben und annehmen können, oder finden wir uns eigentlich ab mit den offenen oder versteckten Formen des Todes?"
Für "kritische und solidarische Zeitgenossenschaft"
Zu Ostern ist laut Scheuer "die Gegenwart der leiblichen und auch durch das Leid hindurchgehenden Liebe Gottes" besonders erfahrbar. Gott fordere die Kirche zugleich auf, an den konkreten Menschen mit ihren Freuden und Hoffnungen, ihrer Trauer und Angst dranzubleiben. "Das gelingt uns manchmal besser, manchmal schlechter." Der Linzer Bischof plädierte für eine "Zeitgenossenschaft" der Kirche, die nicht einfach Angleichung bedeute. "Wer sich mit dem Zeitgeist verheiratet, erlebt sich schnell als Witwer", zitierte Scheuer den dänischen Philosophen Sören Kierkegaard. "Mir geht es um eine kritische und solidarische Zeitgenossenschaft", betonte der Bischof.
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Manchmal stehen wir auf
Stehen wir zur Auferstehung auf
Mitten am Tage
Mit unserem lebendigen Haar
Mit unserer atmenden Haut.
Nur das Gewohnte ist um uns.
Keine Fata Morgana von Palmen
Mit weidenden Löwen
Und sanften Wölfen.
Die Weckuhren hören nicht auf zu ticken
Ihre Leuchtzeiger löschen nicht aus.
Und dennoch leicht
Und dennoch unverwundbar
Geordnet in geheimnisvolle Ordnung
Vorweggenommen in ein Haus aus Licht.
Marie Luise Kaschnitz in: Georg Langenhorst, Gedichte zur Bibel. Texte – Interpretationen – Methoden. Ein Werkbuch für Schule und Gemeinde. Kösel Verlag, München 2001.
Das sich von Gott her empfangend-schenkende Leben steht unter der von Christus verbürgten Hoffnung ewigen Lebens. Und hier bekommt das christliche Menschenbild seinen letzten Akzent. Wer auf Tod und Auferstehung Christi schaut, für den ist nichts ausgeschlossen von der universalen Heilsmöglichkeit Gottes, der in der Ohnmacht der Gnade, der versöhnenden Kraft des Leidens und in der Herrschaft sich hingehender Liebe, inmitten des Elends, hier und heute den Tag des Heils beginnt.
Das ist eine harte Rede, und man möchte widerstreben. Aber nur so hat Jesus Christus den wirklich Hoffnungslosen auf dieser Welt die Hoffnung Gottes gebracht. Die Zukunft des Menschen hat im gekreuzigten und auferstandenen Messias schon begonnen. »Wer glaubt, flieht nicht mehr, weder in die unberührbare Ironie, noch in die trotzige Utopie. Er flieht nicht sozialromantisch in die goldene
Vergangenheit. Er emigriert nicht innerlich in die Reinheit des Herzens. Er verliert sich auch nicht mehr in Träume von einer besseren Welt. Er findet überraschenderweise »Frieden mitten im Streite und das versöhnende Ja mitten im berechtigten Nein« (Jürgen Moltmann).
Das christliche Menschenbild vertritt keinen billigen Optimismus, es verniedlicht nicht die Situation des Menschen.103 Der Glaube an den gekreuzigten und auferstandenen Herrn ist unser Realismus mit einer außerordentlichen Portion Hoffnung. Es ist ein »hellsichtiger Realismus«. Die Hoffnung aber ist eine Zukunft, die auf mich zukommt und nicht von mir gemacht wird. Das ist Hoffnung im christlichen Sinn. Sie ist Hoffnung gegen alle Hoffnung, Hoffnung der Zukunftslosen.
Nicht die Prognose über einen Menschen ist entscheidend. Gegenüber einem Behinderten, dessen Zukunft im Sinne der Prognose gering ist, kann ich immer noch eine Hoffnung aussprechen und mit ihm leben, die von Gott auf ihn zukommt. Gott wird an jenem Tag alle Tränen abwischen. Und wir haben die Zusicherung Gottes, dass bei der Auferstehung des Fleisches alles Gute im Himmel und auf Erden in allen Umwandlungen nicht verloren gehen wird. »Ewiges Leben« heißt der alte Name für solches Glück ohne Ende. Diese Hoffnung macht uns heute menschlich, wenn ich Träger dieser Hoffnung sein will.
Aus: Ludger Schulte, Gott suchen - Mensch werden. Vom Mehrwert des Christseins. Herder Verlag, Freiburg Basel Wien 2006.

Seit 1. Fastensonntag 1996 veröffentlicht ein Team von Priestern, Diakonen, Ordensleuten und pastoral engegierter Laien
spirituelle Impulse, Bibeltexte mit Erklärungen, Gebete für Gottesdienstfeiern und Denkanstöße für jeden Sonn- und Feiertag des Kirchenjahres.
Verbesserte Suchfunktionen - Neue Exportfunktionen
Ab 1. Adventsonntag: Vorschläge für Wort-Gottes-Feiern
Schneller am Ziel
Die Unterseiten des Predigtforums kann man auch mit einer Kurzadresse erreichen:
Ihre Spende ermöglicht uns die Weiterführung und Weiterentwicklung des Predigtforums.
Und diese ersten Zeuginnen und Zeugen verkünden die Auferstehung Jesus Christi. Sie sagten es weiter, was die Begegnung mit dem Auferstandenen an Hoffnung und Zukunft schenkt.
Der Glaube an den Auferstandenen bewirkt in seinem Namen die Vergebung der Sünden. "Durch seine Wunden sind wir geheilt" und damit auch befähigt, Zeuginnen und Zeugen der Auferstehung zu sein, mit ihm zu essen und zu trinken.
Die Rede schließt mit der neuartigen Erkenntnis des Petrus vom Heil für alle Menschen: „Jeder, der an ihn glaubt, empfängt durch seinen Namen die Vergebung der Sünden“ (V. 43). Für die heutigen Hörer/-innen ist dies zuallererst ein ganz persönlicher Zuspruch: „Auch mir sind meine „Sünden vergeben“, d.h. ich bin befreit von dem, was mich innerlich fesselt und an erfülltem Leben hindert. Diese Erlösung muss ich mir nicht verdienen, sondern das Heil ist mir geschenkt, wenn ich bereit bin, darauf zu vertrauen, dass in Jesus Gott damals wirkte und heute noch wirkt.“ Zugleich fordert dieser Gedanke uns als Christen heute aber auch heraus: Wenn das Heil jedem geschenkt wird, der bereit ist, an Christus zu glauben, hat kein Christ das Recht einem anderen Menschen darüber hinaus Bedingungen zu stellen oder ihn als unwürdig zu verurteilen. Dieses Umdenken kann für manchen ein schwieriger Prozess sein. Da ist es tröstlich, dass auch Petrus einer Vision und Weisung Gottes bedurfte, um seine engstirnigen Vorstellungen zu überwinden und schließlich die bereits von Gottes Geist erfüllten „Heiden“ im Namen Jesu zu taufen. (vgl. Apg 10,44-48).
Claudia Simonis-Hippel, in: Bernhard Krautter/Franz-Josef Ortkemper (Hg.), Gottes Volk Lesejahr C4/2010. Verlag Katholisches Bibelwerk, Stuttgart 2010, S. 24-38.
Praktische Tipps zum Vorlesen und Textauslegung der Katholischen Bibelwerke Deutschland, Österreich und Schweiz