Sie waren alle schon geladene Gäste bei einer Taufe. Sofern es nicht eine Erwachsenentaufe war, werden Sie sich kaum an Ihre eigene Taufe erinnern. Die vielen Zeichen innerhalb dieses Sakraments werden durch das Wort genauer ausgedeutet. Heute möchte ich mit Ihnen einige Symbole der Taufliturgie betrachten, dazu zwei sehr markante Sätze, die innerhalb der Tauffeier meiner Meinung nach zu wenig Beachtung finden. Dazu die Fragen: Welche Folgen haben diese Sätze für unser Leben? Und: Unterschätzt nicht die Kirche selber das Taufsakrament?
Wir wissen: Symbole sind immer doppeldeutig. Im Sakrament haben sie selbstverständlich positiven Charakter und positive Wirkung.
Alles Leben beginnt im Wasser. Das gilt auch für menschliches Leben, das im Fruchtwasser der Mutter entsteht. Wasser ist auch Sinnbild für den Heiligen Geist. Die Kirche betet daher: "Im Wasser und im Heiligen Geist wurdest Du getauft…."
Das Licht steht für Christus. Wir stellen es in der Osterkerze dar. In der Taufe übernimmt die Patin oder der Pate für das Baby oder das Kleinkind durch die Taufkerze das Licht Christi. Die Christen erhalten damit den Auftrag, in einer kalten Welt Wärme und Licht für andere zu sein, wo es besonders dunkel und rau ist.
Chrisam besteht aus Olivenöl, als Zeichen für Macht und Stärke und Balsam, das aus dem Balsamstrauch gewonnen wird. Beim Schifahren oder auch an sonnigen Tagen cremen wir uns ein, um vor Sonnenbrand geschützt zu sein. Könige wurden bei ihrer Krönung gesalbt, Jesus bezeichnet sich als der Christos, also der Gesalbte. Diese Salbung hat heilende, schützende Wirkung vor allen Verwundungen, denen wir im Laufe unseres Lebens ausgesetzt sind bzw., die wir auch anderen gewollt oder unbewusst zufügen. Auch Kleriker werden zu ihrem Dienst gesalbt.
Die Wortdeutung nach der Salbung mit Chrisam ist gewaltig: In der Taufliturgie heißt es: "Du wirst nun mit dem heiligen Chrisam gesalbt; denn du bist Glied des Volkes Gottes und gehörst für immer Christus an, der gesalbt ist zum Priester, König und Propheten in Ewigkeit." (siehe auch 1 Petr.2, 9 und Taufrituale S 68).
Wir sind somit durch die Taufe "Glieder des Volkes Gottes". Wir gehören dem Leib Christi an und sind mit königlicher Würde ausgestattet. Jeder Mensch hat königliche Würde. Die Frage ist nur, wie wir untereinander und weltweit damit umgehen. Wie verträgt sich königliche Würde mit der Gewalt an Schwachen, an Wehrlosen, an Kindern? Wie verträgt sich königliche Würde mit "mobbing" und "stalking", mit vielen tiefgehenden Verletzungen?
Wir sind ein priesterliches Volk. Die Taufe ist die erste Priesterweihe eines Menschen, egal ob Mann ob Frau. Das werden einige kirchliche Kreise nicht gerne hören, lässt sich aber sehr gut beim Vergleich von Tauf- und Weiheritus ablesen. Die Spannungen zwischen gemeinsamem und Weihepriestertum sind bis heute trotz des II. Vatikanums nicht aufgehoben. Berufung gäbe es genug, etwa zum Priester in verschiedener Form, aber auch zu anderen sehr wichtigen kirchlichen Diensten. "Ist Gott diesbezüglich schwerhörig?" lautet die Frage angesichts des Mangels an Priesterberufungen. Ein Journalist antwortet darauf: "Die Kirchenleitung ist eher schwerhörig!"
Wie sieht es mit der prophetischen Dimension der Kirche aus? Propheten sind keine Wahrsager, Kaffeesudleser, Sprechblasenschleuderer oder Heißluftschwadroneure. Sie sagen, was Sache ist, reden Klartext. Sehr oft werden sie nicht ernst genommen, auch in der Kirche nicht. Man tut sie als Sonderlinge und Spinner ab, weil sie sich gegen die herkömmliche Ordnung stellen. Propheten sind Verkünder der frohmachenden Botschaft und stellen ein Korrektiv dar. Sie versuchen zurechtzurücken, was es an Ungerechtigkeit damals und heute gibt. Sehr oft haben die Propheten ihre Worte mit dem Leben bezahlt, weil sie unerträgliches Ärgernis erregt haben. Wo Kirche versucht, ihrer prophetischen Dimension gerecht zu werden, muss sie auch heute mit Verfolgung, ja sogar mit Mord rechnen (siehe Lateinamerika). Ist es somit ungeschickt, sich für die frohmachende Botschaft einzusetzen? Diese Frage stellt sich täglich neu und braucht auch eine "Unterscheidung der Geister". Wir als Kirche in Europa prangern sehr wohl Missstände an, machen auf unsere christlichen Werte aufmerksam, aber halten wir in den eigenen Reihen ein, was wir anderen vorwerfen? Sind wir nur Zeigefingerpropheten? Sollte das der Fall sein, dann nehmen wir das Sakrament der Taufe zu wenig ernst. Jesu Botschaft zu verkünden und zu leben, ist nicht einfach, ich glaube aber, dass sie unserem Leben Sinn gibt, die Richtung weist und dadurch innere Freude weckt, die ausstrahlt.
Jesus stellt sich durch seine eigene Taufe in die Reihe unserer Menschlichkeit. Er ist einer von uns- ein starkes Zeichen von Solidarität! Jesus weiß, dass all unser Tun begrenzt und unvollständig ist. Deshalb spricht die Kirche beim Begräbnis eines Menschen das schöne Wort aus, das ich auch Ihnen heute für Ihr Leben mitgeben will: "Im Wasser und im Heiligen Geist wurdest Du getauft. Der Herr vollende an Dir, was er in der Taufe begonnen hat."
Das kennen wir doch aus den Medien: Bilder, die das inszenierte Zusammentreffen großer Männer zeigen, Staatsmänner, Funktionäre zumeist, die nach irgendeinem Vertragsabschluß aufgeräumt und händeschüttelnd vor die Kameras treten. Sie haben in der Regel Grund, sich gutgelaunt der Öffentlichkeit zu präsentieren, haben sie doch zumeist nach langem und zähem Ringen ein für beide Seiten vorteilhaftes und zukunftweisendes Arrangement besiegelt, das sie beide im Scheinwerferlicht gut dastehen läßt.
Auch das heutige Evangelium gibt Kunde von der Begegnung zweier großer Männer: Johannes der Täufer und Jesus begegnen sich am Jordan. Doch wie anders ist der Rahmen, in dem diese Begegnung stattfindet! Sie ist nicht kurzfristig anberaumt und in Szene gesetzt, sondern ergibt sich aus einer inneren Notwendigkeit und ist im Heilsplan Gottes von langer Hand vorbereitet, denn bereits ihre beiden Mütter, Elisabeth und Maria, begegneten einander, als beider Söhne noch gar nicht geboren waren. Damals war bereits klar, daß es mit diesen beiden Söhnen eine besondere Bewandtnis haben würde.
Nun sucht Jesus Johannes am Jordan auf, um sich von ihm taufen zu lassen. Er kommt aus Galiläa, hat also einen weiten Weg zurückgelegt, um die Taufe von Johannes zu empfangen. Er reiht sich mit seinem Taufbegehren ein in die Schar der vielen Menschen, die damals als Täuflinge zu Johannes kamen. Er spielt keine Sonderrolle; er ist nicht erhaben über das, was Johannes vollzieht; sondern er ordnet sich ein, ja, er ordnet sich unter. Johannes erkennt das ganz klar, wenn er zu Jesus, abwehrend und mit einer gewissen Entgeisterung, sagt: "Ich müßte von dir getauft werden, und du kommst zu mir?"
Begegnung zweier großer Männer. Nicht auf höchster Ebene. Nicht einmal auf gleicher Ebene. Nicht einmal im richtigen Rangverhältnis. Sondern Jesus, von dem Johannes kurz zuvor sagte, er werde die Menschen mit dem Heiligen Geist und mit Feuer taufen, erbittet und empfängt von Johannes die Taufe mit Wasser.
Warum ist Jesus diese Taufe so wichtig, daß er den weiten Weg von Galiläa auf sich nimmt und sich über den Einwand des Johannes hinwegsetzt? Jesus erklärt es Johannes mit den Worten: "Denn nur so können wir die Gerechtigkeit (die Gott fordert) ganz erfüllen." Das meint doch wohl: Ich will keine Ausnahme sein, sondern bin meinem von Gott gegebenen Auftrag gemäß ein Mensch unter Menschen, und an mir soll geschehen, was den anderen Menschen auch geschieht. Ich will auch hierin, in diesem Akt der Umkehr, den Menschen gleich sein, den Menschen nahe sein. Und ein Zeichen der Umkehr ist diese Taufe Jesu ja tatsächlich, allerdings mit einem ganz anderen Vorzeichen als bei den übrigen Menschen: Bedeutet bei diesen Umkehr, daß sie Buße tun, so bedeutet sie bei Jesus, daß er, der Sohn Gottes, sich all seiner Göttlichkeit begibt und aus ihr umkehrt zum Menschen. Und da ist es dann nur konsequent, daß er sich der Taufe unterwirft, wie sie Johannes spendet.
Vielleicht gibt es noch einen weiteren Grund für die Notwendigkeit der Taufe Jesu durch Johannes. In der Begegnung dieser beiden Männer vollzieht sich nämlich die Begegnung zwischen dem Alten und dem Neuen. Johannes steht für das Alte, für den alten Glauben - nicht umsonst war seine Mutter schon "alt", als sie ihn bekam; nicht umsonst war sein Vater ein Priester des Alten Bundes. Johannes selbst weiß, daß eine neue Zeit anbrechen wird, daß sein Tun ein vorläufiges und er selbst ein Vorläufer ist. In Jesus aber hat das Neue Gestalt angenommen. Doch dieses Neue bedeutet nicht einen Bruch mit dem Alten, so, als sei das Alte untauglich gewesen, sondern es bedeutet die Erfüllung des Alten. Das Alte wird nicht außer Kraft gesetzt, sondern ist das Fundament des Neuen - das bestätigt Jesus mit seiner Taufe, die daher ganz folgerichtig die Voraussetzung für sein öffentliches Wirken in seiner ganzen Neuartigkeit darstellt.
Wie ja überhaupt die Taufe d a s Symbol für die Neu- und Wiedergeburt ist! Das wird bei der Taufe Jesu auf geradezu wunderbare Weise sinnfällig. Denn sobald sie vollzogen ist, öffnet sich für Jesus der Himmel, sieht er den Geist Gottes in leibhaftiger Gestalt auf sich herabkommen und wird er als Sohn aus dem Himmel bestätigt. So wird offenkundig, welchem Reich er angehört, wes Geistes Kind er ist und welchen Vater er hat. Die Taufe, die Jesus von Johannes verlangte, bedeutet Offenbarung, Geistempfang und höchste Legitimation. Die Stimme aus dem Himmel bestätigt, dass Jesus der Erwählte ist, von dem es bei Jesaja heißt:
"Ich, der Herr, habe dich aus Gerechtigkeit gerufen, ich fasse dich an der Hand. Ich habe dich geschaffen und dazu bestimmt, der Bund für mein Volk und das Licht für die Völker zu sein: blinde Augen zu öffnen, Gefangene aus dem Kerker zu holen und alle, die im Dunkel sitzen, aus ihrer Haft zu befreien."
Hier wird nicht im Blitzlichtgewitter ein profitabler Vertragsabschluß zwischen zwei sich in ihrem Erfolg sonnenden Partnern dokumentiert - hier beglaubigt eine Stimme aus dem Himmel ein gewaltiges, Erde und Himmel umspannendes Geschehen, dem sich die beiden Protagonisten in der Haltung der Demut hingeben. So wie Jesaja es vom Gottesknecht kundtut:
"Er schreit nicht und lärmt nicht und läßt seine Stimme nicht auf der Straße erschallen. [ ...] Er wird nicht müde und bricht nicht zusammen, bis er auf der Erde das Recht begründet hat. Auf sein Gesetz warten die Inseln."
In jeder Taufe, die gespendet und empfangen wird, bekommt diese große Hoffnung ein Gesicht. Eine Perspektive. Einen Weg. Der Himmel ist offen. Wir hören: "Dies ist mein lieber Sohn, an dem ich Wohlgefallen habe".
Ich bin - bestimmt - auch gemeint!
Allmächtiger, ewiger Gott,
bei der Taufe im Jordan
kam der Heilige Geist auf unseren Herrn Jesus Christus herab,
und du hast ihn als deinen geliebten Sohn geoffenbart.
Gib, daß auch wir,
die aus dem Wasser und dem Heiligen Geist wiedergeboren sind,
in deinem Wohlgefallen stehen
und als deine Kinder aus der Fülle dieses Geistes leben.
Darum bitten wir durch Jesus Christus.
MB Taufe des Herrn
Allmächtiger Gott,
dein einziger Sohn, vor aller Zeit aus dir geboren,
ist in unserem Fleisch sichtbar erschienen.
Wie er uns gleichgeworden ist in der menschlichen Gestalt,
so werde unser Inneres neu geschaffen nach seinem Bild.
Darum bitten wir durch ihn,
der in der Einheit des Heiligen Geistes
mit dir lebt und herrscht in alle Ewigkeit.
MB Taufe des Herrn
9. Januar
Wir bitten dich:Wir hören von einem geöffneten Himmel,
Sei mit deinem Geist der Hoffnung dort,
wo Menschen aufgeben wollen
und keine Veränderungen zulassen.
Nimm der Mutlosigkeit die Macht
und mache uns stark, Wege der Liebe zu suchen.
Wir rufen zu dir: Herr, öffne uns den Himmel
Wir bitten dich:
Sei mit deinem Geist des Friedens dort,
wo Menschen sich hassen und verachten,
sich aufstacheln zu Terror und Mord.
Zerbrich den Kreislauf der Gewalt
und lass uns den Weg der Versöhnung gehen.
Wir rufen zu dir: Herr, zeige uns den Himmel.
Wir bitten dich:
Sei mit deinem Geist der Wahrheit dort,
wo Lügen Menschen ins Verderben bringen
und Misstrauen Gemeinschaft zerstört.
Lass den Tod ins Leere laufen
und bewahre in unserer Mitte dein Wort.
Wir rufen zu dir: Herr, zeige uns den Himmel.
Gott, unser Vater,
wir feiern den Tag,
an dem du Jesus als deinen geliebten Sohn geoffenbart hast.
Nimm unsere Gaben an
und mache sie zum Opfer Christi,
der die Sünden der ganzen Welt abgewaschen hat.
Er, der mit dir lebt und herrscht in alle Ewigkeit.
MB Taufe des Herrn
Mit Brot und Wein bringen wir unser Leben mit unseren Möglichkeiten und Begrenzungen vor Gott.
Wir bitten:
Gottes Geist erwecke aus diesen irdischen Gaben seine unsterbliche Gabe an uns: Jesus Christus, unsern Herrn,
die Zuflucht der Schuldigen,
das Heil der Kranken,
die Auferstehung der Toten,
die Erfüllung aller Hoffnung für Zeit und Ewigkeit.
Das erbitten wir in Jesu Namen.
Kehrvers:
GL 401: Lobet den Herrn, preist seine Huld und Treue
Wir preisen dich, Vater,
für die Menschwerdung deines Sohnes,
für seine Geburt aus der Jungfrau Maria,
für sein Kommen in unserer Mitte.
Kehrvers
Wir preisen dich, Vater,
für Jesu verborgenes Leben in Nazareth,
für sein Heranwachsen im Licht deiner Liebe,
für sein Leben in der heiligen Familie.
Kehrvers
Wir preisen dich, Vater,
für die Offenbarung deines Sohnes am Jordan,
für sein Hinabtauchen in die Tiefen des Wassers,
für die Herabkunft des Heiligen Geistes.
Kehrvers
Wir preisen dich, Vater,
für jedes Wort aus dem Munde Jesu,
für sein heilendes und ermutigendes Wirken,
für die Zeichen seiner Herrlichkeit.
Kehrvers
Wir preisen dich, Vater,
für alle Macht, die du Jesus gegeben hast,
für seine Gegenwart in unserer Mitte,
für sein Kommen am Ende der Zeiten.
Kehrvers
Wir preisen dich, Vater,
durch ihn Jesus Christus, deinen Sohn,
im Heiligen Geist.
Und wir danken dir in alle Ewigkeit. Amen.
Kehrvers
Danklied, z.B. Lasst uns loben, freudig loben (GL 489)
In Wahrheit ist es würdig und recht,
dir, allmächtiger Vater,
zu danken und deine Größe zu preisen.
Denn bei der Taufe im Jordan
offenbarst du das Geheimnis deines Sohnes
durch wunderbare Zeichen:
Die Stimme vom Himmel verkündet ihn
als deinen geliebten Sohn,
der auf Erden erschienen ist,
als dein ewiges Wort,
das unter uns Menschen wohnt.
Der Geist schwebt über ihm in Gestalt einer Taube
und bezeugt ihn als deinen Knecht,
den du gesalbt hast,
den Armen die Botschaft der Freude zu bringen.
Darum singen wir mit den Engeln und Erzengeln,
den Thronen und Mächten
und mit all den Scharen des himmlischen Heeres
den Hochgesang von deiner göttlichen Herrlichkeit:
Heilig ...
MB Taufe des Herrn
In Wahrheit ist es würdig und recht,
dass wir dich, ewiger Gott, immer und überall loben
und dir danken durch deinen geliebten Sohn Jesus Christus.
Als die Zeit erfüllt war, hast du ihn gesandt,
mit uns deinen Bund zu schließen.
In seiner Taufe ist er zu uns getreten als Bruder,
um uns vom ewigen Tod zu erlösen.
In unserer Taufe haben wir sein unauslöschliches Siegel empfangen,
das uns Anteil verbürgt an seinem göttlichen Licht und ewigen Leben.
Darum preisen wir dich mit allen Heiligen und Vollendeten
und singen das Lob deiner Herrlichkeit.
Heilig...
Gütiger Gott,
du hast uns mit deinem Wort
und dem Brot des Lebens genährt.
Gib, daß wir gläubig auf deinen Sohn hören,
damit wir deine Kinder heißen und es in Wahrheit sind.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
MB Taufe des Herrn
Christ, unser Herr, zum Jordan kam
Nach seines Vaters Willen,
Von Sankt Johannes die Taufe nahm,
Sein Werk und Amt zurfüllen.
Da wollt er stiften uns ein Bad,
Zu waschen uns von Sünden,
Ersäufen uns den bittern Tod
Durch sein selbst Blut und Wunden.
Es galt ein neues Leben.
So hört und merket alle wohl,
Was Gott heißt selbst die Taufe,
Und was ein Christen glauben soll,
Zu meiden Ketzerhaufen.
Gott spricht und will, daß Wasser sei,
Doch nicht allein schlecht Wasser,
Sein heilges Wort ist auch dabei
Mit Geist ohn Maßen, reichen
Der ist allhie der Taufer.
Solchs hat er uns beweiset klar
Mit Bildern und mit Worten.
Des Vaters Stimm man offenbar
Daselbst am Jordan horte.
Er sprach: Das ist mein lieber Sohn,
An dem hab ich Gefallen,
Den will ich euch befohlen han,
Daß ihr ihn höret alle
Und folget seinen Lehren.
Auch Gottes Sohn hie selber steht
In seiner zarten Menschheit.
Der heilig Geist hernieder fährt,
In Taubenbild verkleidet.
Das wir nicht sollen zweifeln dran,
Wenn wir getaufet werden:
All drei Personen getaufet han,
Damit bei uns auf Erden
Zu wohnen sich ergeben.
Sein Jünger heißt der Herre Christ:
Geht hin, all Welt zu lehren,
Daß sie verlorn in Sünden ist,
Sich soll zur Buße kehren.
Wer glaubet und sich taufen läßt,
Soll dadurch selig werden,
Ein neugeborner Mensch er heißt,
Der nicht mehr könne sterben,
Das Himmelreich soll erben.
Wer nicht glaubt dieser großen Gnad,
Der bleibt in seinen Sünden
Und ist verdammt zum ewigen Tod
Tief in der Höllen Grunde.
Nicht hilft sein eigen Heiligkeit,
All sein Tun ist verloren,
Die Erbsünd machts zur Nichtigkeit,
Darin er ist geboren,
Vermag ihm selbst nichts helfen.
Das Aug allein das Wasser sieht,
Wie Menschen Wasser gießen,
Der Glaub im Geist die Kraft versteht
Des Blutes Jesu Christi.
Und ist vor ihm ein rote Flut
Von Christi Blut gefärbet,
Die allen Schaden heilen tut,
Von Adam her geerbet.
Auch von uns selbst gegangen.
Martin Luther (1541) in EG 202
Gott Vater, du hast deinen Namen
In deinem lieben Sohn verklärt
Und uns, so oft wir zu dir kamen,
die Vatergnade neu gewährt.
So rufe dieses Kind mit Namen,
das nun nach deinem Sohne heißt.
Wir glauben, du Dreiein’ger! Amen!
Zum Wasser gabst du Wort und Geist.
Erhalte uns bei deinem Namen!
Dein Sohn hat es für uns erfleht.
Geist, Wort und Wasser mach zum Samen
der Frucht des Heils, die nie vergeht
Jochen Klepper (1941), EG 208
Mein Schöpfer, steh mir bei, sei meines Lebens Licht
Und führe mich zum Ziel, wie es dein Wort verspricht.
Lass mich Vertrauen fassen, auf dich mich zu verlassen.
Ich möchte dir gehören und deinen Namen ehren.
Mit dir zu leben, mach mich frei, mein Schöpfer steh mir bei.
Mein Heiland, segne mich / und nimm mich gnädig an, /
dass ich mit dir vereint / im Glauben wachsen kann. /
Lass mich dein Wort bewahren / und vor dem Kreuz erfahren, /
Dass ich von Schuld und Sünde / bei dir Erlösung finde. /
Wer bin ich Arme/r ohne dich, / mein Heiland, segne mich.
Mein Tröster, gib mir Kraft, / mach mich erwartungsvoll /
und hilf mir zu bestehen, wo ich bestehen soll. /
Mein Denken, Tun und Sagen / lass mich auf Christus wagen, /
Dass ich mich mutig übe / in wahrer Menschenliebe. /
Du bist, der alles Gute schafft, / mein Tröster, gib mir Kraft.
Gott Vater, Sohn und Geist, / du liebst mich, wie ich bin. /
Schenk diese Zuversicht / mir tief in Herz und Sinn. /
Erwähle und behüte / mich ganz durch deine Güte, /
so will ich dir mein Leben / auch ganz zum Lobpreis geben. /
Erfüll an mir, was du verheißt, / Gott Vater, Sohn und Geist.
Nach Johann Jakob Rambach (1729) von Detlev Block (1990), EG 593
Dietrich Bonhoeffer schrieb anlässlich der Taufe an sein Patenkind im Mai 1944:
"Du wirst heute zum Christen getauft. Alle die alten großen Worte der christlichen Verkündigung werden über Dir ausgesprochen, und der Taufbefehl Jesu Christi wird an Dir vollzogen, ohne dass Du etwas davon begreifst. Aber auch wir selbst sind wieder ganz auf die Anfänge des Verstehens zurückgeworfen. Was Versöhnung und Erlösung, was Wiedergeburt und Heiliger Geist, was Feindesliebe, Kreuz und Auferstehung, was Leben in Christus und Nachfolge Christi heißt, das alles ist so schwer und so fern, dass wir es kaum mehr wagen, davon zu sprechen... Unser Christsein wird heute nur in zweierlei bestehen: im Beten und im Tun des Gerechten unter den Menschen..."
Dietrich Bonhoeffer schließt seinen Brief mit dem Wunsch, dass sein Patenkind zu den Menschen gehören möchte, "die beten und das Gerechte tun und auf Gottes Zeit warten", und dass es von ihm einmal heißt: "Des Gerechten Pfad glänzt wie das Licht, das immer heller leuchtet bis auf den vollen Tag" (Sprüche 4, 18).
Dietrich Bonhoeffer, Widerstand und Ergebung. Briefe und Aufzeichnungen aus der Haft, DBW 8, Gütersloh 1998
Gott, wir sehnen uns danach,
dass du Recht schaffst in unserer Welt,
deren Ungerechtigkeit zum Himmel schreit.
Wir fühlen uns oft so ohnmächtig
gegenüber all dem Furchtbaren,
von dem wir hören.
Gott, wir ersehnen deine Gerechtigkeit
und fürchten doch auch dein Gericht.
Denn du lässt dich nicht täuschen
durch die schönen Fassaden,
hinter denen wir uns so oft verbergen.
Du lässt dich nicht beschwichtigen
von der gängigen Ausrede,
wir könnten schließlich nichts machen.
Du weißt, was wir anderen Menschen schuldig bleiben
und wie viel Böses auch von uns ausgeht.
Barmherziger Gott, sei uns ein gnädiger Richter
und hilf uns, entschieden und tapfer zu werden
im Tun deines Willens.
Amen.
Reformierte Liturgie
Es wird uns nicht berichtet, wie die Zeit der Verborgenheit im Leben des Herrn zu Ende ging. [ ...]
Wie Jesus zum Jordan kommt, liegt hinter Ihm das tiefe Erfahren der Kindheit und der langen Jahre des "Zunehmens an Alter, Weisheit und Gnade" (Lk 2, 52). Das Bewußtsein der ungeheuren Aufgabe und aus unergründlichen Tiefen aufsteigende Kräfte leben in Ihm - die erste Gebärde aber, die wir von Ihm sehen, und das erste Wort, das Er spricht, sind Demut. Nirgendwo der Anspruch der Ungewöhnlichkeit, der sagt: "Das gilt für andere, nicht für mich!" Er kommt zu Johannes und verlangt die Taufe. Sie verlangen, heißt das Wort des Täufers annehmen und sich als Sünder bekennen; Buße tun und sich dem öffnen, was von Gott her kommen will. So verstehen wir, wie Johannes erschrocken abwehrt. Jesus aber tritt in die Reihe. Er beansprucht keine Ausnahme, sondern stellt sich unter die "Gerechtigkeit", die für alle gilt.
Auf dieses Hinabsteigen in die Menschentiefe antwortet der Ausbruch aus der Höhe. Die Himmel öffnen sich. Die Schranke, die den allgegenwärtigen Gott in seinem Himmel, seinem seligen Bei-sich-Sein, von uns absperrt - nämlich der Mensch selbst in seiner gefallenen Geschöpflichkeit, und daß er die Welt mit sich gerissen hat, und sie nun "der Vergänglichkeit unterworfen ist" (Röm 8,20) - diese Schranke tut sich auf. Ein unendliches Begegnen geschieht. Dem Menschenherzen Jesu strömt die offene Fülle des Vaters entgegen. "Während Er betet", geschieht es, sagt Lukas, und scheint damit anzudeuten, daß es ein innerer Vorgang ist (3,21). Wohl wirklich; wirklicher als alle greifbaren Dinge ringsumher; aber innerlich, "im Geiste". [ ...]
Die Macht des Geistes kommt über Jesus, und in das überschwengliche Begegnen, in die Gottesfülle des Augenblicks tönt das Wort des väterlichen Liebe, das bei Lukas als Anrede steht: "Du bist mein geliebter Sohn; an Dir habe ich mein Wohlgefallen!" (Lk 3, 22) Und so, "des Heiligen Geistes voll, verläßt Jesus den Jordan und wandert im Geiste in die Wüste"(Lk 4,1).
Romano Guardini, Der Herr. Betrachtungen über die Person und das Leben Jesu Christi, Würzburg: Werkbund-Verlag 11., unveränderte Aufl. 1959, S. 27 - 28.

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