(für Wortgottesdienstfeiern)
Kehrvers:
Singt dem Herrn, alle Lander der Erde,
singt dem Herrn und preist seinen Namen.
(GL 54,1)
Guter Gott und Vater,
wir haben Grund, dir zu danken und dich zu preisen.
Du bist uns nahe mit deinem Heil.
Die Nacht ist vorgerückt und dein Tag ist nahe.
Kehrvers
Zu dir strömen alle Völker,
viele Nationen machen sich auf den Weg zu dir.
Du zeigst uns die Wege die wir gehen sollen,
dein Wort gibt uns Weisung, wie wir leben sollen.
Kehrvers
Du sprichst Recht im Streit der Völker,
du weist die Nationen zurecht.
Wer deine Wege geht, übt nicht mehr für den Krieg,
sondern schmiedet die Waffen zu Pflugscharen.
Kehrvers
Du mahnst uns zur Wachsamkeit
und dass wir uns bereit halten,
wenn der Menschensohn kommt,
um uns heimzuholen in sein Reich.
Kehrvers
Mit den Engeln und Heiligen stimmen wir ein
in den Lobgesang der ganzen Schöpfung
und singen dir zum Dank:
Danklied, z. B.: SSingt dem Herrn ein neues Lied (GL 409)
1. Wir warten dein, o Gottes Sohn,
und lieben dein Erscheinen.
Wir wissen dich auf deinem Thron
und nennen uns die Deinen.
Wer an dich glaubt,
erhebt sein Haupt
und siehet dir entgegen;
du kommst uns ja zum Segen.
2. Wir warten deiner mit Geduld
in unsern Leidenstagen;
wir trösten uns, daß du die Schuld
am Kreuz hast abgetragen;
so können wir
nun gern mit dir
uns auch zum Kreuz bequemen,
bis du es weg wirst nehmen.
3. Wir warten dein; du hast uns ja
das Herz schon hingenommen.
Du bist uns zwar im Geiste nah,
doch sollst du sichtbar kommen;
da willst uns du
bei dir auch Ruh,
bei dir auch Freude geben,
bei dir ein herrlich Leben.
4. Wir warten dein, du kommst gewiß,
die Zeit ist bald vergangen;
wir freuen uns schon überdies
mit kindlichem Verlangen.
Was wird geschehn,
wenn wir dich sehn,
wenn du uns heim wirst bringen,
wenn wir dir ewig singen!
Philipp Friedrich Hillert (1767), in: EG 152
Bleibt das Ende von A. A. [einer Familienangehörigen Marina Zwetajewas]. Es ist schrecklich. Nachdem sie alle verloren hatte ..., blieb A. A. allein, hineingezwängt mit allen ihren Möbeln und Truhen in ein einziges Zimmer, jenes, im Souterrain, ... mit den Fenstern zum Garten. Ringsum war eine neue Welt, von dem ersten engen Kreis der ins Haus gesetzten Mieter - bis zum Gesichtskreis der neuen Ideen - bis zu dem gewaltigen Horizont der Revolution [gemeint ist die russ. Oktoberrevolution 1917] mit seinen ununterbrochenen Morgenröten. Wie kam sie zurecht mit dieser Welt? Das erste ist, sie kämpfte mit ihr. Sie war geblieben, aber zum Schutz. Wessen? Ihrer Habe. Und sie hielt diese Stellung. ...
Es klopft. An den Laden - der Strauch, mit dem vereisten Zweig, wie mit einem vereisten Finger. ... einmal, - noch einmal. Was dann, wenn es wieder ...? Das dritte Mal. Und da, schleichend, entfernt es sich. A. A. , kaltblütig: - Das sind die Nerven. - Trotzdem, zur Sicherheit, drängt sie sich zwischen den harten Ecken der Truhen hindurch, kniet sich auf die immer noch nicht fortgeräumten Stapel des "Kreml", drückt die Stirn gegen den Rahmen. Nichts. Die leere Wand des Ladens. Die abweisende vereiste Scheibe.
Wovor auch Angst haben in einem solchen Haus? Mit soviel Bewohnern? Wieviel Mieter - soviel Revolver. Hinter solchen Fensterläden? Mit einem solchen Hausmeister? Wer sollte denn nachts Angst einjagen, wozu? (In diesem Moment vergaß A. A., daß man auch klopfen kann, um zu warnen, nicht nur, um zu erschrecken. [...] ein zur Vorsicht Mahnender kann in Ermangelung anderer Möglichkeiten auch einmal mit einem Zweig klopfen ...)
Sie faßt sich wieder, geht in das eisige Bett. Schließt die Augen, schaltet n i c h t das Licht aus. ...
Das Unglück kam nicht durch das Fenster. Das Unglück kam durch die Tür. Klopfen. A. A. schläft. Das zweite Mal, dringlich. - "Wer ist da?" - "Iwan, der Hausmeister. Alexandra Alexandrowna, ich habe was zu besprechen mit Ihnen." - "Besprechen? Morgen!" - "Nein, eine unaufschiebbare Sache, verzeihen Sie bitte die Belästigung, ich bleibe nicht lange." - "Komm nicht gleich herein, ich öffne und lege mich wieder hin." ... Er tritt ein. Steht stumm da. Die Augen sonderbar. A. A., gebieterisch und nervös: "Und?" Die Stimme verlierend: "Was denn?" Der, zur Tür: "Kommt rein, Jungs."
Sie kamen als Bande. Kramen nach den Millionen, fanden aber nur vierundsechzig Rubel und Kopeken. Das "Hab und Gut" rührten sie nicht an - Lappen. Flohen in den Kaukasus, wurden verfolgt, ergriffen, verurteilt, einige - erschossen.
Das Haus am alten Pimen endete in zweifachem Blut.
Marina Zwetajewa, Zwischen uns - die Doppelklinge. Gedichte, russisch - deutsch; Prosa. Leipzig: Reclam 1994, S. 216 - 220.
Es wird ein großer Stern in meinen Schoß fallen ...
Wir wollen wachen die Nacht,
In den Sprachen beten,
Die wie Harfen eingeschnitten sind.
Wir wollen uns versöhnen die Nacht -
So viel Gott strömt über.
Kinder sind unsere Herzen,
Die möchten ruhen müdesüß.
Und unsere Lippen wollen sich küssen,
Was zagst du?
Grenzt nicht mein Herz an deins -
Immer färbt dein Blut meine Wangen rot.
Wir wollen uns versöhnen die Nacht,
Wenn wir uns herzen, sterben wir nicht.
Es wird ein großer Stern in meinen Schoß fallen.
Else Lasker-Schüler, Gedichte 1902 -1943, München: dtv 2. Aufl. 1988. S.153.
Was war mein Leben, wenn es heut soll enden?
Verträumt? Verloren? Nein, es war ein Ring
Von stillen Freuden, die mit vollen Händen
Ich nahm und weitergab und neu empfing.
Es war ein Liebesbund mit dieser Erde,
Die mich mit ihrer Schönheit tief beglückt
Und immer doch mit mächtiger Gebärde
Mein Ziel hinaus ins Ewige gerückt.
Es war mit Wasser, Bergeswind und Fluren
Ein brüderlicher Bund, der niemals brach,
Mit allen Wolken, die im Blauen fuhren
Und deren Lied von unsrer Heimat sprach.
Mit ihren großen ewigen Gewalten
Hab ich in Treue Brüderschaft gehalten;
Und meine Sünde war in all den Jahren,
Daß sie mir lieber als die Menschen waren.
Hermann Hesse, in: Die Gedichte, stb 381, Frankfurt 1977, S. 757
Laternen spiegeln durch die Nacht
Im nassen Straßenpflaster –
In dieser späten Stunde wacht
Nur noch die Not und das Laster.
Ich grüße euch, die ihr wachet,
Euch, die ihr liegt in Not und Leid,
Euch, die ihr lärmet und lachet
Und die ihr alle meine Brüder seid.
Hermann Hesse, in: Die Gedichte, stb 381, Frankfurt 1977, S. 174
SIEHE: (denn kein Baum soll dich zerstreuen)
Reinen Raum auf diesem Eiland stehen.
Vögel? – Sei gefasst auf Leuen,
welche durch die Lüfte gehen.
Bäume würden scheuen,
und ich will nicht, dass sie sehn.
Aber du, du sieh, gewahre, sei
Schauender, als je ein Mann gewesen.
Du sollst fassen, nehmen, lesen,
schlingen sollst du, die ich dir entzwei
breche, meines Himmels volle Frucht.
Daß ihr Saft dir in die Augen tropfe,
sollst du knieen mit erhobnem Kopfe:
dazu hab ich dich gesucht.
Und sollst schreiben, ohne hinzusehen;
Denn auch dieses ist von Nöten: Schreibe!
leg die Rechte rechts und links auf den
Stein die Linke: dass ich beide treibe.
Und nun will ich ganz geschehn.
Jahrmillionen muß ich mich verhalten,
weil die Welten langsamer verleben,
muß den kalten
nach und nach von meinen Gluten geben,
statt in allen alle Glut zu sein.
Und so bin ich niemals im Geschaffnen:
Wenn die Menschen eben mich vermuten,
so vergisst mich schon der Stein.
Einmal will ich mich vor dir entwaffnen.
Meine Mäntel, meine Reichsgewänder,
meine Rüstung: alles, was mich schnürt:
abtun und dem hohen Doppel-Händer,
der der Engel für mich führt,
meiner Rechten Strom entziehn -. Doch jetzt
siehe die Bedeutung meiner Trachten.
Da Wir uns so große Kleider machten,
kommt das Unbekleidetsein zuletzt.
Rainer Maria Rilke, Zum 21. November 1915 für Clara mit Dürers Apokalypse, in: Die Gedichte, itb 2246, Frankfurt 1998.
Der Mensch lebt und bestehet
Nur eine kleine Zeit;
Und alle Welt vergehet
Mit ihrer Herrlichkeit.
Es ist nur Einer ewig und an allen Enden,
Und wir in seinen Händen.
Und der ist allwissend.
Erstes Chor: Halleluja!
Und der ist heilig.
Zweites Chor: Halleluja!
Und der ist allmächtig
Drittes Chor: Halleluja!
Und ist barmherzig.
Alle Chöre:
Ist barmherzig – Halleluja! Amen!
Halleluja ewig ewig ewig seinem Namen!
Ist barmherzig – Halleluja.
Matthias Claudius (1782) In: Sämtliche Werke des Wandsbecker Boten, 4. Teil

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