Die biblischen Lesungen wurden mit freundlicher Genehmigung der Ständigen Kommission für die Herausgabe der gemeinsamen liturgischen Bücher im deutschen Sprachgebiet den Lektionaren 2018 ff entnommen. - © 2024 staeko.net. - vgl. Impressum.
Die Katholischen Bibelwerke in Deutschland, Österreich und Schweiz stellen auf ihren Webseiten ausführliche Kommentare und Anleitungen zum Lesen der biblischen Lesungen für Sonn- und Feiertage zum Download im PDF-Format zur Verfügung. Mit freundlicher Genehmigung der Katholischen Bibelwerke übernehmen wir die Kurzeinleitungen zu den Lesungen.
Lesung aus dem Buch Jesus Sirach:
Mein Sohn, bei all deinem Tun bleibe bescheiden
und du wirst geliebt werden
von anerkannten Menschen!
Je größer du bist, umso mehr demütige dich
und du wirst vor dem Herrn Gnade finden!
Denn groß ist die Macht des Herrn,
von den Demütigen wird er gerühmt.
Es gibt keine Heilung für das Unglück des Hochmütigen,
denn eine Pflanze der Bosheit hat in ihm Wurzel geschlagen.
Das Herz eines Verständigen wird einen Sinnspruch überdenken
und das Ohr des Zuhörers ist die Sehnsucht des Weisen.
(Lektionar 2018 ff. © 2024 staeko.net)
Lesung aus dem Buch Jesus Sirach:
Mein Sohn, bei all deinem Tun bleibe bescheiden
und du wirst geliebt werden
von anerkannten Menschen!
Je größer du bist, umso mehr demütige dich
und du wirst vor dem Herrn Gnade finden!
Viele sind hochgestellt und berühmt,
aber den Bescheidenen
offenbart er seine Geheimnisse.
Denn groß ist die Macht des Herrn,
von den Demütigen wird er gerühmt.
Suche nicht, was für dich zu schwierig ist,
und erforsche nicht, was deine Kräfte übersteigt!
Was dir geboten worden ist, das überdenke,
denn du hast keinen Bedarf an verborgenen Dingen!
Verwende keine Mühe auf außergewöhnliche Dinge,
denn mehr, als Menschen verstehen können,
wurde dir gezeigt!
Denn ihre Mutmaßungen haben viele getäuscht
und übler Argwohn hat ihr Denken in die Irre geführt.
Wenn du keinen Augapfel hast, fehlt dir das Licht,
wenn du keine Erkenntnis hast,
mache keine Ankündigung!
Ein verhärtetes Herz nimmt ein böses Ende;
wer die Gefahr liebt, kommt in ihr um.
Ein verhärtetes Herz
wird durch Mühsal niedergedrückt
und der Sünder häuft Sünde auf Sünde.
Es gibt keine Heilung für das Unglück des Hochmütigen,
denn eine Pflanze der Bosheit hat in ihm Wurzel geschlagen.
Das Herz eines Verständigen wird einen Sinnspruch überdenken
und das Ohr des Zuhörers ist die Sehnsucht des Weisen.
Kv - Deine Geschöpfe finden Wohnung bei dir, o Gott. – Kv
Oder GL 77,1
Die Gerechten freuen sich, *
sie jubeln vor Gott und jauchzen in Freude.
Singt für Gott, spielt seinem Namen! *
Erhebt ihn, der durch die Steppen einherfährt! – (Kv)
Ein Vater der Waisen, ein Anwalt der Witwen *
ist Gott in seiner heiligen Wohnung.
Gott bringt Verlassene heim, /
führt Gefangene hinaus in das Glück; *
doch Aufsässige müssen wohnen im dürren Land. – (Kv)
Gott, du ließest Regen strömen in Fülle *
über dein verschmachtendes Erbland, das du selbst gegründet.
Dein Geschöpf fand dort Wohnung; *
Gott, in deiner Güte versorgst du den Armen. – Kv
Lesung aus dem Hebräerbrief:
Schwestern und Brüder!
Ihr seid nicht zu einem sichtbaren, lodernden Feuer hinzugetreten,
zu dunklen Wolken, zu Finsternis und Sturmwind,
zum Klang der Posaunen und zum Schall der Worte,
bei denen die Hörer flehten,
diese Stimme solle nicht weiter zu ihnen reden.
Ihr seid vielmehr zum Berg Zion hinzugetreten,
zur Stadt des lebendigen Gottes,
dem himmlischen Jerusalem,
zu Tausenden von Engeln,
zu einer festlichen Versammlung
und zur Gemeinschaft der Erstgeborenen,
die im Himmel verzeichnet sind,
und zu Gott, dem Richter aller,
und zu den Geistern der schon vollendeten Gerechten,
24azum Mittler eines neuen Bundes, Jesus.
(Lektionar 2018 ff. © 2024 staeko.net)
Lesung aus dem Hebräerbrief:
Schwestern und Brüder!
Ihr seid nicht zu einem sichtbaren, lodernden Feuer hinzugetreten,
zu dunklen Wolken, zu Finsternis und Sturmwind,
zum Klang der Posaunen und zum Schall der Worte,
bei denen die Hörer flehten,
diese Stimme solle nicht weiter zu ihnen reden.
denn sie ertrugen nicht den Befehl:
Sogar ein Tier, das den Berg berührt,
soll gesteinigt werden.
Ja, so furchtbar war die Erscheinung,
dass Mose rief: Ich bin voll Angst und Schrecken.
Ihr seid vielmehr zum Berg Zion hinzugetreten,
zur Stadt des lebendigen Gottes,
dem himmlischen Jerusalem,
zu Tausenden von Engeln,
zu einer festlichen Versammlung
und zur Gemeinschaft der Erstgeborenen,
die im Himmel verzeichnet sind,
und zu Gott, dem Richter aller,
und zu den Geistern der schon vollendeten Gerechten,
zum Mittler eines neuen Bundes, Jesus.
Halleluja. Halleluja.
(So spricht der Herr:)
Nehmt mein Joch auf euch und lernt von mir;
denn ich bin gütig und von Herzen demütig.
Halleluja.
Aus dem heiligen Evangelium nach Lukas:
Jesus kam an einem Sabbat
in das Haus eines führenden Pharisäers zum Essen.
Da beobachtete man ihn genau.
Als er bemerkte, wie sich die Gäste die Ehrenplätze aussuchten,
erzählte er ihnen ein Gleichnis.
Er sagte zu ihnen:
Wenn du von jemandem zu einer Hochzeit eingeladen bist,
nimm nicht den Ehrenplatz ein!
Denn es könnte ein anderer von ihm eingeladen sein,
der vornehmer ist als du,
und dann würde der Gastgeber, der dich und ihn eingeladen hat,
kommen
und zu dir sagen: Mach diesem hier Platz!
Du aber wärst beschämt
und müsstest den untersten Platz einnehmen.
Vielmehr, wenn du eingeladen bist,
geh hin und nimm den untersten Platz ein,
damit dein Gastgeber zu dir kommt
und sagt: Mein Freund, rück weiter hinauf!
Das wird für dich eine Ehre sein vor allen anderen Gästen.
Denn wer sich selbst erhöht,
wird erniedrigt,
und wer sich selbst erniedrigt,
wird erhöht werden.
Dann sagte er zu dem Gastgeber:
Wenn du mittags oder abends ein Essen gibst,
lade nicht deine Freunde oder deine Brüder,
deine Verwandten oder reiche Nachbarn ein;
sonst laden auch sie dich wieder ein
und dir ist es vergolten.
Nein, wenn du ein Essen gibst,
dann lade Arme, Krüppel, Lahme und Blinde ein.
Du wirst selig sein,
denn sie haben nichts, um es dir zu vergelten;
es wird dir vergolten werden
bei der Auferstehung der Gerechten.
(Lektionar 2018 ff. © 2024 staeko.net)
Aus dem heiligen Evangelium nach Lukas.
Jesus kam an einem Sabbat
in das Haus eines führenden Pharisäers zum Essen.
Da beobachtete man ihn genau.
Und siehe, ein Mann, der an Wassersucht litt,
stand vor ihm.
Jesus wandte sich an die Gesetzeslehrer und die Pharisäer
und fragte:
Ist es am Sabbat erlaubt zu heilen, oder nicht?
Sie schwiegen.
Da berührte er den Mann, heilte ihn und ließ ihn gehen.
Zu ihnen aber sagte er:
Wer von euch wird seinen Sohn
oder seinen Ochsen, der in den Brunnen fällt,
nicht sofort herausziehen, auch am Sabbat?
Darauf konnten sie ihm nichts erwidern.
Als er bemerkte, wie sich die Gäste die Ehrenplätze aussuchten,
erzählte er ihnen ein Gleichnis.
Er sagte zu ihnen:
Wenn du von jemandem zu einer Hochzeit eingeladen bist,
nimm nicht den Ehrenplatz ein!
Denn es könnte ein anderer von ihm eingeladen sein,
der vornehmer ist als du,
und dann würde der Gastgeber, der dich und ihn eingeladen hat,
kommen
und zu dir sagen: Mach diesem hier Platz!
Du aber wärst beschämt
und müsstest den untersten Platz einnehmen.
Vielmehr, wenn du eingeladen bist,
geh hin und nimm den untersten Platz ein,
damit dein Gastgeber zu dir kommt
und sagt: Mein Freund, rück weiter hinauf!
Das wird für dich eine Ehre sein vor allen anderen Gästen.
Denn wer sich selbst erhöht,
wird erniedrigt,
und wer sich selbst erniedrigt,
wird erhöht werden.
Dann sagte er zu dem Gastgeber:
Wenn du mittags oder abends ein Essen gibst,
lade nicht deine Freunde oder deine Brüder,
deine Verwandten oder reiche Nachbarn ein;
sonst laden auch sie dich wieder ein
und dir ist es vergolten.
Nein, wenn du ein Essen gibst,
dann lade Arme, Krüppel, Lahme und Blinde ein.
Du wirst selig sein,
denn sie haben nichts, um es dir zu vergelten;
es wird dir vergolten werden
bei der Auferstehung der Gerechten.
Das Evangelium dieses Sonntags scheint auf den ersten Blick keinen besonderen theologischen Tiefgang zu haben. Liest man es im Kontext anderer biblische Texte, etwa des Magnificats, erhält es theologische Brisanz und Aktualität.
Um die Plätze in der ersten Reihe gibt es in unserer Kirche kaum einmal einen Wettlauf, außer bei ganz besonderen Anlässen. Ähnliches gilt wohl für die meisten Kirchen, zumindest für die Sonntagsgottesdienste.
Der Wettlauf um die besten Plätze findet in unserer Zeit an anderen Orten und bei anderen Anlässen statt. Wer als prominent gilt, zeigen uns in Österreich die »Seitenblicke«, das Society-Magazin des ORF. Und fast jede Zeitung hat eine Rubrik, die berichtet, was sich in der Welt der Prominenten tut. In den neuen Medien gelten wieder neue Regeln. Hier zählen die Facebook- und Instagram-Follower. Im Fernsehen sind die Einschaltzahlen, ist »die Quote« das Maß aller Dinge.
Das Gedränge um die ersten Plätze spielt sich längst nicht mehr in Kirchen ab. Für die jüngere Generation ist Kirche »mega-out«, oder altmodisch ausgedrückt »das Letzte«. Die Medienfachleute der Kirchen machen sich Gedanken, wie wir die Quoten steigern könnten, wie wir als Kirche in der modernen Öffentlichkeit besser wahrgenommen werden könnten. Nicht wenige betrachten diese Herausforderung als »Mission«.
Das Evangelium dieses Sonntags kommt daher wie eine Benimm-Regel aus einem Anstandsbuch. Wer halbwegs klug ist, sucht sich ohnehin einen Platz irgendwo in der Mitte und hofft, dass seine/ihre Anwesenheit wahrgenommen wird. Das vom Evangelisten beschriebene Beispiel bekommt erst Brisanz durch die Verallgemeinerung, die Jesus daraus ableitet: "Denn wer sich selbst erhöht, wird erniedrigt, und wer sich selbst erniedrigt, wird erhöht werden." Theologische geschulte Ohren denken dabei gleich an das Magnificat, das der Evangelist Lukas der Gottesmutter Maria in den Mund gelegt hat. Sie preist Gott als den, der mit seinem Arm machtvolle Taten vollbringt: "Er zerstreut, die im Herzen voll Hochmut sind; er stürzt die Mächtigen vom Thron und erhöht die Niedrigen. Die Hungernden beschenkt er mit seinen Gaben und lässt die Reichen leer ausgehen." (Lk 1,51-53).
Von diesem Gottesbild ist auch der Ratschlag, den Jesus seinem Gastgeber gibt, getragen: "Wenn du mittags oder abends ein Essen gibst, lade nicht deine Freunde oder deine Brüder, deine Verwandten oder reiche Nachbarn ein; sonst laden auch sie dich wieder ein und dir ist es vergolten. Nein, wenn du ein Essen gibst, dann lade Arme, Krüppel, Lahme und Blinde ein. Du wirst selig sein, denn sie haben nichts, um es dir zu vergelten; es wird dir vergolten werden bei der Auferstehung der Gerechten."
Heiß diskutiert wird gegenwärtig, wie wir mit der Inflation und der Teuerungskrise zurechtkommen. Als Beispiel, bzw. als Beleg dafür, wie sehr gerade die Ärmsten der Gesellschaft darunter leiden, werden im Fernsehen immer wieder Berichte von immer stärker frequentierten Sozialmärkten gebracht. Caritas, Diakonie und viele Ehrenamtliche organisieren für sie konkrete Hilfen und bringen sich als deren Sprachrohr in die politische Diskussion ein. Sie machen darauf aufmerksam, dass nicht nur der eigene Geldbeute unter der Inflation leidet.
Eine Kirche, die sich für die Schwächsten stark macht und ihre Situation öffentlich zur Sprache bringt, ist näher an der von Jesus propagierten Geisteshaltung als eine Kirche, die sich auf den Hochglanzseiten ins Spiel bringt und von sich reden macht.
Unser gesellschaftlicher Status ist nicht nur "wohlverdient". Er hängt auch von anderen Faktoren ab. Jeder hat Begabungen, Gaben Gottes, und es kommt darauf an, was einer daraus macht. Du bist das, was du vor Gott bist. Deshalb kannst du dein Leben auch mit den Armen, Schwachen und den Menschen am Rand der Gesellschaft teilen.
„Schwester, wie schaffen Sie es, bei all ihrer Erfolglosigkeit ein so fröhlicher Mensch zu bleiben?!" So fragte ein Pfarrer bei einer Gesprächsrunde eine Ordensschwester. Diese Ordensschwester lebte schon lange Jahre bei Dirnen. Durch ihr Tun wollte sie den Frauen das Gefühl schenken: Ihr seid vor Gott immer wertvoll und wichtig. Ihr seid angenommen und geliebt. Auf die Frage des Pfarrers gab die Ordensschwester folgende Antwort: „Ich bin nicht anders als die Frauen, für die ich da bin. Ich hatte es nur anders! Die Versuchung lag auch in mir!“
Diese Antwort hat bei mir gesessen, als ich sie zum ersten Mal las. Die Haltung dieser Ordensschwester ist für mich ein gelebtes Beispiel von Bescheidenheit. Warum gefällt mir die Ordensschwester so gut? Eine Ordensschwester ist sehr angesehen. Sie hat sicher Großartiges leisten dürfen. Sie führte ein sehr geordnetes Leben. Sie war für ihre Mitmenschen da, die so am Rande standen. Eigentlich kann sie mit ihrem Leben zufrieden sein. Doch sie ist für ihr Leben unheimlich dankbar. Sie weiß: warum sie gerade das geworden ist, was ist, das ist ein Geschenk. Sie ist in geordneten Verhältnisse aufgewachsen. Sie hat Liebe erfahren. In ihrem Leben gab es auch Schwierigkeiten wie in jedem anderen Leben auch. Doch sie konnte diese Schwierigkeiten überwinden. Ob ich es als Kind, als Jugendlicher oder als Erwachsener gut habe, ist eher guten Umständen zu verdanken. Dieses Wissen hat sie barmherzig gemacht gegenüber den Frauen, die als Dirnen lebten. Dieses Wissen hat sie bescheiden und demütig gemacht.
Zur Bescheidenheit und auch zur Demut werden wir in der Lesung und auch im Evangelium angehalten. Wir sind das, was wir vor Gott sind, nicht mehr und auch nicht weniger. Bescheidenheit und Demut kann ich auch vorspielen, als Fassade nutzen. Doch echte Bescheidenheit und echte Demut sind eindeutig ein Zeichen für den Glauben an Gott.
Wir sind von Gott geschaffen. Geschöpfe. Alles, was wir haben und was wir sind, verdanken wir Gott. Es ist Gott, der uns Gaben und Talente geschenkt hat. Wir dürfen mit den Talenten und Begabungen unsere Welt gestalten. Wir dürfen unser Leben gestalten und auch etwas aus unserem Leben machen. Das kann Erfolg im Beruf sein. Das kann auch ein gewisser Wohlstand sein. Denn Gott möchte, dass wir uns an unserem Leben freuen. Wir können uns viel aneignen an Fähigkeiten. Menschen suchen viel Bestätigung im Sport. Wer einen ersten Platz erringt, wer mit seiner Mannschaft Meister wird, darf sich freuen. Doch wir sollten immer die Einladung der Lesung im Ohr haben: „Bei all deinem Tun bleibe bescheiden!“
Der Wert eines jeden Menschen ist mehr als sein Tun. Wer immer erfolgreich im Leben ist, wer angesehen ist, muss immer wissen, dass er auch eines hatte: gute Bedingungen. Da waren Eltern, die mich unterstützten. Ein beruflicher Erfolg ist einem guten Förderer zu verdanken und oft auch günstige Bedingungen am Arbeitsmarkt. Oft denke ich mir: Was wäre, wenn ich in einem armen Land geboren wäre. Zu einem guten Leben gehören auch Fleiß und Einsatz. Mit viel Fleiß werden viele Talente und Begabungen genutzt und auch geformt.
Begabungen - schon bin ich beim Stichwort. In diesem Wort lesen wir das das Wort ' 'Gabe'. Gott hat Menschen Gaben geschenkt. Jeder Mensch ist anders begabt. Jeder Mensch ist vor Gott geliebt. Jeder hat doch den gleichen Wert. Wenn ich mich einsetze mit meinen Gaben für die Mitmenschen, dann gebe ich nur das zurück, was mir geschenkt worden ist.
Genau das war das Problem der Gäste von denen wir im Evangelium gehört haben. Sie suchen sich die Ehrenplätze aus. Denn sie meinen: Mir steht ein Ehrenplatz zu. Ich bin besser als die anderen. Das Verhalten der Gäste, die sich wie selbstverständlich die Ehrenplätze aussuchen, ist Ausdruck einer inneren Haltung. Weil ich gebildet bin, weil ich einen guten Besitz habe, in einer angesehenen Familie lebe, darum bin ich besser. Man klopft sich gerne auf die eigenen Schulter dafür - und das auch vor Gott. Jesus sagt uns in dieser Geschichte: Lass dir doch deinen Platz zuweisen. Jesus sagt uns: Lass dir doch von Gott deinen Platz zuweisen. Du hast deinen Wert, weil Gott dich liebt und dich so geschaffen hast, wie du bist, mit deinen Begabungen. Nimm dich doch so an wie du bist. Sage zu dir Ja, lerne dich selbst zu lieben. Du bist das, was du vor Gott bist.
Gott kennt dich bis auf den Grund. Gott kennt das, was dich freut. Gott kennt dich und liebt dich mit deinen Schwierigkeiten und Versuchungen. Nimm dich darin selber an. Sei barmherzig gegenüber denen, die am Rande stehen. Jesus nennt sie. Es sind die Armen, die Krüppel, die Lahmen und die Blinden. Auch du könntest bei diesen Menschen sein. Lade sie ein, die Mittellosen. Dann gibst du das zurück, was dir geschenkt worden ist. Dann lebst du die Haltung der Ordensfrau: Ich hatte es anders. Ich bin das, was ich vor Gott bin.
Jesus hat einen anderen Zugang zum Sabbat als die meisten seiner Zeitgenossen. Für ihn ist der Sabbat "Paradieseszeit". An diesen Tag sollen auch die Armen und Schwachen die Zuwendung erfahren, die ihnen im Reich Gottes zusteht.
Sprichwörter, wie wir sie aus der Weisheitsliteratur der Bibel kennen, bieten Orientierungshilfen, vor allem für die heranwachsende Generation an. Gutes Benehmen, Höflichkeit ist das Luftkissen, das die Stöße des Lebens mildern soll. Das galt damals und hat auch heute weitgehend seine Richtigkeit. Dazu gehört auch, Gesetze einzuhalten. Die Pharisäer kritisieren, dass sich Jesus darüber hinwegsetzt. Diese Verse werden leider in dieser Evangelienstelle ausgeblendet.
Der Sabbat ist ein herausgehobener Tag, ein Tag, an dem Gott mit Liebe auf sein Werk blickt. Sabbat als „imitatio Dei“, als Nachahmung Gottes, eine Ruhezeit, die für die gesamte Schöpfung, für alle Menschen gilt und auch eingehalten werden soll. Die Pharisäer verstehen offenbar nicht, dass der Sabbat auch Zeit für das Seelenheil ist, besonders für die Menschen, denen körperlich, aber auch seelisch augenblicklich geholfen werden muss. Aus Leid, Not und Bedrängnis zu helfen ist eine besondere Form des Gottesdienstes, wertet sogar den Sabbat besonders auf und bedarf einer wöchentlichen und auch jährlichen Erinnerung. Wer rasch hilft, hilft doppelt!
Jesus wird - so findet der Text im Evangelium seine Fortsetzung - am Sabbat eingeladen, ruft dabei sogenannte Anstandsregeln ins Gedächtnis und vermittelt auch gleichzeitig den anwesenden Gästen ein Menschenbild, das über die Höflichkeit, über bloßen Anstand hinausgeht. Wenn der Sabbat für die gesamte Schöpfung Gültigkeit haben soll und auch ernstgenommen wird, dann sind auch alle miteingeschlossen, die nach menschlichem Verständnis keinen Ehrenplatz bekommen, weil sie keine Leistung erbringen, nichts oder zu wenig ins Sozialsystem eingezahlt haben, körperlich schwach, behindert oder krank sind, weil sie keine Eye-Catcher-Mentalität an den Tag legen, nicht in die "Seitenblicke"-Gesellschaft Eingang finden.
Beachten wir auch im Evangelium das Wort von der „Erniedrigung“, das leicht missverstanden werden kann. Gemeint ist nicht, sich selbst schlecht zu machen, sondern allen die Menschenwürde einzugestehen, sie als von Gott geliebte Persönlichkeiten zu achten. Gefährlich dabei ist die falsche Bescheidenheit, die vorgeschützte Erniedrigung, falsche Demut, die nach Aufmerksamkeit giert, um bei ihrer Umgebung im besonders guten Licht dazustehen. Die Grenzziehung ist dabei sehr schwer und bedarf einer guten Unterscheidung der Geister, denn wir alle wollen ja Ehre, Liebe, Anerkennung in unserem Menschsein ernstgenommen werden.
Die vielen Leidenden, die das Evangelium erwähnt Arme, Krüppel, Lahme, Blinde bedürfen viel Zuwendung, was mitunter eine sehr harte Aufgabe ist, die körperliche und geistige Kräfte besonders beansprucht. Wir finden hier sogar eine Anspielung auf die Berglehre, wenn es heißt, „du wirst selig sein“, wenn du hilfst, „es wird dir vergolten werden bei der Auferstehung der Gerechten“. Gemeint damit ist das rechte Tun.
Die Botschaft dieses Evangeliums lautet: Stütze die Abgesonderten, versuche bei ihnen eine liebevolle Beziehung aufzubauen, denn sie haben diese besonders nötig. Jesus kündigt auf diese Weise die Nähe des Reiches Gottes an. Das wird in der Hektik des Alltags viel zu wenig verstanden, weil wir oftmals Getriebene sind durch die Peitschenzeiger der Uhr. Wir leben zu sehr im chronos, in der Hektik, in der Hast, da steckt „hassen“ drinnen, all das führt zur Aggression.
Der kairos hingegen ist die angenehme Zeit, dazu sollte auch der Sabbat, der Sonntag zählen, wo sich für uns alle wenigstens für kurze Zeit das Paradies auftut. Das Markusevangelium spricht gleich am Beginn: „Die Zeit (kairos) ist erfüllt, das Reich Gottes ist nahe!“ Somit soll auch der Sonntag, der erste Tag der Woche zu einer neuen Schöpfung führen.
Aus dieser Evangelienstelle lässt sich weiters ablesen: Grundsätzlich sollten Gesetze eingehalten, manchmal aber müssen sie gebrochen werden, wenn Menschen in aussichtslose Not geraten, vielleicht sogar in Lebensgefahr. Das betrifft die Heilung des Kranken am Sabbat.
Es gibt aber auch innerweltliche Regeln, die man beachten muss, will man sich keine schlechte Nachrede einhandeln, etwa dann, wenn man sich großspurig auf Ehrenplätze setzt, ohne zu berücksichtigen, ob diese schon vergeben sind.
Feingefühl, Entwicklung sozialer Intelligenz, bringen uns dem Reich Gottes näher. Hier zeigt sich das Christentum als Bildungsreligion für Körper und Geist. So dürfen wir am heutigen Sonntag Eucharistie (=Danksagung) feiern, danken dafür, dass uns jeden Sonntag Gottes Wort und Sakrament stärkt und anleitet für ein gutes Handeln Tag für Tag und wir auch hoffentlich diese Chance nützen.
Dass es Sieger und Verlierer, Erste und Letzte gibt, ist uns so selbstverständlich geworden, dass wir damit im Alltag gar nicht mehr anders rechnen. Es lohnt sich, die Perspektive zu wechseln, und einen Blick aus dem Blickwinkel der Verlierer auf die Welt zu werfen. Schließlich hat sich Jesus Christus selbst zum Letzten gemacht und unsere Rangordnungen auf den Kopf gestellt.
Wenn das kein tolles Bild ist! Wir sind zum Berg Zion hingetreten, zum himmlischen Jerusalem, zu einer festlichen Versammlung, die sich um Jesus schart. Alle, die im Himmel verzeichnet sind, nehmen uns in ihre Mitte. Wir gehören dazu! Dabei bin ich gerade nur durch die Kirchentüre getreten, die Holzbänke sind hart und mein Nebenmann, meine Nebenfrau muss mich nicht einmal kennen. Ich ihn, ich sie auch nicht. Ich habe mich sogar schon dabei ertappt, nicht einmal einen Blickkontakt aufzunehmen. Aber Sie haben es gerade gehört: „Ihr seid vielmehr zum Berg Zion hingetreten, zur Stadt des lebendigen Gottes, dem himmlischen Jerusalem, zu Tausenden von Engeln, zu einer festlichen Versammlung und zur Gemeinschaft der Erstgeborenen, die im Himmel verzeichnet sind.“
Verwundert schaue ich auf meine Füße: bin ich wirklich so weit gegangen? Bin ich denn auch schon angekommen? Bin ich überhaupt willkommen? Meine Füße kennen doch auch die schmutzigen Wege, die Stolpersteine, die abschüssigen Strecken. Meine Füße werden müde. Manchmal gehören mir die Füße nicht einmal.
Sie haben es bestimmt schon bemerkt: Im Hebräerbrief - vorhin vorgelesen - wird uns ein Blick geschenkt, der seinesgleichen sucht. Als Christen, also als die, die zu Jesus gehören, atmen wir sozusagen schon die reine Luft des Himmels. Wir begegnen den Tausenden von Engeln, wir begegnen den Geistern der schon vollendeten Gerechten, wir begegnen in der Mitte – Jesus. Um ihn scharen sich alle. Um ihn scharen wir uns. Er hat einen neuen Bund gestiftet, einen neuen Bund geschenkt! Mit einem Fuß sind wir schon im Himmel.
Dass ein Mensch mit einem Fuß schon anderswo sein kann, ist nicht nur eine Redensart. Manchmal merken wir das regelrecht – wenn wir uns zerrissen fühlen oder aber auch einfach nur glücklich sind über das Neuland, dass sich uns gerade auftut. Wenigstens mit einem Fuß sind wir dann schon drin!
Jesus ist in das Haus eines – führenden - Pharisäers gegangen. Jesus ist zum Essen eingeladen. Wer sonst noch dabei war? Keine Ahnung. Es ist aber eine fromme Runde. Die bösen Blicke, die wir gelegentlich oder auch immer noch auf die Pharisäer werfen, können sich getrost wieder aufhellen: Wir beobachten Menschen beim Essen auch – und unsere Tischordnungen haben es in sich. Gestylt einerseits, hierarchisch andererseits. Wer wo sitzt, ist dem Zufall – meistens – nicht geschuldet. Fein gedruckte Tischkarten zieren den Platz und markieren die Rangordnung, sorry, gelegentlich auch die Hackordnung. Die Kellner und Kellnerinnen wissen auch, wo sie anzufangen haben – und wie sie das verbergen können.
Lukas erzählt denn nicht nur, dass Jesus „genau“ beobachtet wird, er erzählt auch, dass Jesus noch genauer beobachtet – und ein gutes Wort ausspricht: Gut ist, sich nicht nach oben setzen, sich nicht falsch einzuschätzen, sich nicht über andere zu erheben. Übrigens: eine alte Weisheit. Es ist nichts neu an dieser „frohen Botschaft“.
Neu zu hören ist aber, dass bei Gott Menschen groß und bedeutend werden, die klein sind, die nichts zu sagen haben, die nach unten gedrückt werden. Bei Gott! Im Haus des Pharisäers, in frommer Runde, bei einem guten Essen wird uns ein Blick geschenkt auf unser Leben – und auf die Tischgemeinschaft, die Jesus öffnet. Er hat seine Füße nicht nur in das Haus des führenden Pharisäers gesetzt, er ist bei denen gesehen worden, die als letzter Dreck gelten – und er hat Worte dafür gefunden, Worte für sie. Wir merken das heute.
Wie sich das wohl angehört hat in dieser edlen Runde: "Wenn du mittags oder abends ein Essen gibst, so lade nicht deine Freunde oder deine Brüder, deine Verwandten oder reiche Nachbarn ein; sonst laden auch sie dich ein, und damit ist dir wieder alles vergolten. Nein, wenn du ein Essen gibst, dann lade Arme, Krüppel, Lahme und Blinde ein. Du wirst selig sein, denn sie können es dir nicht vergelten; es wird dir vergolten werden bei der Auferstehung der Gerechten."
Oft sind unsere Einladungen ein Spiel, manchmal sogar Ausdruck unserer Rechen- und Abrechnungskünste. Wir bleiben unter uns.
Klar, Lukas hat an dieser Szene gefeilt. Jedes Wort hat er sozusagen in die Hand genommen, abgewogen, geschliffen, dann eingepasst. Dass Jesus „genau“ beobachtet wird, zum Beispiel, ist kein Seitenhieb auf diese frommen Menschen, die ihn eingeladen haben – es ist ein fein versponnener Hinweis, „genau“ zu beobachten. „Genau“ zu hören, was Jesus sagt, was er tut – und „genau“ zu sehen, was sich in unserer Welt abspielt. „Genau“ ist in diesem Evangelium das Schlüsselwort. Womöglich auch ein Reizwort. Lukas ist der Evangelist der Armen. Was er von Sitz- und Tischordnungen zu erzählen weiß, will unsere Feste und Feiern nicht vermiesen. Aber er lenkt unsere Blicke, unsere Sinne überhaupt, auf Menschen, die in unseren – auch frommen – Kreisen fehlen. Die übersehen werden. Die keine Kraft, keinen Mut haben, in unser Leben zu treten. Und die auch nicht eingeladen werden, Anteil zu nehmen an unseren Erzählungen, Schwächen und Sehnsüchten.
Wenn das kein tolles Bild ist! Wir sind zum Berg Zion hingetreten, zum himmlischen Jerusalem, zu einer festlichen Versammlung, die sich um Jesus schart. Alle, die im Himmel verzeichnet sind, nehmen uns in ihre Mitte. So lässt uns der Hebräerbrief auf unsere Füße schauen. Wir sind hingetreten …
Und dann lässt sich das Evangelium vernehmen: Im Bild der Tischgemeinschaft sehen wir das himmlische Jerusalem, die festliche Versammlung, alle, die im Himmel verzeichnet sind mit den Gesichtern von Menschen, die sich wünschen, zu uns kommen zu können, mit uns zu feiern, mit uns das Leben zu teilen.
Holen wir sie doch ab! Die Füße sind heute schwungvoll!
Und der Friede Gottes,
der höher ist als unsere Vernunft,
bewahre unsere Herzen und Sinne
in Christus Jesus,
unserem Herrn.
In meinem Zimmer stehen einige Tischkarten. Oft, wenn ich zu einem Fest eingeladen bin, wird mir durch eine Tischkarte gezeigt, wo und neben wem mein Platz bei einem Fest ist. Diese Tischkarten haben für mich noch eine andere Bedeutung. Der Gastgeber hat an mich gedacht. Das tut mir gut. Sicherlich hat er sich Gedanken darüber gemacht, mich gerade hier und nicht woanders zu platzieren.
Als Jesus an einem Fest teilnahm, da hatte der Gastgeber wohl keine Tischkarten aufgestellt. Er hatte sich vielleicht gedacht, dass sich die Tischordnung wie von selbst geben werde. Oder er hatte sich gedacht: wer zuerst kommt, der mahlt zuerst, der bekommt eben die besten Plätze. Was Jesus beobachtet, das zeigt: damals wie heute möchten die Menschen die besten Plätze bekommen. Vielleicht hatte Jesus auch schon öfters was beobachtet, wovor er warnt: die bittere Erfahrung, auch heruntergesetzt werden zu können.
Doch Jesus erteilt hier keinen Anstandsunterricht. Vordergründig scheint Jesus das Verhalten der Menschen zu korrigieren. "Lasst euch vom Gastgeber platzieren!" Hinter dem, was Jesus sagt, steht noch viel mehr. Denn ein äußeres Verhalten ist auch oft ein Hinweis auf eine innere Haltung. Mehr noch: ein äußeres Verhalten kann auch viel sagen, wie mein Verhältnis zu Gott ist. Genau darin sehe ich den Sinn dieser Geschichte. Wir möchten nicht nur bei Festmählern die besten Plätze haben, sondern auch im Leben. Wer von uns kennt eben nicht das Bedürfnis besser, schneller, schöner, reicher, erfolgreicher, angesehener zu sein. Das letzte Wort ist es doch, was uns am meisten beschäftigt. In den Augen der Mitmenschen gut dastehen. "Sparst du was, dann hast du was. Hast du was, dann bist du was."
Mein Selbstwertgefühl hängt sehr stark davon ab, wie mich meine Mitmenschen sehen, wie sie mich mögen, mir zujubeln. Das ist ein wenig überspitzt und pointiert gesagt: doch es ist so. Auch dann, wenn ich keine Berühmtheit bin, dann möchte ich doch Anerkennung genießen. Dafür tue ich alles. Das kann mich verkrampfen.
Was ist es denn, wovon in den Zeitungen und in den Medien berichtet wird? Es sind die Erfolge, die herausragenden Leistungen. Wer nur mit dem Durchschnitt aufwarten kann, wird schon gar nicht mehr erwähnt. Es sind die Besten, die Einser-Diplome. Wie oft habe ich mir doch schon gedacht: gerne wäre ich dabei. Darum brauche ich mich auch nicht zu überheben über die ach so bösen Pharisäer, die sich die Ehrenplätze heraussuchen.
Diese Geschichte kann mir viel sagen, über mein Verhältnis zu mir selber, über mein Verhältnis zu Gott. Diese Geschichte kann mir viel innere Gelassenheit schenken. Jesus rät, sich vom Gastgeber platzieren zu lassen. Betrachten wir unser Leben doch als ein Fest, zu dem uns Gott einlädt. Lassen wir uns doch unseren Platz von Gott schenken. Lassen wir uns doch zuallererst von Gott anerkennen. Gott schenkt uns Anerkennung, Gott schenkt uns Ansehen. Wir sind eingeladen, uns von seiner Liebe allein abhängig machen und nicht von dem Ansehen, das wir bei Menschen genießen. Mitmenschen, von deren Ansehen wir uns abhängig machen, nutzen uns oft nur aus. Sie machen uns unfrei. Mitmenschen schauen auf das äußerliche. Doch bei Gott eben ist das anders. Ich darf darauf vertrauen, dass ich, so wie ich bin, mit allem, was ich kann und auch, was ich nicht kann, so von Gott geschaffen bin, seit Ewigkeit gedacht und vor allem so auch angesehen und geliebt bin.
Mich von Gott allein abhängig zu machen, das führt mich zur Bescheidenheit. Von der hören wir in der ersten Lesung aus dem Buch Jesus Sirach. Bescheidenheit - das darf ich hier als eine Einladung verstehen. Bescheidenheit bedeutet für mich nicht, mich selber abzuwerten. Falsche Bescheidenheit wird oft entlarvt. Ich mache mich selbst nicht schlechter, aber auch nicht besser.
Wenn ich einen Erfolg im Leben verbuchen darf, sei es eine bestandene Prüfung, sei es Wohlstand, dann weiß ich: es ist eben nicht nur mein Verdienst. Wenn ich eine verantwortungsvolle Aufgabe oder ein Amt anvertraut bekommen habe, dann spüre ich, dass ich nicht nur auf eigene Kraft vertrauen darf. Dann versuche ich auch immer wieder zu sehen, welch günstige Bedingungen es auch waren, durch die ich aufsteigen durfte, neben allem Fleiß, neben aller Anstrengung. Vor allem spüre ich dann auch die Verantwortung, die ich für eine Aufgabe, für die Menschen, die mir anvertraut sind, trage.
Niemals darf ich vergessen, wer es war, der mir Talente in die Wiege legte. Gott, der Gastgeber des Festes. Gott hat mich nicht so begabt, eben so wie ich bin. Dabei hat er in Liebe auf mich geschaut. Genau so und nicht anders soll ich meinen Platz ausfüllen. Wenn ich das weiß und auch verinnerliche, dann brauche ich weder danach zu schielen, der Erste oder der Beste zu sein, noch dass ich eine flache Bescheidenheit an den Tag lege.
Meinen Wert muss ich mir nicht krampfhaft erarbeiten, ich habe meinen Wert schon durch Gottes Ansehen. Um herauszufinden, wer ich vor Gott bin, wie Gott mich geschaffen hat, muss ich im Leben auch manches ausprobieren. Das kann auch zuweilen Scheitern bedeuten. Jedes Scheitern aber bringt mich doch wieder mehr zu dem, als der Gott mich haben will.
Das alles wage ich in unsere Leistungsgesellschaft hineinzusprechen, in der ein zweiter Platz schon als Niederlage gilt, in der jedes Kind schon mindestens die Realschule besuchen muss, wenn es anerkannt werden will, in der die Rechte von Leiharbeitern oft mit Füßen getreten werden: einfacher gesagt als getan. Doch gerade hier zeigt sich, was die christliche Gemeinschaft ist. Wir als Christen sollten uns in unserem ganzen Denken von den anderen Menschen unterscheiden. So wirken wir missionarisch. Weil wir eben die Werte Jesu leben. Diese unterscheiden sich ganz deutlich von den Werten anderer Menschen. Es sollen bei uns eben nicht nur schöne und gute Worte sein, dass es ein Leben auch ohne Abitur gibt, sondern es sollte durch unser Leben abgedeckt sein. Bei uns Christen sollte ein Arbeitsloser nicht verdächtigt werden, faul und arbeitsunwillig zu sein. Wir sollen denen die ersten Plätze geben, die woanders die letzten Plätze bekommen. Und um einen wichtigen Gedanken Jesu aufzugreifen: wen laden wir ein? Diejenigen, die jeder einlädt, diejenigen, mit denen man sich schmücken kann und die uns irgendwann wieder einladen. Oder diejenigen, die sich nicht revanchieren können?
Wer bekommt bei Gott wohl die Ehrenplätze? Wer hat bei Gott wohl das meiste Ansehen? Immer wieder hören wir: es sind die Armen, die Geringsten. Es sind nicht eben die Einser-Diplome, die Doktortitel, es sind nicht die Gewinner: diese standen schon in diesem Leben auf dem Siegertreppchen. Ich glaube: Es sind die Menschen, die zwar nicht unbedingt im Leben auf Siegertreppchen standen, die niemals eine Auszeichnung bekommen haben, weil sie Jahrgangsbester waren, sondern es sind Männer und Frauen, die anderen gedient haben, oft im Stillen. Es sind die Menschen, die für die hilfsbedürftigen, die für die ärmsten der Armen da waren. Es sind die Taten der Hilfsbereitschaft, die aufmunternden Worte, die bei uns zählen sollten. Der Wert eines Menschen zeigt sich nicht in Leistung oder im Ansehen bei anderen, sondern darin, dass er von Gott, so wie er ist, unendlich geliebt ist. Wir Christen sollten das einander spüren lassen.
Wenn ich meine Tischkarten betrachte, dann glaube ich fest: Gott hat mir meinen Platz schon zugewiesen. Das kann sich auf meinen Platz im himmlischen Reich beziehen und auch auf meinen Platz im Hier und Heute. Er hat an mich gedacht. Ich bin das, was ich vor Gott bin und so bin ich wertvoll. Amen.
Das Bild, das Jesus uns im Evangelium vor Augen hält, bedarf keines langen Kommentars. Es ist deutlich genug und findet sicher ein Echo in Erfahrungen, die wir selber schon gemacht haben oder machen mussten. Auch heute ist das Gerangel um die besten Plätze und um die größte Aufmerksamkeit überall gegenwärtig. Politik und Wirtschaft führen dieses Spiel der Eitelkeiten jeden Tag in den Medien auf. Aber wir finden es leider auch in der Kirche und da wirkt es besonders abstoßend. Dieser Kampf um den besten, um den ersten Platz wird sodann mit Hingabe ausgetragen bis in die Ehen und Familien hinein.
Nun gilt es aber auch zu bedenken, dass hinter dem Negativen dieses Bildes und dieser Tatsachen auch etwas sehr Positives steht, ohne das wir gar nicht leben könnten. Jeder Mensch ist auf der Suche nach dem eigenen Platz, und diese Suche begleitet und prägt ihn sein ganzes Leben lang.
Es beginnt beim Kind. Die Zuwendung und Geborgenheit, die es von den Eltern und Geschwistern erfährt, lässt es seinen Platz finden in der Familie auch durch Trotzphasen hindurch. Die Suche nach dem eigenen Platz kann dann dramatische, auch kurvenreiche Formen annehmen in der Pubertät. Sie geht weiter im Erwachsensein. Wo ist mein Platz in der Partnerschaft, im Berufsleben, wie finde ich Anerkennung? Diese Suche nach dem eigenen Platz gestaltet sich noch einmal neu und manchmal auf beängstigende Weise mit dem Älterwerden. Wie behalte ich meinen Platz, wenn die Grenzen enger werden und vieles, was einmal selbstverständlich war, nicht mehr geht?
Wie und wo findet der Mensch seinen richtigen Platz im Leben, jenen Platz, der ihm entspricht und auf dem er zu sich selbst findet? Hier ist nun die Botschaft des Evangeliums eindeutig. Er kann ihn nicht finden, wenn er nur brutal seine Ellbogen einsetzt, Andere damit wegstößt und rücksichtslos deren Plätze besetzen will.
Kehren wir noch einmal zum Kind zurück. Es muss lernen, seinen Platz zu finden und sich durchzusetzen. Dem dienen auch die Trotzphasen. Sie wirken sich positiv aus, wenn sie getragen sind vom Verständnis und Einfühlungsvermögen der Eltern und der Geschwister. So kann das Kind erfahren, dass es sich selbst findet, weil Andere ihm seinen Platz zugestehen in der Gemeinschaft der Familie, die auch ihre Spielregeln und Grenzen hat.
Das gilt grundsätzlich auch für uns Erwachsene. Es ist gut nach Anerkennung und dem mir zustehenden Platz zu streben. Aber das kann nicht gelingen wenn ich mich selbst überschätze und Andere nur als Konkurrenten ansehe, die auszuschalten sind. Sondern auch als Erwachsener muss ich es zulassen, dass mein Platz mir zugewiesen wird von jenen, mit denen ich in einem Austausch von Liebe, Vertrauen und gegenseitiger Achtung verbunden bin. Gerade da gelten die Spielregeln einer guten und gerecht geordneten Gesellschaft.
Letztlich aber kommt es darauf an, jenen Platz zu finden und einzunehmen, den Gott mir zuweist. Dazu bedarf es des Glaubens und des Gebetes. Doch allein der Platz, den ich vor Gott finde, wird der Ort sein, der Bestand haben kann in allem und durch alles hindurch. Jesus sagt uns zu, dass Gott jedem Menschen seinen ihm zustehenden Platz anbietet. Dazu gebraucht er des Öfteren das Bild vom Festmahl, allerdings in einem durch und durch positiven Sinn. Alle sind eingeladen, jedem ist sein Platz bereitet. Ein Abbild dafür ist jetzt dieser Raum, die Kirche und das, was wir in ihr feiern. Mit der Eucharistie sagt uns Gott, wo ER seinen Platz unter uns Menschen einnimmt und welches der Platz ist, den er uns schenkt: eine Gemeinschaft mit ihm, die Fülle des Lebens schenkt. Danken wir dafür und bitten wir, dass wir immer mehr Menschen seien, die auch den zweiten Teil des Evangeliums im Leben umsetzen: dass wir all denen Platz geben, die uns brauchen und für die wir Verantwortung tragen.
Gegen Ende des Evangeliums, das wir gehört haben, stehen Worte Jesu, die wir überschreiben können: "Die Wahl der rechten Gäste" (Lk 14, 12-14). Jesus war, so hörten wir, bei einem führenden Pharisäer zu Gast. Der hatte nur vornehme Leute eingeladen. Und Jesus gibt ihm zu bedenken: "Wenn du ein Essen gibst, dann lade Arme, Krüppel, Lahme und Blinde ein. Du wirst selig sein, denn sie können es dir nicht vergelten. Es wird dir vergolten werden bei der Auferstehung der Gerechten." Nach diesen Mahnworten, die sich, so schwer sie zu verwirklichen sind, auch an uns richten, folgt beim Evangelisten Lukas das Gleichnis von dem Festmahl, zu dem ein Mann eingeladen hatte ((Lk 14, 16-24).
Was dem Gastgeber empfohlen wird, nämlich statt seiner vornehmen Freunde hilfsbedürftige Menschen einzuladen, findet in dem Gleichnis bildhaften Ausdruck. Nachdem die eingeladenen Gäste mit allerlei Entschuldigungen nicht beim Festmahl erschienen, waren es schließlich die Armen und die Krüppel, die Blinden und die Lahmen, die sich einfanden. Sie waren von den Dienern im Auftrag ihres Herrn von den Straßen und Gassen der Stadt herbeigeholt worden
Dass die zuerst Eingeladenen, alle ohne Ausnahme, sich entschuldigten, ist sicher eine Zuspitzung, wie sie der bildhaften Rede eigen ist. Es geht in diesem Gleichnis darum, den vornehmen und begüterten Leuten Arme und Kranke gegenüberzustellen. Diese gehören derselben Menschengruppe an wie in dem Jesuswort, in dem von der Wahl der rechten Gäste die Rede ist. Der Gegensatz zwischen wohlhabenden, geehrten Leuten und armen, verachteten Menschen ist die Sinnspitze der Erzählung. Das Lukasevangelium hat man "das Evangelium der Armen" genannt. Die soziale Dimension des Lukasevangeliums zeigt sich auch deutlich in diesem Gleichnis.
Jesus erzählt in seinen Gleichnissen nicht von sich selbst. Und doch ist er in ihnen gegenwärtig. Darüber möchte ich jetzt mit Ihnen ein wenig nachdenken. Am Anfang des Markusevangeliums, vor dem öffentlichen Wirken Jesu in Galiläa, steht das programmatische Wort: "Die Zeit ist erfüllt, das Reich Gottes ist nahe. Kehrt um und glaubt an das Evangelium!" (Mk 1,15). Die sich ankündigende Gottesherrschaft und der Glaube an sie haben dem Leben und Wirken Jesu die Richtung gewiesen. Er wusste sich von Gott gesandt, die Botschaft vom Reich Gottes den Menschen zu verkünden. Woran man das Reich Gottes mit seiner neuen Wertordnung erkennen kann, hat uns Jesus in seinen Gleichnissen in bildhafter Weise nahe gebracht. "Das Reich Gottes ist wie ...". So werden viele Gleichnisse eingeleitet. Jesus spricht darin von der grenzenlosen Liebe Gottes, im Kontrast dazu aber auch von denen, die sich seiner Liebe verweigern.
In den Gleichnissen wird, wie nirgends sonst im Evangelium, Gottes rettendes Tun offenbar. Sie lassen Gott vernehmen, indem sie die Sprache der Liebe sprechen und uns zu dieser Liebe ermutigen. In ihnen hat uns Jesus einen Gott wahrnehmen lassen, dessen Liebe alles menschliche Begreifen übersteigt. Bei allen drei Synoptikern wird vom "Geheimnis des Gottesreiches" gesprochen (Mt 13,11; Mk 4,10; Lk 8,10). Jesus hat es uns in seinen Gleichnissen erschlossen.
Jesus erzählt in den Gleichnissen von Gott, seinem Vater. In dem Mann, der den am Rande Stehenden nachgeht und sie am Festmahl teilnehmen lässt, kommt Gott in den Blick. Gott wird erkennbar in dem Vater, der seinen auf Abwege geratenen Sohn in die Arme schließt. Im Herrn des Weinbergs, der auch den zuletzt Gekommenen ungeteilt seine Liebe schenkt, wird Gott sichtbar. Der vergebungsbereite Gott zeigt sich in dem König, der einem seiner Diener eine ungeheure Schuld erlässt. In den Beispielerzählungen vom reichen Mann und dem armen Lazarus, vom Pharisäer und Zöllner, vom barmherzigen Samariter will uns Jesus zu einem von der Liebe inspirierten Verhalten ermutigen.
Die Gleichniserzählungen lassen sich nicht von Jesus trennen, sie müssen in Beziehung gesetzt werden zu seinem Leben. Ein Wort von Joachim Gnilka in seinem Jesusbuch: "Die Botschaft von der seinsverwandelnden Liebe Gottes, die die Gleichnisse bieten, kann letztlich nur verstanden, wirksam werden und überzeugen im Kontext des Lebens Jesu, wo er diese Liebe verwirklichte. Wenn sich das Reich Gottes je ereignete, dann war er es, der es zum Ereignis machte" (S. 97). So weit das Zitat. Die unentwegte Liebe Gottes, von der Jesus in den Gleichnissen spricht, wird in seinem Handeln erfahrbar. Er hat diese Liebe in seinem Leben wahr gemacht. Darin liegt die Wahrheit der Gleichnisse - nicht darin, ob sie in dieser oder jener Situation von Jesus so wörtlich erzählt worden sind.
Was Jesus in den Gleichnissen darstellt, wird vor allem sichtbar in der Begegnung Jesu mit den Menschen. Mit jenen, die schuldig geworden sind und von den Gesetzeslehrern abgeschrieben wurden. Für Gott steht der Mensch in der Mitte. Darauf kann im übertragenen Sinne die von den Gesetzeswächtern verachtete Ehebrecherin hindeuten, die in der Mitte steht (Joh 8,9). Gott liegt alles am Menschen. Dies wollte uns Jesus in seinen Gleichnissen nahe bringen.
Seine Begegnungen mit schuldig gewordenen Menschen zeigen, dass wir von Gott geliebt sind, dass er uns niemals fallen lässt. Ja unsere Schuld kann heilsam sein, kann zu einer "glücklichen Schuld" werden, wie wir es im Exultet der Osternacht singen, weil sie uns Gottes vergebende Liebe erfahren lässt. Wir sind von Gott angenommen und geliebt, trotz unserer Schuld. "Es ist", nach einem Wort von Blaise Pascal, "nicht auszudenken, was Gott aus den Bruchstücken unseres Lebens machen kann, wenn wir sie ihm ganz überlassen." Heilsam kann unsere Schuld auch dann sein, wenn wir erkennen, dass Gott uns ungeschuldet seine Liebe schenkt. Dies müsste uns von aller Selbstgerechtigkeit frei machen. Dietrich Bonhoeffer hat einmal geschrieben: "Ich glaube, dass auch unsere Fehler und Irrtümer nicht vergeblich sind, und dass es Gott nicht schwerer ist, mit ihnen fertig zu werden als mit unseren vermeintlichen Großtaten."
Jesus weist in seiner ungeteilten Liebe zu allen Menschen über sich hinaus hin auf Gottes Liebe, nicht zuletzt hin auf seine vergebende Liebe. In Jesus ist "die Güte und Menschenfreundlichkeit Gottes, unseres Retters" erschienen, wie es im Titusbrief heißt (Titus 3,4). Jesus selbst ist das Gleichnis Gottes in unserer Welt.
Lieder:
GL 140: Kommt herbei, singt dem Herrn
GL 148: Komm her, freu dich mit uns, tritt ein
GL 210: Das Weizenkorn muss sterben
GL 216: Im Frieden dein, o Herre mein
GL 233: O Herr, wenn du kommst, wird die Welt wieder neu
GL 395: Den Herren will ich loben...
GL 397: Alle meine Quellen entspringen in dir
GL 400: Ich lobe meinen Gott aus ganzem Herzen
GL 405: Nun danket alle Gott
GL 422: Ich steh vor dir mit leeren Händen, Herr
GL 424: Wer nur den lieben Gott lässt walten
GL 427: Herr, deine Güt ist unbegrenzt
GL 428: Herr, dir ist nichts verborgen
GL 429: Gott wohnt in einem Lichte
GL 437: Meine engen Grenzen...
GL 440: Hilf, Herr meines Lebens
GL 448: Herr, gib uns Mut zum Hören
GL 458: Selig seid ihr...
GL 468: Gott gab uns Atem, damit wir leben...
GL 477: Gott ruft sein Volk zusammen (2. Str.)
GL 484: Dank sei dir, Vater, für das ewge Leben
GL 543: Wohl denen, die da wandeln
Psalmen und Kehrverse:
GL 34: Herr, wer darf Gast sein in deinem Zelt, wer darf weilen auf deinem heiligen Berg - Mit Psalm 15 - VI.
GL 305,4: Dies ist mein Gebot: Liebet einander, wie ich euch geliebt - Mit Psalm 15 (GL 34,2) - VI.
GL 404: Danket dem Herrn, er hat uns erhöht; Großes hat er an uns getan - Mit Magnificat (GL 631,4) - IX.
GL 444: Danket dem Herrn, denn ewig währt seine Liebe - Mit Psalm 34 (GL 39,2) - V.
GL 584,4: Herr, du hast Worte ewigen Lebens - Mit Psalm 19 oder mit Magnificat (GL 634,4) - II.
Ein herzliches Willkommen zum Gottesdienst! Unsere Kirche steht allen offen, die hier Gott loben, danken oder mit bitten vor ihn treten wollen.
Am Beginn legen wir alles ab, was uns voneinander oder von Gott trennt und bitten wir ihn um sein Wohlwollen. Wir alle bedürfen in gleicher Weise seiner Barmherzigkeit.
Wir sind hier zusammengekommeeb, um miteinander Gottesdienst zu feiern. Wir sind hier so wie wir sind, mit allem, was gut ist in unserem Leben, mit allem, was uns nicht gelingt. Wir brauchen keine Maske zu tragen. Gott kennt uns von Grund auf. Gott liebt uns von Grund auf.
Grüßen wir IHN jetzt in unserer Mitte und bitten wir um sein Erbarmen:
Herr, Jesus Christus,
du warst Gott gleich und bist dennoch in unser Erdenleben eingetreten und bist ein Mensch unter Menschen geworden.
Herr, erbarme dich.
Du hast dein leben in den Dienst der Schwachen und Kleinen gestellt und dich mit ihnen solidarisiert.
Christus, erbarme dich.
Als du von den Menschen verstoßen wurdest, hat dich Gott über alle erhöht.
Herr, erbarme dich.
Herr Jesus Christus,
du bist Meister, doch du bist wie einer, der dient.
Herr, erbarme dich.
Herr Jesus Christus,
du warst wie Gott, doch du wurdest wie ein Sklave.
Christus, erbarme dich.
Herr Jesus Christus,
du warst ohne Sünde, doch du gabst am Kreuz dein Leben hin für uns.
Herr, erbarme dich.
Allmächtiger Gott,
von dir kommt alles Gute.
Pflanze in unser Herz
die Liebe zu deinem Namen ein.
Binde uns immer mehr an dich,
damit in uns wächst, was gut und heilig ist.
Wache über uns und erhalte, was du gewirkt hast.
Darum bitten wir durch Jesus Christus.
MB 22. Sonntag im Jahreskreis
Gott, unser Schöpfer.
Die Gegensätze in der Welt klagen uns an:
Reichtum und Not,
Hunger und Überfluß,
Sorglosigkeit und Leid stehen gegeneinander.
Hilf du uns allen,
daß wir aufhören, die Gegensätze zu verschärfen,
und anfangen,
einander Brüder und Schwestern zu sein.
Darum bitten wir durch Jesus Christus.
Amen.
MB Auswahl 23
Herr, unser Gott.
Junge und alte Menschen,
einfache und kluge,
erfolgreiche und solche, die sich schwertun,
hast du hier zusammengeführt als deine Gemeinde.
Gib einem jeden
etwas von deinem guten, heiligen Geist,
damit wir dich und uns selbst
und einander besser verstehen
und vorankommen auf dem Weg,
auf den du uns miteinander gestellt hast.
Darum bitten wir durch Jesus Christus.
Amen.
MB Auswahl 15
Guter Gott,
du kennst uns;
du weißt, was wir können,
du weißt, was wir nicht können.
Du kennst uns;
du siehst, wo unsere Liebe zu dir gelingt,
du siehst, wo unsere Liebe unvollkommen ist.
Mit allem dürfen wir hier sein, vor dir.
Wir brauchen uns nicht zu verstellen.
Wir können es auch nicht.
Wir sind nicht mehr als wir vor dir sind.
Wir sind auch nicht weniger als wir vor dir sind.
Eines sind wir alle: geliebte Töchter und Söhne.
Lass uns das immer neu erfahren. - Amen.
Wir schauen auf zu Menschen, die Rang und Namen haben.
Jesus hat vor allem auf die Kleinen und Mühseligen geschaut und sie nicht übersehen.
Für sie wollen wir nun bitten:
Für alle, die unter Krieg, Terror und Verfolgung zu leiden haben
und deren Würde mit Füßen getreten wird.
Für alle Menschen, die wegen ihrer Herkunft oder ihrer Eigenheiten geringgeschätzt und verachtet werden.
Für alle Menschen, die von Bildungsmöglichkeiten, Wohlstand und sozialem Ansehen ausgeschlossen werden.
Für alle, die durch Krankheit oder Behinderung auf das Wohlwollen und die Hilfe ihrer Mitmenschen angewiesen sind.
Für alle, die sich in Politik und Gesellschaft für Gleichheit, Solidarität und nachhaltige Entwicklung einsetzen.
Für unsere Verstorbenen. Vergilt ihnen alles Gute, das sie gewirkt haben, und belohne sie mit ewigem Leben.
Bei dir, Herr, haben wir als deine Schwestern und Brüder Ansehen und Wertschätzung.
Du hast die Macht, unsere Welt im Geiste des Reiches Gottes zu erneuern. – Amen.
Gott will bei jedem Menschen ankommen.
Beten wir, dass wir für seine Ankunft bei uns offen und bereit sind:
Deine Botschaft allen Menschen zugänglich zu machen und am Heil der ganzen Welt mitzuwirken, ist das Ziel des synodalen Wegs deiner Kirche.
Hilf uns, trotz all der verschiedenen Visionen und Erwartungen gemeinschaftlich dieses Ziel im Blick zu behalten.
Wir erleben Umbrüche im Machtgefüge der Weltpolitik und unserer ökonomischen und ökologischen Lebensbedingungen.
Hilf uns, in Weisheit und Bescheidenheit Möglichkeiten zu finden, die alle an einem menschenwürdigen Leben teilhaben lassen.
Jesus vermittelt uns in Wort und Tat, wie christliches Leben geht.
Schenke uns ein großes und weises Herz im Umgang miteinander.
Jeder von uns hat bestimmte Erwartungen an sich selbst und sein Leben.
Hilf uns, auch Irrwege und Misserfolge annehmen zu können.
Bis in den Tod hinein sind wir stets auf deine verzeihende Liebe angewiesen.
Wir beten für unsere Verstorbenen und alle unter uns, die meinen, ihnen im Leben etwas schuldig geblieben zu sein.
Gott, unser Vater!
Wir vertrauen darauf, dass du jeden von uns den Platz im Leben zuweist, den wir brauchen, um deine Liebe zu erkennen und danach zu leben.
Dir danken wir, dich preisen und loben wir. - Amen.
Zu Gott, aus dessen Liebe allein wir heraus leben,
beten wir voller Vertrauen:
Lass alle Verantwortlichen in der Gesellschaft ihre Aufgabe als Dienst am Mitmenschen betrachten.
Hilf allen, die in deiner Kirche wirken, sich bewusst zu bleiben, dass du es bist, der Dein Reich aufbaut.
Für die Menschen, die unterdrückt und abgewertet werden.
Lass sie ihren Wert und ihre Würde erfahren.
Führe alle jungen Menschen, die vor einem neuen Anfang stehen, an dem Platz, den sie im Leben ausfüllen sollen.
Bekehre alle, die den Wert eines Menschen nur in Äußerlichkeiten sehen.
Lass unsere Verstorbenen teilhaben am himmlischen Hochzeitsmahl.
An dich glauben wir, auf dich hoffen wir, dich lieben wir,
jetzt und für alle Zeiten. - Amen.
Guter Gott!
Trotz deiner machtvollen Größe beschenkst du uns mit deiner unfassbaren Nähe.
An dich dürfen wir uns mit unseren Bitten wenden:
Wandle deine Kirche zur Botin deines Reiches, in dem es kein Oben und Unten gibt und allen die Begegnung mit dir gleich offensteht.
Hilf allen, gemeinsam die wertvollen Ressourcen einer intakten Natur zu schützen und Mitverantwortung für das Weltklima zu übernehmen.
Schenke allen Schülerinnen und Schülern im beginnenden Schuljahr die Erfahrung, dass jeder von ihnen unabhängig von Herkunft und Begabung für die ganze Schulgemeinschaft wertvoll ist.
Führe uns zu einer ehrlichen Einschätzung unseres eigenen Könnens und Wollens vor dir und innerhalb unserer sozialen Beziehungen.
Nimm unsere Verstorbenen in deine ewige Herrlichkeit auf und erfülle unser aller Hoffnung auf ein Leben in deiner Nähe nach unserem irdischen Tod.
Guter Gott! Groß ist deine Macht und deine Liebe. Dir verdanken wir unser Sein.
Dich rühmen und preisen wir jetzt und bis in Ewigkeit. - Amen.
Herr, unser Gott,
diese Opferfeier bringe uns Heil und Segen.
Was du jetzt unter heiligen Zeichen wirkst,
das vollende in deinem Reich.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
MB 22. Sonntag im Jahreskreis
Herr, unser Gott,
dein Sohn hat uns versprochen,
er werde in unserer Mitte sein,
wann immer wir in seinem Namen versammelt sind.
Er selber erfülle das Lobgebet,
das wir über Brot und Wein sagen,
mit seiner Hingabe und Liebe.
Darum bitten wir durch ihn, Christus, unseren Herrn.
MB Auswahl 4
Guter Gott,
alle sind eingeladen, mit dir Mahl zu halten;
die Frommen,
aber auch die Menschen, die sich im Glauben schwer tun;
die Guten
aber auch, die Schuld auf sich geladen haben,
die Erfolgreichen,
aber mehr noch die, die sich im Leben schwer tun,
es schwer haben.
Keiner kann es dir vergelten, was du Gutes getan hast.
Wir alle sind beschenkt, geliebt - und das unverdient.
Das feiern wir jetzt in Brot und Wein.
Sie sind Zeichen der Nähe,
sie sind Zeichen der Hingabe.
Hilf uns, immer mehr dir nachzuahmen.
Mache weit unser Herz. - Amen.
(für Wortgottesdienstfeiern):
Kehrvers:
Danket dem Herrn, er hat uns erhöht;
Großes hat er an uns getan.
(GL 404)
Wir danken dir, Herr und Gott,
weil du Großes an uns getan hast und immer neu tust.
Einst hast du die Nachkommen Abrahams
zu deinem Volk erwählt und groß gemacht,
obwohl es schwach und bedeutungslos war.
Kehrvers
Als es in die Knechtschaft Ägyptens geriet,
hast du seine Not gesehen und aus der Sklaverei herausgeführt.
Du hast ihm Hirten gegeben und es zu einem großen Volk gemacht.
Kehrvers
Maria aus Nazareth hast du vor allen Menschen erhöht
und sie erwählt, Mutter deines Sohnes zu sein.
Jesus, ihr Sohn ist zu den Armen und Elenden gegangen
und hat ihnen die Frohe Botschaft vom Reich Gottes verkündet.
Kehrvers
Er hat uns gelehrt, auf die Kleinen und Schwachen zu achten
und ihnen einen Platz in unserer Mitte zu geben.
Er selbst hat seinen Jüngern die Füße gewaschen
und sie aufgefordert, einander zu dienen.
Kehrvers
Er hat uns verheißen,
dass wir mit ihm zu Tische sitzen werden in seinem Reich,
wenn er kommt, um die Schöpfung zu vollenden.
So stimmen wir ein in den Lobgesang der Engel und Heiligen
und rufen:
Danklied, z. B.: Den Herren will ich loben (GL 395)
Wir danken dir, heiliger, starker Gott.
Du lenkst die Geschicke der Welt
und sorgst für jeden Menschen.
Du versammelst uns zu einer Gemeinschaft,
damit wir alle dein Wort hören
und deinem Sohn im Glauben folgen.
Er ist der Weg - auf diesem Weg gelangen wir zu dir;
er ist die Wahrheit - sie allein macht uns frei;
er ist das Leben und erfüllt uns mit Freude.
Darum danken wir dir, Vater, für deine Liebe,
durch unseren Herrn Jesus Christus.
Wir stimmen ein in den Gesang der Engel
und bekennen zum Lob deiner Herrlichkeit:
Heilig...
Präfation aus dem Schweizer Hochgebet 2
Reich bin ich, Gott,
an allem, was ich zum Leben brauche,
doch da sind viele,
die im Elend leben.
Mir fehlt es nicht an Bekleidung,
doch da sind viele,
die frieren und ungeschützt sind.
Ich habe genügend Schuhe für meine Füße,
doch da sind viele,
die durch Staub und Müll dieser Welt gehen.
Ich habe einen Arzt, wenn ich krank bin,
doch da sind viele,
die sterben, weil keiner hilft.
Um mich ist Frieden,
doch da sind viele,
die durch Terror und Krieg zerrissen sind.
Wir alle sind deine Kinder,
doch übersehen wir so leicht,
die am Rande unserer Gesellschaft leben.
Du liebst sie genauso wie mich.
Vielleicht kann ich mit deiner Hilfe
ab heute
mehr Bruder und Schwester sein.
Allmächtiger Gott,
du hast uns gestärkt durch das lebendige Brot,
das vom Himmel kommt.
Deine Liebe,
die wir im Sakrament empfangen haben,
mache uns bereit,
dir in unseren Brüdern zu dienen.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
MB 22. Sonntag im Jahreskreis
Allmächtiger, gütiger Gott,
wir waren Gäste am Tisch deines Sohnes,
und er war der Herr unseres Mahles.
Laß uns dereinst zu ihm gelangen,
der uns auf dem Weg durch den Tod
in die Herrlichkeit vorausgegangen ist,
unser Herr Jesus Christus,
der mit dir lebt und herrscht in alle Ewigkeit.
MB Schlussgebete zur Auswahl 3
Guter Gott,
wir bezeugen deine Liebe dort,
wo wir einander annehmen,
wo wir einander wertschätzen,
vor allem uns selbst,
wo wir nicht meinen, wir seien etwas Besseres.
Alle sind wir geliebt und angenommen.
Keiner ist mehr wert vor dir,
keiner ist weniger wert.
Lass uns das bezeugen
an dem Platz, wo wir stehen
und wo du uns hingestellt hast. - Amen.
Gott,
wir sind gut, weil du uns gut geschaffen hast.
Weil du uns ansiehst, so wie wir sind.
Wir wollen uns nicht niedermachen,
nicht kleiner machen.
Alles, was wir sind, sind wir allein aus dir.
Lass uns danach leben. Amen.
Laut dem Wiener Caritas-Generalsekretär Schwertner könnten die für Niederösterreich präsentierten Hilfen als Modell dienen. Auch eine Reform der Sozialhilfe werde nötig sein.
Ganzer Beitrag:
https://www.derstandard.at/story/2000137709889/caritas-fordert-weiteres-anti-teuerungs-paket-vom-bund
derstandard.at am 23. Juli 2022
Die Sozialorganisationen Caritas, Diakonie und Volkshilfe berichten von einem dramatischen Anstieg bei um Unterstützung ansuchenden Familien. Sie schlagen aufgrund der anhaltenden Teuerungen Alarm und fordern neben treffsicheren kurz- und mittelfristigen Maßnahmen, auch die Einführung einer sozial gestaffelten finanziellen Absicherung aller Kinder in Österreich.
Während die Inflationsrate für Juni bei 8,7% lag, hat sich der Miniwarenkorb, der vor allem für Menschen mit geringen Einkommen relevant ist, im Jahresabstand um satte 15,4% verteuert. Das macht klar: für armutsbetroffene Familien wiegt die persönliche Inflationsrate enorm schwer. Die Befürchtungen, dass sich die Situation im Herbst ohne weitere Maßnahmen für armutsbetroffene Haushalte, Familien und Kinder zuspitzt, eint die Organisationen.
Ganzer Beitrag:
https://www.caritas.at/ueber-uns/news/detail/news/91333-die-teuerungen-machen-keine-ferien/
caritas.at am 18. Juli 2022
wenn ich einst geladen werde
geladen werde
aus diesem irdischen Leben
in die sichtbare Nähe Gottes
dann
werde ich bei IHM willkommen sein
mit allem
was mein irdisches Leben
ausgemacht hat
und
ER
wird mir noch einmal
das lebendige Wasser
der Taufe hinstellen
und
mir abwaschen allen Staub
des irdischen Lebens
und
wird mich neu kleiden
in mein Taufkleid
und
ER
wird mich empfangen
mir freudig entgegenkommen
und
ich werde IHM ganz nahe sein
denn
es wird keine Rangordnung mehr geben
wir werden
IHM –
als sein Geschenk an jeden Einzelnen –
einfach nahe sein dürfen
es wird nicht mehr wichtig sein
welchen Rang
welchen Titel
ich im irdischen Leben führte
auch nicht
was ich besessen habe
dort werde ich nur noch sein
als sein geliebtes Kind
das zum liebenden Vater heimgekehrt ist
so also will ich sammeln
die kleinen Achtsamkeiten der Nächstenliebe
damit ich sie ihm als Geschenk hinhalten kann
und sagen kann
„Vater, du schicktest mich 'sammeln';
viel ist es nicht,
aber ich habe mich gemüht.“
und
ER
wird sie entgegennehmen
wie einen großen Schatz
und
sich daran erfreuen
und wir alle werden uns freuen
ganz ohne Platz- und Machtkamp
IHM
einfach ganz nahe zu sein
das wird ein Fest sein.
Beatrix Senft (2022)
Endlich einer, der sagt:
"Selig die Armen!"
und nicht: "Wer Geld hat, ist glücklich!
Endlich einer, der sag:
"Liebt eure Feinde!"
und nicht: Nieder mit den Konkurrenten!
Endlich einer, der sagt:
"Selig, wenn man euch verfolgt!"
und nicht: Passt euch jeder Lage an!
Endlich einer, der sagt:
Der Erste soll der Diener aller sein!"
und nicht: Zeige, wer du bist!
Endlich einer, der sagt:
"Was nützt es dem Menschen,
wenn er die ganze Welt gewinnt!"
und nicht: Hauptsache vorwärtskommen!
Endlich einer, der sagt:
"Wer an mich glaubt, wird leben
in Ewigkeit!"
und nicht:
Was tot ist, ist tot!
Josef Dirnbeck/Martin Gutl in: Paul Jakobi, Damit das Glück Wurzeln schlägt, Mainz 1987.
Wie oft gehe ich doch
mit den alten Menschen um,
als wäre sie Kinder.
Zu Weihnachten beschenke ich sie,
sonst aber bin ich höchst ungeduldig
über ihre Gebrechlichkeit,
über ihren langsamen Schritt,
ihre Schwerhörigkeit, ihre schmerzenden Glieder.
Sie kommen mir vor wie Helden
mit ihrem Hörrohr und dem Spazierstock,
mit dem Geruch der Tabakspfeife,
gänzlich verloren in ihren Erinnerungen
an die Vergangenheit.
Dabei sind es Menschen,
die sich für mich eingesetzt haben.
Sie haben für mich gelitten und geweint,
sie haben mich großgezogen und geliebt.
Wie bringe ich es nur fertig, eine Frau,
die für ihre Umgebung vielleicht mehr getan hat,
als ich mir je vorzustellen vermag,
eine "alberne alte Schachtel" zu nennen?
Und den übelnehmerischen, paffenden Kauz
wie einen schlotternden alten Trottel
zu behandeln?
Herr, vergib mir!
Aus: Gebete für das ganze Leben, St. Benno Verlag, Leipzig 2004.
Eine ältere Ordensschwester, die über Jahre mit Dirnen zusammenlebt und ihnen beisteht, wird in einer Gesprächsrunde von einem Pfarrer gefragt: „Schwester, wie schaffen Sie es, bei all dem Elend und aller Erfolglosigkeit Ihrer Arbeit so fröhlich und humorvoll zu bleiben? Wie ist es möglich angesichts all der Frauen, die so unglücklich sind?“ Und sie gibt die kurze Antwort: „Wissen Sie, ich bin nicht anders, ich hatte es nur anders als diese Frauen. Die Versuchung steckte auch in mir!“
Sie ist also überzeugt, dass sie genau dort sein könnte, wo jene Dirnen jetzt sind, wenn es ihr nicht glücklicherweise im Leben besser gegangen wäre. Und aus dieser tiefen Solidarität und Gleichgesinntheit kann sie das Leben dieser Frauen teilen, ohne herabzuschauen und ohne zu verurteilen. Und sie kann gerade dadurch ein fröhlicher, ansteckender, reicher Mensch bleiben. Sie lebt die Barmherzigkeit und das Feingefühl, das aus der Einsicht in die eigenen Grenzen und aus dem Gespür für das Unglück der anderen wächst. Sie hat sozusagen die ‚Sünderin‘ in sich entdeckt und sagt: „Ich bin nicht anders, ich hatte es nur anders“
Aus: Willi Hoffsümmer, Kurzgeschichten 7, 2. Auflage, Ostfildern 2006.
"Zwei Vorkämpferinnen für Frauenrechte und ihre religiösen Wurzeln". Anhand der Porträts der beiden Frauenrechtlerinnen beleuchtet LOGOS den steinigen weg, den Frauen im Einsatz für ihre Rechte zurücklegen mussten. - Gestaltung Judith Fürst, Bearbeitung: Markus Veinfurter
Es war ein großer Schritt - dessen Bedeutung heute kaum noch nachempfunden werden kann: Vor 100 Jahren durften Frauen in Österreich zum ersten Mal wählen - und auch selbst gewählt werden. Die Reihe LOGOS beschäftigt sich aus diesem Anlass in einer Sommerreprise mit zwei sehr unterschiedliche Persönlichkeiten, die sich für die Rechte von Frauen eingesetzt haben: mit der christlich-sozialen Politikerin Hildegard Burjan und mit Berta Pappenheim, Gründerin des "Jüdischen Frauenbundes".
Am 16. Februar 1919, bei der Wahl zur konstituierenden Nationalversammlung der neuen Republik "Deutschösterreich", galt das allgemeine, gleiche und geheime Wahlrecht zum ersten Mal auch für Frauen - nachdem die Männer noch unter dem Kaiser an den Wahlen des Abgeordnetenhauses des Reichsrates 1907 und 1911 hatten teilnehmen dürfen.
Bertha Pappenheim (1859 - 1936) ist in erster Linie unter dem Decknamen "Anna O." aus den Fallstudien von Sigmund Freud bekannt. Ihr Engagement für Frauenrechte (in Deutschland und auf internationaler Ebene) als Gründerin des "Jüdischen Frauenbundes" wird hingegen weitaus seltener thematisiert.
Hildegard Burjan (1883 - 1933) stammte ebenso wie Berta Pappenheim aus einer jüdischen Familie
- sie ließ sich als junge Erwachsene katholisch taufen. In die Geschichte ist sie als erste christlich-soziale Abgeordnete eingegangen - und als Gründerin der Schwesterngemeinschaft "Caritas Socialis".
Anhand der Porträts der beiden Frauenrechtlerinnen beleuchtet LOGOS den steinigen Weg, den Frauen im Einsatz für ihre Rechte zurückzulegen hatten.
Judith Fürst und Markus Veinfurter in der Rundfunksendung "Logos - Glauben und Zweifeln" am 23. August 2019

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