Lesung aus dem Buch Genesis.
Gott, der HERR, formte den Menschen,
Staub vom Erdboden,
und blies in seine Nase den Lebensatem.
So wurde der Mensch zu einem lebendigen Wesen.
Dann pflanzte Gott, der HERR, in Eden, im Osten, einen Garten
und setzte dorthin den Menschen, den er geformt hatte.
Gott, der HERR, ließ aus dem Erdboden allerlei Bäume wachsen,
begehrenswert anzusehen und köstlich zu essen,
in der Mitte des Gartens aber den Baum des Lebens
und den Baum der Erkenntnis von Gut und Böse.
Die Schlange war schlauer als alle Tiere des Feldes,
die Gott, der HERR, gemacht hatte.
Sie sagte zu der Frau:
Hat Gott wirklich gesagt:
Ihr dürft von keinem Baum des Gartens essen?
Die Frau entgegnete der Schlange:
Von den Früchten der Bäume im Garten dürfen wir essen;
nur von den Früchten des Baumes,
der in der Mitte des Gartens steht,
hat Gott gesagt: Davon dürft ihr nicht essen
und daran dürft ihr nicht rühren,
sonst werdet ihr sterben.
Darauf sagte die Schlange zur Frau:
Nein, ihr werdet nicht sterben.
Gott weiß vielmehr:
Sobald ihr davon esst, gehen euch die Augen auf;
ihr werdet wie Gott
und erkennt Gut und Böse.
Da sah die Frau, dass es köstlich wäre, von dem Baum zu essen,
dass der Baum eine Augenweide war
und begehrenswert war, um klug zu werden.
Sie nahm von seinen Früchten und aß;
sie gab auch ihrem Mann, der bei ihr war,
und auch er aß.
Da gingen beiden die Augen auf
und sie erkannten, dass sie nackt waren.
Sie hefteten Feigenblätter zusammen
und machten sich einen Schurz.
(Lektionar 2018 ff. © 2024 staeko.net)
Lesung aus dem Buch Genesis.
Zur Zeit, als Gott, der HERR, Erde und Himmel machte,
gab es auf der Erde noch keine Feldsträucher
und wuchsen noch keine Feldpflanzen,
denn Gott, der HERR,
hatte es auf die Erde noch nicht regnen lassen
und es gab noch keinen Menschen,
der den Erdboden bearbeitete,
aber Feuchtigkeit stieg aus der Erde auf
und tränkte die ganze Fläche des Erdbodens.
Da formte Gott, der HERR, den Menschen
Staub vom Erdboden,
und blies in seine Nase den Lebensatem.
So wurde der Mensch zu einem lebendigen Wesen.
Dann pflanzte Gott, der HERR, in Eden, im Osten,
einen Garten und setzte dorthin den Menschen,
den er geformt hatte.
Gott, der HERR,
ließ aus dem Erdboden allerlei Bäume wachsen,
begehrenswert anzusehen und köstlich zu essen,
in der Mitte des Gartens aber den Baum des Lebens
und den Baum der Erkenntnis von Gut und Böse.
Ein Strom entspringt in Eden, der den Garten bewässert;
dort teilt er sich und wird zu vier Hauptflüssen.
Der Name des ersten ist Pischon;
er ist es, der das ganze Land Hawila umfließt,
wo es Gold gibt.
Das Gold jenes Landes ist gut;
dort gibt es Bdelliumharz und Karneolsteine.
Der Name des zweiten Stromes ist Gihon;
er ist es, der das ganze Land Kusch umfließt.
Der Name des dritten Stromes ist Tigris;
er ist es, der östlich an Assur vorbeifließt.
Der vierte Strom ist der Eufrat.
Gott, der HERR, nahm den Menschen
und gab ihm seinen Wohnsitz im Garten von Eden,
damit er ihn bearbeite und hüte.
Dann gebot Gott, der HERR, dem Menschen:
Von allen Bäumen des Gartens darfst du essen,
doch vom Baum der Erkenntnis von Gut und Böse
darfst du nicht essen;
denn am Tag, da du davon isst, wirst du sterben.
Dann sprach Gott, der HERR:
Es ist nicht gut, dass der Mensch allein ist.
Ich will ihm eine Hilfe machen, die ihm ebenbürtig ist.
Gott, der HERR,
formte aus dem Erdboden alle Tiere des Feldes
und alle Vögel des Himmels
und führte sie dem Menschen zu,
um zu sehen, wie er sie benennen würde.
Und wie der Mensch jedes lebendige Wesen benannte,
so sollte sein Name sein.
Der Mensch gab Namen allem Vieh,
den Vögeln des Himmels und allen Tieren des Feldes.
Aber eine Hilfe, die dem Menschen ebenbürtig war,
fand er nicht.
Da ließ Gott, der HERR,
einen tiefen Schlaf auf den Menschen fallen,
sodass er einschlief,
nahm eine seiner Rippen
und verschloss ihre Stelle mit Fleisch.
Gott, der HERR, baute aus der Rippe,
die er vom Menschen genommen hatte,
eine Frau und führte sie dem Menschen zu.
Und der Mensch sprach:
Das endlich ist Bein von meinem Bein
und Fleisch von meinem Fleisch.
Frau soll sie genannt werden;
denn vom Mann ist sie genommen.
Darum verlässt der Mann Vater und Mutter
und hängt seiner Frau an und sie werden ein Fleisch.
Beide, der Mensch und seine Frau, waren nackt,
aber sie schämten sich nicht voreinander.
Die Schlange war schlauer als alle Tiere des Feldes,
die Gott, der HERR, gemacht hatte.
Sie sagte zu der Frau:
Hat Gott wirklich gesagt:
Ihr dürft von keinem Baum des Gartens essen?
Die Frau entgegnete der Schlange:
Von den Früchten der Bäume im Garten dürfen wir essen;
nur von den Früchten des Baumes,
der in der Mitte des Gartens steht,
hat Gott gesagt: Davon dürft ihr nicht essen
und daran dürft ihr nicht rühren,
sonst werdet ihr sterben.
Darauf sagte die Schlange zur Frau:
Nein, ihr werdet nicht sterben.
Gott weiß vielmehr:
Sobald ihr davon esst, gehen euch die Augen auf;
ihr werdet wie Gott
und erkennt Gut und Böse.
Da sah die Frau,
dass es köstlich wäre, von dem Baum zu essen,
dass der Baum eine Augenweide war
und begehrenswert war, um klug zu werden.
Sie nahm von seinen Früchten und aß;
sie gab auch ihrem Mann, der bei ihr war,
und auch er aß.
Da gingen beiden die Augen auf
und sie erkannten, dass sie nackt waren.
Sie hefteten Feigenblätter zusammen
und machten sich einen Schurz.
Als sie an den Schritten hörten,
dass sich Gott, der HERR,
beim Tagwind im Garten erging,
versteckten sich der Mensch und seine Frau
vor Gott, dem HERRN,
inmitten der Bäume des Gartens.
Aber Gott, der HERR, rief nach dem Menschen
und sprach zu ihm: Wo bist du?
Er antwortete:
Ich habe deine Schritte gehört im Garten;
da geriet ich in Furcht, weil ich nackt bin,
und versteckte mich.
Darauf fragte er:
Wer hat dir gesagt, dass du nackt bist?
Hast du von dem Baum gegessen,
von dem ich dir geboten habe, davon nicht zu essen?
Der Mensch antwortete:
Die Frau, die du mir beigesellt hast,
sie hat mir von dem Baum gegeben.
So habe ich gegessen.
Gott, der HERR, sprach zu der Frau:
Was hast du getan?
Die Frau antwortete:
Die Schlange hat mich verführt.
So habe ich gegessen.
Da sprach Gott, der HERR, zur Schlange:
Weil du das getan hast,
bist du verflucht unter allem Vieh
und allen Tieren des Feldes.
Auf dem Bauch wirst du kriechen
und Staub fressen alle Tage deines Lebens.
Und Feindschaft setze ich zwischen dir und der Frau,
zwischen deinem Nachkommen
und ihrem Nachkommen.
Er trifft dich am Kopf
und du triffst ihn an der Ferse.
Zur Frau sprach er:
Viel Mühsal bereite ich dir
und häufig wirst du schwanger werden.
Unter Schmerzen gebierst du Kinder.
Nach deinem Mann hast du Verlangen
und er wird über dich herrschen.
Zum Menschen sprach er:
Weil du auf die Stimme deiner Frau gehört
und von dem Baum gegessen hast,
von dem ich dir geboten hatte, davon nicht zu essen,
ist der Erdboden deinetwegen verflucht.
Unter Mühsal wirst du von ihm essen
alle Tage deines Lebens.
Dornen und Disteln lässt er dir wachsen
und die Pflanzen des Feldes wirst du essen.
Im Schweiße deines Angesichts
wirst du dein Brot essen,
bis du zum Erdboden zurückkehrst;
denn von ihm bist du genommen,
Staub bist du und zum Staub kehrst du zurück.
Der Mensch gab seiner Frau den Namen Eva, Leben,
denn sie wurde die Mutter aller Lebendigen.
Gott, der HERR, machte dem Menschen und seiner Frau
Gewänder von Fell und bekleidete sie damit.
Dann sprach Gott, der HERR:
Siehe, der Mensch ist wie einer von uns geworden,
dass er Gut und Böse erkennt.
Aber jetzt soll er nicht seine Hand ausstrecken,
um auch noch vom Baum des Lebens zu nehmen,
davon zu essen und ewig zu leben.
Da schickte Gott, der HERR, ihn aus dem Garten Eden weg,
damit er den Erdboden bearbeite,
von dem er genommen war.
Er vertrieb den Menschen
und ließ östlich vom Garten Eden die Kerubim wohnen
und das lodernde Flammenschwert,
damit sie den Weg zum Baum des Lebens bewachten.
Kv - Ein reines Herz erschaffe mir, o Gott!. – Kv
Erschaffe mir, Gott, ein reines Herz *
und einen festen Geist erneuere in meinem Innern!
Verwirf mich nicht vor deinem Angesicht, *
deinen heiligen Geist nimm nicht von mir! - Kv
Gib mir wieder die Freude deines Heils, *
rüste mich aus mit dem Geist der Großmut!
Ich will die Frevler deine Wege lehren *
und die Sünder kehren um zu dir. - Kv
Schlachtopfer willst du nicht, ich würde sie geben, *
an Brandopfern hast du kein Gefallen.
Schlachtopfer für Gott ist ein zerbrochener Geist, *
ein zerbrochenes und zerschlagenes Herz
wirst du, Gott, nicht verschmähen. - Kv
Lesung aus dem Brief des Apostels Paulus
an die Gemeinde in Rom.
Schwestern und Brüder!
Durch einen einzigen Menschen kam die Sünde in die Welt
und durch die Sünde der Tod
und auf diese Weise gelangte der Tod zu allen Menschen,
weil alle sündigten.
Sünde war nämlich schon vor dem Gesetz in der Welt,
aber Sünde wird nicht angerechnet, wo es kein Gesetz gibt;
dennoch herrschte der Tod von Adam bis Mose auch über die,
welche nicht durch Übertreten eines Gebots gesündigt hatten
wie Adam, der ein Urbild des Kommenden ist.
Doch anders als mit der Übertretung
verhält es sich mit der Gnade;
sind durch die Übertretung des einen
die vielen dem Tod anheimgefallen,
so ist erst recht die Gnade Gottes
und die Gabe,
die durch die Gnadentat des einen Menschen Jesus Christus
bewirkt worden ist,
den vielen reichlich zuteilgeworden.
Und anders als mit dem,
was durch den einen Sünder verursacht wurde,
verhält es sich mit dieser Gabe:
Denn das Gericht
führt wegen eines Einzigen zur Verurteilung,
die Gnade führt aus vielen Übertretungen
zur Gerechtsprechung.
Denn ist durch die Übertretung des einen
der Tod zur Herrschaft gekommen, durch diesen einen,
so werden erst recht diejenigen,
denen die Gnade und die Gabe der Gerechtigkeit
reichlich zuteilwurde,
im Leben herrschen durch den einen, Jesus Christus.
Wie es also durch die Übertretung eines Einzigen
für alle Menschen zur Verurteilung kam,
so kommt es auch durch die gerechte Tat eines Einzigen
für alle Menschen zur Gerechtsprechung,
die Leben schenkt.
Denn wie durch den Ungehorsam des einen Menschen
die vielen zu Sündern gemacht worden sind,
so werden auch durch den Gehorsam des einen
die vielen zu Gerechten gemacht werden.
(Lektionar 2018 ff. © 2024 staeko.net)
In seinem Römerbrief stellt Paulus Adam und Christus gegenüber: Adam, der Mensch überhaupt, ist mit dem Tod verbunden. Seine Geschichte ist vertraut. Sie ist die Geschichte aller Menschen. In ihrer Sehnsucht nach Leben haben sie das Leben verwirkt, in dem Wunsch, darüber zu befinden, was "gut" und "böse" ist, haben sie ihre Unschuld verloren. Davon erzählt die Lesung.
Christus aber, der Mensch Gottes, lässt Gnade und Gerechtigkeit "reichlich" zuteil werden. Paulus spricht von der "gerechten Tat eines einzigen" und markiert damit einen Neuanfang in der Geschichte Gottes mit den Menschen. Nicht nur Adam und Christus stehen einander gegenüber, sondern auch die Vielen und der Eine, Tod und Leben.
Entscheidend für Paulus ist die Beziehung zu Gott. Adam steht für den Ungehorsam (mögen die Menschen es auch Befreiung aus der Unmündigkeit nennen), Christus für den Gehorsam, der Leben überhaupt erst möglich macht: die ungeteilte Liebe zu Gott, das grenzenlose Vertrauen und eine Freiheit, die anderen Menschen zu gute kommt. Gehorsam kommt von "hören", "hören" aber heißt: das letzte Wort von IHM erwarten. Über "gut" und "böse", über Tod und Leben, über Adam und Christus.
Paulus stellt Adam und Christus gegenüber. Durch den Ungehorsam des einen kam der Tod in die Welt, durch den Gehorsam des anderen wurde das Leben neu geschenkt. Beide sind als "korporative Persönlichkeiten" anzusehen. D.h.: Im Stammvater eines Volkes ist bereits die gesamte Nachkommenschaft präsent. In diesem Sinne - und nicht in einem geschichtlichen - ist die Sünde der Nachkommen Adams und die Gerechtsprechung der "Nachkommen" des Christus zu verstehen. Adam verkörpert den Menschen, wie er von Anfang an verfaßt ist, die Menschheit schlechthin. Die Menschen haben sich von Anfang an von Gott und seinem Gebot gelöst und sind eigene Wege gegangen. Erst in Jesus Christus wurde diese Loslösung von Gott überwunden. Auch hier wieder durch die Tat des einen. Den "vielen", das sind alle, die sich zu Christus gehörig wissen, wird die Gerechtsprechung als unverdientes Geschenk (Gnade) zuteil.
Auf den zweiten Schöpfungsbericht rekurrierend legt Paulus hier seine Gnadentheologie dar: Sowie einst einmal der Mensch durch die Sünde des Adam dem Tod verfallen ist, wurde er durch die rettende Auferstehung des Gottessohnes zu neuem Leben berufen. Wie durch einen Einzigen die Sünde kam, kam auch durch einen Einzige die Rettung.
Herr Jesus, dir sei Ruhm und Ehre!
Nicht nur vom Brot lebt der Mensch,
sondern von jedem Wort aus Gottes Mund.
Herr Jesus, dir sei Ruhm und Ehre!
Aus dem heiligen Evangelium nach Matthäus.
In jener Zeit
wurde Jesus vom Geist in die Wüste geführt;
dort sollte er vom Teufel versucht werden.
Als er vierzig Tage und vierzig Nächte gefastet hatte,
hungerte ihn.
Da trat der Versucher an ihn heran
und sagte: Wenn du Gottes Sohn bist,
so befiehl, dass aus diesen Steinen Brot wird.
Er aber antwortete:
In der Schrift heißt es:
Der Mensch lebt nicht vom Brot allein,
sondern von jedem Wort, das aus Gottes Mund kommt.
Darauf nahm ihn der Teufel mit sich in die Heilige Stadt,
stellte ihn oben auf den Tempel
und sagte zu ihm: Wenn du Gottes Sohn bist,
so stürz dich hinab;
denn es heißt in der Schrift:
Seinen Engeln befiehlt er um deinetwillen,
und: Sie werden dich auf ihren Händen tragen,
damit dein Fuß nicht an einen Stein stößt.
Jesus antwortete ihm:
In der Schrift heißt es auch:
Du sollst den Herrn, deinen Gott, nicht auf die Probe stellen.
Wieder nahm ihn der Teufel mit sich
und führte ihn auf einen sehr hohen Berg;
er zeigte ihm alle Reiche der Welt mit ihrer Pracht
und sagte zu ihm:
Das alles will ich dir geben,
wenn du dich vor mir niederwirfst und mich anbetest.
Da sagte Jesus zu ihm:
Weg mit dir, Satan! Denn in der Schrift steht:
Den Herrn, deinen Gott, sollst du anbeten
und ihm allein dienen.
Darauf ließ der Teufel von ihm ab
und siehe, es kamen Engel und dienten ihm.
(Lektionar 2018 ff. © 2024 staeko.net)
Was menschlich logisch scheint, ist oft nur eine verführerische Abkürzung, die dann doch nicht zur Lösung des angestrebten Zieles führt. Die Versuchungserzählung entlarvt derartige Logiken. Der Weg Jesu geht von Mensch zu Mensch ohne die schnellen Abkürzer und falschen trügerischen Versprechungen. Fastenzeit will uns helfen, unsere klammheimlichen Machtphantasien und insgeheimen Verzweckungen der Menschen abzurüsten.
Hat der Urheber dieses Zitates, der irische Schriftsteller George Bernhard Shaw, an die Versuchungsgeschichte gedacht, an die Begegnung von Jesus mit dem klugen Teufel in der Wüste?
Nun, jedenfalls scheint es der Teufel hier mit Jesus gut zu meinen. Dieser kommt quasi gerade von der Taufe am Jordan, bei der ihm die Zusage gegeben worden ist, Gottes geliebter Sohn zu sein. Er hat dort sozusagen den offenen Himmel erblickt, zweifellos ein Höhepunkt, ein zutiefst bewegendes Erlebnis. Und nun das: 40 Tage in der Wüste, hineingeführt vom Geist Gottes.
Wir dürfen wohl vermuten, dass diese Wüste nichts zu tun hat mit einem abgesicherten Mediationserlebnis oder einem Fastenkurs in schöner ruhiger klösterlicher Atmosphäre. Eher scheint mir die Wüste für die absolute mitleidlose Lebensfeindlichkeit zu stehen, hineingeworfen in eine trostlose, trockene Umgebung, Steine und Sand, nichts Nahrhaftes, nur der nagende Hunger. Eine wirkliche Zeit der Krise: Was gilt denn nun von der zuvor gemachten und wohl beglückenden Erfahrung? Zählt die noch? Und wenn ja, wie zählt Sie? Wie geht denn das nun konkret: Gottes Sohn zu sein mit einer Botschaft? Auf welchem Weg soll diese Kunde in die Welt gehen?
Da kommt er gerade recht, der Ungeist, der scheinbar so vernünftig argumentiert. Gleich beim ersten Teil wird das deutlich. Aus Steinen Brot machen: Wäre das nicht wünschenswert? Der allgegenwärtige Hunger in der Welt, das unglaubliche Elend, das damit verbunden ist, heute vielleicht fast noch mehr als damals. Das Eintauschen gegen die Gabe aus dem Wertlosen nahrhaftes Essen zu schaffen. Mit Gott an der Seite endlich Schluss machen mit den jährlichen Katastrophenmeldungen von Hunger hier und Unterernährung dort. Caritas, OXFAM, die UNO und wie sie alle heißen, wären auf einmal arbeitslos in diesem Bereich: Endlich sind alle satt!
Aber Jesus verweigert sich dem schnellen Weg. Nein, es reicht für ihn nicht, dass die Mägen satt sind. Was kommt danach, scheint er zu fragen? Was dann, wenn der vordergründige Hunger gestillt ist? Satt alleine reicht für ihn nicht! Aber man sollte diese Stelle nicht vorschnell vergeistigen. Jesus wird später in seinem Tun zeigen, welches Wunder wirklich hilft gegen den Hunger der Menschen, der auch auf Leib und Seele drückt: Das Wunder des geteilten Brotes, das alle satt macht.
Nun, der Teufel ist hartnäckig, er bleibt dran. Also weg mit Jesus aus der Wüste, rein in die Heilige Stadt Jerusalem: hinein ins Zentrum der Religion. Oben auf der Spitze, auf dem Tempel, dem Petersdom oder den Türmen Mekkas oder wo auch immer organisierte Religionen ihre Stätten haben... Ein Wunder würde reichen, ein Beweis, dass er wirklich anders ist, einzigartig... Der Sohn Gottes soll es beweisen. Es bräuchte ganz wenig. Ein wenig Show, eine kurze Zugabe vor laufenden Kameras, und die Aufmerksamkeit der Welt wäre ihm gewiss. Auch hier widersteht Jesus. Mit Gott in Verbindung sein, auf ihn zu setzen, geht ohne Geschäft und Gegengeschäft. Wer vertraut, braucht den erzwungenen Beweis nicht. Dieser würde sogar der Liebe widersprechen. Beweise mir, dass Du mich liebst - wer so spricht, ist bereits außerhalb dieser vorbehaltlosen Zuwendung. Selbst wenn es so verführerisch wäre: Die Kirche als Werkzeug Gottes würde so viel besser dastehen mit nur einer winzigen kleinen Show, eines gezeigten Wunders, ein globaler Wow-Effekt und wir hätten die Aufmerksamkeit und die Zuneigung quer durch die Welt, und dann könnten wir in bester Absicht wirken und Gutes tun...
Dann das schwerste Geschütz: Hinauf auf den hohen Berg. Jetzt liegt die ganze Welt zu seinen Füßen. Die Reichen, die Mächtigen, die Imperien, die Machtstrukturen., wäre das nicht reizvoll? Mit dem Anerkennen der teuflischen Logik durch Jesus wäre es gelöst, könnte das Potential dieser Mächte doch verwendet werden für das Gute. Mit aller Kraft und Gewalt endlich dem Guten, dem Vernünftigen den Weg ebnen. Nicht mehr kämpfen, reden, argumentieren, überzeugen müssen, sich nicht mehr verirren müssen im täglichen Hickhack und politischen Getriebe. Mit aller Kraft sagen können, was ist und sein wird. zum Wohle aller wohlgemerkt!
Z. B. Heute eine Weltregierung, die endlich die Klimakatastrophe gegen alle Widerstände und GegnerInnen klar bekämpft und konsequent ihre Maßnahmen durchzieht!
Aber auch hier scheitert der Teufel: Allein Gott zählt. Nicht die übliche Logik unserer Welt, Geschäft, Gegengeschäft, Machtlogik und sei sie auch noch so gut gemeint. Jesus geht nicht diesen Weg, um seine Vision durchzusetzen. Weder die verschlagenen machtpolitischen Spielchen sind seines, noch der revolutionäre Weg, der am Ende die eigenen Kinder frisst.
Jesus beharrt darauf, nur in der Freiheit Gottes verwurzelt zu sein, ihm allein anzuhängen. Das trägt ihn hier durch, gibt ihm die Worte aus der Tradition, mit denen er sich zurechtrückt angesichts der verführerischen Perspektive.
Es hilft ihm hier einen dritten Weg zu finden angesichts der scheinbar aussichtlosen Alternativen: Die Welt ist ganz oft im Elend und daran kannst du nichts wirklich ändern! Oder dagegen: Der Weg zum Besseren geht über die guten Vorsätze, diese müssen durchgekämpft werden, koste es, was es wolle! Kollateralschäden sind dann eben nicht zu vermeiden.
Nein, sein Weg wird ein anderer sein: Er zwingt Gott nicht in die übliche Logik des „Wenn Du mir gibst, dann gebe ich Dir...“. Er vertraut ohne die verführerischen Abkürzungen. Weder religiöses Theater, noch Wunder, noch Macht setzt er ein als Mittel zum Zweck, sondern bleibt geduldig dran am Menschen in seinen alltäglichen Vollzügen. Machtlos, bei den sogenannten Kleinen setzt er an, er geht nicht den Weg über die Mächtigen von Religion und Staat. Mit dieser Entscheidung, zu der sich Jesus durchringt in diesem tagelangen Prozess, wird die Wüste wieder lebendig: die Engel dienen ihm, die Krise ist ausgestanden, der Weg nun klar.
Zu Fuß auf den eigenen Füßen, ohne die verlockenden Ingredienzen von Religion und staatlicher Macht geht es weiter. Von Mensch zu Mensch. Mühsam, manchmal beglückend, oft wohl auch andere enttäuschend, setzt er die frohe Botschaft in die Welt, weil er es Gott allein zutraut, das Unheile zu wenden. Er wird immer wieder Taten setzen, die lokal wie im Brennglas zeigen, worauf es ihm ankommt in der Begegnung mit den armen, kranken, ausgestoßenen Menschen. Er tut was dazu, aber weiß sich aufgefangen bis zum härtesten vorstellbaren vorläufigen Ende am Karfreitag von der Liebe Gottes, die nicht zwingt, blendet oder vortäuscht, sondern in Freiheit setzt Antwort zu geben.
Für uns, die ich uns ohne bösen Beiklang als Weltverbesserer und Weltverbesserinnen bezeichnen möchte (wer wollte denn nicht die Welt verbessern!) ein Hinweis auch auf unsere Strategie heute: Von Mensch zu Mensch, ohne die schnellen Abkürzer und falschen trügerischen Versprechungen. Nicht mit Gewalt, ohne Tricks im Vertrauen auf Gott, der uns in Freiheit setzt und in Freiheit sich binden möchte. Fastenzeit so gesehen: Ein Abrüsten unserer klammheimlichen Machtphantasien und insgeheimen Verzweckungen der Menschen. Eine Ermutigung, unser Vertrauen auf Gott zu setzen, in seiner Freiheit der Welt begegnen!
© Wilfried Scheidl, Leiter Regional Caritas, Diözese Linz
Jesus wurde in seinem Leben vielfach versucht. In der Erzählung von den Versuchungen am Ende seiner Wüstenzeit werden drei markante und typische Versuchungssituationen vorgestellt, in denen Jesus seiner Spur als Mensch und Sohn Gottes treu bleibt. In der Fastenzeit sollen auch wir uns im Glauben bewähren und wachsen.
Vor uns steht die Fastenzeit, die für uns zu einer Gnadenzeit werden soll. Um uns dafür Anregungen zu geben, wird uns die Erzählung von den Versuchungen Jesu in der Wüste vor Augen gestellt.
Als der Sohn Gottes hat Jesus menschliche Gestalt angenommen, um den Bewohnern der Erde ein Vorbild dafür zu sein, wie gottverbundenes Leben zu gestalten ist. Mit seinem klaren Ja zu dieser Aufgabe, Gottes Sohn und ganz Mensch zu sein, unterwirft sich Jesus den Begrenzungen menschlichen Lebens: der Mühe, dem Leid, Versuchungen.
Von Versuchungen, die an Jesus herantraten oder herangetragen wurden, ist in der Bibel mehrfach die Rede: z.B. als man ihn zum König machen wollte. Jesus entfernt sich, sobald er spürt, was man mit ihm vorhat. Er lässt sich nicht verführen, seiner Aufgabe als Messias untreu zu werden. Oder am Ölberg: Im Blick auf das Leid, das auf ihn zukommt, tritt Angstschweiß auf seine Stirn. Jesus muss all seine Kraft aufbieten, um sagen zu können: Vater, dein Wille geschehen – nicht der meine.
Die im heutigen Evangelium beschriebenen Versuchungen hat Matthäus sicher sehr bewusst gewählt, da sie für uns Menschen typisch sind.
Vom Hunger ist die Rede. Das von Matthäus vorgetragene Beispiel dürfen wir sicher ausweiten. Wir Menschen hungern nicht nur nach Brot. Wo wir Mangel leiden, arm sind oder krank, uns verlassen oder in Schicksale verstrickt fühlen, einen schlimmen Unfall hatten oder einen beruflichen Zusammenbruch erlitten haben, dort hungern wir Menschen nach Veränderung unserer Lebenssituation.
Jesus behebt seine Hungersituation nicht dadurch, dass er Steine in Brot verwandelt, wie es ihm der Teufel rät und wozu er die Macht hätte. Denn damit wäre er aus dem vollen Menschsein ausgestiegen. Jesus hat kein einziges Wunder zu seinen Gunsten gewirkt, um sich aus persönlichen Nöten zu retten. Immer geschahen seine Wunder, um Leid und Nöte anderer zu lindern. Füreinander Brot werden, sich für die Werke der Liebe und das Durchhalten im Leid von Gott Kraft erbitten wie Jesus am Ölberg, das will Jesus uns Menschen ans Herz legen.
In der zweiten Versuchung Jesu geht es um Schein und Wirklichkeit. Der Teufel will Jesus verführen, eine Show abzuziehen im sich Hinabstürzen von den Zinnen des Tempels. Es gibt in ganz Israel keinen spektakuläreren Ort als den Tempel von Jerusalem. Dort sind immer Mensch und Besucher aus dem ganzen Land versammelt. Vor ihren Augen soll sich Jesus von der Zinne des Tempels stürzen und von den Engeln auffangen lassen. Wir können uns vorstellen, welches Aufsehen ein solches Ereignis erregt hätte. Jesus wäre als der Superstar in aller Munde gewesen. Aber Jesus ist vom Vater nicht gesandt, als „show-maker“ Spektakel zu erregen.
Sein Auftrag lautet: Gottes unendliche Liebe zu den Menschen in den Blick zu bringen und die Menschen durch seine Wunder Gottes Heilswirken spüren zu lassen. Die Liebe leben, Menschen ein Helfer zu sein, darauf hat Jesus sich ausgerichtet und eingestellt. Im Hinweis auf Gottes Liebe und der von ihm gelebten Hilfsbereitschaft will Jesus den Menschen Anstoß geben, die Verbundenheit mit Gott und untereinander zu vertiefen.
Die dritte Versuchung ist die, die wohl am häufigsten an uns Menschen herantritt: Unser Heil und Wohlergehen im Glanz von Reichtum und Macht suchen. Macht haben wollen und Macht ausüben, reich sein wollen und dadurch etwas gelten… Wie oft tritt diese Versuchung an uns Menschen heran!
Bei Gott dagegen geht es ums Dienen. Das ist die Botschaft, die Jesus der Welt bringt: Gott ist ein dienender Gott. Darin unterscheidet er sich von allen Göttern rings um ihn her. Die Götter sind Macht ausübende Gottheiten. Und nicht selten sind die Israeliten der Versuchung erlegen, ihren Gott Jahwe zu präsentieren als einen Gott, der seine Macht einsetzt, um zu herrschen und Überlegenheit zu demonstrieren.
Spätestens mit Jesus Christus wird deutlich, dass Gott zwar allmächtig ist, dies aber nie demonstriert hat. Im Gegenteil: Er wirkt im Hintergrund, meistens erst im Nachhinein erspürbar, oft in Verbindung mit Menschen, die seine Pläne ausführen. Für die Nachahmung dieses Stils möchte Jesus die Menschen gewinnen.
Dabei ist festzuhalten: Macht, Einfluss, Reichtum sind nicht von vornherein etwas Schlechtes oder Schlimmes. Sie sind sogar gut und wertvoll, wenn sie dem Heil und Wohl der Menschen nützen. Wer keinen Einfluss hat und wem keinerlei Mittel zur Verfügung stehen, ist in seinen Möglichkeiten, zum Wohl des Nächsten beizutragen, in vielen Richtungen begrenzt. Es geht also nicht darum, Macht, Einfluss oder Reichtum zu verteufeln, sondern darum, unser Verhältnis zur Macht, zu Einfluss und Reichtum dem Dienst an den Menschen zu unterstellen.
Die Fastenzeit soll uns zu einer Zeit der Gnade und des Heils werden, in der wir uns ganz bewusst darauf besinnen: Es gilt,
Es ist durchaus ein sehr umfassendes Programm, vor dem wir jedoch nicht erschrecken sollen. Es wäre ja schon viel gewonnen und ein guter Schritt nach vorn, wenn wir uns in der diesjährigen Fastenzeit wenigstens einen Punkt herausgreifen würden, um ihn im Besonderen und mit aller Energie beherzigen würden. Gott schenkt unserem Bemühen ganz sicher seine Kraft.
Die Versuchungen Jesu sind Grundmuster für Versuchungen, denen auch wie in unserem Leben ausgesetzt sind. In der Fastenzeit sollen wir uns kritisch mit diesen Neigungen auseinandersetzen und uns allein in den Dienst Gottes stellen.
Dreimal tritt der Versucher an Jesus heran und will sein Naheverhältnis zu Gott zerstören. Er erkennt ihn als Teufel und weist seine Ansinnen zurück. Auch wir zweifeln oft an Gott und greaten so in Versuchung.
Mit Aschermittwoch haben wir die vierzigtägige Fastenzeit begonnen. Sie soll für uns eine Zeit des Heils und der Gnade werden. Wachsen sollen wir in unserem Glauben, in unserer Hoffnung und in der Liebe, damit unser Leben immer mehr am Leben Jesu Anteil erhält und sich an ihm orientiert. Gott will uns durch Jesus auf einen guten Lebensweg führen.
Herr, Jesus Christus,
um uns in unserem Denken und Handeln Vorbild zu sein, kamst du auf unsere Erde.
Herr, erbarme dich.
Als Mensch warst auch du Versuchungen ausgeliefert.
Christus, erbarme dich.
Du willst uns Kraft schenken, Anfechtungen zu widerstehen.
Herr, erbarme dich.
Es erbarme sich unser der Herr, damit wir ihm in Treue folgen. – Amen.
Allmächtiger Gott,
du schenkst uns die heiligen vierzig Tage
als eine Zeit der Umkehr und der Buße.
Gib uns durch ihre Feier die Gnade,
daß wir in der Erkenntnis Jesu Christi voranschreiten
und die Kraft seiner Erlösungstat
durch ein Leben aus dem Glauben sichtbar machen.
Darum bitten wir durch ihn,
der in der Einheit des Heiligen Geistes
mit dir lebt und herrscht in alle Ewigkeit.
MB 1. Fastensonntag
Gott, unser Heil,
gib uns die Gnade, umzukehren zu dir.
Erleuchte unseren Verstand
und stärke unseren Willen,
damit uns diese Zeit der Buße zum Segen wird.
Darum bitten wir durch Jesus Christus.
MB Montag in der 1. Woche der Fastenzeit
Herr Jesus Christus,
du hast dich für deine Aufgabe durch Sammlung, Gebet und innere Vorbereitung zugerüstet und auf Gott ausgerichtet.
Wir bitten dich:
Hilf uns, vom Weg der Liebe nicht abzuweichen, sobald Mühe oder Last sich einstellen.
Christus, höre uns.
Unterstütze alles Bemühen um Frieden, gegenseitige Wertschätzung und Versöhnungsbereitschaft.
Schenke Menschen in Not Helfer und gute Begleiter.
Richte auf, die durch Misserfolge oder wiederholte Niederlagen entmutigt sind.
Segne, die sich von dir in einen besonderen Dienst haben nehmen lassen und schenke ihnen Erfolg bei ihrer Arbeit.
Stehe allen Sterbenden bei und nimm die Verstorbenen auf in die Gemeinschaft mit dir.
Herr Jesus Christus,
du hast uns eingeladen, uns in dieser Stunde sehr bewusst und intensiv mit dir zu verbinden und Gemeinschaft zu pflegen, auf deine Botschaft zu hören und uns mit neuer Kraft beschenken zu lassen. Wir danken dir für deinen Beistand: heute und alle Tage unseres Lebens. – Amen.
Viele Entscheidungen erwarten uns täglich. Oft sind wir nicht sicher, welcher Weg einzuschlagen ist. Mit den Konsequenzen unserer Entscheidungen müssen wir selbst und meist auch die anderen leben. Die Verantwortung dafür zu übernehmen, fällt oft nicht leicht.
Aus den Unsicherheiten unseres Lebens rufen wir zu dir, Vater:
Um den Beistand des Heiligen Geistes für Papst Franziskus, von dessen Entscheidungen immer das Ganze des Volkes Gottes betroffen ist.
Um den Beistand des Heiligen Geistes für die politischen Vertreter der Großmächte, die bei ihren Entscheidungen mehr als nur die Interessen des eigenen Landes zu berücksichtigen haben.
Um den Beistand des Heiligen Geistes für alle, die in den diversen Bildungsinstituten durch ihre Entscheidungen die Entwicklung der Jugend und damit die Zukunft unseres Landes in den Händen halten.
Um den Beistand des Heiligen Geistes, wenn es gilt, für unsere eigenen Entscheidungen Verantwortung zu übernehmen und diese durchzutragen.
Um den Beistand des Heiligen Geistes als Trost und Hoffnung für alle Sterbenden, wenn sie am Ende ihres Lebens Fehlentscheidungen erkennen müssen.
Vater! Du schenkst uns eine ganze Lebenszeit, um zu reifen und all das zu entfalten, das du jeden von uns an Gaben geschenkt hast. Begleite uns auf allen Wegen, Umwegen und Irrwegen, die wir brauchen, um bei dir, unserem Ziel, anzukommen.
Das erbitten wir von dir durch Christus, unseren Herrn und Bruder, im Heiligen Geist. - Amen.
Herr, unser Gott,
wir bringen Brot und Wein für das heilige Opfer,
das wir zum Beginn dieser Fastenzeit feiern.
Nimm mit diesen Gaben uns selbst an
und vereine unsere Hingabe
mit dem Opfer deines Sohnes,
der mit dir lebt und herrscht in alle Ewigkeit.
MB 1. Fastensonntag
Kehrvers: Alles, was Odem hat, lobe den Herrn. (GL 616,5)
Guter Gott, Schöpfer allen Lebens,
wir kommen zu dir, um dir zu danken.
Du hast die Welt ins Dasein gerufen
und den Menschen als dein Abbild geschaffen,
dir verdanken wir uns Leben.
Kehrvers
Du hast dem Menschen die Freiheit gelassen, eigene Wege zu gehen
und das Leben nach eigenen Vorstellungen zu gestalten.
Du hast ihm die Erde anvertraut, sie zu behüten und bebauen.
Kehrvers
In Jesus, deinem Sohn, bist du den Menschen nachgegangen,
als sie sich in eigenen Interessen und Vorstellungen verrannten
und ihr eigenes Wohl und ihre Zukunft aufs Spiel setzten.
Kehrvers
Er hat uns gezeigt, wie heilsam es für uns ist,
auf dein Wort zu hören und deinen Willen zu beachten,
denn du liebst uns und willst uns ewiges Leben schenken.
Kehrvers
Jesus hat der Versuchung widerstanden,
menschliche Wünsche nur oberflächlich zu erfüllen.
Er hat die Sehnsucht der Menschen nach einem erfüllten Leben wahrgenommen
und uns Wege gezeigt, sie zu stillen.
Kehrvers
Dafür danken wir dir und loben und preisen wir dich mit der ganzen Schöpfung
und singen:
Danklied, z. B.: Gott liebt diese Welt (GL 464)
In Wahrheit ist es würdig und recht,
dir, Vater im Himmel, zu danken
und dein Erbarmen zu preisen.
Denn jedes Jahr
schenkst du deinen Gläubigen die Gnade,
das Osterfest in der Freude
des Heiligen Geistes zu erwarten.
Du mahnst uns in dieser Zeit der Buße
zum Gebet und zu Werken der Liebe,
du rufst uns zur Feier der Geheimnisse,
die in uns die Gnade der Kindschaft erneuern.
So führst du uns mit geläutertem Herzen
zur österlichen Freude und
zur Fülle des Lebens
durch unseren Herrn Jesus Christus.
Durch ihn rühmen wir deine Größe
und vereinen uns mit den Chören der Engel
zum Hochgesang von deiner göttlichen Herrlichkeit:
Heilig ...
MB Fastenzeit 1
Gott, sei vor mir,
damit du mich führst und leitest
und mir den rechten Weg zeigst.
Gott, sei hinter mir,
damit du alle Nachstellungen von mir fernhältst
und mich immer im Auge hast.
Gott, sei neben mir,
damit du mich stützt und hältst,
wenn ich unsicher bin und mich Zweifel plagen.
Gott, sei unter mir,
damit du mich auffängst und trägst,
wenn ich auf meinem Weg stolpere oder gar falle.
Gott, sei in mir,
damit ich deine Stimme höre und erkenne,
wenn Angst und Sorgen mich überwältigen.
Gott, sei über mir,
damit du mich segnest
und stets deine schützende Hand
über mich hältst.
Gott, sei immer bei mir.
(nach einem irischen Segensgebet)
Gütiger Gott,
du hast uns das Brot des Himmels gegeben,
damit Glaube, Hoffnung und Liebe in uns wachsen.
Erhalte in uns das Verlangen nach diesem wahren Brot,
das der Welt das Leben gibt,
und stärke uns mit jedem Wort,
das aus deinem Mund hervorgeht.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
MB 1. Fastensonntag
Barmherziger Gott,
wenn wir uns jetzt auf den Weg durch die Fastenzeit machen,
wissen wir uns begleitet durch dein Wort
und gestärkt durch das Brot des Lebens.
Schenke uns Kraft und Willen zur Umkehr,
dass wir mit gutem Geist und Herz
das Auferstehungsfest feiern können.
So bitten wir durch Christus unseren Bruder und Herrn.
Jeder des anderen Ärgernis
jeder des anderen Spaß
jeder des anderen Spielautomat
Goldene Serie, schrecklicher Reinfall
jeder des anderen Kontaktperson
Wackelkontakt, total überdreht
jeder des anderen Fels
jeder aus Stein.
Es gibt keinen Grund
dich nicht zu belügen
jedem ist alles egal.
Jeder eine Nummer
ein Loch und im Eimer
alle auf Nummer Sicher.
Jeder sieht mir irgendwie ähnlich
und verschläft jeden Tag
diesen billigen Traum:
Wenn jeder jedem Feuer gäbe
mit brennendem Paß
wäre keiner mehr jeder.
Aus: Ralf Rothmann, Gebet in Ruinen. Gedichte. Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main 2000.
Darf ich die drei Akte der Versuchung in eins setzen? Dann würde die Geste des Teufels bedeuten: "Du, der du von oben kommst, wie willst du bei denen da unten ankommen? Ich räume das Feld, wenn du auf meinen Vorschlag eingehst." Ja wahrhaftig, Jesus scheint zu erschrecken über die gewaltige Aufgabe, die vor ihm liegt; er erschrickt über die Dreistigkeit des Versuchers. Seine Hände greifen zum Kopf, wie zur Abwehr einer Bedrohung. Wie soll er den Menschen "das Wort aus Gottes Mund" sagen, das erlösende, befreiende Wort, wie soll er ihnen "das Brot des Lebens" reichen, wenn ihre Erlösungsbedürftigkeit einzig in der Magengegend zu liegen scheint?
Jesus lässt sich von seinem Auftrag nicht abbringen. Er geht von allem Anfang an den unteren Weg, den Weg der Erniedrigung und des Gehorsams. Er, der ganz Heilige, erniedrigt sich gar so sehr, dass er den teuflischen Versucher an sich heranlässt. Der Teufel selbst, so marionettenhaft er ist, "der Affe Gottes", bleibt eine von Gott gelenkte Figur. Er wird an kurzer Leine geführt.
Jesus geht aus der Versuchung als Sieger hervor. Ein programmatischer Sieg, in dem der totale Sieg über das Böse und den Bösen schon angesagt ist und aufleuchtet.
Die Apostel mögen mit dieser Versuchungsgeschichte, einem Gleichnis sozusagen, ihren Gemeinden, die von innen und außen bedroht waren, gedeutet haben: Die Macht des Bösen ist durch Jesus radikal, d. h. von der Wurzel her, bereits gebrochen. Dennoch bleibt auch der Jünger Jesu der Versuchung zum Abfall ausgesetzt. Es bleibt uns die Bitte des Vaterunsers - wie sie richtig zu verstehen ist:
"Und lass uns nicht in der Versuchung fallen."
Aus: Karlheinz May, Vom Duft der Auferstehung. Die vier Evangelien in Auszügen mit Meditationen, kommentierenden Texten und Zeichnungen. Im Eigenverlag (Holsteinstr 1, D-51065 Köln).
Gib mir die gabe der tränen gott
gib mir die gabe der sprache
Führ mich aus dem lügenhaus
wasch meine erziehung ab
befreie mich von meiner mutter tochter
nimm meinen schutzwall ein
schleif meine intelligente burg
Gib mir die gabe der tränen gott
gib mir die gabe der sprache
Reinige mich vom verschweigen
gib mir die wörter den neben mir zu erreichen
erinnere mich an die tränen der kleinen studentin
in göttingen
wie kann ich reden wenn ich vergessen habe
wie man weint
mach mich naß
versteck mich nicht mehr
Gib mir die gabe der tränen gott
gib mir die gabe der sprache
Zerschlage den hochmut mach mich einfach
laß mich wasser sein das man trinken kann
wie kann ich reden wenn meine tränen nur für
mich sind
nimm mir das private eigentum und den wunsch
danach
gib und ich lerne leben
Gib mir die gabe der tränen gott
gib mir die gabe der sprache
gib mir das wasser des lebens
Dorothee Sölle in: Höre Gott! Psalmen des Jahrhunderts. Herausgegeben von Paul Konrad Kurz. Benziger Verlag, Zürich und Düsseldorf 1998.
In meinen grünen Tagen
fand ich die Liebe nie.
Ich blühte blind von Jahr zu Jahr,
rutschte aus auf meinem Samen
und wurd mir selber saure Frucht.
In meinen grünen Tagen.
In meinen feuerfarbenen Tagen
hielt ich die Liebe für eine stolze Frau.
Ihr Haar war lang und schwer wie Schlaf
und flog im Traum, im Gold des Traums,
davon wie Rauch.
In meinen feuerfarbenen Tagen.
Und in den Zeiten ohne Farbe,
vom Wein gemalt im schiefen Licht,
war ich den wenigsten ein Engel,
schien so vielen ohne Herz, machte
kunstvoll leere Worte und wußte doch:
Der Reim auf Schmerz, der wärs!
So kamen Leiden in Form schöner Dinge.
Während der Mond zunahm, wurde mein
Schatten dunkler, während Fehltritte abnahmen,
verzehnfachte sich ihr Gewicht.
In schwarzen Tagen kam die Warnung
als ein erstes silberweißes Haar.
Dann machte mir ein Frühling klar: So nicht!
Wer sich schwer nimmt, kann kaum fliegen.
Wer im Geld schwimmt, ist längst abgesoffen.
Wem der Himmel nicht Preis und Ehre bleibt,
der trägt eine Krone aus Stroh.
Denn dies affige Theater, das wir
Liebe nennen, ist nicht der ganze Gott.
Höchstens seine Augenfarbe.
Da wurde Schwärze noch mal Licht
und Sommer wieder Lied und Spiel.
Da hörte ich das »Danke« mit,
als lautlos eine Blüte fiel.
Aus: Ralf Rothmann, Gebet in Ruinen. Gedichte. Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main 2000.

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Die Paradieserzählung wird gemeinhin zur Urgeschichte gezählt. Aber der Begriff ist unklar, weil die Urgeschichte sich nicht linear einordnen und in die Vorgeschichte verbannen lässt. Die Jetztzeit trägt Züge der Urzeit, die Urzeit selbst ist Teil jeder Zeit. Die Urgeschichte, wie sie in Gen 1 bis 11 (mit sehr verschiedenen Tönen und doch einem erkennbaren cantus firmus) vorliegt, erzählt von dem, was typisch ist für die Schöpfung Gottes, typisch auch für den Menschen, der sich aufmacht, das Fürchten zu lernen. Der die Unschuld verliert. Die Freiheit im Gebüsch versteckt.
Die Unterstellung ist: Gott verbietet etwas. Gott will etwas für sich behalten. Gott will dies nicht teilen ... und bis heute denken Menschen, wenn ihnen Religion (oder was sie dafür halten) begegnet, an Verbote und Unmündigkeit. Aber die Menschen haben Gott als Gebenden kennen gelernt. Der Garten ist von ihm. Den Menschen wird anvertraut, ihn zu bebauen und zu bewahren. Eine Vertrauensstellung par excellance.
Das Verbot, von dem Baum der Erkenntnis zu essen, schützt den Menschen auch davor, den Garten verkommen zu lassen oder ihn zu zerstören - und sich gleich mit. Denn die Erkenntnis von gut und böse ist keine denkerische Möglichkeit, keine akademische Diskussion oder ein Spiel mit Alternativen. Die Erkenntnis von gut und böse setzt die Erfahrung voraus, durch eigene Schuld das Paradies, die Unschuld und die Freiheit zu verlieren.
Die erste Frucht der Erkenntnis von gut und böse ist die Nacktheit. Erst sind es Schürze aus Feigenblätter, die schützen, später müssen es Waffen und Medienkampagnen sein. Angesichts der Nacktheit, die aber nichts davon offenbart, was in den Köpfen vorgeht oder hinter den Worten steckt, suchen Menschen Schutz. Sie sichern sich gegen den anderen. Sie sind ständig auf Suche nach Motiven. Sie analysieren Sätze, aber auch, was nicht gesagt wurde. Sie trennen objektiv und subjektiv. Nehmen Güterabwägungen vor. Und trauern, dass es keine Gerechtigkeit auf der Welt gibt.
Das 2. und 3. Kapitel des Buches Genesis wollen nicht historisch verstanden werden. Sie suchen nach einer Antwort, warum der Mensch so ist, wie er ist. Woher kommt seine Sehnsucht nach einer heilen Welt, obwohl er die Welt als unheil erlebt? Die beiden Kapitel wollen nebeneinander und nicht nacheinander gelesen werden. Genesis 2 erzählt, wie die Welt sein könnte und sein sollte, Genesis 3, wie sie tatsächlich ist und warum sie so ist.
Der ursprüngliche Text enthält ein dreifaches Wortspiel, das in der Übersetzung und auch im Bewußtsein der meisten Menschen verloren gegangen ist. Der Mensch (adam) wird aus dem Ackerboden (adamah) geformt. Noch ist nicht vom Mann die Rede. Adam müßte besser mit "Erdling" übersetzt werden. Vom Mann (iš) ist erst nach der Erschaffung der Frau (iššah) die Rede. Mit Adam ist der Mensch schlechthin, die ganze Menschheit, gemeint. Die Geschichte erzählt also, wie der Mensch ist: erdhaft und zugleich vom Lebensatem Gottes beseelt, Gott sorgt für ihn.
Das 3. Kapitel erzählt meisterhaft von der Verführung des Menschen durch die Schlange zum Ungehorsam gegenüber seinem Schöpfer. Auch hier bedient sich der Verfasser eines Wortspiels: Das 2. Kapitel endet mit der Feststellung, daß die Menschen nackt (arom) waren, sich aber nicht voreinander schämten. Das 3. Kapitel beginnt mit der Vorstellung der Schlange als klug (arum), klüger als alle Tiere des Feldes. Die Menschen essen gegen das Gebot ihres Schöpfers, um klug und weise zu werden, erkennen aber, nachdem sie von der verbotenen Frucht gegessen haben, daß sie nackt sind.
Die Erzählung enthält viele Momente, die auch in anderen Kulturen und Religionen vorkommen und in allen Mythologien eine wichtige Rolle spielen: die Erde, der Baum des Lebens, die Schlange als Symbol der Klugheit und Weisheit, die Frau als Symbol der Fruchtbarkeit (Mutter alles Lebendigen)... Der biblische Verfasser übernimmt diese Elemente aus seiner Umwelt und setzt im Nacherzählen seine eigenen theologischen Akzente.
Praktische Tipps zum Vorlesen und Textauslegung der Katholischen Bibelwerke Deutschland, Österreich und Schweiz
Auslegung aus jüdischer und christlicher Perspektive